Mode für die Wand: Hussein Chalayans Symbiose in der Londoner Lisson Gallery

Posted: August 3rd, 2010 | Author: Martina Klose | Filed under: FASHION EXHIBITIONS, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , | No Comments »

Designer Hussein Chalayan

Designer Hussein Chalayan

„Einige meiner Kleider könnte man auch einfach an die Wand hängen,” sagt Hussein Chalayan über seine Entwürfe und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Statt wie seinesgleichen ausschließlich Kleider für den Laufsteg zu produzieren und diese von den Anna Wintours dieser Welt beäugen zu lassen, wandern seine Kreationen wohl genauso oft ins Museum, wie in die Schränke von Fashion-Victims.

Seit Jahren überzeugt sein experimentierfreudiges Schaffen die Fachleute aus der Kunst- und Modeszene gleichermaßen. Kritiker bezeichnen seine Kleider gerne als untragbar, Liebhaber sprechen von genialen Kunstwerken. Vielleicht wird dem gebürtigen Zyprioten deshalb am 8. September 2010 eine Ausstellung in der Londoner Lisson Gallery gewidmet. Geplant sind unter anderem eine Installation und ein Film, der Elemente aus Musik, Design und Kunst vereinen soll. „Ich hatte schon immer einen interdisziplinären Anspruch… die neue Arbeit ist da nur eine logische Fortführung,” betont der in der britischen Hauptstadt ansässige Modedesigner. Dass Hussein Chalayan mehr sein will, als ein Modeschaffender und es versteht, seine Entwürfe perfekt und zugleich originell zu inszenieren, wurde schon im Jahre 1997 deutlich. Als einer der ersten Designer schickte er damals Models in sexy Kleidern, aber mit komplett verschleiertem Gesicht über den Catwalk. Ein Gegensatz, der Mode vom rein Ästhetischen wegführte und sie zum Instrument einer künstlerisch-politischen Botschaft machte. Die provokative Schau trug Früchte. Prompt wurde der Central Saint Martins Absolvent für mehrere internationale Ausstellungen gebucht.

In den Jahren 1999 und 2000 wurde Chalayan wiederum mit dem Titel Designer of the Year der British Fashion Awards ausgezeichnet. Grenzgänger Hussein Chalayan ist einer der wenigen Designer, dessen Werke es schon zu Lebzeiten als Exponate in die großen Museen geschafft haben. Insofern blicken wir am 8. September gespannt nach London, wenn die Lisson Gallery ihre Pforten öffnet, um Hussein Chalayans neuestes modisch-künstlerisches Cross-over zu präsentieren. (Text: Martina Klose)

Hussein Chalayan, Afterwords 2000. Image by courtesy of Chris Moore

Hussein Chalayan, Afterwords 2000. Image by courtesy of Chris Moore

Lisson Gallery, London

mehr: HUSSEIN CHALAYAN kauft Firmenanteile von Puma zurück


HUSSEIN CHALAYAN KAUFT FIRMENANTEILE VON PUMA ZURÜCK! UND NUN?

Posted: Januar 12th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , | No Comments »

Hussein Chalayan Ad Campaign Winter 2009

Hussein Chalayan Ad Campaign Winter 2009

Konzept-Designer Hussein Chalayan hat die Mehrheit der im Februar 2008 verkauften Anteile seines in London beheimateten Unternehmens an die PUMA AG zurückgekauft.

Inwiefern die neu erworben Unabhängigkeit vom starken Partner aus Herzogenaurach, der seinerseits wiederum zum Luxuskonzern PPR gehört, sich zugunsten seiner namenseigenen Linie auswirkt, bleibt abzuwarten. Tatsächlich ist es in den vergangenen Monaten etwas still gewesen um den Stardesigner, und das trotz zweier fabelhafter Kollektionen im Jahre 2009, deren Kleider eine bravouröse Ausgewogenheit zwischen Innovation und Tragbarkeit kennzeichneten.

Die Übernahme des Merheitsanteils der Marke Hussein Chalyan durch PUMA im vergangenen Jahr sollte dem Avantgardisten eigentlich beim weltweiten Ausbau seines Labels behilflich sein, doch bei der Masse ist das Label noch lange nicht angekommen. Hussein wer? Kunst und Modestudentinnen lieben ihn, doch außerhalb der Branche ist der gebürtige Zypriot und Central Saint Martins Absolvent gänzlich unbekannt.

Seine Entwürfe zur diesjährigen Sommersaison wirken gezwungen, als hätten die Betriebswirte des Sportartikelherstellers mit strenger Miene und einem Blick der Verkäuflichkeit fordert während des Entwurfsprozess über Chalayans Zeichenpult gewacht. Fakt ist, Hussein Chalayan muss Geld verdienen um sich selbst und sein eigenes Label zu unterhalten und somit bleibt er auch in Zukunft der PUMA AG in der Funktion als Kreativdirektor der Sport-Fashion Kollektionen verbunden.

Doch die Kooperation zwischen dem Freigeist und dem gewinnorientierten Global Player der Funktionsbekleidung wirkt milde gesagt, sehr bemüht! Herzblut und Authentizität muten anders an, als das was da unter dem Etikett “designed by Hussein Chalayan” bei Puma auf der Ladenstange hängt. Der permanente Widerstreit zwischen künstlerischem Anspruch und kommerziellem Zugeständnis wird dabei sowohl bei der Erstellung seiner eigenen Kollektion wie auch der Gestaltung für Puma die größte Herausforderung im Schaffen des zweifellos genialen Modemachers bleiben.