Verrückt nach New York Glamour? Wir auch! Drum präsentiert Euch HYPE in seiner neuesten Ausgabe vier herausragende Persönlichkeiten aus dem Big Apple, die ihr Leben mit einer beeindruckenden unkonventionellen Haltung der Mode widmen.
Allen voran unsere beiden Coverboys, Phillipe und David Blond, in Szene gesetzt von Starfotograf David Byun. In einem ausführlichen Interview mit HYPE MAGAZINE spricht Manhattans gefeiertes Designerduo über seine Anfänge, Erfolg und die Herausforderung Beruf und Beziehung miteinander zu vereinen. Zu Wort kommen auch Dandy und Stilikone Patrick McDonald sowie Robert W. Richards, Modezeichner und Intimus der New Yorker Avantgarde.
Nicht in New York, sondern in einem Dorf bei München, lebt Mara Cromer, die Witwe des verstorbenen Gründers der erfolgreichen Lederwarenmarke MCM und einstigen Kofferkönigs Michael Cromer. Im Interview mit HYPE spricht sie erstmals mit einem Modemagazin Klartext über den Verlust des von ihr mitaufgebauten Unternehmens und den Tod ihres Mannes.
Ausreichend Lesestoff für die Feiertage ist somit garantiert!
Das neue HYPE MAGAZINE ist ab heute bundesweit im Bahnhofs- und Flughafenbuchhandel sowie im ausgewählten Pressehandel erhältlich. Don’t misst it!
Wir wünschen Euch einen guten Start ins neue Jahr!
Kleidung und Kalorien passen nicht zusammen, oder etwa doch? Als Wolfgang Joop 1999 seine „Hectic Cuisine“ zwischen zwei Buchdeckel presste und damit quasi das erste Designer-Kochbuch auf dem Markt brachte, ließ mich das, im Gegensatz zu den vielen anderen Projekten des Multikreativen, völlig kalt. Die Nahrungszubereitung nach gedruckter Anleitung schien mir stets die Domäne eines großmütterlichen Frauentypus mit wilhelminischer Föhnfrisur zu sein.
Doch auch Modeschaffende müssen essen. Gleiches dachten sich auch Siems Luckwaldt und Matthias Hinz. Kochen, so die Überlegung der beiden Macher des Lifestyleblogs „Nahtlos“, sei eine ebenso sinnliche Disziplin wie das Entwerfen schöner Kleider. Die Idee eines Kochbuchs mit den Lieblingsrezepten deutscher Modemacher stand. Das Ergebnis nach neun Monaten Arbeit: „German Fashion Kitchen“ – ein 124 Seiten starker Band, der preisgibt, was bei 55 Designern, darunter Branchengrößen wie Michael Michalsky, Gabriele Strehle und Wolfgang Joop an schick Gebrutzeltem auf den Tisch kommt.
Das Ganze stimmungsvoll illustriert, übersichtlich gestaltet und ein Beweis, dass Fashion und Food einander nicht ausschließen. Der Erlös aus dem Verkauf jedes einzelnen Exemplars kommt vollständig dem Kinder- und Jugendhilfswerk „Die Arche“ e.V. zugute.
Traurig liegst Du nun am Boden. Fallengelassen im Zank zweier Mädels, die an deinem rechten und linken Ärmel zerrten und schließlich, mit Blick auf den abgefallenen Knopf, von Dir abließen. Verloren blickt ein Teil des zerbrochenen Plastikbügels, der dich vor der Ladenöffnung noch so stolz auf der Stange hielt, aus deinem Halsloch hervor. Ach Du liebes Samtjäckchen, welchen Wert hast Du noch in dem Moment in dem die erste Euphorie um deine Existenz verflogen ist?
Wird man dich nach Ladenschluss auflesen und vom Schmutz der Fußtritte befreien? Wird man dich auf einem neuen Kleiderbügel den Kunden des zweiten Verkaufstages präsentieren oder Dir stattdessen die “sofortige Entsorgung” verordnen. Du hoffst auf eine Sonderbehandlung, denn dein Etikett trägt einen großen Namen. Versace steht darauf, jeder kann es lesen, genau wie den Zusatz “for H&M”!
Dein Wert basiert nicht auf deiner Verarbeitung, deiner Passform oder gar dem Stoff aus dem Du geschaffen wurdest sondern bemisst sich allein anhand der Nachfrage nach Dir. Gleiches gilt auch für deine Schwestern namens Rock, Hose, Kleid und Mantel. Dein Erzeuger, ein Schwede hat Millionen in die Kreativität einer Italienerin investiert, um dich und deine Cousinen namens Gürtel, Kette und Armband für kaufkräftige Frauen und Männer attraktiv zu machen. Werbespots, Kampagnen, Fashionshows, Pressereisen, Preview-Booklets für Blogger und Modejournalisten, und Pre-Shopping Kooperationen- zugegeben, dass im Vorfeld deiner Einführung veranstaltete Brimborium ist beeindruckend, und leider oftmals besser als Du selbst.
Aber das interessiert diejenigen, die zwischen Mode und Bekleidung nicht unterscheiden nicht wirklich. Solange du nur deren Bedürfnis sich selbst durch einen illustren Namen aufzuwerten befriedigst. Ob du mit deinem Leopardenmuster und Fotoprint wohl auch labellos Anerkennung finden würdest? Die, die das modische Angebot auf HSE oder QVC schätzen, werden dich mit Stolz bei Tageslicht auf den Fußgängerzonen dieses Landes spazieren führen und am Abend, beschwert von deinem Samt, hoffen genauso verführerisch und sexy zu wirken wie Sasha Pivovarova, die dich im Vorfeld auf so coole Art und Weise beworben hat. Das alles ist dir natürlich Wurscht, du bist ja nur ein für den Winter viel zu kurz geschnittenes Samtjäckchen, das geduldig auf seine Kundschaft wartet. Du bist ein Produkt von Dönerteller Versace!
Ganz und gar in die Geschichte der Marke Gucci eintauchen können Fans des italienischen Modehauses bei einem Besuch des im September neu eröffneten Gucci Museums in Florenz.
Die Ausstellung verspricht die Wurzeln, die Entwicklungsgeschichte und den kulturellen Einfluss des Luxuslabels zu beleuchten. Das Museumkonzept entspricht dem Zeitgeist und bietet weit mehr als die formelle Präsentation von schönen Exponaten inklusive Infotafeln.
Mit der zusätzlichen Einrichtung eines Cafés mit Internet-Zugang, einer exzellent sortierten Kunstbuchhandlung, eines Geschenkshops sowie dem Icon-Store, widerspricht das Gucci Museo dem Gedanken vom Museumsbesuch als eine staubtrockene Angelegenheit. Stattdessen kommt es dem Bedürfnis der Generation “Facebook-iPhone-Starbucks” nach Entertainment und deren Lust am Konsum entgegen.
