Carine Roitfeld Video-Installation im Schaufenster von Barneys
Carine Roitfeld in einem Film von Mario Sorrenti
Es gibt Menschen, deren ganzes Selbstbewusstsein allein auf ihrer beruflichen Position und dem Unternehmen, für das sie arbeiten basiert. Menschen, die ohne ihren Job nichts darstellen, die gänzlich uninteressant werden, sobald ihre Visitenkarte an Gültigkeit verliert. Unsexy und langweilig! Und dann gibt es diejenigen, deren Glanz auch ein Jobverlust nichts anhaben kann, weil sie schon immer sie selbst waren. Zu ihnen zählt Carine Roitfeld.
Nach dem Madame “Smoky Eyes” im Dezember vergangenen Jahres ihren prestigeträchtigen Job als Chefredakteurin der französischen Vogue aufgab, oder aufgeben musste, hat sie nun endlich Zeit zumindest einem Teil, der an sie gerichteten Anfragen für diverse Projekte nachzukommen. Zwei davon hat sie bereits erfolgreich absolviert. Die Veröffentlichung ihres Buches “Irreverent”, -eine Ansammlung von Familien- und Celebrityfotos, Grußkarten befreundeter Designer und Abbildungen ihrer besten Stylings der letzten 30 Jahre- sowie die Zusammenarbeit mit dem New Yorker Nobelkaufhaus Barneys, das gerade die Carine Roitfeld -Wochen feiert. Der Modeparadies auf der Madison Avenue engagierte die juvenile 57-jährige als Style-Consultant für all seine, die aktuelle Herbst/Winter Saison betreffenden Aktionen. Dazu zählen so illustre Aufgaben wie die Gestaltung der Barneys Werbekampagne, in der Roitfeld selbst als Model agiert, des Hauskatalogs und der Schaufenster. Letztere zieren aktuell sogar ihren Namen und zeigen eine labortechnisch anmutende Installation aus verchromten Flatscreens, auf denen la Roitfeld in einem Film von Mario Sorrenti aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu sehen ist und dem vorbeilaufenden Publikum von ihrem Leben erzählt.
Die Chose ist nicht wirklich weltbewegend, jedoch optisch sensationell umgesetzt und nicht zuletzt ein Riesenkompliment an Carine Roitfeld, deren Strahlkraft auch ohne Vogue, ungebrochen ist.
Carine Roitfeld, “Irreverent”, 368 Seiten, Verlag Rizzoli, $ 100,00 erhältlich ab 18. Oktober oder jetzt schon bei Barneys.
Sie ist die zehnte Chefredakteurin seit Bestehen der französischen Vogue und folgte in dieser Position auf Carine Roitfeld, der nach Anna Wintour zweifellos bekanntesten Redakteuse der Welt. Die Rede ist von Emmanuelle Alt. Seit Anfang Februar besetzt diese, als Editor-in-Chief von Vogue Paris, einen der international begehrtesten Stühle innerhalb der Mode-, Medien- und Verlagsbranche. Doch im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin ist über Alt nur wenig bekannt. Dabei war die geschätzt 43-jährige am viel gelobten “progressiven” Image der französischen Vogue unter Roitfelds Regentschaft maßgeblich beteiligt und inszenierte mit nahezu allen namhaften Fotografen so manch einprägsame Fotostrecke. Während den Schauen saß Alt stets neben ihrer ehemaligen Chefin in der ersten Reihe, spielte für die Vertreter der Klatschpresse bislang dennoch nur die zweite Geige. Denn interviewt und um eine Einschätzung der Klamotten gebeten wurde immer nur “smoky-eyed” Roitfeld.
Den Wissensdurst nach Informationen über Frau Alt stillte vor kurzem das amerikanische Magazin “The Daily Front Row”, welches kostenlos zur New York Fashion Week ausliegt. Auf 3 Seiten trugen die Blattmacher zusammen, was sie an Fakten über Vogues neues Aushängeschild finden konnten.
