COURTNEY LOVE: die Modebloggerin, die gar nicht bloggt
Posted: Juli 20th, 2010 | Author: Martina Klose | Filed under: FASHION NEWS | Tags: Blog, courtney love, fashion-blog, Hole, Kate Moss, Modeblog | No Comments »

screenshot from whatcourtneyworetoday.com
Wussten Sie es schon? Courtney Love ist jetzt Stilikone. Zumindest tut sie so und ist darin sogar ziemlich überzeugend. Tatsächlich führt die Hole-Frontfrau jetzt ein Stiltagebuch. Ein neues Blog mit dem verheißungsvollen Titel „whatcourtneyworetoday”.
Doch kaum ist das Style-diary von Madame “Ich-benehme-mich-gern-daneben” online, munkeln böse Zungen schon wieder: alles Blöff – Frau Love habe noch keinen einzigen Artikel ihres Blogs selbst formuliert. Vielmehr habe sie Jemanden damit beauftragt, ihre ganz persönliche, hippe Stilfibel zu verfassen.
Wohl um sich wieder zunehmende Medienpräsenz zu sichern, greift die stets etwas fahrig wirkende Courtney zum Instrument Web 2.0 und katapultiert sich mit Hochglanzbildern und guten Animationen wieder zurück in die Öffentlichkeit. Mit einer optisch ansprechenden Selbstinszenierung heizt sie über die Datenautobahn und bringt sich wieder ins Gespräch. Kein neuer Film, keine neue Platte, nein, ein neuer Auftritt im Netz garantiert heutzutage mediale Aufmerksamkeit. In Courtneys Fall sind es coole Illustrationen im Stile französischer Erwachsenencomics und ein Bilderteppich, auf denen Sie unterschiedliche Designerkleider, aber auch mal Nichts trägt.
Mal steht die Comic-Courtney in schwarzer Abendrobe vor einem Turm von Designer-Koffern, mal wühlt sie nackt in ihrer Birkinbag. Unter jedem Datum finden sich gute Fotos, auf denen die 46jährige hipp gekleidet ist. Nachdem das Interesse in den vergangen Jahren weniger Loves künstlerischem Schaffen, sondern vielmehr ihren Essstörungen galt, scheint sich Curt Cobains Witwe wieder mal neu erfunden zu haben. Das tut sie immerhin mit einer gewissen Regelmäßigkeit. So sahen wir sie vor ein paar Jahren deutlich erschlankt, gebotoxt und aufgeräumt in Oscar-Robe über den roten Teppich ins Kodak Theatre stöckeln. Damals schien sie ihr verruchtes Rockrören-Image endgültig abstreifen zu wollen, wie eine Schlange, die sich häutet.
Tatsächlich kam darunter ein glattes, ebenmäßiges, geläutertes, ja nahezu zerbrechlich wirkendes Fräulein zum Vorschein und man war förmlich verblüfft von ihrer Verwandlung, auch wenn man ihr das nicht ganz abnehmen wollte. Manch einen ließ die geläuterte Courtney sogar innerlich aufatmen:„Endlich, sie hat’s geschafft, sie ist nach Alkohol- und Drogenexzessen über den Berg und wird ihrer Tochter eine gute Mutter sein.” Doch kurze Zeit später besann sich la Love wieder auf ihren altbewährten, exzessiven Lebensstil und wurde nicht müde, Skandale zu produzieren.
Streit mit Ihrer Tochter Frances Bean aus der Ehe mit Curt Cobain, für die ihr zweimal das Sorgerecht entzogen wurde, eine angebliche Affäre mit Kate Moss und, und, und, und… Nun twittert und bloggt die Hole-Leadsängerin plötzlich seichte Stylingtipps durch die Welt. Und gibt tiefschürfende Erkenntnisse zum Besten, à la “nach 20 Uhr sollte man nur noch mit einer Clutch ausgehen, da eine Handtasche eindeutig überproportioniert ist.” Auf Ihrem Blog erleben wir Courtney als labelfixierte Fashionista, jedoch nicht mehr als launenhaften, aber autenthischen Rockstar.
Möglicherweise haben ihre Berater dazu beigetragen, die leicht ramponierte Marke „Love” etwas aufzufrischen.Vielleicht ist es aber auch der Versuch, das Ruder noch einmal herumzureißen. Denn wer will schon sein Leben lang die Rolle des ewig bösen Mädchens mimen? Möglicherweise hat Courtney Love aber auch im Laufe der Zeit gelernt, dass man im Showbizz untergeht, wenn man sich nicht ständig verändert. Und so ist davon auszugehen, dass Frau Love irgendwann wieder in das alte Strickmuster verfällt und ihre Rolle als Modepüppchen hinschmeißt. Denn hohl ist die Hole-Sängerin bestimmt nicht.
(Text: Martina Klose)