Ein Streifzug durch die Hallen des 1337 errichteten “Palazzo della Mercanzia” erweist sich somit als kurzweilige Entdeckungsreise durch das Gucci-Archiv. Das Interior in Beige und Brauntönen setzt auf Understatement und Zeitlosigkeit und erinnert, welch’ Überraschung, an die Inneneinrichtung diverser Gucci Stores. Entwickelt hat dieses Konzept Frida Giannini. Seit 2006 fungiert die 39-jährige erfolgreich als Kreativdirektorin des Unternehmens. Von Beginn an ihrer Tätigkeit sei es ihr Wunschtraum gewesen, die Geschichte hinter den berühmten Entwürfen der Firma zu erzählen. Über diese können sich Interessierte nun auf drei Etagen und einer Fläche von über 1.700 Quadratmetern umfassend informieren. Darüber hinaus gibt es neben den Gucci-Artikeln ausgewählte Werke aus der Kunstsammlung des Gucci-Eigners Francois-Henri Pinault zu sehen. Mission, optisch wie inhaltlich, gelungen!
GUCCI MUSEO Piazza della Signora, 50122 Florenz, Italien
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag, von 10.00 – 20.00 Uhr
Paris sagt Adieu! Loulou de la Falaise, Topmodel der späten Sixties und Seventies, Muse des Modemachers Yves Saint Laurent und Designerin, ist vergangenen Samstag an den Folgen einer schweren Krankheit im Alter von nur 63 Jahren in ihrem Landhaus in Boury-en-Vexin, circa 65 km von der französischen Hauptstadt entfernt, verstorben. Ihr Tod wurde durch die Pierre Bergé / Yves Saint Laurent Foundation bekannt gegeben, jedoch ohne Nennung der Todesursache. Gerüchten zufolge soll Loulou de la Falaise an Krebs erkrankt sein.
Es gibt nur wenige Frauen über deren exzeptionelle Schönheit und Ausstrahlung sich fast eine ganze Berufsbranche stets einig schien; über vier Jahrzehnte lang hielt Loulou de Falaise den Ruf einer Stilikone inne. Wer sie persönlich erlebte, glaubte sich in Gegenwart der idealtypischen Parisern: mondän, kultiviert, charmant und extrovertiert, feuerrote Lippen und schwarz kajalierte Augen. Dabei war Madame de la Falaise Engländerin! Lediglich ihr Akzent gab darüber Auskunft.
Geboren in Großbritannien unter dem Namen Louise Vava Lucia Henriette de la Falaise als Tochter des irischen Models Maxime Birley und des französischen Grafen Alain de la Falaise führte Loulou schon früh ein Tingel-Tangel Leben in den etwas besseren Kreisen. Schule war offenbar nicht ihr Ding. Der Legende nach flog Loulou als Jugendliche wegen “Aufmüpfigkeit” von insgesamt drei Privatschulen. Ihrer Kariere tat dies jedoch keinen Abbruch. Sowohl ihr Name als auch ihr Äußeres öffneten ihr Tür und Tor und so geschah es, dass sie, eines Tages auf Diana Vreeland traf. Die ehemalige Chefredakteurin der amerikanischen Vogue engagierte sie als Model und sicherte Loulou somit einen Platz in der Fashionszene. Daraufhin folgten eine Blitzehe mit dem britischen Aristokraten Desmond Fitzgerald sowie berufliche Zwischenstationen bei Modedesigner Roy Halston und dem in London ansässigen Modemagazin Queen.
Mit 19 Jahren lernte die drahtige Loulou de Falaise Modemacher Yves Saint Laurent in einer New Yorker Diskothek kennen. Beide wurden Freunde fürs Leben und sie, ab 1972, des Meisters Muse und Aushängeschild seines Unternehmens. Später betätigte sie sich als Designerin, gestaltete Hüte und Schmuck für Yves Saint Laurent, bevor sie sich 2003, mit ihrer eigenen Mode-und Accessoire Linie selbständig machte.
Loulou de la Falaise hinterlässt Mann und Tochter und die Erkenntnis, dass Stil nach einem überraschenden Element verlangt: “To have style, you have to strike a note of surprise: bring together unlikely elements, such as a country sweater with a diamond necklace or a tennis-striped pantsuit with a delicate pale-pink brooch.” Machen wir!
Anekdoten zum Leben der Loulou de Falaise enthält das Buch:
The Beautiful Fall: Lagerfeld, Saint Laurent and excess in 1970s Paris.
Auch Starfotograf Terry Richardson (re.) besuchte dieses Jahr die Berlin Fashion Week
Eine Dokumentation der Berliner Modewoche in Bildern, ungeschönt und gerade deshalb so sehenswert, bieten Fotograf Marc Schuhmann und Art-Director Joern Toellner mit ihrem Phototagebuch. Den Blick hinter die Kulissen gewähren Szenen aus den Backstageareas, von den Anproben und Model-Castings aber auch aus den Ateliers der Kreativen.
Eindrücke gibt es in Ausgabe #3 aus dem Umfeld der jungen Modeschaffenden wie Perret Schaad, Lala Berlin und Vladimir Karaleev. Gespickt mit Kommentaren, Randnotizen und Essays beabsichtigt “The Photodiary” trotz subjektiver Bildauswahl eine authentische Wiedergabe der Ereignisse rund um das Modespektakel der deutschen Hauptstadt zu liefern, schließlich verstehen Schuhmann und Toellner ihr Werk nicht etwa als werbendes Lookbook sondern ganz klar als eine Art Tagebuch. Dessen Inhalt teilen Sie im Gegensatz zum klassischen Tagebuchschreiber allerdings mit bis zu 400 Interessierten, denn größer ist die Auflage ihrer absichtlich schlicht gestalteten , fadengehefteten und in Velours gebunden Publikation nicht. Ihr Realitätsanspruch manifestiert sich auch im Verzicht auf die Nachbearbeitung ihrer Bilder, diese übrigens allesamt mit analogen Suchkameras statt digitaler high-tech Gerätschaften aufgenommen werden.
Mit dieser Arbeitsweise stellen sich die beiden Macher bewusst gegen die digitale Bilderschwemme, die der Siegeszug des Internets mit sich gebracht hat und bei der man Bilder so schnell vergisst, wie man sie angeklickt hat. Diese Haltung und das mit ihr verknüpfte Resultat, The Photodiary, wurden so dann auch im Juli dieses Jahres mit dem Red Dot Design Award in der Kategorie “communication design” ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch!
