SPURENSUCHE: WARUM WURDE CARINE ROITFELD VON BALENCIAGA VERBANNT?
Posted: März 12th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: Balenciaga, Carine Roitfeld, Marie Amelie Sauvé, Max Mara, Nicolas Ghesquière, Vogue Paris | 1 Comment »Das “Fashionista” Blog aus New York listete kürzlich drei mögliche Gründe warum Carine Roitfeld von Balenciaga auf die “schwarze Liste” gesetzt und somit zunächst von künftigen Shows des Modehauses um Kreativdirektor Nicolas Ghesquière ausgeschlossen wurde:

- Madame Roitfeld
1) Angeblich soll Roitfeld ein Kollektionsteil Balenciagas, welches das Modehaus ihr für ein Fotoshooting zur Verfügung stellte, unerlaubt an das Modeunternehmen Max Mara weitergereicht haben, für das Roitfeld neben ihrem Posten als Chefredakteurin der französischen Vogue als Beraterin fungiert. Max Mara soll indes eine hübsche Kopie des Mantels angefertigt haben.
2) Man hört Nicolas Ghesquière sei empört über die Auflösung des Beschäftigungsverhältnis mit Marie Amelie Sauvé, die über 20 Jahre als freie Stylistin für Vogue Paris arbeitete und die Kreationen Ghesquières in den von ihr arrangierten Modestrecken kräftig pushte.
3) Nicolas Ghesquière soll sehr verärgert über die Weigerung Roitfelds gewesen sein, Bilder die ihn in unvorteilhaften Posen zeigen, trotz mehrfacher Aufforderung, von ihrem Facebook Profil zu entfernen.
Redakteurin Anke Schipp berichtet zudem in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass der Zwist möglicherweise auf Roitfeld’s Marken-Mix basiert, da sie für eine Modestrecke ihres Hefts Modelle von Balenciaga in Kombination mit Kleidungsstücken anderer Hersteller inszenieren ließ.
Die interessanteste Begründung für den Bruch zwischen Vogue Paris und Balenciaga findet sich unter den Kommentaren eines Artikels, erschienen im Modeblog The Cut des New York Magazine.
Der Verfassers des Kommentars mit dem Verheißungsvollen Namen “Connoisseur” schreibt folgendes:
“Nicolas Ghesquière banned her because he wants to break away from the whole corrupt system of french vogue. Carine and her team are notoriously selling their ‘style’ as secret consultancy arranged (in the back of Conde Nast) to many houses and advertisers (Givenchy, Balmain, Marant, Gaultier, max mara, the list is endless) even though they are officially not supposed to that Ghesquière decided something had to be done to stop this system….
…Condenast is officially banning them to do so. french CondéNast CEOeven went on french tv to pretend this was not happening at VPs. All consultancies are labelled through the assistants; the same shoots are used to do settings for the magazine as well as ad campaign (hello inez!, hello emmanuelle!, hello daria!) that morroco story in feb issue was the backdrop to both marant and balmain campaigns, models are the same – so I really think this goes beyond bread and butter. it is corruption, conflict of interests, shameful.
Die Chose aus Paris erinnert ein wenig an Politiker die neben ihrem Amt noch im Aufsichtsrat eines Großkonzerns sitzen. Mode ist eben ein Geschäft. Bislang waren es die Hersteller, die den Magazinen mit Anzeigenstop drohten, sollten diese ihre Klamotten nicht in die Modestrecken einbinden. Verständlich, wer Geld ausgibt tut dies in Erwartung einer Gegenleistung. Wer eine Anzeige schaltet darf erwarten, dass diese auch gedruckt wird. Doch darf er darüber hinaus auch bestimmen, wann, wie und wo sein Produkt innerhalb der frei gestaltbaren Inhalte zu sehen ist?
Mit den Zugeständnissen an Werbekunden über den Abdruck der bezahlten Werbeanzeige hinaus, haben sich die Blattmacher in eine Abhängigkeit begeben, die eine Verwässerung des Contents zur Folge hatte.
Dass nun einzelne einflussreiche Redakteure renommierter Lifestylegazetten nebenher als Berater für Modehäuser agieren, deren Werbekampagnen und Runway-Shows stylen und als Dank für die lukrative Beauftragung deren Produkte bevorzugt für ihre Publikation ablichten lassen, macht sie zwar nicht unabhängiger, nährt aber wenigstens ihr eigenes Bankkonto.
Der Ausverkauf des Editorials geht dabei vor allem zu Lasten junge Designer, die auf redaktionelle Berücksichtigung angewiesen sind, sich aber weder eine Anzeige noch einen Consulting-Auftrag leisten können.
So wird letztlich auch die Leserschaft belogen, die anhand der einseitigen Markenpräsenz glauben muss, Mode bestünde allein aus Prada und Gucci. Die Ausgrenzung Roitfelds von den Schauen Balenciagas als smarten Schachzug des Unternehmens zu beklatschen, um sich nicht länger korrupten Strukturen unterwerfen zu müssen fällt schwer. Angesichts der Bedingungen die das französische Traditionshaus an die Vergabe seiner Zuneigung knüpft, erinnert die Verbannung von Madame Roitfeld an die Trotzreaktion eines verwöhnten Kindes, dem die geforderte Aufmerksamkeit verweigert wurde. C`est la vie!

