BERLINER CHIC – JA WO DENN?
Posted: Juni 1st, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE | Tags: Berlin, facehunter, fashion, fashion-blog, Modeblog, Streetstyle | 2 Comments »

by courtesy of styleserver / Berliner Chic !?
Streetstyle Blogs sind eine feine Sache. Mit Fotokamera und Mac Book bewaffnet streifen die Macher durch die Metroplen dieser Welt, um uns auf tagesaktueller Basis die besten Looks von der Straße zu präsentieren. Die zur Begutachtung ins Netz gestellten Aufnahmen auf Facehunter, Styleclicker und Stil-in-Berlin geben allen Modeinteressierten wie auch Designern ein weitaus realisterisches Bild von dem, was tatäschlich auf der Straße getragen wird als der Blick in die Fachzeitschrift.
Auffallend hierbei ist, dass die Abgelichteten in ihrem Bemühen um Individualität jedoch fast alle gleich aussehen, und zwar weltweit. War der exzessive Stilmix vor zehn Jahren noch progressiv und verlangte von seinen Trägern eine gehörige Portion Tragemut, so ist der “Hauptsache-nix-passt-zusammen-Look” längst zum Mainstream verkommen.
Der Trash-Appeal: Nerd Brille, Muster Misch-Masch, Leggins, Taillengürtel, Vintage Lederjacke und Designer Tasche ist mittleweile bei jeder Modestudentin - in München wie in Manchester- Programm. Mit Individualität hat das nicht mehr viel zu tun. Den Mix von Stilen, die eigentlich nicht miteinander harmonieren, bisweilen sogar völlig konträr sind, haben wir größtenteils Patricia Field zu verdanken, die es verstand Retro-Teile mit Designerstücken zu kombinieren und den Look über ” Sex and the City” global etablierte. Was in der Serie zweifellos grandios und glamourös ausschaute, gipfelte vielerorts und speziell in Berlin in eine Ästhetik des “Abgerotzten”.
Die deutsche Modeszene schaut auf die Haupstadt und ihre Protagonisten, die selbst keinen Schimmer haben, warum man gerade sie ständig als hip (v)erklärt. Sie tragen doch nur die Kapuzenjacke mit dem Druck, der an die schäbigen Bezüge billiger Versandhaussofas erinnert. Hielt man die Didgeridoo spielende, rothaarige Kreuzberger Alternative eben noch für peinlich, gilt sie Dank ihrer Kombination aus verwaschenen Benetton-Leggings, eines ungebügeltenVintage Shirts und L.A. Gear Schuhen, plötzlich als “contemporary cool”. Besiegelt durch das digitale Abbild im fashion blog! Ohne ihr eigenes Zutun werden, dank der bloggenden Stylescouts, aus Normalos plötzlich fashion-people.
Zwar wäre jede Wilmersdorfer Witwe im Chanel Kostüm wesentlich ablichtungswürdiger, doch die sind so selten, dass man sie einfach nicht vor die Linse bekommt. Stilmix ist wunderbar, doch gerade weil diese Art sich zu kleiden so vielfältige Möglichkeiten bietet seine Persönlichkeit auszudrücken, verwundert das homogene Ergebnis. Vermutlich sind wir alle längst nicht so individuell wie wir gerne glauben! Daher gehen wir auf Nummer sicher und bedienen uns alle aus dem selben Topf, orientieren uns an der Masse. Tröstlich zumindest, das dies kein ausschließlich deutsches Phänomen ist. Doch besonders im Falle Berlins, möchte man den Bewohnern am liebsten laut entgenschreien: “geht das nicht wenigstens ein bisschen eleganter?”
