NACHTRAG: FASHION WEEK BERLIN – DA GEHT NOCH WAS!

Posted: Juli 12th, 2011 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , | 2 Comments »

Lizzy & Georgia May Jagger front row at HUGO SS 2012

Nach einem fünftägigen Modemarathon endete vergangen Samstagabend die neunte Auflage der Berlin Fashion Week mit einer Show des belgischen Labels A.F. Vandevorst. Was bleibt nach 21 besuchten Schauen sowie zahlreichen Nebenveranstaltungen, Ausstellungen und Parties?

Glaubt man den Aussagen des Veranstalters IMG so war die Modewoche -wieder einmal- ein voller Erfolg. Noch nie seien die Besucherzahlen so hoch gewesen. Auch Michalsky bejubelt die Zahl der Gäste seines Mode-Events, ca. 1.500 Geladene, sowie die Zahl der derjenigen, die seine Stylenite via Livestream im Internet verfolgten, und informiert darüber per Newsletter.

Wunderbar, dass die Fashion Week ein Publikum hat und wunderbar auch, dass die Zahl der Interessierten von Saison zu Saison wächst, doch Masse allein ist natürlich kein Garant für Qualität. Wer sind all die vor dem Zelt herumschleichenden Leute, denen zu manch schwacher Stunde, bspw. Samstagsvormittags, schon mal ein Ticket geschenkt wird, um die Sitzreihen zu beiden Seiten des Laufsteges zu füllen?

Die Antwort auf die Frage wer präsentiert hier was, wem und warum bleibt an vielen Stellen der Berliner Modewoche diffus. Insbesondere die Kollektionen einiger Berliner Designer kranken an einer Konformität, als hätten sie diese in Gemeinschaftsarbeit erstellt. Es herrscht ein unübersehbarer Mangel an Richtungsweisendem. Braucht es für unifarbene Cashmere-Pullis, einfache Bundfaltenhosen, schmucklose Trägertops und schlichte Sommerkleidchen wirklich eine Laufsteg-Präsentation?

Hartgesottene Anhänger der Berlin Fashion Week mahnen, dass Modegeschehen der deutschen Hauptstadt nicht mit dem Treiben der anderen europäischen Modemetropolen zu vergleichen. Eine fragwürdige Regel, die die Mahnenden zumeist nur mit einem naiven “Berlin ist nun einmal Berlin und nicht Paris” zu rechtfertigen wissen. Dabei ist der Vergleich mit dem Vergleichbaren doch ohnehin ein Automatismus in den Köpfen der Menschen, der sich nicht abstellen lässt. An wem soll sich die Berlin Fashion Week denn bitteschön sonst messen lassen, wenn nicht an ihrer italienischen, französischen, britischen oder amerikanischen Schwester?

Sich aus Angst vor einer schlechten Beurteilung dem Vergleich mit der Konkurrenz entziehen zu wollen ist feige. Die Augen zu verschließen und so zu tun als gäbe es London, Mailand und New York nicht, ist unsouverän. Natürlich, eine Fashion Week muss wachsen dürfen. Hier ist neben Selbstbewusstsein vor allem auch Selbstkritik ein wichtiger Schlüssel auf dem Weg zum Ziel. Das Verharren in alten Gewohnheiten, gleich einem trotzigen Kind, führt langfristig zur Stagnation. Berlin braucht mehr Glamour, bessere Models und auch stärkere Kollektionen. Um Letzteres zu gewährleisten, wäre eine strenge Selektion bei der Zulassung von Designern durch ein Komitee aus sachkundigen Mode- und Medienschaffenden hilfreich.

Kollektionen mit internationaler Handschrift wie die von Rena Lange, professionelle Shows nach dem Vorbild von Hugo Boss und nicht zuletzt der Sinn für Inszenierungen nach Michalsky-Art sind wesentliche Bestandteile des erfolgreichen Konstrukts namens Modewoche. Im Ringen um die internationale Anerkennung modischer Kompetenz der Berlin Fashion Week sind Ausnahmetalente wie die holländische Modedesignerin Iris van Herpen, die McQueenesque Kunst am Körper zeigte, unverzichtbar. Bitte mehr davon!

 


Der Fall Mugler: lauwarme Videos auf XTUBE statt heißer Klamotten auf dem Catwalk !

Posted: Juni 28th, 2011 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , | No Comments »

Christian Courtin Clarins wird dieser Tage wohl ein wenig mehr von seiner eigenen Anti-Aging Pflege auftragen müssen, um seine Sorgenfalten angesichts der Vorgänge im Hause Mugler, deren Eigner er ist, in Schach zu halten.

Nach einem schwachen Fashion-Debüt Nicola Formichettis im Januar 2011 enttäuschte der zum Kreativdirektor der Marke Thierry Mugler berufene Stylist vor wenigen Tagen bei den Pariser Schauen abermals unsere in ihn gesetzten Hoffnungen. Eigentlich sollte Formichetti, besser bekannt als die persönliche Kammerzofe Lady Gagas und ehemaliger Art Director des britischen Modemagazins Dazed & Confused , das in den Dämmerschlaf gefallenen Label Thierry Mugler entstauben, doch statt heißer Klamotten bei den Männerschauen in Paris präsentiert Formichetti lauwarme, homoerotische Videos im Internet.

Das altbewährte Motto “Sex sells” wird hierbei leider auf die platteste Art und Weise inflationiert und kann über die Belanglosigkeit der darin ohnehin nur vage zu sehenden Klamotten nicht hinwegtäuschen. Der Versuch, mit der sensationsheischenden Botschaft “too hot für youtube but just right for x-tube, einer Porno-Webseite, im Vorfeld der Kollektionspräsentation bei den Männerschauen in Paris einen Medienhype zu generieren ist allzu offensichtlich. Provokation als Selbstzweck, ohne tieferen Sinn, wirkt niemals glaubhaft dafür fast immer peinlich.

Zumal der Inhalt des Kurzstreifens mit dem Titel “Brothers of Arcadia, mit großen Getöse in der Blogosphäre angekündigt, zumindest für europäische Gemüter nicht halb so skandalös ist, wie uns Formichetti Glauben machen mag. Dass darin tatsächlich einer der Darsteller an seinem Penis rubbelt mag so manch unaufgeklärten Zeitgenossen anturnen, betrachtet man das Video jedoch unter modischen Gesichtspunkten, kann es dafür leider nur null Punkte geben.

Die unzensierte Variante gibt es hier:
Mugler “Brothers of Arcadia”

Natürlich sind die sich in dem Clip räkelnden Jungs ansehnlich, doch eine halbherzige, auf stylish getrimmte Wichsvorlage in bewegten Bildern ist eben noch lange kein adäquater Ersatz für das kreative Erbe Herrn Muglers, dem Modegenie, das sich 2003 aus dem Business zurück zog und seitdem nur noch um die Duftsparte kümmert. Thierry Mugler, das war von der Gründung im Jahr 1974 bis zum Abgang des allzeit durchtrainierten Modemachers, ganz großes Kino.

Wespentaillen, waffenscheinpflichtige Silhouetten, Powerschultern und die kräftigsten Farben die das Pantone Farbsystem zu bieten hat, bildeten zusammengenommen eine unverwechselbare Handschrift, die sich an starke, selbstbewusste Frauen richtete. Muglers Frauenideal bewegte sich irgendwo zwischen Domina, Business-Vamp und Insekt, was von den Protagonisten der Modepresse am häufigsten unter dem Begriff Amazone zusammenfasst wurde. Als Role-Model verkörperte das texanische Supermodel Jerry Hall jahrelang die Muglerienne par excellence.

Gekonnt paarte der Designer seinen Sinn für theatralische Inszenierungen mit handwerklichem Können und formte daraus einen Look. Glamour in seiner reinsten Form. Nach seinem Abschied aus dem Tagesgeschäft wurde die Modelinie zunächst eingestellt. Doch bereits zwei Jahre später probierte man mit Designer Thomas Engelhart zumindest die Männerlinie wieder zu etablieren. Die wurde von den Einkäufern jedoch nur schlecht angenommen, und so kam 2008 Rosemary Rodriguez an Bord um Engelharts Job zu übernehmen und parallel dazu die Womenswear wieder aufleben zu lassen. Eine begabte Designerin mit besten Referenzen, die Anfang der 90er unter Thierry Mugler fünf Jahre lang die Studioleitung der Damen Pret-a-Porter inne hielt und somit die Firmenphilosophie in- und auswendig kannte. Als Kreativdirektorin des Hauses schien sie dennoch die falsche Besetzung zu sein.

Auf Rodriguez folgte schließlich im September 2010, der heute 34-jährige Nicola Formichetti und mit ihm, Romain Kremer als Headdesigner für die Herrenlinie sowie Sébastian Peigné als Verantwortlicher für die Damenlinie der Marke Mugler. Als des Unternehmens Mastermind darf Formichetti in den Gestaltungsprozess seiner beiden Untergebenen eingreifen und trägt die Verantwortung für das was letztlich realisiert und dem Publikum vorgestellt wird.

Während sich Monsieur Mugler selbst letztes Jahr in einem seltenen Interview mit dem Wall Street Journal öffentlich über den schleichenden Niedergang seiner geschaffenen Mode-Galaxie echauffierte, warten viele seiner Fans noch heute auf ein Comeback des Firmengründers, der sich nur noch projektweise mit Kleidung auseinandersetzt und zuletzt mit seinen Bühnenkostümen für Beyonces “I am Sasha Fierce-Tour” und einem grotesk übermuskulösen Body von sich reden machte.

Die Ankündig Formichettis als Kreativdirektor schien Anhängern der Marke ein vielversprechender Lichtblick. Verfügt Formichetti als Stylist über ein durchaus außergewöhnliches Gespür für medienwirksame Looks. Doch mit seiner Debut-Kollektion folgte auf die Euphorie schnell Ernüchterung: ein Flop!

Designer Nicola Formichetti

Aus Respekt gegenüber der Marke und wohl wissend, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis sich ein Designer in die DNA eines Modehauses eingefühlt hat und jeder Mensch eine zweite Chance verdient, hielten sich Top-Kritiker wie Tim Blanks, Suzy Menkes und Cathy Horyn zunächst diplomatisch bedeckt. Bei Formichettis zweiter Männer-Schau, die er vergangene Woche in Paris präsentierte, zog Blanks es vor, sich gar nicht erst dazu zu äußern und überließ die Rezension des Gezeigten einem jüngeren Kollegen. Vermutlich hätte sich Blanks zu sehr verbiegen müssen, um nette Worte für all den Homotrash zu finden.

Fakt ist, Formichetti ist kein Designer, sondern Stylist. Sein großes Talent liegt in der Zusammenstellung von Kleidungsstücken, die sich andere ausgedacht haben. Es wäre an der Zeit zur Lösung des Design-Desasters über eine intern zu regelnde Umverteilung der Kompetenzen im Hause Mugler nachzudenken. Sobald Christian Courtin Clarins diese durchgeführt hat, wird auch er wieder vom hochkonzentrierten Anti-Falten-Serum auf eine normale Feuchtigkeitspflege umsteigen können.

 

 


Kinder im Fokus der Luxusgüterindustrie: Passen Couture und Kids wirklich zusammen?

Posted: Februar 10th, 2011 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , , | 1 Comment »

Luxusartikel für Kinder polarisieren, den Modeprofi ebenso sehr wie den modischen Laien. Die neu lancierten Kindershades aus dem Hause Gucci, Sonnenbrillen für Buben und Mädchen ab 7 Jahren, sind zwar längst nicht so dekadent wie die Couture-Windeln aus dem Hause Dior oder das Kindermalbuch von Hermès, stimmen aber nicht minder nachdenklich bezüglich der “richtigen” Wertevermittlung an den Nachwuchs.

Für stilbewusste Mädchen, ein Modell aus der neuen Gucci Kinderbrillen-Kollektion / photo: SAFILO über Andrea Leitner PR

Nicht etwa die Frage ob Kinder so etwas tatsächlich brauchen gilt es zu klären, viel spannender scheint eine Auseinandersetzung mit der Frage, was eine Ausstattung der Jüngsten mit Statussymbolen über deren Eltern aussagt, aber auch wie, und ob überhaupt, sich die frühkindliche Versorgung mit Designeraccessoires nachteilig auf die Entwicklung der Sprösslinge auswirken könnte. Selbstverständlich gibt es Argumente die Luxus-Erzeugnisse für die Kleinen rechtfertigen. So ist es für Fashion-Mamis natürlich praktisch ihre Brut mit Kleidung aus dem selben Geschäft eindecken zu können wie sich selbst und nicht erst mit dem Kindewagen oder einem unruhigen 4-jährigen an der Hand noch einen weiteren Shop aufsuchen zu müssen. Und überhaupt, wie würde eine Mutter wirken, die sich selbst nur das Beste gönnt und ihre Blagen mit Klamotten aus dem Textildiscount abspeist?

Zudem gilt es in bestimmten Kreisen zu repräsentieren, sich selbst und natürlich auch den Erfolg des geehelichten Global-Players. Dabei lässt sich der eigene Wohlstand mit goldenen Baby-Puschen von Dior noch viel wirkungsvoller demonstrieren als durch Mamas Kelly Bag oder Papis “Submariner” von Rolex. Denn, was die Dekadenz hier noch stärker unterstreicht ist die Tatsache, dass Kinder ihren teuren Designerstücken alle 6 Monate nach deren Anschaffung bereits wieder entwachsen sind. Der daraus resultierenden erforderlichen Beschaffung von Nachschub haftet etwas Verschwenderisches an und Verschwendung galt schon immer als die plakativste Form der Zurschaustellung von Reichtum.