Fulltime-Blog-Lesern und Personen aus Alts näherem Umfeld offenbart sich damit zwar nichts überraschend Neues, allen anderen bietet der Beitrag jedoch einen informativen Überblick über Alts Biographie und ihre Persona. Erstere entpuppt sich als privilegiert, gleichsam bodenständig: Als Tochter einer modelnden Mutter und eines der Öffentlichkeit bislang unbekannten Vaters, besuchte die kleine Emmanuelle eine katholischen Privatschule namens Lübeck. 1882 gegründet und im 16. Pariser Arrondissement gelegen scheint der hier gefahrene pädagogische Kurs erfolgsversprechend: Auch Frankreichs Kurzzeit-First-Lady Célia Sarkozy, Dior Schmuckdesignerin Victoire de Castellane und Azzaro’s Chefdesignern Vanessa Seward wurden hier auf die Anforderungen eines Lebens im ständigen Wettbewerb gedrillt.
Ex-Vogue Chefin Carine Roitfeld in New York, photo: Christopher Macsurak via FLICKR
Was die Platzierung griffiger Sprüche anbelangt liegt Alt um eine gute Nasenlänge hinter ihrer Vorgängerin, aber mit zunehmendem Erfolg entwickelt sich bekanntlich auch das Selbstbewusstsein und so darf man gespannt sein mit welchen Bonmots sich Alt gegenüber den Medien noch profilieren wird.
Dem Klischee der glamourösen Französin mit Hang zu Extravaganzen scheint Alt allerdings nicht zu entsprechen. Wie Millionen andere Menschen auch liebt sie die Farbe Schwarz, die Musik von Michael Jackson, den Film Saturday Night Fever sowie Tee und frisch gepressten Orangensaft zum Frühstück. Sie trägt keine Röcke und auch nicht gerne Handtaschen und wenn doch, dann bevorzugt von Chanel. Ihr persönlicher Look lässt sich plakativ mit “Rock Chic” zusammenfassen. Skinny-Jeans, dazu Stilettos und kurze Jacken mit breiten Schultern, wehendes Haar. Gelegentlich lässt sie sich ihre Nägel bei Revlon in der Rue de Bassano in Form feilen, c’est tout!
In einem Interview mit der britischen Zeitung “The Daily Telegraph” erzählte Alt, dass ihrer Meinung nach TopShop über die besten Jeans verfüge. Das erste was sie mache, sobald sie in London weile, sei eine Filiale des Bekleidungsriesen aufzusuchen. Ihre Vorgängerin Carine Roitfeld konnte diese Leidenschaft offenbar nicht teilen und ließ die Leser der Zeitschrift Acne Paper im Jahre 2009 wissen:
“I only wear jeans and flat shoes on holiday, never for work. Jeans are for my assistants.”
Gespannt wartet das Modevolk nun auf die April-Ausgabe, in deren Impressum Emmanuelle Alt erstmals als Chefredakteurin aufgeführt sein wird. Laut Alt könne man auch ohne zu schockieren durchaus starke Bilder erzeugen und so fiebern Vogue-Fans Alts erstem Cover entgegen, von dem man jetzt schon weiß, dass darauf Gisele Bündchen in einem Kleid von Dolce & Gabbana lächeln wird.
aktuell vergriffen - das Buch von Wynn Dan
Tatkräftige Unterstützung bei ihrer Arbeit erhält Alt übrigens von ihrer Assistentin Géraldine Saglio, die wie ein Klon ihrer Vorgesetzten ausschaut. Ein Grafiker namens Wynn Dan hat mit “Alt/Saglio Quotes+Citations” den Beiden gar ein Buch gewidmet, welches Streetstyle-Fotos von Alt und Saglio auf dem Weg zu diversen Schauen zeigt. Erschienen in einer Miniauflage von gerade mal 200 Exemplaren, die zum Teil über Colette in Paris verkauft wurden. Mittlerweile sind die Exemplare restlos vergriffen, doch ein Nachdruck sei aufgrund der gestiegenen Nachfrage schon in Arbeit.
Ob Alt künftig noch Zeit finden wird ihre Stylingkünste für Modehäuser wie Balmain und Isabel Marant einzusetzen? Wohl kaum! Ihr Styling-Portfolio ist aktuell nicht mehr auf der Seite ihrer Pariser Agentur Art Partner zu finden. Alt wird sich demnach wie von Condé Nast Frankreich-Boss Xavier Romatet auf einer Pressekonferenz im Januar angekündigt von jetzt an ausschließlich ihrer neuen Funktion als Chefredakteurin von Vogue Paris widmen. Bon courage!
