Eigentlich wollte er zu Lebzeiten Michael Jacksons nur dessen leergeräumte Neverland Valley Ranch fotografieren, um den Bankrott eines Superstars zu dokumentieren – doch kein Magazin war an der Story interessiert und so beschloss Henry Leutwyler, stattdessen die persönlichen Gegenstände aus dem Besitz des Künstlers abzulichten, die 2009 versteigert werden sollten, um Jackos Haushaltskasse aufzufüllen.
Nachdem Jackson allerdings einen angeblichen Vorschuss in Höhe von 300 Millionen Dollar für seine geplante “This-is-it” Konzertreihe erhalten habe, wurde die Auktion gecancelt. Der Sänger kaufte alle Stücke wieder zurück. Die Bilder Leutwylers, die der Fotograf zwei Monate vor Jacksons Tod geschossen hat -banale Goldputten, ein privater Thron, ein abgenutztes Peter Pan Buch, die berühmten Glitzerhandschuhe sowie jede Menge Kitsch und Tand- gewähren dem Betrachter einen intimen Einblick in das Seelenleben eines Ausnahmetalents. Wer insbesondere bei den Textilien genau hinsieht, der entdeckt Schweiß und Make-up Spuren die vor allem eines belegen: Michael Jackson war ein Mensch aus Fleisch und Blut, wenn auch einer mit einer überdurchschnittlichen Begabung und einem kindlich unausgereiften Geschmack.
Der jetzt im Steidl Verlag erschienene Bildband “Neverland Lost – A Portrait of Michael Jackson” zeigt die ganz privaten Objekte des einst berühmtesten Menschen der Welt, denn kaum einer kannte, zu dem jeder aber eine Meinung hat – das ist rührend und unterhaltsam zugleich. Näher als durch Leutwylers Aufnahmen kommt man an Michael Jackson nicht heran.
Neverland Lost – A Portrait of Michael Jackson, Steidl, € 31,00
Neben der noch bis Donnerstag andauernden New York Fashion Week, fand gestern Abend in der Metropole am Hudson River auch die Verleihung der MTV Video Music Awards statt.
Dort erschien Superstar Madonna mit Brigitte Bardot Frisur und im hochgechlossenen schwarzen Outfit, und lieferte mit ihrer Gedenkrede zu Ehren des vestorbenen Michael Jackson, den ultimativen Glanzpunkt des Abends und gleichsam einen der erinnerungswürdigsten Momente in der Geschichte der Video Music Awards. Ihre gut ausformulierten Erinnerungen an einen gemeinsamen Abend mit dem King of Pop im Jahr 1991, ließen Michael Jackson für einen kurzen Moment vor dem geistigen Auge von Millionen von Zuschauern wieder lebendig werden. Madonna verliert sich nicht in Gefühlsduselei, drischt keine Phrasen, heuchelt nicht , sondern gibt ganz realistisch ihre persönliche Anekdote mit Michael Jackson zum Besten. Diese Ansprache zielt nicht auf Zustimmung oder Sympathie des Publikums ab, sondern ist schlichtweg authentisch. Ergreifende Worte einer Pop-Lady im Hier und Jetzt, die der Legende Michael Jackson auf Augenhöhe begegnet. Es war die schönste Rede, die zum Tod des Ausnahmekünstlers öffentlich gehalten wurde. Man hätte Madonna noch stundenlang zuhören können. Chapeaux!
Das Label der Stunde heißt seit etwa einem Jahr, Balmain! 1945 von Pierre Balmain in Paris gegründet, erlebt das Modehaus unter der künstlerischen Leitung von Christophe Decarnin gegenwärtig ein Comeback.
In ihrem neuen Video zur Single “Celebration” tanzt Supertar Madonna im glitzernden Disco Mini Dress mit viktorianischen Schultern aus der Fall 2009 Kollektion, vor flächigen Farbwänden und bietet somit dem Modehaus die beste prominente Unterstützung, die man sich als Designer nur wünschen kann. Wenngleich auch Michael Jackson wenige Monate vor seinem Tod mehrfach in den Uniform-Jäckchen und Glitter Shirts des 45-jährigen Franzosen gesehen wurde. Nicht das Monsieur die Leistung eines anderen bräuchte um seine eigene Arbeit aufzuwerrten, im Gegenteil. Decarnins Rockstarkollektion für die Wintersaison 09, war neben Ricardo Tiscis Kollektion für Givenchy, das Beste was die Pariser Modewoche im März dieses Jahres zu bieten hatte. Mehr davon!
In der, in den USA landesweit ausgestrahlten Sendung, The Today Show, des Fernsehsender MSNBC berichtet ein Reporter von einer möglichen Michael Jackson Modelinie entworfen von BlingBling Designer Christian Audigier.
Der verstorbene King of Pop habe diese Kooperation bereits vor seinem Tod mit dem “Mann der Tatoo Shirts” vereinabart. Ein Vertrag wurde allerdings nicht unterzeichnet. In der Tat gibt es schon konkrete Entwürfe, die ähnlich polarisieren dürften wie die überdekorierten Ed Hardy Outfits. Gegen eine Kollektion, deren Inspirationsquelle Michael Jackson und dessen Fantasieuniformen sind, ist, wenn anspruchsvoll und zeitgemäß umgesetzt, nichts einzuwenden. Doch Massenware bedruckt mit dem Konterfei und Namenschriftzug des Künstlers, erinnern eher an Merchandising Produkte und haben mit wirklicher Mode nichts zu tun. Wann die Kollektion auf den Markt kommt, ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Jacksons Nachlassverwaltung die Zustimmung zur Produktion gibt. Nun, wers mag!?