Mag sein, dass dies für die Mehrheit der Endverbraucher alles keine triftigen Argumente sind, die Luxusartikel für Kids rechtfertigen. Fakt ist aber, dass es eine Zielgruppe für derlei Erzeugnisse gibt und das allein ist Grund genug für deren Herstellung.

Die Cruise/Holmes Sippe ist hier nur ein prominentes Beispiel für konsumorientierte Eltern mit einem Faible für Kids-Couture.

Natürlich gilt auch hier die Devise leben und leben lassen. Doch wenn man bedenkt wofür Designermode mitunter steht: Prestige, Verführung und Sex; scheint die Frage, inwiefern diese Attribute in Verbindung mit einer unbeschwerten Kindheit zu bringen sind, berechtigt.

Geht es nach dem pädagogischen Ideal sollen Kinder offenen Auges durchs Leben gehen und Abenteuer erleben dürfen. Das ganz am besten draußen, heißt in natürlicher Umgebung. Frei von Statusgedanken und der Angst ihre Polo-Shirts zu beschmutzen. Eltern, die ihre Kinder als bloßes Anhängsel auf den Einkaufsboulevards dieser Welt hinter sich herziehen lassen, brauchen sich nicht zu wundern wenn ihr Nachwuchs eines Tages mit dem Begriff Lamm nur noch einen Mantel assoziiert.

Vielleicht wollte Guccis Chefdesignerin Frida Giannini mit ihrer Brillenkollektion für Mama und Tochter, wahlweise auch für Papa und Sohn, nur einen einheitlichen Look offerieren, doch das wiederspräche dem folgendem Satz des Pressetextes: “Jungen und Mädchen können ihren eigenen Stil durch eine reiche Farbauswahl zur Geltung bringen.” Seit wann bitteschön bedeutet eigener Stil so auszusehen wie die Eltern? Es gehört zum Reifeprozess Heranwachsender hinzu sich mittels Kleidung von seinen Eltern optisch abzuheben, nicht sich ihnen anzupassen. Zu allem Überdruss heißt es dort weiter: “Mit diesen einzigartigen Sonnenbrillen werden die Kinder schon zu richtigen Trendsettern”! Doch wem sollen 7-jährige mit ihrem Style eigentlich ein Vorbild sein?

Gewiss, auch ein erfolgsverwöhntes Unternehmen wie Gucci muss bereits heute Vorsorge für seine Existenzsicherung in der Zukunft treffen. Wenn den Brandmanagern des Hauses bei der Erstellung ihrer Konzepte eines Bewusst ist, dann der unabänderliche Fakt, das auch aus 7-jährigen einmal 27-jährige werden. Da kann man mit der Markenbindung gar nicht früh genug beginnen. Oder?


HYPE MAGAZINE introducing ROYCE REED & MARILYN HOGGATT

Posted: Januar 11th, 2011 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE | Tags: , , , , , , , , , , , | 1 Comment »

Madame Reed / photo: ©Steven Mikulan / by courtesy of Steven Mikulan

Mit einem einzigen Foto fing alles an. Wer sind diese Frauen, die auf den Seiten eines italienischen Modeblogs als Stilikonen gefeiert werden, über deren Privatleben, bis auf ihre Namen, nichts bekannt ist. Die Internet-Recherche führt schnell zu ein paar Videoclips, eingestellt auf “YouTube”!

Darin zu sehen, zwei vom Leben gezeichnete Frauen auf dem Bett eines spartanisch eingerichteten Hotelzimmers. Aufnahmedatum unbekannt. Der Filmende? unbekannt! Die mittlerweile über 80-jährigen Ladies kommen bei der Web 2.0 Generation bestens an. Viele der “Viewer” hinterlassen begeisterte Kommentare. Fast alle beziehen sich auf den Stil und den Habitus der beiden, wobei Royce, die exzentrischere und herrischere des Damen-Duos, zweifellos mehr Bewunderung erzielt. Für ihre Resolutheit, ihre Mondänität, ihren Old-World-Style. Seit über einem Jahr existiert auch eine Facebook-Fanseite, auf der sowohl besagte Videos als auch ein paar Fotos des eigensinnigen Gespanns zu sehen sind.

Die Tatsache nichts über den aktuellen Verbleib der Zwei zu wissen und medial nicht erreichbar zu sein, nährt ihren Mythos und schürt die Begierde mehr über die Beiden herausfinden zu wollen.

Ihren genauen Aufenthaltsort kennt Niemand. Es gibt nur Vermutungen aber keine Tatsachen. Ein Kommentarschreiber vermutet die Beiden schon längst “six-feet-under”.

Schließlich der Hinweis auf einen Zeitungartikel aus dem Jahre 1999. Dieser offenbart mehr als ich mir in Erfahrung zu bringen jemals erhofft hatte. Sein Verfasser ist der in Los Angeles lebende Autor Steven Mikulan. Als Gerichtsreporter und Theaterkritiker genießt er in Kalifornien einen exzellenten Ruf. Mikulan und sein Freund Kevin Ackermann, ein Fotograf und Filmemacher, trafen die beiden damals zufällig in einer Bar und waren augenblicklich ebenso von deren Attitüde fasziniert, wie all diejenigen, die erst durch das Internet auf Royce und Marylin aufmerksam wurden.

Vom ersten Moment dieser Begegnung an wusste Mikulan, dass er die zwei Unikate der Öffentlichkeit nicht vorenthalten durfte und begann ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Das Ergebnis ist das faszinierende Porträt zweier in Hollywood gestrandeter Frauen, die in Abhängigkeit zueinander ihr Dasein in einem “shithole” in Downtown fristen und dabei dem Glanz und Glamour einer längst vergangen Ära hinterher hängen. Sein Artikel erscheint erstmal am 4. Juni 1999 in der Wochenzeitschrift LA WEEKLY unter der Überschrift “Forever Fabulous”

Den Namen ihre Unterkunft gibt Mikulan darin nicht Preis. Es kostet ein paar Stunden diesen zu eruieren. Als ich vor einigen Wochen schließlich im “Stillwell Hotel” anrufe und darum bitte mit Mrs. Reed oder wahlweise Mrs. Hoggatt zu sprechen, informiert mich der Rezeptionist knapp, dass die beiden vor etwa einem Jahr ausgezogen sind. Warum, wisse er nicht und auch nicht wohin die beiden gezogen sein könnten. 21 Jahre lang haben sie im “Stillwell” an der South Grand Avenue zusammengelebt. Doch mein Anruf kommt zu spät. Ich bin enttäuscht und gleichsam aufrichtig um ihr Wohlergehen besorgt. Während meiner Recherchen, aber maßgeblich durch Mikulans Artikel, sind mir die Zwei ans Herz gewachsen. Ich beabsichtige alles Mögliche über die Beiden in Erfahrung zu bringen. Wie einst Steven Mikulan bin ich überzeugt, dass die Geschichte von Royce und Marilyn Verbreitung finden muss. Schon allein deshalb, weil das Bedürfnis nach Ruhm und Wohlstand, gemessen am heutigen Zeitgeist, aktueller scheint als jemals zuvor, aber auch weil wahrer Stil schließlich immer Hochsaison hat!

Die komplette Story in HYPE MAGAZINE No.2 / photo: hype-magazine.com

Die komplette Story in HYPE MAGAZINE No.2

Die Original-Story einschließlich eines erkenntnisreichen Interviews mit Steven Mikulan, einer der letzten Lebenden, der engen Kontakt zu den Beiden unterhielt, gibt es in der am Mittwoch bundesweit erscheinenden zweiten Print-Ausgabe des HYPE MAGAZINE.


Das HALSTON Debakel

Posted: November 12th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , , , , | No Comments »

Was bitteschön ist im Hause Halston los?  Das einstige Jetset Label der amerikanischen Upperclass kriegt die Kurve nicht. Die Inhaber des 1968 in New York von Roy Halston Frowick gegründeten Labels, Filmproduzent Harvey Weinstein und Jimmy Choo-Inhaberin Tamara Mellon, haben seit ihrer Übernahme der Markenrechte im März 2007 mit roten Zahlen und einem geringfügigen Medieninteresse zu kämpfen.


Nun wurde über das Branchenblatt “Womens Wear Daily” jüngt bekannt das CEO Bonnie Takhar entlassen wurde,  wegen unerreichter Umsatzziele, aber auch weil ihr Kurs keine Verbesserung der Lage erkennen lies. Hire & Fire; im Top-Segment der Modebranche keine Seltenheit und bei einem  sich im Dämmerschlaf befindenden Betrieb an für sich auch keine große Meldung wert. Doch aufgrund der Tatsache das die Halston-Inhaber über ein beachtliches Privatvermögen verfügen und Tamara Mellon ihre unternehmerischen Qualitäten bereits bewiesen hat indem sie aus der unbeachteten Schuhmanufaktur “Jimmy Choo” ein globales Multimillionen-Dollar Brand schuf, stellt sich die Frage nach dem Grund für den konstanten Misserfolg Halstons.

Die zweimalige Neubesetzung des Chefdesigner-Postens binnen zwei Jahren, die Verpflichtung einer Schauspielerin als Head-Designern für die Zweitlinie “Halston Heritage”, und nun auch noch der Rausschmiss einer Führungskraft, deuten darauf hin, das nicht die Marke per se ein Problem darstellt -die hätte bei strategisch kluger Führung durchaus Potential-, sondern vielmehr die Protagonisten, die unter ihrem Dach arbeiten.

Natürlich ist es ungleich schwerer mal eben eine Modekollektion erfolgreich an die Frau zu bringen als an Selbige  Accessoires zu verscherbeln, die sich ohnhehin von selbst verkaufen, schon allein weil der Bedarf an ihnen wesentlich größer ist. Mit einem einzigen Paar Killer-Heels lässt  es sich eben schlecht durch den Winter stöckeln und eine “XL-Tote” taugt einfach nicht für den Abend in der Oper. Doch wer einmal einen schwarzen Hosenanzug, einen Trenchcoat oder einen crèmefarbigen Cashmere Pullover sein Eigen nennt, der braucht davon so schnell keinen zweiten mehr.

Doch ob nun Mode oder Accessoires, Halston mangelt es in beiden Kategorien an Mut zum Risiko. Viel zu starr hangelt man sich bei der Gestaltung der Kollektionen am stilistischen Erbe Herrn Halstons entlang. Das Resultat, ein Konfektionsprodukt ohne Relevanz. Wollen die nicht, können die nicht oder dürfen die nicht?  Die Frage richtet sich an die Designer des Hauses. Von kreativen Köpfen wie dem Italiener Marco Zanini, der vor seiner Zeit bei Halston, 10 Jahre lang  bei Versace erfolgreich die Couture Sparte verantwortete, darf man erwarten, dass er weiß, was ein Eyecatcher ist. Warum bloß zeigte er ihn dann nicht?  Die gleiche Frage könnte man getrost  auch seinem Nachfolger Marios Schwab stellen, dessen Entwürfe für die Sommerkollektion 2011 denen seines erfolgslosen Vorgängers zum verwechseln ähnlich sehen.

Gut möglich auch, dass die Riesen-Egos der Obersten im Hause Halston, ihr Gespür für den Zeitgeist trüben und auch deren Rationalität behindern. Wie sonst lässt sich erklären, dass ausgerechnet Sarah Jessica Parker bei einem der (ehemals) prestigeträchtigen Labels der USA Chef-Designerin der Zweitlinie “Halston Heritage” spielen darf? Wer versucht dies mit Frau Parkers persönlichen Stil zu rechtfertigen, dem sei gesagt, dass Stylistin Patricia Field die kompetentere Person für den Job gewesen wäre. So war schließlich sie es, die der Aktrice den Glamour-Look aus “High&Low” verpasste, für den “Missus Parker”  seit Jahren von Presse und Fans rund um den Erdball gefeiert wird. Dann wäre da noch die völlig überbewertete Celebrity-Stylistin Rachel Zoe, die Halston zwar intensiv supportet (und auch einen kleinen Anteil an dem Unternehmnen besitzen soll), deren Ruf als  größte Zicke unter der Sonne Kaliforniens  jedoch nicht gerade zur Popularitätssteigerung der Marke beiträgt. Niemanden der bisher mit der Aufgabe betraut wurde die Firma Halston zu entstauben, gelang es an deren glorreiche Zeiten in den Seventies anzuknüpfen.

Halston hat das gleiche Problem welches auch schon Firmen wie Jil Sander und Joop, unmittelbar nach dem Ausscheiden ihrer Namensgeber ereilte, Profillosigkeit!

Marken wie Halston, aber eben auch Jil Sander und Joop waren personifizierte Marken, deren Erfolg maßgeblich von der Persönlichkeit ihrer Gründer geprägt waren. Roy Halston Frowick, der 1990 im Alter von 57 Jahren an den Folgen seiner Aids-Erkrankung starb, war die konsequente Verkörperung des Jetsets und Gesicht des unlängst inflationär rezitierten Studio 54 Mythos. Mit seinem Tod starb auch die Authentizität seines Labels. Seine fließenden Silhouetten reflektieren den  Lebenstil einer elitären Szene innerhalb einer bestimmten Zeit.  So ein Coup ist mitunter auch ein Glückstreffer:  zu richtigen Zeit, mit den richtigen Klamotten an den richtigen Leuten, am richtigen Ort zu sein. Bei Halston passte einfach alles zusammen.

Unvergessen: Bianca Jaggers legendärer Ritt auf dem Rücken eines weißen Pferdes in die Hallen des  Studio 54, und zwar in einem Kleid mit Carmen-Ausschnitt von Halston. Das war 1977! Gewiss ein Fashion-Momet und etwas das nicht per Knopfdruck reprodzuierbar ist. Alles hat seine Zeit, doch anstatt neue Wege zu beschreiten halten die Verantwortlichen des Unternehmens  fast schon zwanghaft am 70er Jahre Spirit fest, als wolle man das Lebensgefühl dieser längst vergangenen Dekade mit aller Gewalt in die Gegenwart transferieren.  Genauso gut könnte man versuchen Mr. Halstons Asche aus dem Pazifik wieder zusammenzutragen um aus etwaigen DNA-Spuren einen Klon zu generieren. Doch das ist Fiktion. Die Realität hingegen lautet: Halston, das war einmal!


