Oh la la… Während sich “Germany” mit einem Auftritt von Lady Gaga im hölzernen Kontext der Klumschen Modelsuche zufrieden geben muss, durfte sich Frankreich gestern Abend zur gleichen Zeit über die Ausstrahlung eines Zusammentreffens der Pop-Ikone mit Modegott Jean Paul Gaultier freuen.
In der Dokumentation “Gaga by Gaultier” des Fernsehsenders TF6 empfing der juvenile Top-Designer die stets extravagant gekleidete Miss Gaga in einem mit XL-Schulterpolstern getunten Ringelshirt in seiner Pariser Firmenzentrale. Mit französischen Charme, Esprit und der Unbefangenheit eines Mannes der nicht der Leistung Anderer Bedarf, um selbst zu glänzen, stellte Gaultier der 25-jährigen New Yorkerin Fragen, die diese offen und konzentriert beantwortete, und dabei vor allem bislang Unbekanntes aus ihrem Leben preisgab. So sprach die Künstlerin souverän über ihren Umgang mit Drogen, ihr Elternhaus und natürlich ihre Leidenschaft für ausgefallene Klamotten.
Mit gegenseitigem Respekt für das Schaffen des jeweils anderen begegneten sich hier zwei Superstars ihres Metiers auf Augenhöhe. Fabelhaft! Verglichen mit dem, was hiesige Privatsender dem Publikum als TV-Highlight verkaufen, drängt sich in Bezug auf das deutsche Medienschaffen vor allem eine Frage auf: “Können die nicht, oder wollen die nicht?”
Es war nur eine Frage der Zeit, bis Madonnas Töchterchen Lourdes selbst zum Star wird: mit ihren 13 Jahren, ziert Mademoiselle Ciccone, die aus Madonnas Verbindung mit ihrem früheren Fitnesstrainer Carlos Leon stammt, jetzt ihr erstes Cover. Selbstbewusst und distanziert strahlt die hübsche Dunkelhaarige mit den großen Kulleraugen von der Titelseite des deutschen Lifestyle Magazins Quality, der noch jungen Publiaktion des einstigen Qvest-Gründers Constantin Rothenburg.
An Bilder, auf denen Mutter und Tochter gemeinsam über den Roten Teppich flanieren haben wir uns längst gewöhnt. Schließlich hat Madonna ihre Kinder nie von der Presse abgeschirmt.
Im Gegenteil: sogar an ihren Adoptionsvorhaben in Afrika ließ sie die Öffentlichkeit teilhaben. Andere Stars wie Heidi Klum drohen Paparazzi mit drakonischen Geldstrafen, sollten Sie ihre Kleinen ablichten oder gar unverpixelt zeigen. Madonna hingegen hat ihren Nachwuchs, wie es scheint, regelrecht ins Show Bizz eingeführt. So stand Lourdes bereits mit ihrer Mama auf der Bühne und wird seit sie laufen kann, von Designern umworben. Auf den Fotos der Regenbogenpresse wirkt sie fast schon gelangweilt, was nicht verwundert, wenn man von frühesten Kindesbeinen an dem Blitzlichtgewitter der Fotografen ausgesetzt ist.
Da erstaunt es auch nicht, dass Lourdes mit ihren 13 Jahren bereits über eine ausgesprochene Stilsicherheit verfügt, dass sie die Bühnenoutfits für Mamas „Sticky&Sweet”-Tour ausgesucht oder unter dem Labelnamen „Material Girl” schon eine eigene Modelinie entworfen hat. Man könnte noch endlos aufzählen, was dieser Wunderteenie schon alles für die Musik und Modewelt geleistet hat, seitdem er aus dem Windelalter heraus ist. Allerdings drängt sich auch die Frage auf, ob das Phänomen Lourdes Ciccone nicht auch ein Produkt von zuviel mütterlichem Ehrgeiz ist. Schon die Tatsache, dass Madonna ihrem Spross einen Namen gab, der ihren eigenen an Extravaganz noch übertrifft, zeugt davon, dass der Megastar seinen Nachwuchs doch irgendwie zur Selbstinszenierung nutzt.
Denn auch wenn die Pop-Diva mit ihren 51 Jahren noch so knackig daherkommt, wie eine 30 Jährige, wird sie nicht ewig auf den Brettern der Welt herumwirbeln können. Sich ständig neu zu erfinden, ist selbst für eine Ikone wie Madonna eine Herausforderung. Ob sie die Marke Madonna mit einer Mini-Ausgabe ihrer selbst fortleben lassen will? Klar, Lourdes wird in Sachen Karriere sicherlich von ihren Promi Genen profitieren. Ob sie auf Dauer damit glücklich wird, steht auf einem anderen Blatt. Viele Kinderstars sind am frühen Ruhm zerbrochen. Allerdings macht Misses Ciccone dafür einen viel zu abgeklärten und gefestigten Eindruck. Und mal ehrlich, Madonna wirkt auch nicht wie die über-ambitionierte Eislaufmutti, deren Tochter später mal das erreichen soll, was Mama nicht geschafft hat. Insofern freuen wir uns auf weitere Neuigkeiten von der unglaublich erfrischend und natürlich wirkenden Lourdes.