Unterwäsche ist nicht gleich Unterwäsche, und was die Werbekampagnen für das Untendrunter anbelangt so liegen bei deren Umsetzung in Bezug auf Niveau und Kreativität oftmals Welten.
Warum gerade die Franzosen, dieses in Deutschland nahezu stiefkindlich behandelte Segment der Textilbranche, immer wieder geschmackvoll und mit Allure zu inszenieren wissen, bleibt mir ein Rätsel, doch die Bilder der neuen Unterwäschekollektion aus dem Hause John Galliano bestätigen mal wieder die Kompetenz der Franzosen in Sachen feinsinniger Erotik. Während deutsche Wäschehersteller dem Verbraucher Feinripp werbetechnisch gerne als biedere “Hausmannskost” servieren, lässt die zur LVMH-Gruppe gehörende Marke Galliano für kommenden Winter Schlüpfer und Büstenhalter tanzen und bietet seinen potentiellen Kunden damit ein optisch ansprechendes Pas de Deux.
Das “Bäumchen-wechsle-dich-Prinzip” scheint in diesem Jahr auffallend oft Anwendung auf Designer in leitenden Positionen innerhalb internationaler Modeunternehmen zu finden. Fast könnte man meinen, Arbeitlosigkeit sei das ultimative Accessoire der Saison.
Neben der bisher prominentesten Entlassung im Falle Gallianos, musste auch noch so manch anderer kreative Kopf in diesem, noch jungen Jahr, seinen Hut nehmen. Meist werden schlechte Umsatzzahlen als Grund für die Entlassungen genannt, alternativ auch die unterschiedliche Auffassung zwischen Designer und Geschäftsführung bezüglich der stilistischen Ausrichtung der Kollektion. So einigte sich der Vorstand im Hause Balmain darauf, dass die Zielgruppe für verschlissene 1000-Dollar-Shirts doch zu klein ist um damit auf Dauer stabile Umsätze zu generieren. Das Resultat: Christophe Decarnin ist seit ein paar Wochen nun ganz offiziell nicht mehr als Chefdesigner für Balmain tätig.
Den jüngsten Rausschmiss verbucht das Modehaus Gianfranco Ferré, das seit dem Tod seines Gründers im Jahr 2007, in Ermangelung kreativer Visionskraft, konstant von Schließung bedroht ist. Diesen Zustand wusste auch das Designer-Duo Aquilano und Rimondi nicht zu ändern und so wurden die beiden vor wenigen Tagen von ihren Aufgaben als künstlerische Leiter entbunden.
Von der Öffentlichkeit beinahe völlig unbemerkt trennte sich im März die Lederwaren-Manufaktur Trussardi von ihrem Kreativchef Milan Vukmirovic. Zur Erinnerung all derer, die sich gerade fragen; Milan who?, sei darauf hingewiesen, dass der gebürtige Serbe einst als Creative-Director der Marke Jil Sander von 2000 bis 2003 für weit mehr Aufsehen sorgte.
Auch Issey Myakes Kreativdirektor Dai Fuijwara (seit 2006) und Louis Vuittons Menswear-Director Paul Helber haben ihren Arbeitsplatz vor wenigen Wochen geräumt. Letzterer wird übrigens durch den 31-jährigen Engländer Kim Jones ersetzt.
Chloé Chefdesignerin Hanna McGibbon musste in den vergangenen Wochen ganz schön bangen als ihre Stelle zur Disposition stand. Doch McGibbon kann durchatmen, zunächst, ihr Vertrag wurde dieser Tage um ein halbes Jahr verlängert. Komplett raus ist dagegen ihre Kollegin Vanessa Seward als Chefdesigneuse des couturesque angehauchten Labels Loris Azzaro. Zwischenmenschliche Missstimmungen in Folge eines Managementwechsels sollen Seward letztlich zum Abgang bewogen haben. Auch wenn es in etwa so spannend sein mag wie ein in Travemünde umgekippter Strandkorb, so soll der Vollständigkeit halber erwähnt werden, dass auch Clare Waight Keller als Kreativdirektorin der Marke Pringle of Scotland zurückgetreten ist. Aus persönlichen Gründen. Natürlich, was sonst!