DO YOU TALK FASHION?

Posted: September 29th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , | No Comments »

Auch wenn sich Miuccia Prada und Giorgio Armani im realen Leben vermutlich nicht allzuviel zu sagen haben, so eint Beide immerhin die Tatsache bereits das Kleid für ein Mobiltelefon entworfen zu haben. Prada, Armani, Versace, Anna Sui, Unrath&Strano, Escada, Dolce&Gabbana- ringring…rrring, zogen nach. Do you talk fashion? So sinnentleert wie diese Frage, so überflüssig sind für den Verbraucher die von Top-Modedesignern gestalteten Mobiltelefone, die dennoch für trendbewusste Talker zum begehrten Must-have geworden sind.


Überflüssig? Einerseits! Andererseits sind Fashion Handys ästhetisch durchaus ansprechend (Prada LG, Armani Samsung) oder zumindest originell (Anna Sui Samsung) und aus marketingtechnischer Sicht ein wirklich spannendes Thema. Denn in der Masse immer wieder neu erscheinender Modelle in immer kürzer werdenden Zeitabständen ist eine „stylishe“ Hülle ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal um aus selbiger herauszustechen und somit ein wesentliches Kriterium für den lukrativen Absatz eines bestimmten Modells. Und wem bitteschön wäre mehr Kompetenz bei dem geschmackvollen Oberflächentuning zuzutrauen als europäischen Nobelschneidern. Das innovative Design des vor 5 Jahren auf den Markt geworfenen Handys “Razor” von Motorola bescherte dem amerikanischen Unternehmen Rekordumsätze und dem Razor einen sicheren Platz im renommierten Museum of Modern Art in New York.

Das Handy ist für zahlreiche, überwiegend junge, Menschen unlängst zum Statussymbol avanciert.

Giorgio Armani sprach in einem Interview bei der Wahl des Handys gar von einem Stilbekenntnis. Das Handy als Ausdruck der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe.

Das stete Bedürfnis des Menschen sich auf der Sozialskala nach oben zu orientieren und dies mit den entsprechenden Insignien, wie zum Beispiel Kleidung oder dem Auto zu demonstrieren sorgt dafür, dass Kooperationen zwischen Modehäusern und Mobilfunkherstellern auch weiterhin von kommerziellen Erfolg gekrönt sein werden. Es ist eine win-win-situation für beide Seiten. Die Modefirmen erhalten die Möglichkeit ihre Produktpalette zu erweitern; die Hersteller mobiler Sprechapparate profitieren vom glamourösen Namen exklusiver Modemarken und werten durch die Zusammenarbeit ihr nüchternes Image auf. Upgrade nennt man das. Ähnlich wie das Geschäft mit Parfums funktioniert auch das Geschäft mit den Mobiltelefonen. Parfum und Handy sind um ein Vielfaches günstiger als ein Kleid vom Edeldesigner und bieten somit der Masse die Möglichkeit ein Stück Luxus ihre Eigen zu nennen.

Der große Vorteil der Handys gegenüber der Parfumpulle liegt jedoch in der öffentlichen Präsenz. Während das Handy zu einem unverzichtbaren Begleiter durch den Alltag geworden ist, verstaubt der Flakon, ohne Publikum, im heimischen Badezimmer. Somit ist das Handy eine Art mobiler Werbeträger mit einem enormen Verbreitungsradius.

Der Einzug des Fashion Handys in deutsche Sakko- und Handtaschen hat bereits vor vier Jahren begonnen. Aufgrund des menschlichen Geltungsdranges spricht vieles dafür, dass auch weitere Modeunternehmen in Zukunft in das Geschäft mit den “cell phones“ einsteigen werden. Doch wo bleiben eigentlich die getunten Touchscreen-Modelle? Die Lancierung neuer smart-phones im Designerleibchen geht aktuell nur schleppend voran.

Mag sein, dass das Handy nur ein Gebrauchsgegenstand ist und eine durchdesignte Hülle zum eigentliche Zweck des Telefonierens so überflüssig ist wie ein Sonnenstudio in Simbawe, aus wirtschaftlicher Sicht machen sie jedoch Sinn, und das allein rechtfertigt ihre Existenz. Zudem verhält es sich stilistisch gesehen mit Handys wie mit der Bekleidung. Mit Prada ist man immer auf der sicheren Seite. “So let´s start talking fashion, baby.“


FASHION-DRAMA: PRADA verklagt ehemalige Angestellte wegen Rufschädigung

Posted: August 28th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , | No Comments »

photo: HYPE MAGAZINE

photo: HYPE MAGAZINE

Zu hässlich für den gehobenen Einzelhandel? Nachdem Rina Bovrisse, 36, ihren Job als Senior Retail Managerin im Oktober 2009, aufgrund ihrer Beschwerde wegen angeblicher Schikanen und Diskriminierung durch ihren Vorgesetzten, verloren hatte und das Unternehmen Prada anschließend auf $ 685.000 Schmerzensgeld verklagte, schlägt das Kultlabel mit Sitz in Mailand nun mit einer Gegenklage zurück und bezichtigt seine Ex-Angestellte der Rufschädigung.

Hierbei verlangt Prada 390.000 US-Dollar Entschädigung für den durch Bovrisses’ Anschuldigungen entstandenen Imageschaden. Doch der Reihe nach: Laut Bovrisse habe ihr damaliger Vorgesetzter, Davide Sesia, seines Zeichens ehemaliger CEO bei Prada Japan, sie im Frühjahr 2009 angewiesen, 15 Store-Manager und Verkäufer der rund 40 in Japan vertretenen Prada-Boutiquen zu entlassen, die von Sesia als zu alt, fett und hässlich, mit schlechter Figur und schlechten Zähnen behaftet, kritisiert wurden und demzufolge nach nicht dem Prada-Look entsprechen. Bovrisse äußerte ihren Unmut bezüglich dieser obskuren Selektion und stand kurz daraufhin selbst unter Beschuss.

So soll der Personalchef von Pradas japanischer Firmenzentrale, Hiroyuki Takahashi, Bovrisse in einen Konferenzraum bestellt und ihr eine Verwarnung erteilt haben, da auch sie nicht dem typischen Prada Look entspräche. Schließlich riet Takahashi ihr, auch im Namen des CEOs, ihre Frisur zu ändern und ein wenig abzuspecken, denn dieser würde sich unlängst für die Hässlichkeit seiner Mitarbeiterin schämen.

Via e-mail beschwerte sich Rina Bovrisse über die Missstände beim einem Manager am Firmenhauptsitz in Mailand, was wenig später mit der Begründung, Bovrisse habe “Mobbing Angelegenheiten an Mailand gemeldet und damit für negative Stimmung im (japanischen) Unternehmen gesorgt”, zu ihrer Kündigung führte.

In einer vor wenigen Tagen verfassten e-mail an die japanische Presse schrieb Bovrisse, dass Pradas Gegenklage gegen die Menschenrechte verstoße, indem der Konzern, durch juristische Einschüchterung versuche, die Opfer seiner Personalpolitik davon abzuhalten die Wahrheit über die Hintergründe einer Anstellung bei Prada publik zu machen.

Tatort: Der Prada Store in Tokio, photo: by damon.garrett via FLICKR.com
Tatort: Der Prada Store in Tokio, photo: by damon.garrett via FLICKR.com

So soll den Verkäufern in den japanischen Filialen auch zum Kauf von Prada-Artikel “geraten” worden sein um die monatlichen Mindestumsätze zu erfüllen. Wer sich hier verweigere, der müsse mit Entlassung rechnen.

Prada Japan lässt sich in diesem Fall gleich von vier Anwälten vertreten. Die Malaise erinnert an die Geschichte von David gegen Goliath. Doch Bovrisse, die seit nunmehr 18 Jahren in der Modebranche arbeitet, lässt sich bezüglich ihrer Werte nicht beirren. Sie kämpft für ihr Recht und nutzt die Angelegenheit um allgemein auf das Thema Frauen-Mobbing am Arbeitsplatz aufmerksam zu machen.

Das insbesondere Luxusunternehmen bei der Besetzung ihres Verkaufspersonals großen Wert auf ein attraktives bis gar überdurchschnittlich gutes Äußeres legen ist kein Geheimnis und scheint zunächst auch legitim, schließlich ist der Verkäufer als Ansprechpartner für den Endverbraucher eben auch immer Repräsentant einer bestimmten Markenphilosophie. Dennoch hat die Fixierung auf rein optische Qualitäten einen leicht sauren Nachgeschmack, denn sollte nicht gerade im Luxussegment auch fachliche Kompetenz bei der Besetzung von Positionen im Einzelhandel ein Rolle spielen, wenn nicht sogar den maßgeblichen Grund für eine Einstellung überhaupt bilden?

Die hübschesten Verkaufshuschen nutzen wenig, wenn diese sich vor lauter Schönheit zu schade sind, den Kunden zu bedienen, und das Ladenlokal quasi als Laufsteg in eigner Sache missbrauchen (alles schon erlebt). Im Falle von Bovrisse bleibt  ohnehin die Frage, warum man die Dame überhaupt eingestellt wurde, wenn sie doch letztlich gar nicht dem Corporate Design der Firma entspricht? Könnte es sein, dass Prada Japan hier nur einen Vorwand suchte um eine unbequeme Mitarbeiterin mit eigenen Ansichten loszuwerden?

Der Fashion-Krimi zwischen Mailand und Tokio ist noch lange nicht zu Ende und im Detail weitaus komplexer als er hier dargestellt werden kann. Ich empfehle daher allen Interessierten, das ausführliche und beeindruckend erhellende Interview mit Rina Bovrisse auf fashadixx.com zu lesen. (SB)


Shocking Weekend: Tom Rebl rockt Muenchen

Posted: August 17th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , , | No Comments »

Tom Rebl & Sven Barthel, Photo: HYPE MAGAZINE

Tom Rebl & Sven Barthel, Photo: HYPE MAGAZINE

Wenn Männer in High Heels, teilweise halbnackt oder in Frauenkleidern über den roten Teppich staksen, kann dies nur eines bedeuten: it´s Showtime. Einen ganz großen Auftritt hatte am vergangen Samstag, der in Mailand ansässige Modedesigner Tom Rebl.

In der Münchner Schrannenhalle präsentierte der Kreative im Rahmen einer aufwendigen Runway-Show seine Entwürfe für die Sommer Saison 2011. Etwa 20 attraktive Models mit streng zurück gekämmten Gelfrisuren und noch strengerem Blick stolzierten flotten Schrittes vor den Augen zahlreicher Promis und Modesachverständiger, über den strahlend weißen Laufsteg und präsentierten passend zur Live- Musik mondän Tragbares zwischen Dandy und Rockstar.

Besonders tosenden Applaus gab es für den Abschluss-Walk von Topmodel Papis Loveday in einem goldenen Lederjacket und in Stöckelschuhen. Nach kurzweiligen 15 Minuten Mode am laufenden Band, präsentierte sich schließlich der Modemacher selbst seinem Publikum.

Unter den Gästen waren auch Designer-Kollege Marcel Ostertag, dessen privater Kleiderschrank bereits ein eigenes Abteil nur für Tom Rebl Klamotten umfasst, Schauspieler Wilson Gonzales Ochsenknecht, Moderatorin Andrea Kempter sowie Schauspieler Max von Thun, welcher lässig an den Fotografen vorbeimarschierte ohne für selbige auch nur einmal zu posieren. HYPE MAGAZINE war natürlich live vor Ort und wollte wissen was das Erfolgsgeheimnis von Tom Rebl ist und hat den Designer hierzu gleich selbst befragt. Seine verblüffend ehrliche Antwort gibt es in unserem Videobeitrag zu sehen.

Toutes mes félicitations Monsieur Rebl!


Novum: Journalist kritisiert CHANEL – darf der das?

Posted: August 16th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , | 1 Comment »

Photo: HYPE MAGAZINE

Photo: HYPE MAGAZINE

Das Modehaus CHANEL gilt allgemein als unantastbar- kein Modejournalist, ob nun von der Fach- Publikums- oder Tagespresse, hat es gewagt, seit der Übernahme der künstlerischen Leitung durch Karl Lagerfeld 1983, Kritik an dem im Jahre 1909 von Mademoiselle Gabrielle “Coco” Chanel gegründeten Unternehmen zu üben, ebenso wenig wie an dessen kreativen Kopf selbst, der vom Chanel Hauptquartier in der Pariser Rue Cambon aus bestimmt, was gerade en vogue ist. Alle buhlen sie um die Gunst des Kaisers und um gute Platzierungen bei dessen fashion-shows.

Es geht das Gerücht um, das allzu unbequeme Schreiberlinge den Ausschluss aus Karls Hofstaat zu befürchten hätten. Mark Ritson, seines Zeichens Professor für Marketing an der Melbourne Business School, vielfach ausgezeichneter Kolumnist und einer der renommiertesten Marketingberater weltweit, dürfte demnach künftig keine Einladungen mehr erhalten. Schließlich überraschte der Brite die Reporter-Zunft und womöglich auch das Haus Chanel jüngst in einem von ihm verfassten Artikel in der Fachzeitschrift “Marketing Week” mit der Aussage, die Marke Chanel sei gerade dabei, eine gehörige Portion Staub anzusetzen.

