Dank exzellenter Filmdokumentationen wie, Signé Chanel, Marc Jacobs & Louis Vuitton und der The Day Before genießt Regisseur Loic Prigent innerhalb der Modeszene mittlerweile all access Status. Ob Mailand, Paris, London oder New York, ob Backstage oder vor dem Catwalk, der studentisch wirkende Filmemacher ist mit seiner Kamera gern gesehen bei der Fashion Elite. Bereitwillig gewähren ihm die Top-Designer Zutritt zu ihren Ateliers und lassen ihn einfach gewähren. Besser gesagt, sie vertrauen ihm. Beschönigende PR-Statements und nachgestellte Szenen haben in Prigents Werk keinen Platz. Genau das macht seine Filme authentisch und daher so sehenswert. Ohne Prigent bliebe uns das wahre Gesicht der Mode und ihrer Protagonisten wohl nach wie vor verborgen.
Anna Wintour hautnah? Kein Problem für Prigent! Ungezwungen stellt sich die berühmte Vogue Editrix in Prigents aktuellem Filmprojekt HABILLÉES POUR L’ÉTÉ 2010, (DRESSED UP FOR SUMMER 2010) den Fragen von Mademoiselle Agnès.
Die TV-Journalistin Agnès Boulard ist in Frankreich keine Unbekannte, sondern, im Gegenteil, seit über 20 Jahren fester Bestandteil der Branche und ganz nebenbei auch Produzentin der Filmdokumentation. Mit unnachahmlicher Nonchalance begibt sie sich in sechs Episoden mehr oder weniger auf die Suche, nach dem nächsten Yves Saint Laurent und moniert dabei im Gespräch mit Pierre Bergé und dem französischen Kulturminister, ganz ohne erhobenen Zeigefinger dafür in herrlich selbstbewusster Manier, das Frankreich als Wiege der Haute Couture seinen kreativen Nachwuchs in keinster Weise fördere.
So heißt das letzte Wunderkind aus Paris noch immer Nicolas Ghèsquiere. Dabei ist der Chefdesigner von Balenciaga den Kinderschuhen doch schon längt entwachsen. Unentdeckte Talente, deren Begabung nur auf die Begegnung mit den entscheidenden Leuten wartet, gibt es überall, und in Paris sowieso. Mademoiselle Agnès hat einige von ihnen in ihren Studios abseits der großen Schauen besucht.
Agnès Boulard bewegt sich mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit auf dem Parkett der Eitelkeiten als wandle sie durch ihr privates Wohnzimmer. Im Gegensatz zu ihren extrem statusbewussten Kolleginnen, nimmt sich Boulard, die übrigens selbst 4 Jahre lang als Redakteurin bei der französischen Vogue tätig war, dabei selbst nie allzu ernst und führt beschwingt und ungeachtet aller Konventionen durch die Schauen zur Saison Spring 2010. Diese Natürlichkeit kommt an und so bittet gar der sonst so selbstbeherrschte Karl Lagerfeld Agnès nach der Präsentation seiner Kollektion um ein persönliches Tänzchen im Backstagebereich.
Die lebendige Französin liebt die Mode, nicht aber den ihr anhaftenden Dünkel und denkt gar nicht daran sich einem snobistischen Habitus zu unterwerfen. Das hat Stil und zeugt von wahrer Größe, und so verdankt sich der Zauber dieser Dokumentation im Wesentlichen auch der Persönlichkeit seiner Moderatorin. Lovely!
Zusammengenommen ergeben die sechs Teile eine Stunde “fashion uncensored”. Informativ, unterhaltsam und äußerst kurzweilig. Beeindruckend ist der Massenauflauf vor Jean Paul Gaultiers Headquarter in der Rue Saint Martin kurz vor der Show des Designers. Für einen Moment hatte ich den Eindruck es handle sich bei dieser Szenerie um ein Rockkonzert. Eine Portion Extravaganz in Reinform liefert wieder einmal Anna Wintour. Als der Weg zu ihrem Sitzplatz in der ersten Reihe einer Show, die Chefredakteurin über eine im Halbdunkel liegende Treppe führt, erhellt einer ihrer Bodyguards unaufgefordert die Stiege mittels einer Taschenlampe. Stufe für Stufe, und ohne dabei eine Miene zu verziehen trippelt Anna dem Lichtkegel vor ihren Füßen hinterher. Fantastisch! (siehe Video hier) Wie auch schon die Doku “The Day Before”, sind die sechs Episoden auf dem “Sundance Channel” im Internet kostenfrei abrufbar.
