HYPE IM GESPRÄCH MIT MODEMACHER DANIEL FENDLER

Posted: Juli 16th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , | No Comments »

Daniel Fendler / photo: HYPE magazine

Daniel Fendler / photo: HYPE magazine

Modeschöpfer Daniel Fendler empfängt Gäste in seinem durchgestylten Atelier eines opulenten Altbaus an Münchens feiner Maximilianstraße stets mit einem offenherzigen Lächeln. Mit gerade mal 28 Jahren gilt der gebürtige Bayer aufgrund seiner  edlen Couture-Roben bereits als Lieblingsschneider der Münchner Schickeria.

Zu seiner Klientel zählen Filmschauspielerinnen, Vorstandsgattinnen und Polit-Ladies. Dieser Erfolg basiert auf Können, wie auch auf der unprätentiösen Art des Modemachers. Attitüde ist ihm fremd, bei ihm steht die Kundin im Vordergrund, und nicht das eigene Ego. Die Frage, ob Couture überhaupt noch zeitgemäß ist, stellt sich Daniel Fendler erst gar nicht. Er macht einfach was er am besten kann: elegante Abendroben. Die Kreationen haben ihren Preis, doch seine anspruchsvolle Kundschaft weiß die textilen Unikate in handwerklicher Perfektion zu schätzen. Jede Naht ist so sauber verarbeitet, das man seine Kleider theoretisch auch auf Links tragen könnte, ohne dass dies Jemand bemerken würde.

Dass er Modeschöpfer wurde verdankt er der völlig unglamourösen Tatsache, sich nach seiner Schulzeit mangels Möglichkeiten bei nur zwei Ausbildungsstätten beworben zu haben, von denen die Trachtenschneiderei , ihm, als erste eine Zusage gab. Es folgte ein Studium an der deutschen Meisterschule für Mode in München und ein einjährige Assistenz bei Vivienne Westwood in London.

Zurück in München eröffnete der Jungdesigner mit nur 21 Jahren sein eigenes Ladenlokal in der Münchner Altstadt und wartete dort vergeblich auf Kundschaft.  Die ihm zur Verfügung stehenden Gelder waren schnell aufgebraucht. Heute weiß er, dass er sich mit der Selbständigkeit noch ein bisschen mehr Zeit hätte lassen sollen. Doch derartige Erfahrungen machen den Lebenslauf erst interessant und so reifte Daniel Fendler mit seinen Aufgaben.

Heute entwirft er neben edlen Couture-Kleidern auch Designer-Dirndl, die zur Wiesn Saison, reißenden Absatz finden.

Diese sind erhältlich bei Ludwig Beck und ab August auch im temporären “Wiesn Store” im alten Hof 5 in München.

HYPE Chefredakteur Sven Barthel traf Daniel Fendler zu einem persönlichen Gespräch über Mode, Promis und den Vorteil des eigenen Labels.

HYPE: Die Modeszene schwärmt von Berlin, doch Du bleibst in München, warum?

DF: Mein Stil ist klassisch, teils sogar konservativ, das passt meines Erachtens nicht so ganz zur Hauptstadt. Zudem sind meine treuesten Kunden in München beheimatet.

HYPE: Was bedeutet Dir München persönlich?

DF: München ist eine superschöne Stadt. Ich weiß, dass es nicht mehr die Modestadt ist, die sie einmal war, dabei gibt es schon “fashion” in München zu entdecken, man muss nur wissen wo! Klar, München ist nicht London und auch nicht Paris, aber das ist Berlin, modisch gesehen, ja auch nicht! Außerdem, wenn man hier geboren wurde, dann gefällt es einem hier sowieso!

HYPE: Daniel, Du entwirfst Couture und aufwendige Designer-Dirndl, hat die gegenwärtige Rezession eigentlich irgendwelche Auswirkungen auf dein Geschäft?

DF: Bis jetzt Gott sei Dank nicht. Das liegt vermutlich daran, dass die Rezession in München bislang noch nicht wirklich angekommen ist und bis es soweit ist, hoffe ich, dass sich die Krise von selbst wieder erledigt hat.

HYPE: Wie muß man sich die typische Fendler Kundin vorstellen?

