Biographien, die das Leben prominenter Zeitgenossen thematisieren sind eine Sache für sich. Ob nun autobiografisch oder fremd-verfasst und vom Protagonisten der Handlung autorisiert oder eben auch nicht; nie kann sich der Leser hundertprozentig sicher sein, was von dem Gedruckten nun Dichtung oder Wahrheit ist.
Der Wahrheitsgehalt einer Biographie lässt sich so nur im Kontext und anhand bestimmter Fragen ermitteln. Wer ist der Autor des Werks, wie wurde recherchiert, wer wurde wozu befragt? “House of Versace” erzählt die Geschichte des 1977 gegründeten Modehauses und liefert dabei detaillierte Informationen, die Außenstehenden bislang nur bruchstückhaft aus der Klatschpresse bekannt waren.
Authentizität verspricht die Tatsache, dass die Versace Sippe trotz pikanter Anekdoten, einer Veröffentlichung zustimmte und Autorin Deborah Ball bei ihren Recherchen sogar unterstützte. Die ehemalige Mailand Korrespondentin des New Yorker Wall Street Journal sprach mit Donatella und Santo Versace, befragte Freunde und Bekannte der Familie, traf einstige Mitarbeiter des Hauses sowie auch den ehemaligen Lebensgefährten Gianni Versaces, Antonio D’Amico. Das Resultat aus 220 Interviews und der Auswertung hunderter Zeitungsartikel umfasst 20 Kapitel auf 352 Seiten. Das Buch bringt Licht ins Dickicht aus Gerüchten und Mythen um das Modehaus und seiner illustren Inhaber.
Donatellas Drogensucht wird hier ebenso beleuchtet wie die Magersucht ihrer Tochter Allegra, die sämtliche Interviewanfragen der Autorin konsequent ablehnte. Darüber hinaus erfährt der Leser von Giannis Appetit auf Strichjungen, von Donatellas Antipathie gegenüber Tom Ford und warum ausgerechnet Allegra als Elfjährige, nach der Ermordung ihres Onkels im Jahr 1997, 50 Prozent der Firmenanteile erbte. Deborah Balls Informationen aus erster Hand, ergeben zusammengestrickt das Portrait einer exzentrischen Modeclans, deren mondäner Lebensstil wie eine Seifenoper anmutet, was jedoch den Unterhaltungswert dieses Buches im Besonderen ausmacht.
Es ist nicht alles Gold was glänzt - auf kein anderes Modehaus scheint diese Binsenweisheit gegenwärtig stärker zuzutreffen als auf das Mailänder Luxuslabel Versace. Der Nachrichtendienst Bloomberg berichtet auf seiner Website von Personalkündigungen, der Schließung der firmeneigenen Werkstätte für Accessoires und der Einführung einer neuen, günstigeren, Womenswear Linie unter der kreativen Leitung von Donatella Versace.
Die Maßnahmen sind Teil eines Restrukturierungsplans des Firmen CEO´s Gian Giacomo Ferraris, in der Absicht das Unternehmen aus den roten Zahlen wieder in eine “profitable” Zukunft zu führen.
Die Kleidungsstücke der geplanten Zweitline für Damen namens Versace Collection, sollen preislich zwischen 400 Euro und 1000 Euro liegen und sich somit deutlich von der teureren Hauptlinie Versace Signature absetzen, für deren Accessoires und Kollektionsteile Kunden zwischen 800 und 16.000 Euro berappen müssen.
Weitere Modelinien des Unternehmens sind Versace Atelier mit Abendroben ab 16.000 Euro, welche an die physischen Bedürfnisse der Kundinnen angepasst werden, die von Christopher Kane gestaltete Linie Versus, sowie die Proletenlinie VJC (Versace Jeans Couture), der aufgrund ihrer plakativen Zierelemente wie dem Mäander-Band, dem Medusenhaupt, der Lurex-Stickereien und eines stets augenfällig platzierten Firmenschriftzuges der Ruch von Russenmafia und Rotlichtmilieu anhaftet.
Neben Mode verfügt Versace aber noch über andere Einnahmequellen. Parfums und Kosmetika, eine Home-Collection, Bücher, Hotels sowie die Ausstattung von Luxusresidenzen und allerlei anderen Millionärs-Spielzeug wie Nobelkarossen, Yachten und Helikoptern vervollständigen die Angebotspalette. Auch die Wiederbelebung der Unterwäsche und Bademoden Sparte sei denkbar, so Ferraris. In den kommenden Wochen beginnt übrigens der Verkauf des erst vor wenigen Tagen in Paris vorgestellten Versace Handys, welches angeblich mehrere Tausend Euro kosten soll.
Nachdem das Haus Versace somit ziemlich alle Produktgruppen bis auf Damenbinden und Klobürsten abdeckt, steht dem Weg aus den Miesen eigentlich nichts mehr im Wege. Bis Versace jedoch den “Break Even” erreicht hat, gilt es Solidarität mit Signora Versace und ihrem prunkvollen Imperium zu demonstrieren. Mit den T-Shirts des New Yorker Art-Directors Christopher Sauvé kein Problem!
