BROTHER SHARP: OBDACHLOSER WIRD DANK INTERNET ZUR STILIKONE

Posted: März 9th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION EXHIBITIONS, FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , | No Comments »

brothersharp-03Eine skurrile Selbstdarstellung auf YouTube genügt und schon sind sie da, die von Warhol bereits in den 1960er Jahren prophezeiten 15 Minuten Ruhm für Jedermann. Dass Ruhm heutzutage längst nicht mehr mit Spaß und materiellem Wohlstand gleichzusetzen ist, zeigt ein aktuelles Beispiel aus den Tiefen des World Wide Web, dass einen Obdachlosen aus China gegenwärtig als neue Stilikone feiert.

Zahlreiche Modeblogs zeigen aktuell Fotos von einem Mann, der sein Dasein in den Straßen Ningbos fristet und dessen Identität niemand zu kennen scheint. Wozu auch? Webaffine Style-Addicts interessieren sich ohnehin mehr für die Kluft des Entwurzelten als für dessen Herkunft. Sein abgewetzter Lagenlook sorgt unter dem Begriff “Homeless Chic” aktuell für Begeisterung unter übersättigten Fashionistas. Beijings Tageszeitung hat dem Mann bereits einen Artikel auf ihrer Titelseite gewidmet und auch die renommierte Londoner Tageszeitung “The Independent” so wie die italienische “Repubblica” haben sich dem Thema angenommen.

Ob der Betroffene bezüglich seiner unfreiwilligen Internetprominenz glücklich ist und ihm der Status als Fashion Darling darüber hinweg tröstet in zugigen Einkaufshallen übernachten zu müssen? Wohl kaum! Denn der bekannte Unbekannte ist geistig krank, er stammelt mehr als das er spricht und scheint den Rummel um seinen Look keineswegs zu realisieren. Das chinesische Paparazzi und Reporter dennoch ungefragt ihrer Kameras auf ihn richten, hat angesichts der Hilflosigkeit des Mannes einen besonders negativen Beigeschmack. Im Gegensatz zum wirklichen Celebritiy verfügt der Vagabund über keine Rückzugsmöglichkeit. Die auf YouTube und chinasmack.com veröffentlichten Videos wirken verstörend. Mehr als das Wort Hetzjagd fällt mir angesichts der rauschenden Aufnahmen nicht ein.

“BrotherSharp”, wie der geschätzt 35-jährige, gemeinhin genannt wird, hat bereits eine eigene Facebook-Seite. Diese stammt natürlich nicht von ihm, sondern wurde von einem seiner Bewunderer eingerichtet. Hier wurde ihm eine Identität verordnet, die nicht authentisch ist. Mittels Statuszeile werden ihm Worte in den Mund gelegt, die nicht seine sind. Die Seite zählt annähernd 1000 Fans.

brothersharp-021Inspiration aufzunehmen wo man sie gerade findet, und das kann eben überall sein, ist die eine Sache, die Frage ist nur, wie gehe ich mit meiner Inspirationsquelle um, nachdem ich mich ihrer zu meinem Vorteil bedient habe? Besonders dann, wenn es sich dabei um benachteiligte, wehrlose Menschen handelt? Sollen diese sich etwa mit der alleinigen Thematisierung ihrer Situation zufrieden geben und froh sein, dass ihrem Schicksal überhaupt Aufmerksamkeit geschenkt wird? Es gibt Leute, die denken so! Menschen, die in verwüsteten Landstrichen ausschließlich eine reizvolle Kulisse für das nächste Fotoshooting sehen und selbst lebensbedrohlicher Armut noch eine sozialromantische Komponente abgewinnen können. Manche nennen das cool! Andere nennen das gewissenlos.

Sicht einer Bloggerin auf Brother Sharp: Modelqualitäten

Sicht einer Bloggerin auf Brother Sharp: Modelqualitäten

Im Internet kursieren Fotos die BrotherSharp in Frauenkleidern zeigen, was den Hype als Stilvorbild zwangsläufig schürt. Die traurige Geschichte hinter dem “Transenlook” besagt, der Mann trägt die Kleider seiner ermordeten Frau auf seinem Leib, um ihr möglichst nahe zu sein. Eine andere Version der Geschichte basiert auf Sehnsucht. Laut einer chinesischen Bloggerin, die BrotherSharp bereits im Jahr 2008 zum ersten Mal auf der Straße begegnete und ihn seitdem regelmäßig aufsucht, sehnt sich sein Herz nach einer Frau, die ihn liebt. So schlüpft der “arme Tropf” vor Sehnsucht manchmal selbst in die Rolle dieser fiktiven  ihn liebenden Frau, in gesammelten Kleidern aus dem Müll!

brothersharp-01Das einzige was einzelne(!) Stellvertreter der Modeszene und BrotherSharp miteinander verbindet, scheint der Realitätsverlust zu sein.

Quellen und Links:

The Independent
chinasmack.com
Facebook



KARL LAGERFELD “THE BEAUTY OF VIOLENCE”

Posted: März 8th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION MEDIA | Tags: , , , , | No Comments »

Karl Lagerfeld "The Beauty of Violence"

Karl Lagerfeld "The Beauty of Violence"

Über das Verhältnis von Model Baptiste Giabiconi und seinem Entdecker Karl Lagerfeld wird viel spekuliert. Handelt es sich hier um eine Liebesbeziehung, eine Freundschaft, oder doch bloß um eine dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Model und Designer?

Der Meister schwärmt in Interviews zwar in höchsten Tönen von dem zwanzigjährigen Beau aus Marseilles und pusht dessen Kariere wie zuvor nur seine eigene, doch zur Frage welcher Natur die Verbindung zwischen den Beiden tatsächlich ist, bezog der Modemacher bislang keine Stellung. Eine wesentlich eindeutigere Sprache sprechen da schon die zahlreichen Fotos, die Lagerfeld in den vergangenen zwei Jahren quasi in Akkordarbeit von seinem Zögling geschossen hat. Sie zeigen Baptiste häufig nackt, mal in Stilettos, mal mit Faust im Mund - erotische Posen dirigiert von Kaiser Karl.

Eine Auswahl der besten Motive bietet der im Mai bei Steidl erscheinende Bildband “The Beauty of Violence”.