Man könnte solch eine Aussage angesichts des unermüdlichen Schöpfertums Lagerfelds als Verunglimpfung abtun, wäre Ritsons Reputation nicht so tadellos, und hätte er nicht jahrelang im Luxuskonsortium LVMH als Image-Berater gedient, so aber schenken zumindest Werbetreibende, Marketingfachleute und PR-Berater seiner Einschätzung zur Lage der Marke Chanel erhöhte Aufmerksamkeit.

Nach Meinung Ritsons habe das sich in Privatbesitz der Brüder Alain und Gerard Wertheimer befindende Luxusunternehmen Schwierigkeiten, stilistische Innovation unter gleichzeitiger Wahrung der Firmentradition zu generieren. Für diesen Missstand hat der Marketing-Profi vier wesentliche Gründe eruieren können.

So sei zum einen die Schaufenstergestaltung der Chanel-Boutiquen wenig progressiv und auch die jeweils aktuelle Kollektion leider allzu oft eine Wiederholung der vorangegangen. “Its shop windows lack inspiration, the new collections are a little too derivative and the clientele looks older to me on each visit.

Chanel Schaufenster am Ku'Damm Berlin, Photo: HYPE MAGAZINE
Chanel Schaufenster am Ku’Damm Berlin, Photo: HYPE MAGAZINE

Desweiteren seien die in den vergangenen zwei Jahren veröffentlichten Filmbiographien “Coco avant Chanel” sowie “Coco Chanel und Igor Stravinsky” nicht gerade die beste PR für das Label gewesen, beschäftigen sich beide Streifen doch ausschließlich mit der Vergangenheit der Firmengründerin, was sich im Falle der Firma Chanel nicht mit deren eigentlichem Innovationsanspruch verträgt.

Darüber hinaus habe das Unternehmen die frühzeitige Expansion in China, einem der wichtigsten Wachstumsmärkte für Luxusgüter überhaupt, verschlafen.

Zu guter letzt moniert Ritson die Zahlung einer Rekordmiete für einen neuen Store an Londons nobler New Bond Street, wodurch sich Chanel eher in die Position eines Nachahmers begeben habe, statt der Rolle des Pioniers zu entsprechen, da Konkurrent Louis Vuitton seinen von dem New Yorker Star-Architekten Peter Marino gestalteten und direkt gegenüber gelegenen Shop der Superlative bereits Wochen zuvor eröffnete.

Um seinen subjektiven Eindrücken mehr Substanz zu verleihen stützt Ritson seine These auf eine empirische Untersuchung des Marktforschungsinstituts “Millward Brown”, einem der weltweit größten Marktforschungsinstitute mit dutzenden Dependancen. Laut deren Studie hätten die drei führenden Luxusunternehmen Louis Vuitton, Hermès und Gucci bedeutend an Wert hinzugewonnen, während der Markenwert von Chanel, derzeit auf Platz 4 der Top-Luxusmarken, innerhalb der vergangenen 12 Monate um 11% gesunken sei. Dies ist wahrlich nur schwer zu überprüfen, da Chanel selbst keine Zahlen veröffentlicht.

Nun wird Chanel, dessen Strahlkraft so unvergleichlich stark ist und dessen Logo so begehrt wird wie kaum ein anderes, mit dieser Einschätzung zunächst einmal Leben müssen – eine Stellungnahme des Hauses zur Analyse Ritsons ist bisher nicht erfolgt.
Was nach der Veröffentlichung Ritsons mutigen Schriftsücks bleibt ist weniger die Frage, ob die Marke Chanel schon Patina angesetzt hat, als vielmehr ein Denkanstoß für alle Modejournalisten, wieder mehr Mut zur eigenen Meinung zu etablieren.

Denn wie FAZ Redakteur Dr. Alfons Kaiser bereits treffend in seinem Artikel: “Verzweifelt gesucht: Mut zur Meinung! Vom möglichen Ende der Käuflichkeit im Mode-System.” für das Magazin ACHTUNG Zeitgeist schrieb, …ist es an der Zeit, Abschied zu nehmen von einem lange ungefragt akzeptierten Missstand, der am Ende das ganze Berufsbild des Modejournalisten in Frage gestellt hat.”
(Text: Sven Barthel)


Berühmt dafür berühmt zu sein – was Daniela Katzenberger von Lagerfeld und Lori Goldstein unterscheidet

Posted: August 6th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , | 3 Comments »

working-class“We have class, working class!” verkündete Modegott Karl Lagerfeld einst gegenüber Lori Goldstein, ihres Zeichens Stylistin und in Modezirkeln als eine der besten ihres Fachs geltend. Vor kurzem hat die mittlerweile 67-jährige Stilexpertin in einem Interview mit dem New Yorker Modeblog “fashionista” zwischen den Zeilen einige spannende Aussagen platziert, deren Aktualitätsbezug sich gemessen am gestrigen Auftritt von Daniela Katzenberger in der Sendung von Markus Lanz, beispielhaft bestätigte.

Lori Goldstein
Lori Goldstein

So macht Lori Goldstein auf einen Zustand aufmerksam, der mit Sicherheit kein ausschließliches Phänomen des 21. Jahrhunderts darstellt, aber durchaus als neue globale Volkskrankheut der letzten 5 Jahre gewertet werden kann. Die Rede ist von Ruhmessucht. Von jungen Menschen, die krampfhaft ans Licht der Öffentlichkeit drängen ohne, eine konkrete Leistung oder ein bestimmtes Talent anbieten zu können.

So many people I meet say: what’s with this new generation?” weiß die erfolgreiche Stylistin zu berichten und erzählt, das sie sich selbst primär mit hart arbeitenden Leuten umgebe und gewiss niemanden kenne der auch nur im Ansatz den Wunsch verspürt prominent zu sein. “Nobody I know want’s to be a celebrity“. Ein Statement, das angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit in Goldsteins Bekanntenkreis einen prominenten Namen trägt, zunächst verwundert, sich im Gesamtkontext ihrer Antworten jedoch von selbst erklärt.

So scheint das Umfeld von Lori Goldstein mehrheitlich aus Menschen, die sich mit Leidenschaft ihren vornehmlich “kreativen” Aufgaben widmen, zusammenzusetzen. Künstlerseelen, die eher von Berufung als von Beruf sprechen würden und deren Tätigkeit nicht bloß Mittel zum Broterwerb ist als vielmehr der einzige Weg zur Selbstverwirklichung. Menschen, deren Leben die Kunst, die Mode, die Schauspielerei ist. Denen das Blitzlichtgewitter herzlich egal ist, das Bedürfnis, sich der Welt künstlerisch mitzuteilen jedoch umso wichtiger. Menschen, die der Ruhm nicht in Form von Schlagzeilen heimsucht sondern durch Anerkennung ihres Könnens. Lori Goldstein spricht aus eigener Erfahrung: “Those who keep putting in the hours will be the last ones standing.”

Was für eine überaus optimistische Haltung in Zeiten, in denen zahlreiche Medien mittlerweile Scheiße als Gold verkaufen, mag da manch einer denken.

Eine Untersuchung der Universität Bielefeld, welche Mädchen im Alter von 13 – 16 Jahren nach ihren Berufswünschen befragte, hat ergeben, dass die Mehrheit von ihnen eine Kariere als Schauspielerin, Sängerin, Model, oder eben auch Designerin anstrebt. Berufe die auf den ersten Blick allesamt Medienpräsenz und das schnelle Geld versprechen. Wobei das Motiv, möglichst viel Geld zu verdienen, schon längst nicht mehr im Vordergrund steht. Vielmehr geht es um Aufmerksamkeit, eine Währung, die wesentlich stärker ist als der Euro und von der auch German-Barbie Daniela Katzenberger gegenwärtig profitiert.

Auf die Frage von Markus Lanz wo sie sich in ein paar Jahren sieht, antwortete die populäre Blondine, sie sei heute Model, morgen Schauspielerin und übermorgen Sängerin. Der busenfixierte Jürgen Drews pflichtet ihr bei: “Die Zeiten haben sich eben geändert”. Da hat der König von Mallorca natürlich recht: Schrille Selbstdarsteller, It-Girls, höhere Töchter und Society Ladies sind die Stars im Hier und Jetzt.

Doch nicht jeder mag sich mit dieser Entwicklung abfinden und distanziert sich daher von den billigen Thrill-Suchern. “What we do is not the fluff-it’s not going out to parties, it’s not to be seen.” sagt Lori Goldstein.

Dem stimme ich zu: NOT TO BE SEEN IS THE NEW BLACK!

the-new-black


GIVENCHY Gesicht Lea T. ist das erste transsexuelle Topmodel der Welt. Revolution im Modelbusiness?

Posted: August 4th, 2010 | Author: Martina Klose | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , | 4 Comments »

Lea T. (zweite von rechts); photo by courtesy of givenchy

Lea T. (zweite von rechts); photo by courtesy of givenchy

Auf den ersten Blick springt dem Betrachter nur ihre unglaubliche, jugendliche Schönheit ins Auge. Nicht im Traum würde irgendwer an Ihrer Weiblichkeit zweifeln. Ihre vollen Lippen, ihr langes dunkles Haar, die makellosen, langen Beine und dieser jugendliche, fast unreife Blick, wie ihn auch Kate Moss in jungen Jahren hatte. Keine Frage, Lea T. hat das gewisse Etwas, welches ein Model ausmacht. Mutter Natur hat es gut mit dieser jungen Frau gemeint und sie – um es mit den Worten eines Modelagenten auszudrücken – mit dem kompletten “High Fashion Rundumpaket” ausgestattet.

Deshalb würde wohl auch Niemand in Frage stellen, dass die gebürtige Brasilianerin das Gesicht der Herbst/Winterkampagne 2010 des französischen Luxuslabels Givenchy ist. Genauso wenig käme man auf die Idee, diese gelungene Kampagne als revolutionär einzustufen – doch für die Modebranche ist sie das und zwar aus gutem Grund. Denn Lea T.’s Geschichte ist nicht eine dieser hundertmal gehörten Cinderella Stories jener Models, die es aus dem Nichts unter die Top 20 geschafft haben. Lea T. wurde als Mann geboren und hieß früher Leo – das Topmodel mit der leicht androgynen Ausstrahlung ist eine Transsexuelle.

Vor 28 Jahren wurde sie als Leandro Cerezo in Brasilien geboren. Ihre Familie ist streng katholisch, ihr Vater ist der prominente Fussballspieler Toninho Cerenzo. Schon als Kind bemerkt Leandro, dass er anders ist, als die gleichaltrigen Jungen. Auch dem Vater wird das frühzeitig bewusst. Lange betet die Familie, dass Leandro „nur” homosexuell ist. Mit 14 fühlt sich Leandro zu Mädchen und Jungen gleichmaßen hingezogen und merkt, dass seine Situation alles andere als einfach sein wird. Erst die Begegnung mit dem Central Saint Martins Absolventen Riccardo Tisci wird alles ändern: der Modedesinger ermutigt Leandro, seine Weiblichkeit zu entdecken.

Als Kreativdirektor im Hause Givenchy engagiert Tisci Leandro später als seinen Assistenten und macht ihn schließlich zu seiner Muse. “One night he encouraged me to wear pumps to a party,” erinnert sich das transsexuelle Model in einem Interview mit der französischen Vogue. “We went shopping for ‘drag queen’ shoes and we bleached my eyebrows. It was a revelation.” Inzwischen hat es Lea vom Backstagebereich auf den Laufsteg geschafft. Sie ist bei der Modelagentur Women unter Vertrag, lief auf der Haute-Couture-Schau von Givenchy und wurde neben anderen Topmodels für die Herbst/Winter Kampagne des Luxuslabels unter Vertrag genommen.

Das wohl spektakulärste Shooting aber hatte Lea T., deren Verwandlung zur Frau noch nicht gänzlich vollzogen ist, jüngst für die französische Vogue. In der Juli Ausgabe posiert sie splitternackt. Ihre lange braune Mähne umspielt die zarten Brüste, ihr altes Ich ist nicht zu übersehen, auch wenn sie es vorsichtig hinter ihrer Hand versteckt. Im Vergleich zu ihrem fragilen Oberkörper wirkt ihre verbliebene Männlichkeit wie ein Störfaktor, ein Makel. Etwas, was da nicht hingehört. Chefredakteurin Carine Roitfeld brachte dieses Aktfoto einerseits den Vorwurf ein, sie würde Leas Transsexualität nutzen, um die Auflage ihres Magazins zu steigern.

Andererseits wurde die französische Vogue-Chefin für ihre Fortschrittlichkeit gelobt, da sie ein Thema aufgegriffen hat, welches in der Modebranche bislang als Tabu galt und in Hochglanzzeitschriften so gut wie gar nicht stattfand. Lea selbst wollte mit der freizügigen Fotostrecke ein Signal setzen:“I agreed to pose in the name of all my transsexual friends.” Trotz ihres märchenhaften Aufstiegs, kämpft die Brasilianerin weiterhin gegen Vorurteile und Altlasten. So soll ihr Vater im Interview mit der britischen Tageszeitung the Guardian die Existenz einer Tochter verneint haben. Als der Reporter konkret nachfragte, ob denn einer seiner Söhne in der neuen Givenchy Kampagne zu sehen sei, soll der ehemalige Profisportler einfach aufgelegt haben.

