Marc by Marc Jacobs Store Berlin, photo: HYPE MAGAZINE
Nun hat Marc Jacobs auch hierzulande Fuß gefasst und vor einigen Wochen in Berlin einen Store für seine Zweitlinie “Marc by Marc Jacobs” eröffnet.
Während einem beim Besuch einer der New Yorker Marc Jacobs Stores in Greenwich Village oder SoHo dieses hippe Downtown Feeling überkommt und kein Tourist den Laden in der Bleecker Street ohne ein billiges Plastik-Mitbringsel aus der “Special Items” Serie mit gut sichtbaren Firmen-Logo verlässt, entpuppt sich der Einkaufsbummel im deutschen Ableger als völlig emotionslose Angelegenheit. Weder die Inneneinrichtung des Shops, noch die Lage im Untergeschoss des Quartier 206 sind besonders originell - und auch besagte Mitbringsel sind hier leider nicht erhältlich. Mit der Berliner Präsenz wird das Unternehmen seinem coolen Image nicht gerecht. So wirkt die Berlinder Dependance leider, als wollte man der beachtlichen Standpunkt-Liste einfach eine weitere Stadt hinzufügen.
Marc by Marc Jacobs im Quartier 206
Friedrichstrasse 71
10117 Berlin
Gut möglich das Sam Frenzel (30), Gewinner des “Designer for Tomorrow Award 2009″ und seitdem Shooting-Star der deutschen Modeszene, bald von der Spree an die Isar ziehen wird.
Wie uns gestern von “Fashion-Lippe” zugezwitschert wurde, soll der sehr selbstbewusste aber eben auch sehr talentierte Modedesigner ein Angebot der traditionellen Handschuhmanufaktur ROECKL erhalten haben, um künftig als Chefdesigner das Sortiment des Unternehmens modisch up-to-date zu halten. “Man denke da so in Richtung Hermès”, tönt es aus dem Gewusel eines Münchner Schicki-Micki Empfanges. Wer hier 1 und 1 zusammenzählt, der schlussfolgert daraus, dass ROECKL demnächst mit einer vollständigen Pret-à-Porter Linie an den Markt gehen könnte. Was im Falle eines tatsächlichen Engagements Frenzels aus dessen eigenem Label wird, ist uns bislang nicht bekannt. Wir stellen klar, dass weder Geschäftsführerin Annette Roeckl noch Sam Frenzel jemals auch nur ein Wort in dieser Angelegenheit mit HYPE gewechselt haben. Sollte sich das Gerede dennoch bewahrheiten - und wir halten unsere langbeinige Quelle hier für sehr glaubwürdig- heißen wir Sam Frenzel in der bayerischen Landeshauptstadt natürlich herzlichst willkommen und sind gespannt auf die neue Ausrichtung von Roeckl. Schaun’ mer mal!
Was in den Medien stets kräftig gehypt wird und sich in TV-Beiträgen und Zeitungsberichten den Zuschauern und Lesern als „larger-than-life-happening” -sprich wahnsinnig wichtig- präsentiert entpuppt sich bei der Live-Visite vor Ort als eher ernüchternde Angelegenheit. Die Rede ist von der Berlin Fashion Week 2010, die sich mit dem heutigen Tag ihrem Ende neigt.
Fragt man Laien und auch Sachverständige worum es bei der Fashion Week eigentlich geht, antworten alle einvernehmlich mit dem Begriff Mode. Aber ist dies auch wirklich zutreffend?
Beim uneingeschränkten Blick auf das Geschehen, frei von jeglicher medialer Einflussnahme, ließ sich der noch vor zwei Saisons von Modekritikerin Suzy Menkes gepriesene Zauber der Berlin Fashion Week dieses Mal nur schwer erspüren. Die Hitze in den vergangenen Tagen schien einfach alles und jeden zu dominieren. Bei gefühlten 370 Grad Celsius, wirkte der völlig unbegrünte Bebelplatz zeitweise wie leergefegt. Einzig die üblichen mal mehr, mal weniger originellen Selbstdarsteller und die ihnen hinterher jagenden stets präsenten Bloggerinnen im typischen Berliner “nix-passt-wirklich-zusammen-Look” sorgten vor dem Zelt für ein wenig Unterhaltung. Aufgeregtes Gewusel und Aufmärsche glamouröser Fashionistas, die schnellen Schrittes zur Location stöckeln, wie man es bei den Schauen in Paris und in Mailand beobachten kann, bleiben in Berlin jedoch vorerst Wunschdenken.
Das Geschehen am Bebelplatz
Die von uns besuchten Schauen waren zwar allesamt bis auf den letzten Platz besetzt, doch fiel uns dabei auf, dass die gezeigten Kollektionen zumindest für die am Ende des Laufstegs positionierte Pressemeute eher zweitrangig schien. Ihnen ein Blitzlichtgewitter zu entlocken schafften nicht etwa Blazer, Hose, Rock und Co. als vielmehr die Promis in der ersten Reihe. Nun wissen wir zwar, dass Ochsenknecht Junior, Wilson Gonzales, eine Freundin hat, doch wie hieß gleich noch mal das Label dessen Show die die beiden Turteltauben da besuchten?