Welche Überraschungen das Personalkarussell 2011 sonst noch bietet? Schaun mer’ mal.
Aufmerksamkeit ist eine Währung von der Prominente maßgeblich leben, doch nicht immer schmeichelt eine wartende Paparazzimeute dem Celebrity-Ego.
Eine Erfahrung die jüngst auch John Galliano machen musste. Unmittelbar nach seiner Ankunft am Flughafen von Los Angeles gestern Abend, wurde der Modemacher von einem Trüffelschwein der Yellow-Press ganz unverblümt als “fucking racist” begrüßt. Der Reporter nahm damit offensichtlich Bezug auf die antisemitischen Pöbeleien des Designers vor wenigen Wochen in einem Pariser Café, welche kurzerhand zur Entlassung Gallianos als Chefdesigner im Hause Dior führten. Pressevertreter, -unter Druck das ultimative Bild schießen zu müssen-, die berühmten Zeitgenossen sowohl den Weg als auch die Sicht versperren, mögen akzeptabel sein, Schmährufe als Willkommensgruß hingegen sind es definitiv nicht.
LAX erweist sich als ein besonders hartes Pflaster für ein- wie auch abreisende Promis. Auch Kate Moss weiß ein Lied davon zu singen.
Das Faszinosum der Pariser Modewoche bot vergangen Samstag zweifellos die Schau von John Galliano. Den nun bis in alle Ewigkeiten in Erinnerung bleibenden hässlichen Worten des Designers steht eine der besten Kollektion seit dem Laufstegdebüt seiner namenseigenen Linie gegenüber. Diese befindet sich ebenso im Besitz des LVMH-Konzerns wie das Haus Dior, das Galliano vergangener Woche wegen antisemitischer Äußerungen als Chefdesigner von Diors Womenswear-Sparte kurzerhand Adieu sagte.
Vielleicht hätte der eine oder andere Pressevertreter sich ein narzisstisches Modespektakel in typischer Galliano-Manier gewünscht, um im Anschluss in narzisstisch feuilletonistischer Manier über des Designers Weltentfremdung orakeln zu können. Doch diese Angriffsfläche bot Galliano den versammelten Gästen seiner Show in der Avenue Foch nicht. Stattdessen versprühten die 20 gezeigten Modelle in ausgewogener Balance zwischen hohem Modegrad und Tragbarkeit “haute elégance” im Stil der 30er Jahre. Dass die vorgestellten Stücke von Gallianos Label dieses Mal genauso gut unter dem Etikett Dior hätten laufen können, beweist wie sehr Monsieur Galliano die DNA seines ehemaligen Arbeitgebers aufgesogen hat.
Der Galliano Vibe für den noch weit in der Ferne liegenden Winter 2011/12 kam dieses mal nicht wie sonst üblich mit sensationellem Getöse daher, sondern leise und aufgeräumt, was vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse beinahe demütig anmutetet, eine nonverbale Entschuldigung im schicken Gewand. Dabei konnte der Designer zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Kollektion unmöglich wissen, dass Drogen und Alkohol eines Abends seine Zunge diabolisch tanzen lassen würden.
HYPE fashion-director Oliver Rauh weilt aktuell in Paris und hat die Show von Galliano gesehen. Grund genug hier einmal nachzufassen:
Oliver, glaubt man der Berichterstattung einer großen deutschen Tageszeitung, blieben Pominente und auch die Top-Player der Modebranche Gallianos Modenschau fern…
Es war eine Show im Stile der alten Modezeiten, eine intime Präsentation.
Da diese in der in der ersten Etage eines Stadtpalais in der Avenue Foch stattfand, ließen sich nicht alle Gäste erblicken. Bei der ersten Show saß neben mir schon mal Vertreter der amerikanischen Vogue und auch Patti Wilson war mit von der Partie.
War der Saal voll besetzt?