Wohl auch deshalb gibt sich Lea T. keinen Illusionen hin und sieht ihren derzeitigen Erfolg mit gemischten Gefühlen: “We transsexuals are born and grow up alone. After the operation we are born again, but once again alone. And we die alone.” It is the price we pay.” Vielleicht ist Lea mit ihren 28 Jahren noch nicht bewusst, dass sie möglicherweise eine Schlüsselfigur in der Modebranche sein wird, ähnlich wie es Anfang der 90er Jahre Naomi Campell war, die als erstes dunkelhäutiges Model die Laufstege dieser Welt eroberte. Eine Schlüsselfigur für mehr Menschlichkeit und Toleranz. Für den Fall, dass die schnelllebige Fashion Industrie sie doch nur verheizt und ihrer schnell überdrüssig wird, hat die besonnene Brasilianerin bereits vorgesorgt. Seit ein paar Semestern studiert sie in Italien Tiermedizin. Was für eine beeindruckende Frau, diese Lea T.! (Text: Martina Klose)

www.givenchy.com

siehe auch Artikel: Interview mit Nina Arsenault


Fashion-Pranger: Kritik an GEIL MAGAZINE Chefredakteur verdichtet sich

Posted: Juli 19th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , | 5 Comments »

GEIL MAGAZINE

GEIL MAGAZINE

Ein Leser des Modeblogs LesMads hat vergangene Woche die Kommentarfunktion zu einer besonders spannenden Stellungnahme genutzt. Modejournalist Fabian Koelmel, hat mit seinem “würzigen” Kommentar zu Daniel Mancinetti, dem Chefredakteur des in Berlin ansässigen GEIL Magazins, sehr viel Mut und aufgrund der Tatsache, dass er seinen Post nicht anonymisiert hat, noch mehr Rückgrat bewiesen, und dadurch im HYPE Office auch eine interessante Diskussion um die Seriosität einzelner Medienvertreter und Modeschaffender ins Rollen gebracht.

Was ist passiert? LesMads berichtete am Samstag über die aktuelle Herbst/WinterAusgabe des GEIL MAGAZINE, einer noch recht jungen Fashion-Gazette für das starke Geschlecht, welche dieses Mal in drei Cover-Varianten angeboten wird. Fabian Koelmel, der u.a . für die Publikationen Tush, FHM und L’OFFICIEL HOMMES schreibt, nimmt diesen Beitrag zum Anlass um seine negativen Erfahrungen im Umgang mit dem Chefredakteur via Kommentarfunktion öffentlich zu machen, und teilt ordentlich aus.

Er berichtet von einer zweifelhaften Arbeitsweise Mancinettis, bezeichnet ihn als Betrüger und bezichtigt ihn gar der Lüge und des Diebstahls. So soll Mancinetti für seine zweite Ausgabe bei Koelmel zwar ein Textkonzept in Auftrag gegeben, dieses aber niemals umgesetzt und auch nicht bezahlt haben. Starker Tobak! Interessanterweise finden Koelmels Behauptungen, von vier weiteren Kommentatoren (allesamt männlich), schnell Unterstützung. Und tatsächlich findet man in den Untiefen des Webs Stimmen, wie z.B. Leserkommentare des Blogs The Fashionisto, die von unsauberen Arbeitsmethoden Daniele Mancinettis künden.

Screenshot of The Fashionisto
Screenshot of The Fashionisto

Nun gehört es zwar zum Tagesgeschäft eines Chefredakteurs Inhalte, und dazu zählen bereits erarbeitete Modestrecken wie auch Textdokumente, bis Druckschluss immer wieder zu verwerfen, um ein optimales redaktionelles Resultat zu erzielen. Dies allein stellt gewiss kein Verbrechen dar. Allerdings sollte man sich als Heftmacher im Vorfeld überlegen, ob man in der Lage ist Rechnungen zu begleichen bevor man weitere Arbeiten in Auftrag gibt. Die Erstellungskosten für ein Modemagazin im Auge zu behalten, zählt eben auch zu den Pflichten eines Chefredakteurs. Womit wir auch schon beim Kern der Problematik angelangt werden. Der Fake-Biographie.

Immer mehr junge Menschen ohne jedwede Fachkompetenz schmücken sich mit Titeln, die ihnen eigentlich nicht gebühren und dass auf völlig legale Art und Weise. Denn Begriffe wie Chefredakteur, Journalist, Modedesigner und Stylist sind keine geschützten Berufsbezeichnungen. Ganz zum Leidwesen aller Chefredakteure, Modedesigner und Stylisten, die wirklich qualitativ hochwertige Arbeit leisten. Unterstützt von den komfortablen Mechanismen und Anwendungen des Web 2.0, ist heute nahezu jeden Depp, der eine Computertastatur bedienen kann, in der Lage sich als zweiter Lagerfeld oder Catwalk-Queen zu inszenieren.

“Das traurige ist…”, schreibt LesMads Kommentator Leif, “dass es funktioniert.” Noch viel trauriger ist jedoch, dass kaum jemand den dargebotenen Schund kritisch hinterfragt, und selbst etablierte (Print-)Medien und Boulevard-Sendungen sich ihrer Themen mittlerweile bei Modeblogs bedienen und diese völlig unreflektiert verbreiten.

Fast schon möchte man Herrn Koelmel gratulieren mit seinem Kommentar, endlich etwas Bedeutsames in das Dickicht des allzu oft bedeutungslosen Blog-Palawers gestreut zu haben, wäre da nicht die grundsätzliche Frage, ob es richtig ist , Menschen deren Schuld nicht eindeutig bewiesen oder deren vermeintliches Fehlverhalten nicht näher verifizierbar ist, öffentlich an den Pranger zu stellen? Wohl kaum. Aber auch das ist Web 2.0!

(Text: Sven Barthel)

website: GEIL MAGAZINE


INTERVIEW MIT ROSA von PRAUNHEIM: Eine Begegnung der launigen Art!

Posted: Juli 17th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , | No Comments »
"New York Memories", Photo: HYPE MAGAZINE

"New York Memories", Photo: HYPE MAGAZINE

Du bist doch höchstens erst 17 !” Danke für das Kompliment aber nein, ich bin tatsächlich schon volljährig und das seit mehr als 10 Jahren. “Dann hast Du vermutlich viel Geld in Schönheitsoperationen investiert !?” Nein Rosa, das auch nicht. “Fahren Päderasten eigentlich auf dich ab?” Ähm, darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht, jedenfalls finde ich ältere Männer nicht uninteressant. Im Gegensatz zu den meisten postpubertären Jungs haben die wenigstens etwas zu erzählen. “Wie alt ?” hakt er nach. Mit Männern bis 50 halte ich eine Beziehung für vorstellbar, antworte ich und denke dabei kurz an George Clooney. Ende der Nachfragen! Monsieur von Praunheim wird im November dieses Jahres 68.

Das Gespräch mit dem Kultregisseur und Deutschlands Schwulenikone im Anschluss an eine Signierstunde in einem Münchner Buchladen, im nach wie vor hippen Glockenbachviertel, beginnt zunächst schwungvoll. Wir nehmen Platz auf der Terrasse eines Cafés. Doch dem Filmemacher ist es dort zu heiß an diesem frühen Freitag Abend und so wechseln wir die Lokalität nach nur 2 Minuten, um im wesentlich schattigeren Bistro auf der gegenüberliegenden Straßenseite erneut Platz zu nehmen. Hier packe ich meinen Fragenzettel und mein Diktiergerat auf den filigranen, blass-gelb lackierten Metalltisch. Rosa ordert eine Afri-Cola und eine Gemüse-Lasagne. Ich schlage vor, ihn erst einmal in Ruhe sein Essen genießen zu lassen bevor wir mit dem Interview anfangen, worauf der Filmemacher entgegnet, er genieße seine Mahlzeiten für gewöhnlich nie. Infolgedessen bittet er mich loszulegen. Er beantwortet alle meine 15 Fragen souverän. Nach jeder Antwort lasse ich ihm ein wenig Zeit für einen Bissen von seiner Pasta.

Doch an irgendeiner Stelle während dieses Interviews muss es passiert sein: Herr von Praunheim verliert das Interesse. An mir und dem Interview, jedoch nicht an seinem Essen. Quält ihn etwa meine Frage nach dem Alter? In seinem Film “Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt” heißt es an einer Stelle: “der alte Schwule hat nichts zu lachen”. Ich frage ihn daher, ob er, der langsam aber sicher auf die 70 zusteuert, sich auch zu den alten Schwulen -die nichts zu lachen haben- zählt. Ist das respektlos? Die Frage müsste doch eigentlich genau nach seinem Geschmack sein, schließlich war er es doch, der einst verkündete, er hasse “Anpasser”.

Gewiss, Austeilen ist die eine Sache, darin war von Praunheim schon immer gut. Mit Würde einstecken, das können nur die Wenigsten, am allerwenigsten diejenigen, die selbst gerne austeilen. Ob er den reich geworden sei durch seine Filme, ob Hape Kerkeling und Alfred Biolek nach ihrem Zwangsouting durch ihn jemals wieder ein Wort mit ihm gewechselt haben  möchte ich wissen, und auch, wie er, der dem Magazin Spiegel gestand promiskuitiv zu leben, es eigentlich mit Sex im Alter hält ?

Auf alles hat Rosa eine kluge Antwort, doch offenbar verdüstern meine Erkundigungen seine Stimmung, verderben ihn aber wenigstens nicht den Appetit. Er verspeist seine Lasagne vollständig. Anstandshalber übernehme ich die Rechnung. Ein Dankeschön bleibt aus. Unmittelbar nach der Beendigung des Interviews fährt das von der Kellnerin gerufene Taxi vor um Herrn von Praunheim und seinen Lebensgefährten Oliver in das City-Kino in der Sonnenstraße zu chauffieren. Hier wird der Regisseur seinen neuen Film “New York Memories” vorstellen. Dort werden wir uns in wenigen Minuten wiedersehen. Ich reiche Rosa zum Abschied meine Hand. Hätte ich darauf verzichtet, wäre er vermutlich völlig wortlos in das Taxi eingestiegen. Ein Stunde später treffe ich ihn wieder. Er spricht mit einem Redakteur des Bayerischen Rundfunks, der “New York Memories” mitfinanziert hat.
Noch immer trägt von Praunheim  eine dunkelblaue Jogginghose und ein schwarzes Schlabbershirt zu schwarzen Gesundheitslatschen.

Um die Wartezeit bis zur Vorführung zu überbrücken plaudere ich ein wenig mit seinem Freund, der bei einer Berliner Schwulenberatung arbeitet und dort für Seniorenfragen zuständig ist. Ob sie sich dort auch kennengelernt haben? Wie ich später erfahre, ist der wesentlich jüngere Oliver seit nunmehr 2 Jahren mit Rosa liiert und durfte ihn sogar bei den dreimonatigen Dreharbeiten in New York 2009 begleiteten. Laut Rosa liebt sein Lover die Metropole an der Ostküste wie kaum eine andere Stadt, wovon man im persönlichen Gespräch mit ihm allerdings überhaupt nichts merkt. Auf meine Anekdoten aus dem Big Apple, in dem ich selbst für eine kurze Zeit gelebt habe, reagiert Oliver nahezu leidenschaftslos.

Nachdem die Premierengäste, ca. 30 ältere Damen und Herren, darunter die auch die obligatorischen Alt-HIVler, im Kinosaal ihre Sitzplätze eingenommen haben, bei einigen Besuchern überkam mich beinahe das Pflichtgefühl ihnen zu ihrer Portion Popcorn noch eine Bettpfanne zu reichen, initiiert Rosa auf dem Podium vor der Kinoleinwand einen verbalen Rückblick  seines künstlerischen Schaffens. Sein Monolog mutet recht kurzweilig an, denn tatsächlich hat der Mann zahlreiche interessante Menschen getroffen und sich selbst so viele außergewöhnliche Momente geschaffen, wie es anderen nicht mal in zwei Leben gelingen würde. Wer bitteschön kann schon von sich behaupten, eine Live -Sex-Performance in New York aufgeführt zu haben. Ficken auf der Bühne unter dem Deckmantel der Kunst. Das scheint mir typisch von Praunheim.

Definitiv teile ich seine Leidenschaft für das Unbequeme und alles Unkonventionelle, für New York, wie auch den Fakt in Frankfurt am Main aufgewachsen zu sein. Doch davon weiß Rosa nichts. Die Lichter fahren runter, Rosa verlässt den sich langsam verdunkelnden Saal. Mit Sicherheit hat er seinen eigenen Film schon zu Genüge gesehen. Der dramaturgische Einstieg in die Thematik ist direkt und unmittelbar. New York. Ich liebe Filme, die mit einer Panoramaaufnahme der einwohnerstärksten Stadt der USA oder gar mitten auf einer ihrer lebendigen Straßen beginnen. Die Dokumentation ist eine Art Fortsetzung des Films “Überleben in New York” aus dem Jahr 1989, in dem drei Frauen bei ihrem Vorhaben in dieser Stadt Fuß zu fassen mit der Kamera begleitet wurden. “New York Memories” zeigt nun was aus den Frauen geworden ist und wie sie heute leben.

Eine von ihnen ist Claudia Steinberg. Die gebürtige Essenerin schreibt regelmäßig für die deutsche Vogue und muss finanziell, man höre uns staune, trotzdem um ihr Überleben in Manhattan kämpfen. Wobei fraglich ist, wie jemand, der bereit ist 50 US-Dollar für ein Pfund Spinat auf dem “Farmers Market” zu zahlen, wirkliche Existenzängste haben kann. Dennoch, Steinbergs Biographie, wie auch die der anderen Protagonisten, inspiriert.

Der Film verdeutlicht wie es schwer ist, vor allem für Neuankömmlinge, sich in Gotham City zu etablieren. Und es wird scheinbar immer schwieriger. Die Angst vor Arbeitslosigkeit beherrscht die Mittelschicht. Aufgrund der von Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani eingeführten und seinem Nachfolger Michael Bloomberg fortgeführten “zero tolerance” Stadtpolitik gibt es zudem so gut wie keine kreative Underground-Szene mehr. Andy Warhol, Studio 54, Halston liegen gefühlte 1000 Lichtjahre zurück. Manhattan präsentiert sich heute sauber, reich und weiß!

