Jetzt singt er auch noch, mag manch einer denken und dabei die Augen verdrehen. Dabei geht Top-Model Baptiste Giabiconi bloß seinen eigenen Weg, und der führt ihn von der Modebranche ins Musikbusiness.
“Showtime” so der Name seiner Debut-Single wurde vor zwei Wochen in der französischen TV-Sendung “Le Bureau des Plaintes” in einem kurzen Einspieler dem Publikum vorgestellt. Den Studiogästen schien der Track, gemessen am Applaus und Jubel, zu gefallen. Hörbare Parallelen beim Refrain zu Ke$has “Tik Tok” mögen zufälliger Natur sein oder auch nicht, in jedem Falle hat der von Rapper 50 Cent abgemischte Song Hit-Potential. Karl Lagerfeld selbst habe laut eigener Aussage mit der Musikkariere des Beaus nichts zu tun, dies sei ganz allein Giabiconis Projekt, so Lagerfeld in einem Interview mit der Zeitschrift Gala.
Über das Verhältnis von Model Baptiste Giabiconi und seinem Entdecker Karl Lagerfeld wird viel spekuliert. Handelt es sich hier um eine Liebesbeziehung, eine Freundschaft, oder doch bloß um eine dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Model und Designer?
Der Meister schwärmt in Interviews zwar in höchsten Tönen von dem zwanzigjährigen Beau aus Marseilles und pusht dessen Kariere wie zuvor nur seine eigene, doch zur Frage welcher Natur die Verbindung zwischen den Beiden tatsächlich ist, bezog der Modemacher bislang keine Stellung. Eine wesentlich eindeutigere Sprache sprechen da schon die zahlreichen Fotos, die Lagerfeld in den vergangenen zwei Jahren quasi in Akkordarbeit von seinem Zögling geschossen hat. Sie zeigen Baptiste häufig nackt, mal in Stilettos, mal mit Faust im Mund – erotische Posen dirigiert von Kaiser Karl.
Eine Auswahl der besten Motive bietet der im Mai bei Steidl erscheinende Bildband “The Beauty of Violence”. Karl Lagerfeld “The Beauty of Violence”, Steidl Verlag, 96 Seiten, 34 Euro
Einmal mit vollen Händen bei CHANEL so richtig zugreifen und mitnehmen was Aug´und Herz begehrt ist sicherlich der Traum unzähliger Fashionistas “around the globe”. Wie das auch ohne dickes Bankkonto funktioniert, zeigt Chefdesigner Karl Lagerfeld in seinem selbst gedrehten Kurzfilm: Vol de Jour. (Diebstahl des Tages).
Darin zu sehen, Lagerfeld´s Muse und Model Baptiste Giabiconi mit weiblicher Komplizin auf Diebestour durch die Pariser Chanel Boutiquen. Ob Juwelen aus der Filiale am Place Vendôme, oder Couture aus dem Stammhaus in der Rue Cambon, nichts was das prestigeträchtige CC Logo ziert ist vor den flinken Händen des Gaunerpärchens sicher.
Kurzfilme waren 2009 bei zahlreichen Modehäusern das ultimative Medium um das eigene Sortiment zu bewerben. Dabei glänzten jedoch einige Produktionen mit einer eher hölzernen Dramaturgie. Zum Ende des Jahres zeigt nun Kreativgenie Karl Lagerfeld der Konkurrenz noch einmal wie es richtig geht und stellt mit seinem unterhaltsamen Videoclip unter Beweis, das CHANEL Erzeugnisse das Heißeste sind was die Mode zu bieten hat.
Nachahmung wird allerdings nicht empfohlen.
Jeder der schon einmal einen Blockbuster mit einem (Ex-)Supermodel in der Nebenrolle gesehen hat, weiß, die darstellerischen Fähigkeiten der meisten Models sind stark begrenzt. Sobald von den Mädchen etwas anderes gefordert wird als ihre Schönheit mit blasiertem Gesichtsausdruck zur Schau zu tragen und der Job eine Abweichung des gewöhnlichen Posings verlangt, wirken viele Models plötzlich auffällig ungelenk. So zuletzt auch die Top-Models, die sich bei der letzten Chanel Modenschau (ab Minute 2:09) mit Lagerfeld´s “Boy Toy” Baptiste Giabiconi “spontan” in einen Heuballen fielen ließen. Das Ganze wirkte so konstruiert und hölzern, und bewies abermals wie gefangen Models in ihrer Rolle als Repräsentantin der “Coolness” sind.
Ein wesentlich besseres Darstellungsvermögen zeigten hingegen die Beauties in Dolce&Gabbana´s Werbefilm “JALOU”. Auf ästhetisch ansprechende Weise wird in dem 90 Sekunden Clip, das von dem italienischen Designerduo gestylte Handymodell JALOU der Firma Sony Erickson beworben, welches nach einer Vorankündigung Ende August seit wenigen Tagen im Handel erhältlich ist. Warum die Damen, allesamt gekleidet in Dolce&Gabbana´s Fall/Winter Kolletion 2009, zum Schluß jedoch verhaftet werden, bleibt ein Geheimnis. Doch immerhin geben die Models auch bei den “Mug Shots” noch eine gute Figur ab.
Und wieder mal Baptiste Giabiconi. Das Model, dass Lagerfeld seit geraumer Zeit auf Schritt und Tritt folgt, ziert das Cover der Oktober Ausgabe des Wallpaper Magazins. Originell ist dabei das zweilagige peel-off Titelblatt. Die oberste Lage präsentiert Baptiste, in einem Anzug von Dior Homme. Zieht man an einer Ecke des Blattes, so erscheint darunter eine zweite Seite, die nackte Tatsachen offenbart und Baptiste Giabiconi zeigt, wie Lagerfeld ihn schuf.