Carine Roitfeld, photo: The Travelista, FLICKR creative commons
Sie zählt zu den meistfotografierten und zugleich mächtigsten Fashion-Personalities der Welt: Carine Roitfeld, Chef-Redakteurin der französischen Vogue. Ob die Mode-Frontfrau genauso gefürchtet ist, wie ihr amerikanisches Pendant, die angeblich so teuflische, Prada-tragende Anna Wintour, weiß niemand so genau.
Auch das Gerücht, dass sich Carine und Anna nicht ausstehen können hält sich hartnäckig. Beide Vogue-Oberhäupter haben zwar ähnliche Frisuren und verfügen über ein dominantes Äußeres, doch in Fachkreisen gilt Madame Roitfeld als die Mildere und vor allem Unkonventionellere von beiden. Sie selbst bezeichnete sich einmal in einem Interview mit der “Welt am Sonntag” als Punk der Vogue-Familie und outete sich als Handtaschenhasserin.Eine der wenigen Selbstauskünfte, denen wir somit Glauben schenken dürfen. Ansonsten wird, wie bei allen Berühmtheiten, jedoch viel spekuliert über la Roitfeld. Zu viel, dachte sich wohl Purple-Magazine-Herausgeber Olivier Zahm.
Bei Modenschauen sitzt er häufig neben Carine in der ersten Reihe – sie um vornehmlich Kreationen der großen Couturieres zu begutachten, er wohl mehr, um blutjunge Models für seine beliebten One-Night-Stands zu casten, welche er dann anschließend, sich auf weißen Bettlaken räkelnd auf seinem Blog-Tagebuch Purple diary unter der Rubrik “Sex” veröffentlicht. Genau dieser Mann – den man wegen seiner verlodderten Optik nicht unbedingt der Modebranche zuordnen würde, – soll im Herbst 2011 die erste Biografie über Carine Roitfeld herausbringen. Intime Schnappschüsse der seit 2001 amtierenden Vogue-Chefin und deren hübscher Tochter kann man ja schon seit Längerem auf Purple diary bewundern, was in der Tat auf eine enge Freundschaft zwischen Roitfeld und Zahm hindeutet.
Insofern scheint das geplante Werk neue Einblicke in das Leben und Schaffen einer der bedeutendsten Frauen im High-Fashion-Bereich zu gewähren. Auch wird die erste Roitfeld-Biographie mit Sicherheit bildstark sein, da Olivier Zahm sein Umfeld stets originell, glamourös und zugleich verrucht inszeniert, wohingegen er sich mit Texten eher zurück hält. Ungewöhlich ist allerdings, dass der Rizzoli Verlag vor dem Erscheinen des Wälzers die Blogger-Szene um Mithilfe bittet.
So ging vergangene Woche bei einer Reihe von namhaften Modebloggern eine e-mail ein, in der unter anderem zu lesen war:„We would love to include questions from the blogosphere in this book. We invite you bloggers to send a personal question to Carine which she will selectively answer in her forthcoming book.”Auch wenn diese Rundmail für die betreffenden Blogs sicher ein Kompliment sein mag, lässt es den Biografen Zahm weniger gut aussehen. Hat Frauenheld Olivier über La Roitfeld etwa doch nicht soviel zu erzählen? Gibt deren Leben gar zu wenig her, um ein dünnes Paperback zu füllen?
Vielleicht wird sich das Buch aber auch mit dem Phänomen auseinandersetzen, warum ausgerechnet die französische Vogue-Chefin so häufig in einschlägigen Modebloggs auftaucht und offenbar deren Sympathie genießt, wer weiß? Klarheit wird es wohl erst geben, wenn wir das Buch im Herbst nächsten Jahres in den Händen halten. Aber selbst das ist neuerdings ungewiss. So war gerade auf dem Fashion Blog hint zu lesen, dass das Zahmsche Buch Projekt etwas vorschnell verkündet wurde, und keine Priorität habe. Tja, ein Buch mit sieben Siegeln eben…
Das “Fashionista” Blog aus New York listete kürzlich drei mögliche Gründe warum Carine Roitfeld von Balenciaga auf die “schwarze Liste” gesetzt und somit zunächst von künftigen Shows des Modehauses um Kreativdirektor Nicolas Ghesquière ausgeschlossen wurde:
Madame Roitfeld
1) Angeblich soll Roitfeld ein Kollektionsteil Balenciagas, welches das Modehaus ihr für ein Fotoshooting zur Verfügung stellte, unerlaubt an das Modeunternehmen Max Mara weitergereicht haben, für das Roitfeld neben ihrem Posten als Chefredakteurin der französischen Vogue als Beraterin fungiert. Max Mara soll indes eine hübsche Kopie des Mantels angefertigt haben.
