Eine skurrile Selbstdarstellung auf YouTube genügt und schon sind sie da, die von Warhol bereits in den 1960er Jahren prophezeiten 15 Minuten Ruhm für Jedermann. Dass Ruhm heutzutage längst nicht mehr mit Spaß und materiellem Wohlstand gleichzusetzen ist, zeigt ein aktuelles Beispiel aus den Tiefen des World Wide Web, dass einen Obdachlosen aus China gegenwärtig als neue Stilikone feiert.
Zahlreiche Modeblogs zeigen aktuell Fotos von einem Mann, der sein Dasein in den Straßen Ningbos fristet und dessen Identität niemand zu kennen scheint. Wozu auch? Webaffine Style-Addicts interessieren sich ohnehin mehr für die Kluft des Entwurzelten als für dessen Herkunft. Sein abgewetzter Lagenlook sorgt unter dem Begriff “Homeless Chic” aktuell für Begeisterung unter übersättigten Fashionistas. Beijings Tageszeitung hat dem Mann bereits einen Artikel auf ihrer Titelseite gewidmet und auch die renommierte Londoner Tageszeitung “The Independent” so wie die italienische “Repubblica” haben sich dem Thema angenommen.
Ob der Betroffene bezüglich seiner unfreiwilligen Internetprominenz glücklich ist und ihm der Status als Fashion Darling darüber hinweg tröstet in zugigen Einkaufshallen übernachten zu müssen? Wohl kaum! Denn der bekannte Unbekannte ist geistig krank, er stammelt mehr als das er spricht und scheint den Rummel um seinen Look keineswegs zu realisieren. Das chinesische Paparazzi und Reporter dennoch ungefragt ihrer Kameras auf ihn richten, hat angesichts der Hilflosigkeit des Mannes einen besonders negativen Beigeschmack. Im Gegensatz zum wirklichen Celebritiy verfügt der Vagabund über keine Rückzugsmöglichkeit. Die auf YouTube und chinasmack.com veröffentlichten Videos wirken verstörend. Mehr als das Wort Hetzjagd fällt mir angesichts der rauschenden Aufnahmen nicht ein.
“BrotherSharp”, wie der geschätzt 35-jährige, gemeinhin genannt wird, hat bereits eine eigene Facebook-Seite. Diese stammt natürlich nicht von ihm, sondern wurde von einem seiner Bewunderer eingerichtet. Hier wurde ihm eine Identität verordnet, die nicht authentisch ist. Mittels Statuszeile werden ihm Worte in den Mund gelegt, die nicht seine sind. Die Seite zählt annähernd 1000 Fans.
Inspiration aufzunehmen wo man sie gerade findet, und das kann eben überall sein, ist die eine Sache, die Frage ist nur, wie gehe ich mit meiner Inspirationsquelle um, nachdem ich mich ihrer zu meinem Vorteil bedient habe? Besonders dann, wenn es sich dabei um benachteiligte, wehrlose Menschen handelt? Sollen diese sich etwa mit der alleinigen Thematisierung ihrer Situation zufrieden geben und froh sein, dass ihrem Schicksal überhaupt Aufmerksamkeit geschenkt wird? Es gibt Leute, die denken so! Menschen, die in verwüsteten Landstrichen ausschließlich eine reizvolle Kulisse für das nächste Fotoshooting sehen und selbst lebensbedrohlicher Armut noch eine sozialromantische Komponente abgewinnen können. Manche nennen das cool! Andere nennen das gewissenlos.
Sicht einer Bloggerin auf Brother Sharp: Modelqualitäten
Im Internet kursieren Fotos die BrotherSharp in Frauenkleidern zeigen, was den Hype als Stilvorbild zwangsläufig schürt. Die traurige Geschichte hinter dem “Transenlook” besagt, der Mann trägt die Kleider seiner ermordeten Frau auf seinem Leib, um ihr möglichst nahe zu sein. Eine andere Version der Geschichte basiert auf Sehnsucht. Laut einer chinesischen Bloggerin, die BrotherSharp bereits im Jahr 2008 zum ersten Mal auf der Straße begegnete und ihn seitdem regelmäßig aufsucht, sehnt sich sein Herz nach einer Frau, die ihn liebt. So schlüpft der “arme Tropf” vor Sehnsucht manchmal selbst in die Rolle dieser fiktiven ihn liebenden Frau, in gesammelten Kleidern aus dem Müll!
Das einzige was einzelne(!) Stellvertreter der Modeszene und BrotherSharp miteinander verbindet, scheint der Realitätsverlust zu sein.
Susanne Wiebe und Models, photo: by courtesy of ROCCHI PR
Glamour à la bayerische Landeshauptstadt bot vergangenen Freitag Susanne Wiebe’s Fashion Show zum Auftakt der Modemesse “munichfashion.women”. Im großzügigen Glasbau des Audi Zentrums München versammelten sich circa 500 Gäste um bei Häppchen und Schampus die Herbst Winter Kollektion 2010, der in Schwabing ansässigen aber international präsenten Modemacherin zu begutachten und nebenbei einen Blick auf den neuen Audi R8 Spyder zu werfen.
Design auf 4 Rädern folgte später Mode auf zwei Beinen. Doch zuvor zauberte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude mit seiner Lobeshymne auf die Stadt als Modestandort, allen Anwesenden ein Lächeln auf die Lippen. Die wenigen Berliner unter ihnen lächelten einfach mit.
Weitere Unterstützung erhielt Wiebe an diesem Abend durch prominente Freunde, die als Pressefutter in der ersten Reihe saßen oder aber als Models fungierten, wie Natascha Ochsenknecht, die den Idealtyp der Wiebe Kundin zu repräsentieren scheint. Selbstbewusst, energisch, lebensfroh! Wiebes Entwürfe für die kommende Wintersaison strotzen geradezu vor weiblicher Kraft! Auf Business Amazonen in Lederleggings folgten gezähmte Rockerbräute in salontauglichen Nietenoutfits. Schwarze Kostüme mit Leder- und Lackapplikationen und kleinen Pagoden Schultern erinnerten ein wenig an Claude Montana, was eine neben mir stehende Dame zu spötteln veranlasste dass das Gezeigte sie doch sehr an die 1980er Jahre erinnere. Macht doch nix, denke ich, war schließlich ne geile Zeit, die 80er.
We love Pink!
Natürlich kann man es nie Allen recht machen. Dafür brachte ein silbernes Plisseedress Moderatorin Gundis Zambo zum Staunen, die in einem royalblauen Etuikleid und farblich passenden Schuhen, den Hingucker in der ersten Reihe bildete. Die Presse interessierte sich jedoch weniger für Zambos Oufit, als vielmehr für ihren jungen, gut gebauten aber noch nie zuvor gesehenen Begleiter. Angeblich ihr Fitnesstrainer; nicht mehr nicht weniger! Dieser hielt seine Hosen gleich mit zwei Gürteln auf den Hüften, wovon einer durch seine mit Glitzersteinen besetzte blinkende LED Schnalle besonders auffiel.
Mir gegenüber sitzt Bunte Society-Expertin Marie Waldburg, in einem mit reichlich Strass verzierten Strickjäckchen und blickt nachdenklich Natascha Ochsenknecht hinterher, als diese ihren Lauf schon fast beendet hatte und das nächste Model bereits am vorderen Ende des Catwalks angekommen war und für die Fotografen posierte. Was das wachsamste Auge der Münchner Schickeria wohl in diesem Moment gedacht haben mag?
Naomi & Otto Kern, photo: by courtesy of ROCCHI PR
Der Gesichtsausdruck von Hemdenkönig Otto Kern ließ sich da schon leichter interpretieren. Offensichtlich fand er Gefallen daran, als seine schöne Gattin Naomi in einem Bustierkleid aus schwarzen Seidensatinfransen vors Publikum stakste und bei jedem einzelnen ihrer Schritte über den Laufsteg die Beine trotz ultrahoher Plateau-Hacken tapfer durchstreckte. Nur Laien knicken bei hohen Absätzen in den Kniekehlen ein!
Als schließlich Cocktaikleider aus Spitze und Pailetten mit Schleife in der Taille ihren Auftritt hatten, zückte auch die Nörglerin neben mir ihr Handy, um festzuhalten was ihren Geschmack getroffen hat. Letztlich kriegt Susanne Wiebe sie alle, die Großstadt-Sirenen, die Diven, die Ladys, die Geschäftsfrauen, die Mütter und auch die Nörglerinnen. “I am every woman” Eine Frau hat eben viele Facetten. In der Erkenntnis diese zu bedienen liegt die Stärke ihres Labels.
Für alle, die das kleine bisschen mehr an Informationen über ihr Lieblingslabel erfahren wollen, bietet das kürzlich erst in Großbritannien erschienene Buch “The Towering World of Jimmy Choo” zahlreiche, bisher unbekannte Fakten zur Geschichte des gerade mal 13 Jahre jungen Schuhlabels .
Interessant dabei ist, dass Firmengründerin Tamara Mellon, den beiden Autorinnen, jegliche Zusammenarbeit verweigerte, jedoch ihre Mutter, Ann Yeardye, ein ehemaliges Chanel Model, zu der sie ein äußerst distanziertes Verhältnis pflegt, die Recherchen für das Buch unterstützte.
Das Tamara Mellon über ein überdimensional großes Ego verfügt, ist in der Branche kein Geheimnis. Von Geburt an überdurchschnittlich privilegiert, besuchte die 1967 in London geborene Tochter des Vidal Sasson Mitbegründers Tom Yeardye, Schulen in Berkshire, Beverly Hills und in der Schweiz. Mit dem Selbstbewusstsein derer, bei denen es die Gene besonders gut gemeint haben, landete die Schöne 1990 , mit gerade mal 23 Jahren, ihren ersten Job als Redakteurin für den Bereich Accessoires bei der britischen Vogue.
Aufgrund des elterlichen Vermögens ohnehin bestens innerhalb London´s Society vernetzt, verschaffte ihr der Posten bei Vogue zusätzlich Prestige in der Modewelt. Mitte der 1990er Jahre entdeckte sie das Talent und die Kunstfertigkeit des damals bereits schon sehr erfolgreichen, aber außerhalb der Modebranche weithin unbekannten Edelschusters Jimmy Choo, und erkannte parallel das Potential von Luxus-Accessoires für die kommenden Jahre. Sie überredete Choo, der bislang in seinem Atelier im Londoner East End lediglich Einzelpaare für Photoproduktionen und die Damen der britischen Upper Class anfertigte, mit ihr zusammen ein professionelles Unternehmen aufzubauen, und seine Kreationen für eine breitere Masse zugänglich zu machen. Eine Vision, wenn man bedenkt, dass die Baguette Tasche von Fendi, der ersten It-Bag, die den Hype um die Designer-Accessoires initiierte, erst 1997 auf den Markt kam.
1996 wurde Jimmy Choo offiziell gegründet. Jimmy Choo beherrschte das Handwerk, Mellon die Vermarktung. Sie hatte die Kontakte, das Geld und die nötige Energie um Jimmy Choo in kürzester Zeit neben Manolo Blahnik als populärsten Schuhdesigner der Gegenwart zu etablieren. Nur fünf Jahre nach seiner Gründung galt das Label als eine der rentabelsten Luxusmarken der Welt. Der Celebrity-Run auf die roten Sohlen von Christian Louboutin folgte erst ein paar Jahre später.
Was nur wenige wissen: Jimmy Choo selbst hat mit dem Design von jeher wenig zu tun. Es ist seine Nichte Sandra Choi, die seit der Unternehmensgründung, in der Position als Kreativdirektorin,verantwortlich für die Schuhkollektionen zeichnet. Zusammen mit Tamara Mellon diktieren die Beiden das komplette Sortiment an vier angestellte Designer. Jimmy Choo selbst hat sich in sein Atelier zurückgezogen und fertigt, wie vor seinem internationalen Duchbruch, wieder handgefertige Schuhe für wohlhabende Socialites unter dem Label “Jimmy Choo Couture”, allerdings in Lizenz von Jimmy Choo Ltd! Die Latschen unter Mellon´s und Choi´s Regie, tragen entweder das Label Jimmy Choo London oder nur Jimmy Choo.
Nun kann man sich berechtigt fragen, wieviel Qualität à la Choo steckt überhaupt noch in der Schuhserie für H&M ?
Jimmy Choo selbst hat mit der globalen Luxusmarke Jimmy Choo nichts mehr zu tun. 2001 hat der Schuhkünstler seinen Anteil an dem Unternehmen an die Firma Equinox Luxury Holdings, für nur 12 Millionen US-Dollar verkauft. Heute gehört das Unternehmen, das seinen Namen trägt, zu 50% der Investorengruppe Muse Hicks Hedge Funds und Tamara Mellon und ist geschätzte 219 Millionen Euro wert.
Die privaten Verhältnisse der Protagonisten untereinader sind verfahren. Man spricht nicht miteinander. Die Geschichte hinter den hohen Hacken ist filmreif. Wer mehr über die irdischen Hintergründe der himmlischen Schuhe wissen möchte, dem sei das Buch der Autorinnen Goldstein Crowe & de Rosen empfohlen.
THE TOWERING WORLD OF JIMMY CHOO ist erschienen bei Bloomsbury (bislang nur in englischer Sprache) erhältlich über amazon.de / € 16,99,-
Schuhe aus der Hand des Meisters: Jimmy Choo Couture. 18 Connaught Street, London (Termine, nur mit persönlicher Vereinbarung)
Eine tote Marke wieder zu beleben ist kein leichtes Unterfangen, erst recht nicht, wenn deren Erzeugnisse mit einem geschmacklich grenzwertigen 1980er Jahre Chic und einer Klientel assoziiert werden, die zwischen Ritas Frisierstübchen und Sonnenstudio Zuhause ist. So zumindest das alte Klischee im Falle von MCM.