Baptiste Giabiconi für Wallpaper / photo by: Lagerfeld
Endlich, die Herbst/Winter Ausgabe des Purple Magazins ist draußen und mit ihm die Bilder, die Karl Lagerfeld von seinem derzeitigen Lieblingsmodel Baptiste Giabiconi, in St.Tropez, Venedig und Paris geschossen hat. In der Strecke ist Lagerfelds 19-jähriger Zögling, primär nackt, in Damenklamotten und in High Heels zu sehen. Eine Darstellung, die im Bereich des High Fashion Editorial nichts Neues darstellt und renommierten Stylisten maximal noch ein müdes Lächeln entlockt. Doch wer glaubt, die Aufnahmen ließen die Welt kalt, der irrt.
Purple Magazine No. 12 Fall 2009 / photo: Karl Lagerfeld
Seitdem die Ablichtungen im Internet kursieren werden sie innerhalb der Blogosphäre höchst ambivalent besprochen. Diskussionsgegenstand ist nicht etwa die Freizügigkeit per se mit der Baptiste seine körperlichen Vorzüge offenbart, sondern vielmehr die eindeutig sexuell aufgeladene Bildsprache, die kaum eine anderweitige Interpretation zulässt, als das Lagerfeld sich an seinem Model offenbar auch sexuell berauscht und somit den Zuschauer ungefragt zum Voyeur seiner kaiserlichen Fantasien degradiert. Den einen stört das, den andern macht es geil. Es lebe die freie Meinungsäußerung!
Für zahlreiche Fashionistas liegt die Enttäuschung nicht in der Qualität der Bilder begründet, als vielmehr darin, was diese Bilder eigentlich über die Persönlichkeit ihres Fotografen aussagen. Lagerfeld, die unnahbare Kunstfigur, der in einem Bunte- Interview von sich mal behauptete völlig asexuell zu leben, erliegt der Schönheit eines unverbrauchten Jünglings, dem er sich durch den Sucher seiner Fotokamera nähert. Lagerfeld wird mit über 70 Jahren wissen, was man einem Knaben bieten muss um ihn zu halten. Status und Weltläufigkeit funktionieren zu Beginn eigentlich immer. Der aus einfachen Verhältnissen stammenden Baptiste mag noch zu jung sein um über das Geschehen um ihn herum kritisch reflektieren zu können und sonnt sich somit verständlicherweise in der für ihn ungewohnten und durchaus vorteilhaften Aufmerksamkeit. Es ist ein Geben und Nehmen, bei dem es vermutlich nie zum Vollzug kommen wird. Was bleibt ist die unerfüllte Sehnsucht des größten und populärsten Modeschöpfers des 21. Jahrhunderts, belegt durch Fotos, die den unerreichbaren Baptiste nackt, von hinten zeigen, wir er sich mit gekreuzten Beinen nach vorne gebeugt, auf einer Brüstung abstützt. Auf Stöckelschuhen!
Eine Hommage an Helmut Newton, wie Purple Herausgeber Olivier Zahm in seiner Einleitung zur Photostory betont. Doch auf aufmerksame Gemüter wirken die Bilder als wären sie weder für das Purple Magazine, noch für den Leser und schon gar nicht für die Modehersteller, deren Kleidung hier zu sehen ist, geschossen worden, sondern ausschließlich aus der persönlichen Motivation Lagerfelds heraus, sich am Körper seines Boy Toys und an dessen totaler Nacktheit, zu ergötzen. Nutzt da etwa jemand Fotoshootings und das Versprechen auf Ruhm als Mittel zum Zweck? Es ist dieses schmierige Klischee vom Fotografen und dem Model, das den Aufnahmen latent anhaftet und für negative Stimmung bei all denjenigen sorgt, die eine andere Professionalität des Modemachers gewohnt sind. Das Begehren, die unkontrollierte Lust auf den Anderen, jeder kennt dieses Gefühl, doch bei Karl Lagerfeld wollen das nur die Wenigsten sehen. Die Leute erwarten den perfekten Lagerfeld, die Kunstfigur, die er selbst von sich geschaffen hat und keinen Durschnittssenioren, der sich seiner menschlichen Schwäche und irdischen Gelüste hingibt. Das entspricht einfach nicht dem Image des stets hoch disziplinierten und kultivierten Modeschöpfers.
Die schwarz-weiss Strecke ist im Gespräch, somit wird diese Purple Ausgabe schneller vergriffen sein als alle vorherigen. Herzlichen Glückwunsch. Doch beim durchblättern der Seiten fühlt es sich an, als hätte man die größte Modeinstanz des Planeten, Karl Lagerfeld, bei der Selbstbefriedigung erwischt!
Lagerfeld hat sichtlich Spaß an seinen männlichen Modelentdeckungen.
Nach Brad Kroenig und Sebastian Jondeau, der dem Kaiser wahlweise als Assistent, Fahrer, Walker und Model jederzeit zur Verfügung steht, veranstaltet der vielbeschäftigte Modeschöpfer aktuell ein Shooting-Marathon mit seiner neuesten Muse Baptiste Giabiconi, 19 Jahre alt, der ihm seit gut einem Jahr auf Schritt und Tritt folgt. Für die Herbst 2009 Ausgabe des Purple Magazins fotografierte Lagerfeld das Nachwuchsmodel nun nackt in Stilettos. Love through the lense? Dorian Gray lässt grüßen!