2) Man hört Nicolas Ghesquière sei empört über die Auflösung des Beschäftigungsverhältnis mit Marie Amelie Sauvé, die über 20 Jahre als freie Stylistin für Vogue Paris arbeitete und die Kreationen Ghesquières in den von ihr arrangierten Modestrecken kräftig pushte.
3) Nicolas Ghesquière soll sehr verärgert über die Weigerung Roitfelds gewesen sein, Bilder die ihn in unvorteilhaften Posen zeigen, trotz mehrfacher Aufforderung, von ihrem Facebook Profil zu entfernen.
Redakteurin Anke Schipp berichtet zudem in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass der Zwist möglicherweise auf Roitfeld’s Marken-Mix basiert, da sie für eine Modestrecke ihres Hefts Modelle von Balenciaga in Kombination mit Kleidungsstücken anderer Hersteller inszenieren ließ.
Die interessanteste Begründung für den Bruch zwischen Vogue Paris und Balenciaga findet sich unter den Kommentaren eines Artikels, erschienen im Modeblog The Cut des New York Magazine.
Der Verfassers des Kommentars mit dem Verheißungsvollen Namen “Connoisseur” schreibt folgendes:
“Nicolas Ghesquière banned her because he wants to break away from the whole corrupt system of french vogue. Carine and her team are notoriously selling their ‘style’ as secret consultancy arranged (in the back of Conde Nast) to many houses and advertisers (Givenchy, Balmain, Marant, Gaultier, max mara, the list is endless) even though they are officially not supposed to that Ghesquière decided something had to be done to stop this system….
…Condenast is officially banning them to do so. french CondéNast CEOeven went on french tv to pretend this was not happening at VPs. All consultancies are labelled through the assistants; the same shoots are used to do settings for the magazine as well as ad campaign (hello inez!, hello emmanuelle!, hello daria!) that morroco story in feb issue was the backdrop to both marant and balmain campaigns, models are the same – so I really think this goes beyond bread and butter. it is corruption, conflict of interests, shameful.
Die Chose aus Paris erinnert ein wenig an Politiker die neben ihrem Amt noch im Aufsichtsrat eines Großkonzerns sitzen. Mode ist eben ein Geschäft. Bislang waren es die Hersteller, die den Magazinen mit Anzeigenstop drohten, sollten diese ihre Klamotten nicht in die Modestrecken einbinden. Verständlich, wer Geld ausgibt tut dies in Erwartung einer Gegenleistung. Wer eine Anzeige schaltet darf erwarten, dass diese auch gedruckt wird. Doch darf er darüber hinaus auch bestimmen, wann, wie und wo sein Produkt innerhalb der frei gestaltbaren Inhalte zu sehen ist?
Mit den Zugeständnissen an Werbekunden über den Abdruck der bezahlten Werbeanzeige hinaus, haben sich die Blattmacher in eine Abhängigkeit begeben, die eine Verwässerung des Contents zur Folge hatte.
Dass nun einzelne einflussreiche Redakteure renommierter Lifestylegazetten nebenher als Berater für Modehäuser agieren, deren Werbekampagnen und Runway-Shows stylen und als Dank für die lukrative Beauftragung deren Produkte bevorzugt für ihre Publikation ablichten lassen, macht sie zwar nicht unabhängiger, nährt aber wenigstens ihr eigenes Bankkonto.
Der Ausverkauf des Editorials geht dabei vor allem zu Lasten junge Designer, die auf redaktionelle Berücksichtigung angewiesen sind, sich aber weder eine Anzeige noch einen Consulting-Auftrag leisten können.
So wird letztlich auch die Leserschaft belogen, die anhand der einseitigen Markenpräsenz glauben muss, Mode bestünde allein aus Prada und Gucci. Die Ausgrenzung Roitfelds von den Schauen Balenciagas als smarten Schachzug des Unternehmens zu beklatschen, um sich nicht länger korrupten Strukturen unterwerfen zu müssen fällt schwer. Angesichts der Bedingungen die das französische Traditionshaus an die Vergabe seiner Zuneigung knüpft, erinnert die Verbannung von Madame Roitfeld an die Trotzreaktion eines verwöhnten Kindes, dem die geforderte Aufmerksamkeit verweigert wurde. C`est la vie!