Galliano zeigte an diesem Tag seine Kollektion mehrfach. Die Plätze der Show, der ich beiwohnte, waren jedenfalls voll besetzt.
Wie war die Stimmung im Publikum?
Klingt banal ist aber so: super!
Wie war der Applaus?
Gut! Die Kollektion war absolut überzeugend, ich würde sogar sagen, traumhaft. Aber der sonst übliche tosende Beifall blieb aus, weil John nach der Show nicht zu sehen war.
Unglaublich aber wahr: Die britische Boulevard Zeitung “The Sun” hat auf ihrer Internetseite heute ein Video veröffentlicht, in dem Designer John Galliano im Pariser Café “La Perle” andere Gäste mit rassistischen Äußerungen beleidigt und die Frage einer Frau “Are you blond?” mit “No, but I love Hitler!” beantwortet. Der Clip kann aktuell nur auf der Website von The Sun abgerufen werden.
Bislang wurde darüber spekuliert, ob es sich bei der in dem Video zu sehenden Person überhaupt um John Galliano handelt, doch laut der Online Zeitung “Huffington Post” hätten Medien wie Le Monde, La Parisien und auch RTL den sichtlich berauschten Mann zweifellos als John Galliano identifiziert. Noch ist unklar, ob das Video die Situation von vergangenem Donnerstag zeigt, welche am darauffolgenden Freitag zu Gallianos Suspendierung im Hause Dior geführt hatte. Der Designer soll ein Paar, Geraldine Bloch und ihren Freund Philippe Virgitti, mit antisemitischen Parolen beschimpft haben. In dem von der Sun entdeckten Video, welches mit einer Handykamera gefilmt wurde, äußert sich der Modemacher darüber hinaus noch mit folgenden Worten: “People like you would be dead. Your mothers, your forefathers, would all be fucking gassed.” Galliano setzt sich gegen die Anschuldigungen von letztem Donnerstag juristisch zu wehr und klagt auf “Diffamierung”.
Das heute an die Öffentlichkeit gelangte Video lässt ihn nun allerdings unglaubwürdig wirken. Ob Dior nach diesem Vorfall noch an Galliano als kreativem Kopf des Unternehmens festhalten wird?
Wie der Branchendienst WWD am gestrigen Freitag berichtete wurde Modegenie John Galliano aufgrund angeblicher antisemitischer und rassistischer Äußerungen gegenüber einem Paar von seinem Arbeitgeber Dior suspendiert.
Der Vorfall habe sich am Donnerstag Abend, gegen 21 Uhr, im Szenecafé La Perle im Pariser Marais-Viertel ereignet. Galliano sei zu diesem Zeitpunkt schon beit weitem nicht mehr nüchtern gewesen. Die Situation wurde durch die anrückende Polizei aufgelöst, der Designer zur Befragung mit auf die Wache genommen. Diors Geschäftsführer Sidney Toledano reagierte unverzüglich und gab eine knappe Stellungnahme zu dem Malheur ab: «Das Modehaus Dior bestätigt in aller Entschlossenheit seine Null-Toleranz-Politik gegenüber jeglichen rassistischen oder anti-semitischen Äußerungen; bis zum Vorliegen der Untersuchungsergebnisse hat Christian Dior John Galliano von all seinen Aufgaben entbunden.»
Gallianos Anwalt Stephane Zerbib bestreitete derweil die Anschuldigungen gegen seinen Mandanten. Das Debakel kommt für Dior zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt. So steht steht dem Modehaus für den 4. März die Präsentation seiner Fall/Winter 2011 Kollektion im Rahmen der Pariser Modewoche kurz bevor. Gallianos eigene Schau ist für den 6.März angesetzt. Ob der 50-jährige Exzentriker, der die kreative Leitung von Dior seit 1996 innehält, an diesen Tagen seinen gewohnten Gang über den Catwalk im Anschluß an die Schauen vornehmen wird, ist derzeit noch völlig ungewiss.
