MADONNA IN MÜNCHEN: HALBHERZIGER AUFTRITT EINES SUPERSTARS
Posted: August 19th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE | Tags: Givenchy, Konzert, Madonna, Muenchen, Munich, Sticky & Sweet | 1 Comment »“Give it to me” – sang Madonna zum Ende ihres gestrigen Konzerts im, für ihre Verhältnisse, eher dünn besetzten Münchner Olympiastadion. Give it to me – das dachten sich auch zahlreiche der etwa 35.000 Fans, denen bei Kartenpreisen bis zu € 193,00 eine perfekt inszenierte Show geboten wurde, deren Ablaufplan kein Platz für Abweichungen duldete. Unflexibel, wie ihre durch Botox lahmgelegten Gesichtsmuskeln, präsentierte sich die Popgöttin ihrem Publikum. Ein Dialog mit ihren Anhängern, Zwischenrufe, spontane Handlungen oder öffentlichkeitswirksame Provokation? Fehlanzeige! Zugabe? Also bitte, was für eine Frage, non! Irgendwie schien die bayrische Landeshauptstadt nur eine weitere Station im Rahmen ihrer seit anderthalb Jahren andauernden Sticky & Sweet Tour zu sein, die eben bespielt werden muss.

- Madonna Sticky & Sweet Tour
Wer würde bei solch einem Konzert-Marathon nicht von Ermüdungserscheinungen heimgesucht?
Zwar ist Madonna mit 51 Jahren fitter als so manche Zwanzigjährige, doch das betont exzessive Kriechen über den Bühnenboden, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Madonna im Fahrwasser ihrer jungen, durchtrainierten Tänzer mittlerweile den kürzeren Atem hat. Während sie auf de Re-Invention Tour 2004, noch mit “kamasutrösen” Kopf-über Verrenkungen in einer Glitzerkorsage von Christian Lacroix aufführte, bei der Confessions Tour immerhin noch eine lasziven Bullenritt in Gaultier darbot, beschränkte sich die Popgöttin in ihrer Akrobatik dieses mal auf Seilspringen im Schulmädchenlook. Auch in modischer Hinsicht blieb Madonna weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Während die von Jean Paul Gaultier entworfenen Bühnenkostüme ihrer Blond Ambition Tour 1990 genauso intensiv besprochen wurden wie die Konzertreihe selbst und das goldenen Metallic Bustier mit den konischen Tittenschalen beinahe ähnlichen Ruhm erlangte wie seine Trägerin, verlor sich die Stilikone bei ihrem aktuellem Bühnenprogramm in stilistischer Konzeptlosigkeit. Zu viele Designer verderben den Look: Givenchy, Miu Miu, Stella Mc Cartney, Yves Saint Laurent, Roberto Cavalli, Jeremy Scott und mass-market Label American Apparel lieferten allesamt wunderschöne Einzelteile, zusammengenommen ergaben sie jedoch kein stimmiges Ganzes.
Da Kleidung bekanntermaßen immer auch ein bestimmtes Image transportiert, wäre eine eigens für sie kreierte Bühnengarderobe aus der Hand eines Designers, welches das Motto der Tour reflektiert oder Bezug auf die Inhalte einzelner Songs nimmt, dem gesamten Showkonzept zuträglicher gewesen.
Zu allem Überdruss gab es immer wieder Gerüchte die besagten, der Superstar singe gar nicht live sondern nur Playback, was auf Nachfrage nicht einmal von den Hardcore Fans im Front-of-Stage Bereich dementiert wurde. Die Songauswahl war natürlich Geschmackssache, doch viele der älteren Besucher vermissten die Hits aus fühen Tagen und störten sich an der der elektronischen Verfremdung der Klassiker Vogue und Holiday, die auch nur fragmentarisch eingespielt wurden. Atmosphäre ist etwas Anderes! Grußlos verschwand Madonna gegen 23:30 hinter der Videoleinwand, die mit einem illuminierten” Game Over” das Ende der Show verkündete. Während sich Band und Crew in ihren Zimmern des Sofitel Bayerpost erholten, jettete die Diva direkt weiter nach London. Für den launigen Superstar war der Termin in München wohl eher Pflichtprogramm als Kür.
Madonnas Performance erinnerte an das Popcorn, welches vor dem Olympia Stadion verkauft wurde, nett für den Moment aber ohne jeglichen Mehrwert.

[...] die Rede und von “1,5 Stunden Playback, Tanz und Gehoppse à la Las Vegas”. Im Hype Magazin Blog steht: “Madonnas Performance erinnerte an das Popcorn, welches vor dem Olympiastadion [...]