Ein kleines Stück Modegeschichte lässt sich aktuell im Untergeschoss des Londoner Kaufhauses Selfridges erleben. Hier zeigt die Grande Dame of British Fashion im Rahmen einer Ausstellung die ausgefallensten Schuhmodelle ihrer Kollektionen von 1973 bis 2010.
Unter den annähernd 200 Ausstellungspaaren sind die ultramarinblauen Plateautreter in denen Naomi Campbell 1993 vor den Augen der Weltpresse zu Fall geriet ebenso zu sehen wie Westwoods wohl mit Abstand schlüpfrigste Schuhschöpfung, dem Penis-Schuh.
Die Liebe zu Schwindel erregenden hohen Absätzen erklärte die exzentrisch wirkende Modemacherin einst wie folgt: “Shoes must have very high heels and platforms to put women’s beauty on a pedestal.”
Vivienne Westwood Shoes: An Exhibition 1973-2010
26. August bis 22. September 2010
Selfridges, London
Geschmackssache - Der Penis Schuh von Vivienne Westwood
Eine einzigartige Reise durch die Geschichte des Parfums verspricht die Ausstellung “The Pefume Diaries” im Londoner Nobelkaufhaus Harrods zu werden.
So bewerben die Veranstalter die Exposition im Vorfeld der Eröffnung mit dem Hinweis, dass die bekanntesten, größten und besten Parfumhersteller, darunter u.a. auch Dior und Guerlain, ihre Archive für die Kuratoren geöffnet hätten und äußerst seltene Flakons als Leihgabe zur Verfügung stellen. Ein bisschen Interaktion gehört heutzutage natürlich zu den Standards massentauglicher Präsentationen und so dürfen Besucher ihr Näschen natürlich auch über Gefäße, gefüllt mit gängigen bis extrem raren Inhaltstoffen der Duftwässerchen, halten und bis zum Abwinken riechen, riechen und nochmals riechen. Darüber hinaus sind Gesprächsrunden mit renommierten Parfumeuren, wie bspw. Erwin Creed, geplant, die dem Publikum die Eigenschaften eines guten Parfums aus Expertensicht näher erläutern werden. Die Ausstellung findet auf der 4. Etage des Shoppingtempels statt.
Die Ausstellung “The Pefume Diaries” läuft vom 02. September bis 02. Oktober 2010, freier Eintritt
„Einige meiner Kleider könnte man auch einfach an die Wand hängen,” sagt Hussein Chalayan über seine Entwürfe und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Statt wie seinesgleichen ausschließlich Kleider für den Laufsteg zu produzieren und diese von den Anna Wintours dieser Welt beäugen zu lassen, wandern seine Kreationen wohl genauso oft ins Museum, wie in die Schränke von Fashion-Victims.
Seit Jahren überzeugt sein experimentierfreudiges Schaffen die Fachleute aus der Kunst- und Modeszene gleichermaßen. Kritiker bezeichnen seine Kleider gerne als untragbar, Liebhaber sprechen von genialen Kunstwerken. Vielleicht wird dem gebürtigen Zyprioten deshalb am 8. September 2010 eine Ausstellung in der Londoner Lisson Gallery gewidmet. Geplant sind unter anderem eine Installation und ein Film, der Elemente aus Musik, Design und Kunst vereinen soll. „Ich hatte schon immer einen interdisziplinären Anspruch… die neue Arbeit ist da nur eine logische Fortführung,” betont der in der britischen Hauptstadt ansässige Modedesigner. Dass Hussein Chalayan mehr sein will, als ein Modeschaffender und es versteht, seine Entwürfe perfekt und zugleich originell zu inszenieren, wurde schon im Jahre 1997 deutlich. Als einer der ersten Designer schickte er damals Models in sexy Kleidern, aber mit komplett verschleiertem Gesicht über den Catwalk. Ein Gegensatz, der Mode vom rein Ästhetischen wegführte und sie zum Instrument einer künstlerisch-politischen Botschaft machte. Die provokative Schau trug Früchte. Prompt wurde der Central Saint Martins Absolvent für mehrere internationale Ausstellungen gebucht.
In den Jahren 1999 und 2000 wurde Chalayan wiederum mit dem Titel Designer of the Year der British Fashion Awards ausgezeichnet. Grenzgänger Hussein Chalayan ist einer der wenigen Designer, dessen Werke es schon zu Lebzeiten als Exponate in die großen Museen geschafft haben. Insofern blicken wir am 8. September gespannt nach London, wenn die Lisson Gallery ihre Pforten öffnet, um Hussein Chalayans neuestes modisch-künstlerisches Cross-over zu präsentieren. (Text: Martina Klose)
Hussein Chalayan, Afterwords 2000. Image by courtesy of Chris Moore
Hätten Sie gedacht, dass die in den 70er Jahren für das Label Halston entworfenen Velourslederkleider unter ökologischen Gesichtspunkten Sondermüll sind, da biologisch nicht abbaubar? Oder, dass die Pariser Modeschöpferin Madame Grès im Jahre 1942 notgedrungen „politisch korrekten” Webpelz verarbeitete, weil es aufgrund der deutschen Besatzung bei Pelzlieferanten zu Versorgungsengpässen kam. Ach ja, und übrigens: nicht alles, was heutzutage ein grünes Etikett trägt, ist auch ökologisch einwandfrei…Dies sind nur einige der vielen faszinierenden Aspekte, die man auf der Austellung „Eco Fashion - Going Green” im New Yorker Fashion Institut of Technology erfährt.
Entgegen allen Vorurteilen ist die Schau keine belanglose Ansammlung ökologisch wertvoller, farbloser Hängerkleidchen. Vielmehr beleuchtet die New Yorker Ausstellung das Verhältnis von Mode und Umwelt in den vergangenen 250 Jahren. Nicht selten steht Couture, die stets dem Zwang ausgesetzt ist, sich neu erfinden zu müssen, im Konflikt mit ihrer Umwelt. Der Besucher erfährt auch, dass das Thema Recycling nicht erst von grünen, Birkenstock tragenden Politikern initiiert wurde. So beginnt der Rundgang durch mehr als 2 Jahrzehnte Öko-Fashion bereits im 18. Jahrhundert, als feines Seidenbrokat so selten und begehrt war, dass das Wiederverwenden von ausgedientem Material oft die einzige Möglichkeit war, es weiterhin zu verarbeiten. Die Geburtsstunde des Recycling!