Trotzdem die Bewohner der Perle am Hudson River quasi rund um die Uhr arbeiten müssen um irgendwie die 1800 Dollar für ihr winziges 1-Zimmer Apartment begleichen zu können, halten sie “ihrer” Stadt die Treue. Sie hegen die Hoffnung auf bessere Zeiten, wachsen an den Herausforderungen. Es ist der abgegriffene Traum vom “Tellerwäscher zum Millionär” oder zeitgemäßer ausgedrückt, die Möglichkeit zur hundertprozentigen Selbstverwirklichung, die die New Yorker die Strapazen der Existenzsicherung freiwillig aufnehmen lässt. Die enorme Flexibilität welche die Einwohner dabei an den Tag legen und deren Fähigkeit zur konstanten Selbstmotivation lassen  deutsche Lebensläufe im Vergleich da fast schon träge aussehen.

Im Bemühen die Situation zwischen Rosa und mir ein wenig zu optimieren, gehe ich nach der Vorführung auf ihn zu und sage ihm wie inspirierend ich seinen Film fand.  So  gewährt  “New York Memories” dem Zuschauer doch authentische Einblicke in die Gegenwart einer der aufregendsten Städte der Welt, frei von naiv-touristischer Schönfärberei.

Als ich von Praunheim frage, was es wohl sei, dass die Menschen trotz des anstrengenden Überlebenskampfes an diese Stadt bindet, murmelt er desinteressiert, etwas vom Gigantismus New Yorks. Wirklich aufschlussreich ist das nicht. Eine Rentnerin, die den Regisseur um ein Autogramm bittet unterbricht unsere stockende Konversation. Diskret trete ich einen Schritt zur Seite und schaue zu wie Rosa mit Kugelschreiber seine Signatur auf den Fächer der alten Dame kritzelt. Als er fertig ist, hebt er den Kopf ohne mich noch einmal anzublicken und schaut demonstrativ in eine andere Richtung. Schließlich zieht er wortlos von dannen. Ich frage mich ob mein Dior-Deo versagt hat und wo der Kasus-Knacktus zwischen uns liegen könnte. Ich begebe mich aus dem Kino-Foyer ohne mich von ihm zu verabschieden. Auf dem Weg zurück ins Büro frage ich mich desweiteren,  ob ich das Verhalten von Praunheims nun als unbegründet zickig oder einfach nur als “verhaltensoriginell” einstufen soll, und komme letztlich zu dem Schluß, dass mir zwar der Film gefiel aber  nicht die Launenhaftigkeit seines Schöpfers.

“Die Unfähigkeit sich zu verstehen weil man zu sehr seiner eigen Person verhafte bleibt führt bald zum tragischen Ender eine romantischen Freundschaft” ist im Praunheimschen Filmklassiker “Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt” von 1971 zu hören. Mit Begeisterung stelle ich fest, dass die Erkenntnisse des Regisseurs zum schwulen Sozialverhalten auch 39 Jahre nach ihrer erstmaligen Verlautbarung noch immer gültig sind. Eine leibhaftige Begegnung mit Rosa von Praunheim ist der beste Beweis dafür.

(Text: Sven Barthel)


BERLIN FASHION WEEK 2010 – WO WILLST DU HIN?

Posted: Juli 10th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , | 2 Comments »

Fashion Week Berlin 2010

Fashion Week Berlin 2010

Was in den Medien stets kräftig gehypt wird und sich in TV-Beiträgen und Zeitungsberichten den Zuschauern und Lesern als „larger-than-life-happening” -sprich wahnsinnig wichtig- präsentiert entpuppt sich bei der Live-Visite vor Ort als eher ernüchternde Angelegenheit. Die Rede ist von der Berlin Fashion Week 2010, die sich mit dem heutigen Tag ihrem Ende neigt.

Fragt man Laien und auch Sachverständige worum es bei der Fashion Week eigentlich geht, antworten alle einvernehmlich mit dem Begriff Mode. Aber ist dies auch wirklich zutreffend?

Beim uneingeschränkten Blick auf das Geschehen, frei von jeglicher medialer Einflussnahme, ließ sich der noch vor zwei Saisons von Modekritikerin Suzy Menkes gepriesene Zauber der Berlin Fashion Week dieses Mal nur schwer erspüren. Die Hitze in den vergangenen Tagen schien einfach alles und jeden zu dominieren. Bei gefühlten 370 Grad Celsius, wirkte der völlig unbegrünte Bebelplatz zeitweise wie leergefegt. Einzig die üblichen mal mehr, mal weniger originellen Selbstdarsteller und die ihnen hinterher jagenden stets präsenten Bloggerinnen im typischen Berliner “nix-passt-wirklich-zusammen-Look” sorgten vor dem Zelt für ein wenig Unterhaltung. Aufgeregtes Gewusel und Aufmärsche glamouröser Fashionistas, die schnellen Schrittes zur Location stöckeln, wie man es bei den Schauen in Paris und in Mailand beobachten kann, bleiben in Berlin jedoch vorerst Wunschdenken.

Das Geschehen Bebelplatz
Das Geschehen am Bebelplatz

Die von uns besuchten Schauen waren zwar allesamt bis auf den letzten Platz besetzt, doch fiel uns dabei auf, dass die gezeigten Kollektionen zumindest für die am Ende des Laufstegs positionierte Pressemeute eher zweitrangig schien. Ihnen ein Blitzlichtgewitter zu entlocken schafften nicht etwa Blazer, Hose, Rock und Co. als vielmehr die Promis in der ersten Reihe. Nun wissen wir zwar, dass Ochsenknecht Junior, Wilson Gonzales, eine Freundin hat, doch wie hieß gleich noch mal das Label dessen Show die die beiden Turteltauben da besuchten?

Berlin Fashion Week das ist vor allem eines; Sehen und Gesehen werden. Doch wer präsentiert sich hier wem und wie? Als konzentrierte Beobachter auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten eruieren wir ein Publikum, das bei genauerem Hinsehen oftmals so gar nicht den Zielgruppen der einladenden Modeunternehmen entspricht.

Eine mit offenem Mund, Kaugummi kauende berufsjugendliche Boutique-Inhaberin aus Altötting, die auf eine akustisch nicht verstanden Frage ihres Ed Hardy tragenden Teenie-Sohnes mit einem lauten „Häh” zur Wiederholung seiner Fragestellung auffordert, passt einfach nicht zur schöngeistigen Designphilosophie ihres Gastgebers. Eine Klientel, die sich mitunter auch in den ersten Reihen an beiden Seiten des Laufstegs wieder findet. Da ist es nur schwer vorstellbar das eines Tages Anna Wintour, Franca Sozzani oder Anna Dello Russo hier ihre Plätze einnehmen werden.

Der viel gewichtigere Grund für die Abstinenz der internationalen Modeelite dürfte jedoch sein, dass auf der Fashion Week noch immer zu viele Labels zu wenig Relevantes zeigen. Positive Ausnahmen bilden hier natürlich Marcel Ostertag, Patrick Mohr, Lena Hoschek und das Luxuslabel Rena Lange. Doch vier high-potentials reichen nicht aus um weltweit für Aufsehen zu sorgen  und sind für Verlage mit “tight-budget” noch kein Grund ihre Star-Editrixen in die deutsche Hauptstadt zu entsenden. Bei einigen an der Berlin Fashion Week teilnehmenden Firmen wundert man sich ohnehin, warum sie ihre Sachen über den Laufsteg schicken?  Die Antwort ist schnell gefunden: Weil sie es sich einfach leisten können!

Nachdem die „Redaktösen” wieder abgereist sind bleibt die Frage nach der Integrität der Berlin Fashion Week. Geht es um Mode,  Status, Nachwuchsförderung oder schlicht um ein paar Tage Spaß und Party bei der die Modebranche vor allem eines feiert – sich selbst.

Custo Fashion Show und Fotografen bei der Arbeit
Custo Fashion Show und Fotografen bei der Arbeit

Quo vadis Berlin Fashion Week? Um als Ort für Modekompetenz an Bedeutung zu gewinnen bedarf es mehr als Berliner Anti-Chic,  kurzlebiger medialer Zusammenschnitte visueller Highlights vom Catwalk und der bildhaften Dokumentation “berühmter” Zaungäste.

Wo sind nur die Christopher Kanes, die Gareth Pughs dieses Landes geblieben? Steht „Design made in Germany” wirklich nur für „Layering” in grau, schwarz und weiß, für Tragbarkeit? Was ist eigentlich aus den vielen Westwood Diplomanden der Berliner HDK geworden? Wo sind die Kreativen aus Hamburg, Frankfurt & Düsseldorf? Liebe Exzentriker wo haltet ihr euch versteckt, zeigt endlich her eure Kleider!


MADE BY MEDIA: Lennart Wronkowitz will hoch hinaus – die Blitzkariere eines 17-jährigen

Posted: Juni 23rd, 2010 | Author: Martina Klose | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , | 1 Comment »

strategische Selbstvermarktung: Lennart Wronkowitz, photo by Esteban,

strategische Selbstvermarktung: Lennart Wronkowitz, photo by Esteban,

Sein Blick wirkt streng und zielorientiert. Wie eine Mischung aus Yves Saint Laurent und Tokio Hotel Sänger Bill Kaulitz gibt sich Lennart Wronkowitz vor der Kamera. Was zum einen sicherlich an seiner überdimensional großen Hornbrille liegen mag, zum anderen an seinem zarten Alter von 17 Jahren und der femininen Außenwirkung. Während die meisten Gleichaltrigen noch orientierungslos auf Parkbänken rumhängen und jede Menge Blödsinn im Kopf haben, hat Lennart Wronkowitz aus dem beschaulichen Soest in Nordrhein-Westfalen bereits einen festen Lebensplan, eine eigene PR-Managerin und auch eine eigene Modekollektion.

Er will die Laufstege dieser Welt erobern und von Fashionweek zu Fashionweek tingeln. Ein Ausspruch, der nach der naiven Selbstüberschätzung eines Jugendlichen klingt, aber mittlerweile dazu geführt hat, dass sich gegenwärtig vor allem die Boulevardmagazine der Privatsender um ihn reißen. Auch eine Einladung zum Sofaplausch mit Günther Jauch flatterte dem smarten Jungdesigner jetzt ins Haus. In der Programmankündigung ist gar die Rede von Deutschlands großer Modehoffnung.

Auch bei Google findet man unter dem Stichwort “Lennart Wronkowitz” inzwischen zahllose Einträge. Immer wieder tauchen dort Bezeichnungen wie „Karl Lagerfelds Nachfolger” oder „Deutschlands große Fashionhoffnung” im Zusammenhang mit seinem Namen auf. Schlagzeilen wie sie Schreiberinnen des heimischen Tageblatt gerne verwenden; die zwar weniger den Tatsachen entsprechen, dafür umso mehr einen provinziellen Lokalpatriotismus bedienen.

Doch wer ist dieser Lennart Wronkowitz überhaupt, um dessen Aufmerksamkeit momentan alle Sender buhlen? Schon als 11-jähriger entwickelt der Junge aus Soest ein Faible für Mode. An Mamas heimischer Nähmaschine verschönert er zunächst seine T-Shirts, mit 14 darf er sich in der Arztpraxis seines Vaters ein Zimmer als Atelier einrichten. Bis heute verwirklicht er dort nach Schulschluss seine kreativen Träume, indem er Shirts aus dem Discounter mit Stoffresten aufmotzt. Inzwischen veräußert der 17jährige seine Entwürfe in einem eigenen Onlineshop. Verkaufszahlen gibt es jedoch keine.

Was früher als belangloses Hobby eines Heranwachsenden abgetan wurde, ist für die ständig nach neuen Sensationen Ausschau haltenden Medien heutzutage eine Story – vorausgesetzt man verkauft sie plakativ genug. “13jährige Bloggerin zeigt Anna Wintour, wo’s langgeht” oder “8jährige Stilikone macht Topmodels Konkurrenz” sind medienwirksame Schlagzeilen, die die sonst eher übersättigten Leser und Zuschauer aufhorchen lassen. Was die ambitionierten Modekinder wirklich zu sagen haben und welcher PR-Agent dahintersteckt, sind dabei eher sekundäre Randnotizen.

Hauptsache, eine neue Figur ist geschaffen, mit der sich Geld verdienen lässt. Weil auch Lennart Wronkowitz seine Jugend nicht mit Parties verplempert, sondern das fleißige Schneiderlein mimt, das in die große weite Welt hinaus will, kommt seine Geschichte bei den Medien bestens an und lässt sich prima vermarkten. Ob es sich tatsächlich um eine Erfolgsstory handelt, ist fraglich.

Ist der Fall Wronkowitz nicht vielmehr das Ergebnis einer sich zunehmend vernetzenden Welt. Ein Phänomen made by Web 2.0?

Ausnahmetalente gab es immer schon, nur eben keine öffentlichen und für jedermann zugänglichen Kanäle zur Selbstvermarktung. Fakt ist: Qualität braucht Zeit. Mussten die großen Designer nicht jahrelang an Modeschulen lernen und entwerfen und wieder verwerfen, Wettbewerbe absolvieren, ja zum Teil unentgeltlich bei großen Couturiers anheuern, um zu werden wer sie heute sind? Wronkowitz will das alles auch. Der Hunger nach Ruhm und Anerkennung, der die Casting-Generation beherrscht, wie der Drang nach freier Liebe einst die 68er, ist nicht die schlechteste Voraussetzung um Großes zu schaffen, doch für eine souveräne Laufbahn bedarf es mehr als sich im Dunstkreis von C-Promis zu tummeln und ein paar bedruckter Jersey-Teile. Medienpräsenz allein ist kein solides Fundament für eine Kariere – nichts ist unbeständiger als die Gunst des Publikums.