Karl Lagerfeld “The Beauty of Violence”, Steidl Verlag, 96 Seiten, 34 Euro


THIERRY MUGLER: GALAXY GLAMOUR

Posted: März 8th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION MEDIA | Tags: , , | No Comments »

Thierry Mugler Galaxy Glamour

Thierry Mugler Galaxy Glamour

Galaxy Glamour, das klingt nach einem Tanz der Sternschnuppen, nach der Kollision von Sternenstaub, nach grellen Lichtstreifen, nach Knalleffekt, irisierenden Farbverläufen, nach Glitzer vor mitternachtsblauer Kulisse. Klingt gut? Willkommen im Kosmos von Thierry Mugler!

Die kraftvollen Fantasyroben und Metallkorsagen des sich seit 2001  im Ruhestand befindenden Designers üben auch Jahre nach ihrer Erstellung noch eine unglaubliche Anziehungskraft auf den Betrachter aus. Mugler’s unverwechselbare Ästhetik aus Science- Fiction, Gothic-Glamour und der Welt der Insekten verfügt über einen enormen Unterhaltungswert und beweist das Mode weit mehr sein kann als nur ein simples Kleidungsstück. Zuletzt machte der muskelbepackte Stardesigner mit der Gestaltung von 58 Bühnenkostümen für Beyoncé’ s Welttournee “I AM SASHA FIERCE” von sich reden.

Thierry Mugler: Galaxy Glamour von Danièle Bott, Thames&Hudson, 59 Euro


SUSANNE WIEBE’s FASHIONSHOW - EIN EINBLICK

Posted: März 3rd, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE | Tags: , , , , , , | No Comments »

Susanne Wiebe und Models, photo: by courtesy of ROCCHI PR

Susanne Wiebe und Models, photo: by courtesy of ROCCHI PR

Glamour à la bayerische Landeshauptstadt bot vergangenen Freitag Susanne Wiebe’s Fashion Show zum Auftakt der Modemesse “munichfashion.women”. Im großzügigen Glasbau des Audi Zentrums München versammelten sich circa 500 Gäste um bei Häppchen und Schampus die Herbst Winter Kollektion 2010, der in Schwabing ansässigen aber international präsenten Modemacherin zu begutachten und nebenbei einen Blick auf den neuen Audi R8 Spyder zu werfen.

Design auf 4 Rädern folgte später Mode auf zwei Beinen. Doch zuvor zauberte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude mit seiner Lobeshymne auf die Stadt als Modestandort, allen Anwesenden ein Lächeln auf die Lippen. Die wenigen Berliner unter ihnen lächelten einfach mit.

Weitere Unterstützung erhielt Wiebe an diesem Abend durch prominente Freunde, die als Pressefutter in der ersten Reihe saßen oder aber als Models fungierten, wie Natascha Ochsenknecht, die den Idealtyp der Wiebe Kundin zu repräsentieren scheint. Selbstbewusst, energisch, lebensfroh! Wiebes Entwürfe für die kommende Wintersaison strotzen geradezu vor weiblicher Kraft! Auf Business Amazonen in Lederleggings folgten gezähmte Rockerbräute in salontauglichen Nietenoutfits. Schwarze Kostüme mit Leder- und Lackapplikationen und kleinen Pagoden Schultern erinnerten ein wenig an Claude Montana, was eine neben mir stehende Dame zu spötteln veranlasste dass das Gezeigte sie doch sehr an die 1980er Jahre erinnere. Macht doch nix, denke ich, war schließlich ne geile Zeit, die 80er.

We love Pink!
We love Pink!

Natürlich kann man es nie Allen recht machen. Dafür brachte ein silbernes Plisseedress Moderatorin Gundis Zambo zum Staunen, die in einem royalblauen Etuikleid und farblich passenden Schuhen, den Hingucker in der ersten Reihe bildete. Die Presse interessierte sich jedoch weniger für Zambos Oufit, als vielmehr für ihren jungen, gut gebauten aber noch nie zuvor gesehenen Begleiter. Angeblich ihr Fitnesstrainer; nicht mehr nicht weniger! Dieser hielt seine Hosen gleich mit zwei Gürteln auf den Hüften, wovon einer durch seine mit Glitzersteinen besetzte blinkende LED Schnalle besonders auffiel.

Mir gegenüber sitzt Bunte Society-Expertin Marie Waldburg, in einem mit reichlich Strass verzierten Strickjäckchen und blickt nachdenklich Natascha Ochsenknecht hinterher, als diese ihren Lauf schon fast beendet hatte und das nächste Model bereits am vorderen Ende des Catwalks angekommen war und für die Fotografen posierte. Was das wachsamste Auge der Münchner Schickeria wohl in diesem Moment gedacht haben mag?

Naomi & Otto Kern, photo: by courtesy of ROCCHI PR
Naomi & Otto Kern, photo: by courtesy of ROCCHI PR

Der Gesichtsausdruck von Hemdenkönig Otto Kern ließ sich da schon leichter interpretieren. Offensichtlich fand er Gefallen daran, als seine schöne Gattin Naomi in einem Bustierkleid aus schwarzen Seidensatinfransen vors Publikum stakste und bei jedem einzelnen ihrer Schritte über den Laufsteg die Beine trotz ultrahoher Plateau-Hacken tapfer durchstreckte. Nur Laien knicken bei hohen Absätzen in den Kniekehlen ein!

Als schließlich Cocktaikleider aus Spitze und Pailetten mit Schleife in der Taille ihren Auftritt hatten, zückte auch die Nörglerin neben mir ihr Handy, um festzuhalten was ihren Geschmack getroffen hat. Letztlich kriegt Susanne Wiebe sie alle, die Großstadt-Sirenen, die Diven, die Ladys, die Geschäftsfrauen, die Mütter und auch die Nörglerinnen. “I am every woman” Eine Frau hat eben viele Facetten. In der Erkenntnis diese zu bedienen liegt die Stärke ihres Labels.