Carine Roitfeld, die sich selbst einmal als Punk unter den Vogue Redakteurinnen bezeichnete, gab in einem Gespräch mit der Londoner Times nun zu, nicht zu wissen, was ihr persönlicher Stil ist. Merkwürdig, den im Interview mit der WELT, vom Februar 2007, behauptete sie noch das Gegenteil:
WELT ONLINE: Lassen Sie uns lieber über Ihren Stil sprechen. Wie haben Sie heute Morgen Ihr Outfit zusammengestellt?
Roitfeld: Wissen Sie, für mich ist das ganz einfach, denn ich weiß ganz genau, was mir steht. Ich habe in den letzten Tagen sehr viel Schwarz getragen, und heute war mir nach einer Farbe zumute. Also habe ich als Erstes diese Balenciaga-Jacke in Kaki herausgeholt. Sie ist schon vier Jahre alt, und ich wusste, dass dieser schmal geschnittene Rock dazu passt. Außerdem bin ich noch ein wenig gebräunt und wollte deshalb keine Strümpfe anziehen. Es ging also ganz schnell. Ich kenne meinen Stil und meine Farben.(Quelle: Die Welt, 17. Februar 2007, Interview von Marcus Luft)
Zweieinhalb Jahre später heißt es in einem Artikel von Lisa Armstrong für The Times, London:
Oddly, Carine Roitfeld says that this has been her problem, too. “It’s true. Designers have told me that their collections are so me,” she says disarmingly when I call her at her office in Paris, “but I don’t always recognise it because if you ask me what my style is, I’m really not that sure.” Really? “Really.
Wie auch immer: Roitfeld, die seit 2001 als Chefredakteurin der französichen Vogue fungiert, becierct Designer seit Jahren mit ihrer unkonventionellen Art. In den 1990er Jahren arbeitete sie sechs Jahre lang als Kreativberaterin bei Gucci unter der Leitung von Tom Ford, und galt gar als offzielle Muse des Mode- und Markenmachers. Wer sich ein näheres Bild von der Dame mit den schwarz geschminkten Augen machen möchte, dem sei das unterhaltsame Interview von Marcus Luftwie auch der lesenswerte, und erst kürzlich veröffentlichete Artikel in der Times bestens empfohlen.
Zum Wochenausklang möchte ich euch auf den Film “Ein Tag in Mailand mit Christiane Arp” von Ralph Goertz hinweisen, der anlässlich der Catwalk Ausstellung im Düsseldorfer NRW Forum produziert wurde. Der Beitrag zeigt die Chefredakteurin der deutschen VOGUE auf ihren Weg zu den Schauen von Burberry, Gianfranco Ferré und Giorgio Armani, wo sie auf PR-Lady Alexandra von Rehlingen trifft, die mit fließenden Italienisch-Kenntnissen beeindruckt.
Arp sinniert über die Bedeutung, des ihr mittlerweile stets garantierten front-row Platzes, und der Zuschauer spürt, die Frau ist sich ihres Status als Vogue-Chefin absolut bewusst. Dennoch, im Gegensatz zu ihrer amerikanischen Kollegin Anna Wintour kommt Christiane Arp ohne Allüren und Bodyguards aus. Ihr Auftreten ist clean, fokussiert, und im positiven Sinne sehr deutsch! Extravaganzen einer Anna dello Russo, die Haute Couture bei Tageslicht so selbstverständlich trägt wie Andere ihren East Pak Rucksack, scheinen ihrem Wesen nicht zu entsprechen. Modische Rebellionen überlässt sie lieber Carine Roitfeld. Das Tattoo in ihrem Nacken, eine kleine Sonne, bekommen nur Wenige zu sehen. Sie mag sich nicht mit Äußerlichkeiten in den Vordergrund spielen, sondern möchte mit Seriosität überzeugen. Ihr Stil ist geradezu hanseatisch. Fließende Silhouetten in edlem Grau oder zeitlosem Schwarz. Zu offiziellen Anlässen darf es gerne auch mal Rena Lange sein. Die 48-jährige hat lange Zeit in Hamburg gelebt, das prägt. Hier arbeitete sie als Modechefin für Amica und Stern, bevor sie als fashion director und stellvertretende Chefredakteurin in die bayrische Landeshauptstadt zog. Im März 2003 wurde sie schließlich vom ehemaligen Vogue-Herausgeber Bernd Runge zur Chefredakteurin berufen. Was ihre Vorgängerin Angelica Blechschmidt über diese Entscheidung damals gedacht haben mag, ist nicht bekannt aber vielleicht gibt ihr Buch, an dem sie Gerüchten zufolge, schon seit Jahren schreibt, bald Auskunft darüber.
