Fashion-Pranger: Kritik an GEIL MAGAZINE Chefredakteur verdichtet sich
Posted: Juli 19th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: Blogger, Chefredakteur, Daniele Mancinetti, Fabian Koelmel, Geil Magazine, Kritik, LesMads, Medien | 5 Comments »

GEIL MAGAZINE
Ein Leser des Modeblogs LesMads hat vergangene Woche die Kommentarfunktion zu einer besonders spannenden Stellungnahme genutzt. Modejournalist Fabian Koelmel, hat mit seinem “würzigen” Kommentar zu Daniel Mancinetti, dem Chefredakteur des in Berlin ansässigen GEIL Magazins, sehr viel Mut und aufgrund der Tatsache, dass er seinen Post nicht anonymisiert hat, noch mehr Rückgrat bewiesen, und dadurch im HYPE Office auch eine interessante Diskussion um die Seriosität einzelner Medienvertreter und Modeschaffender ins Rollen gebracht.
Was ist passiert? LesMads berichtete am Samstag über die aktuelle Herbst/WinterAusgabe des GEIL MAGAZINE, einer noch recht jungen Fashion-Gazette für das starke Geschlecht, welche dieses Mal in drei Cover-Varianten angeboten wird. Fabian Koelmel, der u.a . für die Publikationen Tush, FHM und L’OFFICIEL HOMMES schreibt, nimmt diesen Beitrag zum Anlass um seine negativen Erfahrungen im Umgang mit dem Chefredakteur via Kommentarfunktion öffentlich zu machen, und teilt ordentlich aus.
Er berichtet von einer zweifelhaften Arbeitsweise Mancinettis, bezeichnet ihn als Betrüger und bezichtigt ihn gar der Lüge und des Diebstahls. So soll Mancinetti für seine zweite Ausgabe bei Koelmel zwar ein Textkonzept in Auftrag gegeben, dieses aber niemals umgesetzt und auch nicht bezahlt haben. Starker Tobak! Interessanterweise finden Koelmels Behauptungen, von vier weiteren Kommentatoren (allesamt männlich), schnell Unterstützung. Und tatsächlich findet man in den Untiefen des Webs Stimmen, wie z.B. Leserkommentare des Blogs The Fashionisto, die von unsauberen Arbeitsmethoden Daniele Mancinettis künden.

- Screenshot of The Fashionisto
Nun gehört es zwar zum Tagesgeschäft eines Chefredakteurs Inhalte, und dazu zählen bereits erarbeitete Modestrecken wie auch Textdokumente, bis Druckschluss immer wieder zu verwerfen, um ein optimales redaktionelles Resultat zu erzielen. Dies allein stellt gewiss kein Verbrechen dar. Allerdings sollte man sich als Heftmacher im Vorfeld überlegen, ob man in der Lage ist Rechnungen zu begleichen bevor man weitere Arbeiten in Auftrag gibt. Die Erstellungskosten für ein Modemagazin im Auge zu behalten, zählt eben auch zu den Pflichten eines Chefredakteurs. Womit wir auch schon beim Kern der Problematik angelangt werden. Der Fake-Biographie.
Immer mehr junge Menschen ohne jedwede Fachkompetenz schmücken sich mit Titeln, die ihnen eigentlich nicht gebühren und dass auf völlig legale Art und Weise. Denn Begriffe wie Chefredakteur, Journalist, Modedesigner und Stylist sind keine geschützten Berufsbezeichnungen. Ganz zum Leidwesen aller Chefredakteure, Modedesigner und Stylisten, die wirklich qualitativ hochwertige Arbeit leisten. Unterstützt von den komfortablen Mechanismen und Anwendungen des Web 2.0, ist heute nahezu jeden Depp, der eine Computertastatur bedienen kann, in der Lage sich als zweiter Lagerfeld oder Catwalk-Queen zu inszenieren.
“Das traurige ist…”, schreibt LesMads Kommentator Leif, “dass es funktioniert.” Noch viel trauriger ist jedoch, dass kaum jemand den dargebotenen Schund kritisch hinterfragt, und selbst etablierte (Print-)Medien und Boulevard-Sendungen sich ihrer Themen mittlerweile bei Modeblogs bedienen und diese völlig unreflektiert verbreiten.
Fast schon möchte man Herrn Koelmel gratulieren mit seinem Kommentar, endlich etwas Bedeutsames in das Dickicht des allzu oft bedeutungslosen Blog-Palawers gestreut zu haben, wäre da nicht die grundsätzliche Frage, ob es richtig ist , Menschen deren Schuld nicht eindeutig bewiesen oder deren vermeintliches Fehlverhalten nicht näher verifizierbar ist, öffentlich an den Pranger zu stellen? Wohl kaum. Aber auch das ist Web 2.0!
(Text: Sven Barthel)
