Über das Verhältnis von Model Baptiste Giabiconi und seinem Entdecker Karl Lagerfeld wird viel spekuliert. Handelt es sich hier um eine Liebesbeziehung, eine Freundschaft, oder doch bloß um eine dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Model und Designer?
Der Meister schwärmt in Interviews zwar in höchsten Tönen von dem zwanzigjährigen Beau aus Marseilles und pusht dessen Kariere wie zuvor nur seine eigene, doch zur Frage welcher Natur die Verbindung zwischen den Beiden tatsächlich ist, bezog der Modemacher bislang keine Stellung. Eine wesentlich eindeutigere Sprache sprechen da schon die zahlreichen Fotos, die Lagerfeld in den vergangenen zwei Jahren quasi in Akkordarbeit von seinem Zögling geschossen hat. Sie zeigen Baptiste häufig nackt, mal in Stilettos, mal mit Faust im Mund - erotische Posen dirigiert von Kaiser Karl.
Eine Auswahl der besten Motive bietet der im Mai bei Steidl erscheinende Bildband “The Beauty of Violence”. Karl Lagerfeld “The Beauty of Violence”, Steidl Verlag, 96 Seiten, 34 Euro
Dass die Luxusgüterbranche das Wort Wirtschaftskrise nicht mehr hören mag ist verständlich. Das so manch Meinungsmacher bereits versucht hat mit der Deklaration “recession is so 2009″ das Ende der Krise zumindest in den Köpfen der Verbraucher herbeizu”manipulieren”, kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, das Modehäuser die Folgen des Bankencrashs auch im noch jungen Jahr 2010 deutlich zu spüren bekommen.
So berichtete das Branchenblatt WWD (WomensWearDaily) am 11. Januar erstmals von der Schließung des amerikanischen Versace Pressebüros in New York. So what? könnte man leichtfertig fragen, wenn nicht wenige Tage zuvor Beth Shapiro, PR-Chefin und Marketingdirektorin im Hause Lagerfeld, ihren Abschied aus dem Kaiserreich in einer E-Mail an Geschäfts- und Medienpartner mit folgenden Worten begründete: “The current environment has forced us to downsize”. Desweiteren wurde heute bekannt, dass die Zweitlinie des Modeunternehmens “K Karl Lagerfeld” künftig eingestellt wird.
Sichtbar schlecht geht es auch dem Unternehmen Yohji Yamamoto. Dass der japanische Modemacher bereits im Oktober 2009 Insolvenz anmelden musste, war innerhalb der Branche kein Geheimnis. Doch nun zeigte der finanzielle Kollaps seines Unternehmens, auch gegenüber dem Endverbraucher sein Gesicht. So standen am Dienstag in New York unwissende Kunden vor verschlossenen Pforten seiner beiden Stores in SoHo und im Meatpacking District und wunderten sich über die mit Packpapier abgeklebten Schaufenster. Auch der Pariser Flagshipstore, und die Boutique in Antwerpen seien, laut der New Yorker Einzelhandels Webseite RACKED.COM bereits geschlossen. Ob die Geschäftsschließungen als Vorboten für das endgültige Aus der Marke zu werten sind? Als sicher gilt momentan nur das Yamamoto bei den Pariser Pret-a-Porter Schauen im Februar seine neue Kollektion vorstellen wird.
Fazit: The economy is a real bitch these days!
Einmal mit vollen Händen bei CHANEL so richtig zugreifen und mitnehmen was Aug´und Herz begehrt ist sicherlich der Traum unzähliger Fashionistas “around the globe”. Wie das auch ohne dickes Bankkonto funktioniert, zeigt Chefdesigner Karl Lagerfeld in seinem selbst gedrehten Kurzfilm: Vol de Jour. (Diebstahl des Tages).
Darin zu sehen, Lagerfeld´s Muse und Model Baptiste Giabiconi mit weiblicher Komplizin auf Diebestour durch die Pariser Chanel Boutiquen. Ob Juwelen aus der Filiale am Place Vendôme, oder Couture aus dem Stammhaus in der Rue Cambon, nichts was das prestigeträchtige CC Logo ziert ist vor den flinken Händen des Gaunerpärchens sicher.
Kurzfilme waren 2009 bei zahlreichen Modehäusern das ultimative Medium um das eigene Sortiment zu bewerben. Dabei glänzten jedoch einige Produktionen mit einer eher hölzernen Dramaturgie. Zum Ende des Jahres zeigt nun Kreativgenie Karl Lagerfeld der Konkurrenz noch einmal wie es richtig geht und stellt mit seinem unterhaltsamen Videoclip unter Beweis, das CHANEL Erzeugnisse das Heißeste sind was die Mode zu bieten hat.