Berlin Fashion Week das ist vor allem eines; Sehen und Gesehen werden. Doch wer präsentiert sich hier wem und wie? Als konzentrierte Beobachter auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten eruieren wir ein Publikum, das bei genauerem Hinsehen oftmals so gar nicht den Zielgruppen der einladenden Modeunternehmen entspricht.
Eine mit offenem Mund, Kaugummi kauende berufsjugendliche Boutique-Inhaberin aus Altötting, die auf eine akustisch nicht verstanden Frage ihres Ed Hardy tragenden Teenie-Sohnes mit einem lauten „Häh” zur Wiederholung seiner Fragestellung auffordert, passt einfach nicht zur schöngeistigen Designphilosophie ihres Gastgebers. Eine Klientel, die sich mitunter auch in den ersten Reihen an beiden Seiten des Laufstegs wieder findet. Da ist es nur schwer vorstellbar das eines Tages Anna Wintour, Franca Sozzani oder Anna Dello Russo hier ihre Plätze einnehmen werden.
Der viel gewichtigere Grund für die Abstinenz der internationalen Modeelite dürfte jedoch sein, dass auf der Fashion Week noch immer zu viele Labels zu wenig Relevantes zeigen. Positive Ausnahmen bilden hier natürlich Marcel Ostertag, Patrick Mohr, Lena Hoschek und das Luxuslabel Rena Lange. Doch vier high-potentials reichen nicht aus um weltweit für Aufsehen zu sorgen und sind für Verlage mit “tight-budget” noch kein Grund ihre Star-Editrixen in die deutsche Hauptstadt zu entsenden. Bei einigen an der Berlin Fashion Week teilnehmenden Firmen wundert man sich ohnehin, warum sie ihre Sachen über den Laufsteg schicken? Die Antwort ist schnell gefunden: Weil sie es sich einfach leisten können!
Nachdem die „Redaktösen” wieder abgereist sind bleibt die Frage nach der Integrität der Berlin Fashion Week. Geht es um Mode, Status, Nachwuchsförderung oder schlicht um ein paar Tage Spaß und Party bei der die Modebranche vor allem eines feiert - sich selbst.
Custo Fashion Show und Fotografen bei der Arbeit
Quo vadis Berlin Fashion Week? Um als Ort für Modekompetenz an Bedeutung zu gewinnen bedarf es mehr als Berliner Anti-Chic, kurzlebiger medialer Zusammenschnitte visueller Highlights vom Catwalk und der bildhaften Dokumentation “berühmter” Zaungäste.
Wo sind nur die Christopher Kanes, die Gareth Pughs dieses Landes geblieben? Steht „Design made in Germany” wirklich nur für „Layering” in grau, schwarz und weiß, für Tragbarkeit? Was ist eigentlich aus den vielen Westwood Diplomanden der Berliner HDK geworden? Wo sind die Kreativen aus Hamburg, Frankfurt & Düsseldorf? Liebe Exzentriker wo haltet ihr euch versteckt, zeigt endlich her eure Kleider!
Berlin bittet zur Fashionweek, New York kommt. Diesmal schickt der Big Apple einen ganz großen Fashion-Vertreter: Calvin Klein wird zum ersten Mal auf deutschem Terrain ein Multibrand-Event zeigen. Dafür hat sich das New Yorker Label prominente Unterstützung gesichert.
Hollywoodstar Diane Kruger, die das Gesicht des neuen Dufts Calvin Klein Beauty ist und Model Lara Stone, die in sämtlichen Herbstkampagnen zu sehen sein wird. Sie sind die Special Guests der Veranstaltung in der Münze, jenem historischen Gebäude, das bis 2005 eine der ältesten Prägeanstalten Deutschlands beherbergte. Das Bauwerk in Berlin-Mitte wurde für das Event in einen einzigartigen Fashiontempel verwandelt, in dem 50 Models aus aller Welt auftreten sollen.
Wer jetzt allerdings eine normale Runwayshow erwartet, der sei eines Besseren belehrt. In der Presseankündigung ist die Rede von einem besonderen Modeerlebnis rund um The World of Calvin Klein und einer beeindruckenden Installation des Star-Architekten Jürgen Mayer H. Demnach soll die Präsentation der Frühjahrs- und Ressort-Kollektionen 2011 eines der größten Events werden, das Calvin Klein jemals in Europa umgesetzt hat.
Wir sind gespannt und schielen am 7. Juli natürlich nach Berlin!
Endzeitstimmung in der Hauptstadt. Nur noch bis Morgen, läuft die 6. Auflage der Berlin Fashion Week, wo Mode offenbar zur Nebensache geworden ist. Den treffendsten Bericht zur aktuellen Lage des Modespektakels lieferte diese Woche Peter Bäldle für die Süddeutsche Zeitung. Darin resümiert der Autor, dass wir hierzulande doch mehr können als nur “Brot und Butter”. Können wir?