Absolut auf der Höhe Zeit präsentiert sich das Modeunternehmen HUGO BOSS und ruft aktuell die hübschesten Jungs und Mädels rund um den Globus zum Modelcontest auf FACEBOOK auf.
Der in Metzingen ansässige Modekonzern sucht via Internet noch zwei Models, männlich und weiblich, für seine BOSS Black Modenschau im Rahmen der kommenden Berlin Fashion Week. Wer am 21. Januar für das renommierte Label über den Laufsteg schreiten darf entscheidet eine Jury aus verschiedenen Modeexperten. Darunter die fabelhafte Kerstin Schneider, Fashion Director der Zeitschrift ELLE und die Designer der Marke BOSS Black.
Unter allen Bewerbern werden zehn Finalisten ausgewählt, von denen zwei über ein User-Voting bestimmt werden. Die glücklichen Auserwählten werden zwei Tage vor der Show zum Casting nach Berlin fliegen und sich dort den kritischen Blicken der Juroren stellen.
Interessiert? Fotos können bis zum 10. Januar über die HUGO BOSS Fanseite hochgeladen werden.
Spannend: Der Verlauf des Wettbewerbs lässt sich über Facebook mitverfolgen.
Ein Eigentor hat am Sonntag Abend Mounir Moufarrige, CEO des Modehause Emanuel Ungaro, geschossen. Nach dem Rausschmiss des jungen Esteban Cortazar, der bis vor kurzem noch als Headdesigner für das Label fungierte, engagierte er die noch unbekannte Estrella Archs als Chefdesignern und berief Gelegenheitsschauspielerin Lindsay Lohan zum “Artistic Advisor” des Unternehmens. Moufarrige versprach sich durch die Celebrity-Rekrutierung offenbar jede Menge PR für das etwas angestaubte Label und vor allem mehr Präsenz in den jüngeren Modezeitschriften.
Die Modebranche nahm die Verlautbarung des Deals mit Skepsis und dem ihr eigenen Hohn auf. Zu Recht, wie sich jetzt bei der Präsentation der Frühjahr/Sommer Kollektion 2010 herausstellte. Denn das, was Moufarrige´s neues Gespann im Rahmen der Pariser Modewoche gestern über den Laufsteg schickte, dürfte die ohnehin schon strauchelnde Firma nun mit Orderrückgängen büßen. Weder jung noch richtungsweisend war das Gezeigte; es fehlte ein einheitliches Designkonzept. Stattdessen gab es pinkfarbene Pluderhosen, Kragen- und formlose Paillettenjäckchen, simple Bandeautops, weiße Nerzstolen zu luftigen Sommerkleidern, nach dem Motto: “Fur on the beach ist the ultimate glamour!”, und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, gab es obendrein noch herzförmige Nippelabdeckungen und auf die Stirn geklebte Paillettenherzen, die die Models aussehen ließen als hätten sie einen IQ unter Schuhabsatzhöhe.
Es braucht nicht einmal den analytischen Verstand etablierter Modekritiker um zu sehen, das dass Dargebotene schlichtweg gestrig und uninspiriert war. Jedem der geladenen Gäste war auf dem ersten Blick klar, dass ein gelungenes Fashion-Debut anders auszusehen hat.