IRVING PENN IN DER NATIONAL PORTRAIT GALLERY IN LONDON

Posted: März 1st, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION EXHIBITIONS, FASHION NEWS | Tags: , , , | No Comments »

The Duchess of Windsor, New York, 1948, National Portrait Gallery, London © The Irving Penn Foundation

The Duchess of Windsor, New York, 1948, National Portrait Gallery, London © The Irving Penn Foundation

Sein Lebenslauf liest sich wie der eines aufstrebenden Kreativen im Hier und Jetzt. Studium, Praktikum, freiberufliche Tätigkeiten, Assistenz, Selbständigkeit.

Der Unterschied; Irving Penn war bereits fester Bestandteil der Modeelite, als deren Erzeugnisse noch nicht Allgemeingut der Massen und “jobs-in-fashion” noch sehr überschaubar waren.

Als Hausfotograf der amerikanischen Vogue schoss Penn über 150 Titelseiten für das Magazin. Sein erstes mit gerade mal 26 Jahren, sein letztes mit 86 Jahren. Somit prägte er entschieden das Image des heute prestigeträchtigsten und vielleicht auch einflussreichsten Modemagazins der USA. Sein letztes Titelblatt für die US-Vogue im Mai 2004 zeigt Schauspielerin Nicole Kidman in schwarzer Abendrobe, von hinten.

Irving Penn’s Platz in der Geschichte der Fotografie verdankt sich seinem ausgeprägten Sinn für high-fashion, seinem Ehrgeiz und dem Glück der richtigen Begegnungen. Nach dem Designstudium an der Kunsthochschule in Philadelphia, absolviert Penn zwei Praktika bei Harper’s Bazaar, berät das Modekuafhaus Saks Fifth Avenue bei der Gestaltung seiner Werbeanzeigen und avanciert schließlich zum Assistenten von Vogue’s Art Director Alexander Liberman. Penn zählt zu den bedeutendsten Modefotografen des 20. Jahrhunderts. Klassische Eleganz gepaart mit coolem Minimalismus, streng komponiert, beinahe starr, nie sind seine Models in Bewegung, kennzeichnen seine Handschrift. Berühmt für seine Stillleben und Portraits, sind letztere nun in der Ausstellung Irving Penn Portraits in der National Portrait Gallery in London zu sehen.

Gezeigt werden über 120 Portraits berühmter Persönlichkeiten wie Christian Dior, Grace Kelly und Pablo Picasso.

“Irving Penn Portraits” läuft noch bis zum 6. Juni 2010
National Portrait Gallery, London


GIORGIO ARMANI LOVES LADY GAGA

Posted: Februar 26th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , | No Comments »

Sketches by Giorgio Armani

Sketches by Giorgio Armani

Ist es die Anbiederung an eine junge Zielgruppe oder tief empfundene Begeisterung für das beste Stück Popkultur seit Madonna, die Signore Armani zu stilistischer Untreue verführt?

Schon bei den diesjährigen Grammy Awards Ende Januar in Los Angeles war ich ein wenig verwundert, als ich erfuhr, das Giorgio Armani für das Hula-Hupp Dress aus glitzernden Kunststoffreifen verantwortlich war, in dem die Pop Amazone über den roten Teppich schritt. Ausgerechnet Giorgio Armani, King of Beige und Meister des Understatements, macht in Plastik und Theatralik.

Nun überrascht der mittlerweile 75 Jahre alte Modemacher erneut. Diesmal mit Entwürfen zu Lady Gaga’s Monster Ball Tour. Beim Blick auf die vor kurzem von seiner Firma zur Veröffentlichung freigegeben Zeichnungen dachte ich zunächst, es handle sich hierbei um Skizzen aus der Hand von Thierry Mugler. Ein hautenger Bodysuit mit Hummer Effekt am linken Ärmel sowie ein roayalblauer Bodysuit mit tiefem Ausschnitt und XL Pagoden Schultern, beide Modelle über und über mit Swarovski Steinen besetzt.

Das Ganze ist zwar absolut untypisch für Armani, doch der kreative Höhenflug des Italieners gefällt.


VOGUE ITALIA POLARISIERT MIT WEB KATEGORIE FÜR DICKE UND FARBIGE

Posted: Februar 26th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION MEDIA, FASHION NEWS | Tags: , , | No Comments »

VOGUE ITALIA SCREENSHOT

VOGUE ITALIA SCREENSHOT

VOGUE Italia hat ihrer Website ein Facelift verpasst und sorgt sogleich mit den neu eingeführten Kategorien VOGUE Black und VOGUE Curvy für ein wenig Zündstoff unter den Bloglesern.

Die Errichtung einer eigenen Seite sowohl für farbige Frauen als auch für Frauen mit Kleidergrößen von 38 aufwärts, kann man einerseits als eine speziell auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe abgestimmte Erweiterung des modischen Spektrums willkommen heißen, oder andererseits als Unfähigkeit der Modebranche verteufeln, Vielfalt und Abweichungen vom high-fashion Ideal, gleichwertig zu behandeln.

Die Meinungen über die Außenwirkung dieser Web-Neuerung gehen daher weit auseinander. Die Einen sehen in der Schaffung eines separaten Angebots für “Schwarze und Dicke” eine unterschwellige Form der Diskriminierung, die Anderen sehen darin eine tolle Plattform, die die modischen Belange dunkelhäutiger und gewichtiger Frauen endlich ernst nimmt.

Fakt ist, das Online-Angebot der italienischen Vogue richtet sich nun auch bewusst an “women of color” und “plus size” Frauen, und daran ist per se nichts auszusetzen. Ob nun wirtschaftliche Absichten in Bezug auf einen erweiterten Anzeigenkundenkreis den Ausschlag gaben oder die Überzeugung Schokoteint und Speckgürtel durch eine konstante Thematisierung langfristig als Selbstverständlichkeit zu etablieren, bleibt zunächst das Geheimnis der italienischen Vogue, deren neue Website nun auch  in englischer Sprache aufrufbar ist.

www.vogue.it


TERRY RICHARDSON GOES FASHION-PROLL

Posted: Februar 25th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION MEDIA, FASHION NEWS | Tags: , , , | No Comments »

Terry Richardson und die Macker von der Jersey Bucht

Terry Richardson und die Macker von der Jersey Bucht

Auch Terry Richardson führt ein Online-Tagebuch, besser gesagt ein Fototagebuch. Darin veröffentlichte der Lichtbildprovokateur jüngst Fotos, die er von den Darstellern der amerikanischen Reality Trash Produktion    “Jersey Shore” für das “Interview Magazin” geschossen hat.