DF: Sagen wir mal so, meine Kundinnen sind im Schnitt mindestens 35 Jahre alt, und legen viel Wert auf eine individuelle Note!

HYPE: Muss man reich sein um sich Fendler leisten zu können?

DF: Nicht unbedingt! Man muss halt bereit sein etwas ausgeben zu wollen. Wer aber einen Sinn für Qualität und liebevolle Details hat, ist vielleicht auch bereit für ein Kleid zu sparen.

HYPE: Jetzt mal Butter bei die Fische, was kostet ein Abendekleid von Dir?

DF: Bei der Couture geht’s ab 2000 Euro los, Dirndl sind ab 600 € zu haben.

HYPE: Wieviele Arbeitsstunden braucht es um ein Couture-Kleid zu fertigen?

DF: Ich Durchschnitt zwischen 30 und 55 Arbeitsstunden, wenn alles rund läuft. Für die Herstellung eines maßgefertigten Couture Kleides, sollten Kundinnen von der ersten Anprobe bis zur finalen Fertigstellung mit bis zu drei Wochen rechnen.

HYPE: Siehst Du sich selbst eher als Handwerker oder als Designer?

DF: Eher als Handwerker, ich bestehe gerade zu auf meinem Meistertitel. Bei so manchen Arbeiten von Leuten, die sich Designer nennen und selbständig machen, stelle ich fest, dass die handwerkliche Qualität ihrer Entwürfe stark zu wünschen  lässt. Dabei haben die Kunden bei den hohen Preisen für Designermode geradezu ein Recht auf Handarbeit und Qualität . Genau das biete ich!

HYPE: Wo hast Du dein Handwerk gelernt?

DF: Zunächst bei einer Trachtenschneiderin in Priem am Chiemsee.

HYPE: Wann wusstest Du, dass Du Modedesigner werden wolltest?

DF: Nach der Schule musste ich mir für eine Ausbildung entscheiden, viel Auswahl hatte ich dabei nicht. Ich bewarb mich für eine Ausbildung zum Hotelfachmann und zum Damenschneider, der Schneiderbetrieb hatte zuerst zugesagt, also dachte ich: “gut dann mache ich eben dass”. Ich wollte nicht unnöötig Zeit verlieren.

HYPE: Gab es denn keine Anzeichnen in der Kindheit, die erahnen ließen, dass Du eigentlich nur Modemacher werden konntest? Hast Du denn nie Puppen an- oder ausgezogen?

DF: Nein, da muß ich dich enttäuschen, es war wirklich alles ganz unspektakulär. Es gibt keine Vorgeschichte. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und habe mangels Möglichkeiten eine Ausbildung in einer Schneiderei begonnen. Ich bin da hineingewachsen und habe dann festgestellt, dass es das Richtige für mich ist.

HYPE: Wie ging es dann weiter?

DF: Nach der Ausbildung habe ich an der Deutschen Meisterschule für Mode in München eine Ausbildung zum Modellmacher gemacht und parallel hierzu die Meisterprüfung zum Herren- und Damenschneider abgelegt.

HYPE: Du bist später bei Vivienne Westwood in London gelandet, wie lange warst Du bei ihr und was genau hast Du dort gemacht?

DF: Ich war dort als Designassistent und Schnittmacher tätig. In diesem einen Jahr habe ich insgesamt vier Kollektionen  begleitet.

HYPE: Wie hast Du Vivienne Westwood als Person empfunden?

DF: Eigentlich als sehr angenehm. Sie ist längst nicht so durchgeknallt, wie man sich das aufgrund ihres Äußeren vorstellt. Ich möchte fast sagen, dass sie in ihrem Betrieb von allen Designern und Angestellten die Normalste war. In den ersten Tagen habe ich sie auch gar nicht so als die große Vivienne Westwood wahrgenommen.

HYPE: In München gibt es eine Reihe von Society-Schneidern; Gabriele Blachnik, Talbot Runhof, Sonja Kiefer, Susanne Wiebe – wie ist da das Verhältnis untereinander?

DF: Ich verstehe mich mit allen eigentlich sehr gut. Da gibt es keinen Zickenkrieg. Vielen von Ihnen haben schon untereinander zusammengearbeit, mann kennt und respektiert sich!