Ein blassgrünes Seidenkleid von 1840 ist wiederum ein frühes Beispiel für Nachhaltigkeit, wie sie heute im Zusammenhang mit grünen Labels immer wieder hochgehalten wird. Um das teure Fabrikat zu verschiedenen Anlässen tragen zu können, wurde es mit abnehmbarem Cape und Ärmeln versehen. Aus 1 mach 2 oder eben der Vorreiter der Wendejacke. Indem sie die positiven, als auch die negativen Praktiken der Textilwirtschaft unter die Lupe nehmen, gelingt es den Machern, das Thema Mode weg vom rein Ästethischen zu führen und in einen komplexen Zusammenhang zu stellen. So erfährt der Besucher unter anderem, dass die sogenannte “Demokratisierung” der Mode nicht erst mit den für Jedermann erschwinglichen Billigkopien von H&M einsetzte, sondern schon Anfang des 19.Jahrhunderts mit den großen New Yorker Textilfabriken.
Diese stellten erstmals günstige Kleider her und ermöglichten damit jeder Frau, sich modisch zu kleiden. Dass „Mode für alle” keineswegs mit fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden konnte und fortan sogar 8jährige Mädchen in den Fabriken schuften mussten, bringen die Veranstalter ebenfalls zur Sprache. Genauso wie es heute üblich ist, dass große Textilketten ihre Kleidung in Billiglohnländern anfertigen lassen. Auch den aktuellen Ökolabels von U 2 Sänger Bono und anderen Stars, die sich fairen Handel aufs Banner geschrieben haben, widmet sich die Ausstellung. 250 Jahre Mode unter ökologisch-ethischen Gesichtspunkten - und zwar ungeschminkt mit all ihren Vorteilen und Schattenseiten, das ist das Anliegen von „Eco Fashion - Going Green“. Noch bis 13. November im Fashion Institute of Technology in New York.
Er kreierte Carla Bruni-Sarkozys Pillbox-Hütchen, das ihren Jackie-Kennedy-Look beim Staatsbesuch in London abrundete, Prinzessin Diana besaß ein Dutzend seiner Bérets und Kylie Minogue wirbelte mit einer seiner Kopfbdeckungen über die Bühne. Stephen Jones schrille und exzentrische Hutkreationen landen nicht nur auf den Häuptern gut betuchter Ascot-Ladies. Er war es, der den Hut in den achtziger Jahren aus der Vergessenheit zurück ins Rampenlicht und auf die Köpfe der Modemutigen brachte und ihn als Accessoire bei den Schauen der großen Couturiers etablierte.
Dieses Jahr feiert die Marke Stephen Jones Millinery ihr 30jähriges Bestehen. Das Modemuseum, kurz MoMu, in Antwerpen nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, dem Londoner Hutmacher eine ganze Ausstellung zu widmen.
Das belgische Ausstellungshaus ist im Besitz der größten Stephen Jones- Hutkollektion der Welt und beherbergt mehr als 120 Exemplare.Stephen Jones & The Accent of Fashion lässt den Betrachter in die einmalige Welt eines Accessoirekünstlers eintauchen, der seit drei Jahrzehnten mit den namhaften Größen aus der internationalen Modeszene zusammenarbeitet: Jean Paul Gaultier, Thierry Mugler, Comme des Garçons, Claude Montana, John Galliano, Christian Dior, Walter Van Beirendonck und Marc Jacobs. Chapeau, Mister Jones!
Die Ausstellung läuft vom 8. September 2010 bis 13. Februar 2011
Auch für die Großmeister der Mode gibt es ein Leben fernab von Laufsteghektik und geschäftigen Fashionweeks. Doch was tun Kreative wie Lagerfeld und Co. in einer ihrer seltenen schöpferischen Verschnaufpausen? Sie nützen die Zeit natürlich sinnvoll und sind, wen wundert’s, kreativ.
Kaiser Karl knipst gerne, Tom Ford hat ein fulminantes Regie-Debut hingelegt und Kenzo Takada greift seit geraumer Zeit zum Pinsel und verewigt sich nicht mehr nur auf Stoffen, sondern auf großflächigen Leinwänden. Zum ersten Mal stellt die Pariser Galerie Studio 55 Gemälde des japanischen Modeschöpfers aus. Mit insgesamt acht Exponaten will sich der Meister der Muster als ernstzunehmender Maler etablieren.
Die Bilder, allesamt Selbstportraits, wurden bewusst in den privaten Räumlichkeiten der Pariser Residenz von Pierre Cardin plaziert. Dessen Originalmöbel sowie Kunstwerke von Salvador Dali sollen ein gewisses Ambiente schaffen und dem Ausstellungsmotto „un certain style de vie” - zu deutsch: „ein besonderer Lebensstil” - gerecht werden. Kenzo mal anders, oder noch besser, Kenzo, wie er sich selbst sieht. Das Bekenntnis zu seinen asiatischen Wurzeln wie auch die Liebe zu floralen Motiven sind überdeutlich. So mutet das Resultat dann auch eher dekorativ als intellektuell ambitioniert an - bleibt aber wie immer bei der Beurteilung von kreativen Erzeugnissen auch Geschmackssache. Bis zum 10. Juli können die Werke Kenzo’s in der Pariser Urban Art Galerie Studio 55 besichtigt werden. Also, nichts wie hin!
Reifröcke, Tüll und feinstes Tissue aus fünf Jahrzehnten, schweben förmlich übers Parkett. Mit einer großen Ausstellung lässt das Musée Dior in Granville die Maskenbälle der Nachkriegszeit wiederaufleben.
Und wenn die Villa „Les Rhumbs” zum „Grand Bal Dior” ruft, geraten nicht nur Modebegeisterte und kleine Prinzessinnen ins Schwärmen. Allein schon beim Betreten des Belle-Epoque Gebäudes, das wie ein verträumtes Märchenschloß anmutet, fühlt man sich in die Zeit der große Diven, Prinzen und Prinzessinnen zurückversetzt. 50 Ballkleider des Pariser Couturiers sind die Hauptdarsteller der Ausstellung. Eine Hommage an Christian Dior und dessen Talent, vor allem aber an seinen guten Geschmack und seine Vorliebe für die aufwendig, verspielten Roben aus dem XVIII. Jahrhundert. Besonders zum Ausdruck kommt die Kreativität des Pariser Großmeisters in den Couture-Kleidern, die er für die rauschenden Ballnächte Anfang der 50er Jahre entworfen hat.
Neben den faszinierenden Roben, dokumentieren Fotografien und Gemälde Dior’s Faible für extravagante Maskeraden. So erschien Christian Dior zum „Bal des Reines” (Ball der Königinnen) 1949 in Gestalt des Königs der Tiere, auf dem „Bal des Artistes” schlüpfte der Couturier in die Rolle des Dandy. Einen ganzen Sommer lang weht das Flair der großen Ballnächte noch durch die Villa „Les Rhumbs”, in der Christian Dior allem Anschein nach eine unbeschwerte Kindheit verbracht haben muss.