Das 1976 von Michael Cromer gegründete Unternehmen fertigte Taschen-und Koffer mit auffälligen Logo-Muster und Goldplakette, die innerhalb weniger Jahre zu Statussymbolen Neureicher, Prominenter und zwielichtiger Wannabees avancierten, und das weltweit!
Die Selbstinszenierung des Gründers ähnelte seinen Produkten, laut und grell. Damit traf Cromer den damaligen Nerv der Zeit. Sei´s drum. Es waren die 1980er! Mitte der 90er Jahre kam der große Einbruch. Die Folgen der Asienkrise und zwei Anzeigen wegen Steuerhinterziehung machten Michael Cromer zahlungs- und handlungsunfähig. “Schicki-Michi” war weg vom Fenster und kurz darauf auch sein Gepäck. In den folgenden Jahren wurde die Firma verramscht. Markenrechte hierhin, Produktion dorthin. Eine undurchschaubare Verhackstückelung. MCM florierte in Deutschland nur noch auf Ebay und in Form von Kopien auf türkischen Basaren.
Schließlich kaufte sich Sung-joo Kim, jahrelange MCM Lizenznehmerin und einer der erfolgsreichten Geschäftsfrauen Asiens, in das dahin dümpelnde Unternehmen ein, schaffte neue Strukturen und setzte somit der undurchsichtigen Existenz der Marke ein Ende. Sie glaubte an das Potential des Unternehmens und investierte bis heute Millionen in den Wiederaufbau. Mit Erfolg!
2005 berief die die toughe Koreanerin Designer Michael Michalsky zum Kreativdirektor des Hauses. Der in Berlin ansässige Modemacher verpasste den Edeltaschen ein gründliches Make-over. Seitdem zeigen sich die Kollektionen urban, jung und modisch.
Dabei ist das MCM Logo aus Antiqua Lettern und Lorbeerzweigen noch immer als all-over Print voll im Einsatz und ziert Taschen, Koffer und Accessoires.
Bei der Präsentation der Frühjahr/Sommer Kollektion 2010 im Bayerischen Hof in München, springt einem sofort die berühmt-berüchtigte cognacfarbene Version der Visetos, wie die PVC beschichteten Baumwolltaschen genannt werden, ins Auge. Daneben aufgereiht, Taschen in der gleichfalls bekannten Farbvariante weiß/marine.
Die alten Dessins wirken vertraut. Ob sie noch zeitgemäß sind, darüber entscheidet letztlich der Kunde.
Abgesehen davon, dass Pythonleder und Pastellfarben bei einigen der neuen Modelle Geschmackssache sind, fällt mein Blick auf eine der Patchwork Taschen von Michalsky, die mich unmittelbar an St. Tropez, Nikki Beach und Paris Hilton denken lassen. Cooles Teil! Schließlich erspähe ich eine schlichte, silbergraue Männer-Tote aus der “City Chic” Linie, die das Zeug zum Klassiker hat. “Haben-will” hämmert es in meinem Kopf!
MCM Spring/Summer 2010 photocredit: MCM
Weitere attraktive Modelle der neuen Kollektion offenbaren sich mir erst Zuhause beim Durchblättern des Kataloges. Die Produktpalette ist umfangreich aber nicht unübersichtlich, und beinhaltet schlichte Teile, die dem Hier und Jetzt, gerecht werden.
Trotz des stilistisch gelungenen Relaunch baumeln noch immer mehr Taschen von Louis Vuitton oder Prada in den Armbeugen modeaffiner Frauen. Die Präsenz von MCM in deutschen Fußgängerzonen ist da vergleichsweise gering. Der Grund hierfür ist nicht das Produkt selbst.
MCM Waren sind bestens verarbeitet, die Applikationen wertig; hier gibt es nichts zu mäkeln.
Es ist vielmehr der alte Ruch von Milieu und Spielerfrau, der viele Kunden, insbesondere diejenigen, die selbst in der Modebranche arbeiten, abhält, sich mit den Taschen zu zeigen.
Das einstige Friseusen-Image der Glamourmarke ist noch nicht völlig vergessen, das neue Image noch nicht gänzlich ausgereift. Bis sich die neue Markenidentität im Bewusstsein der Verbraucher vollständig verankert hat, braucht es noch eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und zweihundertprozentige Stilsicherheit um sich völlig ungeniert zu MCM bekennen zu können. Glücklicherweise haben Fashionistas von Beidem ja bekanntlich genug. Ein prominentes Gesicht als Markenbotschafter könnte die Salonfähigkeit des Labels indes beschleunigen.
Wer immer noch alte Vorurteile hegt, dem sei ein Blick auf die kommende Frühjahr/Sommer Kollektion empfohlen. HYPE hat für Euch vorab nach subjektivem Gusto die sechs coolsten Modelle ausgewählt. Erhältlich ab Dezember in den MCM Stores in Berlin und Düsseldorf. Alle weiteren Verkaufsstellen findet Ihr auf der MCM Homepage.
Es ist der einzige Modeladen in der von schönen Altbauten gesäumten Westermühlstraße in München. Am Gebäude mit der Hausnummer Drei, prangt seit Mittwoch der Schriftzug des Modedesigners Marcel Ostertag.
Der Grund für den Umzug vom angesagten Gärtnerplatz in das hippe Glockenbachviertel, dem Quartier der Gays und besserverdienenden Jungfamilien, ist unspektakulär: Der Modemacher sehnte sich einfach nach einer “cooleren” Location. War die alte Boutique mit angrenzendem Atelier eher ein wenig dunkel und an einer Straßenbahntrasse gelegen, so präsentiert sich der neue Store dank großer Fensterflächen und hohen Decken, hell und freundlich.
Das Interior ist karg; zinkweiss getünchte Wände, ein paar Kleiderstangen links und rechts, eine zur Ladentheke umfunktionierte und mit Mosaiksteinen besetzte Kommode in der Mitte des Raumes, eine Vitrine, ein paar Sessel, zwei Büsten. Das war´s. Ob nun finanzieller Pragmatismus, wie manch einer der Gäste bei der Eröffnungsfeier am Mittwochabend munkelte, oder durchdachtes Konzept, im Mittelpunkt des neuen Ladenlokals steht ganz klar die Kollektion des Modemachers.
Und die gefällt! Seine für den kommenden Winter entworfenen Lederjacken mit Flechtprägung, die aus vielen Einzelteilen zusammengesetzten, grafischen Satinkleider, die Jersey-Leggings mit Lederbesätzen, und diese wunderbar extravaganten Teile aus unzähligen breiten Schlaufen verkörpern allesamt Urbanität und den Charakter von “high fashion at it´s best - Made in Germany”. Von südbayerischer Alpenromantik, Ostertag stammt gebürtig aus Berchtesgaden, keine Spur.
An diesem Abend liegt ein gewisser Stolz im Blick von Marcel Ostertag. Er ist sich seiner Fähigkeiten und Begabung bewusst und strahlt diese Überlegenheit aus, wie all die Menschen die entgegen “gutgemeinter” Ratschläge stets ihrer Vision folgen und damit Erfolg haben. Wer nicht weiß, wie viel Arbeit hinter all der Inszenierung, dem Aufbau einer Marke steckt, der neigt schnell dazu eine derartige Außenwirkung fälschlicherweise als Arroganz zu verurteilen. Marcel Ostertag ist absolut “selfmade”, und lässt sich von Anderen nicht beirren. Warum auch? Seine Rechnung scheint aufzugehen. Die Zusammenkunft der Fashionpeople anlässlich seines Store Openings, darunter Fotografen, Redakteure, Stylisten und Top-Model Kandidatin Caroline Ruppert, bestätigt, dass der Dreißigjährige längst zu einer festen Größe in der Branche geworden ist. Zu etabliert um noch als Geheimtipp zu gelten, aber noch immer weit entfernt vom Mainstream.
Ob er schon als kleiner Junge, von der glamourösen Modewelt geträumt hat? Eigentlich wollte er ja mal Balletttänzer werden, doch aufgrund einer Knieverletzung im Alter von 17 Jahren wurde daraus nichts. So ging er eben einen anderen Weg.
Der Modedesigner hat nach seinem Abschluss am renommierten Central Saint Martins College eine Blitzkariere hingelegt. Nach vielen Jahren in London kehrt er 2006 mit einem Master´s Degree in der Tasche zurück nach Deutschland und gründet noch im selben Jahr sein eigenes Unternehmen. Mit einem Kredit finanziert er seine erste Kollektion. Von München aus erobert er mit seinem “cool city chic” für selbstbewusste Großstadtamazonen die deutsche Modeszene.
Die Teilnahme an diversen Wettbewerben sichert ihm die Aufmerksamkeit der Presse. Moët et Chandon Fashion Debut, Bunte New Faces Award, Karstadt New Generation Award, Furla Accessories Award und viermal Berlin Fashion Week in Folge, sorgen dafür, dass Niemand, der das Geschehen der Modeszene aufmerksam verfolgt, an dem Namen Marcel Ostertag vorbeikommt.
Während das Glockenbachviertel also stolz auf seinen illustren Neuzugang sein kann, darf sich der Rest der Welt auf alles freuen, was von dem Wahlmünchner noch kommen mag.
“Achtung Models, bitte nicht füttern!” Nach den Regeln der Modebranche taugen Frauen mit Kleidergröße 38 nicht mehr als Model. Der favorisierte “Hungry Chic” der im high(est) end Segment tätigen Designer verlangt nach maximal 55 Kilogramm Körpergewicht bei einer Mindestgröße von 175 cm. Alles andere sieht auf dem Laufsteg nur plump aus, und entspricht nicht dem zeitgenössischen Schönheits- ideal. So zumindest die Meinung der maßgeblichen Modemacher.
So hat vor Kurzem Karl Lagerfeld mit seiner Äußerung, das nun wirklich Niemand dicke Frauen sehen wolle, und die Klagen über dürre Mädchen ausschließlich von dicken Muttis kommen, die es sich mit der Chipstüte auf dem Sofa bequem gemacht haben, erneut bestätigt, was alle Fashionistas längst verinnerlicht haben, nämlich das Mädchen mit mehr als 60kg, ganz egal wie hochgewachsen, in der Modelbranche nichts verloren haben. So wiegt Gisele Bündchen bei einer Größe von 180cm gerade mal 58 kg!
Während also Modeschaffende ganz genau wissen was zu “fett” ist und klare Grenzen nach oben definiert haben, scheinen Gewichtsgrenzen nach unten, nur offiziell zu existieren. Ab wann ist dünn eigentlich zu dünn? Das Modeunternehmen Ralph Lauren hat da offenbar seine ganz eigene Messlatte, wie ein Werbefoto, dass nur in Japan veröffentlicht wurde aber seit kurzem im Internet zirkuliert, belegt. Die Aufnahme zeigt das 23-jährige französische Model Filippa Hamilton, grotesk verschlankt mittels Photoshop. Der Kopf breiter als das Becken und dünn wie ein Stock! Übergewichtige Muttis in aller Welt ließen nach Bekanntwerden des Falles ihre Chipstüten links liegen und hievten sich vor ihren Rechner um mit fettigen Fingern ihre Entrüstung via Internet zu verlautbaren.
Was den Skandal noch verschlimmerte ist die Tatsache, das Filippa Hamilton, parallel zur Diskussion um das Horrorbild, von ihren Pflichten als Model für Ralph Lauren entbunden wurde. Nachdem das Model seit 2001 die Klamotten des Hauses beworben hatte und ihre Verträge viermal in Folge erneuert wurden, erhielt sie im April dieses Jahres ein Schreiben der Polo Ralph Lauren Company, indem man ihr mitteilte die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung beenden zu wollen. Laut Unternehmensleitung habe die Aufhebung der Kooperation jedoch nichts mit dem imageschädigenden Werbemotiv zu tun, sondern ausschließlich mit der unakzeptablen Gewichtszunahme des Mannequins.
Die Begründung der Kündigung liest sich dementsprechend nüchtern: “the relationship ended as a result of her inability to meet the obligations under her contract with us.” Einfach ausgedrückt: Mrs. Hamilton ist zu dick für Mr. Lauren. Willkommen im Modelbusiness.
Auf wiederholte Nachfragen diverser US-Medien gab die Ralph Lauren Company schließlich auch eine Stellungnahme zu der anorektischen Werbeanzeige ab:“For over 42 years we have built a brand based on quality and integrity. After further investigation, we have learned that we are responsible for the poor imaging and retouching that resulted in a very distorted image of a woman’s body. We have addressed the problem and going forward will take every precaution to ensure that the caliber of our artwork represents our brand appropriately.”
Nach Reue klingt das nicht gerade, aber immerhin, eine Reaktion auf einen vermeintlichen Fehler ist für eine Branche an der Kritik üblicherweise abperlt wie Regenwasser an GoreTex Jacken schon ein großes Zugeständnis.
Wie konnte es überhaupt zur Veröffentlichung eines solchen, in jeder Hinsicht mageren Bildes kommen? Angeblich wurde das Bild versehentlich ohne vorherige Prüfung durch die Firmenzentrale in New York in einem japanischen Kaufhaus ausgestellt. Eine Verkettung unglücklicher Umstände also? Angesichts der Tatsache, dass Filippa Hamilton tatsächlich wegen Übergewichts gefeuert wurde möchte man aufgrund der im Nachhinein erfolgten Körperhalbierung, nicht so recht an einen unglücklichen Zufall glauben. Selbst wenn alles nur ein Irrtum gewesen sein sollte, bleibt immer noch die Frage welch verzehrte Wahrnehmung von Schönheit die Person gehabt haben muss, die das Foto digital bearbeitet hat?