HYPE: Warum wollen Prominente ihre Kleider eigentlich immer nur leihen aber niemals kaufen?

DF: Nun, die Promis begründen das damit, dass sie Kleider in denen sie einmal abgelichtet wurden aus Imagegründen keine zweites Mal mehr tragen können.

HYPE: Wie wichtig sind Modetrends für deine Arbeit?

DF: Trends spielen für mich nur eine untergeordnete Rolle, meine Kleider sind ja recht zeitlos!

HYPE: Worin liegt der Vorteil eines eigenen Labels?

DF: Ganz klar, du kannst deiner eigenen Kreativität freien Lauf lassen. Okay, ganz ohne Kompromisse geht aus Gründen der Wirtschaftlichkeit natürlich auch nicht, aber im Grunde kannst Du dich selbst verwirklichen, das ist sehr befriedigend!

HYPE: Könntest Du dir auch vorstellen angestellt zu arbeiten?

DF: Prinzipiell, wenn mich die wirtschaftliche Situation dazu zwingen würde, ja! Doch aktuell kommt das für mich nicht in Frage, uns gibt es ja schon ein Weilchen und ich hoffe doch sehr, dass das so bleibt!

HYPE: Liest Du Modezeitschriften?

DF: Das ist zeitabhängig. Oftmals blättere ich nur mal schnell durch. Zur regelmäßigen Lektüre gehören  aber Vogue, Bunte, Instyle und natürlich der HYPE Blog (lacht).

HYPE: Was nervt so richtig an diesem Job?

DF: Die vielen nächtlichen Arbeitsstunden, sonst nichts! Da bleibt leider wenig Zeit für ein Privatleben.

(Das Gespräch führte Sven Barthel)

Atelier Fendler / photo: HYPE magazine

Atelier Fendler / photo: HYPE magazine

MODENSCHAU: Daniel Fendler präsentiert seine Wiesn-Kollektion 2009
30. Juli 2009 um 19:30 Uhr
(Haarwerk im Alten Hof, Sparkassenstraße 1, 80331 München)


FASHION WEEK SEASON 2010

Posted: Juni 9th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , | No Comments »
HYPE FASHION WEEK SCHEDULE

HYPE FASHION WEEK SCHEDULE

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Mut zum Hut – An Anthology by Stephen Jones im V&A Museum London

Posted: April 29th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION EXHIBITIONS | Tags: , , , | No Comments »

Photography and copyright by: Peter Ashworth

Photography and copyright by: Peter Ashworth

Ein Mann, der einem Hut hinterherläuft, ist nicht halb so lächerlich wie ein Mann, der einer Frau hinterherläuft”. Das Zitat des englischen Schrifstellers Gilbert Chesterton verdeutlicht vor allem eines: Der Hut hat Stil!

Vor allem wenn es sich um Exemplare des Britischen Starmodisten Stephen Johnes handelt, der seit 1980 zunächst Londoner Hipster, wenig später die komplette Modeszene, und schließlich auch internationale Stars mit seinen mondänen Kreationen begeistert. Der mittlerweile 52-jährige Brite hat nun im Auftrag des renommierten Victoria & Albert Museum eine umfassende Ausstellung zur Geschichte des Hutes kuratiert.

Für das Londoner V&A Museum, das über eine der bekanntesten und größten Kostümsammlungen weltweit verfügt, ist dies die erste Ausstellung, die sich komplett dem Thema Kopfbedeckungen widmet. Mit den Augen eines erfahrenen Hutmachers hat Stephen Jones mehr als 300 Hutmodelle aus aller Welt zusammengetragen, die nun in der Porter Gallery des Museums zu sehen sind. Die dargebotenen Stilrichtungen des Kopfputzes sind dabei äußerst vielseitig. Hier werden die komplette Bandbreite und Möglichkeiten Hut zu tragen verdeutlicht .

Die Ausstellung in Form einer barocken Gartenlandschaft gliederst sich in vier Abschnitte:
Die erste Sektion, Inspiration, öffnet mit Prince Alberts Zylinder und Queen Victorias Haube, und veranschaulicht wie die Vergangenheit unzählige Designer inspiriert hat. Den original historischen Modellen stehen die zeitgenössischen Hutinterpretationen der alten Stile gegenüber, wie die Baseball Kappe und die gewöhnliche Mütze.