„Le Grand Bal Dior” - noch bis zum 15. September im Musée Christian Dior in Granville.
90-60-90; was auf den ersten Blick aussieht wie der direkte Draht zum überteuerten Klingelton-Abo, ist in Wirklichkeit ein Synonym für das weibliche Körperideal des 20. Jahrhunderts. Seit Ende zweiten Weltkrieges gilt dieses Maß nun schon als Schönheitsideal und Richtwert für angehende Models.
Mehr ist in der Modebranche nicht gefragt, weniger dagegen schon. Vorausgesetzt das proportionale Verhältnis von Brust, Taille, Hüfte ähnelt irgendwie der Silhouette einer Sanduhr. Moden unterliegen stets dem Wandel der Zeit und mit ihnen auch die Körperform.
Als beständigster Helfer, um den eigenen Körper dem aktuellen Modediktat zu unterwerfen, hat sich das Mieder erwiesen. Bereits vor 500 Jahren begannen europäische Frauen ihren Körper mittels der Leibbinde nachdem jeweils vorherrschenden Schönheitsideal zu formen oder besser gesagt, zu verformen. Nicht selten hinterließ die enge Schnürung der Taille auf bis zu 40 cm, bleibende Leibesschäden: gequetschte Organe, deformierte Brustwirbel und Wundstellen. Aller modischen Varianten zum Trotz blieb dabei die Betonung von Brust und Becken stets populär. Eine mögliche Erklärung für diesen Tatbestand, bietet die auf Fortpflanzung ausgerichtete Psychologie von Mann und Frau. ER wittert in hochgedrückten, prallen Brüsten und einem breiten Becken Vitalität und Fruchtbarkeit. SIE hingegen, erhofft sich in der Erfüllung dieser Kriterien bessere Chancen auf das Alpha -Männchen: groß und stark, potent und schlau, überlegen und reich. Frau, ob mit Abitur oder nicht, will Mann gefallen.
Doch nicht nur das Schönheitsideal hat sich über Jahrhunderte immer wieder neu definiert, auch die Ausführung des Mieders unterlag der fortwährenden Veränderung. Mal hinten, mal vorne geschnürt, mal mit Haken und Ösen als Verschluss. Ob als Bestandteil der Unterkleidung oder dekorativer Hingucker der Oberbekleidung, korsettartig versteift oder elastisch, das Mieder hat viele Gesichter.
Die Evolution des Mieders unter dem Einfluss sich wandelender Moden dokumentiert aktuell das Münchner Stadtmuseum in seiner sehr sehenswerten Ausstellung: “Silhouettenwechsel-Mode sprengt Mieder.”
Die in Zusammenarbeit mit der Tate Modern in London konzipierte Ausstellung POP LIFE in der Hamburger Kunsthalle kann man getrost zu den Ausstellungshighlights des noch jungen Jahres zählen. Kunst, die ästhetisch und inhaltlich dem Zeitgeist entspricht und unsere Sehnsüchte auf das Vortrefflichste wiederspiegelt kommt an, wie die Besucherströme vergangenen Sonntag zweifelsfrei belegen.
Es gibt nur wenige Kunstwerke von solch ansprechend dekorativem Charakter wie die hyper-glamourösen Arbeiten von Damien Hirst, Jeff Koons und Takashi Murakami. Die geistigen Erben Andy Warhol’s haben längst verinnerlicht, dass die bereits in den 1960 er Jahren von ihm behandelten Themen Kommerz, Ruhm, und Status von unbegrenzter Gültigkeit sind. So inszenieren die heute lebenden Vertreter der Pop Art ihre Kunst als Luxusmarkenprodukt und wecken dadurch Begehrlichkeiten, wie die limitierte Auflage einer Louis Vuitton Tasche.
Tatsächlich bedient sich die Modebranche der gleichen Methoden zum Absatz ihrer Produkte wie einst die Künstler der Pop Art. So ist das Konzept von Keith Harings 1986 in New York eröffneten “Pop Shop”, in etwa vergleichbar mit den heutigen Flagshipstores bekannter Modelabels, wo Kunden in die Designphilosophie des Unternehmens abtauchen können. Haring selbst nutzte seinen Laden zur Vermarktung seiner Kunst und machte sie über bedruckte Merchandising Artikel einem breiten Publikum zugänglich.
Es gibt viele Parallelen zwischen den Mechanismen der Pop Art und dem Marketing der Luxusgüterindustrie. Andy Warhol war besessen von dem Gedanken berühmt zu sein und suchte die Nähe zu den Stars um sich an deren Seite selbst aufzuwerten. In ählnlicher Weise agieren auch Modefirmen, indem sie klassische Models in ihren Werbekampagen durch Hollywoodstars ersetzen. Die Selbstdarstellungssucht war Teil von Warhols Identität und auch hier ließe sich wieder ein Vergleich zum Hier und Jetzt ziehen, doch der Unterschied zwischen Warhol und der Generation Web 2.0 liegt in der Qualität der Darbietung. Während sich die selbst überschätzenden Narren in Castingshows oder auf YouTube zum Affen machen und meist nicht mehr anzubieten haben als Peinlichkeiten, verstand es Warhol seine prominenten Zeitgenossen mit Persönlichkeit, Individualität und vor allem Talent für sich zu gewinnen, und hob bekannte Gesichter der Showbranche in den elitären Stand der Kunst, indem er ihre Portraits mittels Siebdruckverfahren und leuchtenden Acrylfarben auf Leinwand verewigte. Durch die Matrix Narzissmus und Ehrgeiz aber eben auch Intellekt und Begabung wurde Andy Warhol selbst zur VIP.
Was den 1987 ermordeten Künstler aus bescheiden Verhältnissen mit den Lebenden verbindet ist das Streben nach Reichtum, Erfolg und sozialer Anerkennung, das kein Verfallsdatum kennt, ebenso wenig wie das Bedürfnis nach Schönheit und Sex. Der menschliche Trieb gesellschaftlich aufzusteigen ist in seiner Ausprägung von jeher unverändert geblieben, der Weg nach oben ist via Facebook und MySpace ist allerding demokratischer geworden.