Er kam, sah und siegte. Wo immer Wolfgang Joop auftaucht sind Fans, Schaulustige und Medien nicht weit. München, Briennerstraße, auf dem der Bürgersteig vor der Fotogalerie Lumas drängen sich Wartende, überwiegend in Schwarz und Grau gekleidete Menschen aller Altersgruppen. Mit Apperol Sprizz in der einen und Zigarette in der anderen Hand, warten sie auf Deutschlands erfolgreichsten Modemacher, der an diesem spätsommerlichen Freitag Abend, hier seine Modeillustrationen als Reproduktion in limitierter Auflage einem breitem Publikum vorstellt.
Dann ist es endlich soweit, Wolfgang Joop lässt sich im Taxi vorfahren. Flankiert von Assistent und Assistentin, die mit blondem Bob und dem Wunderkind Kleid, genauso gut eines seiner Models sein könnte. Es dauert nicht lange und Wolfgang Joop ist umzingelt. Blitzlichter flackern auf, die Spots der TV-Kameras lassen ihn trotz Dämmerung in hellem Licht erstrahlen. Geduldig steht er den Reportern Rede und Antwort und posiert bereitwillig mit seinen Bewunderern für deren Familienalbum. Und da München eben ein riesiges Dorf ist, trifft man auch stets unverhofft auf alte Bekannte. Überrascht von der Anwesenheit eines ehemaligen Topmodels fallen sich, die schöne Unbekannte und der Modemacher in die Arme. Auch Patrica Riekel, berühmteste Chefredakteurin des Landes und als solche längst selbst eine VIP, ist ebenfalls erschienen um ihren Freund Wolfgang Joop zu begrüßen. Die Zwei wirken sichtlich miteinander vertraut. Unbeeindruckt von den riesigen auf sie gerichteten Fotoobjektiven um sie herum, gehört dieser Moment nur ihnen Beiden. Bussi links, Bussi rechts und weg ist sie wieder, die Queen of Burda.
Es dauert eine Weile bis der Stilguru sich seinen Weg durch die Menge, hinein in den Ausstellungsraum gebahnt hat. Dann endlich kann Dr. Jan Seewald, Pressesprecher von Lumas mit seiner Rede beginnen. Die stickige Luft im übervollen Raum ist vergessen. Alle haben nur noch Augen für ihn, den Dandy aus Potsdam. Viele der Gäste sind ausschließlich wegen Joop hier, nicht wegen seiner Zeichnungen. Im Laufe des Abends sprechen mich zwei ältere Damen an, um mit mit über Kunst zu philosophieren, und mich nach einer Einschätzung bezüglich der von Joop verwendeten Zeichenmaterialen zu fragen. Nun es handelt sich um Reproduktionen. Licht und digitale Pixelmultiplikation möchte ich antworten. Doch natürlich meinen die Damen das Original. “Mischtechnik” antworte ich, “Kohle und Kreide bei Haute Noir, Tempera und Buntstift bei Summer Dress”. Sicher bin ich mir nicht. Mein Lieblingsbild ist “Nadja,” weil es aus einer Zeit stammt, in der ich als Jugendlicher meine Leidenschaft für Mode entdeckt habe und stets an den Lippen Wolfgang Joops hing, wo immer er im TV ein Interview gab. Doch das interessiert hier Niemanden. Auch die Damen möchten mit mir viel lieber über das Original in Persona sprechen. Wolfgang Joop selbst. In welchem Hotel er denn wohne, möchte einer der Beiden wissen. Ich müsste das doch wissen, schließlich sei ich ja von der Presse. Oh je, wie komme ich aus dieser Nummer bloß wieder raus?
Mein Blick wandert zu Wolfgang Joop, meinem Jugendidol, der gerade wieder mal sein Gegenüber unterhält. Ich war noch sehr jung als ich ihn 1995 bei Wetten dass zugeschaut habe wie er Madonna für einen wohltätigen Zweck skizzierte, und wusste dabei nicht wer ich lieber sein wollte, Joop oder der Superstar in schwarzer Lackkorsage. Vierzehn Jahre später treffe ich Deutschlands Medienliebling zum ersten Mal persönlich und stelle fest, dass er tatsächlich so nett ist, wie es ihm nachgesagt wird.
Die Absicht in jedem Falle etwas Kritisches zu schreiben, weil das nun einmal der Anspruch dieses Blogs ist und joviale Produktbeschreibungen schon zu genüge publiziert werden, muss der Erkenntnis weichen, dass es an Wolfgang Joop einfach nichts auszusetzen gibt! Charmant, kommunikativ, gebildet und alles andere als ein Snob. “Willst Du mich heiraten?,” denke ich. Stattdessen frage ich ihn nach der Zeichnung, die er von Madonna gefertigt hat und freue mich wirklich über ihren aktuellen Verbleib informiert zu werden. Ich hatte ein paar Fragen vorbereitet, doch ich möchte keinesfalls die Geduld des Meisters überstrapazieren, indem ich diese umständlich von meinen verknitterten Zetteln ablese, drum improvisiere ich im Folgenden. Wolfgang Joop macht es einem leicht, an jede seiner Antworten lässt sich prima anknüpfen. Er hat immer etwas zu sagen, und so hätte ich ihn noch stundenlang befragen können.
Gerne hätte ich in Erfahrung gebracht, was er gefühlt hat, nachdem er 2001 auch noch seine letzten Firmenanteile an die Wünsche AG verkauft hat und fortan faktisch nichts mehr dem Unternehmen, welches seinen Namen trägt, zu tun hatte. Es hätte mich interessiert was eigentlich aus seiner Beziehung zu seinem russischem Freund geworden ist, den er in New York kennengelernt hat, wie er einst der Bunte erzählte, von dem aber nie ein Foto gedruckt wurde. Zudem wollte ich wissen, von welchem Label seine coole Hose mit den aufgemalten Motiven stammt, die er an diesem Abend trägt. Ich weiß, dass ich mich mit derlei Fragen längst nicht mehr im Rahmen dessen bewege, was der Grund für meine Anwesenheit ist. Das grafische Werk des Designers. Doch Wolfgang Joop hat in seinem Leben mehr geleistet als nur ein paar nette Skizzen von Frauen in Sommerkleidern.
copyright: Wolfgang Joop, www.lumas.de
Neben Jil Sander und Karl Lagerfeld ist Wolfgang Joop der einzige deutsche Modemacher von Weltformat. Der Vollblut-Kreative scheint die Aufmerksamkeit zu genießen. Er flirtet mit dem Publikum, man möchte sagen er hält Hof, doch das trifft es nicht, denn dazu ist der Sympathikus einfach zu nahbar. Seine unprätentiöse Art kommt an. “Meine Kleider kann sich keiner leisten, das hier schon”, scherzt er. Das Bürgertum lacht, nicht über ihn sondern mit ihm.
Was für ein Menschenfänger. Von der Bevölkerung verehrt, wird er von Kollegen, wie dem Modedesigner Konrad Huber, der jahrelang mit ihm in Hamburg zusammenarbeitete und heute das Design der Damenlinie im Hause Bogner verantwortet, hoch geschätzt. Die Herzen seiner Mitmenschen fliegen ihm im Nu zu. Das war schon zu Zeiten, in denen sein Name noch ein Ausrufezeichen zierte der Fall, wie auch im Hier und Jetzt, wo er sich als Kopf von Wunderkind,vom Ruf Markenmachers befreit und als ernstzunehmender Modemacher international etabliert hat. Zweimal Weltkariere in einem Leben.
Stillstand des Flüchtigen lautet der Titel eines Buches, dass die Modeskizzen des studierten Kunsterziehers bündelt. So treffend der Titel für die Gattung der Modegrafik ist, so sehr gilt das Gegenteil für die Person Wolfgang Joop. Flucht vor dem Stillstand müsste es korrekterweise heißen. In einem Alter in dem Andere sich mental auf die Auszahlung ihrer Rente freuen, baut er Wunderkind zur globalen Marke aus. Jüngst führte er unter Wunderkind auch eine Kollektion für Herren ein, die von der Fachpresse mit Lob überschüttet wurde. Er hat Interesse an einer Übernahme des insolventen Wäscheherstellers Schiesser bekundet und Gerüchten zufolge soll ihm auch der Erhalt der Firma Escada am Herzen liegen.
Der Modeschöpfer verabschiedet sich, bettet sich zur Ruhe im Bayerischen Hof, was ich der neugierigen Dame nicht verraten habe. Wolfgang Joop ist weg, was bleibt sind die Reproduktionen seiner wunderbaren Zeichnungen. Ich blicke noch einmal auf das Portrait von Nadja, meinem Lieblingsbild und vermisse dabei seinen Zeichner, das Original!
-von Sven Barthel-
Celebrity Kollektionen gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Fast täglich positionieren die Hersteller von Massentextilien neue VIP-Linien am Markt. Die Nachfrage nach erschwinglicher Kleidung mit dem gewissen Star-Appeal ist enorm.
Das psychologische Binsenprinzip “näher bei deinem Star” oder alternativ “mehr Glamour für dein “mittelmäßiges” Leben scheint zu funktionieren. Dass ein Victoria Beckham-Logo allein, aus einem fetten Hintern keinen Apfelpo zaubert, wird dabei von den Kundinnen verdrängt. Dass Bekleidungsunternehmen darauf reagieren, und die pubertäre Fanliebe oder das schwache Selbstwertgefühl zahlreicher Teenies und komplexbeladener Frauen mit noch mehr Promiklamotten kommerziell ausnutzen ist legitim und aus wirtschaftlicher Sicht natürlich nachvollziehbar.
Viel schlimmer jedoch ist es, wenn ein einst renommiertes Couture Haus, das für Mondänität, Eleganz und Weltläufigkeit steht, einen B-Promi ohne formalen Designhintergrund ernsthaft als Kreativberater engagiert und glaubt, dadurch das angestaubte Image aufpolieren zu können. So geschehen bei Ungaro, deren Chef Mounir Moufarrige den gerade mal 25-Jahre jungen Chefdesigner Esteban Cortazar, nach nur drei Saisons durch zwei neue Köpfe ersetzt hat. Der offizielle Trennungsgrund bezog sich auf eine unterschiedliche Auffassung bei der kreativen Ausrichtung des Unternehmens, einschließlich der Art und Weise von PR- und Marketingmaßnahmen. Fakt ist, das Cortazar die ursprüngliche Absicht seines Chefs Moufarriges, Schauspielerin Lindsay Lohna zum Gesicht der Marke zu machen, ganz und gar ablehnte, was zu unüberwindbaren Missstimmungen zwischen dem Designer und dem CEO geführt hat.
Andere Stimmen besagen, dass Cortazar noch zu unerfahren sei um ein derart anspruchsvolle Modelabel führen zu können. Obwohl seine letzte Kollektion für Winter 2009, von der Presse im Allgemeinen gut aufgenommen wurde, blieb der große Medienhype um Ungaro und somit auch nennenswerte Orderzahlen aus. Insbesondere die Sommerkollektion 2009 war ein Riesenflop. Mit paradisisch bunten Drucken und Walle-Walle Kleidern, vorn kurz hinten lang, verfehlte Cortazar ganz offenbar den Nerv der Zeit. Anfängerfehler, ganz klar. Es braucht Zeit bis ein Designer sich in die DNA eines Hauses eingefunden hat um darauf aufbauend etwas Eigenes zu entwickeln. Doch Zeit ist Geld, und das ist bei Ungaro knapp!
Richten soll es daher nun die noch unbekannte aber durchaus erfahrene Modemacherin Estrella Archs. Mit besten Referenzen u.a. von Christian Lacroix, Nina Ricci und Prada ausgestattet, zeichnet sie seit Juni dieses Jahres als Head Designerin für die Damen Prét à Porter Ungaros verantwortlich. Bei der Kollektionserstellung wird ihr Schauspielerin Lindsay Lohan behilflich sein, die einen Beratervertrag unterzeichnet hat und für kreativen Input sorgen soll. Die Beiden arbeiten bereits seit mehreren Wochen zusammen und werden das Ergebnis ihrer Arbeit am 04. Oktober währender der Pariser Modewoche der Öffentlichkeit vorstellen.
Hoffen wir, dass sich die Einbindung Lohans, wie bei den meisten Promi-Kooperationen, mehr auf repräsentative als auf gestalterische Funktionen beschränkt, denn die faden Leggings, welche die Schauspielerin unter ihrem eigenen Namen vertreibt, sind von dem was Ungaro verkörpert, meilenweit entfernt und werden dem kreativen Erbe des Firmengründers Emanuel Ungaro einfach nicht gerecht.
Endlich, die Herbst/Winter Ausgabe des Purple Magazins ist draußen und mit ihm die Bilder, die Karl Lagerfeld von seinem derzeitigen Lieblingsmodel Baptiste Giabiconi, in St.Tropez, Venedig und Paris geschossen hat. In der Strecke ist Lagerfelds 19-jähriger Zögling, primär nackt, in Damenklamotten und in High Heels zu sehen. Eine Darstellung, die im Bereich des High Fashion Editorial nichts Neues darstellt und renommierten Stylisten maximal noch ein müdes Lächeln entlockt. Doch wer glaubt, die Aufnahmen ließen die Welt kalt, der irrt.