Rick Genet und Andrej Pejic für Ausländer Fashion, Brazil
Wie es ausschaut wenn zwei Models “of the moment” auf einem Bild zusammen agieren, zeigt die aktuelle Werbekampagne des brasilianischen Modelabels Ausländer, inszeniert von dem New Yorker Fotografen Marcelo Krasilcic. Frau-Mann-Mann-Frau-Beauty Andrej Pejic und Tattoo-Extremist Rick Genest präsentieren gemeinsam die aktuelle Sommerkollektion 2011 der in Rio de Janeiro ansässigen Firma die gerne in Europa expandieren würde. Hier unterhält das Unternehmen bislang zwei Stores, einen in Paris und einen weiteren in Madrid. Die Aufmerksamkeit ist der Modemarke dieser Tage aufgrund ihres eingekauften Model-Doppels sicher, sind die Bilder doch definitiv ein Blickfang. Ob das jedoch genügt, um den Konsumenten zum Kauf ihrer Klamotten zu bewegen?
Nackt vor der Kamera posieren? Für Lady Gaga überhaupt kein Problem, wie die jüngst in der Blogosphäre aufgetauchten Polaroids mit dem Superstar unter Beweis stellen. Bei den Aufnahmen soll es sich um Testbilder handeln, die im Jahre 2009 während eines Photoshootings mit Nobuyoshi Araki für die japanische Ausgabe der Zeitschrift Vogue Hommes, entstanden sind. Faszinierend daran ist, wie es Mrs. Gaga aufgrund ihrer überlebensgroßen Persönlichkeit gelingt auch gefesselt und barbusig, noch souverän zu erscheinen. Nicht die Situation beherrscht sie, sondern sie beherrscht die Sitution. Wieviele Damen könnten das, in einer solchen Art und Weise abeglichtet, schon von sich behaupten?
Toleranz – ein großes Wort! Von prominenten Zeitgenossen vor laufenden Kameras wie auch von Ottonormalbürgern im Arbeitsumfeld und Freundeskreis stets befürwortet, privat jedoch nicht immer gelebt wie nach außen kommuniziert, stellt sich bei diesem Begriff die Frage was er, frei von jeglicher Kontextualisierung, überhaupt bedeutet.
Laut Duden ist damit eine gewisse Duldsamkeit gemeint. Doch gegenüber wem oder was?
Die Forderung nach mehr “Tolerance” bildete auch das Motto der im Juli dieses Jahres im Rahmen der Berlin Fashion Week präsentierten Stylenite des Modemachers Michael Michalsky.
Angestachelt von der Aussage unserer Bundeskanzlerin Merkel “Multikulti habe versagt” -in welchem Zusammenhang Frau Merkel diese Worte von sich gegeben hat bleibt in der jüngst von der Firma Michalsky versandten Pressemitteilung unerwähnt- weist des Designers vorgestellte Kollektion für Sommer 2012 dann auch zahlreiche Stilelemente aus aller Herren Länder auf. Ob Michalsky seine Kollektion wohl als eine Art Widerspruch einer sich gegen soziale Missstände auflehnenden Künstlerseele verstanden wissen möchte?
Zumindest will ab dem 25. August eine Ausstellung mit dem Namen “Remember Tolerance” in der renommierten Berliner Galerie Contributed diese Kollektion aus einem erweiterten Blickwinkel dem Publikum nahebringen und zeigt in Form von Fotografien und Videos das” Making-of” ihrer Präsentation.
Der Pressetext kündigt dies unter anderem wie folgt an: ” Bilder vom Fitting und Casting der Models, von den Vorbereitungen Backstage, den Momenten des Wartens, zeigen eine konzentrierte, aber auch poetische Welt. Sie vermitteln eine emotionale Nähe, deren Energie sich anschließend auf dem Catwalk entlädt”.
Vier Tage lang wurde das Michalsky Team hierbei von dem Fotografen Martin Diepold begleitet, dessen Bilder tiefe Einblicke hinter die Kulissen der Stylenite versprechen. Gleiches gilt auch für die schwarz-weiß Aufnahmen der beauftragten Porträtfotografin Dorothea Tuch und das Video des Filmemachers Peter Grosslaub, der “Gäste und Beteiligte”, darum bat “mit ihren Händen ein „M“ darzustellen, in der Absicht, “so eine Interaktion mit dem Modedesigner” zu schaffen. Zwar wundert es schon ein wenig, dass es sich bei den so genannten Gästen und Beteiligten ausschließlich um Models und Prominente handelt, die da ihre Finger verbiegen und weniger um Minderheiten, die an für sich ein wenig mehr Aufmerksamkeit bedürfen als die einem branchenspezifischen Ideal entsprechenden Laufstegschönheiten – doch es ist nunmal das Los der Fashionbranche sich mit Oberflächen zu beschäftigen, Tiefgreifendes liegt ihr einfach nicht.
Trotzdem wüsste ich gerne, was die Formung der Hände zu dem Buchstaben “M” mit Toleranz zu hat obwohl das Wort Toleranz doch gar kein M beinhaltet und mit einem T beginnt. Sollte es sich bei dem Clip doch eher um eine Hommage an Michalsky handeln als um ein Plädoyer für mehr Toleranz?
Der den Trailer begleitenden Text auf der Videoseite “vimeo” lässt gar keinen anderen Rückschluss zu. Seine Zeilen bescheinigen dem Modemacher unglaubliche Kreativität, Erfolg und “wirkliche” Schönheit. Toleranz heißt natürlich auch, jedem sein Recht auf freie Meinungsäußerung zu gewähren.
Immerhin, eine Annäherung auf Textebene soll der Lyriker, Dramatiker und Magazinmacher Johannes Finke bieten. Zu diesem Zwecke wird er seine “subtil, ironisch, provokanten” Sätze mittels Projektor über die Wände der Galerie jagen und damit die Regeln der Mode, Gesellschaft und Politik hinterfragen. Hoffentlich bleibt den Ausstellungsbesuchern genügend Zeit zur Reflektion, so endetdie Pressemeldung schließlich mit dem Hinweis: “Natürlich wird auch das komplette Video der MICHALSKY Fashion-Show zu sehen sein.” Ja, natürlich!
All denjenigen, deren Modedurst stärker ist als ihr Weltverbesserungsdrang, können wir die Ausstellung “Remember Tolerance” dennoch guten Gewissens empfehlen.
“Remember Tolerance”, ab dem 25.08.2011, Di – Fr 14 bis 19 Uhr, Sa 12-16 Uhr
Galerie Contributed
Strausberger Platz 16
10243 Berlin
Klaus Wowereit & HYPE Chefredakteur Sven Barthel photo: Markus Nass
Politik und Mode haben nicht viel miteinander gemein und dennoch können sich auch die Volksvertreter der Kleiderfrage nicht entziehen.