Die Fragen wo stehe ich, was repräsentiere ich, was will ich und wer könnte ich sein, bewegen die Gemüter und treiben sie scharenweise in die Hamburger Kunsthalle. Diejenigen, die sich zu Beginn der Ausstellung in Jeff Koons goldfarbigen Kristallspiegel betrachten, dessen Silhouette einem Teddybären nachempfunden ist, sehen darin nicht nur sich selbst sondern auch die von Warhol angefertigten Portraits kreativer Kollegen wie David Hockney und Mick Jagger auf der gegenüberliegenden Seite und begreifen sofort: Life is Pop, damals wie heute!
Der Kensington Palast in London, hat viele Zimmer. 13 davon, die sogenannten “State Rooms” sind öffentlich zugänglich und wurden jetzt von britischen Modeschaffenden, darunter Vivienne Westwood, Hutmacher Stephen Jones und dem Avantgarde Label Boudicca zwecks einer neuen Ausstellung namens “The Enchanting Palce” für das bürgerliche Publikum mit extra angefertigten Ausstellungsstücken neu in Szene gesetzt.
Die Apartments erzählen ihren Besuchern Geschichten aus dem Leben ihrer ehemaligen Bewohner. Zu denen zählten seit der Errichtung des Prachtbaus im späten 17. Jahrhundert ausschließlich die Mitglieder des britischen Königshauses. Zu sehen gibt es neben einem multisensuellem Raumkonzept und den eigens für die Ausstellung angefertigten Exponaten der oben genannten Designer auch noch persönliche Utensilien und Kleider der Windsor Sippe. Darunter das Hochzeitskleid von Königin Victoria, sowie Roben von Prinzessin Margaret und Prinzessin Diana, die hier zwischen 1981 und 1997 lebte.
Ausstellung “The Enchanting Palace”, 26.03.2010 bis Juni 2012
Sein Lebenslauf liest sich wie der eines aufstrebenden Kreativen im Hier und Jetzt. Studium, Praktikum, freiberufliche Tätigkeiten, Assistenz, Selbständigkeit.
Der Unterschied; Irving Penn war bereits fester Bestandteil der Modeelite, als deren Erzeugnisse noch nicht Allgemeingut der Massen und “jobs-in-fashion” noch sehr überschaubar waren.
Als Hausfotograf der amerikanischen Vogue schoss Penn über 150 Titelseiten für das Magazin. Sein erstes mit gerade mal 26 Jahren, sein letztes mit 86 Jahren. Somit prägte er entschieden das Image des heute prestigeträchtigsten und vielleicht auch einflussreichsten Modemagazins der USA. Sein letztes Titelblatt für die US-Vogue im Mai 2004 zeigt Schauspielerin Nicole Kidman in schwarzer Abendrobe, von hinten.
Irving Penn’s Platz in der Geschichte der Fotografie verdankt sich seinem ausgeprägten Sinn für high-fashion, seinem Ehrgeiz und dem Glück der richtigen Begegnungen. Nach dem Designstudium an der Kunsthochschule in Philadelphia, absolviert Penn zwei Praktika bei Harper’s Bazaar, berät das Modekuafhaus Saks Fifth Avenue bei der Gestaltung seiner Werbeanzeigen und avanciert schließlich zum Assistenten von Vogue’s Art Director Alexander Liberman. Penn zählt zu den bedeutendsten Modefotografen des 20. Jahrhunderts. Klassische Eleganz gepaart mit coolem Minimalismus, streng komponiert, beinahe starr, nie sind seine Models in Bewegung, kennzeichnen seine Handschrift. Berühmt für seine Stillleben und Portraits, sind letztere nun in der Ausstellung Irving Penn Portraits in der National Portrait Gallery in London zu sehen.
Gezeigt werden über 120 Portraits berühmter Persönlichkeiten wie Christian Dior, Grace Kelly und Pablo Picasso.
photo: Christopher Makos Marylin Monroe 1970s, copyright: Christopher Makos
Im Rahmen der Ausstellung “Three!” der Flo Peters Gallery in Hamburg sind vom 10.Februar bis 20. März 2010 Werke von Christopher Makos zu sehen. Gezeigt werden in erster Linie Polaroids und Photographien des Man Ray - Schülers und langjährigen Warhol-Begleiters. Daneben sind auch Photoarbeiten von Paul Solberg sowie photographische Stillleben-Arragements Vera Mercers ausgestellt.
Makos wurde Ende der 1940er in Massachusetts (USA) geboren und wuchs in Kalifornien auf. Während er seine Lehrzeit in Paris bei der Photo-Legende Man Ray verbrachte, wirkte er an der Seite Andy Warhols vor allem als dessen visueller Biograph. Makos hielt zahlreiche Momente ihrer gemeinsamen Zeit photographisch fest und beeinflusste so besonders wegweisend die zeitgenössische Kunstszene New Yorks. Wie schon das Medium des Polaroids selbst ist auch die Kunst Christopher Makos’ oftmals direkt und erreicht den Betrachter auf eine wenig verbindliche Art ohne große Einleitungen oder Umschweife. Ob Marilyn Monroes Portrait, abfotografiert von einem Fernsehbildschirm, oder das Bildnis Warhols bei der Lektüre eines Magazins heranzieht - die Bescheidenheit des Künstlers ist allgegenwärtig.
Makos’ Werke wurden bereits in vielen Magazinen wie etwa Interview, Rolling Stone, People, New York Magazine oder Esquire gedruckt; unzähligen Museen der USA als auch Europas und Japans zeigten seine Werke. Dieses Mal präsentiert die Ausstellung der Flo Peters Gallery Makos’ Werk in Ausschnitten. Definitely a Must see!
(Lena Briccio)
Ausstellungseröffnung: 9. Februar 2010, 18-21 Uhr
Ausstellung: 10. Februar - 20.März 2010
Ob Mode auch Kunst sein kann, darüber streiten sich in aller Regelmäßigkeit bildende Künstler und Designer. Das Mode jedoch durchaus kunstvoll sein kann daran besteht kein Zweifel. Eine Verschmelzung beider Disziplinen präsentieren zweimal im Jahr die Designer Viktor Horsting und Rolf Snoeren, alias Viktor & Rolf.
Mit Kollektionen deren Kleider durchaus als Textilsurrealismus zu bezeichnen sind, mit innovativen Ladeneinrichtungen und einer progressiven Vermarktungs-Strategie begeistert und bereichert das virtuose Duo aus Holland seit nunmehr 15 Jahren die Modewelt.