Nachahmung wird allerdings nicht empfohlen.
“Jemand, dessen DVD Sammlung die Anzahl seiner Bücher übersteigt, sollte sich Gedanken machen” gab Fürstin Gloria von Thurn und Taxis in ihrer zusammen mit Alessandra Borghese verfassten Benimmbibel “Unsere Umgangsformen ” aus dem Jahr 2000 einst zum Besten. Damit hatte die polarisierende Fürstin nicht ganz unrecht, würde aber mit Sicherheit bei der offen im Regal stehenden DVD Box “The Story of Fashion” aus dem anspruchsvollen Sortiment des ARTHAUS MUSIK Label ein Auge zudrücken.
Das DVD Set präsentiert mit Stardesigner Karl Lagerfeld in 180 Minuten rund 100 Jahre Modegeschichte. In Form von Modezeichnungen, Fotografien sowie einmaligen Filmaufnahmen reflektiert der Dreiteiler den Zeitgeist vergangener Epochen. Portraits und Interviews bedeutender Modemacher, Fotografen und Kritiker gewähren allen Interessierten fundierte Einblicke, in die sich stets wandelnde Welt der Mode.
Teil 1, THE REMEMBRANCE OF THINGS PASTerinnert mit Charles Frederick Worth, dem Erfinder der Haute Couture, an die Wurzeln der Mode, wie wir sie heute als solche verstehen und beleuchtet u.a. am Beispiel von Paul Poiret, die zunehmende Professionalisierung der Mode, einschließlich der sich neu bildenden Silhouetten.
Teil 2, THE ART AND SPORT OF FASHIONbeschäftigt sich mit der Mode der 1920er bis 1950er Jahre. Coco Chanel, Jean Patou, Elsa Schiaparelli und Christian Dior bleiben hier natürlich nicht unerwähnt.
Teil 3, THE AGE OF DISSENTverfolgt die Modetrends der 1950er bis zu den 1980er Jahren. Paris, Mailand, London und New York haben sich als Modezentren etabliert. Mode ist wesentlich vielseitiger und definitiv zu einem “Big Business” geworden.
Siehe da, DVD´s bilden doch!
photo: ARTHAUS MUSIK
THE STORY OF FASHION, ARTHAUS MUSIK, ca. 49,00 €
Erhältlich in München u.a. bei Max & Milian, Ickstattstraße 2, 80469 München sowie bei amazon.de
In einem Interview mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung” gibt die in Mainz ansässige aber international durchaus erfolgreiche Modedesignerin Anja Gockel lesenswerte Einsichten in die Modebranche und beantwortet die Frage nach der hohen Zahl der immer noch existenten Magermodels, mit der Homosexualität einflussreicher Designer wie Karl Lagerfeld, Marc Jacobs oder Jean Paul Gaultier.
Laut Gockel sei das Idealbild eines homosexuellen Mannes, eine knabenhafte Figur, während das körperliche Idealbild lesbischer Frauen, wie bspw. Modedesignerin Jil Sander, eine androgyne Figur darstelle. Dieses subjektive Schönheitsideal, übertragen die Designer schließlich auf ihre Models, an denen sich wiederum 14-jährige Mädchen orientieren, so Gockel weiter. Hierin liege eine große Gefahr, die Magersucht fördere.
In der Tat gilt für Frauen Kleidergröße 34-36 als unabdingbare Voraussetzung um auf internationalem Parkett modeln zu können. Mädchen, die bei einer Mindestgröße von 1,75 Meter mehr als 55 Kilo wiegen haben keine Chance für Dolce&Gabbana, Chanel und Co. über den Laufsteg zu stöckeln. Übersetzt heißt das, so wenig Hüfte wie möglich und Brüste so groß wie zwei geballte Mäusefäustchen!
Ebenfalls richtig ist, dass fast alle maßgeblichen Designer schwul sind und großen Einfluss auf das jeweils aktuelle Schönheitsideal innerhalb einer Gesellschaft ausüben. Nicht richtig ist jedoch, dass klapperdürre Frauen den optischen Idealvorstellungen homosexueller Männer per se entsprechen. Schließlich ist nicht jeder schwule Mann Modedesigner von Beruf!