Jeden Morgen aufs Neue müssen auch sie sich überlegen, was sie für den bevorstehenden Tag anziehen werden. Schließlich kann Niemand von ihnen im Adamskostüm an das Rednerpult im Bundestag treten. Obwohl man davon ausgehen kann, dass die Mächtigen des Landes wissen, welch starken Einfluss das Gewand eines Menschen auf dessen Außenwirkung hat, scheinen sie diesem Thema keine große Bedeutung beizumessen. Oder etwa doch? Wir trafen Berlins regierenden Bürgermeister und stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD, Klaus Wowereit, vergangene Woche während der Fashion Week in der Mercedes Benz Presselounge. Der Spitzenpolitiker im lockeren Gespräch mit HYPE über Mode und andere Nebensächlichkeiten.
Herr Wowereit, wie wichtig ist die Fashion Week für die Stadt Berlin Ihrer Meinung nach?
Es ist objektiv eine ganz wichtige Veranstaltung; in Kombination mit der Premium und der Bread&Butter ist dies die Gelegenheit auf einer großen modischen Bandbreite Berlin zu positionieren. Vor allem kann man den Designern hier eine Chance geben, ihre Mode zu präsentieren und dies läuft in meinen Augen ganz ausgezeichnet.
Haben Sie denn auch die Bread & Butter schon einmal selbst besucht?
Ja, natürlich. Ich war zur Eröffnungsparty und bin heute auch zur offiziellen Eröffnung da. Morgen werde ich mir noch die Premium und einige weitere Shows ansehen.
Welche Rolle spielt Mode für Sie persönlich? Machen Sie sich überhaupt Gedanken zu diesem Thema?
Ich finde Mode gehört zu unserem Alltag und bestimmt auch unser Leben. Mode ist mehr als nur Haute Couture, jeder achtet schließlich darauf, was er anzieht. Es gibt Mode und damit verbundene Kulturen, es gibt Uniformen in jeder Generation und jedem Business. Diese unterscheiden sich, wodurch der eine oder andere mehr experimentieren kann; muss man etwas formeller auftreten, ist der Anzug natürlich Pflicht und nur die Krawatte eventuell das Experiment, aber ansonsten ist ja in der Freizeit eine freie Gestaltung möglich.
Daraus könnte man ableiten: Wenn Sie Ihre Ämter nicht bekleideten, würden Sie das Sakko vielleicht auch einmal ablegen?
Naja, ich trage sehr gerne Sakko, ich find’s auch in Kombination zu Jeans gut, aber klar, bei einem solch sonnigen Wetter wie jetzt würde ich auch lieber in Shorts und T-Shirt herumlaufen anstelle des Anzugs.
Gibt es persönliche Präferenzen, was Labels und Designer angeht? Welche Schauen besuchen Sie besonders gern?
Boss, ganz klar, weil ich es selbst seit Jahren schon trage und natürlich sehe ich mir noch die Michalsky Show an, aber ich freue mich jetzt auch auf die P&C-Nachwuchsdesigner.
Könnten Sie ganz spontan eine Verbindung zwischen Mode und Politik herstellen?
Politik gibt einen Rahmen für Mode, insoweit handelt es sich in diesem Fall um eine Frage der Infrastruktur. Ansonsten ist die Politik eher nicht besonders Mode-auffällig (lacht).
Was war Ihr größter Fashion-FauxPas? Würden Sie einen solchen mit uns teilen?
Ich hatte mal zwei verschiedene Schuhe an. Manchmal ist sowas ja im Trend, aber in diesem Fall war es unabsichtlich und es ist tatsächlich einem Fotografen aufgefallen. Die waren zwar sehr bequem, weswegen ich das gar nicht gemerkt habe, aber es war sehr amüsant. Das sind so Geschichten, über die man im Nachhinein ganz wunderbar lachen kann.
Ihr größter Fehlkauf?
Das weiß ich nicht mehr. So etwas begeht man ja besonders in jungen Jahren, dass man etwas toll findet und es dann beim nochmaligen Anziehen zu Hause nicht mehr für so überzeugend hält, woraufhin es dann doch im Schrank hängen bleibt. Ein besonders bewusster Fehlkauf ist mir nicht in Erinnerung geblieben.
Gibt es denn ein Lieblingsteil in Ihrem Kleiderschrank?
Ja, beispielsweise eine Pepe-Jeans, die ich seit Jahren schon habe, die habe auch gestern wieder getragen. In der fühle ich mich wohl und sie hat auch einige kleine Details, die einfach auffallen. Aus meiner Jugendzeit habe ich eigentlich keine besonderen Erinnerungsstücke, an denen ich hänge oder von denen ich mich keinesfalls würde trennen wollen.
Können Sie überhaupt noch entspannt einkaufen gehen?
Zwar nicht unerkannt, aber doch durchaus entspannt. Das geht auch in Berlin. Gelegentlich kommen zwar Interviewanfragen oder Autogrammwünsche auf mich zu, die Leute gucken auch meist interessiert auf das, was man kauft. Damit gehe ich aber ganz entspannt um.
Haben Sie noch Erinnerung an die erste Fashion Week 2007? Waren Sie da auch zugegen?
Da war ich natürlich auch. Damals war das Brandenburger Tor noch integriert. Diese Lösung hier und heute finde ich allerding deutlich besser!
Lizzy & Georgia May Jagger front row at HUGO SS 2012
Nach einem fünftägigen Modemarathon endete vergangen Samstagabend die neunte Auflage der Berlin Fashion Week mit einer Show des belgischen Labels A.F. Vandevorst. Was bleibt nach 21 besuchten Schauen sowie zahlreichen Nebenveranstaltungen, Ausstellungen und Parties?
Glaubt man den Aussagen des Veranstalters IMG so war die Modewoche -wieder einmal- ein voller Erfolg. Noch nie seien die Besucherzahlen so hoch gewesen. Auch Michalsky bejubelt die Zahl der Gäste seines Mode-Events, ca. 1.500 Geladene, sowie die Zahl der derjenigen, die seine Stylenite via Livestream im Internet verfolgten, und informiert darüber per Newsletter.
Wunderbar, dass die Fashion Week ein Publikum hat und wunderbar auch, dass die Zahl der Interessierten von Saison zu Saison wächst, doch Masse allein ist natürlich kein Garant für Qualität. Wer sind all die vor dem Zelt herumschleichenden Leute, denen zu manch schwacher Stunde, bspw. Samstagsvormittags, schon mal ein Ticket geschenkt wird, um die Sitzreihen zu beiden Seiten des Laufsteges zu füllen?
Die Antwort auf die Frage wer präsentiert hier was, wem und warum bleibt an vielen Stellen der Berliner Modewoche diffus. Insbesondere die Kollektionen einiger Berliner Designer kranken an einer Konformität, als hätten sie diese in Gemeinschaftsarbeit erstellt. Es herrscht ein unübersehbarer Mangel an Richtungsweisendem. Braucht es für unifarbene Cashmere-Pullis, einfache Bundfaltenhosen, schmucklose Trägertops und schlichte Sommerkleidchen wirklich eine Laufsteg-Präsentation?
