Yohji Yamamoto ist insolvent!
Posted: Oktober 10th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: Yohji Yamamoto | No Comments »

Yohji Yamamoto
Das Unternehmen des Modeschöpfers hat vergangene Woche in Japan einen Insolvenzantrag gestellt, da es gegenwärtig angehäuften Zahlungsverpflichtungen in Höhe von 67 Millionen Dollar nicht mehr nachkommen kann. Nach Gianfranco Ferré im März, Christian Lacroix im Mai und Escada im August, ist Yamamoto das vierte high-profile Modehaus, neben zahlreichen kleineren Brands wie Veronique Branquhino und Emma Hope, das in diesem Jahr seine Bankrotterklärung abgeben musste.
Verantwortlich für die Umsatzeinbußen seien vor allem die Finanzkrise und eine damit einhergehende Abwendung japanischer Frauen von Luxusmode. Dennoch eine Schließung der 1979 gegründeten Firma ist nicht vorgesehen. Die Investorengruppe Integral Corporation hat bereits eine ordentliche Finanzspritze angekündigt und Unterstützung im Management zugesichert. Der 66-jährige Yamamoto wird demnach seine Arbeit als Designer fortführen. Die Konsequenzen aus der Pleite waren bereits bei der Pariser Modewoche sichtbar. Hier präsentierte der Modemacher eine deutlich reduzierte Version seines konzeptionellen Stils. Leider nicht zum Besseren. Welche Frau bitteschön trägt heutzutage noch knöchellange Tageskleider und bis zu den Fußsohlen reichende schwarze Röcke? Gleiches gilt für überlange Blusen und knielange Blazer, Umhänge und weite Mantelkleider. Seine Silhouette ist nicht mehr modern! Lang und weit das war einmal. Natürlich gibt es sie noch, die stämmigen Galeristinnen, die asymmetrische Säume ganz furchtbar kreativ finden weil es an die abstrakte Kunst erinnert, die sie verkaufen und dankbar sind, dass es einen Mann im Universum der schwulen Designer gibt, der Frauen lieber verhüllt als entblößt. Doch offenbar lässt sich von dieser Klientel allein nicht leben, wie die Insolvenz Yamamotos nun zeigt.
Die Kollektionen Yamamotos gleichen hinsichtlich ihres Innovationsgrades und ihrer ästhetischen Qualität einer Berg- und Talfahrt. Das stilistische Spektrum reicht von grandios bis desaströs langweilig, wie seine Entwürfe für Spring /Summer 2004, bei denen selbst Modejournalistin Sarah Mower nichts anderes übrig blieb als in ihrer Kritik das Gezeigte listenartig zu benennen statt zu beurteilen. Eine ehrliche Bewertung hätte womöglich den lebenslangen Ausschluss von jeder weiteren Show des Avantgardisten zufolge gehabt. Als Designer muss sich Yamamoto Niemanden mehr beweisen: von reduziert grafisch bis theatralisch verspielt hat er Kleider kreiert, die von Intellekt, gestalterischer Vision und großer Kunstfertigkeit zeugen. Perfekt für eine Modestrecke, aber eine Verfehlung der Realität.

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