Die Aussage, dass lesbische Frauen bevorzugt auf die androgyne Variante ihrer Geschlechtsgenossinnen abfahren sollen, würde mit Sicherheit keiner empirischen Untersuchung standhalten. Ganz ohne wissenschaftliche Studie ist davon auszugehen, dass nicht jede Lesbe auf Jodie Foster steht. Insofern ist das ideale Körperbild homosexueller Männer und Frauen außerhalb der Modebranche wohl wesentlich vielseitiger als die Verallgemeinerung Gockels uns da glauben machen will. Oder etwa nicht?
copyright: aleXsandro palombo - by courtesy of aleXsandro Palombo
Das einige Akteure der Modebranche, ein teilweise sehr eigensinniges Verhalten an den Tag legen und über ein Weltbild verfügen das auf einen IQ , kleiner als Kleidergröße 34, schließen lässt, ist spätestens seit dem Film “Der Teufel trägt Prada” allgemein bekannt.
Dem überlebensgroßen Ego von hysterischen Redakteurinnen, narzisstischen Modeschöpfern und kaltschnäuzigen PR-Ladies begegnet der Künstler aleXsandro Palombo auf seinem intelligent-bissigen humorchic.blogspot mit gezeichneter Satire. Er kommentiert mit mal leiserer mal mit lauterer Ironie die Eitelkeiten des fashion-business und hält dabei ihren Hauptdarstellern einen Spiegel vor.
So ergeben die einzelnen Zeichnungen zusammengenommen ein gesellschaftliches Portrait aus der Sicht eines reflektierenden Künstlers. Palombo, der in Mailand beheimatete Italiener , studierte Design und arbeitete als Illustrator, Designer und Berater für die wichtigsten Modehäuser von Mailand und Paris. Er selbst ist somit Teil des Systems, was seine Zeichnungen besonders glaubwürdig macht. 2010 erscheint ein Buch mit den Werken des 36-jährigen Kreativen. Endlich!
Jeder der schon einmal einen Blockbuster mit einem (Ex-)Supermodel in der Nebenrolle gesehen hat, weiß, die darstellerischen Fähigkeiten der meisten Models sind stark begrenzt. Sobald von den Mädchen etwas anderes gefordert wird als ihre Schönheit mit blasiertem Gesichtsausdruck zur Schau zu tragen und der Job eine Abweichung des gewöhnlichen Posings verlangt, wirken viele Models plötzlich auffällig ungelenk. So zuletzt auch die Top-Models, die sich bei der letzten Chanel Modenschau (ab Minute 2:09) mit Lagerfeld´s “Boy Toy” Baptiste Giabiconi “spontan” in einen Heuballen fielen ließen. Das Ganze wirkte so konstruiert und hölzern, und bewies abermals wie gefangen Models in ihrer Rolle als Repräsentantin der “Coolness” sind.
Ein wesentlich besseres Darstellungsvermögen zeigten hingegen die Beauties in Dolce&Gabbana´s Werbefilm “JALOU”. Auf ästhetisch ansprechende Weise wird in dem 90 Sekunden Clip, das von dem italienischen Designerduo gestylte Handymodell JALOU der Firma Sony Erickson beworben, welches nach einer Vorankündigung Ende August seit wenigen Tagen im Handel erhältlich ist. Warum die Damen, allesamt gekleidet in Dolce&Gabbana´s Fall/Winter Kolletion 2009, zum Schluß jedoch verhaftet werden, bleibt ein Geheimnis. Doch immerhin geben die Models auch bei den “Mug Shots” noch eine gute Figur ab.
“Achtung Models, bitte nicht füttern!” Nach den Regeln der Modebranche taugen Frauen mit Kleidergröße 38 nicht mehr als Model. Der favorisierte “Hungry Chic” der im high(est) end Segment tätigen Designer verlangt nach maximal 55 Kilogramm Körpergewicht bei einer Mindestgröße von 175 cm. Alles andere sieht auf dem Laufsteg nur plump aus, und entspricht nicht dem zeitgenössischen Schönheits- ideal. So zumindest die Meinung der maßgeblichen Modemacher.
So hat vor Kurzem Karl Lagerfeld mit seiner Äußerung, das nun wirklich Niemand dicke Frauen sehen wolle, und die Klagen über dürre Mädchen ausschließlich von dicken Muttis kommen, die es sich mit der Chipstüte auf dem Sofa bequem gemacht haben, erneut bestätigt, was alle Fashionistas längst verinnerlicht haben, nämlich das Mädchen mit mehr als 60kg, ganz egal wie hochgewachsen, in der Modelbranche nichts verloren haben. So wiegt Gisele Bündchen bei einer Größe von 180cm gerade mal 58 kg!
