ADIEU MONSIEUR! CHRISTIAN LACROIX – ENDE DER TAFTORGIE

Posted: Dezember 3rd, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , | No Comments »

Nun also doch! Nach langen Querelen um die künftige Führung des insolventen Modehauses Christian Lacroix, entschied das Pariser Handelsgericht am vergangenen Dienstag dem Restrukturierungsplan des Lacroix-Besitzers Falic Group stattzugeben, nachdem Übernahmeangebote durch  Kaufinteressenten aufgrund nicht gesicherter Finanzierungsnachweise abgelehnt wurden. Mit der aktuellen Entscheidung wird die Haute Couture Sparte, wie auch das Geschäft mit der Prêt-à-Porter eingestellt.

le style de Christian Lacroix
le style de Christian Lacroix

Modemacher Christian Lacroix selbst ist somit raus aus dem Unternehmen und mit ihm 110 weitere Mitarbeiter, die in Kürze ihre Entlassungspapiere entgegennehmen müssen. Gemäß des Sanierungskonzepts der Falic Group wird das Modehaus künftig als Lizenzbetrieb mit 12 Mitarbeitern weitergeführt werden. Unter dem Namen Christian Lacroix werden weiterhin Parfums, Accessoires, Hochzeitskleider und Herrenbekleidung vertrieben. Im neuen Jahr könnten weitere Lizenzvergaben in den Bereichen Optik, Schreibmaterialien und Dekoration folgen. Der Markenname Christian Lacroix wird demnach nicht von der Bildfläche verschwinden, aber mit Sicherheit an Exklusivität einbüßen. Der Lacroix-Schriftzug auf Feuerzeugen, Regenschirmen, und Schwimmflügeln vermag mittelfristig die Schulden des Unternehmens zu tilgen, und wird dabei zwangsläufig seine eigene Inflation hervorrufen. Pierre Cardin lässt grüßen.

Angesichts der Tatsache, dass das Haus Lacroix seit seiner Gründung 1987 nie rentabel war, fehlte es offenbar in all den Jahren seiner Existenz an einer fundierten Marketingstrategie. Das schöpferische Talent Christian Lacroix ` ist unumstritten, doch das, was der Créateur in handwerklicher Vollendung zweimal im Jahr über den Laufsteg schickte entsprach nicht mehr dem allgemeinen Zeitgeist. Wer da anderer Ansicht ist, der möge jetzt seinen Kleiderschank öffnen und nachsehen wie viele Teile er von Monsieur Lacroix sein Eigen nennt. Christian Lacroix ist ein Verfechter einer nicht mehr existenten Pariser Salonkultur, von höfischer Eleganz und darüber hinaus ein Experte auf dem Gebiet europäischer Kostümgeschichte. Das Problem dabei ist nur, das heutzutage niemand mehr mit Schranktruhen verreist. Klein, handlich, pflegeleicht, businesskompatibel und kombinierbar soll es sein. Alles andere bringt kein Geld!

Lacroix ist das Gegenteil dessen was auf den Straßen zu sehen ist. Lacroix, das ist roter Teppich, Opéra Garnier und 1001 Nacht, aber gewiss nicht Wirtschaftskrise, Air Berlin und PayBack-Karte. Das von zahlreichen Bloggern einhellig angestimmte Klagelied vom Untergang der Haute Couture anlässlich der Lacroix Pleite, irritiert angesichts deren Outfitposts im schwarz, grau, weißen Einheitslook von Acne, Patrizia Pepe und Co.

Christian Lacroix Fall 09 / photo by Corso Come/FLICKR creative commons

Christian Lacroix / photo by Corso Como at FLICKR creative commons


Möchte man sich wie Lacroix, als charakterstarke Künstlerseele den Anforderungen des Marktes nicht beugen, so wäre es für sein Haus aus wirtschaftlicher Sicht gewiss sinnvoll gewesen die Botschaft vom Pariser savoir vivre, von french allure und Grandezza in Form von bezahlbaren Accessoires unter die Leute zu bringen und mittels einer volksnahen Vermarktung der Firmenwerte die Begierde nach der unerreichbaren Haute Couture zu wecken. Womöglich war dem intelligenten Grandseigneur diese Art des marktschreierischen Modemarketings suspekt, ebenso wie ihm die abgespeckten Zweitlinien zuwider waren. Ein Designer ist Dienstleister und kein Künstler, sagte Tom Ford einmal. Banale Worte, deren Beherzigung Mr. Ford reich gemacht hat. Zu banal, für Monsieur Lacroix, dessen Unternehmen mit mehreren Millionen Euro in der Kreide steht.

Wer ist schuld an der Misere? Der Mode-Schöngeist, der fernab jeglicher Realität in seinem Studio in der feudalen Rue du Faubourg Saint-Honoré opulente Ballonröcke aus Seidentaft zusammenbauscht oder inkompetente Finanzberater und Marketingfachleute eines amerikanischen Mutterkonzerns ohne jeglichen Sinn für französische Lebensart? Oder sind es vielleicht doch die Einkäufer namhafter Boutiquen und Nobelkaufhäuser, deren Ordermengen einfach nicht ausreichend waren um die finanzielle Stabilität des Unternehmens zu sichern. Ist die Geiz-ist-Geil Mentalität unserer Gesellschaft schuld am Siechtum der “hohen Schneiderei”? Menschen, die auf Stilzitate, inspiriert von flämischer Malerei und französischer Literatur, pfeifen und es sich lieber mit einer Chispstüte auf dem heimischen Sofa vor dem Fernseher bequem machen, wie Lagerfeld erst kürzlich das Bild vom dicken Hausmütterchen verbalisierte?

Die Antwort darauf ist sich die Modebranche bis heute schuldig geblieben!



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