Der Sendeinhalt lässt sich am besten mit der Redenwendung “Pack schlägt sich, Pack verträgt sich” beschreiben: Acht Italo-Amerikaner, allesamt in den Zwanzigern, hocken zusammengepfercht in einer Hütte am Strand von Seaside Heights, einem Provinznest an der Küste New Jerseys, und kompensieren ihre geistigen Unzulänglichkeiten mit viel nackter Haut, Prügeleien und einstudierten Machoposen. Die erste Staffel, die mit der Ausstrahlung der neunten Folge am 21. Januar dieses Jahres endete, bescherte MTV traumhafte Quoten. Damit gilt “Jersey Shore” als bislang erfolgreichste Reality Show des Senders.

Jede einzelne Episode wurde vom amerikanischen Publikum kontrovers diskutiert. Während sich die heterosexuellen männlichen Fans der Serie an “Snookies” Vorbau erfreuen, ergötzen sich Frauen und Schwule an Mike “The Situation” Sorrentos Sixpack. Gegner des TV-Formats sehen in der Glorifizierung der Prollkultur allerdings den Untergang des Abendlandes. Tatsächlich beschränken sich die Interessen der Protagonisten primär auf Sonnenbänke, Gelfrisuren, Muckibuden, Sex und Paaarty.

Dennoch, Titten und Arsch funktionieren immer und sind somit auch das Bindeglied zwischen Sendung und dem fotografischen Werk von Terry Richardson, der mit der Abbildung von Nippeln und Körperflüssigkeiten sein Geld verdient. Der Unterschied: während sich Jersey Shore Dummerchen Sammi “Sweetheart” Giancola im Polyester Rock von “Billabong” flachlegen lässt, baumelt an Terry´s Models auch beim Sex gelegentlich mal ein Designerlabel.

Ab dem 23. März gibt´s die erste Staffel von The Jersey Shore auch hierzulande zu sehen. Immer dienstags um 20 Uhr auf MTV.

TerrysDiary.com


CLAUDIA SCHIFFER SPRICHT AUF FASHIONAIR.COM

Posted: Februar 25th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , | No Comments »

Claudia Schiffer, photo: Georges Biard

Claudia Schiffer, photo: Georges Biard

“If I wasn’t discovered in that night, I would have never become a model”. Es ist nur schwer vorstellbar wie das Leben von Claudia Schiffer heute aussehen würde, wäre sie 1987 nicht von einem französischen Modelagenten in der Düsseldorfer Discothek Checkers entdeckt worden.

Eigentlich wollte sie nach dem Abitur ja Jura studieren, doch dann kam Paris, dann ELLE, dann VOGUE und schließlich auch Karl Lagerfeld. Der Rest ist Geschichte und avancierte dank Bunte, Gala, Stern und Co. zum Allgemeinwissen der Deutschen, die mächtig stolz sind auf ihren erfolgreichsten Beauty-Export. Eine Modewelt ohne Claudia Schiffer? Undenkbar!

Wer bei dem Begriff Model ausschließlich an die Nasen von Germanys Next Top Model denkt, dem zeigt die Dokumentation “Claudia Schiffer - La Dolce Vita” des Modeportals Fashionair, was ein Supermodel von gewöhnlichen Models unterscheidet: Personality!

In dem elf-minütigen Film resümiert die aus Nordrhein-Westfalen stammende Schöne in perfektem Oxford-Englisch über ihrer Kariere. Schiffer schwelgt in Erinnerungen an die großen Momente ihrer Model-Laufbahn und verrät wie Monsiuer Lagerfeld auf Sie aufmerksam wurde. Charmant sind auch die Szenen ihres Laufstegdebüts bei Chanel. Während ihre anonymen Kolleginnen blasiert in Reih und Glied paradieren, schwingt sie die Hüften und lächelt ihre Nervosität einfach Weg. Grace Coddington, sitzt währendessen im Publikum und lächelt ebenfalls. Die Modechefin der amerikanischen Vogue mit der roten Walle-Walle Mähne scheint Gefallen am Auftritt der auf Brigitte Bardot gestylten Rheinländerin zu finden. Schiffers Unbefangenheit kommt an. Bei Fotografen, Designern, Kunden, Jungen und Mädchen sowie deren Müttern und Vätern.

Model ein Traumberuf? Am Beispiel von Claudia Schiffer lässt sich diese Frage eindeutig mit “JA” beantworten. Zwar ist die Supermodel Ära, die ihren Höhenpunkt Mitte der 1990er Jahre feierte längst vorbei, jedoch sind ihre Aushängeschilder Naomi, Linda, Cindy, Christy immer noch präsent, allen voran Claudia Schiffer, die es 2009 mit 39 Jahren, noch auf satte 11 Magazincover geschafft hat. “You better work” kreischte Glamour Transe Ru Paul in seinem Welthit “Supermodel” von 1993 der Modebranche entgegen, und sollte Recht damit behalten. Mit Fleiß, Disziplin und Treue gegenüber den eigenen Prinzipien konnte sich Claudia Schiffer bis heute in einem Geschäft behaupten dass seine Mädchen mittlerweile im Saisontakt verheizt. “I knew if you want do something good, you have to give it all!” Kluge Entscheidung!

zum Video: Claudia Schiffer - La Dolce Vita



YVES SAINT LAURENT - NACKTE TATSACHEN EINER MODEDIVA

Posted: Februar 20th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , | 1 Comment »

Freddie Mercury seen by Yves Saint Laurent, photo: art-magazin

Freddie Mercury seen by Yves Saint Laurent, photo: Yves Saint Laurent

Das Kunstmagazin “art” zeigt in seiner März Ausgabe bisher unveröffentlichte Zeichnungen Yves Saint Laurents. Die Illustrationen sind Bestandteil eines Konvoluts von über 360 Blättern, die der Modemacher zwischen 1990 und 1992 als Ausdruck der Zuneigung einem seiner Liebhaber, der auch Mitarbeiter in seinem Unternehmen war, geschenkt hatte.