Grund genug für das mittlerweile auf Modeausstellungen spezialisierte NRW Forum in Düsseldorf sich dem begabten Zweier-Gespann anzunehmen und ihre kreative Arbeit mittels einer kleinen Ausstellung zu würdigen: “Viktor & Rolf: Dolls. Eine Installation” ist eine Installation aus handgemachten Porzellanpuppen, deren Korpus Miniaturanfertigungen der spannendsten Entwürfe aus den Kollektionen von Viktor & Rolf zieren. Das die etwa 70 cm großen Fashion-Dummys hinter Glaszylindern stehen unterstreicht den Aufwand und die Wertigkeit ihrer Herstellung im Besonderen. Tatsächlich mussten einige der gemusterten Stoffe für die maßstabsgetreue Wiedergabe des Originals neu gewebt werden.
Die 55 Puppen, die ursprünglich für eine Retrospektive in einer Londoner Galerie im Jahr 2008 angefertigt wurden, sind eine Referenz an die ersten Schritte der Avantgardisten im internationalen Modebusiness. Nach einem gewonnen Modewettbewerb im Jahr 1993 und somit am Anfang ihrer Kariere stehend, stellten sich die beiden Absolventen der Kunstakademie Arnheim vor, was sie denn in dieser Branche noch alles erreichen wollten und visualisierten ihre Ziele anhand eines Modeimperiums im Miniformat.
Es gab eine Kollektion, einen Laufsteg, ein Studio und sogar eine Parfumflasche mit passendem Werbeposter, alles en miniature. Das ihre Puppen heute keine Stellevertreter einer schwärmerischen Zukunftsvision mehr sind, sondern Belegexemplare einer von Erfolg gekrönten einzigartigen Stilistik mag für den Betrachter nur von geringfügiger Bedeutung sein, angesichts der Präsentation im musealen Umfeld, für Viktor & Rolf selbst, jedoch die höchste Form der Anerkennung.
Photos: NRW FORUM
Die Ausstellung im NRW-Forum ist vom 7. bis zum 21. Februar 2010 zu sehen.
Rote Augen, kalkweisse Haut, unkonventionelle Handlungen bis hin zu obszönen Gesten und ein Setting, dass zwischen 70er Jahre Plattenbau Interior und Louis XIV Pariser Grand Hotels rangiert; willkommen in der Welt von Juergen Teller!
Der Fotovirtuose aus Bubenreuth bei Erlangen hat die Modefotografie revolutioniert. Nein, er ist nicht über Nacht zum Star geworden - das war harte Arbeit! Von der Münchner Fotoschule begibt er sich ohne Geld und Kontakte und mit mangelnden englischen Sprachkenntnissen nach London, um den großen Namen der Fotografie zu assistieren. Eine Ablehnung folgt auf die nächste, bis Nick Knight auf den begabten Provinzler mit dem brachialen Englisch aufmerksam wird und ihm eine Chance gibt.
Tellers stets mit Blitzlicht aufgenommenen Fotos, wirken auf den ersten Blick wie zufällige Schnappschüsse eines Laien, der sich über die bestehenden Lichtverhältnisse keine Gedanken macht, bevor er auf den Auslöser drückt. Doch Jürgen Teller, Jahrgang 1964, weiß genau was er will und betätigt den Auslöser erst dann, wenn seine Protaginsten etwas von sich preisgeben. Etwas, das sich lohnt in Pixeln für die Nachwelt zu konservieren. Mit diesem Anspruch schenkt Juergen Teller Models erstmals in der Geschichte der Modefotografie eine Seele. Ob der geschundene, nackte Körper von Kristen McMenamy oder eine rehäugige und verletzlich dreinblickende, ungeschminkte Kate Moss, die Stars präsentieren sich vor der Linse Tellers schutz- wie auch hüllenlos.
“Ein Foto ist gut, wenn es mich berührt” sagt Teller. Tatsächlich fotografiert niemand so wie er, so authentisch, so pur! Damit schuf Teller einen ganz eigenen Stil, der den Nerv der technoiden wie minimalistischen 1990er Jahre vortrefflich repräsentierte. Die Nürnberger Kunsthalle huldigt dem Fotografen nun mit ihrer aktuellen Ausstellung “Juergen Teller - Logisch”. Zu sehen sind neben älteren Werken auch neuere, bislang noch unebkannte Arbeiten aus dem Jahr 2009. So z.B. die Serie “Schlüssel im Schloss,” fotografiert auf Schloß Sankt Emmeram in Regensburg, dem Wohnsitz der Familie Thurn und Taxis. Elisabeth von Thurn und Taxis trägt hier die extravaganten Roben ihrer Mutter Gloria aus den 1980er Jahren zur Schau und wirkt darin fast ein wenig der Realität entrückt.
Renate Hirsch Giacomuzzi muss sich niemanden mehr vorstellen, zumindest nicht in Südtirol. Die Society-Lady ist so etwas wie die Königin von Bozen. Das 100.000 Seelen Städtchen im Norden Italiens, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Österreich entfernt, ist seit 30 Jahren ihr Zuhause.
Wo die Hirsch ist, sind die Paparazzi nicht weit. Ob Salzburger Festspiele, Wiener Opernball, Polo in Sankt Moritz oder Urlaub im sardischen Badeort Cala die Volpe, dank RTL Exclusiv, Leute heute und Bunte kennt man sie auch hierzulande.
Viel Privates ist nicht bekannt über die gebürtige Bayerin, die einst den schwerreichen Unternehmer Hans Giacomuzzi ehelichte, der sie ins beschauliche Bozen holte. Mitte der 1990er Jahre war Renate Hirsch gerngesehener Gast bei den Pariser Haute Couture Schauen, zählte sie doch lange Zeit zu den weltweit nur 300 illustren Kundinnen, die sich ohne einmal mit den geklebten Wimpern zu zuckern, Kleider zum Preis eins Mittelklassewagens gönnten. Heute präsentiert sie sich der Öffentlichkeit des Öfteren in reich verzierten Eigenkreationen und scheut sich nicht entgegen aller Spöttelei ihre pastellfarbenen Fantasiepelze zur Schau zu tragen. Fast Immer ohne Mann, dafür aber umso häufiger mit Sohn Leander im Schlepptau, schreitet sie über die roten Teppiche von München, Wien, Paris und Monaco!
Persönlichkeiten wie Renate Hirsch sind eine aussterbende Spezies. Eigensinnig, mondän und gesegnet mit einem unterhaltsamen Maß an Exzentrik, scheinen Frauen wie sie in einer Parallelwelt aus Glacé-Handschuhen, Bediensteten, Champagner und Operettenhäusern zu leben.
Ist es nur ein von den Medien erzeugtes reißerisches Zerrbild vom Lebensstil wohlhabender Berufsgattinnen, welches sich da in unseren Köpfen manifestiert hat? Legenden, basierend auf Spekulationen, oder doch die Realität einer Gesellschaftsschicht, die nur Wenigen zugänglich ist?