Der französichen Radiosender “Europe 1″ zitierte das geschmähte Paar, demnach Galliano dieses mit folgenden Worten auf English attackiert haben soll: “Dirty Jewish face, you should be dead” und “Fucking Asian bastard, I will kill you.”
Laut Augenzeugen mit guten Kontakten zur Redaktion der deutschen Lifestyle-Zeitschrift SLEEK soll der verbalen Entgleisung Gallianos jedoch ein Streit zwischen dem Designer und dem Paar vorausgegangen sein, bei dem die Zwei den Stardesigner fälschlicherweise für einen Penner hielten, als dieser versuchte ein Gespräch mit ihnen anzuetteln. Wie SLEEK auf seiner Website berichtet, sollen der Mann und die Frau Galliano daraufhin als schmutzig und ekelerregend bezeichnet haben und ihm desweiteren zugerufen haben sich zu verziehen. Gallliano habe die Anfeindungen zunächst ignoriert, sei dann aber doch zum verbalen Gegenangriff übergegangen: You’re ugly and you’re fucking bag is ugly too. (Erstaunlich, nichteinmal im besoffenen Zustand kann Galliano über häßliche Damenhandtaschen hinwegsehen. Mon Dieu! )
Dies habe den Lebensgefährten der Frau aufgebracht auf Galliano in bedrohlicher Manier zuzugehen. Gallianos Bodyguard sowie Angestellte des Cafés hätten versucht die Situation zu schlichten. Dabei seien die bösen Worte Gallianos gefallen.
Nicht nur H&M kooperiert regelmäßig mit namhaften Modehäusern. Auch der Pariser Edelkonditor Ladurée bringt seit 2003 in unregelmäßigen Abständen eine Design-Edition seiner berühmten Macarons heraus.
Nach Anna Sui, Tricia Guild, Marni, Louboutin, Lacroix und Sonia Rykiel kommt jetzt mit John Galliano Schwung in das kultige Schaumgebäck. Zumindest in optischer Hinsicht. Die Macarons präsentieren sich in einer schicken Schmuckbox, welche an Gallianos neueste Duftkreation “Parlez-Moi d’amour” erinnert. Das Motiv bildet eine Art Liebesbrief, unterzeichnet von Monsieur d’Excentrique John Galliano.
Auch die Geschmacksrichtungen Rose und Ingwer gehen auf das Duftwässerchen zurück und versprechen Gaumenfreuden pur.
Die Edelkekse sind in 3 Größeneinheiten ab November in Ladurée Geschäften in Frankreich, England, Schweiz, Monaco, Irland, Italien und Japan erhältlich.
Er kreierte Carla Bruni-Sarkozys Pillbox-Hütchen, das ihren Jackie-Kennedy-Look beim Staatsbesuch in London abrundete, Prinzessin Diana besaß ein Dutzend seiner Bérets und Kylie Minogue wirbelte mit einer seiner Kopfbdeckungen über die Bühne. Stephen Jones schrille und exzentrische Hutkreationen landen nicht nur auf den Häuptern gut betuchter Ascot-Ladies. Er war es, der den Hut in den achtziger Jahren aus der Vergessenheit zurück ins Rampenlicht und auf die Köpfe der Modemutigen brachte und ihn als Accessoire bei den Schauen der großen Couturiers etablierte.
Dieses Jahr feiert die Marke Stephen Jones Millinery ihr 30jähriges Bestehen. Das Modemuseum, kurz MoMu, in Antwerpen nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, dem Londoner Hutmacher eine ganze Ausstellung zu widmen.
Das belgische Ausstellungshaus ist im Besitz der größten Stephen Jones- Hutkollektion der Welt und beherbergt mehr als 120 Exemplare.Stephen Jones & The Accent of Fashion lässt den Betrachter in die einmalige Welt eines Accessoirekünstlers eintauchen, der seit drei Jahrzehnten mit den namhaften Größen aus der internationalen Modeszene zusammenarbeitet: Jean Paul Gaultier, Thierry Mugler, Comme des Garçons, Claude Montana, John Galliano, Christian Dior, Walter Van Beirendonck und Marc Jacobs. Chapeau, Mister Jones!