Sie entstammen dem sogenannten “Marrakesch Journal”, ein gezeichnetes Tagebuch, mit dem der Couturier im Dezember 1969 begonnen hatte und Selbiges bis in die 1980er Jahre fortführte. In seiner Villa in Marrakesch fand Yves Saint Laurent Zuflucht vor den Erwartungshaltungen der französischen Haute Volée und Raum zur Auslebung seiner homoerotischen Fantasien.

Auf den Bögen zu sehen sind muskulöse Männer, teils mit freigelegtem, überdimensional großem Genital, die unter der prallen Körperspannung beinahe aus ihren hautengen Klamotten zu bersten scheinen. Stilistisch betrachtet erinnert das Ganze stark an die Ledertrinen von Tom of Finland. Ob Freddie Mercury tatsächlich blank und breitbeinig vor ihm posierte, wie hier auf dem Bild zu sehen, oder ob  reines Wunschdenken Vater der Zeichnung war, ist nicht bekannt. Die Darstellungungen geben jedoch einen interessanten Aufschluss über die sexuellen Sehnsüchte und Präferenzen des stets von Selbstzweifeln und Depressionen geplagten Modemachers, der von jeher unter seiner eigenen Homosexualität litt. Saint Laurent hätte die Zeichnungen gerne publik gemacht, doch schwuler Sex passte einfach nicht zum Image von Haute Couture und den feinen Salons des 1. Pariser Arrondissement und so blieb das Journal zu Lebzeiten des Meisters stets unter Beschluss.

Das “art” Magazin zeigt nun erstmals und weltexklusiv Auszüge aus dem pikanten Tagebuch und verrät in einem ausführlichen Artikel wie die Bilder nun doch noch in Umlauf gerieten. Dabei wird deutlich, als Modeschöpfer war Yves saint Laurent genial, als Privatperson unerträglich. Wunderschön anzusehen und absolut lesenswert!

art magazin März 2010
art magazin März 2010

www.art-magazin.de


POLIT MARKETING À LA WESTWOOD

Posted: Februar 19th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , | No Comments »
Photo: Vivienne Westwood

Photo: Vivienne Westwood

Vivienne Westwood’s neue Unterwäsche- und Accessoire Kollektion für die Sommersaison 2010 ist jetzt in den Shops erhältlich.

Während sich modeinteressierte Gays an der dazugehörigen sexy Werbekampagne ergötzen, verfolgt die Modeexzentrikerin mit selbigen Bildern gar ein politisches Anliegen. Es geht um die Freilassung von Leonard Peltier, einem Aktivisten indianischer Abstammung, der für die Rechte indianischer Völker kämpfte und 1977 aufgrund der Beschuldigung zwei Polizisten ermordet zu haben,  zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Seitdem sitzt Peltier  in einem amerikanischen Gefängnis ein. Der Claim “Leonard Peltier is innocent” am linken unteren Bildrand, ziert jedes einzelne Foto der von Sean und Seng geschossenen Kampagne. Das Londoner Fotografenduo arbeitete bereits mehrfach mit Vivienne Westwood zusammen und zählt derzeit zu den vielversprechendsten Newcomern im Bereich der Modefotografie.

viviennewestwood.com


LAUFSTEG UND GEWICHT VERTRAGEN SICH NICHT

Posted: Februar 18th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , | No Comments »

Gemma Ward

Gemma Ward

Über die Kariere von Supermodel Gemma Ward wird derzeit viel spekuliert. Gilt die heute 22-jährige Australierin mit Wohnsitz in New York überhaupt noch als Supermodel oder ist ihre Zeit endgültig abgelaufen?

Grund für die Diskussion ist das Gewicht der Schönheit. Es gibt keine genauen Zahlen, nur Schätzungen und die beziffern Wards Gewicht aktuell auf 65 Kilo bei einer Körpergröße von 1,78 Meter. Also definitiv zu viel für das Luxus-Segment.

Die Konsequenz, Ward erhält keine Aufträge mehr. Verdiente das Model im Jahr 2007 laut dem Wirtschaftsmagazin Forbes noch rund 3 Millionen US-Dollar, hat sie einem Artikel der New York Post zufolge seit zwei Jahren keinen Job mehr gehabt. Eine Ewigkeit im Modelbusiness, das alle sechs Monate neue “Mädchen” auf den Markt spült.

Im Herbst 2007 avancierte das Gewicht Gemma Wards zum Dauerklatsch, als ein Redakteur das Model, im Anschluss an die Chanel Schau, als aufgebläht bezeichnete. Der Unmut bei Menschen außerhalb der Modebranche bezüglich dieses Themas basiert weniger auf der Tatsache, das Models wie Millionen anderer Frauen auch mit Gewichtsschwankungen zu kämpfen haben als vielmehr auf dem Schönheitsideal etablierter Modehäuser, wo Größe 36 schon als Plus Size gehandelt wird. “We don’t want you to be anorexic, we just want you to look it” erinnert sich Top-Model Coco Rocha an die Aussage eines Klienten.

Doch solange es Mädchen gibt, die die physischen Anforderungen der Modermacher auf natürliche Weise erfüllen, und die gibt es, haben Mädels mit mehr als 55 Kilo auf den Rippen auf dem Laufsteg offenbar nichts verloren. Ob die Aufregung über diesen Zustand berechtigt ist oder nicht, liegt hier wohl ausschließlich im Auge des Betrachters.


IT’S:MY:TIME BENETTON ONLINE CASTING LÄUFT!

Posted: Februar 18th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , | No Comments »

Auch Benetton nutzt das Internet zur zeitgenössischen Selbstvermarktung und startete jüngst zum globalen Casting-Aufruf via eigener Website und Facebook.

Photo: by courtesy of Emanuel Fer

Photo: by courtesy of Emanuel Fer

Noch bis zum 16. März werden 20 Charakterköpfe gesucht, die die Firmenphilosophie des Unternehmens auf idealtypische Weise verkörpern. Im konkreten Falle von Benetton heißt das, Jungs und Mädels mit Sommersprossen, Rastazöpfen, Segelohren und gepflegten Zahnlücken haben hier beste Chancen, ihren Traum vom Model-Dasein zu verwirklichen. Gefragt ist das Unkonventionelle, das Überraschende, “The Real Thing” sozusagen.