Näheren Aufschluss auf diese Fragen geben die Arbeiten der Meraner Modefotografin Brigitte Niedermair. Niedermaier hat Renate Hirsch Giacomuzzi ein Jahr lang begleitet und portraitiert. Entstanden ist eine Fotodokumentation, die Bozens schillerndste Persönlichkeit, nicht nur an öffentlichen Schauplätzen ablichtet sondern auch bei privaten Weihnachts- und Osterfeiern im eigenen Salon, beim Joggen oder in Tracht auf dem Münchner Oktoberfest zeigt.
Tatsächlich sind die “Lifestyle-Momente” Bestandteil von Hirsch´s täglicher Routine, die Niedermair mit der Kamera festgehalten hat. Jedoch überlässt Niedermaier nichts dem Zufall. Ihre Fotos sind akribisch geplant. Mittels Komposition und künstlerischer Erhöhung strebt sie nach der wahrhaftigen Darstellung ihrer Protagonisten und stellt dabei das Subjekt per se bzw. das was es repräsentiert in Frage.
Was ist hier Realität, was ist Fiktion und was Verfremdung? Aus der Dialektik zwischen Künstlichkeit und Natürlichkeit beziehen die Bilder Niedermairs ihre Spannung. Die endgültige Antwort auf die Frage, wer ist eigentlich Renate Hirsch Giacomuzzi, muss der Betrachter für sich selbst definieren.
Die 26 großformatigen Fotografien sind nun im MUSEION für moderne und zeitgenössische Kunst in Bozen zu sehen.
Ausstellung “MADAME HIRSCH” im MUSEION BOZEN
20.11.2009 - 17.01.2010
DANTESTRASSE 6
39100 BOZEN
WWW.MUSEION.IT
Di - So geöffnet von 10 -18h
Do bis 22h
Eintritt frei!
Die Fotoserie ist als Bildband im Kehrer Verlag, Heidelberg, erschienen. (siehe Abbildung) www.brigitteniedermair.com
photo: Berliner Festspiele copyright: F.C. Gundlach
Eine große Retrospektive des deutschen Modefotografen F.C. Gundlach ist ab dem 20. November im Berliner Martin Gropius Bau zu sehen. Angekündigt sind 350 Fotografien aus einer vierzigjährigen Schaffensperiode.
Der 1926 im hessischen Heinebach geborene Fotograf spezialisierte sich Mitte der 1950er Jahre auf die Modefotografie und arbeitete für die Magazine Film und Frau, Stern und Quick. 1963 unterzeichnete er einen Exklusivvertrag mit der Frauenzeitschrift Brigitte, für die er bis 1983 die jeweils aktuelle Mode ablichtete und mehr als 160 Titelbilder schoss.
Gundlachs Aufnahmen sind kunstvoll aber niemals verkünselt, und so reflektieren sie auf besonders authentische Weise den Look ihrer Zeit. Interessant ist vor allem die Tatsache, dass die Modepresse bereits in den Nachkriegsjahren keine Kosten und Mühe scheute, um Modeproduktionen in fernen Ländern durchzuführen. In den 1960er Jahren, als Flugreisen noch ein Privileg für Wenige darstellten, gewiss eine Besonderheit. Somit brachte F.C. Gundlach mit seinen Fotografien nicht nur die Mode in deutsche Wohnzimmer, sondern auch Glamour und Exotik. Dabei bediente er auch die Sehnsüchte von Millionen Bundesbürgerinnen. Dass das Modebusiness, lange bevor das Metier hip wurde und Modeleute mit Anglizismen um sich warfen, schon immer international orientiert war, belegt untenstehendes Foto mit dem nüchternen Titel: “Die neue Mode.”
Das Bild zeigt das Model Grace Coddington in einem Outfit von Missoni. Grace, die heutige Modechefin der US-Vogue mit dem flammend roten Haar, die durch die Filmdokumentation “The September Isssue” aus dem Schatten ihrer Chefin Anna Wintour allmählich heraustritt und mittlerweile auf eine eigene Fangemeinde zählen kann. Hättet Ihr sie erkannt?
Ausstellung: “F.C. Gundlach - Das fotografische Werk” ab dem 20. November im
Martin Gropus Bau Berlin
Er kam, sah und siegte. Wo immer Wolfgang Joop auftaucht sind Fans, Schaulustige und Medien nicht weit. München, Briennerstraße, auf dem der Bürgersteig vor der Fotogalerie Lumas drängen sich Wartende, überwiegend in Schwarz und Grau gekleidete Menschen aller Altersgruppen. Mit Apperol Sprizz in der einen und Zigarette in der anderen Hand, warten sie auf Deutschlands erfolgreichsten Modemacher, der an diesem spätsommerlichen Freitag Abend, hier seine Modeillustrationen als Reproduktion in limitierter Auflage einem breitem Publikum vorstellt.
Dann ist es endlich soweit, Wolfgang Joop lässt sich im Taxi vorfahren. Flankiert von Assistent und Assistentin, die mit blondem Bob und dem Wunderkind Kleid, genauso gut eines seiner Models sein könnte. Es dauert nicht lange und Wolfgang Joop ist umzingelt. Blitzlichter flackern auf, die Spots der TV-Kameras lassen ihn trotz Dämmerung in hellem Licht erstrahlen. Geduldig steht er den Reportern Rede und Antwort und posiert bereitwillig mit seinen Bewunderern für deren Familienalbum. Und da München eben ein riesiges Dorf ist, trifft man auch stets unverhofft auf alte Bekannte. Überrascht von der Anwesenheit eines ehemaligen Topmodels fallen sich, die schöne Unbekannte und der Modemacher in die Arme. Auch Patrica Riekel, berühmteste Chefredakteurin des Landes und als solche längst selbst eine VIP, ist ebenfalls erschienen um ihren Freund Wolfgang Joop zu begrüßen. Die Zwei wirken sichtlich miteinander vertraut. Unbeeindruckt von den riesigen auf sie gerichteten Fotoobjektiven um sie herum, gehört dieser Moment nur ihnen Beiden. Bussi links, Bussi rechts und weg ist sie wieder, die Queen of Burda.