Die Ausstellung läuft vom 8. September 2010 bis 13. Februar 2011
“Als ich bei DIOR anfing, wollte ich die Spinnweben wegfegen, das Haus wieder zum Leben erwecken.” sagt John Galliano rückblickend auf seine Anfänge in der Avenue de Montaigne. Seit 1996 prägt er die Marke Dior mit seinen eigenwilligen und innovativen Kreationen und führte das Luxuslabel erfolgreich in das neue Jahrtausend. Wie all die großen Persönlichkeiten der Modebranche hat er gewisse Gewohnheiten und Spleens. Hier sind 15 Fakten über John Galliano, die Sie bestimmt noch nicht kannten:
1) Er steht jeden Morgen um 5 Uhr 30 auf.
2) Am liebsten frühstückt er einen Frucht-Smoothie, Soja, grünen Tee und zwei Scheiben – man höre und staune – Schwarzbrot.
3) Um 7 Uhr trainiert er mit seinem Personal Trainer.
4) Er lässt sich von den Damen in der Pariser Luxusmeile Avenue Montaigne inspirieren.
5) Er wurde 1960 in Gibraltar geboren.
6) Seine erste Kollektion entstand genau 50 Jahre nach dem Debüt des großen Meisters Christian Dior.
7) Sein erster Entwurf für Dior wurde von Prinzessin Diana getragen.
8) 2000 ließ er sich von Obdachlosen inspirieren, was ihm den brancheninternen Spitznamen “Marie-Antoinette der Mode” einbrachte.
9) Er hat noch nie eine email verschickt.
10) Er hasst Telefone.
11) Seine Musen sind Kate Moss und Naomi Campbell.
12) Er lässt sich von seinen Assistenten und Praktikanten inspirieren.
13) Er liebt es, spät abends ein Duftbad bei Kerzenschein zu nehmen.
14) Er krizzelt seine Einfälle gerne auf Post-its, die er rund um sein Bett klebt, aber am nächsten Morgen nicht mehr lesen kann.
15) Sein bester Freund ist der Fotograf Jean-Baptiste Mondino.
Es darf wieder geklotzt werden in der Haute Couture. Einer, der das mit am besten beherrscht ist John Galliano. Seine übergroßen, farbenfrohen Blütenkelchroben schwebten bei den Pariser Couture Schauen engelsgleich über den Laufsteg. Wie ein Feuerwerk der Botanik erlebten Modekritiker und Stars die Präsentation seiner Dior Herbst-Winterschau 2010/11 im Pariser Rodin Museum.
John Galliano hat sich mit dieser Kollektion, die als Hommage an die 1953 von Christian Dior erschaffene Tulpenlinie gedacht ist, wieder einmal selbst übertroffen. Romantisch, aber stets am Puls der Zeit, dank futuristischer Elemente, schickt der Designer seine Mannequins in die Mode Arena.
Um das Ganze nicht zu kitschig oder gar verkünstelt erscheinen zu lassen, greift Galliano zum gekonnten Stilbruch, indem er den Laufstegschönheiten Folie um die Köpfe wickelt und diese wie eingepackte Blumensträuße aussehen lässt. Doch das fulminante Blumenspektakel ist nicht nur das Werk eines begnadeten Modeschöpfers, diese Präsentation hat eine gewisse Symbolkraft für den momentanen Zustand einer schon mehrfach totgesagten Branche.
Es geht wieder bergauf im Luxussegment, so der einhellige Tenor bei den Pariser Schauen. Zwar wurden für die diesjährigen Défilées nur magere drei Tage anberaumt, doch sogar das einst angeschlagene Modehaus Givenchy, das in den vergangenen Jahren auf kostspielige Coutureschauen verzichten musste, war wieder unter den insgesamt 17 teilnehmenden Luxushäusern.
