Auch wenn der New Yorker Jungdesigner und Ausstatter von Präsidentengattin Michelle Obama, Jason Wu, Vielen als Favorit galt, so war es letztlich Mary Katrantzou, die am vergangenen Donnerstagabend den mit 100.000 Euro dotierten “Swiss Textiles Award” des Schweizer Textilverbandes mit nach Hause nehmen durfte. Zu Recht!
Schon mit ihrer ersten Kollektion, welche Katrantzou bei der London Fashion Week im Februar 2009 präsentierte, sorgte die Central Saint Martins Absolventin international für Aufsehen. Ihre fotorealistischen Drucke von Parfumflakons im XL-Format waren unübersehbar und vor allem einzigartig und neu. Damit ist ihr gelungen was heutzutage nur Wenigen gelingt: die Entwicklung einer eigenen Handschrift mit hohem Wiederkennungswert. Also dass, was Berliner Labels in aller Regel fehlt!
Der Trompe l’oeil-Effekt ihrer Stoffdrucke bildet bislang das Markenzeichen der studierten Textildesignerin und überzeugte nun auch in Zürich die Jury des prestigeträchtigen Modeförderpreises, bestehend aus kompetenten Vertretern der Fashionpresse. Mit ihrer Kollektion setzte sich Mary Katrantzou gegenüber gehypten Mitstreitern wie Juun J., Damir Doma, Duro Olowu und Adam Kimmel (gähn) durch. Glückwunsch!
(all images related to this article by courtesy of TVS Textilverband Schweiz)
Berlin bittet zur Fashionweek, New York kommt. Diesmal schickt der Big Apple einen ganz großen Fashion-Vertreter: Calvin Klein wird zum ersten Mal auf deutschem Terrain ein Multibrand-Event zeigen. Dafür hat sich das New Yorker Label prominente Unterstützung gesichert.
Hollywoodstar Diane Kruger, die das Gesicht des neuen Dufts Calvin Klein Beauty ist und Model Lara Stone, die in sämtlichen Herbstkampagnen zu sehen sein wird. Sie sind die Special Guests der Veranstaltung in der Münze, jenem historischen Gebäude, das bis 2005 eine der ältesten Prägeanstalten Deutschlands beherbergte. Das Bauwerk in Berlin-Mitte wurde für das Event in einen einzigartigen Fashiontempel verwandelt, in dem 50 Models aus aller Welt auftreten sollen.
Wer jetzt allerdings eine normale Runwayshow erwartet, der sei eines Besseren belehrt. In der Presseankündigung ist die Rede von einem besonderen Modeerlebnis rund um The World of Calvin Klein und einer beeindruckenden Installation des Star-Architekten Jürgen Mayer H. Demnach soll die Präsentation der Frühjahrs- und Ressort-Kollektionen 2011 eines der größten Events werden, das Calvin Klein jemals in Europa umgesetzt hat.
Wir sind gespannt und schielen am 7. Juli natürlich nach Berlin!
Glamour goes Wien. Sie gelten als Pioniere im Kampf gegen AIDS und als solche werden Diane von Fürstenberg, Kenneth Cole und Francisco Costa für Calvin Klein am 17.Juli erstmals eine gemeinsame Modenschau veranstalten.
Vor der beeindruckenden, historischen Kulisse des Wiener Rathauses soll das Gipfeltreffen der drei großen US-Modemacher stattfinden. Rund 40 000 Zuschauer werden sich um einen der größten Open-Air Laufstege der Welt versammeln, um neueste Kreationen der drei US-Labels in Augenschein zu nehmen. Alle drei Couturiers engagieren sich seit Jahren im Kampf gegen AIDS, haben bereits zahlreiche Freunde durch die Immunkrankheit verloren und wollen gemeinsam ein unüberhörbares Signal setzen: nämlich, „dass HIV jeden treffen kann – überall auf der Welt,” so Gery Keszler, Organisator des Life Ball. Kenneth Cole, der in seinen Entwürfen gerne politisch und ironisch wird und dessen Maxime „to be aware is more important than what you wear” ist, engagiert sich schon seit längerem als Chairman der Foundation for Aids Research und versucht seinen Erfolg in der Modebranche mit seiner humanitären Überzeugung zu verbinden.
Die drei New Yorker Designer werden aber nicht nur auf dem Wiener Laufsteg Präsenz zeigen, selbstverständlich werden Fürstenberg, Fransisco und Cole auch den anschließenden Life Ball besuchen. Ein Grund mehr, am 17.Juli nach Wien zu blicken. (Text: Martina Klose)
Celebrities auf den Titelblättern sind gewöhnlich eine ziemlich fade Angelegenheit, jedoch nicht wenn es sich bei den Portraitierten um Persönlichkeiten wie Superstar Madonna handelt. Wunderbar in Szene gesetzt vom Fotografenduo Mert Alas und Marcus Piggott, präsentiert sich Madonna in der aktuellen Mai Ausgabe des amerikanischen Interview Magazins als sinnliche Diva mit Walle-Mähne. Der sinnlich-coole Look, den ihr Stylist Karl Templer für dieses Shooting verpasst hat, rangiert irgendwo zwischen dem Cover ihres ersten Albums aus dem Jahre 1983 und der von Steven Meisel fotografisch dokumentierten Sex-Phase Anfang der 90er Jahre. Die zehn edlen schwarz-weiss Aufnahmen bilden die beste Fotostrecke mit der Popikone seit Jahren. Es ist übrigens Madonnas sechstes Interview Cover! Mein persönlicher Favorit bleibt jedoch das kontrastreiche schwarz-weiss Bild des verstorbenen Herb Ritts für die Juni Ausgabe aus dem Jahr 1990.