Interessenten können auf der Webseite www.casting.benetton.com ein Video und diverse Fotos von sich hochladen. Ein Publikumsvoting entscheidet schließlich who is hot and who is not. Die 100 Bewerber mit den meisten Stimmen werden in einem in Kürze erscheinenden Mode-Bildband über globalen Stil verewigt und erhalten zusätzlich einen Benetton-Einkaufsgutschein im Wert von 200 Euro.

Aus den 100 Finalisten werden noch einmal weitere 20 ausgewählt. Diese fliegen gemeinsam nach New York und werden dort für die Benetton Fall/Winter Kampagane 2010 von Modefotograf Josh Olins in Szene gesetzt.

Die Casting-Webseite zählt aktuell über 15.500 Modelprofile aus aller Welt, davon tragen bislang 1.453 den Absender “Germany”. Wie so oft bei Castings der Fall, ist das Selbstbild einzelner Kandidaten grotesk überzogen, was zwangsläufig eine Belustigung der Zuschauer zur Folge hat. Hängen geblieben sind wir beim 22-jährigen Emanuel Fer, aus Portugal, dessen hypnotischer Blick, uns ein wenig an “Ka die Schlange” erinnert, den man sich jedoch nur schwer entziehen kann. Über die Frisur müssen wir allerdings noch einmal reden! Verbleibende Zeit bis zur Auswertung: 26 Tage. Viel Glück.


Benetton Casting on FACEBOOK


Enthüllungsbuch: YVES SAINT LAURENT - EIN BÖSER JUNGE?

Posted: Februar 12th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION MEDIA, FASHION NEWS | Tags: , , , , | No Comments »

"Saint Laurent - Bad Boy!

"Saint Laurent - Bad Boy!

Marie Dominique Lelièvre ist eine ehemalige Modejournalistin und hat ein Buch über Frankreichs Nationalheiligtum Yves Saint Laurent geschrieben, dass das Gentlemen Image der Modeikone gehörig auf den Kopf stellt. Demnach war Saint Laurent´s Leben gezeichnet von Depressionen, einem intensiven Alkohol- und Drogenkonsum, und Beziehungseskapaden mit seinem Lebens- und Geschäftspartner Pierre Bergé.

Geschichten dieser Art, über das Privatleben des 2008 verstorbenen Modeschöpfers sind nicht neu. Es war nie ein Geheimnis, dass der Pariser Modegott an Depressionen litt, Drogen nahm und schwul war. Auch wenn Letzteres im Modemikrokosmos mit Sicherheit kein Problem darstellt, so fiel es Yves Saint Laurent zeitlebens schwer seine eigene Homosexualtät zu akzeptieren. Einen möglichen Grund hierfür, sieht die Autorin im arabischen Kulturkreis, dem der in Algerien geborene Saint Laurent entstammt, wo Homosexualität als Sünde gilt und entsprechend geächtet wird.

Es sind die detaillierten Ausführungen bekannter Schwächen, die Monsieur Saint Laurent nun in einem neuen Licht erscheinen lassen. Aus über 50 Interviews mit ehemaligen Weggefährten Saint Laurents, darunter Mitarbeiter, Models, Verwandte und Ärzte schuf Lelièvere das Portrait einer herrischen und stets kränkelnden Diva, die im betrunkenen Zustand schon mal mit Aschenbechern nach umstehenden Personen schmiss.

Pierre Bergé weigerte sich der Autorin auch nur ein einziges Interview zu gewähren und bezeichnete das Werk, ohne es gelesen zu haben, als “Ansammlung von unverifiziertem Klatsch und Tratsch.”
“Aber ist das wirklich?” fragte daraufhin Laura Craik vom Londoner Evening Standard in ihrer Buchrezension.

Prominente, ob nun Schauspieler, Sänger oder Modedesigner, haben ein Image zu verteidigen, dass maßgeblich ihren Marktwert bestimmt. Verständlich das Pierre Bergé, der mit dem Namen Yves Saint Laurent auch nach dessen Ableben noch gute Geschäfte macht, das Ansehen seines Lebenswerks unbefleckt halten will.

Verständlich ist aber auch, dass Menschen Interesse haben an einer authentischer Berichterstattung über Personen, die als gesellschaftliche Leitfigur gelten, zu denen sie aufschauen und deren Produkte sie kaufen.  Zuckersüße PR-Texte und schöngeistige Philosophien über das Künstlergenie hingegen, sind weder glaubwürdig noch zeitgemäß. Reality-Formate und Casting-Shows haben den “Weg zum Ruhm” längst entmystifiziert. Talent ist da nur die halbe Miete. Teenager, die das Internet als Plattform zur Selbstvermarktung nutzen, haben dies längst begriffen, Pierre Bergé offenbar noch nicht. Legenden sind eben auch nur Menschen, so auch “Bad Boy” Yves Saint Laurent!

Marie-Dominique Lelièvre, “Saint Laurent Mauvais Garcon”
Verlag: Flammarion / Preis: 19.00 €
(bisher nur in französischer Sprache)


ALEXANDER McQUEEN IST TOT! SELBSTMORD EINES AUSNAHMETALENTS

Posted: Februar 11th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , | No Comments »

Alexander McQueen

Alexander McQueen

Modedesigner Alexander McQueen ist tot. Der 40-jährige Brite hat sich  in seiner Wohnung im Londoner Stadtteil Mayfair selbst das Leben genommen. Über die Hintergründe der Tat kann nur spekuliert werden. Großbritanniens Zeitungen vermuten einen nie überwundenen Schmerz über den Tod seiner Entdeckerin, Muse und engen Freundin Isabella Blow im Mai 2007.

Die exzentrische Stilikone und ehemalige Modechefin des TATLER gehörte zu McQueens engagiertesten Förderinnen. Erst am Dienstag vergangener Woche starb  zudem die Mutter des Modemachers. Die tatsächlichen Beweggründe für den Freitod McQueens werden jedoch zwangsläufig das Geheimnis des Ausnahmetalents bleiben. Die Hoffnung stirbt zuletzt heißt es im Volksmund, wer sie verliert, der steht bereits am Abgrund. Der Selbstmord als abschließender Akt einer langen Vorgeschichte aus Selbstzweifeln, unerfüllten Bedürfnissen, Ängsten und Einsamkeit.