Purple Magazine No. 12 Fall 2009 / photo: Karl Lagerfeld
Seitdem die Ablichtungen im Internet kursieren werden sie innerhalb der Blogosphäre höchst ambivalent besprochen. Diskussionsgegenstand ist nicht etwa die Freizügigkeit per se mit der Baptiste seine körperlichen Vorzüge offenbart, sondern vielmehr die eindeutig sexuell aufgeladene Bildsprache, die kaum eine anderweitige Interpretation zulässt, als das Lagerfeld sich an seinem Model offenbar auch sexuell berauscht und somit den Zuschauer ungefragt zum Voyeur seiner kaiserlichen Fantasien degradiert. Den einen stört das, den andern macht es geil. Es lebe die freie Meinungsäußerung!
Für zahlreiche Fashionistas liegt die Enttäuschung nicht in der Qualität der Bilder begründet, als vielmehr darin, was diese Bilder eigentlich über die Persönlichkeit ihres Fotografen aussagen. Lagerfeld, die unnahbare Kunstfigur, der in einem Bunte- Interview von sich mal behauptete völlig asexuell zu leben, erliegt der Schönheit eines unverbrauchten Jünglings, dem er sich durch den Sucher seiner Fotokamera nähert. Lagerfeld wird mit über 70 Jahren wissen, was man einem Knaben bieten muss um ihn zu halten. Status und Weltläufigkeit funktionieren zu Beginn eigentlich immer. Der aus einfachen Verhältnissen stammenden Baptiste mag noch zu jung sein um über das Geschehen um ihn herum kritisch reflektieren zu können und sonnt sich somit verständlicherweise in der für ihn ungewohnten und durchaus vorteilhaften Aufmerksamkeit. Es ist ein Geben und Nehmen, bei dem es vermutlich nie zum Vollzug kommen wird. Was bleibt ist die unerfüllte Sehnsucht des größten und populärsten Modeschöpfers des 21. Jahrhunderts, belegt durch Fotos, die den unerreichbaren Baptiste nackt, von hinten zeigen, wir er sich mit gekreuzten Beinen nach vorne gebeugt, auf einer Brüstung abstützt. Auf Stöckelschuhen!
Eine Hommage an Helmut Newton, wie Purple Herausgeber Olivier Zahm in seiner Einleitung zur Photostory betont. Doch auf aufmerksame Gemüter wirken die Bilder als wären sie weder für das Purple Magazine, noch für den Leser und schon gar nicht für die Modehersteller, deren Kleidung hier zu sehen ist, geschossen worden, sondern ausschließlich aus der persönlichen Motivation Lagerfelds heraus, sich am Körper seines Boy Toys und an dessen totaler Nacktheit, zu ergötzen. Nutzt da etwa jemand Fotoshootings und das Versprechen auf Ruhm als Mittel zum Zweck? Es ist dieses schmierige Klischee vom Fotografen und dem Model, das den Aufnahmen latent anhaftet und für negative Stimmung bei all denjenigen sorgt, die eine andere Professionalität des Modemachers gewohnt sind. Das Begehren, die unkontrollierte Lust auf den Anderen, jeder kennt dieses Gefühl, doch bei Karl Lagerfeld wollen das nur die Wenigsten sehen. Die Leute erwarten den perfekten Lagerfeld, die Kunstfigur, die er selbst von sich geschaffen hat und keinen Durschnittssenioren, der sich seiner menschlichen Schwäche und irdischen Gelüste hingibt. Das entspricht einfach nicht dem Image des stets hoch disziplinierten und kultivierten Modeschöpfers.
Die schwarz-weiss Strecke ist im Gespräch, somit wird diese Purple Ausgabe schneller vergriffen sein als alle vorherigen. Herzlichen Glückwunsch. Doch beim durchblättern der Seiten fühlt es sich an, als hätte man die größte Modeinstanz des Planeten, Karl Lagerfeld, bei der Selbstbefriedigung erwischt!
Berühmt dafür berühmt zu sein, Starlet Davorka polarisiert. Als vor etwa sechs Jahren eine bis dato unbekannte Studentin, der Politik und Kommunikationswissenschaften, der Einladung einer Filmpremiere folgte, schritt sie an jenem Abend in einem ziemlich enganliegenden, fleischfarbenen Gewand über den roten Teppich. Ihr Glück: der Stoff war zu dünn, um die grellen Blitzlichter der Paparazzi abzuwehren.
Das Licht bahnte sich seinen Weg durch das Textil, und legte frei, was eigentlich verhüllt gehört. Die Bildzeitung druckte das Foto und fragte in lüsterner Manier; “Sind wir auf der, `Herr der Dinger` Premiere? “. Dank einer Auflage von 12 Millionen Druckexemplaren wurde Davorka quasi über Nacht zur Busenfantasie einer ganz bestimmten Leserklientel zwischen Flensburg und Rosenheim. Weitere Einladungen zu Filmpremieren, Galas und Events folgten umgehend. Davorka ließ sich nicht lange bitten, sie erkannte ihre Chance und das Versprechen auf Ruhm und bediente fortan die Erwartungshaltung diverser Veranstalter. Diese lautete: wenn möglich, bitte transparent!
Davorka ist zu clever um in der Rolle der “Red Carpet Walkerin” zu verharren. An einer Münchner Privatakademie nimmt sie Gesangs- und Schauspielunterricht und übt sich auch in der Sparte Moderation. Auf Europas größtem Charity Event, dem Wiener Lifeball brillierte sie in einem traumhaften Strasskorsett á la Thierry Mugler, welches zu Recht zum besten Outfit des Abends gewählt wurde. In der SWR Talkshow saß sie als Gast neben dem blitzgescheiten Roger Willemsen, den sie bewundert, interviewte Penelope Cruz in Berlin und spielte zusammen mit John Cusack im Hollywoodfilm War Inc. Von Pro 7 und SAT 1 wird sie regelmäßig für diverse TV-Formate gebucht. Beim perfekten Promi Dinner des Fernsehsenders VOX, saß sie neben Pierre Brice und behauptete sich bestens gegenüber einer dünkelhaften Margot Werner.
Es gibt kaum einen deutschen Promi den sie noch nicht getroffen hat und nur wenige Promis, denen der Name Davorka nicht geläufig ist. Irgendwas muss sie, trotz aller Kritik, richtig gemacht haben. Ihr vorzuwerfen, sie könne nichts, weder singen, schauspielern noch moderieren, ist verfrüht. Auch Jenny Elvers, die von sich einmal sagte, sie sei die Queen Mom der Luder, wurde in einem Artikel des Stern zunächst als “eine Frau, die nichts zu sagen hat” verrissen. Später brachte sie ihre Kritiker mit einer Rolle als überforderte und nymphomanische Mutter ihres auf die schiefe Bahn geraten Sohnes, im Film Knallhart zum schweigen. Man braucht Chancen im Leben, ob durch eine vorteilhafte Heirat oder ein gescheites Drehbuch. Für Davorka ist also noch alles drin.
Es gibt Leute, die werten Davorkas Auftreten als billig, stillos und peinlich. Darunter auch viele bekannte Namen aus der Medienlandschaft. Selbige konnte man beobachten wie sie sich hinter verschlossenen Türen, weißes Pulver durch ihrer Nasen jagten, sich mit Veuve Cliquot zuschütteten, zotige Witze rissen und sich verbalen Entgleisungen hingaben, weiß Davorka zu berichten. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit, herrscht in den VIP Areas und Festsälen nobler Hotels eine große Doppelmoral. Davorka selbst trinkt nicht. Sie braucht einen klaren Kopf um sich auf ihre Arbeit konzentrieren zu können.
Neben ihren zahlreichen TV-Auftritten und PR-Terminen engagiert sich die Wahlmünchnerin für Amnesty International, nutzt ihre Prominenz für die Tierschutzorganisation PETA, ernährt sich konsequent vegetarisch und verzichtet auf das Tragen von Pelz. Sie nimmt sich selbst nicht allzu ernst und ist vor allem eines: unabhängig von einem Mann. Davorka hat es auch ohne Promimacker und Besenkammer-Quickie geschafft in die Schlagzeilen zu kommen. Damit hat sie vielen, snobistischen Society-Schnepfen schon mal etwas voraus. Sie auf ihre Oberweite zu reduzieren wird ihr nicht gerecht.
Davorka gibt nicht vor Jemand zu sein, sie ist ganz einfach sie selbst. Ihre offenherzige und unprätentiöse Art, kommt an. Beim Interview mit HYPE überrascht sie mit Reflektionsvermögen, spart nicht mit Selbstkritik und spricht auch offen über die Kehrseite der Promiwelt.
HYPE: Davorka, was antwortest Du auf die Frage: “Was machen Sie eigentlich beruflich?”
DAVORKA: Ich sage dann immer, das ich Schauspielerin bin. Da machen die Leute immer gleich große Augen.
HYPE: Kann man von Galaveranstaltungen und Filmpremieren eigentlich leben? Womit verdienst Du dein Geld?
DAVORKA: Leben vom roten Teppich allein kann man nicht, drum arbeite ich zwei- bis dreimal in der Woche noch in einer Medienagentur. Ich werde häufig als Stargast für Partys gebucht, mache bei verschiedenen TV-Projekten mit, das bringt Geld, welches ich aber gleich wieder in Gesangs- und Schauspielunterricht investiere oder aber berufsbedingt für Haare, Make-up und Styling ausgebe.
HYPE: An Medienpräsenz mangelt es dir ja nicht gerade, worin unterscheidest du dich von anderen Frauen?
DAVORKA: Im Grunde bin ich eher ein schüchterner Mensch. Die Öffentlichkeit ist meine Therapie, sie zwingt mich nach außen zu öffnen. Was mich unterscheidet? Ich denke ich bin bodenständiger und weniger arrogant als manch eine meiner Kolleginnen.
HYPE: Öffentlich sieht man Dich oft in freizügiger Kleidung, was trägst du auf dem Weg zum Supermarkt?
DAVORKA: Bestimmt nichts Transparentes. Aber ich verstecke mich auch nicht und lasse mich nie gehen. Wenn doch, dann habe ich bestimmt Liebeskummer (lacht)
HYPE: Wie reagieren eigentlich die Darsteller eines Films, zu dessen Premiere Du auf dem roten Teppich erscheinst, auf dein Auftreten im “transparent Look”?
DAVORKA: Da gibt es einen Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Schauspielern. Die Deutschen konzentrieren sich unglaublich auf das, was sie tun, weil sie ganz genau wissen, dass sie nur akzeptiert werden wenn sie wirklich etwas geleistet haben. Der Showeffekt ist ihnen fremd. Sprich für einen Modegag oder a bissl Entertainment auf dem roten Teppich, sind sie sich zu schade, weil sie Angst haben, das dass bei ihren Kollegen nicht ankommt. Sie machen sich zu viele Gedanken was Andere über sie sagen könnten und ziehen sich daher zurück. Sich sexy zu zeigen, und dadurch aufzufallen wird hierzulande wie ein Verbrechen gesehen. Nach außen hin setzt man auf Rückzug und Understatement. Das geht mir tierisch auf die Nerven, denn wenn man diese Leute auf Privatparties trifft lassen sie im wahrsten Sinne des Wortes, die Sau raus. Die totale Doppelmoral. Die Amerikaner sind da wesentlich lockerer, Show gehört da einfach zum Geschäft.
HYPE: Wie begegnest Du Leuten, die abfällig über Dich reden?
DAVORKA: Ich muß nicht jeden Menschen berichtigen. Ich ignoriere diese Leute einfach, so wie sie mich ignorieren. Das ist die beste Methode darauf zu reagieren. Ich bin ein moralischer Mensch mit einer weißen Weste, und daher nicht weniger wert als die Schauspielerinnen, die meinen sie hätten ein besseres Image.
HYPE: Nervt es, von Männern wie Frauen stets auf die Oberweite reduziert zu werden?
DAVORKA: Wer mich näher kennt. der respektiert mich auch als Person. Ich finde es schön Oberweite zu haben, Ich bin gerne weiblich, fühle mich wohl in meiner Haut. Das steht für mich nicht in Wiederspruch ein Studium zu absolvieren, sich weiterzubilden, smart zu sein! Man muss sich doch nicht verhüllen um zu zeigen, dass man etwas drauf hat.
HYPE: Du hast mittlerweile unzählige Promis kennenglernt, gibt es darunter jemanden der dich besonders beeindruckt hat, eine Begegnung die Dir im Gedächtnis geblieben ist?
DAVORKA: Vor zweieinhalb Jahren habe ich in der Politsatire War Inc. mit Hollywood Star John Cusack mitgespielt. Ein bemerkenswerter Mann, der wahnsinnig hilfsbereit war und mir beim Dreh viel Mut zugesprochen hat. Wir haben uns nach Drehschluss noch in der Hotelbar getroffen und über Gott und die Welt, insbesondere deutsche Literatur, unterhalten . Das ich Schauspielanfängerin bin, war ihm egal. John ist mir vorbehaltlos gegenüber getreten, hat mir Tipps gegeben, das hat mich alles sehr beeindruckt.
HYPE: Und was war so ziemlich das fieseste was Du dir anhören musstest?
DAVORKA: Nein, anhören musste ich mir nichts. Dazu ist man im Showbusiness viel zu verlogen. Es gibt da so einen Kodex der besagt: Ich kann über dich denken was ich will, aber ich sage es dir nicht! Da lacht man sich trotzdem ins Gesicht obwohl man einander nicht ausstehen kann.
HYPE: Was machst Du in deiner Freizeit, wenn Du mal nicht in der hiesigen Medienlandschaft unterwegs bist?
DAVORKA: Dann gehe ich gerne shoppen und streife durch die Kosmetikabteilung von Ludwig Beck oder lese einfach mal ein gutes Buch, ich weiß dass glaubt mir jetzt wieder keiner. (lacht)
HYPE: Hast Du ein Lebensmotto?
