AUSSTELLUNG: POP LIFE IN DER HAMBURGER KUNSTHALLE

Posted: April 5th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION EXHIBITIONS, FASHION NEWS | Tags: , , , , , | No Comments »

Foto: HYPE magazine

Foto: HYPE magazine

Die in Zusammenarbeit mit der Tate Modern in London konzipierte Ausstellung POP LIFE in der Hamburger Kunsthalle kann man getrost zu den Ausstellungshighlights des noch jungen Jahres zählen. Kunst, die ästhetisch und inhaltlich dem Zeitgeist entspricht und unsere Sehnsüchte auf das Vortrefflichste wiederspiegelt kommt an, wie die Besucherströme vergangenen Sonntag zweifelsfrei belegen.

Es gibt nur wenige Kunstwerke von solch ansprechend dekorativem Charakter wie die hyper-glamourösen Arbeiten von Damien Hirst, Jeff Koons und Takashi Murakami. Die geistigen Erben Andy Warhol’s haben längst verinnerlicht, dass die bereits in den 1960 er Jahren von ihm behandelten Themen Kommerz, Ruhm, und Status von unbegrenzter Gültigkeit sind. So inszenieren die heute lebenden Vertreter der Pop Art ihre Kunst als Luxusmarkenprodukt und wecken dadurch Begehrlichkeiten, wie die limitierte Auflage einer Louis Vuitton Tasche.

Tatsächlich bedient sich die Modebranche der gleichen Methoden zum Absatz ihrer Produkte wie einst die Künstler der Pop Art. So ist das Konzept von Keith Harings 1986 in New York eröffneten “Pop Shop”, in etwa vergleichbar mit den heutigen Flagshipstores bekannter Modelabels, wo Kunden in die Designphilosophie des Unternehmens abtauchen können. Haring selbst nutzte seinen Laden zur Vermarktung seiner Kunst und machte sie über bedruckte Merchandising Artikel einem breiten Publikum zugänglich.

Es gibt viele Parallelen zwischen den Mechanismen der Pop Art und dem Marketing der Luxusgüterindustrie. Andy Warhol war besessen von dem Gedanken berühmt zu sein und suchte die Nähe zu den Stars um sich an deren Seite selbst aufzuwerten. In ählnlicher Weise agieren auch Modefirmen, indem sie klassische Models in ihren Werbekampagen durch Hollywoodstars ersetzen. Die Selbstdarstellungssucht war Teil von Warhols Identität und auch hier ließe sich wieder ein Vergleich zum Hier und Jetzt ziehen, doch der Unterschied zwischen Warhol und der Generation Web 2.0 liegt in der Qualität der Darbietung. Während sich die selbst überschätzenden Narren in Castingshows oder auf YouTube zum Affen machen und meist nicht mehr anzubieten haben als Peinlichkeiten, verstand es Warhol seine prominenten Zeitgenossen mit Persönlichkeit, Individualität und vor allem Talent für sich zu gewinnen, und hob bekannte Gesichter der Showbranche in den elitären Stand der Kunst, indem er ihre Portraits mittels Siebdruckverfahren und leuchtenden Acrylfarben auf Leinwand verewigte. Durch die Matrix Narzissmus und Ehrgeiz aber eben auch Intellekt und Begabung wurde Andy Warhol selbst zur VIP.

Was den 1987 ermordeten Künstler aus bescheiden Verhältnissen  mit den Lebenden verbindet ist das Streben nach Reichtum, Erfolg und sozialer Anerkennung, das kein Verfallsdatum kennt, ebenso wenig wie das Bedürfnis nach Schönheit und Sex. Der menschliche Trieb gesellschaftlich aufzusteigen ist in seiner Ausprägung von jeher unverändert geblieben, der Weg nach oben ist via Facebook und MySpace ist allerding demokratischer geworden.

Die Fragen wo stehe ich, was repräsentiere ich, was will ich und wer könnte ich sein, bewegen die Gemüter und treiben sie scharenweise in die Hamburger Kunsthalle. Diejenigen, die sich zu Beginn der Ausstellung in Jeff Koons goldfarbigen Kristallspiegel betrachten, dessen Silhouette einem Teddybären nachempfunden ist, sehen darin nicht nur sich selbst sondern auch die von Warhol angefertigten Portraits kreativer Kollegen wie David Hockney und Mick Jagger auf der gegenüberliegenden Seite und begreifen sofort: Life is Pop, damals wie heute!

Hamburger Kunsthalle, Foto: HYPE magazine
Hamburger Kunsthalle, Foto: HYPE magazine

POP LIFE, noch bis zum 09. Mai 2010
Hamburger Kunsthalle
www.hamburger-kunsthalle.de



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