Was ging in Alexander McQueen vor? Der Sohn eins Taxisfahrers aus dem Londoner East End hat sich aus der Arbeiterklasse in den Modeolymp empor gearbeitet, in einer Branche die Emporkömmlinge nicht sonderlich schätzt und in der Beziehungen häufig mehr wiegen als Begabung. Fashion Family? Offenbar nicht “Familie” genug um Alexander McQueen den emotionalen Halt zu geben,  den er gebraucht hätte. Objektiv betrachtet hatte McQueen alles wovon junge Modedesigner träumen: eine internationale Kariere, Anerkennung und eine Gefolgschaft aus Celebrities, die sich um seine Kleider rissen. Doch offenbar war dies kein adäquater Ersatz für McQueens immaterielle Bedürfnisse.

Viermal wurde der einstige Central Saint Martins Absolvent zum “British Designer of the Year” gekürt. Direkt nach seinem Abschluss an der Londoner Kaderschmiede gründete Alexander McQueen 1994 sein eigenes Label. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Bereits 1996 folgte er auf John Galliano als Headdesigner bei Givenchy und verkaufe wenige Jahre später 51 Prozent seiner Firmenanteile an die Gucci Gruppe, was ihm ermöglichte sein Unternehmen fortan stärker global auszurichten. Wermutstropfen: Isabella Blow soll sehr enttäuscht darüber gewesen sein, dass der Designer sie bei den Neuerungen in Folge des Gucci Deals nicht wirklich mit einbezog. Während andere Verträge erhielten, gab es für sie, seine Entdeckerin, nur ein Kleid. So zumindest die Legende. Zum Zeitpunkt Blows Todes soll zwischen den Beiden aufgrund dieser Geschichte Funkstille geherrscht haben. Dass es hier nie zu einer Aussprache mehr kam, habe Alexander McQueen sich selbst nie verzeihen können.

Aleaxander Mc Queen mit Mutter Joyce

Aleaxander Mc Queen mit Mutter Joyce

“These people just don´t know what they are talking about. They dont know me. They don´t know my relationship with Isabella. What I had with Isabella was completely disassociated from fashion, beyond fashion.”

Rest in peace, Mr. McQueen!

Update: Alexander McQueen´s Fashion Show, die heute in New York  hätte stattfinden sollen, wurde gecancelt. Fraglich, welche Auswirkungen seinen Tod auf den weiteren Verlauf der New York FashionWeek haben wird. Folgt die Branche dem Motto “The show must go on” oder wird sie in Gedenken an McQueen eine “Selbstdarstellungs”-Pause einlegen?


Must See: THREE! in der FLO PETERS GALLERY HAMBURG

Posted: Februar 8th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION EXHIBITIONS, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , | 1 Comment »

photo: Christopher Makos Marylin Monroe 1970s, copyright: Christopher Makos

photo: Christopher Makos Marylin Monroe 1970s, copyright: Christopher Makos

Im Rahmen der Ausstellung “Three!” der Flo Peters Gallery in Hamburg sind vom 10.Februar bis 20. März 2010 Werke von Christopher Makos zu sehen. Gezeigt werden in erster Linie Polaroids und Photographien des Man Ray - Schülers und langjährigen Warhol-Begleiters. Daneben sind auch Photoarbeiten von Paul Solberg sowie photographische Stillleben-Arragements Vera Mercers ausgestellt.

Makos wurde Ende der 1940er in Massachusetts (USA) geboren und wuchs in Kalifornien auf. Während er seine Lehrzeit in Paris bei der Photo-Legende Man Ray verbrachte, wirkte er an der Seite Andy Warhols vor allem als dessen visueller Biograph. Makos hielt zahlreiche Momente ihrer gemeinsamen Zeit photographisch fest und beeinflusste so besonders wegweisend die zeitgenössische Kunstszene New Yorks. Wie schon das Medium des Polaroids selbst ist auch die Kunst Christopher Makos’ oftmals direkt und erreicht den Betrachter auf eine wenig verbindliche Art ohne große Einleitungen oder Umschweife. Ob Marilyn Monroes Portrait, abfotografiert von einem Fernsehbildschirm, oder das Bildnis Warhols bei der Lektüre eines Magazins heranzieht - die Bescheidenheit des Künstlers ist allgegenwärtig.

Makos’ Werke wurden bereits in vielen Magazinen wie etwa Interview, Rolling Stone, People, New York Magazine oder Esquire gedruckt; unzähligen Museen der USA als auch Europas und Japans zeigten seine Werke. Dieses Mal präsentiert die Ausstellung der Flo Peters Gallery Makos’ Werk in Ausschnitten. Definitely a Must see!
(Lena Briccio)

Ausstellungseröffnung: 9. Februar 2010, 18-21 Uhr
Ausstellung: 10. Februar - 20.März 2010

FLO PETERS GALLERY
Chilehaus C, Pumpen 8, 20095 Hamburg,

www.flopetersgallery.com

 CHRISTOPHER MAKOS “Andy with Interview“, 1976, copyright: Christopher Makos

CHRISTOPHER MAKOS “Andy with Interview“, 1976, copyright: Christopher Makos


EINE PORTION GUCCI McNUGGETS, BITTE!

Posted: Februar 7th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , | No Comments »

Good Taste!

Good Taste!

Es ist stets das Unkonventionelle, das Laute, das Schrille, was sich gegenüber dem Leisen, dem (Alt-) Bewährten dauerhaft in unser Gedächtnis brennt, so wie die eleganten Gucci Fritten und der schicke Burberry Burger hier.

In der Gewissheit, dass das Unerwartete im Gegensatz zum Vorhersehbaren, meist als positive Erfahrung wahrgenommen wird, die der Rezipient mit Anderen teilen möchte und dazu weiter kommunizieren muss, entwickelte das Kreativ Team von The Cool Hunter ein besonders attraktives Konzept zur Kundebindung. “McFancy” ist die Vision einer temporären McDonalds Filiale, die ausschließlich in Zeiten der internationalen Fashion Weeks in Paris, Mailand, London und New York ihre Pforten öffnet, und dem markenbewussten Modevolk Pommes und Big Mac im Look großer Modelabels serviert. Nette Idee! Schade nur, dass sich Kalorien und high fashion einfach nicht vertragen.