Das Beste kommt bekanntlich immer zum Schluss und so präsentierte gestern Abend Deutschlands fashion darling Michael Michalsky der Hauptstadt-Society und dem Rest der Welt via live Stream gegen 23 Uhr seine Kollektion für den Winter 2010 im Berliner Friedrichstadtpalast.
Ungefähr 15 Minuten lang entführte der Modemacher seine zahlreichen Gäste in eine „World of Cool”!
Attraktive Jungs und schöne Mädchen, allen voran Kathrin Thormann, stolzierten flotten Schrittes über ein strahlend weißes Laufstegkonstrukt und zeigten Mode in der richtigen Balance zwischen high-end und Tragbarkeit. Knappe Lederjäckchen, kurze Ballonkleider, Pagodenschultern, ein silbergrau glitzernder Overall, bodenlange, fließende Bustierroben und liebevolle Details, waren nur einige Highlights einer in sich schlüssigen Kollektion, die all jene Unkenrufer Lügen straft, die behaupten Michalsky sei nichts weiter als eine hippe Marketingstrategie.
Hier ein bisschen Grau da ein bisschen Schwarz und als Akzent ein hauchzartes Gelb, wo andernorts die Farblosigkeit trist anmutet wirkt sie bei Michalsky gar lebendig.
Nichts überlässt der Kreative dem Zufall. Das spürt auch das Publikum und dankt es ihm mit tosendem Applaus. Michalskys Gesamtkonzept aus Styling, Haarstyling und Make-up, Beleuchtung, Musik und Choreographie hat internationales Niveau.
Mühelos könnte sich der Designer unter die großen Namen der New York Fashion Week reihen; doch rettete er gestern Abend ersteinmal den unter der Woche ins Schlingern geratenen Ruf der Berliner Modewoche.
Denn ganz im Gegensatz zu einigen seiner modeschaffenden Kollegen, wiegt die stilistische Handschrift Michalskys erfreulicherweise stärker als die hohe Promidichte seiner Schauen. Urban, sexy, up-to-date! Michalsky eben!
Star zu sein setzt voraus auch einer sein zu wollen, sagte Tom Ford einmal.
Well, Michael Michalsky definitely has what it takes!
Endzeitstimmung in der Hauptstadt. Nur noch bis Morgen, läuft die 6. Auflage der Berlin Fashion Week, wo Mode offenbar zur Nebensache geworden ist. Den treffendsten Bericht zur aktuellen Lage des Modespektakels lieferte diese Woche Peter Bäldle für die Süddeutsche Zeitung. Darin resümiert der Autor, dass wir hierzulande doch mehr können als nur “Brot und Butter”. Können wir?
Von sich reden machte die “Berlin Fashion Week” dieser Tage weniger durch die Mode als vielmehr durch das Drumherum. So wurde z.B. dem Rausschmiss von “Loddars” noch Ehefrau Liliana Matthäus aus dem Zelt von Susanne Wiebe, von der Presse deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt als der Kollektion der Münchner Designerin. Auch dass “Top-Model” Babara Meir auf dem Laufsteg von Lena Hoschek aus ihren Pumps kippte und den Gang sodann barfuß fortsetzte, wurde von den Medien ausführlich kommentiert, im Gegensatz zu den Entwürfen Hoschecks.
Beim Label Joop! interessierte sich am Mittwoch Abend Niemand mehr für die Klamotte. Zu groß war die Aufregung unter den Gästen in der Neuen Nationalgalerie darüber, das Ex-Chefdesigner Dirk Schönberger am Ende der Show durch Abwesenheit glänzte und auf Ovationen des Publikums verzichtete.
Während sich die Boulevardpresse dankbar auf die zu den Modenschauen geladenen Celebrities stürzt, diagnostizieren Stern, Spiegel, Süddeutsche und FAZ der Berlin Fashion Week in dieser Saison einen kleinen Schwächeanfall, zu viel Party bei zu wenig Mode, so der Tenor!
Mailand hat Prada, Paris hat Dior und Berlin? Berlin schmückt sich zur Modewoche mit Jessica Schwarz und Jana Pallaske (beide Schauspielerinnen). Bedürfen Berliner Designer tatsächlich der Leistung Anderer um ihre eigene Arbeit dadurch aufzuwerten?