Von sich reden machte die “Berlin Fashion Week” dieser Tage weniger durch die Mode als vielmehr durch das Drumherum. So wurde z.B. dem Rausschmiss von “Loddars” noch Ehefrau Liliana Matthäus aus dem Zelt von Susanne Wiebe, von der Presse deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt als der Kollektion der Münchner Designerin. Auch dass “Top-Model” Babara Meir auf dem Laufsteg von Lena Hoschek aus ihren Pumps kippte und den Gang sodann barfuß fortsetzte, wurde von den Medien ausführlich kommentiert, im Gegensatz zu den Entwürfen Hoschecks.
Beim Label Joop! interessierte sich am Mittwoch Abend Niemand mehr für die Klamotte. Zu groß war die Aufregung unter den Gästen in der Neuen Nationalgalerie darüber, das Ex-Chefdesigner Dirk Schönberger am Ende der Show durch Abwesenheit glänzte und auf Ovationen des Publikums verzichtete.
Während sich die Boulevardpresse dankbar auf die zu den Modenschauen geladenen Celebrities stürzt, diagnostizieren Stern, Spiegel, Süddeutsche und FAZ der Berlin Fashion Week in dieser Saison einen kleinen Schwächeanfall, zu viel Party bei zu wenig Mode, so der Tenor!
Mailand hat Prada, Paris hat Dior und Berlin? Berlin schmückt sich zur Modewoche mit Jessica Schwarz und Jana Pallaske (beide Schauspielerinnen). Bedürfen Berliner Designer tatsächlich der Leistung Anderer um ihre eigene Arbeit dadurch aufzuwerten?
Dass der Hunger nach Ruhm, in Zeiten in denen Medienpräsenz eines der scheinbar wertvollsten Güter unserer Gesellschaft darstellt, junge Designer veranlasst gleich einen PR-Berater zu engagieren sobald sie mal einen Rock zusammengefrickelt haben, ist verständlich führt aber zur Verflachung dessen, was in Mailand und Paris von jeher auf hohem Niveau stattfindet, Mode!
Das Paradebeispiel für maximalen Ehrgeiz bei minimaler Erfahrung lieferten die frisch von der Kunsthochschule Berlin Weißensee kommenden Mädels Johanna Perret und Tutia Schaad. Die selbsternannten “Töchter Jil Sanders” zeigten eine noch unausgereifte Kollektion bestehend aus beige- und senffarbenen Sackkleidern, einfachen Röcken und weite Hosen, denen der Ruch von Schnitttechnik im ersten Semester mehr als deutlich anhaftete.
Irritierend dabei ist, dass trotz dieser offensichtlichen Mankos Modeexperten und Branchenkenner in Bezug auf Berlin weiterhin von Vielfalt, Aufbruchstimmung und Individualität faseln, und dabei nicht müde werden, das Unfertige, das Rauhe, das schlichtweg Hässliche als ästhetische Besonderheit zu verklären.
Die gleichen Phrasen wurden (von den selben Leuten) bereits 1996 gedroschen, als noch Baukräne rund um den Potsdamer Platz das Panorama prägten, und dabei Labels wie “Next GURU Now” ihren medialen Höhepunkt erlebten. Doch daran kann oder will sich heute Niemand mehr erinnern.
Wie bitteschön kann man als Fashionprofi angesichts beigefarbener Jersey Tops, grauer Leggings, und dem ewig gleichen Lagenlook ernsthaft in Verzückung geraten?
Nur Wolfgang Joop selbst, spricht mal wieder aus, was Viele denken aber nicht zu sagen wagen. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa sagte der Potsdamer: “In der Hauptstadt sind die Modenschauen immer mehr zu Medienveranstaltungen mutiert. Dazu gehörten viele B-Prominente, die sich gar nicht unbedingt für Mode interessieren” Weiter heißt es, “Da werden häufig ganz normale Produkte als Design verkauft. Ich sehe kein Label, das genügend Power hat und sich absetzt.”
Chapeau, Herr Joop!
Nachdem die Modebranche allmählich aus ihren Winterschlaf erwacht, habe auch ich meinen Kopf wieder von offline auf online umgestellt.
Mit Neugierde, was sich in den vergangen 7 Tagen meiner Internetabstinenz an Relevantem im Modezirkus ereignet haben könnte, warf ich einen Blick in mein E-Mail Postfach. Dabei musste ich enttäuscht feststellen, das “tout le monde” oder besser gesagt “tout la mode” sich offenbar noch bis Ende der Woche im Feiertagsmodus befindet. Außer ein paar Weihnachtsgrüßen von PR-Agenturen, NICHTS drin!
Ungeachtet der Tatsache das Hermès gegenwärtig ein außergewöhnlich schönes Halstuch in seinem Sortiment führt, gab es in den vergangenen Tagen nichts “hypiges ” zu berichten. Marc Jacobs und Lorenzo Martone boten als turtelendes Pärchen auf der Karibikinsel St.Barth den größten Unterhaltungswert dieser Tage und stellten unter Beweis, dass die Birkin Bag auch bestens als Strandtasche taugt.
