LESESTOFF: “THE HOUSE OF VERSACE”

Posted: Februar 7th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION MEDIA | Tags: , , , | No Comments »

"House of Versace" by Deborah Ball

"House of Versace" by Deborah Ball

Biographien, die das Leben prominenter Zeitgenossen thematisieren sind eine Sache für sich. Ob nun autobiografisch oder fremd-verfasst und vom Protagonisten der Handlung autorisiert oder eben auch nicht; nie kann sich der Leser hundertprozentig sicher sein, was von dem Gedruckten nun Dichtung oder Wahrheit ist.

Der Wahrheitsgehalt einer Biographie lässt sich so nur im Kontext und anhand bestimmter Fragen ermitteln. Wer ist der Autor des Werks, wie wurde recherchiert, wer wurde wozu befragt? “House of Versace” erzählt die Geschichte des 1977 gegründeten Modehauses und liefert dabei detaillierte Informationen, die Außenstehenden bislang nur bruchstückhaft aus der Klatschpresse bekannt waren.

Authentizität verspricht die Tatsache, dass die Versace Sippe trotz pikanter Anekdoten, einer Veröffentlichung zustimmte und Autorin Deborah Ball bei ihren Recherchen sogar unterstützte. Die ehemalige Mailand Korrespondentin des New Yorker Wall Street Journal sprach mit Donatella und Santo Versace, befragte Freunde und Bekannte der Familie, traf einstige Mitarbeiter des Hauses sowie auch den ehemaligen Lebensgefährten Gianni Versaces, Antonio D’Amico. Das Resultat aus 220 Interviews und der Auswertung hunderter Zeitungsartikel umfasst 20 Kapitel auf 352 Seiten. Das Buch bringt Licht ins Dickicht aus Gerüchten und Mythen um das Modehaus und seiner illustren Inhaber.

Donatellas Drogensucht wird hier ebenso beleuchtet wie die Magersucht ihrer Tochter Allegra, die  sämtliche Interviewanfragen der Autorin konsequent ablehnte. Darüber hinaus erfährt der Leser von Giannis Appetit auf Strichjungen, von Donatellas Antipathie gegenüber Tom Ford und warum ausgerechnet Allegra als Elfjährige, nach der Ermordung ihres Onkels im Jahr 1997, 50 Prozent der Firmenanteile erbte. Deborah Balls Informationen aus erster Hand, ergeben zusammengestrickt das Portrait einer exzentrischen Modeclans, deren mondäner Lebensstil wie eine Seifenoper anmutet, was jedoch den Unterhaltungswert dieses Buches im Besonderen ausmacht.


ÄRGER IM HAUSE VERSACE

Posted: Juni 5th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , | No Comments »

Photo: HYPE magazine

Photo: HYPE magazine

Manager kommen und gehen. Der Rausschmiss eines solchen ist daher an sich keine Meldung wert. Doch im Falle von Giancarlo die Risio, seines Zeichen Vorstandsvorsitzender beim in jeder Hinsicht “overly-luxe” Label Versace, gewährt die Diskussion um seine Zukunft als strategischer Kopf des Unternehmens interessante Einblicke in das Konfliktmanagement eines Modeimperiums der ersten Liga.

Giancarlo di Risio, der 2004 seinen Dienst im, damals noch Verluste schreibenden, Hause Versace antrat und dieses noch vor der gesetzten Frist zur Rentabilität führte, muss nun aufgrund von Uneinigkeiten mit Kreativdirektorin Donatella Versace seinen Hut nehmen.

Unterschiedliche Auffassungen über die künftige, kreative Ausrichtung des Unternehmens sowie bei den Kosteinsparungen sind die Hauptgründe für den Zwist zwischen dem studierten Betriebswirt und der charismatischen Designerin. Doch auch die Infragestellung von Kompetenzen und einzelner Zuständigkeitsbereiche sorgt seit Wochen für Unmut hinter den neoklassizistischen Mauern der Via Manzoni, Versace´s Hauptquartier in Mailand.

Angesichts sinkender Gewinne des Unternehmens sind die Diskussionen berechtigt. Die Risio missfallen dabei zu einem Donatella´s Ausgaben, wie das $140,000 Tageshonorar Mario Testino´s für die die von ihm geschossenen Werbekampagnen des Unternehmens. Für Donatella ein Must, für di Risio schlicht Geldverschwendung. Zudem sprach sich der Manager trotz Rezession und entgegen Donatellas Überzeugung, gegen Preisreduzierungen aus. Seiner Aufgabe , einen ordentlichen Umsatz zu generieren, entsprechend, initiierte der CEO eigenmächtig die Wiederbelebung der Versus Kollektion für Spring Summer 2010 und vereinbarte hierzu einen Lizenzvertrag mit der italienischen Produktionsfirma Facchini und berief Christopher Kane, samt eines komplett neuen Teams, zum Chefdesigner der günstigeren Zweitlinie, die somit zunächst nicht unter der kreativen Leitung Donatella Versaces steht.

Da die Schwester des 1997 ermordeten Firmengründers Gianni Versace, von ihrer Tochter Allegra (22), die mit einem Unternehmensanteil von 50% Prozent Haupteigentümerin des Familienunternehmens ist, von jedweder Management Funktion ausgeschlossen und ihr stattdessen der Posten als Kreativdirektorin zugespielt wurde, ist die platinblonde Drama Queen, formal gesehen, machtlos.

Nun, formal gesehen! Aktuell steht Allegra hinter ihrer Mutter und der Entscheidung sich von di Risio zu trennen.

Allerdings, ist es di Risio zu verdanken, dass sich die Familie Versace unter seiner Führung im Jahr 2007 erstmals seit vier Jahren wieder eine Dividende zahlen konnte. Der ehemalige Fendi-Chef trieb auch den Verkauf der lukrativen Accessoires Sparte entschieden voran und hatte stets das richtige Gespür bei der Erschließung neuer Märkte wie Russland und Asien. Dennoch, der aktuelle Bruch mit Donatella Versace scheint unüberwindbar. Di Risios Entlassung ist noch nicht offiziell, doch erwarten Insider die Bekanntgabe seines Ausscheidens bei der heutigen Versammlung der Unternehmensspitze.