Das Creation Department veranschaulicht in einem nachgebauten Hutmacher-Atelier wie Hüte traditionell gefertigt werden. Auch die üblicherweise verwendeten Materialen, Holzköpfe, Schnittmuster und Entwurfszeichnungen lassen sich hier begutachten.

Der Salon Abschnitt zeigt dramatische eye-catcher, die wir von den Haute Couture Schauen kennen. Zu sehen sind hier auch Modelle des anderen britischen Hutgottes Philip Treacy sowie Arbeiten für Balenciaga und Dior.

Das Klient-Segment stellt Hutkreationen aus, die bereits berühmte Häupter geziert haben. Darunter die von Boy George und Madonna . Aber auch Modelle aus bekannten Filmen, wie die zwei von Cecil Beaton entworfenen Hüte für My Fair Lady, ein Balmain Hut, getragen von Ava Gardner und das Barett von Marlene Dietrich sind zu bestaunen.

Eine umfangreiche Schau, die auch die letzten Zweifler ermutigt ein Statement mittels Hut abzugeben, zumindest für den Moment. Hut zu tragen ist niemals lächerlich! Das Lächeln der Einen ist letztlich nur der nicht offen zugegebene Ausdruck stiller Bewunderung für den Anderen, schon allein weil sein Träger mehr Mut braucht als der, der es vorzieht unbehütet durch die Stadt zu wandeln.

Zur Ausstellung ist ein Buch erschienen mit dem Titel: Hats: An Anthology, erhältlich im Shop des Victora & Albert Museums.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 31. Mai 2009

V&A South Kensington
Cromwell Road
London SW7 2RL

Opening times 10.00-17.00 daily, Friday 10.00-22.00


Ausstellung: HUSSEIN CHALAYAN – “from fashion and back”

Posted: April 7th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION EXHIBITIONS | Tags: , , , , , | No Comments »
Photo by Chris Moore

Photo by Chris Moore

Ein Tisch der zum Rock wird, ein Kleid aus LED Leuchten, so wie eine, per Knopfdruck wandelbare Körperhülle aus Materialien des Flugzeugbaus.

Für den auf Zypern geborenen Designer Hussein Chalayan ist Mode mehr als nur ein Stück Stoff zum anziehen. Seine Annäherung an die Thematik ist künstlerischer, intellektueller Natur. Auch ein Grund, warum einzelne Entwürfe bei den Kuratoren von Modeausstellungen immer wieder Berücksichtigung finden. Der Designer fertigte seine erste Kollektion 1994 und debütierte ein Jahr später zum ersten Mal bei der London Fashion Week. Der 39jährige Chalayan wird in der Öffentlichkeit häufig als Konzept – Designer wahrgenommen, dessen Kleidung eher untragbar ist. Doch hier fühlt sich der Kreative missverstanden und verweist darauf, dass dies eine verzerrte Sicht der Dinge sei , die ihren Ursprung in der weltweiten Konzentration auf seine Showpieces hat. Diese haben zwar den geringsten Anteil innerhalb seiner Kollektionen, erregen aber die größte mediale Aufmerksamkeit. Chalyans Designphilosphie basiert auf der Erkundung bestimmter Themenaspekte, die er auf eigene Weise modisch interpretiert. Bei der Realisation seiner Ideen hilft ihm ein zwölfköpfiges Team. Das Ergebnis sind traumhafte textile Gebilde, innovative aber dennoch tragbare Kleidung, die die Idee hinter der Kollektion erkennen lässt. Für derlei Leistungen wude Chalayan bereits zweimal mit dem British Fashion Award als “Designer oft he Year” ausgezeichnet. Das renommierte Designmuseum in London zeigt nun eine umfassende Auswahl an Arbeiten Chalayans der letzten 15 Jahre. Die Retrospektive, die von der deutschen Firma Puma gesponsert wurde und bei der Chalayan als Creative Director für Sport Fashion seit 2008 unter Vertrag steht, ist noch bis zum 17. Mai 2009 zu sehen.?

Design Museum
28 Shad Thames
London SE1 2YD
United Kingdom
Office 020 7403 6933

info@designmuseum.org

Öffnungszeiten
täglich, von 10.00 -17.45