Die Verkäufe von Luxusroben scheinen wieder anzuziehen. Und genau darauf kommt es in diesem Segment an, welches auf Frauen zugeschnitten ist, die für handgefertigte, maßgeschneiderte Kleider fünf- oder gar sechsstelligen Summen hinblättern. «Von den Kundinnen der Edelschneider lassen sich allerdings nur zwischen 30 und 40 Prozent bei den Schauen sehen», gestand Designer Elie Saab kürzlich dem Fachblatt «Women’s Wear Daily». Vielen sei es unangenehm, wenn sie in einer Modenschau erkannt würden.
Auch Karl Lagerfeld bemerkt nach seiner spektakulären Löwenschau unter der Kuppel des Grand Palais: «Der Typ der Kundinist heute ganz anders», so der Grandseigneur de la Mode gegenüber der Presse. «Früher kauften sie vielleicht ein Kleid. Heute kommen junge Frauen und nehmen gleich 40 Entwürfe.» Beachtlich! Auf die Frage, wer denn diese kaufkräftige Klientel sei, übt sich die Haute Couture Branche in vornehmer Diskretion. Warum eigentlich? In einem Rosenbouquetkleid à la Galliano muss man sich doch wahrlich nicht verstecken, diese Robe schreit förmlich nach Öffentlichkeit!
John Galliano stellte heute im Rahmen der Moda Uomo in Mailand seine neue Zweitline für modische, junge Männer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren, den geladenen Gästen seiner Fashion Show vor. Die in Lizenz von Ittierre Spa hergestellte Kollektion firmiert unter dem Namen “Galliano” und startet zur kommenden Herbst/Winter Saison mit 250 Teilen.
Wie so oft bei Galliano´s Männerkollektionen der Fall, verzaubert das Styling den Betrachter mehr als die Klamotte selbst. Oftmals ist das einzelne Kollektionsteil derart alltäglich, das man sich fragt, warum man dafür ein kleines Vermögen ausgeben sollte? Andere Teile wiederum sind so schreiend laut, dass Mann, das gute Stück abseits vom Laufsteg nicht tragen kann ohne dabei negativ aufzufallen.
Auch John Gallianos neue, von der Londoner Punk Szene inspirierte Zweitlinie entfaltet ihre Wirkung primär durch die gekonnte Kombination der einzelnen Kollektionsteile miteinander, und doch hoffe ich, dass es die rockigen T-Shirts, die bedruckten Leggings, die samtenen Bikerjacken und vor allem die Boxershort über der Jeans, auch hierzulande in die Fußgängerzonen schaffen werden. Wenn es doch bloß mit dem Kauf eines Galliano Mantels noch des Meisters Stylisten hinzu gäbe!
Seit 1998 ergänzt Schmuckdesignerin Victoire de Castellane die extravaganten Entwürfe des Exzentrikers John Galliano für das französische Haus Dior mit ihren ebenfalls eigenwilligen und stets elaborierten Schmuckstücken. Sie liebt es groß, bunt und außergewöhnlich. 14 Jahre lang stellte sie als Head of Accessories ihren Sinn für Theatralik in die Dienste der Firma Chanel, bevor sie zu Dior wechselte. Die Designerin stammt aus der Cognac Dynastie Hennessy und ist die Nichte von Karl Lagerfelds Langzeit Assistenten Gilles Dufour. Das mag ihr den Einstieg ins Luxussegment natürlich erleichtert haben, doch allen Privilegien zum Trotz, wer ihre Arbeiten sieht, der merkt sofort, die Gute hat einfach Talent! Ihr neuester Coup ist die “Kings & Queens” Collection für Dior Joaillerie – im wahrsten Sinne des Wortes brilliant!
Copyright: Dominique Issermann / Courtesy of: Musée Christian Dior
Es gibt wohl kaum einen Modeliebhaber dem der Name Christian Dior nicht vertraut wäre. Ebenso verhält es sich mit Yves Saint Laurent, der nach dem plötzlichen Tod Diors im Jahre 1957, mit gerade mal 21 Jahren zum künstlerischen Leiter des Hauses berufen wurde. Auch John Galliano, der seit 1996 als Chefdesigner bei Dior fungiert, ist allen halbwegs modeinteressierten Menschen ein Begriff.