Ob der quirrlige Teenager Karl Lagerfeld später einmal vom Sockel stoßen wird, bleibt somit vorerst abzuwarten. Vielmehr muss sich der Junge mit der übergroßen Brille Sorgen machen, dass er nicht schon bald vom nächsten Medienphänomen verdrängt wird: das ist nämlich schon im Anmarsch und kommt aus Amerika. Cecilia Cassati heißt die neue Mini-Coco Chanel – und die ist erst 10!

Hinweis: Lennart Wronkowitz ist heute zu Gast bei STERN TV, 23.06.2010, 22:10 Uhr, RTL

Website: Lennart Wronkowitz

(Text: Martina Klose & Sven Barthel)


WER BRAUCHT SCHON COUTURE? …….Oscar de la Renta jedenfalls nicht.

Posted: Mai 5th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , | 1 Comment »

photocredit: Nitro101 via FLICKR

photocredit: Nitro101 via FLICKR

“Couture has become completely irrelevant”, diese für Modeliebhaber unbequeme These verlautbarte ausgerechnet der amerikanische Modeschöpfer Oscar de la Renta auf Anfrage der Redakteurin Nancy Hass zur Lage der Haute Couture.

Der 77-jährige Oscar de la Renta, der von 1993-2002 als Chefdesigner die Haute Couture Kollektionen für das Haus Balmain verantwortete und dessen namenseigene Pret-a-Porter Linie eher opulent als reduziert daherkommt, gilt demnach selbst mehr als Couturier denn als Designer.

Die Kunde von der Überflüssigkeit der Haute Couture aus seinem Mund, sorgte somit kurz nach Veröffentlichung des Artikels im Wall Street Journal vergangene Woche für lebendige Diskussionen in Modekreisen. Mit Ausnahme für das Modehaus Chanel, gilt Haute Couture allgemein als unrentabel. Das mehrwöchige Arbeiten an einem einzigen Kleid macht aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn und trotzdem halten namhafte Modefirmen an ihrer Couture Sparte fest. Begründet wird dies meist mit dem zusätzlichen Werbefaktor, den die Präsentation von Haute Couture generiert. Dadurch würde der Absatz anderer Produktgruppen angekurbelt, bspw. von Accessoires und Kosmetika. Wer sich Haute Couture nicht leisten kann, der greift wenigstens zur Parfumpulle des Hauses, um an dieser unerreichbaren Luxuswelt doch noch irgendwie teilhaben zu können, so die Logik der PR-Strategen.

Haute Couture gilt als Königsdisziplin der Modemacher. Hier können Designer ihr handwerkliches Geschick in Vollendung unter Beweis stellen und ihre Vision von der Idealfrau kompromisslos realisieren. Die Existenz der Haute Couture basiert somit nicht nur auf werbestrategischen Überlegungen, sondern auch auf der Liebe der Modemacher zu ihrem Job. Die Leidenschaftlichen unter ihnen sind froh, neben dem kommerziell Notwendigen, den schmucklosen Zweitlinien, den wenig richtungsweisenden Pre-Collections und Resort-Kollektionen zweimal im Jahr eine Arbeit präsentieren zu können, die ihren Überzeugungen und ihrer Begabung entspricht. Es geht um Selbstverwirklichung. Dass muss sich nicht zwingend rechnen, schließlich plagen die Couturiers privat keine finanziellen Sorgen. Wie auch Literatur und die bildende Kunst, stimuliert Haute Couture die Fantasie, und dient darüber hinaus den großen Textilproduzenten als Ideengrube für ihre 12 Kollektionen im Jahr.

verblasste Kunst? Photo: HYPE magazine
verblasste Kunst? Photo: HYPE magazine

Haute Couture ist europäisches Kulturgut und Mahnmal gegen Masse und Beliebigkeit zugleich. Über ihren Fortbestand entscheidet allein das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Medien und Fachpresse können allerdings einen wertvollen Beitrag zu ihrer Erhaltung beitragen, indem sie das Bewusstsein der Konsumenten für Wertarbeit schärfen, das Thema Couture für ihr Zielpublikum lustvoll, spannungsreich und zeitgemäß aufbereiten und fundiert von den Schauen berichten. Allzu oft wird der Begriff Couture nahezu inflationär benutzt und ziert zuweilen die Gesäßtaschen von in Drittlohnländern produzierten Billig-Jeans. Einfach übersetzt bedeutet Haute Couture nur die “Hohe Schneiderei”, doch gemeint ist damit Handwerkskunst, Originalität und Exklusivität. Es gibt Firmen, die schmücken sich wiederrechtlich mit dem in Frankreich geschützten Begriff und werden ihm dann leider doch nicht gerecht. Was Haute Couture auszeichnet definiert die Chambre Syndicale de la Couture Parisienne. Die Vereinigung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Interessen ihrer Mitglieder global zu vertreten und die Kunst der hohen Schneiderei nachhaltig zu fördern. Die Ansprüche das eigene Firmenlogo mit dem Haute Couture Zusatz versehen zu dürfen, sind hoch: Ein Atelier oder zumindest eine Firmenzweigstelle in Paris mit mindestens 20 Vollzeitbeschäftigten ist Pflicht. Desweiteren verlangt das Haute Couture Prädikat nach zwei Kollektionen pro Jahr und das bitteschön mit jeweils 50 unterschiedlichen Modellen.

Doch wer trägt heutzutage eigentlich noch Haute Couture? Die prominenteste Anhängerin dieses höchsten modischen Segments ist die britische Bier-Erbin Daphne Guinness. Auch Scheidungsmillionärin Ivana Trump zählt zu den “Happy Few”, die zu öffentlichen Anlässen gerne be-(rauschende) Tüllbombem von Elie Saab zur Schau trägt. Hierbei stellt sich  die Frage, ob das Kleid auch tatsächlich gekauft oder nur geliehen wurde. Wobei letzteres den Couturiers auf Dauer natürlich nicht weiterhilft. Die milliardenschweren Amerikanerinnen Suzanne Sapperstein und Iris Cantor, zählen bei den Couture Schauen zwar immer noch zum Inventar, sind aber einer aussterbende Spezies, leider! Viele der “neuen” Kundinnen kennt man nicht (mehr). Es sind reiche aber anonym lebende Frauen aus Russland und dem mittleren Osten. Das Klagelied über diese Klientel ist indes nicht zu überhören. Den Russinnen und Araberinnen eilt der Ruf voraus, die ultra-aufwendigen Gewänder eher als Statussymbol zu missbrauchen, statt sie als textiles Kunstwerk wertzuschätzen. Die Philosophie über Qualitäten, Haptik und Klöppeltechniken spielen in ihren (Kultur)-Kreisen eine untergeordnete Rolle. Nur teuer muss es aussehen!

Immer wieder taucht in der Diskussion um Haute Couture, die Frage auf, ob diese überhaupt noch zeitgemäß ist? Gegenfrage: Sollte Qualität nicht immer eine Existenzberechtigung haben, Schönes erhalten werden? Haute Couture erinnert uns daran, dass Mode mehr ist, als die langweilige Schwedensoße, die uns die ewig gleichen schwarzen Jersey T-Shirts, Skinny Jeans und graue Leggings als Lifestyle verkaufen will. Schrecklich, wenn in 30 Jahren junge Menschen bei der Frage, was ist Mode, zuerst an “Acne” oder “Filippa K” denken würden.


HERMÈS: SCHWINDEL UM DIE WARTELISTE DER BIRKIN BAG?

Posted: Mai 3rd, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE | Tags: , , , , | 1 Comment »

Taschenkult à la Hermès.

Taschenkult à la Hermès.

Die künstliche Verknappung von Luxusgütern durch limitierte Auflagen oder die zeitlich begrenzte Verfügbarkeit, ist ein beliebtes Marketingtool hipper Fashionlabel um den eigenen Marktwert kräftig anzuheizen. Ob Gucci, Louis Vuitton oder Comme des Garçons, sie alle lancieren regelmäßig Kleinserien, Sondermodelle, Special-Items und leben gut davon.

Auch das 1837 gegründete französische Lederwarenunternehmen Hermès, eigentlich auf distinguiertes Understatement ausgerichtet, scheint den Hype um seine Produkte künstlich anzufeuern. Zumindest wenn man aktuellen Berichten um die berühmt berüchtigte Warteliste für die legendäre Birkin-Bag Glauben schenken darf. So veröffentlichte das New Yorker Internetportal shefinds.com am 23.04. einen Artikel, in dem steht, dass die Kulttasche aktuell mühelos zu erlangen, weil gegenwärtig breit verfügbar, sei.

Autorin Aria Hughes bezieht sich auf Telefonate, die sie mit Verkäufern diverser Hermès Boutiquen in den USA geführt hat. Einige Filialen bestätigten ihr, sie hätten die Birkin auf Lager und man könne sie gleich abholen. Sieben Tage später, erfolgte auf shefinds.com ein schriftliches Update der Journalistin zum Sachverhalt, das die Warteliste als Mär entlarvt. Dieses Mal bezieht sich die Autorin auf einen Angehörigen des Hermès Imperiums im fernen Australien. Dieser behauptete, dass es nie eine Warteliste gegeben habe. Darüber hinaus befragte Hughes Michael Tonello, den Autor des Buches “Bringing Home The Birkin”. Dieser fahndet im Auftrag wohlhabender Taschenfetischisten weltweit nach  Birkin und Kelly Modellen. Im Interview mit shefinds.com weiß Tonello folgendes zu berichten:

“Me and my associates walked into Hermes stores all over the world, dropped a couple grand on non-Birkin items, then asked for a Birkin, and we always (99% of the time) got one. Hermes knew that they could sell Birkin bags all day long, but they also knew that they had like 40,000 SKUs in the store which they wanted to sell. So, if you bought something in the store, were a ;good client,’ then they offered to sell you a Birkin. People who were put on the waiting list were people who didn’t buy anything in the store, just people who wanted a Birkin and did their actual clothes shopping over at Chanel or Prada, etc.”

Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass Tonello die Existenz der Wartelisten nicht abstreitet, sondern aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen mit der Zuteilung der Tasche, lediglich deren Sinnhaftigkeit in Frage stellt.

In einem Interview zur Markteinführung seines Buchs mit der Wochenzeitschrift STERN im Jahr 2008 bestätigte Tonello sogar das Vorhandensein der Liste:

“Die Birkin Bag ist eine der beliebtesten Handtaschen der Welt. Und ziemlich teuer: In Europa kostet die billigste mehr als 5000 Euro. Die Birkin Bag ist also nur etwas für Reiche oder Stars. Diese Leute sind es gewohnt, alles zu kriegen, was sie sich wünschen – nur die Birkin Bag nicht. Wer in einen Laden geht, muss sich auf eine Warteliste setzen lassen und ist selbst dann nicht sicher, dass er sie kriegt. Insofern ist sie das ideale Produkt: Sie ist teuer und selten.”

Die Birkin für Alle und das sofort? Wir von HYPE wollten es genauer wissen, und gingen der Sache auf den Grund: Ein Anruf bei Hermès in der Münchner Maximilianstraße bringt schnell Ernüchterung und trübt die Euphorie passionierter Bag-Addicts. Eineinhalb Jahre Wartezeit sei ja wohl das Mindeste für eine Birkin. Selbstverständlich wird das Exemplar nach den eigenen Wünschen per Hand angefertigt. Bevorzugt würde niemand. Die Hermès Dependance Frankfurt ist da schon etwas entgegenkommender. In den Farbtönen chocolat und schwarz gehe die begehrte Birkin bereits nach 3 Monaten über den Ladentisch. Am strengsten gibt sich Hermès Berlin – unter 2 Jahren Wartezeit gehe gar nichts und exotische Bestellungen -mon dieu- wie etwa Kroko- oder Straußenleder, nehme man am Kurfürstendamm ohnehin nicht mehr entgegen.

Wartezeiten bis zu einem halben Jahrzehnt und darüber hinaus?

Angesichts der aufwendigen Fertigungsprozesse aller Hermès Produkte scheint dies durchaus plausibel. So gibt es Ledersorten, bei denen allein der Gerbvorgang  sechs Monate dauert. Herkömmliche Ledersorten auf dem Markt werden in 7 Tagen mit Mineralsalzen gegerbt. Die Gerbung des Hermès Barenialeder erfolgt  dagegen sechs Monate lang mittels Korkrinde. Dadurch behält es seine Natürlichkeit und Weichheit.

Bleibt die Frage ob Hermès tatsächlich Kunden bei der Versorgung mit den gefragten Birkin-Bags vorzieht, die zuvor an der Carré-Theke eine ordentliche Summe springen lassen. Wir haben mit einem Hermès Mitarbeiter gesprochen, der namentlich nicht genannt werden möchte. Dieser bestätigte uns, dass in Einzelfällen, vornehmlich in Ballungsräumen, sprich Touristenhochburgen wie New York oder Nizza immer wieder mal, die eine oder andere Birkin vorrätig sei. Dabei handle es sich jedoch um Stückzahlen im einstelligen Bereich und nicht wie die Berichterstattung in der Blogospähre vergangener Tage zu diesem Thema vermuten lässt, um proppevolle Lagerräume.

Wenn Kunden eine Birkin angeboten bekämen, dann nur, wenn die vorrätige Modell nicht auf der Store-spezifischen Warteliste als Bestellung notiert ist, oder es sich um eine nicht abgeholte Bestellung handelt. Wie eine Pressesprecherin von Hermès auf unsere Anfrage hin mitteilte, hat die Finanzkrise zu einem bedächtigeren Konsumverhalten geführt, auch bei Hermès Kunden.