Ansonsten sind die Ereignisse zwischen den Jahren traditionell dünn, ebenso wie die Januar- Ausgaben der Modemagazine. Hat irgendjemand eine plausible Erklärung für den stets mageren Umfang der Modegazetten im ersten Kalendermonat? Doch bevor ich mich aus Unmut über die Informationsdürre in Zara´s Umkleidekabinen selbst fotgrafiere um blogtaugliches Material zu generieren blicke ich lieber mit Freude Richtung Mailand, wo am 16. Januar die Moda Uomo beginnt. Der Mailänder Schauenkalender belegt eindrucksvoll, dass hier Alles vertreten ist, was im Bereich Menswear Rang und Namen hat. Ich bin gespannt, welche Looks vor allen die kleineren Labels wie Frankie Morello oder Byblos für Winter 2010 propagieren werden.
Ab dem 20. Januar geht´s weiter nach Berlin. Zum sechsten Mal ruft Deutschlands Hauptstadt nun schon zur Fashion Week. Neben Hipstern wie Sascha Gaugel (Hausach Couture), Marcel Ostertag und Patrick Mohr zeigen auch etablierte Firmen wie Strenesse, Joop und Boss was der kommende Winter stilistisch bringt. Zum ersten Mal mit von der Partie, und nach vielen Jahren überhaupt erstmals wieder auf einem Laufsteg präsent, ist das Prê- à-Couture Label RENA LANGE aus München, für das Julian Neale als Kreativdirektor seit Sommer 2008 verantwortlich zeichnet.
Absolut auf der Höhe Zeit präsentiert sich das Modeunternehmen HUGO BOSS und ruft aktuell die hübschesten Jungs und Mädels rund um den Globus zum Modelcontest auf FACEBOOK auf.
Der in Metzingen ansässige Modekonzern sucht via Internet noch zwei Models, männlich und weiblich, für seine BOSS Black Modenschau im Rahmen der kommenden Berlin Fashion Week. Wer am 21. Januar für das renommierte Label über den Laufsteg schreiten darf entscheidet eine Jury aus verschiedenen Modeexperten. Darunter die fabelhafte Kerstin Schneider, Fashion Director der Zeitschrift ELLE und die Designer der Marke BOSS Black.
Unter allen Bewerbern werden zehn Finalisten ausgewählt, von denen zwei über ein User-Voting bestimmt werden. Die glücklichen Auserwählten werden zwei Tage vor der Show zum Casting nach Berlin fliegen und sich dort den kritischen Blicken der Juroren stellen.
Interessiert? Fotos können bis zum 10. Januar über die HUGO BOSS Fanseite hochgeladen werden.
Spannend: Der Verlauf des Wettbewerbs lässt sich über Facebook mitverfolgen.
Er kam, sah und siegte. Wo immer Wolfgang Joop auftaucht sind Fans, Schaulustige und Medien nicht weit. München, Briennerstraße, auf dem der Bürgersteig vor der Fotogalerie Lumas drängen sich Wartende, überwiegend in Schwarz und Grau gekleidete Menschen aller Altersgruppen. Mit Apperol Sprizz in der einen und Zigarette in der anderen Hand, warten sie auf Deutschlands erfolgreichsten Modemacher, der an diesem spätsommerlichen Freitag Abend, hier seine Modeillustrationen als Reproduktion in limitierter Auflage einem breitem Publikum vorstellt.
Dann ist es endlich soweit, Wolfgang Joop lässt sich im Taxi vorfahren. Flankiert von Assistent und Assistentin, die mit blondem Bob und dem Wunderkind Kleid, genauso gut eines seiner Models sein könnte. Es dauert nicht lange und Wolfgang Joop ist umzingelt. Blitzlichter flackern auf, die Spots der TV-Kameras lassen ihn trotz Dämmerung in hellem Licht erstrahlen. Geduldig steht er den Reportern Rede und Antwort und posiert bereitwillig mit seinen Bewunderern für deren Familienalbum. Und da München eben ein riesiges Dorf ist, trifft man auch stets unverhofft auf alte Bekannte. Überrascht von der Anwesenheit eines ehemaligen Topmodels fallen sich, die schöne Unbekannte und der Modemacher in die Arme. Auch Patrica Riekel, berühmteste Chefredakteurin des Landes und als solche längst selbst eine VIP, ist ebenfalls erschienen um ihren Freund Wolfgang Joop zu begrüßen. Die Zwei wirken sichtlich miteinander vertraut. Unbeeindruckt von den riesigen auf sie gerichteten Fotoobjektiven um sie herum, gehört dieser Moment nur ihnen Beiden. Bussi links, Bussi rechts und weg ist sie wieder, die Queen of Burda.