Doch wer war eigentlich der Mann, der, nach Yves Saint Laurent und vor John Galliano, das modische Erscheinungsbild des Unternehmens bestimmte? Das Christian Dior Museum in Granville antwortet auf diese Frage mit seiner aktuellen Ausstellung: “Dior les anneés Bohan, Trois décennies des styles et des stars (1961 – 1989) ” Die Ausstellung gewährt Einblicke in das kreative Schaffen Marc Bohans, der 28 Jahre lang den Look von Dior geprägt hat und lädt ein, die Arbeit des Designers im Kontext seiner Zeit neu zu entdecken.
Marc Bohan konnte in den 1960er Jahren zahlreiche Erfolge für sich verbuchen und bescherte der Firma Dior über lange Zeit beachtliche Umsätze. So etablierte er Diors Ready-to-Wear Linie “Miss Dior” und führte unter dem Namen “Christian Dior Monsieur” auch die Herrenmode ein. Europäischer Adel, halb Hollywood, Industriellengatinnen und Frankreichs Politprominenz vertrauten auf Bohan´s Chic. Die schlanke Linie seiner damenhaften Kleider, die strengen Kostüme, und opulenten Couture Roben für festliche Anlässe trafen den Geschmack der damaligen High Society.
Grace Kelly, Maria Callas, Farah Diba, Brigitte Bardot, Elizabeth Taylor, sie alle trugen Bohans Kreationen. Auch Designermode für Kids ist keine Errungenschaft der 1990er Jahre; mit Baby Dior förderte Bohan eine besonders dekadente Art den Jet Set-Nachwuchs einzukleiden und schneiderte für die Jüngsten, Miniaturausgaben der exquisiten Dior Modelle ihrer Mütter nach. Für seine Haute Couture Kollektionen wurde wurde Bohan zweimal mit dem prestigeträchtigen Dé d´Ór Award ausgezeichnet.
Dennoch, eine modische Revolution wie die Erfindung des Kleinen Schwarzen durch Coco Chanel oder Yves Saint Laurent, der den Hosenanzug für Frauen gesellschaftsfähig machte, gelang Bohan nicht. Er war Couturier alter Schule, was ihm die Anerkennung aus Fachkreisen und eine illustre Stammklientel aus der Upper-class verschaffte. Mit der Studentenevolution 1968 und der damit verbundenen Auflehnung der Intelektuellen gegen das Establishment, änderte sich jedoch der Zeitgeist. T-Shirt und Hose avancierten zur Uniform der Straße. Kein Stil, den man mit Dior verbindet.
Ende der 70er Jahre verfiel Dior schrittweise in eine Art Dämmerschlaf. Die Marke fand ihre Präsenz in Form von beliebigen Lizenzprodukten und generierte 1980 ihren Umsatz nur noch durch Parfums, Kosmetika und biedere Accessoires. Im Rückblick geben Bohans Entwürfe dennoch ein weitaus realistischeres Bild vom tatsächlichen Bedarf an Luxusmode und den vorherrschenden Gepflogenheiten, der damaligen Reichen und Schönen. Denn im Gegensatz zu den innovativen Kreationen seiner Kollegen, wurden die elaborierten aber konventionellen Entwürfe Bohans in deren Kreisen auch tatsächlich getragen.
1989 wurde Marc Bohan schließlich, durch den mittlerweile verstorbenen Italiener, Gianfranco Ferre, als Chefdesigner ersetzt, der wiederum 1996 von John Galliano abgelöst wurde, der die Position des Chefdesigners bis heute hält.
Photos: L. Le Guyader / Copyright: Musée Christian Dior
Das Museum hat bis zum 20. September, von 10.00 – 18.30 Uhr geöffnet.
Eintritt: € 6
Adresse: Musée Christina Dior, Villa Les Rhumbs,
Rue d`Estuouville, 50400 Granville, France