Während also Modeschaffende ganz genau wissen was zu “fett” ist und klare Grenzen nach oben definiert haben, scheinen Gewichtsgrenzen nach unten, nur offiziell zu existieren. Ab wann ist dünn eigentlich zu dünn? Das Modeunternehmen Ralph Lauren hat da offenbar seine ganz eigene Messlatte, wie ein Werbefoto, dass nur in Japan veröffentlicht wurde aber seit kurzem im Internet zirkuliert, belegt. Die Aufnahme zeigt das 23-jährige französische Model Filippa Hamilton, grotesk verschlankt mittels Photoshop. Der Kopf breiter als das Becken und dünn wie ein Stock! Übergewichtige Muttis in aller Welt ließen nach Bekanntwerden des Falles ihre Chipstüten links liegen und hievten sich vor ihren Rechner um mit fettigen Fingern ihre Entrüstung via Internet zu verlautbaren.
Was den Skandal noch verschlimmerte ist die Tatsache, das Filippa Hamilton, parallel zur Diskussion um das Horrorbild, von ihren Pflichten als Model für Ralph Lauren entbunden wurde. Nachdem das Model seit 2001 die Klamotten des Hauses beworben hatte und ihre Verträge viermal in Folge erneuert wurden, erhielt sie im April dieses Jahres ein Schreiben der Polo Ralph Lauren Company, indem man ihr mitteilte die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung beenden zu wollen. Laut Unternehmensleitung habe die Aufhebung der Kooperation jedoch nichts mit dem imageschädigenden Werbemotiv zu tun, sondern ausschließlich mit der unakzeptablen Gewichtszunahme des Mannequins.
Die Begründung der Kündigung liest sich dementsprechend nüchtern: “the relationship ended as a result of her inability to meet the obligations under her contract with us.” Einfach ausgedrückt: Mrs. Hamilton ist zu dick für Mr. Lauren. Willkommen im Modelbusiness.
Auf wiederholte Nachfragen diverser US-Medien gab die Ralph Lauren Company schließlich auch eine Stellungnahme zu der anorektischen Werbeanzeige ab:“For over 42 years we have built a brand based on quality and integrity. After further investigation, we have learned that we are responsible for the poor imaging and retouching that resulted in a very distorted image of a woman’s body. We have addressed the problem and going forward will take every precaution to ensure that the caliber of our artwork represents our brand appropriately.”
Nach Reue klingt das nicht gerade, aber immerhin, eine Reaktion auf einen vermeintlichen Fehler ist für eine Branche an der Kritik üblicherweise abperlt wie Regenwasser an GoreTex Jacken schon ein großes Zugeständnis.
Wie konnte es überhaupt zur Veröffentlichung eines solchen, in jeder Hinsicht mageren Bildes kommen? Angeblich wurde das Bild versehentlich ohne vorherige Prüfung durch die Firmenzentrale in New York in einem japanischen Kaufhaus ausgestellt. Eine Verkettung unglücklicher Umstände also? Angesichts der Tatsache, dass Filippa Hamilton tatsächlich wegen Übergewichts gefeuert wurde möchte man aufgrund der im Nachhinein erfolgten Körperhalbierung, nicht so recht an einen unglücklichen Zufall glauben. Selbst wenn alles nur ein Irrtum gewesen sein sollte, bleibt immer noch die Frage welch verzehrte Wahrnehmung von Schönheit die Person gehabt haben muss, die das Foto digital bearbeitet hat?
Als Interviewpartner ist Karl Lagerfeld eigentlich ein Traum für jeden Moderator. Geistreich, eloquent und schlagfertig hat der Designer selbst auf banalste Fragen stets eine amüsante Antwort. Nach der Präsentation seiner namenseigenen Kollektion in Paris, durfte Sängerin Katy Perry, das Kreativgenie für ELLE.com interviewen und wirkte dabei sichtbar nervös. Im Gegensatz zu Karl Lagerfeld, der völlig unbeeindruckt von seinem Gegenüber, die Fragen des Popstars routiniert und mit der ihm eigenen Offenheit beantwortete. Leicht verwirrt von der klassischen Frage mit welchem Designer Lagerfeld gerne einmal die Rollen tauschen würde, teilte er Perry mit, mit sich selbst absolut zufrieden zu sein. In welche Fußstapfen eines Anderen, sollte ein Mann wie Lagerfeld auch treten wollen, wenn er selbst derjenige ist, der die größten hinterlässt?
Und wieder mal Baptiste Giabiconi. Das Model, dass Lagerfeld seit geraumer Zeit auf Schritt und Tritt folgt, ziert das Cover der Oktober Ausgabe des Wallpaper Magazins. Originell ist dabei das zweilagige peel-off Titelblatt. Die oberste Lage präsentiert Baptiste, in einem Anzug von Dior Homme. Zieht man an einer Ecke des Blattes, so erscheint darunter eine zweite Seite, die nackte Tatsachen offenbart und Baptiste Giabiconi zeigt, wie Lagerfeld ihn schuf.