Es dauert eine Weile bis der Stilguru sich seinen Weg durch die Menge, hinein in den Ausstellungsraum gebahnt hat. Dann endlich kann Dr. Jan Seewald, Pressesprecher von Lumas mit seiner Rede beginnen. Die stickige Luft im übervollen Raum ist vergessen. Alle haben nur noch Augen für ihn, den Dandy aus Potsdam. Viele der Gäste sind ausschließlich wegen Joop hier, nicht wegen seiner Zeichnungen. Im Laufe des Abends sprechen mich zwei ältere Damen an, um mit mit über Kunst zu philosophieren, und mich nach einer Einschätzung bezüglich der von Joop verwendeten Zeichenmaterialen zu fragen. Nun es handelt sich um Reproduktionen. Licht und digitale Pixelmultiplikation möchte ich antworten. Doch natürlich meinen die Damen das Original. “Mischtechnik” antworte ich, “Kohle und Kreide bei Haute Noir, Tempera und Buntstift bei Summer Dress”. Sicher bin ich mir nicht. Mein Lieblingsbild ist “Nadja,” weil es aus einer Zeit stammt, in der ich als Jugendlicher meine Leidenschaft für Mode entdeckt habe und stets an den Lippen Wolfgang Joops hing, wo immer er im TV ein Interview gab. Doch das interessiert hier Niemanden. Auch die Damen möchten mit mir viel lieber über das Original in Persona sprechen. Wolfgang Joop selbst. In welchem Hotel er denn wohne, möchte einer der Beiden wissen. Ich müsste das doch wissen, schließlich sei ich ja von der Presse. Oh je, wie komme ich aus dieser Nummer bloß wieder raus?
Mein Blick wandert zu Wolfgang Joop, meinem Jugendidol, der gerade wieder mal sein Gegenüber unterhält. Ich war noch sehr jung als ich ihn 1995 bei Wetten dass zugeschaut habe wie er Madonna für einen wohltätigen Zweck skizzierte, und wusste dabei nicht wer ich lieber sein wollte, Joop oder der Superstar in schwarzer Lackkorsage. Vierzehn Jahre später treffe ich Deutschlands Medienliebling zum ersten Mal persönlich und stelle fest, dass er tatsächlich so nett ist, wie es ihm nachgesagt wird.
Die Absicht in jedem Falle etwas Kritisches zu schreiben, weil das nun einmal der Anspruch dieses Blogs ist und joviale Produktbeschreibungen schon zu genüge publiziert werden, muss der Erkenntnis weichen, dass es an Wolfgang Joop einfach nichts auszusetzen gibt! Charmant, kommunikativ, gebildet und alles andere als ein Snob. “Willst Du mich heiraten?,” denke ich. Stattdessen frage ich ihn nach der Zeichnung, die er von Madonna gefertigt hat und freue mich wirklich über ihren aktuellen Verbleib informiert zu werden. Ich hatte ein paar Fragen vorbereitet, doch ich möchte keinesfalls die Geduld des Meisters überstrapazieren, indem ich diese umständlich von meinen verknitterten Zetteln ablese, drum improvisiere ich im Folgenden. Wolfgang Joop macht es einem leicht, an jede seiner Antworten lässt sich prima anknüpfen. Er hat immer etwas zu sagen, und so hätte ich ihn noch stundenlang befragen können.
Gerne hätte ich in Erfahrung gebracht, was er gefühlt hat, nachdem er 2001 auch noch seine letzten Firmenanteile an die Wünsche AG verkauft hat und fortan faktisch nichts mehr dem Unternehmen, welches seinen Namen trägt, zu tun hatte. Es hätte mich interessiert was eigentlich aus seiner Beziehung zu seinem russischem Freund geworden ist, den er in New York kennengelernt hat, wie er einst der Bunte erzählte, von dem aber nie ein Foto gedruckt wurde. Zudem wollte ich wissen, von welchem Label seine coole Hose mit den aufgemalten Motiven stammt, die er an diesem Abend trägt. Ich weiß, dass ich mich mit derlei Fragen längst nicht mehr im Rahmen dessen bewege, was der Grund für meine Anwesenheit ist. Das grafische Werk des Designers. Doch Wolfgang Joop hat in seinem Leben mehr geleistet als nur ein paar nette Skizzen von Frauen in Sommerkleidern.
copyright: Wolfgang Joop, www.lumas.de
Neben Jil Sander und Karl Lagerfeld ist Wolfgang Joop der einzige deutsche Modemacher von Weltformat. Der Vollblut-Kreative scheint die Aufmerksamkeit zu genießen. Er flirtet mit dem Publikum, man möchte sagen er hält Hof, doch das trifft es nicht, denn dazu ist der Sympathikus einfach zu nahbar. Seine unprätentiöse Art kommt an. “Meine Kleider kann sich keiner leisten, das hier schon”, scherzt er. Das Bürgertum lacht, nicht über ihn sondern mit ihm.
Was für ein Menschenfänger. Von der Bevölkerung verehrt, wird er von Kollegen, wie dem Modedesigner Konrad Huber, der jahrelang mit ihm in Hamburg zusammenarbeitete und heute das Design der Damenlinie im Hause Bogner verantwortet, hoch geschätzt. Die Herzen seiner Mitmenschen fliegen ihm im Nu zu. Das war schon zu Zeiten, in denen sein Name noch ein Ausrufezeichen zierte der Fall, wie auch im Hier und Jetzt, wo er sich als Kopf von Wunderkind,vom Ruf Markenmachers befreit und als ernstzunehmender Modemacher international etabliert hat. Zweimal Weltkariere in einem Leben.