Hartgesottene Anhänger der Berlin Fashion Week mahnen, dass Modegeschehen der deutschen Hauptstadt nicht mit dem Treiben der anderen europäischen Modemetropolen zu vergleichen. Eine fragwürdige Regel, die die Mahnenden zumeist nur mit einem naiven “Berlin ist nun einmal Berlin und nicht Paris” zu rechtfertigen wissen. Dabei ist der Vergleich mit dem Vergleichbaren doch ohnehin ein Automatismus in den Köpfen der Menschen, der sich nicht abstellen lässt. An wem soll sich die Berlin Fashion Week denn bitteschön sonst messen lassen, wenn nicht an ihrer italienischen, französischen, britischen oder amerikanischen Schwester?
Sich aus Angst vor einer schlechten Beurteilung dem Vergleich mit der Konkurrenz entziehen zu wollen ist feige. Die Augen zu verschließen und so zu tun als gäbe es London, Mailand und New York nicht, ist unsouverän. Natürlich, eine Fashion Week muss wachsen dürfen. Hier ist neben Selbstbewusstsein vor allem auch Selbstkritik ein wichtiger Schlüssel auf dem Weg zum Ziel. Das Verharren in alten Gewohnheiten, gleich einem trotzigen Kind, führt langfristig zur Stagnation. Berlin braucht mehr Glamour, bessere Models und auch stärkere Kollektionen. Um Letzteres zu gewährleisten, wäre eine strenge Selektion bei der Zulassung von Designern durch ein Komitee aus sachkundigen Mode- und Medienschaffenden hilfreich.
Kollektionen mit internationaler Handschrift wie die von Rena Lange, professionelle Shows nach dem Vorbild von Hugo Boss und nicht zuletzt der Sinn für Inszenierungen nach Michalsky-Art sind wesentliche Bestandteile des erfolgreichen Konstrukts namens Modewoche. Im Ringen um die internationale Anerkennung modischer Kompetenz der Berlin Fashion Week sind Ausnahmetalente wie die holländische Modedesignerin Iris van Herpen, die McQueenesque Kunst am Körper zeigte, unverzichtbar. Bitte mehr davon!
Christian Courtin Clarins wird dieser Tage wohl ein wenig mehr von seiner eigenen Anti-Aging Pflege auftragen müssen, um seine Sorgenfalten angesichts der Vorgänge im Hause Mugler, deren Eigner er ist, in Schach zu halten.
Nach einem schwachen Fashion-Debüt Nicola Formichettis im Januar 2011 enttäuschte der zum Kreativdirektor der Marke Thierry Mugler berufene Stylist vor wenigen Tagen bei den Pariser Schauen abermals unsere in ihn gesetzten Hoffnungen. Eigentlich sollte Formichetti, besser bekannt als die persönliche Kammerzofe Lady Gagas und ehemaliger Art Director des britischen Modemagazins Dazed & Confused , das in den Dämmerschlaf gefallenen Label Thierry Mugler entstauben, doch statt heißer Klamotten bei den Männerschauen in Paris präsentiert Formichetti lauwarme, homoerotische Videos im Internet.
Das altbewährte Motto “Sex sells” wird hierbei leider auf die platteste Art und Weise inflationiert und kann über die Belanglosigkeit der darin ohnehin nur vage zu sehenden Klamotten nicht hinwegtäuschen. Der Versuch, mit der sensationsheischenden Botschaft “too hot für youtube but just right for x-tube, einer Porno-Webseite, im Vorfeld der Kollektionspräsentation bei den Männerschauen in Paris einen Medienhype zu generieren ist allzu offensichtlich. Provokation als Selbstzweck, ohne tieferen Sinn, wirkt niemals glaubhaft dafür fast immer peinlich.
Zumal der Inhalt des Kurzstreifens mit dem Titel “Brothers of Arcadia, mit großen Getöse in der Blogosphäre angekündigt, zumindest für europäische Gemüter nicht halb so skandalös ist, wie uns Formichetti Glauben machen mag. Dass darin tatsächlich einer der Darsteller an seinem Penis rubbelt mag so manch unaufgeklärten Zeitgenossen anturnen, betrachtet man das Video jedoch unter modischen Gesichtspunkten, kann es dafür leider nur null Punkte geben.
Natürlich sind die sich in dem Clip räkelnden Jungs ansehnlich, doch eine halbherzige, auf stylish getrimmte Wichsvorlage in bewegten Bildern ist eben noch lange kein adäquater Ersatz für das kreative Erbe Herrn Muglers, dem Modegenie, das sich 2003 aus dem Business zurück zog und seitdem nur noch um die Duftsparte kümmert. Thierry Mugler, das war von der Gründung im Jahr 1974 bis zum Abgang des allzeit durchtrainierten Modemachers, ganz großes Kino.
Wespentaillen, waffenscheinpflichtige Silhouetten, Powerschultern und die kräftigsten Farben die das Pantone Farbsystem zu bieten hat, bildeten zusammengenommen eine unverwechselbare Handschrift, die sich an starke, selbstbewusste Frauen richtete. Muglers Frauenideal bewegte sich irgendwo zwischen Domina, Business-Vamp und Insekt, was von den Protagonisten der Modepresse am häufigsten unter dem Begriff Amazone zusammenfasst wurde. Als Role-Model verkörperte das texanische Supermodel Jerry Hall jahrelang die Muglerienne par excellence.
Gekonnt paarte der Designer seinen Sinn für theatralische Inszenierungen mit handwerklichem Können und formte daraus einen Look. Glamour in seiner reinsten Form. Nach seinem Abschied aus dem Tagesgeschäft wurde die Modelinie zunächst eingestellt. Doch bereits zwei Jahre später probierte man mit Designer Thomas Engelhart zumindest die Männerlinie wieder zu etablieren. Die wurde von den Einkäufern jedoch nur schlecht angenommen, und so kam 2008 Rosemary Rodriguez an Bord um Engelharts Job zu übernehmen und parallel dazu die Womenswear wieder aufleben zu lassen. Eine begabte Designerin mit besten Referenzen, die Anfang der 90er unter Thierry Mugler fünf Jahre lang die Studioleitung der Damen Pret-a-Porter inne hielt und somit die Firmenphilosophie in- und auswendig kannte. Als Kreativdirektorin des Hauses schien sie dennoch die falsche Besetzung zu sein.
Auf Rodriguez folgte schließlich im September 2010, der heute 34-jährige Nicola Formichetti und mit ihm, Romain Kremer als Headdesigner für die Herrenlinie sowie Sébastian Peigné als Verantwortlicher für die Damenlinie der Marke Mugler. Als des Unternehmens Mastermind darf Formichetti in den Gestaltungsprozess seiner beiden Untergebenen eingreifen und trägt die Verantwortung für das was letztlich realisiert und dem Publikum vorgestellt wird.