Baptiste Giabiconi für Wallpaper / photo by: Lagerfeld
Wenn am kommenden Donnerstag die New York Fashion Week beginnt, ist dies gleichzeitig auch der Auftakt zur Saison Spring/Summer 2010, dem ein internationaler Schauenreigen folgt. Auf den illustren Modenschauen von New York, Paris, Mailand und London präsentieren namhafte Modehäuser jedoch vielmehr als nur die Trends von Übermorgen.
The Day before...by Loic Prigent
Die meist nur zehn Minuten andauernden Shows sind eine Zusammenfassung all dessen, an dem ein Team von dutzenden bis mehreren hundert Mitarbeitern eines Unternehmens sechs Monate lang ununterbrochen gearbeitet hat. Von der Ideenfindung bis hin zum finalen Musterteil, wird in den Designstudios bis zum Tag der großen Selbstdarstellung diskutiert, optimiert, verworfen, ergänzt und abgeändert. Dass Alles, um einflussreichen Modekritikern und wichtigen Einkäufern zu gefallen, die auf minmalistisch weißen Bänken oder wahlweise goldenen Operetten-Stühlchen Platz nehmen, um ganz nüchtern zu beurteilen, ob die Vision, die da gerade als textiles Gebilde über den Laufsteg wandelt auch marktfähig ist. Vom Stress hinter den Kulissen bekommen die geladenen Kunden und VIP´s nichts mit. Sollen sie auch gar nicht. Mode im Luxussegment verkauft schließlich Träume und nichts Anderes.
Ein Einblick in das Geschehen der letzten 48 Stunden vor der Modenschau ist nur wenigen Eingeweihten gegönnt, wäre aber mit Sicherheit für jeden Modeliebahber eine interessante Erfahrung. Die Neugierde oder den Wissensdurst besonders modeaffiner Mitmenschen befriedigt nun die Filmreihe “THE DAY BEFORE…” von Loic Pirigent. Der Regisseur hat vier Modedesigner bei den letzten Vorbereitungen zu ihrer Modenschau mit der Kamera begeleitet. Enstanden ist eine absolut sehenswerte Dokumentation von jeweils vier Filmen a 50 Minuten, die ab morgen online auf dem Sundance Channel nacheinander ausgestrahlt werden. Den Anfang am 09.September um 16:00 Uhr deutscher Zeit macht Sonia Rykiel.
09.September: SONIA RYKIEL
10.September: PROENZA SCHOULER
11.September: FENDI
12.September: JEAN PAUL GAULTIER
Um euch vorab einen Geschmack auf die exzellent aufbereitete und fundierte Dokureihe zu geben, zeigen wir euch vorab einen Ausschnitt aus der Folge mit Jean Paul Gaultier.
Endlich, die Herbst/Winter Ausgabe des Purple Magazins ist draußen und mit ihm die Bilder, die Karl Lagerfeld von seinem derzeitigen Lieblingsmodel Baptiste Giabiconi, in St.Tropez, Venedig und Paris geschossen hat. In der Strecke ist Lagerfelds 19-jähriger Zögling, primär nackt, in Damenklamotten und in High Heels zu sehen. Eine Darstellung, die im Bereich des High Fashion Editorial nichts Neues darstellt und renommierten Stylisten maximal noch ein müdes Lächeln entlockt. Doch wer glaubt, die Aufnahmen ließen die Welt kalt, der irrt.
Purple Magazine No. 12 Fall 2009 / photo: Karl Lagerfeld
Seitdem die Ablichtungen im Internet kursieren werden sie innerhalb der Blogosphäre höchst ambivalent besprochen. Diskussionsgegenstand ist nicht etwa die Freizügigkeit per se mit der Baptiste seine körperlichen Vorzüge offenbart, sondern vielmehr die eindeutig sexuell aufgeladene Bildsprache, die kaum eine anderweitige Interpretation zulässt, als das Lagerfeld sich an seinem Model offenbar auch sexuell berauscht und somit den Zuschauer ungefragt zum Voyeur seiner kaiserlichen Fantasien degradiert. Den einen stört das, den andern macht es geil. Es lebe die freie Meinungsäußerung!