Die beste Szene des Films: Auf die Antwort des Taxifahrers, dass die Fahrt zur nächsten Location noch 10 Minuten betrage, antwortet Christiane Arp bestimmt: “We only have five!” Wunderbar!
Über Mode Avantgardist Martin Margiela kursieren derzeit viele Gerüchte. Das jünsgte unter Ihnen lautet von der kompletten Abwesenheit des Designers im Pariser Hauptquartier des Unternehmes. Schon vor der Präsentation der Maison Martin Margiela Kollektion im März dieses Jahres verkündete das Haus, Martin Margiela selbst sei nicht länger mehr in der Position als Headdesigner tätig sondern habe stattdessen die Funktion eines zeitweisen Kreativberaters eingenommen.
Giovanni Pungetti, Geschäftsführer des Maisons, äußerte sich hierzu kryptisch mit den Worten:Ö “Da sind Leute, die sind seit 20 Jahren dabei, die sind mehr Margiela als er selbst.” Doch das Margiela ganz ans Aufhören denke dementierte er erntschieden: “Martin ist unsere Seele, unser Geist, er ist die Maison. Aber er vertraut seinem Team, er ist heute ein wenig weiter weg vom täglichen Geschäft.”
Nachdem nun die Schauen für die Saison 2010 immer näher Rücken, verstärken sich die Gerüchte, das Martin Margiela die Firma, die seinen Namen trägt, bereits verlassen habe. Ein Mitglied des Margiela Design-Teams erzählte dem amerikanischen Modeinformationsdienst JC Report, dass Monsieur seit letzter Saison (März 2009) nicht mehr im Atelier zugegen war. Eine Bloggerin behauptet ihn auf Ibiza gesichtet zu haben. Fraglich nur wie sie ihn erkannt haben will, wo doch seit Jahren nicht ein einziges Foto von ihm öffentlich kursiert.
Grund für Margielas schrittweisen Rückzug ist die unterschiedliche Auffasung bezüglich der Vertriebs- und Marketingstrategie seines Labels durch den Firmeneigner Diesel. Der Denim Gigant hatte das intelektuelle Modeatelier in der Rue Saint Maur im Juli 2002 komplett übernommen. Es bleibt abzuwarten ob der 52-jährige Modevirtuose Martin Margiela jemals sein Schweigen brechen und die Öffentlichkeit in Form eines exklusiven Interviews, mit einem ausgwählten Medium, über die Umstände seines Rückzuges informieren wird.
Bis dahin können alle Margiela Fans, in dem im Oktober erscheinenden Bildband “MAISON MARTIN MARGIELA” schwelgen und anhand der teils bisher unveröffentlichteten Fotos ihr Bild des belgischen Modemachers verfeinern. Das Buch ist die erste eigenständige Publikation über das Werk Margielas überhaupt und dokumentiert auf 352 Seiten, Ausstellungen, Ladeneinrichtungen, spezielle Projekte sowie Editorials des Maisons und gewährt darüber hinaus auch einen Einblick in die heiligen Atelierräume, des 1988 gegründeten Labels.
Jean Paul Gaultier, dessen Assisentent Margiela von 1985 – 1987 gewesen ist, wie auch die französische Vogue Chefin Carine Roitfeld, verdichten mit ihren Essays über den progressiven Créateur das lückenhafte Bild von der Person hinter dem invisiblen und restriktiven Vermarktungskonzept.
Natürlich kommt dieser opulente Bildband nicht einfach so daher, sondern präsentiert sich in Margiela Manier entsprechend aufwendig mit Silberdruck auf verschieden Papiertexturen in einem bestickten Umschlag aus weisser Baumwolle. Mode ist konstant in Bewegung, der Wechsel ist programmatisch. Im Falle Margielas wünschte man sich jedoch, der Designer möge entgegen aller Gerüchte , der Modewelt erhalten bleiben. In diesem Sinne: Martin, wo immer Sie sind, kommen Sie bald wieder!
MAISON MARTIN MARGIELA
by Maison Martin Margiela
Verlag: Rizzoli New York
Release: Oktober 2009
Preis: $ 100