Während sich Monsieur Mugler selbst letztes Jahr in einem seltenen Interview mit dem Wall Street Journal öffentlich über den schleichenden Niedergang seiner geschaffenen Mode-Galaxie echauffierte, warten viele seiner Fans noch heute auf ein Comeback des Firmengründers, der sich nur noch projektweise mit Kleidung auseinandersetzt und zuletzt mit seinen Bühnenkostümen für Beyonces “I am Sasha Fierce-Tour” und einem grotesk übermuskulösen Body von sich reden machte.
Die Ankündig Formichettis als Kreativdirektor schien Anhängern der Marke ein vielversprechender Lichtblick. Verfügt Formichetti als Stylist über ein durchaus außergewöhnliches Gespür für medienwirksame Looks. Doch mit seiner Debut-Kollektion folgte auf die Euphorie schnell Ernüchterung: ein Flop!
Designer Nicola Formichetti
Aus Respekt gegenüber der Marke und wohl wissend, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis sich ein Designer in die DNA eines Modehauses eingefühlt hat und jeder Mensch eine zweite Chance verdient, hielten sich Top-Kritiker wie Tim Blanks, Suzy Menkes und Cathy Horyn zunächst diplomatisch bedeckt. Bei Formichettis zweiter Männer-Schau, die er vergangene Woche in Paris präsentierte, zog Blanks es vor, sich gar nicht erst dazu zu äußern und überließ die Rezension des Gezeigten einem jüngeren Kollegen. Vermutlich hätte sich Blanks zu sehr verbiegen müssen, um nette Worte für all den Homotrash zu finden.
Fakt ist, Formichetti ist kein Designer, sondern Stylist. Sein großes Talent liegt in der Zusammenstellung von Kleidungsstücken, die sich andere ausgedacht haben. Es wäre an der Zeit zur Lösung des Design-Desasters über eine intern zu regelnde Umverteilung der Kompetenzen im Hause Mugler nachzudenken. Sobald Christian Courtin Clarins diese durchgeführt hat, wird auch er wieder vom hochkonzentrierten Anti-Falten-Serum auf eine normale Feuchtigkeitspflege umsteigen können.
Das Warten hat ein Ende! Die brandneue Ausgabe des HYPE MAGAZINE ist ab heute bundesweit im Bahnhofs- und Flughafenbuchhandel sowie an allen gut sortierten Presseverkaufsstellen erhältlich.
Wir freuen uns sehr, Euch auch in dieser Ausgabe wieder tiefgreifende Artikel und unkonventionelle Interviews präsentieren zu können. Zu Wort kommen hier unter anderem: Deutschlands selbsternanntes und charmantestes Wunderkind, Wolfgang Joop, Dan und Dean Caten, die quirligen Zwillingsbrüder hinter dem Label DSquared, sowie die entwaffnend ehrliche Stilikone und Modebloggerin Diane Pernet aus Paris. Darüber hinaus haben wir Euch die schönsten Kollektionsteile und Accessoires der Saison zusammengetragen und in Form fantastischer Modestrecken stillvoll in Szene gesetzt. In unserer Beauty-Rubrik erfahrt Ihr wie man seine Haut richtig vor UV-Strahlung schützt und auch dem Tabuthema Mundgeruch haben wir uns gewidmet und verraten, wie man die peinlichen Duftwolken ganz schnell wieder los wird.
Dank auch an unser Cover Model, Masha Tyelna. Die gebürtige Ukrainerin ist seit 4 Jahren eine feste Größe im Model-Business und stöckelte bereits für namhafte Modehäuser wie Yves Saint Laurent, Dior, Nina Ricci und Givenchy über den Laufsteg. Ihre großen Rehaugen -zweifellos ihr Markenzeichen- sind nicht nur auf dem Cover von HYPE zu bewundern, sondern auch im Rahmen einer besonders farbintensiven Beautystrecke, realisiert von Modefotografin Anja Frers und Make-up Artist Heiko Palach, im Innenteil des Heftes.
Das Baskenland, eine der 17 spanischen Provinzen des Landes, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts um ihre Unabhängigkeit kämpft, hat seinem berühmtesten Sohn, Modeschöpfer Cristóbal Balenciaga, ein Museum gewidmet.
Das 30 Millionen Euro teure Gebäude, welches sich in dem 2.700 Seelen Dorf Getaria, dem Geburtsort Balenciagas, befindet, öffnet heute erstmals seine Pforten für das Publikum. Beim Pre-Opening für Prominenz und geladene Gäste kam mit der spanischen Königin Sofia und Modekritikerin Suzy Menkes ein wenig Glanz in das Fischerdorf an der Atlantikküste. Die Monarchin und die Journalistin durften sich an der Begutachtung einer großen Auswahl an original erhaltenen Roben Balenciagas, Fotografien, Zeichnungen sowie persönlichen Gegenständen des Modemaestros erfreuen. Auch das spanische Fremdenverkehrsamt München und der baskische Minister für Industrie, Innovation, Handel und Tourismus, Bernabé Unda Barturen, feierten vergangenen Dienstag die Eröffnung des Modetempels mit einer Veranstaltung auf Münchens Praterinsel. Dort präsentierten acht baskische Designer jeweils ein eigens entworfenes Modell als Hommage an Cristóbal Balenciaga.
von links nach rechts, Entwürfe von: Miguel Palazio, Isabel Zapardiez, Alicia Rueda, María Cle Leal
unten: Modesto Lomba, Minimil, Lemoniez, Miriam Ocariz
Rena Lange Designerin Renate Günthert ist in der Nacht zum vergangenen Donnerstag in ihrer Wohnung im Münchner Stadtteil Bogenhausen verstorben.
Bislang kursieren zwei unterschiedliche Versionen zur Todesursache: Die Süddeutsche Zeitung führt in ihrer Berichterstattung ein Herzversagen an, die Bild-Zeitung spricht von Freitod durch die angebliche Einnahme von Tabletten einer Schweizer Stebehilfe-Organistion. Spekulationen aus dem Umfeld der gebürtigen Berlinerin Günthert besagen, die 75-jährige sei womöglich durch den Selbstmord von Gunther Sachs motiviert worden, ihrem Leben ein Ende zu setzen.
Seit 1958 fertigt die M.Lange GmbH & Co. KG Prêt à Porter auf Couture-Niveau, aber erst seit 1990 unter dem Namen Rena Lange. Das Unternehmen befindet sich in dritter Generation im Besitz der Familie Günthert. Renate Günthert, die als Chefdesignerin des Hauses jahrzehntelang den Look der Kollektionen verantwortete, zog sich 2001 aus dem Geschäft zurück. Erst im November 2007 starb ihr Mann, Peter Günthert, mit dem zusammen sie das Modehaus zu einer internationalen Marke aufbaute. Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis in das Jahr 1916 zurück.