VERSUS is back! Nach vierjähriger Abstinenz wird die erstmals 1989 von Versace lancierte Modelinie , nun im Rahmen der Mailänder Modewoche, Ende September, wiederbelebt. Damals zeichnete die Schwester des 1997 ermordeten Modeschöpfers verantwortlich für das Design der Kollektionen, aktuell schwingt der Schotte Christopher Kane den Zeichenstift für das Label.
Bereits im Februar stellte die Firma Versace , eine Reihe von Kane entworfenen Accessoires, der Hochglanzjournaille vor. Die mit XL Glassteinen besetzten Gladiatorenstöckel und silberfarbigen Milieu Taschen, ließen mich zwar augenblicklich an russische Dominas denken, doch Understatement zählte eben nie zu den Stärken des 1978 gegründeten Modehauses.
Während der Versus-Relaunch von der Modepresse mit Spannung erwartet wird, frage ich mich, ob Menschen, die ihr Hirn noch nicht an der Louis Vuitton Ladentheke in Zahlung gegeben haben, angesichts eines übersättigten Modemarktes tatsächlich noch ein weiteres Angebot an Designerklamotten brauchen? In Zeiten, in denen Bekleidungshersteller und Einzelhandel mit sinkenden Umsatzzahlen zu kämpfen haben, und immer mehr Firmen Insolvenz anmelden oder gar schließen müssen (Lacroix, Escada, Veronique Branquhino, Emma Hope), wirkt der Versuch mit hochpreisiger Designermode schwarze Zahlen zu generieren nicht besonders zeitgemäß, will sagen weltfremd. Gut möglich, dass Donatella die westliche Hemisphäre als Umsatzbringer längst abgeschrieben hat und mit Versus vor allem den osteuropäischen, chinesischen und indischen Markt im Visier hat. Denkbar ist aber auch, dass globale Rezession für die Kreativdirektorin nichts weiter bedeutet, als auf Papier gedruckte Zahlen mit einem dicken Minus davor. Krise à la Donatella sozusagen. Hoffen wir, dass es Christopher Kane gelingt, den Versus-Spirit in das Hier und Jetzt zu übertragen, und dabei ein erkennbares, eigenes Markenprofil zu entwicklen. Gute Produkte haben zu jeder Zeit ihre Berechtigung, der Aufguss des schon Dagewesenen hingegen ist verzichtbar.
Modewunderkind Christopher Kane, interviewte seine Teilzeit-Chefin Donatella Versace für die renommierte Londoner Tageszeitung Times.
Kane, dessen Abschlusskollektion am Central St. Martins College von Donatella Versace gesponsert wurde, arbeitete nach seinem Studium zunächst als Designer für die Couture Linie des Hauses, wie auch als Kreativberater für die Accessoires der Damen Prêt à Porter. Nun entwarf der Schotte, für die zur Herbst/Winter Saison 2009 wiederbelebte Modelinie Versus, die passenden Accessoires. Donatella, die Schwester des 1997 ermordeten Firmengründers Gianni Versace, ist seit dessen Tod als Kreativdirektorin des Luxusimperiums für den gesamten Markenauftritt des Unternehmens verantwortlich. Das Interview mit der toughen Modelady, nachzulesen auf Times Online.
Neues von Donatella Versace. Die Kreativdirektorin des Versace Imperiums spricht mit New York Magazine fashion director Harriet Mays Powell über….na seht selbst!
Dass Modedesigner sich hin und wieder gerne mal als Innenausstatter betätigen ist bekannt. So eröffnen namhafte Modehäsuer wie Missoni (Edinburgh) oder Versace (Sidney) “fashion hotels” in denen Gästen auf adäquate Weise ganz in der Designphilosphie des jeweiligen Unternehmens schwelgen können. In jedem Falle sind die modischen Unterkünfte, ein optimaler Werbeträger für die eigene Produktpalette.
Alles was dem Übernachtenden gefällt, Geschirr, Handtücher, Dekoobjekte, Bettwäsche, Kissen und Kleinmöbel sowie die Pflegeprodukte kann er bei Tage in der firmeneigenen Boutique kaufen. Für alle die der Corporate Identity eines bestimmten Labels verfallen sind, und zwar das Geld für die teuren Stücke der Home Collections aber kein Händchen für Dekoration und Anordnung haben, bieten Designer in Zusammenarbeit mit exklusiven Wohnungsbaugesellschafften die Möglichkeit, komplett fertig eingerichtete Luxusapartments im Stil des Modelabels zu erwerben.
So richtete Donatella Versace 2007 anlässlich der teilweisen Umwandlung des traditionellen New Yorker Plaza Hotels in ein Apartmentkomplex, zwei Wohnungen ganz nach ihrem Geschmack ein und fand bereits vor der Fertigstellung Käufer für die Multimillionen Dollar Designerhöhlen.
