THAT´S WHY I LOVE MCM! , Pt. I
Posted: November 5th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE | Tags: MCM, Michael Cromer, Michael Michalsky, Moderne Creation Muenchen, Sung-joo Kim, Taschen | 1 Comment »Eine tote Marke wieder zu beleben ist kein leichtes Unterfangen, erst recht nicht, wenn deren Erzeugnisse mit einem geschmacklich grenzwertigen 1980er Jahre Chic und einer Klientel assoziiert werden, die zwischen Ritas Frisierstübchen und Sonnenstudio Zuhause ist. So zumindest das alte Klischee im Falle von MCM.
Das 1976 von Michael Cromer gegründete Unternehmen fertigte Taschen-und Koffer mit auffälligen Logo-Muster und Goldplakette, die innerhalb weniger Jahre zu Statussymbolen Neureicher, Prominenter und zwielichtiger Wannabees avancierten, und das weltweit!
Die Selbstinszenierung des Gründers ähnelte seinen Produkten, laut und grell. Damit traf Cromer den damaligen Nerv der Zeit. Sei´s drum. Es waren die 1980er! Mitte der 90er Jahre kam der große Einbruch. Die Folgen der Asienkrise und zwei Anzeigen wegen Steuerhinterziehung machten Michael Cromer zahlungs- und handlungsunfähig. “Schicki-Michi” war weg vom Fenster und kurz darauf auch sein Gepäck. In den folgenden Jahren wurde die Firma verramscht. Markenrechte hierhin, Produktion dorthin. Eine undurchschaubare Verhackstückelung. MCM florierte in Deutschland nur noch auf Ebay und in Form von Kopien auf türkischen Basaren.
Schließlich kaufte sich Sung-joo Kim, jahrelange MCM Lizenznehmerin und einer der erfolgsreichten Geschäftsfrauen Asiens, in das dahin dümpelnde Unternehmen ein, schaffte neue Strukturen und setzte somit der undurchsichtigen Existenz der Marke ein Ende. Sie glaubte an das Potential des Unternehmens und investierte bis heute Millionen in den Wiederaufbau. Mit Erfolg!
2005 berief die die toughe Koreanerin Designer Michael Michalsky zum Kreativdirektor des Hauses. Der in Berlin ansässige Modemacher verpasste den Edeltaschen ein gründliches Make-over. Seitdem zeigen sich die Kollektionen urban, jung und modisch.
Dabei ist das MCM Logo aus Antiqua Lettern und Lorbeerzweigen noch immer als all-over Print voll im Einsatz und ziert Taschen, Koffer und Accessoires.
Bei der Präsentation der Frühjahr/Sommer Kollektion 2010 im Bayerischen Hof in München, springt einem sofort die berühmt-berüchtigte cognacfarbene Version der Visetos, wie die PVC beschichteten Baumwolltaschen genannt werden, ins Auge. Daneben aufgereiht, Taschen in der gleichfalls bekannten Farbvariante weiß/marine.
Die alten Dessins wirken vertraut. Ob sie noch zeitgemäß sind, darüber entscheidet letztlich der Kunde.
Abgesehen davon, dass Pythonleder und Pastellfarben bei einigen der neuen Modelle Geschmackssache sind, fällt mein Blick auf eine der Patchwork Taschen von Michalsky, die mich unmittelbar an St. Tropez, Nikki Beach und Paris Hilton denken lassen. Cooles Teil! Schließlich erspähe ich eine schlichte, silbergraue Männer-Tote aus der “City Chic” Linie, die das Zeug zum Klassiker hat. “Haben-will” hämmert es in meinem Kopf!

- MCM Spring/Summer 2010 photocredit: MCM
Weitere attraktive Modelle der neuen Kollektion offenbaren sich mir erst Zuhause beim Durchblättern des Kataloges. Die Produktpalette ist umfangreich aber nicht unübersichtlich, und beinhaltet schlichte Teile, die dem Hier und Jetzt, gerecht werden.
Trotz des stilistisch gelungenen Relaunch baumeln noch immer mehr Taschen von Louis Vuitton oder Prada in den Armbeugen modeaffiner Frauen. Die Präsenz von MCM in deutschen Fußgängerzonen ist da vergleichsweise gering. Der Grund hierfür ist nicht das Produkt selbst.
MCM Waren sind bestens verarbeitet, die Applikationen wertig; hier gibt es nichts zu mäkeln.
Es ist vielmehr der alte Ruch von Milieu und Spielerfrau, der viele Kunden, insbesondere diejenigen, die selbst in der Modebranche arbeiten, abhält, sich mit den Taschen zu zeigen.
Das einstige Friseusen-Image der Glamourmarke ist noch nicht völlig vergessen, das neue Image noch nicht gänzlich ausgereift. Bis sich die neue Markenidentität im Bewusstsein der Verbraucher vollständig verankert hat, braucht es noch eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und zweihundertprozentige Stilsicherheit um sich völlig ungeniert zu MCM bekennen zu können. Glücklicherweise haben Fashionistas von Beidem ja bekanntlich genug. Ein prominentes Gesicht als Markenbotschafter könnte die Salonfähigkeit des Labels indes beschleunigen.
Wer immer noch alte Vorurteile hegt, dem sei ein Blick auf die kommende Frühjahr/Sommer Kollektion empfohlen. HYPE hat für Euch vorab nach subjektivem Gusto die sechs coolsten Modelle ausgewählt. Erhältlich ab Dezember in den MCM Stores in Berlin und Düsseldorf. Alle weiteren Verkaufsstellen findet Ihr auf der MCM Homepage.

MCM Spring/Summer 2010 photocredit: MCM

[...] auch Artikel HYPE MAGAZINE: That´s why we love MCM, Part I Das MCM Press Kit für Spring/Summer [...]