Konzeptlosigkeit deluxe- Ungaro SS 2010
Es ist schwer vorstellbar, das Estrella Archs nicht in der Lage sei soll, eine bessere Leistung abzuliefern. Ist der Einfluss des Party-Girls hinter den Mauern an der Avenue Montaigne tatsächlich größer als der einer gestandenen Designerin mit besten Referenzen? Mag sein, dass Celebrity Kollektionen in Amerika von der Masse gut angenommen werden und kommerziell erfolgreich sind, doch ein 23-jähriges Holleeewuud Girl ohne formale Designausbildung an der Spitze eines etablierten, französischen Modehauses ist eine Fehlbesetzung. Auch der in Miami aufgewachsene Esteban Cortazar, der in den USA schon mit 13 Jahren als Wunderkind der Mode gefeiert wurde, konnte mit seinen Klischeemix aus Denver Clan und kubanischer Folklore keine kommerziellen Erfolge erzielen, ließ aber im Gegensatz zum Duo Archs/Lohan einen roten Faden innerhalb seiner Kollektionen erkennen. Qualität braucht Zeit und Erfahrung. Zur Ehrenrettung der Spanierin Archs sei gesagt, dass die Kollektion innerhalb von vier Wochen erstellt werden musste. Doch warum hat das Haus Emanuel Ungaro unter diesen Umständen nicht auf eine Show verzichtet? Lindsay Lohan´s Besetzung beweist vor allem eines: Ruhm allein ist kein Kompetenzmerkmal!
Im folgenden könnt Ihr einen Videomittschnitt der mäßigen Show des Online-Dienstes Mod TV sehen.
Eine Begegnung der dritten Art hatte Anna Wintour vergangene Tage während der London Fashion Week bei der Show von Twenty8Twelve, dem Label von Savannah und Sienna Miller. Dort saß sie, eingekeilt zwischen Londons Nachwuchssociety, MTV Moderatorin Alexa Chung und IT-Girl Pixie Geldof von Beruf Tochter und Konsumentin.
Anna Wintour-nicht gerade erfreut über ihre Sitznachbarn!
Die Nähe zu den beiden Gören, die vor der Show Grimassen schnitten, herumalberten und sich just -for-fun immer wieder in die Armen fielen, war der statusbewussten Editrix, sichtbar unangenehm. 15 Minuten lang musste sie das Gekicher und Gegacker der Beiden erdulden. Alexa und Pixie verstießen gegen jegliche front-row Etikette, die lautet: Haltung bitte! Zur Schau gestellte Emotionen, die sich in entgleisenden Gesichtszügen äußern, haben in der “row-of-cool”, der ersten Reihe, nichts verloren. Obwohl selbst gebürtige Britin, wollte Anna Wintour den Humor der Girlies offenbar nicht teilen. Körpersprache und Blick der Vogue Chefredakteurin sprechen Bände. Mit abgewandtem Körper (man beachte die Beinstellung) und einem seitlich geneigten Kopf, signalisierte sie Distanz von dem postpubertären Geschehen neben ihr, und wäre vermutlich am liebste geflüchtet.
Nach 40 Jahren im Business , davon 21 Jahre als Chefin der amerikanischen Vogue, lieferte Anna Wintour die Vorlage für den erfolgreichsten Film des Jahres 2006, “Der Teufel trägt Prada”, ist der Star, in der Dokumentation “The September Issue”, und war vor wenigen Wochen als erste Moderedakteurin zu Gast in der David Letterman Show. Die Platzierung der modeikone neben den Teenie-Idolen, war demanch von den Miller Schwestern denkbar schlecht gewählt.
Ein Mädchen, deren Leistung sich bislang darauf beschränkt einen prominenten Namen durch die Welt zu tragen, Daddy´s Kreditkarte uneingeschränkt zu strapazieren und die Designerklamotten mit Top Shop Teilen so zu mixen, dass eigentlich nichts zusammen passt und hauptsachlich schräg aussieht, (die Eine) und eine Moderatorin, über die niemand sprechen würde, gäbe es nicht das Internet und bloggende Schulmädchen, die aufgeregt jede graue Leggings an der klapperdürren Chang debattieren (die Andere), werden Anna Wintour einfach nicht gerecht.
Mode ist für die disziplinierte Heftmacherin, kein Mittel zum Zweck um damit die Schlagezeilen der Yellow Press zu füllen, sondern eine unerschöpfliche Lebensphilosophie, mit der sie 2 Millionen Dollar im Jahr verdient. Wer da neben ihr, vor, während oder nach einer Show herumalbert, demonstriert möglicherweise mangelenden Respekt für ihre Arbeit.