Stillstand des Flüchtigen lautet der Titel eines Buches, dass die Modeskizzen des studierten Kunsterziehers bündelt. So treffend der Titel für die Gattung der Modegrafik ist, so sehr gilt das Gegenteil für die Person Wolfgang Joop. Flucht vor dem Stillstand müsste es korrekterweise heißen. In einem Alter in dem Andere sich mental auf die Auszahlung ihrer Rente freuen, baut er Wunderkind zur globalen Marke aus. Jüngst führte er unter Wunderkind auch eine Kollektion für Herren ein, die von der Fachpresse mit Lob überschüttet wurde. Er hat Interesse an einer Übernahme des insolventen Wäscheherstellers Schiesser bekundet und Gerüchten zufolge soll ihm auch der Erhalt der Firma Escada am Herzen liegen.
Der Modeschöpfer verabschiedet sich, bettet sich zur Ruhe im Bayerischen Hof, was ich der neugierigen Dame nicht verraten habe. Wolfgang Joop ist weg, was bleibt sind die Reproduktionen seiner wunderbaren Zeichnungen. Ich blicke noch einmal auf das Portrait von Nadja, meinem Lieblingsbild und vermisse dabei seinen Zeichner, das Original!
-von Sven Barthel-
Das Ende des diesjährigen Sommers ist absehbar, lässt sich aber zumindest innerhalb der eigenen vier Wände noch hinauszögern. Dank “Lake”, der fantastischen Bettwäschegarnitur des Berliner “Model-Konzept-Labels” BLESS, kann man nun auch ganzjährig in Sommerfantasien schwelgen. Erhältlich ab Mitte September im
„Dutzende von Modemarken werden von der einen schmutzigen Hand in die andere geschoben. Und alle verlieren dabei immer mehr Glaubwürdigkeit”, diese erfrischend, ehrlichen Worte zur Lage der deutschen Modebranche stammen von Modeschöpfer Wolfgang Joop.
Das streitbare Kreativgenie, mit den griffigen Statements, hat sich rar gemacht in der hiesigen Medienlandschaft. Statt sich selbst dauerhaft in Szene zu setzen, konzentriert sich der gebürtige Potsdamer seit der Gründung von Wunderkind, lieber ganz auf seine Arbeit. Diese kommt, wie seine lebendigen Mode-Zeichnungen, ganz ohne Worte aus.
Wer Wolfgang Joop einmal live hat zeichnen sehen, der ist beeindruckt von der Mühelosigkeit seiner treffsicheren Handschrift. Im Jahr 1995 portraitierte Wolfgang Joop vor Millionen von Fernsehzuschauern in der Sendung Wetten dass, Superstar Madonna. Das schnell skizzierte Abbild der Diva wurde im Anschluss für einen guten Zweck versteigert. Zwei Ikonen der Popkultur, Madonna und Wolfgang Joop vereint auf einem Bogen Papier, von beiden persönlich unterzeichnet. Käufer war letztlich Wolfgang Joop selbst. Mit flinken Strichen schafft der Designer lebendige Figurinen, die wirken wie der Meister selbst: nonchalant, selbstbewusst, entspannt und sich selbst genügend.
Wer sich mit derlei positiven Eigenschaften und der Aura Joops in den eigenen vier Wänden umgeben möchte, kann sich diesen Wunsch nun dank der Foto-Galerie Lumas erfüllen. Lumas bietet erstklassige Arbeiten namhafter Fotografen, aber auch Künstler anderer Genres, als limitierte Fotabzüge, für einen erschwinglichen Preis zum Kauf an. Auch Wolfgang Joop hat sich bereit erklärt, eine Auswahl seiner Zeichnungen, einem größeren Kreis an kunst- und modeaffinen Menschen über Lumas verfügbar zu machen. In Berlin und München sind die Arbeiten ab September in einer Ausstellung zu bewundern. Die Hauptstadt punktet dabei mit einer Vernissage in Anwesenheit des Künstlers!
Vernissage in Berlin mit Wolfgang Joop: 10. September 2009, 19-21 Uhr
Ausstellung:
Wolfgang Joop at LUMAS Berlin ab 11.September 2009, Rosenthaler Str. 104, 10178 Berlin (Hakesche Höfe)
Wolfgang Joop at LUMAS München: ab 18. September 2009 , Brienner Straße 3, 80333 München
Das dürfte den Berlinern aufstoßen: nach einer langen Etablierungsphase und erstmals einstimmig guten Kritiken für die vergangene Berlin Fashion Week begibt sich nun auch München in das Rennen um den Titel “Deutschlands Modehauptstadt”,und plant für Februar 2010 eine eigene Modewoche unter dem Namen FASHION WEEK MUNICH!
Wer nun glaubt, dass die beiden Veranstaltungen doch friedlich nebeneinander bestehen können, der irrt gewaltig. Wohl kaum ein Modehaus wird sich zwei Modenschauen, plus Kosten für Werbe und PR- Maßnahmen, leisten wollen bzw. können. Auch Pressevertreter werden, aus wirtschaftlichen wie auch aus zeitlichen Gründen, nicht von A nach B reisen um zweimal in Folge deutsche Mode aus ein- und derselben Saison zu begutachten.
