RALPH LAUREN: “HUNGRY CHIC” ANZEIGE SORGT FÜR WIRBEL

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“Achtung Models, bitte nicht füttern!” Nach den Regeln der Modebranche taugen Frauen mit Kleidergröße 38 nicht mehr als Model. Der favorisierte “Hungry Chic” der im high(est) end Segment tätigen Designer verlangt nach maximal 55 Kilogramm Körpergewicht bei einer Mindestgröße von 175 cm. Alles andere sieht auf dem Laufsteg nur plump aus, und entspricht nicht dem zeitgenössischen Schönheits- ideal. So zumindest die Meinung der maßgeblichen Modemacher.
So hat vor Kurzem Karl Lagerfeld mit seiner Äußerung, das nun wirklich Niemand dicke Frauen sehen wolle, und die Klagen über dürre Mädchen ausschließlich von dicken Muttis kommen, die es sich mit der Chipstüte auf dem Sofa bequem gemacht haben, erneut bestätigt, was alle Fashionistas längst verinnerlicht haben, nämlich das Mädchen mit mehr als 60kg, ganz egal wie hochgewachsen, in der Modelbranche nichts verloren haben. So wiegt Gisele Bündchen bei einer Größe von 180cm gerade mal 58 kg!
Während also Modeschaffende ganz genau wissen was zu “fett” ist und klare Grenzen nach oben definiert haben, scheinen Gewichtsgrenzen nach unten, nur offiziell zu existieren. Ab wann ist dünn eigentlich zu dünn? Das Modeunternehmen Ralph Lauren hat da offenbar seine ganz eigene Messlatte, wie ein Werbefoto, dass nur in Japan veröffentlicht wurde aber seit kurzem im Internet zirkuliert, belegt. Die Aufnahme zeigt das 23-jährige französische Model Filippa Hamilton, grotesk verschlankt mittels Photoshop. Der Kopf breiter als das Becken und dünn wie ein Stock! Übergewichtige Muttis in aller Welt ließen nach Bekanntwerden des Falles ihre Chipstüten links liegen und hievten sich vor ihren Rechner um mit fettigen Fingern ihre Entrüstung via Internet zu verlautbaren.
Was den Skandal noch verschlimmerte ist die Tatsache, das Filippa Hamilton, parallel zur Diskussion um das Horrorbild, von ihren Pflichten als Model für Ralph Lauren entbunden wurde. Nachdem das Model seit 2001 die Klamotten des Hauses beworben hatte und ihre Verträge viermal in Folge erneuert wurden, erhielt sie im April dieses Jahres ein Schreiben der Polo Ralph Lauren Company, indem man ihr mitteilte die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung beenden zu wollen. Laut Unternehmensleitung habe die Aufhebung der Kooperation jedoch nichts mit dem imageschädigenden Werbemotiv zu tun, sondern ausschließlich mit der unakzeptablen Gewichtszunahme des Mannequins.
Die Begründung der Kündigung liest sich dementsprechend nüchtern: “the relationship ended as a result of her inability to meet the obligations under her contract with us.” Einfach ausgedrückt: Mrs. Hamilton ist zu dick für Mr. Lauren. Willkommen im Modelbusiness.
Auf wiederholte Nachfragen diverser US-Medien gab die Ralph Lauren Company schließlich auch eine Stellungnahme zu der anorektischen Werbeanzeige ab: “For over 42 years we have built a brand based on quality and integrity. After further investigation, we have learned that we are responsible for the poor imaging and retouching that resulted in a very distorted image of a woman’s body. We have addressed the problem and going forward will take every precaution to ensure that the caliber of our artwork represents our brand appropriately.”
Nach Reue klingt das nicht gerade, aber immerhin, eine Reaktion auf einen vermeintlichen Fehler ist für eine Branche an der Kritik üblicherweise abperlt wie Regenwasser an GoreTex Jacken schon ein großes Zugeständnis.
Wie konnte es überhaupt zur Veröffentlichung eines solchen, in jeder Hinsicht mageren Bildes kommen? Angeblich wurde das Bild versehentlich ohne vorherige Prüfung durch die Firmenzentrale in New York in einem japanischen Kaufhaus ausgestellt. Eine Verkettung unglücklicher Umstände also? Angesichts der Tatsache, dass Filippa Hamilton tatsächlich wegen Übergewichts gefeuert wurde möchte man aufgrund der im Nachhinein erfolgten Körperhalbierung, nicht so recht an einen unglücklichen Zufall glauben. Selbst wenn alles nur ein Irrtum gewesen sein sollte, bleibt immer noch die Frage welch verzehrte Wahrnehmung von Schönheit die Person gehabt haben muss, die das Foto digital bearbeitet hat?