Andererseits ist es sehr erfrischend zu sehen, dass ein junge Generation, sich nicht von der dominanten Außenwirkung einzelner Machtinhaber einschüchtern lässt, denn Niemand ist so wichtig, dass man sich durch ihn das Lachen verbieten lassen sollte.
Warum Anna Wintour nach zweijähriger Abstinenz von der London Fashion Week mit ihrer Präsenz ausgerechnet ein, in kreativer wie auch kommerzieller Hinsicht, eher unbedeutendes Label adelt, ist eine ganz andere Frage? Ihr hätte klar sein müssen, dass die bodenständigen Entwürfe von Twenty8Twelve kein A-Class Celebrity Magnet sind.
Wenn am kommenden Donnerstag die New York Fashion Week beginnt, ist dies gleichzeitig auch der Auftakt zur Saison Spring/Summer 2010, dem ein internationaler Schauenreigen folgt. Auf den illustren Modenschauen von New York, Paris, Mailand und London präsentieren namhafte Modehäuser jedoch vielmehr als nur die Trends von Übermorgen.
The Day before...by Loic Prigent
Die meist nur zehn Minuten andauernden Shows sind eine Zusammenfassung all dessen, an dem ein Team von dutzenden bis mehreren hundert Mitarbeitern eines Unternehmens sechs Monate lang ununterbrochen gearbeitet hat. Von der Ideenfindung bis hin zum finalen Musterteil, wird in den Designstudios bis zum Tag der großen Selbstdarstellung diskutiert, optimiert, verworfen, ergänzt und abgeändert. Dass Alles, um einflussreichen Modekritikern und wichtigen Einkäufern zu gefallen, die auf minmalistisch weißen Bänken oder wahlweise goldenen Operetten-Stühlchen Platz nehmen, um ganz nüchtern zu beurteilen, ob die Vision, die da gerade als textiles Gebilde über den Laufsteg wandelt auch marktfähig ist. Vom Stress hinter den Kulissen bekommen die geladenen Kunden und VIP´s nichts mit. Sollen sie auch gar nicht. Mode im Luxussegment verkauft schließlich Träume und nichts Anderes.
Ein Einblick in das Geschehen der letzten 48 Stunden vor der Modenschau ist nur wenigen Eingeweihten gegönnt, wäre aber mit Sicherheit für jeden Modeliebahber eine interessante Erfahrung. Die Neugierde oder den Wissensdurst besonders modeaffiner Mitmenschen befriedigt nun die Filmreihe “THE DAY BEFORE…” von Loic Pirigent. Der Regisseur hat vier Modedesigner bei den letzten Vorbereitungen zu ihrer Modenschau mit der Kamera begeleitet. Enstanden ist eine absolut sehenswerte Dokumentation von jeweils vier Filmen a 50 Minuten, die ab morgen online auf dem Sundance Channel nacheinander ausgestrahlt werden. Den Anfang am 09.September um 16:00 Uhr deutscher Zeit macht Sonia Rykiel.
09.September: SONIA RYKIEL
10.September: PROENZA SCHOULER
11.September: FENDI
12.September: JEAN PAUL GAULTIER
Um euch vorab einen Geschmack auf die exzellent aufbereitete und fundierte Dokureihe zu geben, zeigen wir euch vorab einen Ausschnitt aus der Folge mit Jean Paul Gaultier.
Monsieur Castelbajac mag es bunt! photo: Adeline Mai
Lust auf London Fashion Week? Nach Angaben der britischen Lifestyle Gazette Dazed and Confused sucht Modedesigner Jean Charles de Castelbajac noch Model für die Modenschau seiner neuen Zweitlinie JC/DC, die er im Rahmen der London Fashion Week am Freitag, den 18.09 erstmals der Öffentlichkeit präsentieren wird.
Gesucht werden coole Jungs und Mädels zwischen 16 und 25 Jahren. Es gelten natürlich die klassischen Modelmaße. Wer mitmachen möchte, sollte bis spätestens 7. September ein Portrait- so wie ein Ganzkörperfoto von sich per E-mail an unten stehende Adresse senden, und ab diesem Zeitpunkt vor Ort in London sein, um ggf. zum Live Casting beim Modearistokraten aufwarten zu können. In selbiger Woche findet auch das Fitting mit den Außerwählten statt.