Zu den jüngeren Kooperationen zwischen Bauunternehmen und Modeschöpfer zählen die Hamburger Sophienterrassen, bei denen sich Karl Lagerfeld als Interior Decoartor betätigt und Giorgio Armani, der 62 Wohnungen im Rahmen des Bauprojekts Cavour 220 in Rom ausstattet.
Die Sophienterrassen, sind ein Projekt der Frankonia Eurobau AG, die auch schon die schicken Lenbach Gärten in der Münchner Innenstadt hochgezogen haben, in denen heute die deutsche Vogue ihren Sitz hat. In sein alten Hamburger Heimat, direkt am Harvestehuder Weg, gestaltet nun Karl Lagerfeld das Innere zweier Alstervillen , ein Restaurant, sowie die Rezeption und Lounge des Sophienpalais.
Rein quantitativ etwas mehr Arbeit hat Giorgio Armani bis zur offiziellen Eröffnung der von ihm komplett eingerichteten Edelresidenz auf der Via Cavour im Januar 2010. Nicht nur die 62 Wohneinheiten werden von Armani ausgestattet, auch die Empfangshalle, die Innen- und Außenanlagen, der Spa-Bereich so wie die Bar, des unweit vom Kolosseum gelegenen historischen Gebäudes, erhalten den Armani Touch! Eine Sinfonie in Beige und aus klaren Linien. Wer wissen möchte wie es sich in Armani lebt, aber die 1 Millionen Euro für das günstigste Apartment, gerade nicht zur Verfügung hat, dem sei ein Besuch in einem der Armani Stores mit Blick auf die Home Collection “Armani Casa ” empfohlen.
Manager kommen und gehen. Der Rausschmiss eines solchen ist daher an sich keine Meldung wert. Doch im Falle von Giancarlo die Risio, seines Zeichen Vorstandsvorsitzender beim in jeder Hinsicht “overly-luxe” Label Versace, gewährt die Diskussion um seine Zukunft als strategischer Kopf des Unternehmens interessante Einblicke in das Konfliktmanagement eines Modeimperiums der ersten Liga.
Giancarlo di Risio, der 2004 seinen Dienst im, damals noch Verluste schreibenden, Hause Versace antrat und dieses noch vor der gesetzten Frist zur Rentabilität führte, muss nun aufgrund von Uneinigkeiten mit Kreativdirektorin Donatella Versace seinen Hut nehmen.
Unterschiedliche Auffassungen über die künftige, kreative Ausrichtung des Unternehmens sowie bei den Kosteinsparungen sind die Hauptgründe für den Zwist zwischen dem studierten Betriebswirt und der charismatischen Designerin. Doch auch die Infragestellung von Kompetenzen und einzelner Zuständigkeitsbereiche sorgt seit Wochen für Unmut hinter den neoklassizistischen Mauern der Via Manzoni, Versace´s Hauptquartier in Mailand.
Angesichts sinkender Gewinne des Unternehmens sind die Diskussionen berechtigt. Die Risio missfallen dabei zu einem Donatella´s Ausgaben, wie das $140,000 Tageshonorar Mario Testino´s für die die von ihm geschossenen Werbekampagnen des Unternehmens. Für Donatella ein Must, für di Risio schlicht Geldverschwendung. Zudem sprach sich der Manager trotz Rezession und entgegen Donatellas Überzeugung, gegen Preisreduzierungen aus. Seiner Aufgabe , einen ordentlichen Umsatz zu generieren, entsprechend, initiierte der CEO eigenmächtig die Wiederbelebung der Versus Kollektion für Spring Summer 2010 und vereinbarte hierzu einen Lizenzvertrag mit der italienischen Produktionsfirma Facchini und berief Christopher Kane, samt eines komplett neuen Teams, zum Chefdesigner der günstigeren Zweitlinie, die somit zunächst nicht unter der kreativen Leitung Donatella Versaces steht.
Da die Schwester des 1997 ermordeten Firmengründers Gianni Versace, von ihrer Tochter Allegra (22), die mit einem Unternehmensanteil von 50% Prozent Haupteigentümerin des Familienunternehmens ist, von jedweder Management Funktion ausgeschlossen und ihr stattdessen der Posten als Kreativdirektorin zugespielt wurde, ist die platinblonde Drama Queen, formal gesehen, machtlos.
Nun, formal gesehen! Aktuell steht Allegra hinter ihrer Mutter und der Entscheidung sich von di Risio zu trennen.
Allerdings, ist es di Risio zu verdanken, dass sich die Familie Versace unter seiner Führung im Jahr 2007 erstmals seit vier Jahren wieder eine Dividende zahlen konnte. Der ehemalige Fendi-Chef trieb auch den Verkauf der lukrativen Accessoires Sparte entschieden voran und hatte stets das richtige Gespür bei der Erschließung neuer Märkte wie Russland und Asien. Dennoch, der aktuelle Bruch mit Donatella Versace scheint unüberwindbar. Di Risios Entlassung ist noch nicht offiziell, doch erwarten Insider die Bekanntgabe seines Ausscheidens bei der heutigen Versammlung der Unternehmensspitze.