DAVORKA: Ich versuche zielgerichtet zu Leben. Disziplin ist wichtig. Ansonsten leben und leben lassen!
“Can I speak to Mr. Dior please?”, das T-Shirt aus der aktuellen Dior Winterkollektion (Fall 09) ist eines der wenigen Teile, mit dem der Herrensparte des Modehauses Dior seit dem Abschied von Hedi Slimane im Jahr 2007 endlich mal wieder Aufmerksamkeit zuteil wird. Auch wenn der Spruch zunächst cool anmuten mag, so birgt er eine unglückliche Doppeldeutigkeit in sich.
Angesichts der Tatsache, das Kris van Assche, mit seinem Entwürfen für Dior Homme bisher nur wenig Anklang bei Einkäufern und Modepresse findet, lässt sich der Satz auch als verzweifelter Hilferuf eines Chefdesigners deuten, der den Rat des stets stilsicheren Christian Dior bitter nötig hat.
Während sein Vorgänger Hedi Slimane, mit seiner ultraschlanken Silhouette, und den skinny-model-boys die Männemode revolutionierte und mit seinen Glam Rock Chic den Nerv der damaligen Zeit traf, unvergessen seine beiden von Pete Doherty inspirierten Kollektionen für die Saisons Fall 2005 und Spring 2006, verliert sich Kris van Assche in untragbaren, grotesken Entwürfen, die Mann einfach nicht tragen will. (Sakkos mit transparenten Chiffonärmeln irgendwer?).
Von seinem Debüt für Sommer 2008 bis hin zu seiner erst im Juni dieses Jahres vorgestellten Kollektion für Sommer 2010, hagelte es von Modeguru Tim Blanks, stets negative Kritik. Diese verpackt Blanks zwar stillvoll in intelligent gewählte Synonyme, ähnlich eines Arbeitszeugnisses, bei dem hinter jeder blumigen Formulierung, ein vernichtendes Urteil steckt.
V-Ausschnitte bis zum Bauchnabel, voluminöse M.C Hammer Hosen, ungelenke Proportionen, knielange T-Shirts, durchsichtige, billig glänzende Kimonos, kragen- oder ärmellose Sakkos und transparente Hemden, da kräuseln sich bei vielen Männern die Fußnägel. Nicht wirklich tragbar. Überhaupt Transparenz, das sieht am Manne immer unseriös und billig aus. Immer!
Kris van Assches Kollektionen wirken auffällig bemüht, einerseits dem populären Dior Look Slimanes aus kommerziellen Gründen nach wie vor zu entsprechen und anderseits in dem Versuch eine neue, eigene Handschrift zu entwickeln. Nun fragt man sich wie van Assche überhaupt in die privilegierte Situation kam, eine der einflussreichsten modischen Erbschaften des 21. Jahrhunderts anzutreten? Nun der Thronfolger war immer dicht dran am König. Der heute 33-jährige Belgier van Assche arbeitete jahrelang als Design Assistent von Hedi Slimane und bastelte mit ihm zusammen an den Herren Kollektionen für YSL und Dior, bevor er im März 2007 das Zepter bei Dior Homme übernahm. Mal sehen, wie lange er das Regiment dort noch beherrscht.
“Give it to me” - sang Madonna zum Ende ihres gestrigen Konzerts im, für ihre Verhältnisse, eher dünn besetzten Münchner Olympiastadion. Give it to me - das dachten sich auch zahlreiche der etwa 35.000 Fans, denen bei Kartenpreisen bis zu € 193,00 eine perfekt inszenierte Show geboten wurde, deren Ablaufplan kein Platz für Abweichungen duldete. Unflexibel, wie ihre durch Botox lahmgelegten Gesichtsmuskeln, präsentierte sich die Popgöttin ihrem Publikum. Ein Dialog mit ihren Anhängern, Zwischenrufe, spontane Handlungen oder öffentlichkeitswirksame Provokation? Fehlanzeige! Zugabe? Also bitte, was für eine Frage, non! Irgendwie schien die bayrische Landeshauptstadt nur eine weitere Station im Rahmen ihrer seit anderthalb Jahren andauernden Sticky & Sweet Tour zu sein, die eben bespielt werden muss.
Madonna Sticky & Sweet Tour
Wer würde bei solch einem Konzert-Marathon nicht von Ermüdungserscheinungen heimgesucht?
Zwar ist Madonna mit 51 Jahren fitter als so manche Zwanzigjährige, doch das betont exzessive Kriechen über den Bühnenboden, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Madonna im Fahrwasser ihrer jungen, durchtrainierten Tänzer mittlerweile den kürzeren Atem hat. Während sie auf de Re-Invention Tour 2004, noch mit “kamasutrösen” Kopf-über Verrenkungen in einer Glitzerkorsage von Christian Lacroix aufführte, bei der Confessions Tour immerhin noch eine lasziven Bullenritt in Gaultier darbot, beschränkte sich die Popgöttin in ihrer Akrobatik dieses mal auf Seilspringen im Schulmädchenlook. Auch in modischer Hinsicht blieb Madonna weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Während die von Jean Paul Gaultier entworfenen Bühnenkostüme ihrer Blond Ambition Tour 1990 genauso intensiv besprochen wurden wie die Konzertreihe selbst und das goldenen Metallic Bustier mit den konischen Tittenschalen beinahe ähnlichen Ruhm erlangte wie seine Trägerin, verlor sich die Stilikone bei ihrem aktuellem Bühnenprogramm in stilistischer Konzeptlosigkeit. Zu viele Designer verderben den Look: Givenchy, Miu Miu, Stella Mc Cartney, Yves Saint Laurent, Roberto Cavalli, Jeremy Scott und mass-market Label American Apparel lieferten allesamt wunderschöne Einzelteile, zusammengenommen ergaben sie jedoch kein stimmiges Ganzes.
Da Kleidung bekanntermaßen immer auch ein bestimmtes Image transportiert, wäre eine eigens für sie kreierte Bühnengarderobe aus der Hand eines Designers, welches das Motto der Tour reflektiert oder Bezug auf die Inhalte einzelner Songs nimmt, dem gesamten Showkonzept zuträglicher gewesen.
Zu allem Überdruss gab es immer wieder Gerüchte die besagten, der Superstar singe gar nicht live sondern nur Playback, was auf Nachfrage nicht einmal von den Hardcore Fans im Front-of-Stage Bereich dementiert wurde. Die Songauswahl war natürlich Geschmackssache, doch viele der älteren Besucher vermissten die Hits aus fühen Tagen und störten sich an der der elektronischen Verfremdung der Klassiker Vogue und Holiday, die auch nur fragmentarisch eingespielt wurden. Atmosphäre ist etwas Anderes! Grußlos verschwand Madonna gegen 23:30 hinter der Videoleinwand, die mit einem illuminierten” Game Over” das Ende der Show verkündete. Während sich Band und Crew in ihren Zimmern des Sofitel Bayerpost erholten, jettete die Diva direkt weiter nach London. Für den launigen Superstar war der Termin in München wohl eher Pflichtprogramm als Kür.
Madonnas Performance erinnerte an das Popcorn, welches vor dem Olympia Stadion verkauft wurde, nett für den Moment aber ohne jeglichen Mehrwert.
Zum Wochenausklang möchte ich euch auf den Film “Ein Tag in Mailand mit Christiane Arp” von Ralph Goertz hinweisen, der anlässlich der Catwalk Ausstellung im Düsseldorfer NRW Forum produziert wurde. Der Beitrag zeigt die Chefredakteurin der deutschen VOGUE auf ihren Weg zu den Schauen von Burberry, Gianfranco Ferré und Giorgio Armani, wo sie auf PR-Lady Alexandra von Rehlingen trifft, die mit fließenden Italienisch-Kenntnissen beeindruckt.
Arp sinniert über die Bedeutung, des ihr mittlerweile stets garantierten front-row Platzes, und der Zuschauer spürt, die Frau ist sich ihres Status als Vogue-Chefin absolut bewusst. Dennoch, im Gegensatz zu ihrer amerikanischen Kollegin Anna Wintour kommt Christiane Arp ohne Allüren und Bodyguards aus. Ihr Auftreten ist clean, fokussiert, und im positiven Sinne sehr deutsch! Extravaganzen einer Anna dello Russo, die Haute Couture bei Tageslicht so selbstverständlich trägt wie Andere ihren East Pak Rucksack, scheinen ihrem Wesen nicht zu entsprechen. Modische Rebellionen überlässt sie lieber Carine Roitfeld. Das Tattoo in ihrem Nacken, eine kleine Sonne, bekommen nur Wenige zu sehen. Sie mag sich nicht mit Äußerlichkeiten in den Vordergrund spielen, sondern möchte mit Seriosität überzeugen. Ihr Stil ist geradezu hanseatisch. Fließende Silhouetten in edlem Grau oder zeitlosem Schwarz. Zu offiziellen Anlässen darf es gerne auch mal Rena Lange sein. Die 48-jährige hat lange Zeit in Hamburg gelebt, das prägt. Hier arbeitete sie als Modechefin für Amica und Stern, bevor sie als fashion director und stellvertretende Chefredakteurin in die bayrische Landeshauptstadt zog. Im März 2003 wurde sie schließlich vom ehemaligen Vogue-Herausgeber Bernd Runge zur Chefredakteurin berufen. Was ihre Vorgängerin Angelica Blechschmidt über diese Entscheidung damals gedacht haben mag, ist nicht bekannt aber vielleicht gibt ihr Buch, an dem sie Gerüchten zufolge, schon seit Jahren schreibt, bald Auskunft darüber.
Die beste Szene des Films: Auf die Antwort des Taxifahrers, dass die Fahrt zur nächsten Location noch 10 Minuten betrage, antwortet Christiane Arp bestimmt: “We only have five!” Wunderbar!
Einem Bericht von Modejournalistin Nicole Phelps zufolge trafen sich am Dienstag Vormittag in New York die Mitglieder des Council of Fashion Designers in Amerika (CFDA) um über die Bedeutung der New Yorker Modewoche wie auch die Folgen der Wirtschaftskrise für die Modebranche zu sprechen.
Ein Meeting der Besonderen Art, schließlich handelte es sich bei den Teilnehmenden nicht um Mr. Smith und Mrs. Jones, sondern um die führenden Köpfe der Modebranche. Neben CFDA Präsidentin Diane von Furstenberg, diskutierten Vogue Chefin Anna Wintour, Donna Karan, Betsey Johnson, die Proenza Schouler Jungs, Calvin Klein Chef-Designer Francisco Costa sowie Moderedakteure und Inhaber renommierter fashion stores über das verbraucherunfreundliche Timing der Kollektionsauslieferung (Wintermäntel im Sommer), die hohen Kosten für Modenschauen sowie die Notwendigkeit Schauen für die kommerziell erfolgreichen aber eher schlichten pre-collections zu veranstalten? Modemacherin Donna Karan kritisierte die Tendenz der Konsumenten für Designerkleidung nicht mehr den vollen Preis zahlen zu wollen, sondern den Sale abzuwarten. Worauf Anna Wintour dem Einzelhandel geraten haben soll, sich künftig bei der Reduzierung von Waren abzusprechen und sich auf einen offiziellen Termin zum gemeinsamen Discount-Start zu einigen. Nachdem von Furstenberg La Wintour informierte, dass dies illegal sei, soll diese nüchtern entgegnet haben: “Nun können wir das nicht ändern, schließlich haben wir jetzt Freunde im weißen Haus “(eine Anspielung auf Michelle Obama, die im März dieses Jahres das Vogue Cover zierte).
Angesichts eines immer stärker werdenden Interesses der Allgemeinheit an modespezifischen Themen, wurde auch der Gedanke geäußert Modenschauen für Konsumenten zu veranstalten. Was von dem Besprochenen tatsächlich realisiert wird und wann etwaige geplante Veränderungen spürbar greifen, wird sich zeigen.
Auch wenn beim CFDA Treffen einzelne Aussagen von einer gewissen Weltfremdheit der Diskussionsteilnehmer zeugten, so ist die kritische Hinterfragung des eigenen Status quo in der Modewelt ein absolut positiver und auch hierzulande nachzuahmender Ansatz.
Da, wo Düsseldorf aktuell bemüht ist, seinen Ruf als Modestadt wieder aufzupolieren, braucht es kritische Diskussionsrunden mit kompetenten Köpfen aus Industrie und Handel, Szene und Medien, die bereit sind an den Grundfesten bestehender Institutionen zu rütteln. Fragen wie, ist die CPD überhaupt noch zeitgemäß und cool genug, um als modisches Aushängeschild der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zu fungieren, müssen erlaubt sein. Das schmerzt, doch Aktionen wie eine vom Kaufhof initiierte Modenschau über dem Kö-Graben, wirken im Vergleich mit der Berliner Fashion Week schlichtweg provinziell.
Überhaupt leidet das Image der Königsallee unter den großen Vertikalen wie H&M und Esprit, die sich auf Deutschlands ehemals führender Luxusmeile ausbreiten. Ein anderes länderübergreifendes Problem ist die zeitliche Waren-Präsentation der Einzelhändler: Schaufenster mit Daunenjacken im August mögen zwar die Vorreiter- Rolle einzelner Geschäftsinhaber belegen, haben aber mit der Realität der Verbraucher wenig zu tun.
Es wäre wunderbar, wenn auf künftigen Branchentreffen Problemstellungen zum Modestandort Deutschland nach dem Vorbild des CFDA New York selbstkritisch und konstruktiv diskutiert würden. Schulterklopfereien bei Champagner und finger food allein machen nämlich noch lange keine Modemetropole.