Dass der Hunger nach Ruhm, in Zeiten in denen Medienpräsenz eines der scheinbar wertvollsten Güter unserer Gesellschaft darstellt, junge Designer veranlasst gleich einen PR-Berater zu engagieren sobald sie mal einen Rock zusammengefrickelt haben, ist verständlich führt aber zur Verflachung dessen, was in Mailand und Paris von jeher auf hohem Niveau stattfindet, Mode!
Das Paradebeispiel für maximalen Ehrgeiz bei minimaler Erfahrung lieferten die frisch von der Kunsthochschule Berlin Weißensee kommenden Mädels Johanna Perret und Tutia Schaad. Die selbsternannten “Töchter Jil Sanders” zeigten eine noch unausgereifte Kollektion bestehend aus beige- und senffarbenen Sackkleidern, einfachen Röcken und weite Hosen, denen der Ruch von Schnitttechnik im ersten Semester mehr als deutlich anhaftete.
Irritierend dabei ist, dass trotz dieser offensichtlichen Mankos Modeexperten und Branchenkenner in Bezug auf Berlin weiterhin von Vielfalt, Aufbruchstimmung und Individualität faseln, und dabei nicht müde werden, das Unfertige, das Rauhe, das schlichtweg Hässliche als ästhetische Besonderheit zu verklären.
Die gleichen Phrasen wurden (von den selben Leuten) bereits 1996 gedroschen, als noch Baukräne rund um den Potsdamer Platz das Panorama prägten, und dabei Labels wie “Next GURU Now” ihren medialen Höhepunkt erlebten. Doch daran kann oder will sich heute Niemand mehr erinnern.
Wie bitteschön kann man als Fashionprofi angesichts beigefarbener Jersey Tops, grauer Leggings, und dem ewig gleichen Lagenlook ernsthaft in Verzückung geraten?
Nur Wolfgang Joop selbst, spricht mal wieder aus, was Viele denken aber nicht zu sagen wagen. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa sagte der Potsdamer: “In der Hauptstadt sind die Modenschauen immer mehr zu Medienveranstaltungen mutiert. Dazu gehörten viele B-Prominente, die sich gar nicht unbedingt für Mode interessieren” Weiter heißt es, “Da werden häufig ganz normale Produkte als Design verkauft. Ich sehe kein Label, das genügend Power hat und sich absetzt.”
Chapeau, Herr Joop!
Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin, zählen zu den wenigen Fotografen denen es gelingt Frauen auch splitterfasernackt würdevoll und überlegen aussehen zu lassen. Humor und Originalität sind Charakteristika ihrer Bilder. Als Duo, in beruflicher wie auch in privater Hinsicht, sind die gebürtigen Niederländer mit ihren Fotografien global erfolgreich. Superstars auf ihrem Gebiet. Kaum ein Modelabel für das die Beiden noch nicht auf den Auslöser gedrückt haben, kaum ein Modemagazin das ihre Arbeiten noch nicht gezeigt hat.
Statt Topmodels in Designerklamotten zu dirigieren setzte sich das kreative Paar für die aktuelle Spring/Summer Kampagne von Lanvin Homme mittels Selbstauslöser ausnahmsweise mal selbst in Szene.
Er angezogen, sie angemalt, treffen Beide in der Bildmitte diagonal aufeinander um einander zu verschlingen. So also küsst man einen Farbeimer!
Nun halte ich Bodypainting per se schon für eine banale Angelegenheit und in etwa so überflüssig wie Crocs. Im Kontext eines arrivierten Modehauses wie Lanvin, scheint mir diese Art der alternativen Körperverzierung, die so gern auf Heim- und Handwerksmessen vorgeführt wird und in provinziellen Großraumdiscos Bewunderung findet , jedoch völlig ungeeignet. Als Werbeplakat für Gunther van Hagens Körperwelten überzeugend, als Imagebild für Lanvin nicht nachvollziehbar. Denn wo bitteschön gibt es hier einen Bezug zu dem, was Luxusmode im Allgemeinen und Lanvin im Besonderen repräsentiert? Auch wenn das Bild eine Referenz an van Lamsweerdes frühere Fotsoerie “Me Kissing Vinoodh (Passionately)” ist, in der ihr Partner anschließend wegretuschiert wurde, so das der Eindruck entsteht, die Künstlerin küsse quasi das “Nichts,” so muss im Hinblick auf die Lanvin Kampagne die Frage erlaubt sein, was hier eigentlicht verkauft werden soll? Kunst, ein bestimmtes Image oder einfach nur Mode?
Zwar trägt Vinoodh auf dem Bild eine dunkle Jacke, aber wer schaut schon angesichts einer “roten Inez” auf dieses unspektakuläre Textil? Fairerweise muss erwähnt werden, dass dieses Bild das einzige aus der Kampagne ist, welches deart irritiert.Bei den weiteren Motiven handelt es sich um attraktive Fashionshots, die innerhalb der nächsten Monate in diversen Modezeitschriften zu sehen sein werden.
Als Anleitung wie man besten ein Gesicht lutscht, ergäbe auch das abgebildete Foto mit Sicherheit einen Sinn, doch irgendwie bezweifle ich stark, dass dies die Absicht der Beteiligten war.