Fazit: Ja, es gibt Wartelisten. Eine Inflation der Birkin Bag ist nicht zu erwarten. Die Birkin Bag, mit Preisen bis zu 25.000 Euro, bleibt das prestigeträchtigste und begehrteste Must-have aller Modeliebhaber.

www.hermes.com


JADES: Düsseldorf’s GLITZERSCHATULLE FEIERT 10-JÄHRIGES BESTEHEN

Posted: April 12th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , | No Comments »

JADES Jubiläums Magazin, Photo: HYPE magazine

JADES Jubiläums Magazin, Photo: HYPE magazine

JADES ist in etwa so prominent wie Lady Gaga, zumindest in Düsseldorf. In diesem Jahr feiert der Fashion Store von Evelyn Hammerström und Reinhard Haase sein 10 Jähriges Bestehen. Was das Modegeschäft mit der exzentrischen Performerin verbindet, ist die Liebe zur schrillen Selbstdarstellung.

Verantwortlich für den Ruhm der Glamour-Oase an der Heinrich-Heine-Alle sind vor allem die Schaufenster, die Visitenkarte des Einzelhandels. Kein anderes Geschäft in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt versteht es seine Waren so effektvoll zu inszenieren wie JADES und ihr 5 Jahre jüngerer Bruder “more JADES”. Dekorateur Domagoj Mrsic entwickelt aufwändige Stillleben, die von kaum einen Passanten,  ob modeaffin oder nicht, unbemerkt bleiben. Aus den großflächigen Auslagen blicken gelackte und top gestylte Puppen in teils ungewöhnlichen Posen auf ihre Betrachter und präsentieren internationale Designermode in einem außergewöhnlichen Kontext. So erzählen Mrsic’s malerische Arrangements Geschichten aus “fashion heaven” die definitiv zur längeren Betrachtung einladen.

Seit der Eröffnung im Jahr 2000 war JADES immer wieder Stadtgespräch. Zum einen wegen der spektakulären Schaufenster, zum anderen aufgrund der exorbitanten Preise für kalifornische Designer-Jeans, wegen seiner prominenten Kundschaft und natürlich auch wegen des hohen Glitzer-Anteils, sowohl bei den Klamotten als auch bei der Ladendekoration.

Apropos Glitzer; als JADES zu Beginn des neuen Jahrtausends seine Pforten öffnete, sprang Madonna gerade im Video zu ihrer, zum damaligen Zeitpunkt aktuellen Single “Music”, im Cowboy Look mit viel Strass über die Polster einer Stretch-Limousine und löste damit einen neuen Modetrend aus. Plötzlich waren Pailletten und Strass auch bei Tageslicht gefragt. Alle wollten diesen Look und JADES konnte ihn liefern. Mit amerikanischen Premium Denim von “Seven for all Mankind”, “The Great China Wal” und “True Religion”. Doch unter jedem Dach ein “Ach” und so gab es neben einer Menge Bewunderung  auch immer wieder Unkenrufe. Vom Luder-Lädchen war die Rede, wo Frauen des Boulevards zwar shoppen aber gewiss keine Damen der Feuilletons einkaufen gehen.

Nach wie vor funkelt es in den Regalen beider Ladenlokale, die Düsseldorferinnen mögen das! Doch JADES als die rheinländische Niederlassung von Swarovski abzuwatschen wird dem anspruchsvollen Sortiment nicht gerecht. Neben Bling-Bling findet Frau hier auch Mondänes in schwarz von Givenchy, Alaia oder Balmain. Die Auswahl an Kollektionsteilen, die Hammerström bei den Orderterminen für ihre Shops trifft, rockt auch im Falle der französischen Luxuslables immer ein wenig mehr als das Angebot  der Konkurrenz auf der “Kö, und das ist auch gut so. Denn die Verinnerlichung, das Mode nicht nur Status demonstrieren sondern eben auch Spaß machen soll, gehört zur Unternehmensphilosophie und macht JADES zu dem was es ist: DIE Shopping Attraktion der Stadt, und das seit 10 Jahren. HYPE sagt: Herzlichen Glückwunsch!

P.S. anlässlich des Firmenjubiläums hat JADES ein visuell ansprechendes Magazin herausgebracht, das die illustre Geschichte beider Stores noch einmal in Wort und Bild zusammenfasst. Erhältlich im Shop.

JADES, Heinrich Heine Allee 53, 40213 Düsseldorf, 0211/869 39 69

www.jades24.com


UNTER BESCHUSS: TERRY RICHARDSON – SEX AM SET?

Posted: März 20th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , | No Comments »

Terror Terry

Terror Terry

Ob ich Terry Richardson einen blasen würde, “nur” um mich hinterher auf den Seiten der französischen Vogue bewundern zu können? Ausgeschlossen! Erstens ist der Foto-Nerd nun wirklich nicht mein Typ und zweitens bin ich kein Model! Ganz im Gegensatz zu den jungen Dingern, die unter dieser Berufsbezeichnung ihre Haut zur Marke tragen und dabei, wie alle im Selbstdarstellungsgewerbe, abwägen müssen, wie weit sie für ihr Kariere gehen wollen.

Doch nicht immer liegt diese Entscheidung bei einem selbst, wie aktuelle US-Medienberichte über die sexuell-ambitionierte Arbeitsweise des Modefotografen Terry Richardson jetzt belegen. “Schwanzgesteuerte” Casting-Methoden eines Starfotografen? Für die internationale Modeelite ist dies wahrlich keine Offenbarung. Warum also nun die gesteigerte Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit?

Auslöser für die wachsende öffentliche Wahrnehmung, ist die Verbalattacke des dänischen Ex-Topmodels Rie Rasmussen. Noch immer verärgert über eine nicht eingewilligte Veröffentlichung eines Bildes in Richardsons Fotoband “Terryworld” aus dem Jahr 2004 und wohl auch nachhaltig beschämt über die leibhaftige Erfahrung mit dem Porn-Chic Guru, begegnet die mittlerweile 32-jährige Rasmussen am 8.März in der Pariser Edelbar “Le Montana” dem Sex Knipser.

Sie nutzt den Moment des persönlichen Zusammentreffens und sagt dem ihr verhassten “Egoshooter” ganz unverblümt die Meinung. Ausnahmsweise bekommt Onkel Terry von so viel weiblicher Aggressivität mal keinen Ständer. Das einzige was sich in dieser Minute bei ihm regt ist sein Zorn.

Fluchtartig verlässt er die Bar und ruft am darauffolgenden Tag Rasmussens Agentur “1 Management” in New York an, um sich über die Äußerungen der Entwürdigten zu beschweren. Ein Fehler? Vermutlich hätte die Presse von all dem nichts mitbekommen, doch dank eines geschäftstüchtigen Bookers am anderen Ende der Leitung, gerät die Geschichte schnell in Umlauf.

Den genauen Wortlaut ihrer Kritik an Richardson gibt Rasmussen vier Tage später auf Anfrage der New York Post noch einmal für das breite Publikum zum Besten: I told him what you do is completely degrading to women. I hope you know you only fuck girls because you have a camera, lots of fashion contacts and get your pictures in Vogue.

Rasmussen’s Mut einer Branchengröße wie Richardson die Stirn zu bieten zieht eine Welle der Bewunderung nach sich, aber auch viele weitere Anschuldigen anderer Models gegen den erfolgsverwöhnten Fotografen.

Das amerikanische Lifestyle Portal JEZEBEL forderte seine Leser auf, ihre Erfahrungen im Umgang mit Terry Richardson aufzuschreiben und einzureichen. Erste Zuschriften ließen nicht lange auf sich warten.

Die darin beschriebenen Details, wenn auch aufgrund der Anonymität des Internets nicht wirklich verifizierbar, gehen weit über das schmierige Klischee der Besetzungscouch hinaus. Die Rede ist von Gesichtsejakulation, Oralverkehr, und einen zum Teebeutel umfunktionierten, benutzten Tampon. Als Zutaten für einen Pornofilm nachvollziehbar, im Kontext eines Fashion Shootings indiskutabel. Es ist das Phänomen einer auf Oberflächen fixierten Branche, die sich nur auf den Look zu konzentrieren scheint und dabei generell zu wenige Fragen stellt. Alles geht, Hauptsache das Ergebnis sieht irgendwie “cool” aus.

Das Problem dabei sind vor allem die Mädchen. Mit 16, 17 oder 18 Jahren zieht das Versprechen auf Ruhm und kunstvolle Fotos für das Portfolio, das weiß vor allem der Mittvierziger Richardson. Glaubt man den jüngst erhobenen Vorwürfen, agiert dieser am Set entsprechend manipulativ und bringt somit junge Modelanwärterinnen in Situationen, die allein seiner Triebbefriedigung dienen. Nicht jede der Beteiligten hat das Selbstbewusstsein ein überzeugendes NEIN zu formulieren. Erst recht nicht wenn dieses Nein, das Ende einer Kariere bedeutet, die noch gar nicht richtig begonnen hat. Aber auch das weiß Terry Richardson.

Quellenangaben: The New York Observer, New York Post, New York Magazine, Jezebel, Der Spiegel


BROTHER SHARP: OBDACHLOSER WIRD DANK INTERNET ZUR STILIKONE

Posted: März 9th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , | 1 Comment »

brothersharp-03Eine skurrile Selbstdarstellung auf YouTube genügt und schon sind sie da, die von Warhol bereits in den 1960er Jahren prophezeiten 15 Minuten Ruhm für Jedermann. Dass Ruhm heutzutage längst nicht mehr mit Spaß und materiellem Wohlstand gleichzusetzen ist, zeigt ein aktuelles Beispiel aus den Tiefen des World Wide Web, dass einen Obdachlosen aus China gegenwärtig als neue Stilikone feiert.

Zahlreiche Modeblogs zeigen aktuell Fotos von einem Mann, der sein Dasein in den Straßen Ningbos fristet und dessen Identität niemand zu kennen scheint. Wozu auch? Webaffine Style-Addicts interessieren sich ohnehin mehr für die Kluft des Entwurzelten als für dessen Herkunft. Sein abgewetzter Lagenlook sorgt unter dem Begriff “Homeless Chic” aktuell für Begeisterung unter übersättigten Fashionistas. Beijings Tageszeitung hat dem Mann bereits einen Artikel auf ihrer Titelseite gewidmet und auch die renommierte Londoner Tageszeitung “The Independent” so wie die italienische “Repubblica” haben sich dem Thema angenommen.

Ob der Betroffene bezüglich seiner unfreiwilligen Internetprominenz glücklich ist und ihm der Status als Fashion Darling darüber hinweg tröstet in zugigen Einkaufshallen übernachten zu müssen? Wohl kaum! Denn der bekannte Unbekannte ist geistig krank, er stammelt mehr als das er spricht und scheint den Rummel um seinen Look keineswegs zu realisieren. Das chinesische Paparazzi und Reporter dennoch ungefragt ihrer Kameras auf ihn richten, wirkt angesichts der Hilflosigkeit des Mannes ein wenig befremdlich. Im Gegensatz zum wirklichen Celebritiy verfügt der Vagabund über keine Rückzugsmöglichkeit. Die auf YouTube und chinasmack.com veröffentlichten Videos wirken verstörend. Hetzjjagd auf chinesische Art?

“BrotherSharp”, wie der geschätzt 35-jährige, gemeinhin genannt wird, hat bereits eine eigene Facebook-Seite. Diese stammt natürlich nicht von ihm, sondern wurde von einem seiner Bewunderer eingerichtet. Hier wurde ihm eine Identität verordnet, die nicht authentisch ist. Mittels Statuszeile werden ihm Worte in den Mund gelegt, die nicht seine sind. Die Seite zählt annähernd 1000 Fans.

brothersharp-021Inspiration aufzunehmen wo man sie gerade findet, und das kann eben überall sein, ist die eine Sache, die Frage ist nur, wie gehe ich mit meiner Inspirationsquelle um, nachdem ich mich ihrer zu meinem Vorteil bedient habe? Besonders dann, wenn es sich dabei um benachteiligte, wehrlose Menschen handelt? Sollen diese sich etwa mit der alleinigen Thematisierung ihrer Situation zufrieden geben und froh sein, dass ihrem Schicksal überhaupt Aufmerksamkeit geschenkt wird? Es gibt Leute, die denken so! Menschen, die in verwüsteten Landstrichen ausschließlich eine reizvolle Kulisse für das nächste Fotoshooting sehen und selbst lebensbedrohlicher Armut noch eine sozialromantische Komponente abgewinnen können. Manche nennen das cool! Andere nennen das gewissenlos.

Sicht einer Bloggerin auf Brother Sharp: Modelqualitäten

Sicht einer Bloggerin auf Brother Sharp: Modelqualitäten

Im Internet kursieren Fotos die BrotherSharp in Frauenkleidern zeigen, was den Hype als Stilvorbild zwangsläufig schürt. Die traurige Geschichte hinter dem “Transenlook” besagt, der Mann trägt die Kleider seiner ermordeten Frau auf seinem Leib, um ihr möglichst nahe zu sein. Eine andere Version der Geschichte basiert auf Sehnsucht. Laut einer chinesischen Bloggerin, die BrotherSharp bereits im Jahr 2008 zum ersten Mal auf der Straße begegnete und ihn seitdem regelmäßig aufsucht, sehnt sich sein Herz nach einer Frau, die ihn liebt. So schlüpft der “arme Tropf” vor Sehnsucht manchmal selbst in die Rolle dieser fiktiven  ihn liebenden Frau, in gesammelten Kleidern aus dem Müll!

brothersharp-01Das einzige was einzelne(!) Stellvertreter der Modeszene und BrotherSharp miteinander verbindet, scheint der Realitätsverlust zu sein.

Quellen und Links:

The Independent
chinasmack.com
Facebook