Die vor einigen Wochen versandte Pressemitteilung des Mode Event -Veranstalters IMG über die Teilnahme Escadas bei der Berlin Fashion Week, ließ Fashionistas zunächst gespannt aufhorchen. Doch wer eine Show des Modehauses erwartete, wurde kurz darauf enttäuscht. Das Unternehmen aus Aschheim bei München inszenierte lediglich eine Ausstellung im Berliner Bode Museum und lud zu diesem Anlass Promis und Medienvertreter ein, die sich dann noch einmal auf Kosten der ohnehin finanziell gebeutelten Firma, bei Champagner und finger food verwöhnen lassen durften. Statt neuer Looks gab es eine schreiend pinke Einladung.
Von Krise keine Spur. Während die Designer bei Tag ihre neuesten Kreationen vor den Augen der berühmten Modekritikerin Suzy Menkes über den Laufsteg schickten, zeigte Escada am Abend eine Retrospektive, Highlights aus den Kollektionen der letzten 30 Jahre!
Angesichts der Tatsache das Firmenchef Bruno Sälzer seit seinem Interview mit einer großen Sonntagszeitung vom 12.07., eine mögliche Insolvenz des Unternehmens nicht mehr auszuschließen vermag, wirkt die Escada Party-Sause, im Rückblick wie der letzte große Akt einer Diva auf Abschiedstour!
Seit Monaten hagelt es in der Presse Negativschlagzeilen für das Münchner Modehaus Escada. Dem von Wolfgang und Margaretha Ley 1976 gegründeten Unternehmen brechen die Umsätze weg. Fehlbeträge von zuletzt mehr als 70 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2008 bereiten der Konzernführung massive Probleme.
Die Lage ist bedrohlich, eine drastische Änderung der Situation ungewiss. Schon auf der letzten Hauptversammlung der Escada AG im April dieses Jahres, warnte Escada Vorstandschef Bruno Sälzer die Aktionäre gar vor einer möglichen Insolvenz. Die Nachwehen des Missmanagements durch seinen Vorgänger Jean-Marc Loubier sind schmerzhaft. Um weiter bestehen zu können müssen bis Ende Juli 80 % der Aktionäre der Umschuldung einer Anleihe von 200 Millionen Euro zustimmen und dabei auf einen bedeutenden Anteil ihres Einsatzes verzichten. Andernfalls gibt es für Escada von den Banken keine Kredite mehr und dies bedeutet die tatsächliche Insolvenz für das Unternehmen.
Wie konnte Deutschlands einstiges Aushängeschild für Luxusmode und größter Hersteller von Damenkonfektion derart ins Abseits geraten?
Gleich vorweg: Escada ist kein Opfer der aktuell weltweiten Wirtschaftskrise. Sei Jahren schreibt der Konzern rote Zahlen. Die Gründe für die Schieflage sind weitaus komplexer und weitgehend hausgemacht!
Da ist zum einen die hohe Fluktuation in der Führungsebene, die das Unternehmen nicht zur Ruhe kommen ließ. Nachdem Unternehmensgründer Wolfgang Ley (72) zum. 01. Januar 2006 seinen Platz als Vorstandvorsitzender der Gesellschaft für Frank Rheinboldt räumen musste, wurde dieser bereits nach 14 Monaten vom russischen Großaktionär Rustam Aksenenko geschasst, der mit der Übernahme von 25 % der Aktien durch seine Firma Finartis zum Mehrheitseigner wurde und somit zwar das Sagen aber nicht zwangsläufig Modekompetenz erworben hatte.
Auf den “geerdeten” Rheinboldt, der die Sanierung Escadas nach dem Geschmack Aksenenkos nicht schnell genug vorantrieb, folgte, der in der Branche als überdurchschnittlich eitel geltende Franzose, Jean-Marc-Loubier. Der ehemalige LVMH Manager sprach zwar kein Wort Deutsch, hatte aber Großes vor. Ziel war es, Escada binnen 5 Jahren zu einem der weltweit führenden Luxuskonzerne aufzubauen. Dann kauften 2008 die Brüder Herz, Tchibo Eigner und als solche mitunter die reichsten Männer des Landes, ein Viertel des Aktienpaketes und stiegen in das Geschäft mit der Luxusklamotte ein. Somit wurde wiederum Loubier nach gerade mal einem Jahr im Amt, vom ehemaligen Boss bei Boss, Bruno Sälzer, im Juli 2008 als Vorstandschef abgelöst. Die Hintergründe sind hinreichend in Handelsblatt, Textilwirtschaft, Financial Times dokumentiert und beschrieben.
Parallel hierzu wirkte sich auch die anonyme Anzeige bezüglich des Aktienverkaufs durch das ehemalige Vorstandsmitglied Beate Rapp, der man Insiderhandel unterstellte, negativ auf das Image des Unternehmens aus.
Während die Besetzung der Führungsetage von Wirtschaftsredakteuren heiß diskutiert wurde blieb die Frage hinsichtlich der Designqualität, dem Modegrad und des Firmenimage zumeist unkommentiert, oder wurde nur oberflächlich angerissen. Die Finanzblätter wussten zwar die betriebswirtschaftliche Situation Escadas einzuschätzen und zu beschreiben, jedoch nicht das Produkt! Bei den Modemagazinen verhielt es sich umgekehrt. Diese verzichteten so dann auch weitgehend auf die redaktionelle Veröffentlichung von Kollektionsteilen innerhalb ihrer Modestrecken. Ausnahmen bildeten, die in München ansässigen Publikationen, Vogue, Elle und Madame, bei denen Escada nach wie vor ganze Werbeseiten schaltete.
Ohne es selbst zu realisieren hatte Escada den Anschluss an den Zeitgeist verloren.
Modeblogs berichten über Streetstyle, hypen Mode aus Skandinavien und bevorzugen einen Mix aus high und low. Magazine wie Deutsch, Sleek, Zoo promoten entweder Avantgarde oder den eigenwilligen Berlin Look. Münchner Tüddelü? No way! Der “madamige” Charakter Escadas war nicht mehr angesagt und fand höchstens noch bei Leserinnen der Marie Waldburg Kolumne Bewunderung.
Überhaupt das Image: Zu Glanzzeiten stand die Marke für Lebensfreude, Weiblichkeit mit Rundungen, satte Farben, das pralle Leben eben. Doch mit der Jahrtausendwende kam der Euro und mit ihm ein Wandel des gesellschaftlichen Klimas. Der Escada Glamour wirkte fortan schlichtweg altbacken und überholt. Zu sehr Provinz zu wenig global. Das Modebewusstsein hat sich mit dem Siegeszug des Internets stark gewandelt. Seit der Begriff Style ganz inflationär jeden dritten Jogurt Becher ziert und Trends per Mausklick in Sekundenschnelle aus dem Netz abrufbar sind, ist Mode demokratischer geworden, zugänglicher und im Hinblick auf eine medienkompetente Zielgruppe auch jünger! Hinter vorgehaltener Hand stand Escada ohnehin nie für einen besonders eigenständigen Stil, sondern war immer nur die Kopie von etwas Anderem. Ein bisschen Chanel, ein bisschen Valentino, die Farben Yves Saint Laurents, die weißen Blusen von Ferré . In Zeiten des restriktiven Informationsflusses vor dem Internet-Boom und dem Siegeszug der Billig-Fluggesellschaften fiel dies jedoch Niemanden auf. Dass sich im vergangenen Jahr auch noch die amerikanische Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner und vehemente Abtreibungsgegnerin Sarah Palin als Escada Fan outete, war für den Ruf des Modehauses auch nicht gerade förderlich.
Brian Rennie, von 1986 bis 2006 als Designer bei Escada tätig, ab 1994 in der Position des Creative Directors, war nach 20 Jahren Betriebszugehörigkeit stilistisch offenbar festgefahren. Seine Design-Ästhetik war nicht mehr gefragt und er selbst möglicherweise zu unflexibel um sich umzustellen. Im Oktober 2006 holte man Damiano Biella, der zuvor als Chefdesigner im Hause Valentino arbeitete als Kreativchef ins Haus. Er gilt als latent schwierig, doch die Kollektion wurde unter seiner Federführung moderner, internationaler und von der Presse gut aufgenommen. Doch der erhoffte kommerzielle Erfolg blieb trotzdem aus. Aufgrund ständiger Umstrukturierungsmaßnahmen verwässerte in kurzer Zeit die Identität der Marke. Die Kollektion wurde zwar jünger aber dem Firmenprofil mangelte es weiterhin an Prägnanz um im internationalen Vergleich mit so hippen Labels wie Marc Jacobs oder Chloé Beachtung zu finden. Bis heute fehlt es Escada schlichtweg an “coolness”.
Desweiteren hat sich Luxus per se neu definiert und besteht nicht mehr in der Zurschaustellung eines perfekt sitzenden Kostüms, eines teuren Schmuckstücks oder von Pelz, an dem Escada trotz massiver Proteste von Tierschützern beinahe borniert festhält. Vielmehr manifestiert sich Luxus heutzutage in einem kultivierten Lebensstil. Leider hat Escada auch auf Marketing Ebene versäumt neue Werte zu kommunizieren.
Ein weiteres Problemkind ist das Design der Linie Escada Sport. Zu bieder! Frauen, die sich Escada leisten können und wollen sind in der Regel modisch informiert und lassen sich keine weiße Denimröhre auf ihre Oberschenkel schwatzen, die aussehen als wäre man damit direkt von der Rehling des Traumschiffs an Land gehüpft und zwar im Jahr 1985! Weite T-Shirts mit mickrigen Strass Applikationen auf Brusthöhe, dass ist bestenfalls Appelrath-Cüpper aber keinesfalls high fashion. Warum schwächt Escada das exklusive Image seiner Hauptlinie mit einer derart schwachen Kollektionsaussage seiner Zweitlinie?
Allein die Namensgebung ist völlig wiedersinnig, Escada und Sport, das ist in etwa so glaubwürdig als würde, sich Woolworth ein “Deluxe”, hinten dran hängen.
Neben den vielen augenfälligen Gründen was Escada alles hätte anders machen können, gibt es auch Aussagen von Mitarbeitern, die die Diskrepanz zwischen denen da oben und denen da unten monieren.
Ein Teil der herzlichen und verdienten Schnittmacherinnen mit ihren Helm-Frisuren und der gedrehten Brillenkette vor der üppigen Brust, sind über 50 und seit vielen Jahren für Escada tätig. Sie kennen die Firma noch unter der Führung von Wolfgang Ley und der kreativen Regie von Brian Rennie. Nicht Wenige von ihnen wünschen sich die Beiden zurück, und das hat Gründe:
Wo im Bemühen um mehr Internationalität, Designer mit gebrochener Handgelenksgeste und hochgezogenen Augenbrauen auf Englisch Anweisungen geben, “Do it like…!, Why don’t you…?, This should be…!”, und statt zu loben immer bloß fragen “Why haven`t you…?” entsteht schnell Unmut und eine innere Protesthaltung bei der Basis. Derlei Attitüden sind auf Dauer Gift für das Betriebsklima, scheinen bei Escada aber an der Tagesordnung zu sein.
Über Machtkämpfe und Eitelkeiten verlieren die gockelhaften Akteure der Modewelt leider allzu oft das Wesentliche aus den Augen: die Kollektion! Hier sind Designer mit Weitblick und sozialer Kompetenz gefragt. Nur selten sind das die großbürgerlichen Berufssöhne aus den Mailänder Salons. Designer und Manager, die das Unternehmen bloß als Sprungbrett für ihre weitere Kariere nutzen und in Escada nicht mehr als eine dicke Kuh im Abendkleid sehen, die ordentlich abgemolken werden muss, bevor man sie zur Schlachtbank führt, passen nicht in ein Unternehmen dessen Wurzeln in einem Bundesland liegen, in dem Traditionen stärker gewahrt werden als im Rest der Republik.
Was bei Escada nach wie vor stimmt, ist die Qualität und das Preis-Leistungs-Verhältnis. Bevor ein Stoff zugeschnitten wird, wird er gedehnt, gedämpft, gebügelt. Offene Kanten werden mit Paspeln eingefasst. Die Stoffe sind wertig und griffig, die Knöpfe aus Naturmaterialen, Kragenrundungen sind perfekt ausgeformt und Zierstiche überzeugen durch akribische Gleichmäßigkeit. Die Schnitte sind akkurat und die Passformen makellos. Diese Qualität ist ein fester Wert in der Firmengeschichte. Die Escada Kundin weiß was sie bekommt, und das Ganze zu einem weitaus geringeren Preis als sie bei Lanvin oder Balenciaga zahlen müsste.
Es tut weh mit ansehen zu müssen wie das Lebenswerk von Wolfgang und Magaretha Ley, die 1992 mit gerade mal 56 Jahren an den Folgen ihrer Krebserkrankung starb, durch Missmanagement und unzeitgemäße strategische Designberatung ruiniert wurde. Schließlich ist Escada ein Stück deutscher Modegeschichte, und in puncto Bekanntheit wesentlich höher einzuordnen als Rena Lange, Bogner oder Strenesse. Solch ein Erbe sollte eigentlich von den Verantwortlichen besonders beschützt werden. Natürlich weiß man hinterher immer alles besser, doch mit ein bisschen mehr Besinnung auf die Firmengeschichte, und weniger ökonomischer Gier, stünde Escada heute vielleicht auf stabileren Beinen.