Für zahlreiche Fashionistas liegt die Enttäuschung nicht in der Qualität der Bilder begründet, als vielmehr darin, was diese Bilder eigentlich über die Persönlichkeit ihres Fotografen aussagen. Lagerfeld, die unnahbare Kunstfigur, der in einem Bunte- Interview von sich mal behauptete völlig asexuell zu leben, erliegt der Schönheit eines unverbrauchten Jünglings, dem er sich durch den Sucher seiner Fotokamera nähert. Lagerfeld wird mit über 70 Jahren wissen, was man einem Knaben bieten muss um ihn zu halten. Status und Weltläufigkeit funktionieren zu Beginn eigentlich immer. Der aus einfachen Verhältnissen stammenden Baptiste mag noch zu jung sein um über das Geschehen um ihn herum kritisch reflektieren zu können und sonnt sich somit verständlicherweise in der für ihn ungewohnten und durchaus vorteilhaften Aufmerksamkeit. Es ist ein Geben und Nehmen, bei dem es vermutlich nie zum Vollzug kommen wird. Was bleibt ist die unerfüllte Sehnsucht des größten und populärsten Modeschöpfers des 21. Jahrhunderts, belegt durch Fotos, die den unerreichbaren Baptiste nackt, von hinten zeigen, wir er sich mit gekreuzten Beinen nach vorne gebeugt, auf einer Brüstung abstützt. Auf Stöckelschuhen!
Eine Hommage an Helmut Newton, wie Purple Herausgeber Olivier Zahm in seiner Einleitung zur Photostory betont. Doch auf aufmerksame Gemüter wirken die Bilder als wären sie weder für das Purple Magazine, noch für den Leser und schon gar nicht für die Modehersteller, deren Kleidung hier zu sehen ist, geschossen worden, sondern ausschließlich aus der persönlichen Motivation Lagerfelds heraus, sich am Körper seines Boy Toys und an dessen totaler Nacktheit, zu ergötzen. Nutzt da etwa jemand Fotoshootings und das Versprechen auf Ruhm als Mittel zum Zweck? Es ist dieses schmierige Klischee vom Fotografen und dem Model, das den Aufnahmen latent anhaftet und für negative Stimmung bei all denjenigen sorgt, die eine andere Professionalität des Modemachers gewohnt sind. Das Begehren, die unkontrollierte Lust auf den Anderen, jeder kennt dieses Gefühl, doch bei Karl Lagerfeld wollen das nur die Wenigsten sehen. Die Leute erwarten den perfekten Lagerfeld, die Kunstfigur, die er selbst von sich geschaffen hat und keinen Durschnittssenioren, der sich seiner menschlichen Schwäche und irdischen Gelüste hingibt. Das entspricht einfach nicht dem Image des stets hoch disziplinierten und kultivierten Modeschöpfers.
Die schwarz-weiss Strecke ist im Gespräch, somit wird diese Purple Ausgabe schneller vergriffen sein als alle vorherigen. Herzlichen Glückwunsch. Doch beim durchblättern der Seiten fühlt es sich an, als hätte man die größte Modeinstanz des Planeten, Karl Lagerfeld, bei der Selbstbefriedigung erwischt!
Nach der im Juni erschienenen deutschen Version des Enthüllungsbuches “Karl Lagerfeld und Ich”, indem Lagerfelds langjähriger Assistent Bruno Maillard, die Leser über den ausgeprägten Narzissmus und andere Marotten des Designers informiert, legt nun Bunte Chefreporter und Society Experte Paul Sahner mit einem weiteren Buch über den Modegott nach.
Die Publikation trägt den schlichten Titel “KARL” und erscheint am 17. August im mvg Verlag. Laut Verlagsangaben ist das Buch eine Ansammlung der skurillsten und spannenden Geschichten aus den Begegnungen zwischen Lagerfeld und dem Star-Autor. Eigentlich wurde über Karl Lagerfeld schon alles gesagt. Zwar kann man von den scharfzüngigen Kommentaren und Bon Mots des Kaisers nicht genug bekommen, dass ein Journalist jedoch mehr über den Modeschöpfer herausfinden konnte, als dieser bereits schon bei Kerner, Beckmann & Co. wiederholt von sich selbst preisgegeben hat, ist kaum vorstellbar. Lagerfeld ist, wie er selbst in zahlreichen Interviews immer wieder eingeräumt hat, eine Kunstfigur, die sich selbst erschaffen hat. Eine authentische, intime Annäherung an den Chanel Chefdesigner scheint nahezu unmöglich. Bei Paul Sahner, dem mitunter berühmtesten Gesellschaftsreporters des Landes, ist es vor allem dessen Blickwinkel, der häufig ein abweichendes Bild von dem dem öffentlichen Image seines prominenten Gegenübers offenbart.
Am 20.08. liest Paul Sahner persönlich im Hugendubel in den Fünf Höfen München aus seinem Werk. Alle anderen können Paul Sahner aber ebenfalls erleben: am 18.08. im ARD-Morgenmagazin und am 22.08. bei DAS! im NDR.