Diese Ausstellung hat es in sich: Das “Puschkin Museum of Fine Arts” in Moskau verdeutlicht anhand exquisiter Roben Diors und ihrer Gegenüberstellung mit Artefakten und kunsthistorisch bedeutsamen Gemälden von Renoir bis Picasso, den Einfluss von Kunst, Architektur, Fotografie und Bildhauerei auf die Entwürfe der Moderevoluzzers.
Der Betrachter erlangt somit Geisteszellen stimulierende Erkenntnis von den Inspirationsquellen Christian Diors und seiner Nachfolger Yves Saint Laurent, Marco Bohan, Gianfranco Ferré und John Galliano.
Mit der Wahl der ausgestellten Kleider und deren dramatischen Inszenierung vor neoklassizistischer Kulisse im Inneren des Puschkin Museum avanciert “Inspiration Dior” zu einem visuellen Knallbonbon; so opulent und prunkvoll wie einst der Habitus russischen Zarentums.
Die Ausstellung “Inspiration Dior” in Moskau ist noch bis zum 24. Juli 2011 zu sehen.
Alexander McQueen, photo Sølve Sundsbø for the Costume Institute @the Met
Designer Alexander McQueen hat mit seinem Freitod nicht nur eine große Lücke im Herzen aller Modeliebhaber und viele offene Fragen hinterlassen sondern auch ein einzigartiges kreatives Erbe.
Damit dieses nicht in Vergessenheit gerät, aber auch um McQueens Leistungen und die Inspiration, welche er über Jahre hinweg der Modebranche lieferte posthum gebührend zu würdigen, zeigt das Costume-Institute des Metropolitan Museum of Art in New York in einer neuen Ausstellung das Beste aus den Archiven McQueens. Besucher dürfen sich auf Videos seiner spektakulärsten Schauen, Bilder der schönsten Werbekampagnen, Modeskizzen, Interviews und natürlich die Präsentation der dramatischsten Roben seiner Laufbahn freuen. Angefangen bei Stücken seiner Abschlusskollektion am Central Saint Martins College aus dem Jahre 1992 bis hin zu seinen letzten Entwürfen für die Herbst/Winter Saison 2010/2011.
Am Konzept der Ausstellung mit dem Titel “Alexander McQueen: Savage Beauty” sind Sarah Burton, McQueens langjährige rechte Hand und jetzige Kreativdirektorin des Labels sowie Modedesignerin und McQueen-Freundin Stella McCartney beteiligt. Andrew Bolton und Harold Koda, beide Kuratoren am Costume Institute, betonten auf einer Pressekonferenz den besonderen Einsatz von Anna Wintour für die Ausstellung. Ohne das Engagement der US-Vogue Chefin wäre das Projekt nicht Zustande gekommen. Bereits zwei Tage vor dem offiziellen Ausstellungsbeginn am 04. Mai, wird sich die internationale Fashionszene auf Einladung Wintours in NewYork einfinden um McQueen und sein Lebenswerk zu feiern.
Ein Buch zur Ausstellung erscheint Ende Mai.
Alexander McQueen: Savage Beauty
04. Mai – 31.07.2011
METROPOLITAN MUSEUM OF ART
Iris and B. Gerald Cantor Exhibition Hall, 2nd floor
Und noch ein Buch, das unsere Aufmerksamkeit erregt, wie eben alles, was aus dem Verlagshaus Steidl kommt und den Namen Lagerfeld trägt.
Die Biographie “Coco Chanel – Legende und Leben” der Autorin Justine Picardie hat es sich zur Aufgabe gemacht Wahrheit und Dichtung in der Lebensgeschichte von Gabrielle Chanel auseinander zu klamüsern und sich in ihrem Werk auf die Darstellung der Wahrheit zu beschränken. Zu diesem Zwecke erhielt die Journalistin, die u.a. für die britische Vogue und Harpers Bazaar schrieb, angeblich als erste Journalistin überhaupt unbegrenzten Zutritt zum Chanel-Archiv. Warum das Hause Chanel das Vorhaben der Entmythisierung seiner Firmengründerin unterstützen sollte bleibt fraglich, verkaufen sich doch Parfums und Stepptaschen mit den berühmten ineinander verschlungenen Initialen der Modeschöpferin nicht zuletzt auch durch all die extravaganten kleinen, teils widersprüchlichen Anekdoten rund um ihr Leben, bestens.
Karl Lagerfeld, seines Zeichens die lebendige Personifizierung der Marke CHANEL, scheint jedoch Gefallen an der inhaltlichen Aufbereitung gefunden zu haben, steuerte er zur Bebilderung des Buches, trotz vollster Vollbeschäftigung, Illustrationen aus eigener Hand bei.
Über einen Mangel an erhältlichen Biographien über ihr Leben und ihre Arbeit, ob nun cineastischer oder textlicher Natur, könnte sich Mademoiselle Chanel , würde sie noch leben, nicht beklagen. Wir tun es auch nicht und freuen uns über das 400 Seiten starke Buch mit den wunderschönen Zeichnungen des Kaisers.
“Coco Chanel – Legende und Leben” von Justine Picardie, erschienen bei LSD (Steidl), ca. 58 €
Und das sagt die Autorin über die Intention ihres Buches…
Fast wäre es uns entgangen, doch dank der Kunstbuchhandlung Walther König sind wir doch noch auf den schon im November 2010 erschienenen Bildband über das Leben und Werk von Modedesigner Claude Montana aufmerksam geworden.
Claude Montana, das ist das in Vergessenheit geratene Modegenie. Mit finanzieller Unterstützung des Textilproduzenten “Juan Ferrer & Sentis” präsentiert Montana 1976 seine erste Kollektion unter eigenem Namen in einem Pariser Teehaus Namens Angelina. Eine Sternstunde. 19 Jahre nach der Entdeckung Yves Saint Laurents hatte Frankreich endlich wieder ein neues Wunderkind.
Drei Jahre nach seinem Fashion-Debut gründet Montana schließlich seine eigene Firma “Montana S.A.”. Seine messerscharfen Schnitte, die Streamline- Silhouette samt asymmetrischer Säume, die überdimensional großen Krägen, die bis zu den Ellenbogen reichenden Lederhandschuhe und natürlich die Herkules-Schultern, die, wie die veredelten und hautengen Biker-Lederjacken, zu seinem Markenzeichen wurden, prägen das modische Erscheinungsbild einer ganzen Dekade. Die Verarbeitung von Leder zu edlen, optisch ansprechenden Kleidungsstücken gilt als sein Spezialgebiet. Nur Montana war in der Lage, Frauen in Lederkluft von Kopf bis Fuß nicht nuttig aussehen zu lassen. In seinen Entwürfen verzichtete er auf Muster und setzte dafür auf brillante wie auch ungewöhnliche Farbnuancen. Mauscheltöne wie Senfgelb, staubiges Korallenrot oder frostiges Lavendel etwa.