Neben dem smarten Bruno Sälzer und einer Menge frischem Kapital bräuchte Escada für sein künftiges Fortbestehen schnellstens einen fähigen Creative Consultant. Jemanden mit einer ausgereiften Beobachtungsgabe, Analyse- und Interpretationsfähigkeit und dem richtigen Händchen für die zeitgenössische Inszenierung des Produkts. Eine Person mit Verständnis für die stilistische DNA des Unternehmens. Eine Persönlichkeit, die etwas von Psychologie und bildhafter Kommunikation versteht und bereit ist, sich über Konventionen hinweg zu setzten und in der Lage ist, konservative Geldgeber von ihren Ideen überzeugen zu können. Vor allem braucht es Jemanden der mit der Basis gut kann, den Schnittmacherinnen. Escada ist zu bodenständig um mondän zu sein!
Das dürfte den Berlinern aufstoßen: nach einer langen Etablierungsphase und erstmals einhellig guten Kritiken für die vergangene Berlin Fashion Week begibt sich nun auch München in das Rennen um den Titel “Deutschlands Modehauptstadt” und plant für Februar 2010 eine eigene Modewoche unter dem Namen MUNICH FASHION WEEK!
Wer nun glaubt, dass die beiden Veranstaltungen doch friedlich nebeneinander bestehen können, der irrt gewaltig. Denn, kaum ein Modehaus wird sich zwei Modenschauen, plus Kosten für Werbe und PR- Maßnahmen, leisten wollen bzw. können. Auch Pressevertreter werden, aus wirtschaftlichen wie auch aus zeitlichen Gründen, nicht von A nach B reisen um zweimal in Folge deutsche Mode aus ein- und derselben Saison zu begutachten.
Dennoch, die Ankündigung ist ein herber Schlag für Berlin. Haben deutsche Modeschaffende der Berlin Fashion Week in ihren Anfängen nur wenig Chancen auf ein Überleben eingeräumt, und der Stadt jeglichen Chic abgesprochen, hat sich die Modewoche mittlerweile zum glamourösesten Mode-Event der Bundesrepublik entwickelt, wie man Anfang Juli dieses Jahres sehen konnte.
Dort in Berlin, lud das Münchner Modehaus Escada, trotz finanzieller Probleme, Promis und Fashionistas zur großen Retrospektive ins Bode Museum. Hier, mitten im tristen Osten des Landes, beehrte Herald Tribune Kolumnistin und Modekritikerin Suzy Menkes die hiesige Modebranche und versprühte einen Hauch von wahrhaftiger Internationalität. Berlins Erfolg ist somit hart und professionell erarbeitet. Geschenkt hat man den Organisatoren der Berlin Fashion Week nichts.
Die Chancen für München sich gegen Berlin durchzusetzen, lassen sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht seriös einschätzen. Fakt ist, es wird nicht leicht! Berlin gilt als hip, vor allem im Ausland. Viele Kreative sehen in der Stadt das New York von Deutschland. Zudem hat Berlin mit Mercedes Benz einen prestigeträchtigen und finanzkräftigen Kooperationspartner und dank IMG einen hochprofessionellen und erfahrenen Veranstalter. Mit Tracht und Maßkrug lässt sich da nicht konkurrieren.
Andererseits, München hat Geld, viel Geld, und damit lässt sich bekanntermaßen so Einiges beschleunigen. Zudem sitzen zahlreiche bedeutende Modemarken in Süddeutschland, wie Hugo Boss und Strenesse, viele von ihnen sogar direkt in München; darunter Aigner, Bogner, Escada (noch) und Rena Lange. Desweiteren gibt es in München diverse Society-Schneider mit besten Promikontakten. Dazu zählen Gabriele Blachnik, Talbot Runhof, Sonja Kiefer, Susanne Wiebe und der junge Daniel Fendler (siehe HYPE Interview vom 15.07.)
Nur an Vertretern der Avantgarde mangelt es der bayrischen Landeshauptstadt. Hier kann München gegenwärtig nur auf Shooting Star Patrick Mohr zurückgreifen.
Dass zu alldem auch noch die kommerzielle Modepresse fast vollständig in München vertreten ist, mag den Berlinern jetzt den Schweiß auf die Stirn treiben, doch sollten sich die Münchner diesbezüglich nicht zu früh freuen. Allein die lokale Nähe zu den Medien garantiert noch keine gute Berichterstattung. Es ist ja kein Geheimnis, dass ein deutscher Designer zunächst im Ausland gefeiert werden muss, bevor ihm die deutsche Vogue überhaupt ein Minimum an Anerkennung zollt.
Kurz: viele Redakteure missachten erst einmal grundsätzlich alles was direkt vor der eigenen Haustüre stattfindet.
Hinter der Munich Fashion Week steckt die Agentur “Style of Life Entertainment” von Walter Klein und Bahtijar Zekirija, zwei wahre Größen des Münchner Nachtlebens mit einem weiten Netzwerk an Medienkontakten. In Kooperation mit der Modelagentur “Together”, wollen die Zwei nun Münchens Ruf als Modestadt wiederbeleben. Bleibt nur zu hoffen, dass die Beiden wissen, dass ein “Miss Wet-T-Shirt” Wettbewerb nicht wirklich was mit Mode zu tun hat. Anfängerfehler sind verzeihlich, fehlendes Niveau hingegen nicht! Schaun mer mal!
Modeschöpfer Daniel Fendler empfängt Gäste in seinem durchgestylten Atelier eines opulenten Altbaus an Münchens feiner Maximilianstraße, stets mit einem offenherzigen Lächeln. Mit gerade mal 28 Jahren gilt der gebürtige Bayer aufgrund seiner edlen Couture Roben bereits als Lieblingsschneider der Münchner Schickeria.
Zu seiner Klientel zählen Filmschauspielerinnen, Industriellengattinnen und Polit-Ladies. Dieser Erfolg basiert auf Können, wie auch auf der unprätentiösen Art des Modemachers. Attitüde ist ihm fremd, bei ihm steht die Kundin im Vordergrund, und nicht das eigene Ego. Die Frage, ob Couture überhaupt noch zeitgemäß ist, stellt sich Daniel Fendler erst gar nicht. Er macht einfach was er am besten kann: elegante Abendroben. Die Kreationen haben ihren Preis, doch seine anspruchsvolle Kundschaft weiß die textilen Unikate in handwerklicher Perfektion zu schätzen. Jede Naht ist so sauber verarbeitet, das man seine Kleider theoretisch auch auf Links tragen könnte, ohne dass dies Jemand bemerken würde.
Dass er Modeschöpfer wurde verdankt er der völlig unglamourösen Tatsache, sich nach seiner Schulzeit mangels Möglichkeiten bei nur zwei Ausbildungsstätten beworben zu haben, von denen die Trachtenschneiderei , ihm, als Erste ihre Zusage gab. Es folgte ein Studium an der deutschen Meisterschule für Mode in München und ein einjährige Assistenz bei Vivienne Westwood in London.
Zurück in München eröffnete der Jungdesigner mit nur 21 Jahren sein eigenes Ladenlokal in der Münchner Altstadt und wartete dort vergeblich auf Kundschaft. Die ihm zur Verfügung stehenden Gelder waren schnell aufgebraucht. Heute weiß er, dass er sich mit der Selbständigkeit noch ein bisschen mehr Zeit hätte lassen sollen. Doch derartige Erfahrungen machen den Lebenslauf erst interessant und so reifte Daniel Fendler mit seinen Aufgaben.
Heute entwirft er neben edlen Couture-Kleidern auch Designer Dirndl, die zur Wiesn Saison, reißenden Absatz finden.
Diese sind erhältlich bei Ludwig Beck und ab August auch im temporären “Wiesn Store” im alten Hof 5 in München.
HYPE Chefredakteur Sven Barthel traf Daniel Fendler zu einem persönlichen Gespräch über Mode, Promis und den Vorteil des eigenen Labels.
HYPE: Die Modeszene schwärmt von Berlin, doch Du bleibst in München, warum?
DF: Mein Stil ist klassisch, teils sogar konservativ, das passt meines Erachtens nicht so ganz zur Hauptstadt. Zudem sind meine treuesten Kunden in München beheimatet.
HYPE: Was bedeutet Dir München persönlich?
DF: München ist eine superschöne Stadt. Ich weiß, dass es nicht mehr die Modestadt ist, die sie einmal war, dabei gibt es schon “fashion” in München zu entdecken, man muss nur wissen wo! Klar, München ist nicht London und auch nicht Paris, aber das ist Berlin, modisch gesehen, ja auch nicht! Außerdem, wenn man hier geboren wurde, dann gefällt es einem hier sowieso!
HYPE: Daniel, Du entwirfst Couture und aufwendige Designer-Dirndl, hat die gegenwärtige Rezession eigentlich irgendwelche Auswirkungen auf dein Geschäft?
DF: Bis jetzt Gott sei Dank nicht. Das liegt vermutlich daran, dass die Rezession in München bislang noch nicht wirklich angekommen ist und bis es soweit ist, hoffe ich, dass sich die Krise von selbst wieder erledigt hat.
HYPE: Wie muß man sich die typische Fendler Kundin vorstellen?
DF: Sagen wir mal so, meine Kundinnen sind im Schnitt mindestens 35 Jahre alt, und legen viel Wert auf eine individuelle Note!
HYPE: Muss man reich sein um sich Fendler leisten zu können?
DF: Nicht unbedingt! Man muss halt bereit sein etwas ausgeben zu wollen. Wer aber einen Sinn für Qualität und liebevolle Details hat, ist vielleicht auch bereit für ein Kleid zu sparen.
HYPE: Jetzt mal Butter bei die Fische, was kostet ein Abendekleid von Dir?
DF: Bei der Couture geht’s ab 2000 Euro los, Dirndl sind ab 600 € zu haben.
HYPE: Wieviele Arbeitsstunden braucht es um ein Couture-Kleid zu fertigen?
DF: Ich Durchschnitt zwischen 30 und 55 Arbeitsstunden, wenn alles rund läuft. Für die Herstellung eines maßgefertigten Couture Kleides, sollten Kundinnen von der ersten Anprobe bis zur finalen Fertigstellung mit bis zu drei Wochen rechnen.
HYPE: Siehst Du sich selbst eher als Handwerker oder als Designer?
DF: Eher als Handwerker, ich bestehe gerade zu auf meinem Meistertitel. Bei so manchen Arbeiten von Leuten, die sich Designer nennen und selbständig machen, stelle ich fest, dass die handwerkliche Qualität ihrer Entwürfe stark zu wünschen übrig lässt. Dabei haben die Kunden bei den hohen Preisen für Designermode geradezu ein Recht auf Handarbeit und Qualität . Genau das biete ich!
HYPE: Wo hast Du dein Handwerk gelernt?
DF: Zunächst bei einer Trachtenschneiderin in Priem am Chiemsee.
HYPE: Wann wusstest Du, dass Du Modedesigner werden wolltest?
DF: Nach der Schule musste ich mir für eine Ausbildung entscheiden, viel Auswahl hatte ich dabei nicht. Ich bewarb mich für eine Ausbildung zum Hotelfachmann und zum Damenschneider, der Schneiderbetrieb hat zuerst zugesagt, also dachte ich: “gut dann mache ich eben dass”. Ich wollte nicht unnöötig Zeit verlieren.
HYPE: Gab es denn keine Anzeichnen in der Kindheit, die erahnen ließen, dass Du eigentlich nur Modemacher werden konntest? Hast Du denn nie Puppen an- oder ausgezogen?
DF: Nein, da muß ich Dich enttäuschen, es wirklich alles ganz unspektakulär. Es gibt keine Vorgeschichte. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und habe mangels Möglichkeiten eine Ausbildung in einer Schneiderei begonnen. Ich bin da hineingewachsen und habe dann festgestellt, dass es das Richtige für mich ist.
HYPE: Wie ging es dann weiter?
DF: Nach der Ausbildung habe ich an der Deutschen Meisterschule für Mode in München eine Ausbildung zum Modellmacher gemacht und parallel hierzu die Meisterprüfung zum Herren- und Damenschneider abgelegt.
HYPE: Du bist später bei Vivienne Westwood in London gelandet, wie lange warst Du bei ihr und was genau hast Du dort gemacht?
DF: Ich war dort als Designassistent und Schnittmacher tätig. In diesem einen Jahr habe ich insgesamt vier Kollektionen mit begleitet.
HYPE: Wie hast Du Vivienne Westwood als Person empfunden?
DF: Eigentlich als sehr angenehm. Sie ist längst nicht so durchgeknallt, wie man sich das aufgrund ihres Äußeren vorstellt. Ich möchte fast sagen, dass sie in ihrem Betrieb von allen Designern und Angestellten die Normalste war. In den ersten Tagen habe ich sie auch gar nicht so als die große Vivienne Westwood wahrgenommen.
HYPE: In München gibt es eine Reihen von Society-Schneidern; Gabriele Blachnik, Talbot Runhof, Sonja Kiefer, Susanne Wiebe - wie ist da das Verhältnis untereinander?
DF: Ich verstehe mich mit allen eigentlich sehr gut. Da gibt es keinen Zickenkrieg. Vielen von Ihnen habe schon untereinander zusammengearbeit, mann kennt und respektiert sich!
HYPE: Warum wollen Prominente ihre Kleider eigentlich immer nur leihen aber niemals kaufen?
DF: Nun, die Promis begründen das damit, dass sie Kleider in denen sie einmal abgelichtet wurden aus Imagegründen keine zweites Mal mehr tragen können.
HYPE:Wie wichtig sind Modetrends für deine Arbeit?
DF: Trends spielen für mich nur eine untergeordnete Rolle, meine Kleider sind ja recht zeitlos!
HYPE: Worin liegt der Vorteil eines eigenen Labels?