Michael Jackson ist tot, die Nachricht erreicht mich via Radio, es ist Donnerstag, kurz vor Mitternacht. Ich sitze noch im Büro, an einem Artikel über Modeikone Anna Wintour und bin mir zunächst nicht sicher, was ich von der Meldung halten soll. Noch ist zu diesem Zeitpunkt nichts offiziell bestätigt. Schnell ins Internet. CNN sendet live. Reporter berichten Michael läge im Koma, einzig das ist in diesen Sekunden gewiss. Solange die Überschriften in den News-Laufbändern am unteren Bildschirmrand noch keine Ausrufezeichen hinter die Todesbotschaft setzen habe ich Hoffnung, dass mein Jugendidol noch am Leben ist. Was ist passiert?
Herzstillstand! Micheal Jackson ist bewusstlos zusammengebrochen und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Ich klicke mich in verschiedene Livestreams. Ein Helikopter kreist beständig über der Villa in Bel Air aus der der Notruf kam. Hier wohnt er also dachte ich mir, Holmby Hills, ein Viertel in Bel Air, die teuerste Adresse in den USA, exklusiver all Beverly Hills, Palm Beach und Southampton zusammen. Ich war froh zu sehen, dass Michael Jackson entgegen aller Gerüchte doch nicht verarmt war! Die Villa am North Carolwood Drive war nur gemietet, hier wollte sich Jacko auf seine bevorstehende Megakonzertreihe in London vorbereiten.
In einer weiteren Liveübertragung versammeln sich Menschenmassen vor dem UCLA Medical Center in Los Angeles. Hier liegt aktuell Michael Jackson und keiner kann in diesem Moment mit Sicherheit sagen ob Michael zu seinem furiosen Comeback in der Londoner O2, Arena antreten können wird. Doch das Fragezeichen in meinem und den Köpfen der Fans weltweit weicht kurz darauf der Gewissheit. Unabhängig von anderen Medien verlautbart nun auch CNN den Tod des King of Pop. Comeback ausgeschlossen!
Auch auf facebook überschlagen sich die Posts. Eine Gruppe meldet: Michael Jackson ist tot! Bizarr daran: mehr als 6000 Leuten gefällt das!
Zwei Alt-Schwuppen aus München kommentieren den aktuellen Jacko-Status eines Freundes mit geschmacklosen Äußerungen. “Er lebt – genau wie Falco” heißt es da; ein Anderer schreibt “Huch voll verpasst, war den ganzen Tag mit Viola beim Shooting”. ich stelle fest: es gibt Menschen die können nur “schwul”!
Michael Jackson war von Anfang der 80er Jahren bis Ende der 90er Jahre, der erfolgreichste Solo-Künstler der Welt und galt bereits zu Lebezeiten als Legende. Sein Status jedoch bröckelte durch wiederholte Anschuldigungen des Kindesmissbrauchs und einen, für Außenstehende grotesk anmutenden, Lebensstil. Aller Häme und Unkenrufe zum Trotz: Michael Jackson begeisterte die Massen und war Inspiration für Millionen. Mehrfach haben Stars wie Beyoncé, Usher, Cindy Lauper, Whitney Houston, Celine Dion, Neyo oder Kanye West in Interviews betont wie sehr ihre eigene Arbeit von der Musik Michael Jacksons beeinflusst ist.
Michael Jackson ist ein Ausnahmekünstler. Popkultur in Reinform. Sein 1982 erschienenes Album Thriller, ist, mit 108 Millionen Kopien, bis heute das meistverkaufte Album der Welt. Michael Jackson wurde im Laufe seiner Kariere mit 18(!) Grammys ausgezeichnet! Sein Tod hinterlässt eine riesige Lücke. Zusammen mit den Fans, die ihn über all die Jahre begleitet haben, die Generation der gegenwärtig 30-40 jährigen, trage auch Ich mit dem gestrigen Tag ein unwiederholbares Stück meiner Jugend zu Grabe.
Für die Teenies von heute spielte Michael Jackson keine bedeutende Rolle mehr, sie sahen in ihnen nicht mehr oder weniger als einen alternden, veroperierten Freak, der seinen Zenit längst überschritten hat. Sie wissen nichts von der Atmosphäre der gigantischen Dangerous World Tour 1992, als Michael Jackson quasi die musikalische Weltherrschafft gepachtet hatte, und jeder Konzertstop einem Staatsbesuch glich. Auch in München herrschte am 27. Juni 1992 Ausnahmezustand als Michael Jackson die Turmsuite des Luxushotels Raffael, heute Mandarin Oriental, in der Altstadt bewohnte.
Dreimal durfte ich Michael Jackson live erleben, in Frankfurt, Köln und Gelsenkirchen. Ausgerechnet Gelsenkirchen! Für den Superstar nur eine Station im Tourplan, für mich damals die Welt. Gute zehn Stunden vor Konzertbeginn wartete ich schon vor der Bühne darauf es losgeht, das Michael in seinem goldenen Metallicanzug mit Feuerfunken und großem Gedonner endlich auf die Bühne katapultiert wird. “Jam -heheee hoooh – Jam”, es blitzte, es zündelte und zischte, die künstlichen Nebelschwaden verzogen sich und da stand er plötzlich: Michael Jackson himself! Zu Tobias und Hannah, die ich auf diesem Konzert kennen lernte habe ich keinen Kontakt mehr, doch die Konzertkarte besitze ich heute noch.