Es dauert eine Weile bis der Stilguru sich seinen Weg durch die Menge, hinein in den Ausstellungsraum gebahnt hat. Dann endlich kann Dr. Jan Seewald, Pressesprecher von Lumas mit seiner Rede beginnen. Die stickige Luft im übervollen Raum ist vergessen. Alle haben nur noch Augen für ihn, den Dandy aus Potsdam. Viele der Gäste sind ausschließlich wegen Joop hier, nicht wegen seiner Zeichnungen. Im Laufe des Abends sprechen mich zwei ältere Damen an, um mit mit über Kunst zu philosophieren, und mich nach einer Einschätzung bezüglich der von Joop verwendeten Zeichenmaterialen zu fragen. Nun es handelt sich um Reproduktionen. Licht und digitale Pixelmultiplikation möchte ich antworten. Doch natürlich meinen die Damen das Original. “Mischtechnik” antworte ich, “Kohle und Kreide bei Haute Noir, Tempera und Buntstift bei Summer Dress”. Sicher bin ich mir nicht. Mein Lieblingsbild ist “Nadja,” weil es aus einer Zeit stammt, in der ich als Jugendlicher meine Leidenschaft für Mode entdeckt habe und stets an den Lippen Wolfgang Joops hing, wo immer er im TV ein Interview gab. Doch das interessiert hier Niemanden. Auch die Damen möchten mit mir viel lieber über das Original in Persona sprechen. Wolfgang Joop selbst. In welchem Hotel er denn wohne, möchte einer der Beiden wissen. Ich müsste das doch wissen, schließlich sei ich ja von der Presse. Oh je, wie komme ich aus dieser Nummer bloß wieder raus?
Mein Blick wandert zu Wolfgang Joop, meinem Jugendidol, der gerade wieder mal sein Gegenüber unterhält. Ich war noch sehr jung als ich ihn 1995 bei Wetten dass zugeschaut habe wie er Madonna für einen wohltätigen Zweck skizzierte, und wusste dabei nicht wer ich lieber sein wollte, Joop oder der Superstar in schwarzer Lackkorsage. Vierzehn Jahre später treffe ich Deutschlands Medienliebling zum ersten Mal persönlich und stelle fest, dass er tatsächlich so nett ist, wie es ihm nachgesagt wird.
Die Absicht in jedem Falle etwas Kritisches zu schreiben, weil das nun einmal der Anspruch dieses Blogs ist und joviale Produktbeschreibungen schon zu genüge publiziert werden, muss der Erkenntnis weichen, dass es an Wolfgang Joop einfach nichts auszusetzen gibt! Charmant, kommunikativ, gebildet und alles andere als ein Snob. “Willst Du mich heiraten?,” denke ich. Stattdessen frage ich ihn nach der Zeichnung, die er von Madonna gefertigt hat und freue mich wirklich über ihren aktuellen Verbleib informiert zu werden. Ich hatte ein paar Fragen vorbereitet, doch ich möchte keinesfalls die Geduld des Meisters überstrapazieren, indem ich diese umständlich von meinen verknitterten Zetteln ablese, drum improvisiere ich im Folgenden. Wolfgang Joop macht es einem leicht, an jede seiner Antworten lässt sich prima anknüpfen. Er hat immer etwas zu sagen, und so hätte ich ihn noch stundenlang befragen können.
Gerne hätte ich in Erfahrung gebracht, was er gefühlt hat, nachdem er 2001 auch noch seine letzten Firmenanteile an die Wünsche AG verkauft hat und fortan faktisch nichts mehr dem Unternehmen, welches seinen Namen trägt, zu tun hatte. Es hätte mich interessiert was eigentlich aus seiner Beziehung zu seinem russischem Freund geworden ist, den er in New York kennengelernt hat, wie er einst der Bunte erzählte, von dem aber nie ein Foto gedruckt wurde. Zudem wollte ich wissen, von welchem Label seine coole Hose mit den aufgemalten Motiven stammt, die er an diesem Abend trägt. Ich weiß, dass ich mich mit derlei Fragen längst nicht mehr im Rahmen dessen bewege, was der Grund für meine Anwesenheit ist. Das grafische Werk des Designers. Doch Wolfgang Joop hat in seinem Leben mehr geleistet als nur ein paar nette Skizzen von Frauen in Sommerkleidern.
copyright: Wolfgang Joop, www.lumas.de
Neben Jil Sander und Karl Lagerfeld ist Wolfgang Joop der einzige deutsche Modemacher von Weltformat. Der Vollblut-Kreative scheint die Aufmerksamkeit zu genießen. Er flirtet mit dem Publikum, man möchte sagen er hält Hof, doch das trifft es nicht, denn dazu ist der Sympathikus einfach zu nahbar. Seine unprätentiöse Art kommt an. “Meine Kleider kann sich keiner leisten, das hier schon”, scherzt er. Das Bürgertum lacht, nicht über ihn sondern mit ihm.
Was für ein Menschenfänger. Von der Bevölkerung verehrt, wird er von Kollegen, wie dem Modedesigner Konrad Huber, der jahrelang mit ihm in Hamburg zusammenarbeitete und heute das Design der Damenlinie im Hause Bogner verantwortet, hoch geschätzt. Die Herzen seiner Mitmenschen fliegen ihm im Nu zu. Das war schon zu Zeiten, in denen sein Name noch ein Ausrufezeichen zierte der Fall, wie auch im Hier und Jetzt, wo er sich als Kopf von Wunderkind,vom Ruf Markenmachers befreit und als ernstzunehmender Modemacher international etabliert hat. Zweimal Weltkariere in einem Leben.
Stillstand des Flüchtigen lautet der Titel eines Buches, dass die Modeskizzen des studierten Kunsterziehers bündelt. So treffend der Titel für die Gattung der Modegrafik ist, so sehr gilt das Gegenteil für die Person Wolfgang Joop. Flucht vor dem Stillstand müsste es korrekterweise heißen. In einem Alter in dem Andere sich mental auf die Auszahlung ihrer Rente freuen, baut er Wunderkind zur globalen Marke aus. Jüngst führte er unter Wunderkind auch eine Kollektion für Herren ein, die von der Fachpresse mit Lob überschüttet wurde. Er hat Interesse an einer Übernahme des insolventen Wäscheherstellers Schiesser bekundet und Gerüchten zufolge soll ihm auch der Erhalt der Firma Escada am Herzen liegen.
Der Modeschöpfer verabschiedet sich, bettet sich zur Ruhe im Bayerischen Hof, was ich der neugierigen Dame nicht verraten habe. Wolfgang Joop ist weg, was bleibt sind die Reproduktionen seiner wunderbaren Zeichnungen. Ich blicke noch einmal auf das Portrait von Nadja, meinem Lieblingsbild und vermisse dabei seinen Zeichner, das Original!