Karl Lagerfeld über Claudia Schiffer und Yves Saint Laurent: „Claudia sagt, sie hätte bei Yves Saint Laurent die Eleganz entdeckt. Ich kann verstehen, dass dieser Modeschöpfer für sie interessant ist: Da weiß sie endlich, wie sie aussehen wird, wenn sie so alt ist wie ihre Mutter Gudrun.” HERRLICH!
KARL von Paul Sahner, mvg Verlag, € 24,90 (ab 17. August im Handel)
Im Online Store des amerikanischen Modemagazins HINT gibt es aktuell eine kultige Jutetaschen mit dem Konterfei der Modeikone Karl Lagerfeld als Karikatur zu erwerben.
Inspiriert von dem im Mai auf dem Flughafen von Nizza entstanden Paparazzi Schnappschuss auf dem der “Kaiser” eine Nesseltasche mit der ironischen Aufschrift “Karl Who?” von Naco Paris schultert, zeigt der Entwurf des Grafik Büros Pattern People Karl Lagerfeld umgeben von den für ihn charakteristischen Markenzeichen wie der der gesteppten Chanel Handtasche oder den fingerlosen Handschuhen. Das Modell ist gegenwärtig ausverkauft und wird gerade reproduziert. Nachschub gibt es erst wieder ab dem 17. August. Bestellungen werden bereits jetzt schon entgegen genommen.
Es gibt noch eine andere Version des ökologisch korrekten Shoppers mit dem Profil von Marc Jacobs. Preis $ 45
Lagerfeld hat sichtlich Spaß an seinen männlichen Modelentdeckungen.
Nach Brad Kroenig und Sebastian Jondeau, der dem Kaiser wahlweise als Assistent, Fahrer, Walker und Model jederzeit zur Verfügung steht, veranstaltet der vielbeschäftigte Modeschöpfer aktuell ein Shooting-Marathon mit seiner neuesten Muse Baptiste Giabiconi, 19 Jahre alt, der ihm seit gut einem Jahr auf Schritt und Tritt folgt. Für die Herbst 2009 Ausgabe des Purple Magazins fotografierte Lagerfeld das Nachwuchsmodel nun nackt in Stilettos. Love through the lense? Dorian Gray lässt grüßen!
Seit 1998 ergänzt Schmuckdesignerin Victoire de Castellane die extravaganten Entwürfe des Exzentrikers John Galliano für das französische Haus Dior mit ihren ebenfalls eigenwilligen und stets elaborierten Schmuckstücken. Sie liebt es groß, bunt und außergewöhnlich. 14 Jahre lang stellte sie als Head of Accessories ihren Sinn für Theatralik in die Dienste der Firma Chanel, bevor sie zu Dior wechselte. Die Designerin stammt aus der Cognac Dynastie Hennessy und ist die Nichte von Karl Lagerfelds Langzeit Assistenten Gilles Dufour. Das mag ihr den Einstieg ins Luxussegment natürlich erleichtert haben, doch allen Privilegien zum Trotz, wer ihre Arbeiten sieht, der merkt sofort, die Gute hat einfach Talent! Ihr neuester Coup ist die “Kings & Queens” Collection für Dior Joaillerie - im wahrsten Sinne des Wortes brilliant!
Dass Modedesigner sich hin und wieder gerne mal als Innenausstatter betätigen ist bekannt. So eröffnen namhafte Modehäsuer wie Missoni (Edinburgh) oder Versace (Sidney) “fashion hotels” in denen Gästen auf adäquate Weise ganz in der Designphilosphie des jeweiligen Unternehmens schwelgen können. In jedem Falle sind die modischen Unterkünfte, ein optimaler Werbeträger für die eigene Produktpalette.
Alles was dem Übernachtenden gefällt, Geschirr, Handtücher, Dekoobjekte, Bettwäsche, Kissen und Kleinmöbel sowie die Pflegeprodukte kann er bei Tage in der firmeneigenen Boutique kaufen. Für alle die der Corporate Identity eines bestimmten Labels verfallen sind, und zwar das Geld für die teuren Stücke der Home Collections aber kein Händchen für Dekoration und Anordnung haben, bieten Designer in Zusammenarbeit mit exklusiven Wohnungsbaugesellschafften die Möglichkeit, komplett fertig eingerichtete Luxusapartments im Stil des Modelabels zu erwerben.
So richtete Donatella Versace 2007 anlässlich der teilweisen Umwandlung des traditionellen New Yorker Plaza Hotels in ein Apartmentkomplex, zwei Wohnungen ganz nach ihrem Geschmack ein und fand bereits vor der Fertigstellung Käufer für die Multimillionen Dollar Designerhöhlen.