Dennoch, die Ankündigung ist ein herber Schlag für Berlin. Haben deutsche Modeschaffende der Berlin Fashion Week in ihren Anfängen nur wenig Chancen auf ein Überleben eingeräumt, und der Hauptstadt jeglichen Chic abgesprochen, hat sich die Modewoche mittlerweile zum glamourösesten Mode-Event der Bundesrepublik entwickelt, wie man Anfang Juli dieses Jahres sehen konnte.
Dort in Berlin, lud das Münchner Modehaus Escada, trotz finanzieller Probleme, Promis und Fashionistas zur großen Retrospektive ins Bode-Museum. Hier, mitten im tristen Osten des Landes, beehrte Herald Tribune Kolumnistin und Modekritikerin Suzy Menkes die hiesige Modebranche und versprühte einen Hauch von Internationalität. Berlin hats sich seinen Erfolg als Modehochburg hart und professionell erarbeitet. Geschenkt hat man den Organisatoren der Berlin Fashion Week nichts.
Die Chancen für München sich gegen Berlin durchzusetzen, lassen sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht seriös einschätzen. Fakt ist, es wird nicht leicht! Berlin gilt als hip, vor allem im Ausland. Viele Kreative sehen in der Stadt das New York von Deutschland. Zudem hat Berlin mit Mercedes Benz einen prestigeträchtigen und finanzkräftigen Kooperationspartner und dank IMG einen hochprofessionellen und erfahrenen Veranstalter. Mit Tracht und Maßkrug lässt sich da nicht konkurrieren.
Andererseits, München hat Geld, viel Geld, und damit lässt sich bekanntermaßen so Einiges beschleunigen. Zudem sitzen zahlreiche bedeutende Modemarken in Süddeutschland, wie Hugo Boss und Strenesse, viele von ihnen sogar direkt in München; darunter Aigner, Bogner, Escada und Rena Lange. Darüber hinaus gibt es in München diverse Society-Schneider mit besten Promikontakten. Dazu zählen Gabriele Blachnik, Talbot Runhof, Sonja Kiefer, Susanne Wiebe und der junge Daniel Fendler (siehe HYPE Interview vom 15.07.)
Nur an Vertretern der Avantgarde mangelt es der bayrischen Landeshauptstadt. Hier kann München gegenwärtig nur auf Shooting Star Patrick Mohr zurückgreifen.
Dass zu alldem auch noch die kommerzielle Modepresse fast vollständig in München vertreten ist, mag manch einen Berliner jetzt den Schweiß auf die Stirn treiben, doch sollten sich die Münchner diesbezüglich nicht zu früh freuen. Allein die lokale Nähe zu den Medien garantiert noch keine gute Berichterstattung. Es ist ja kein Geheimnis, dass deutsche Designer zunächst im Ausland gefeiert werden müssen, bevor ihnen die deutsche Vogue überhaupt ein Minimum an Anerkennung zollt.
Einfach ausgedrückt: viele Redakteure missachten erst einmal grundsätzlich alles was direkt vor der eigenen Haustüre stattfindet.
Hinter der Munich Fashion Week steckt die Agentur “Style of Life Entertainment” von Walter Klein und Bahtijar Zekirija, zwei wahre Größen des Münchner Nachtlebens mit einem weiten Netzwerk an Medienkontakten. In Kooperation mit der Modelagentur “Together”, wollen die Zwei nun Münchens Ruf als Modestadt wiederbeleben. Bleibt nur zu hoffen, dass die Beiden wissen, dass ein “Miss Wet-T-Shirt” Wettbewerb nicht wirklich was mit Mode zu tun hat. Anfängerfehler sind verzeihlich, fehlendes Niveau hingegen nicht! Schaun mer mal!
Die Bilder des Künstlerpaares Pierre et Gilles kennt eigentlich Jeder. Ihre farbig übermalten Fotos, zeigen Prominente wie Madonna, Nina Hagen oder Paloma Picasso vor opulent-verspielten Hintergründen, oder auch deftige pornografische Szenen, bei denen der Austausch von Körperflüssigkeiten nicht unsichtbar bleibt.
Homosexualität ist ein immer wiederkehrendes, zentrales Thema in den Arbeiten der beiden Kreativen. Doch Fotograf Pierre Commoy und Werbegrafiker Gilles Blanchard sind zu intelligent um sich auf die bloße Erstellung von Wichsvorlagen für Schwule zu beschränken. Die Provokation ihrer Arbeiten liegt im Bruch mit gesellschaftlichen Konventionen. Religion und Sex sind für das Duo kein Widerspruch, im Gegenteil, die Akteure ihrer nachgestellten biblischen Szenen, sind nicht selten Pornodarsteller oder sichtbar schwule Jungs.
