BERLIN FASHION WEEK – VIEL PARTY WENIG MODE!
Posted: Januar 22nd, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: 2010, Barbara Meir, Berlin, Berlin Fashion Week, Jana Pallaske, Jessica Schwarz, Lena Hoschek, Liliana Matthäus, Modewoche, Perret Schaad, Susanne Wiebe, Wolfgang Joop | No Comments »
Endzeitstimmung in der Hauptstadt. Nur noch bis Morgen, läuft die 6. Auflage der Berlin Fashion Week, wo Mode offenbar zur Nebensache geworden ist. Den treffendsten Bericht zur aktuellen Lage des Modespektakels lieferte diese Woche Peter Bäldle für die Süddeutsche Zeitung. Darin resümiert der Autor, dass wir hierzulande doch mehr können als nur “Brot und Butter”. Können wir?
Von sich reden machte die “Berlin Fashion Week” dieser Tage weniger durch die Mode als vielmehr durch das Drumherum. So wurde z.B. dem Rausschmiss von “Loddars” noch Ehefrau Liliana Matthäus aus dem Zelt von Susanne Wiebe, von der Presse deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt als der Kollektion der Münchner Designerin. Auch dass “Top-Model” Babara Meir auf dem Laufsteg von Lena Hoschek aus ihren Pumps kippte und den Gang sodann barfuß fortsetzte, wurde von den Medien ausführlich kommentiert, im Gegensatz zu den Entwürfen Hoschecks.
Beim Label Joop! interessierte sich am Mittwoch Abend Niemand mehr für die Klamotte. Zu groß war die Aufregung unter den Gästen in der Neuen Nationalgalerie darüber, das Ex-Chefdesigner Dirk Schönberger am Ende der Show durch Abwesenheit glänzte und auf Ovationen des Publikums verzichtete.
Während sich die Boulevardpresse dankbar auf die zu den Modenschauen geladenen Celebrities stürzt, diagnostizieren Stern, Spiegel, Süddeutsche und FAZ der Berlin Fashion Week in dieser Saison einen kleinen Schwächeanfall, zu viel Party bei zu wenig Mode, so der Tenor!
Mailand hat Prada, Paris hat Dior und Berlin? Berlin schmückt sich zur Modewoche mit Jessica Schwarz und Jana Pallaske (beide Schauspielerinnen). Bedürfen Berliner Designer tatsächlich der Leistung Anderer um ihre eigene Arbeit dadurch aufzuwerten?
Dass der Hunger nach Ruhm, in Zeiten in denen Medienpräsenz eines der scheinbar wertvollsten Güter unserer Gesellschaft darstellt, junge Designer veranlasst gleich einen PR-Berater zu engagieren sobald sie mal einen Rock zusammengefrickelt haben, ist verständlich führt aber zur Verflachung dessen, was in Mailand und Paris von jeher auf hohem Niveau stattfindet, Mode!
Das Paradebeispiel für maximalen Ehrgeiz bei minimaler Erfahrung lieferten die frisch von der Kunsthochschule Berlin Weißensee kommenden Mädels Johanna Perret und Tutia Schaad. Die selbsternannten “Töchter Jil Sanders” zeigten eine noch unausgereifte Kollektion bestehend aus beige- und senffarbenen Sackkleidern, einfachen Röcken und weite Hosen, denen der Ruch von Schnitttechnik im ersten Semester mehr als deutlich anhaftete.
Irritierend dabei ist, dass trotz dieser offensichtlichen Mankos Modeexperten und Branchenkenner in Bezug auf Berlin weiterhin von Vielfalt, Aufbruchstimmung und Individualität faseln, und dabei nicht müde werden, das Unfertige, das Rauhe, das schlichtweg Hässliche als ästhetische Besonderheit zu verklären.
Die gleichen Phrasen wurden (von den selben Leuten) bereits 1996 gedroschen, als noch Baukräne rund um den Potsdamer Platz das Panorama prägten, und dabei Labels wie “Next GURU Now” ihren medialen Höhepunkt erlebten. Doch daran kann oder will sich heute Niemand mehr erinnern.
Wie bitteschön kann man als Fashionprofi angesichts beigefarbener Jersey Tops, grauer Leggings, und dem ewig gleichen Lagenlook ernsthaft in Verzückung geraten?
Nur Wolfgang Joop selbst, spricht mal wieder aus, was Viele denken aber nicht zu sagen wagen. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa sagte der Potsdamer: “In der Hauptstadt sind die Modenschauen immer mehr zu Medienveranstaltungen mutiert. Dazu gehörten viele B-Prominente, die sich gar nicht unbedingt für Mode interessieren” Weiter heißt es, “Da werden häufig ganz normale Produkte als Design verkauft. Ich sehe kein Label, das genügend Power hat und sich absetzt.”
Chapeau, Herr Joop!