Designer's flavor!
Designer’s flavor!


LESESTOFF: “THE HOUSE OF VERSACE”

Posted: Februar 7th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION MEDIA | Tags: , , , | No Comments »

"House of Versace" by Deborah Ball

"House of Versace" by Deborah Ball

Biographien, die das Leben prominenter Zeitgenossen thematisieren sind eine Sache für sich. Ob nun autobiografisch oder fremd-verfasst und vom Protagonisten der Handlung autorisiert oder eben auch nicht; nie kann sich der Leser hundertprozentig sicher sein, was von dem Gedruckten nun Dichtung oder Wahrheit ist.

Der Wahrheitsgehalt einer Biographie lässt sich so nur im Kontext und anhand bestimmter Fragen ermitteln. Wer ist der Autor des Werks, wie wurde recherchiert, wer wurde wozu befragt? “House of Versace” erzählt die Geschichte des 1977 gegründeten Modehauses und liefert dabei detaillierte Informationen, die Außenstehenden bislang nur bruchstückhaft aus der Klatschpresse bekannt waren.

Authentizität verspricht die Tatsache, dass die Versace Sippe trotz pikanter Anekdoten, einer Veröffentlichung zustimmte und Autorin Deborah Ball bei ihren Recherchen sogar unterstützte. Die ehemalige Mailand Korrespondentin des New Yorker Wall Street Journal sprach mit Donatella und Santo Versace, befragte Freunde und Bekannte der Familie, traf einstige Mitarbeiter des Hauses sowie auch den ehemaligen Lebensgefährten Gianni Versaces, Antonio D’Amico. Das Resultat aus 220 Interviews und der Auswertung hunderter Zeitungsartikel umfasst 20 Kapitel auf 352 Seiten. Das Buch bringt Licht ins Dickicht aus Gerüchten und Mythen um das Modehaus und seiner illustren Inhaber.

Donatellas Drogensucht wird hier ebenso beleuchtet wie die Magersucht ihrer Tochter Allegra, die  sämtliche Interviewanfragen der Autorin konsequent ablehnte. Darüber hinaus erfährt der Leser von Giannis Appetit auf Strichjungen, von Donatellas Antipathie gegenüber Tom Ford und warum ausgerechnet Allegra als Elfjährige, nach der Ermordung ihres Onkels im Jahr 1997, 50 Prozent der Firmenanteile erbte. Deborah Balls Informationen aus erster Hand, ergeben zusammengestrickt das Portrait einer exzentrischen Modeclans, deren mondäner Lebensstil wie eine Seifenoper anmutet, was jedoch den Unterhaltungswert dieses Buches im Besonderen ausmacht.


AMD München FASHION SHOW NEXT.10

Posted: Februar 3rd, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , | No Comments »

Talent braucht Öffentlichkeit, dass weiß auch die Akademie Mode & Design München und veranstaltet am kommenden Samstag den “Fashion Day NEXT.10″. An diesem Tag stellen die Absolventen aller Fachbereiche ihre Abschlussarbeiten einem breiten Publikum vor.

photo: AMD München
photo: AMD München

Neue Denkanstöße in Bezug auf Medien und Wirtschaft bietet ein Blick auf die Arbeiten der Ausbildungsgänge Modejournalismus und Designmanagement, die in Form von Installationen im Eingangsbereich und in der ersten Etage der Alten Kongresshalle präsentiert werden.

Das Highlight der Veranstaltung ist natürlich die Modenschau, deren Auftakt experimentelle Kleider bilden werden, die eigens für eine neue Walt Disney Filmproduktion von den Studierenden des zweiten Semesters selbständig entworfen und realisiert wurden.

Im Anschluss daran, werden die Absolventen der Fachrichtung Modedesign ihre Abschlusskollektionen über den Laufsteg schicken. Dies geschieht im Rahmen einer multimedialen Fashionshow. Unter der Einbindung von Musik, Videoclips, animierten Fotoshootings und Illustrationen, wird so das Konzept hinter der jeweils gezeigten Kollektion veranschaulicht.

Am Ende der zweiten Show, etwa gegen 22.30, wird es besonders spannend, dann nämlich findet die Vergabe der Awards für die besten Abschlussarbeiten der einzelnen Fachbereiche statt. Die Auszeichnung gilt als optimaler Startschuss für eine Kariere im Fashionbusiness. So räumte z.B. im vergangenen Jahr Alice Knackfuß nicht nur den AMD Award für die beste Menswear Kollektion ab, sondern gewann kurz darauf auch noch den mit 50.000 Euro dotierten Diesel Award, der Design-Plattform ITS. So watch out for promising talents at NEXT.10!

FASHION DAY NEXT.10
Alte Kongresshalle, Theresienhöhe 15, 80339 München
Samstag, 06.02.2010,
Ausstellung von 14 bis 23 Uhr,
Shows: 17 Uhr und 21 Uhr
Preis: 28 Euro

Show um 21 Uhr bereits ausverkauft!

Kartenvorverkauf: AMD Akademie Mode & Design, Infanteriestraße 11a, 80797 München
und Stierblut München, Sendlinger Straße 35, 80331 München

weitere Artikel: Alice Knackfuß


VOGUE CHEFIN Christiane Arp im Gespräch mit VIKTOR & ROLF

Posted: Februar 1st, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | No Comments »
Photo: Viktor&Rolf

Photo: Viktor&Rolf

Wenn die Chefredakteurin der deutschen VOGUE, Christiane Arp, der Leiter des populären NRW Forums, Werner Lippert und der Direktor der Fondazione Prada, Germano Celant, mit den Mode-Avantgardisten Viktor & Rolf über Schnittmengen von Mode und Kunst sprechen, wird Glamour zum intellektuellen Happening. 
Leider nur auf Einladung!

Im Anschluß an die Podiumsdiskussion wird die Ausstellung “Dolls Installation” von Viktor&Rolf eröffnet.

Samstag, 06. Februar 2010, 18:30 Uhr
NRW Forum, Ehrenhof 2, 40479 Düsseldorf