Mit ihrer Dauerreflektion über Popkultur, ihrer permanenten Gesellschaftskritik und der gleichzeitig selbstbewusst zur Schau getragenen Homosexualität, trafen Pierre und Gilles den damaligen Nerv der Zeit, was ihnen unzählige Aufträge zur Gestaltung diverser Magazin und Plattencover und somit auch Geld und Ruhm einbrachte. Pierre & Gilles gelang, was nur wenigen Künstlern gelingt: die Entwicklung einer eigenen Bildsprache mit hohem Wiedererkennungswert. Ihre Arbeiten sind unverwechselbar! Ab Mitte der 1990er Jahre wurde es ruhiger um die Zwei.
In dieser Dekade des Minimalismus, der political-correctness, des Unisex, des Synthetischen , war kein Platz für den Hedonismus der 80er Jahre. Heute, in Zeiten, in denen peinliche Selbstdarsteller Intimitäten und Abgründe freizügigst im Fernseh-Mittagsprogramm ausplaudern oder ihre Geschlechtsteile und sexuellen Präferenzen im Internet preisgeben, wirken die Bilder von Pierre & Gilles längst nicht mehr schockierend. Schön anzusehen sind sie immer noch, und darüber hinaus ein wertvolles Dokument einer längst vergangenen Ära, in dem Sexualität noch etwas lustvoll Verwegenes an sich hatte.
Im Berliner C/O ist vom 25. Juli bis zum 20. September 2009 eine große Retrospektive mit 80 großformatigen Arbeiten zu sehen. Dies ist die erste große Ausstellung außerhalb Frankreichs nach 15 Jahren Abstinenz in Deutschland. Die Ausstellung wird hierzulande nur in Berlin zu sehen sein.
PIERRE et GILLES RETROSPEKTIVE
C/O Berlin im Postfuhramt
Oranienburger Straße / Ecke Tucholskystraße
10117 Berlin
Vernissage: Freitag, 24. Juli, ab 19 Uhr
Streetstyle Blogs sind eine feine Sache. Mit Fotokamera und Mac Book bewaffnet streifen die Macher durch die Metroplen dieser Welt, um uns auf tagesaktueller Basis die besten Looks von der Straße zu präsentieren. Die zur Begutachtung ins Netz gestellten Aufnahmen auf Facehunter, Styleclicker und Stil-in-Berlin geben allen Modeinteressierten wie auch Designern ein weitaus realisterisches Bild von dem, was tatäschlich auf der Straße getragen wird als der Blick in die Fachzeitschrift.
Auffallend hierbei ist, dass die Abgelichteten in ihrem Bemühen um Individualität jedoch fast alle gleich aussehen, und zwar weltweit. War der exzessive Stilmix vor zehn Jahren noch progressiv und verlangte von seinen Trägern eine gehörige Portion Tragemut, so ist der “Hauptsache-nix-passt-zusammen-Look” längst zum Mainstream verkommen.
Der Trash-Appeal: Nerd Brille, Muster Misch-Masch, Leggins, Taillengürtel, Vintage Lederjacke und Designer Tasche ist mittleweile bei jeder Modestudentin - in München wie in Manchester- Programm. Mit Individualität hat das nicht mehr viel zu tun. Den Mix von Stilen, die eigentlich nicht miteinander harmonieren, bisweilen sogar völlig konträr sind, haben wir größtenteils Patricia Field zu verdanken, die es verstand Retro-Teile mit Designerstücken zu kombinieren und den Look über ” Sex and the City” global etablierte. Was in der Serie zweifellos grandios und glamourös ausschaute, gipfelte vielerorts und speziell in Berlin in eine Ästhetik des “Abgerotzten”.
Die deutsche Modeszene schaut auf die Haupstadt und ihre Protagonisten, die selbst keinen Schimmer haben, warum man gerade sie ständig als hip (v)erklärt. Sie tragen doch nur die Kapuzenjacke mit dem Druck, der an die schäbigen Bezüge billiger Versandhaussofas erinnert. Hielt man die Didgeridoo spielende, rothaarige Kreuzberger Alternative eben noch für peinlich, gilt sie Dank ihrer Kombination aus verwaschenen Benetton-Leggings, eines ungebügeltenVintage Shirts und L.A. Gear Schuhen, plötzlich als “contemporary cool”. Besiegelt durch das digitale Abbild im fashion blog! Ohne ihr eigenes Zutun werden, dank der bloggenden Stylescouts, aus Normalos plötzlich fashion-people.
Zwar wäre jede Wilmersdorfer Witwe im Chanel Kostüm wesentlich ablichtungswürdiger, doch die sind so selten, dass man sie einfach nicht vor die Linse bekommt. Stilmix ist wunderbar, doch gerade weil diese Art sich zu kleiden so vielfältige Möglichkeiten bietet seine Persönlichkeit auszudrücken, verwundert das homogene Ergebnis. Vermutlich sind wir alle längst nicht so individuell wie wir gerne glauben! Daher gehen wir auf Nummer sicher und bedienen uns alle aus dem selben Topf, orientieren uns an der Masse. Tröstlich zumindest, das dies kein ausschließlich deutsches Phänomen ist. Doch besonders im Falle Berlins, möchte man den Bewohnern am liebsten laut entgenschreien: “geht das nicht wenigstens ein bisschen eleganter?”