DF: Ganz klar, du kannst deiner eigenen Kreativität freien Lauf lassen. Okay, ganz ohne Kompromisse geht aus Gründen der Wirtschaftlichkeit natürlich auch nicht, aber im Grunde kannst Du dich selbst verwirklichen, das ist sehr befriedigend!
HYPE: Könntest Du dir auch vorstellen angestellt zu arbeiten?
DF: Prinzipiell, wenn mich die wirtschaftliche Situation dazu zwingen würde, ja! Doch aktuell kommt das für mich nicht in Frage, uns gibt es ja schon ein Weilchen und ich hoffe doch sehr, dass das so bleibt!
HYPE: Liest Du Modezeitschriften?
DF: Das ist zeitabhängig. Oftmals blättere ich nur mal schnell durch. Zur regelmäßigen Lektüre gehören aber Vogue, Bunte, Instyle und natürlich der HYPE Blog (lacht).
HYPE: Was nervt so richtig an diesem Job?
DF: Die vielen nächtlichen Arbeitsstunden, sonst nichts! Da bleibt leider wenig Zeit für ein Privatleben.
(Das Gespräch führte Sven Barthel)
Atelier Fendler / photo: HYPE magazine
MODENSCHAU:Daniel Fendler präsentiert seine Wiesn-Kollektion 2009
30. Juli 2009 um 19:30 Uhr
(Haarwerk im Alten Hof, Sparkassenstraße 1, 80331 München)
Ein fashion-shooting in München mit dem renommierten Modefotografen Dirk Bader. Es ist Freitag, 8 Uhr morgens. Model und Make-up Artist treffen pünktlich ein. Jeder von uns bezieht sofort Position und widmet sich seinen Aufgaben. Acht Looks müssen geschossen werden.
Es gilt keine Zeit zu verlieren. Make-up Künstler John Elliot breitet seine Utensilien auf einen von Neonröhren beleuchteten Kosmetiktisch aus. Alles dabei, einschließlich falscher Wimpern und Extensions, all das ganze Zeug, das hübsche Mädchen in begehrenswerte Frauen verwandelt. Ich hänge die Kollektionsteile , gemäß der am Vorabend zusammengestellten Outfits auf die Kleiderstange, reihe Schuhe und Taschen auf dem Boden nebeneinander auf und sortiere die Accessoires, Gürtel zu Gürtel, Handschuh zu Handschuh.
Kurze Besprechung mit John bezüglich des Make-ups. Er begutachtet die Kleider und die Entscheidung für orangefarbene Lippen und toupierte Haare ist schnell gefallen. Während Dirk sich für einen rostrotbraunen Fotohintergrund entscheidet, gehe ich noch einmal alle Kombinationen durch und ergänze hier und da ein Accessoire, tausche Schuhe und stelle das ein oder andere Teil schließlich doch noch zugunsten eines anderen Stücks zurück.
Während ich im Folgenden darauf warte das Eva aufgefrischt wird, führe ich bei einer Tasse mit dem Studioleiter ein nettes Gespräch über digitale Bildbearbeitung und welchen Anteil Photoshop an der Bildung eines neuen Schönheitsideals hat. Model Eva-Maria, ist soweit.
Ready to take off? Musik darf bei einem Shooting nicht fehlen, im Idealfall unterstützt sie die Atmosphäre am Set und hilft dem Model beim posing! Wir entscheiden uns aufgrund der aufwendig bestickten Klamotten und für den Sound der 1980er.
“She works hard for the money” von Donna Summer schallte es sogleich aus den Boxen. Einsatz Windmaschine: die Haare fliegen, verdecken immer wieder mal das Gesicht oder wichtige Stellen des glitzernden Oberteils. Der erste Look ist “im Kasten”,es folgen noch sieben weitere. Outfit Nr. 3 macht Probleme, es wirkt nicht, weder im sitzen noch stehend! Doch die Teile müssen abgelichtet werden, allen voran die reich mit Kristallen verzierte Leggins. Doch in Kombination mit der Lederjacke?
“Geht gar nicht”, befinden wir einstimmig! Ein Max Mara Mantel ist die Rettung. Leggings und Mantel bilden einen “stimmigen” Kontrast. Nach jeder einstellung schauen wir uns die Ergebnisse vorab gemeinsam auf dem Mac an. Dirk hat ein fantastisches Auge und fischt in Sekundenschnelle aus mehreren Dutzend, die zwei besten Schüsse heraus. Die bisherige Auswahl nebeneinander auf dem Desktop abgelegt, lässt bereits eine zusammenhängende Strecke erkennen. Das motiviert ungemein. Auf ins nächste Kleid! Nach zehn Stunden auf den Beinen, betrachten wir das Ergebnis unserer Arbeit: eine fertige Modestrecke. Wunderbar! Die Bildbearbeitung wird dem Resultat nun sein letztes finish geben.
Anna dello Russi in Dolce&Gabbana, photo by jakandjil.com
Wenn Stil einen Namen hätte, dann vermutlich Anna dello Russo! Das Auftreten der ehemaligen L´uomo Vogue Chefredakteurin und gegenwärtigen Modechefin der japanischen Vogue, bei den Modenschauen in Paris, Mailand, London und New York zeichnet sich durch konkurrenzlose Stilsicherheit aus.
Die 1962 in Bari, im Süden Italiens, geborene Moderedakteurin, mit Wohnsitz in Milano, beeindruckt mit Modelfigur und dramatischen Abendlooks bei Tageslicht. Sie trägt Couture mit solch einer beeindruckendenLeichtigkeit, dass Passanten am Wegesrand stets staunend die Köpfe nach der charismatischen Schönheit drehen.
Anna dello Russo verfügt über das unverzichtbare Maß an Persönlichkeit und Souveränität, dem es Bedarf, um in großer Robe nicht als Modekarikatur oder fashion-victim zu erscheinen. Sie beherrscht ihre Garderobe, und nicht umgekehrt! Über ihr Privatleben ist nur wenig bekannt: Anna dello Russo hat einen Studienabschluß in italienischer Literatur und Kunstgeschichte und studierte Modedesign an Mailands berühmter Domus Academy! Einer ihrer Lehrer war der mittlerweile verstorbene Modeschöpfer Gianfranco Ferré. Eine Ehe der Modeexpertin scheiterte nach gerade mal sechs Monaten, der Job ging immer vor, einzig die Mode scheint bislang ihre große Liebe zu sein! Mit Stolz kann sie auf ihre beachtliche Schuhsammlung blicken, die mehr als 4000 Paare zählt. Sie sammelt high-fashion und archiviert alle Teile sorgsam in ihrem großzügigen Mailänder Apartment.
Zwölf Jahre lang arbeitete sie als Moderedakteurin für die italienische Vogue, bis sie schließlich im Jahr 2000 zur Chefredakteurin der L´uomo Vogue berufen wurde. Daraufhin widmete sie sich in dieser Position für die nächsten 6 Jahre der Männermode und fungierte aufgrund ihrer exzellenten Kontakte auch als Personal Consultant für prestigeträchtige Modefirmen, an die sie hochqualifizierte Designer vermittelte. Der zunehmende Einfluss als Branchenprofi den dello Russo dadurch erwarb, soll Vogue Frontfrau Carla Sozzani ein Dorn im Auge im gewesen sein, so das der Unmut über Russos Vermittlertätigkeiten letztlich zum Bruch mit der italiensichen Vogue Familie führte. Seit 2006 arbeitet Anna als Modechefin der japanischen Vogue und berät als Creative Consultant Designer und Unternehmen hinsichtlich ihrer Außenwirkung.
Im Gegensatz zu ihren berühmten Kolleginnen Anna Wintour und Carine Roitfeld ist Anna dello Russo außerhalb der Branche kaum Jemanden bekannt. Das mag schlichtweg daran liegen, dass die japanische Version der Modebibel für die sie tätig ist, für Leser in westlichen Breitengraden nur eine untergeordnete Rolle spielt! Doch Qualität setzt sich eben immer durch, Grund genug für HYPE, die unkonventionelle und zugänglichste(!) Journalistin unter den “Voguettes” in der folgenden Bilderstrecke vorzustellen.
Special Thanx to the fantastic Jak and Jil, for providing the world with the best fashion shots of the scene!
Anna dello Russo wearing Chanel / Photo by jakandjil.com
Anna dello Russo in Lanvin at New York Fashion Week, January 2009 / photo by jakandjil.com
Anna dello Russo in Lanvin, Shoes: Christian Louboutin, Clutch: Bulgari, Milan Fashion Week / photo by jakandjil.com
Eine Begegnung mit Betsey Johnson ist in etwa so erhellend wie der Kuss einer Sternschnuppe!
Zweimal bin ich der New Yorker Designerin zufällig begegnet. Das erste Mal traf ich Betsey Johsnon vor 5 Jahren auf dem Weg zum Studio von Anna Sui, nicht wissend, wer die Dame eigentlich ist. Während Betsey in einer mir bis heute unbekannten Angelegenheit bei ihrer berühmten Kollegin vorbeischaute, begann für mich ein weiterer spannender Arbeitstag im Rahmen meines Praxissemsesters.
Es war kur vor 9 Uhr morgens und wir warteten auf einen der drei Aufzüge, der uns endlich in das Design-Department im 13. Stock bringen sollte. Johnson war umgeben von einer Entourage aus wichtig aussehenden Männern und Frauen in dunklen Anzügen und Kostümen. Sie selbst schillerte dagegen ungewöhnlich intensiv! Mit gehighlighteten Blocksträhne im Haar und einem kleinen Terrier (lebend) in der Armbeuge, war es ihr extravagantes Auftreten, welches mir augenblicklich auffiel und imponierte. Rockig aber mit Würde. Unkonventionell aber souverän. Viel mehr Gelegenheit zur Personenstudie hatte ich jedoch nicht, denn Betsey und ihr Tross standen im Lift hinter mir. Es war mucksmäuschenstill. Nur der Hund schnaufte ein paar Mal hörbar. Oben angekommen, stiegen wir gemeinsam aus dem Aufzug. Ohne mich umzudrehen, doch neugierig aus den Augenwinkeln noch einmal das Geschehen hinterrücks erfassend, machte ich mich sofort auf dem Weg zum “Praktikantentisch”, um ein paar T-Shirt Drucke zu zeichnen. Nur wenige Minuten später stöckelte die Frau aus dem Aufzug samt ihrem Gefolge an mir vorbei, bedachte mich dabei mit einem Augenzwinkern und verschwand in Annas eigenem Atelier.
“Who was that?”, fragte ich Annas Assistenten Thomas. “Betsey Johnson”, antwortete er knapp. Wenige Stunden und einen Storecheck später, wußte ich, dass der “Senior Punk” zu den bekanntesten Modedesignerinnen des Landes zählt. Drei Wochen später sehe ich Betsey Johnson wieder, dieses Mal in ihrem ganz eigenen Königreich, einem in Knallfarben gestrichenen Headoffice, an New Yorks Fashion Avenue (7th Avenue). Eigentlich wollte ich im Auftrag von Anna Sui nur ein Paket mit Stoffmustern an eine freelance Designerin, die sowohl für Johnson als auch für Sui arbeitete, übergeben, dabei lief mir plötzlich SIE, von der ich mittlerweile genau wusste wer sie war, über den Weg. ” I know you!”, sagte sie mit tiefer Stimme und breitem Lächeln. Bevor ich überhaupt etwas entgegnen konnte, eilte sie auch schon mit den Worten “Have a good day” im Tütü und auf Killer High Heels davon. Das war´s!
Von da an wusste ich. was gemeint war, wenn man im Zusammenhang mit Personen von einer Erscheinung spricht. Ein Augenblinzeln, ein Lächeln, ein paar nette Floskeln, und wenige Sekunden im Vorbeigehen, mehr habe von Frau Johnson nicht zu sehen oder zu hören bekommen, und dennoch war diese Dosis Johnson ausreichend, um zu einer Art stillen Bewunderer ihrer Person zu avancieren.
Seitdem verfolge ich zwar nicht akribisch aber doch regelmäßig ihr kreatives Schaffen und sehe mir ihre Shows auf style.com an. Wie auch bei Anna, verfügt Betsey Johnsons Kollektion über ihre ganz eigene Handschrift. Ihre frechen Schulmädchenlooks mit 50ies appeal, die Petticoats, Taillengürtel, Leggins, Plateauschuhe und Leoparden Prints, bilden eine willkommene Abwechslung im kommerziellen Einheitsbrei amerikanischer Designer. Doch vielmehr als ihrer Kleider fasziniert Johnsons überschäumende Persönlichkeit, ihre permanent gute Laune, die niemals aufgesetzt wirkt! Johnson sehr down-to-earth und sehr zugänglich. Wer sie sieht, ihre lebendige Gestik, das ansteckende Lachen, der ahnt nicht, dass das Rock n´Roll Girl im August bereits 67 Jahre alt wird.
Vor mehr als 30 Jahren, 1978, hat Betsey Johnson ihr Label gegründet und verkündete nun jüngst ihren Rückzug aus dem Modebusiness. Nach der New York Fashion Week im September beabsichtigt Johnson ihren Nachfolger zu benennen. Zwar hätte sie noch die Energie für weitere 30 Jahre in der Branche, doch der Grund für ihren Abschied liegt schlichtweg in dem Bedürfnis sich anderen Dingen außer Mode zu widmen, und mehr Zeit für sich zu haben. Ob das Energiebündel die Zügel tatsächlich loslassen kann oder nur ein wenig lockert, um Platz zu machen für Eric Sartori, der zuvor für Wang, Léger und Alaia arbeitete und angeblich als Betsey´s Favorit bei der Besetzung ihres Postens gilt, sehen wir spätestens in ein paar Wochen, wenn es wieder heißt: “after the show is before the show”!