Als Designer hat sich Montana 2002 ohne jemals seinen offiziellen Rückzug zu verkünden von der Modewelt abgewandt. Zwar existiert noch eine Website des Unternehmens, die jedoch nur Bildmaterial aus alten Tagen bietet. Unter der angegebenen Telefonnummer des Firmenstandortes hebt bei Anruf tatsächlich jemand den Hörer am anderen Ende der Leitung ab. Doch Fragen nach Montanas Verbleib bleiben unbeantwortet. Derlei Geheimniskrämerei heizt die Spekulation um seine heutige Existenz natürlich an. Öffentlich zeigte sich der der scheue Modemacher bei einer Signierstunde für sein Buch im Pariser Teehaus Angelina, jenem Ort an dem er einst sein Fashiondebut gab.
Gerüchte von Drogenabhängigkeit und Verarmung drehen schon seit langer Zeit ihre Runden. Gelegentlich sieht man ihn noch als Gast auf diversen Modeveranstaltungen der alten Fashionelite von Paris, wie bspw. dem 100-jähigen Geburtstag der Couturienne Madame Carven vor anderthalb Jahren. Dabei trägt der Designer noch immer die Modelle seiner alten Kollektionen. Außer den Paparazzi-Bildern von solchen Veranstaltungen gibt es von ihm kein neues Bildmaterial. Sein letztes Pressefoto stammt aus den 90ern und wurde neben dem Einleitungstext seines Buches abgedruckt. Die Welt soll ihn in Erinnerung behalten als das, was er einmal wa: ein Moderevoluzzer.
Außerdem hält Jean-Jaques Layani, aktueller Inhaber der Firma Montana, ein Comeback der Marke noch für möglich, das allerdings schon seit 9 Jahren. Ob er dabei mit der Unterstützung des Firmengründers rechnen kann ist fraglich. Dieser erklärte in einem Interview mit WWD anlässlich seiner Buchveröffentlichung:
“Ich habe kein übermäßiges Interesse am aktuellen Modegeschehen, einfach weil alles nur noch auf Basis geschäftlicher Notwendigkeiten entschieden wird. Um ehrlich zu sein, sträuben sich mir beim Wort Business die Haare. Natürlich wäre es wunderbar, zurückkehren, aber hierzu muss mir etwas in eine konkreten und akzeptablen Weise angeboten werden.”
“Montana: Fashion Radical”, von Claude Montana und Marielle Cro, erschienen bei Thames & Hudson, 192 Seiten, Hardcover, € 39,99
“Modeschöpfer wie Christian Dior brauchten früher weder Handschuhe noch Pferdeschwanz. Ihnen genügte ihr Talent.”
Mit diesem Seitenhieb auf Karl Lagerfeld, dem ewigen Rivalen seines verstorbenen Lebenspartners, Yves Saint Laurent, kritisierte Pierre Bergé, anlässlich des Rauswurfs von John Galliano bei Dior, den Druck der Modedesigner sich heutzutage auch als Person fast schon exzessiv-originell vermarkten zu müssen um der eigenen Arbeit Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Mag angesichts des vielfach bewiesenen gestalterischen Talents Lagerfelds Bergés Kommentar der Geschmack eines persönlichen Ressentiments anhaften, so steckt darin, Lagerfeld mal außen vor gelassen, mehr als nur ein Funken Wahrheit.
Einen Beleg für das Prinzip “show over quality” liefern die kürzlich im Internet verbreiteten Bilder der Menswear-Kampagne für die Wintersaison 2011/12 der Marke Mugler. Doch nicht nur die Werbemotive mit der Totenkopffratze von “Model” Rick Genest, sondern auch all die anderen, seit Jahresbeginn vollzogenen Marketingmaßnahmen zur Wiederbelebung der Modesparte des einstigen Glamour-Labels bestätigen die Notwendigkeit visueller Schockeffekte um in der Bilderschwemme des Internets überhaupt noch wahrgenommen zu werden.
So sprach das fashion-pack im Anschluss an die im Januar vorgestellte Männerkollektion weniger von den gezeigten Metzgerschürzen als vielmehr von Tatoo-Schreck Genest, der die Klamotten über den Laufsteg führte und sich in einem ästhetisch ansprechendem Werbeclip von Mario Vivanco vor dessen Kamera räkelte. Das gleiche Phänomen -viel Aufmerksamkeit um das Drumherum, wenig Beachtung für das beworbene Produkt selbst- lässt sich nun seit einigen Tagen auch an der Damenline des Hauses beispielhaft nachvollziehen. Des Labels neuer Kreativdirektor, Nicola Formichetti, der seit 2009 auch als schwule Kammerzofe Lady Gagas fungiert, bastelte gemeinsam mit ihr am musikalischen Konzept für seine erste Modenschau. Ein Video, das den Superstar als Model über den Catwalk torkeln zeigt, wurde nun bedeutungsschwanger als “Official Directors Cut” veröffentlicht. Dieser PR- Aktionismus, der primär darauf zielte, Pressevertreter anzuheizen, funktionierte jedoch nur bedingt. So finden sich zwar die “Mugler-Gaga-Genest-Videos”, die zum Pre-Release freigegebenen Photo-Stills, und diverse Remix-Versionen der nervtötenden Mugler-Mucke created by Lady Gaga zwar tausendfach in den Tiefen des World Wide Web wieder, doch wer eine kompetente Kritik zur Kollektion lesen möchte, muss danach zunächst einmal etwas länger googlen.
Und nun eben Philipp Genest als Werbeträger für die vergeigte Herrenkollektion. Ob eine zutätowierte Birne modekundige Männer drüber hinwegtäuschen kann, dass dem Sakko aus dem sie herausragt, letztlich das Revers fehlt. Geschmackssache?! Die amerikanische GQ jedenfalls, nutzt den gegenwärtigen Hype um Genest und schmückt sich mit ihm in einer Modestrecke seines aktuellen, zweimal im Jahr erscheinenden Style-Specials. Wann das Ende der Fahnenstange in puncto glaubwürdiger Exzentrik erreicht ist und Kreative sich wieder ausschließlich auf ihr Talent verlassen können um zu glänzen, steht in den Sternen. Gewiss ist nur, die große Show als Tarnmantel für schwache Leistungen ist peinlich, als i-Tüpfelchen genialem Schöpfertums bietet sie hingegen Unterhaltung auf höchstem Niveau.