Einem Bericht von Modejournalistin Nicole Phelps zufolge trafen sich am Dienstag Vormittag in New York die Mitglieder des Council of Fashion Designers in Amerika (CFDA) um über die Bedeutung der New Yorker Modewoche wie auch die Folgen der Wirtschaftskrise für die Modebranche zu sprechen.
Ein Meeting der Besonderen Art, schließlich handelte es sich bei den Teilnehmenden nicht um Mr. Smith und Mrs. Jones, sondern um die führenden Köpfe der Modebranche. Neben CFDA Präsidentin Diane von Furstenberg, diskutierten Vogue Chefin Anna Wintour, Donna Karan, Betsey Johnson, die Proenza Schouler Jungs, Calvin Klein Chef-Designer Francisco Costa sowie Moderedakteure und Inhaber renommierter fashion stores über das verbraucherunfreundliche Timing der Kollektionsauslieferung (Wintermäntel im Sommer), die hohen Kosten für Modenschauen sowie die Notwendigkeit Schauen für die kommerziell erfolgreichen aber eher schlichten pre-collections zu veranstalten? Modemacherin Donna Karan kritisierte die Tendenz der Konsumenten für Designerkleidung nicht mehr den vollen Preis zahlen zu wollen, sondern den Sale abzuwarten. Worauf Anna Wintour dem Einzelhandel geraten haben soll, sich künftig bei der Reduzierung von Waren abzusprechen und sich auf einen offiziellen Termin zum gemeinsamen Discount-Start zu einigen. Nachdem von Furstenberg La Wintour informierte, dass dies illegal sei, soll diese nüchtern entgegnet haben: “Nun können wir das nicht ändern, schließlich haben wir jetzt Freunde im weißen Haus “(eine Anspielung auf Michelle Obama, die im März dieses Jahres das Vogue Cover zierte).
Angesichts eines immer stärker werdenden Interesses der Allgemeinheit an modespezifischen Themen, wurde auch der Gedanke geäußert Modenschauen für Konsumenten zu veranstalten. Was von dem Besprochenen tatsächlich realisiert wird und wann etwaige geplante Veränderungen spürbar greifen, wird sich zeigen.
Auch wenn beim CFDA Treffen einzelne Aussagen von einer gewissen Weltfremdheit der Diskussionsteilnehmer zeugten, so ist die kritische Hinterfragung des eigenen Status quo in der Modewelt ein absolut positiver und auch hierzulande nachzuahmender Ansatz.
Da, wo Düsseldorf aktuell bemüht ist, seinen Ruf als Modestadt wieder aufzupolieren, braucht es kritische Diskussionsrunden mit kompetenten Köpfen aus Industrie und Handel, Szene und Medien, die bereit sind an den Grundfesten bestehender Institutionen zu rütteln. Fragen wie, ist die CPD überhaupt noch zeitgemäß und cool genug, um als modisches Aushängeschild der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zu fungieren, müssen erlaubt sein. Das schmerzt, doch Aktionen wie eine vom Kaufhof initiierte Modenschau über dem Kö-Graben, wirken im Vergleich mit der Berliner Fashion Week schlichtweg provinziell.
Überhaupt leidet das Image der Königsallee unter den großen Vertikalen wie H&M und Esprit, die sich auf Deutschlands ehemals führender Luxusmeile ausbreiten. Ein anderes länderübergreifendes Problem ist die zeitliche Waren-Präsentation der Einzelhändler: Schaufenster mit Daunenjacken im August mögen zwar die Vorreiter- Rolle einzelner Geschäftsinhaber belegen, haben aber mit der Realität der Verbraucher wenig zu tun.
Es wäre wunderbar, wenn auf künftigen Branchentreffen Problemstellungen zum Modestandort Deutschland nach dem Vorbild des CFDA New York selbstkritisch und konstruktiv diskutiert würden. Schulterklopfereien bei Champagner und finger food allein machen nämlich noch lange keine Modemetropole.