-von Sven Barthel-
Es mag in den Genen der Familie liegen, oder auch nicht, dass Greg Lauren, Neffe des amerikanischen Modemachers Ralph Lauren, sich künstlerisch betätigt. Fakt ist, dass sich der 39-jährige Maler und Schauspieler, mit seinen unverwechselbaren Papierarbeiten zunehmend in der internationalen Kunstszene etabliert. Wer nun denkt, dies habe er ausschließlich seinem Familiennamen zu verdanken, der urteilt vorschnell.
Natürlich öffnet der Name Lauren Türen zwischen Manhattan und Long Island, natürlich helfen die Celebrity Kontakte der Laurenschen Sippe, dem eigenen Werk Aufmerksamkeit zu verschaffen, dennoch ist Greg Lauren kein Shootingstar auf seinem Gebiet. Ein Blick auf die Vita des Künstlers verrät das sich langsame Vorarbeiten, die konstante Auseinandersetzung über einen längeren Zeitraum hinweg, die den Arbeiten eines Künstlers erst die gewisse Tiefe verleihen, die das Prädikat Kunst rechtfertigen. Nach abgeschlossenem Studium der Kunstgeschichte an der Elite Uni Princeton bahnt sich Greg Lauren seinen Weg durch die Film- und Kunstwelt ganz ohne Hilfe seines berühmten und schwerreichen Onkels.
Seit 2000 steuert Greg Lauren regelmäßig Werke zur jährlich stattfindenden New Yoker Benefiz Auktion “TAKE HOME A NUDE” bei, beteiligt sich bei Gruppenausstellungen in kleineren Galerien und schmückt mit seinen Werken, den einen oder anderen VIP Event. 2008 ermöglichte ihm die deutsche aber in New York ansässige Galeristin Heidi Neuhoff zusammen mit dem weltweit renommierten Kunsthändler Asher Edelman eine Soloausstellung. Lauren´s Medium ist Papier! Öl auf Papier, Papier auf Leinwand. Sein Ouevre ist der bekleidete Mensch, die Mode, die Medien, die High-Society. Nicht banal sondern beeindruckend stimmungsvoll und handwerklich bestens umgesetzt, erweckt das zerknitterte, übermalte und beklebte Papier seine Figuren zum Leben. Bis zu 15.000 Dollar muss hinblättern, wer einen original Lauren sein Eigen nennen will. Renée Zelweger, Demi Moore und Ben Stiller zählen laut Medienberichten bereits zu seinen Fans .
all artworks and photos by Greg Lauren / bycourtesy of Greg Lauren
Seine neuesten Arbeiten zeigen Kleidungsstücke als Plastik aus Papier; zusammengenäht von Greg Lauren höchst persönlich. “Alteration” heißt das Projekt, ein Begriff der in der Schneiderei die Abänderung eines Modells bezeichnet. Hinter “Alteration” steckt die Analyse von Image und Identität bestimmter Kleidungsstücke, die Lauren während seiner Jugend geprägt haben. Die Objekte sind noch bis zum 1.November in den ehemaligen Räumlichkeiten der Galerie Guild & Greyshkul zu sehen.
Das zweimonatlich erscheinende Kunstmagazin CLARK aus Paris versorgt seine Leserschaft in der neuesten Ausgabe unter anderem mit einem 14-seitigen Beitrag über den Künstler Takashi Murakami, dessen bunte superflat-cartoons, dank der erfolgreichen Kooperation mit Louis Vuitton im Jahre 2003, weltweit berühmt wurden.
In einem Interview spricht der kreative Japaner u.a. über seine Zusammenarbeit mit dem luxuriösen Taschenhersteller, sowie über seine Begegnung mit Gelegenheits-Schuh-Designer Kanye West und verweist auf seine neue Ausstellung in der Galerie Emmanuel Perrotin vom 15. September bis zum 17. Oktober 2009 in Paris.
Preis: EUR 5,50
Erhältlich an allen Presseverkaufsstellen in Frankreich sowie in ausgewählten Boutiquen von Paris, bspw. Colette
„Dutzende von Modemarken werden von der einen schmutzigen Hand in die andere geschoben. Und alle verlieren dabei immer mehr Glaubwürdigkeit”, diese erfrischend, ehrlichen Worte zur Lage der deutschen Modebranche stammen von Modeschöpfer Wolfgang Joop.
Das streitbare Kreativgenie, mit den griffigen Statements, hat sich rar gemacht in der hiesigen Medienlandschaft. Statt sich selbst dauerhaft in Szene zu setzen, konzentriert sich der gebürtige Potsdamer seit der Gründung von Wunderkind, lieber ganz auf seine Arbeit. Diese kommt, wie seine lebendigen Mode-Zeichnungen, ganz ohne Worte aus.
Wer Wolfgang Joop einmal live hat zeichnen sehen, der ist beeindruckt von der Mühelosigkeit seiner treffsicheren Handschrift. Im Jahr 1995 portraitierte Wolfgang Joop vor Millionen von Fernsehzuschauern in der Sendung Wetten dass, Superstar Madonna. Das schnell skizzierte Abbild der Diva wurde im Anschluss für einen guten Zweck versteigert. Zwei Ikonen der Popkultur, Madonna und Wolfgang Joop vereint auf einem Bogen Papier, von beiden persönlich unterzeichnet. Käufer war letztlich Wolfgang Joop selbst. Mit flinken Strichen schafft der Designer lebendige Figurinen, die wirken wie der Meister selbst: nonchalant, selbstbewusst, entspannt und sich selbst genügend.
Wer sich mit derlei positiven Eigenschaften und der Aura Joops in den eigenen vier Wänden umgeben möchte, kann sich diesen Wunsch nun dank der Foto-Galerie Lumas erfüllen. Lumas bietet erstklassige Arbeiten namhafter Fotografen, aber auch Künstler anderer Genres, als limitierte Fotabzüge, für einen erschwinglichen Preis zum Kauf an. Auch Wolfgang Joop hat sich bereit erklärt, eine Auswahl seiner Zeichnungen, einem größeren Kreis an kunst- und modeaffinen Menschen über Lumas verfügbar zu machen. In Berlin und München sind die Arbeiten ab September in einer Ausstellung zu bewundern. Die Hauptstadt punktet dabei mit einer Vernissage in Anwesenheit des Künstlers!
Vernissage in Berlin mit Wolfgang Joop: 10. September 2009, 19-21 Uhr
Ausstellung:
Wolfgang Joop at LUMAS Berlin ab 11.September 2009, Rosenthaler Str. 104, 10178 Berlin (Hakesche Höfe)
Wolfgang Joop at LUMAS München: ab 18. September 2009 , Brienner Straße 3, 80333 München