Zu den jüngeren Kooperationen zwischen Bauunternehmen und Modeschöpfer zählen die Hamburger Sophienterrassen, bei denen sich Karl Lagerfeld als Interior Decoartor betätigt und Giorgio Armani, der 62 Wohnungen im Rahmen des Bauprojekts Cavour 220 in Rom ausstattet.
Die Sophienterrassen, sind ein Projekt der Frankonia Eurobau AG, die auch schon die schicken Lenbach Gärten in der Münchner Innenstadt hochgezogen haben, in denen heute die deutsche Vogue ihren Sitz hat. In sein alten Hamburger Heimat, direkt am Harvestehuder Weg, gestaltet nun Karl Lagerfeld das Innere zweier Alstervillen , ein Restaurant, sowie die Rezeption und Lounge des Sophienpalais.
Rein quantitativ etwas mehr Arbeit hat Giorgio Armani bis zur offiziellen Eröffnung der von ihm komplett eingerichteten Edelresidenz auf der Via Cavour im Januar 2010. Nicht nur die 62 Wohneinheiten werden von Armani ausgestattet, auch die Empfangshalle, die Innen- und Außenanlagen, der Spa-Bereich so wie die Bar, des unweit vom Kolosseum gelegenen historischen Gebäudes, erhalten den Armani Touch! Eine Sinfonie in Beige und aus klaren Linien. Wer wissen möchte wie es sich in Armani lebt, aber die 1 Millionen Euro für das günstigste Apartment, gerade nicht zur Verfügung hat, dem sei ein Besuch in einem der Armani Stores mit Blick auf die Home Collection “Armani Casa ” empfohlen.
Photo: by Douglas Kirkland / Steidl Verlag Göttingen
COCO CHANEL gehört wie auch Karl Lagerfeld zu den Persönlicheiten von denen man visuell wie auch auditiv nicht genug bekommen kann.
Glücklicherweise entwirft Monsieur Lagerfeld nicht nur fantastische Mode im Namen der Erfinderin des “Kleinen Schwarzen” sondern veröffentlicht in Zusammenarbeit mit dem feinen Kunstbuchverlag Steidl aus Göttingen, regelmäßig Fotobände, die sich inhaltlich einen bestimmten Thema widmen. In seiner jüngsten Kooperation mit dem Verlag hat Lagerfeld Fotografien von Douglas Kirkland zusammengestellt, der die Grande Dame der Mode im Auftrag des amerikanischen Magazins Look portraitieren sollte. Kirkland lernte sein Handwerk u.a. bei Irving Penn, wurde bekannt durch seine Ablichtungen von Hollywood Legende Marilyn Monroe, und arbeite später als Fotograf für die renommierten Zeitschriften Look und Life.
Der Band zeigt Coco Chanel im Sommer 1962, eigentlich der letzte Sommer ihrer großen Kariere, bevor Jeans und Miniröcke sich im Straßenbild etablierten, wie Karl lagerfeld ins seinem Text zum Buch anmerkt. Ein wunderbares Zeitdokument!
Mademoiselle - Coco Chanel / Summer 62
by Karl Lagerfeld, Douglas Kirkland
Steidl / € 35,00
Karl Lagerfeld kennt jeder - zumindest die Kunstfigur, die der wohl berühmteste Modeschöpfer der Gegenwart von sich selbst geschaffen hat und mit geschliffenen Worten regelmäßig der Öffentlichkeit präsentiert.
Bei derart außergewöhnlichen Persönlichkeiten würde man gerne mal hinter die Kulissen schauen. Dieses Bedürfnis befriedigt Arnauld Maillard, Lagerfelds ehemalige rechte Hand und Leiter des Studios “Lagerfeld Gallery” in Paris. Sein bereits im September 2007 veröffentlichtes Buch “Merci Karl” erscheint nun am 20. Mai im Heyne Verlag unter dem Titel “Karl Lagerfeld und Ich” in deutscher Sprache.
Darin gewährt der Autor dem Leser Einblicke in die Arbeitsweise des Chanel-Chefdesigners und offenbart laut Verlag Insiderwissen über Labels und Geschäftspraktiken der Modebranche. Arnauld arbeitete insgesamt 15 Jahre für das Unternehmen Lagerfeld und weiß somit aus erster Hand, wie kaum ein Anderer, aus dem Leben des Modezaren zu berichten.
Über die Kündigung seines langjährigen Assistenten war Karl Lagerfeld übrigens not amused. Spannende Lektüre garantiert.