Werbung, Werbung und nochmals Werbung: wer sich den Inhalt von Modezeitschriften zu Gemüte führen möchte, muss sich bis zum ersten redaktionellen Beitrag zunächst einmal 90 Seiten lang durch die bunte Warenwelt der Luxusgüterindustrie blättern, nur um dann festzustellen, dass es sich auch beim Vorwort des Chefredakteurs oftmals bloß um die blumige Verschriftlichung einer indirekten Werbebotschaft handelt.
Ganz anders bei [mo:de], der Hauspublikation des Ausbildungsgangs Modejournalismus/Medienkommuniaktion der AMD Akademie Mode & Design München. Deren Absolventen konzipieren einmal im Jahr unter Anleitung renommierter Blattmacher ein Magazin, welches versucht dem Begriff “Journalismus” fern von trivialen Stylingtips gerecht zu werden.
Frei vom Druck potentiellen Anzeigenkunden gefallen zu müssen, widmet sich die jüngst erschienene Ausgabe der AMD-Postille auf 132 Seiten ausschließlich gängigen Vorurteilen in Bezug auf Mode und ihrer Protagonisten. Machen Kleider wirklich Leute? Kann man Stil kaufen, und hat Mode tatsächlich kein Gewissen? Antworten auf derlei Fragen liefern die frischgebackenen Modejournalisten der AMD Akademie Mode & Design München” in Form von spannenden Reportagen und aufschlussreichen Interviews, wie beispielsweise mit ALLUDE Gründerin Andrea Karg, die keinen Hehl daraus macht ihre Kaschmirpullis in China produzieren zu lassen.
Dass guter Modejournalismus sich vor allem durch Kontextualisierung auszeichnet, beweist der Artikel “Eine Lesbe erkenne ich auf 100 Meter” von Annemarie Gassen. Dieser widerlegt auf informative und zugleich unterhaltsame Weise das Klischee von der Lesbe als Mode-Abstinenzlerin, und macht deutlich, dass das Kleidungsrepertoire homosexueller Frauen sich eben nicht auf Latzhosen und Birkenstock-Sandalen beschränkt.
Warum hegen wir überhaupt Vorurteile? Weil wir dazu neigen den Weg des geringsten Wiederstandes zu gehen, glaubt das [mo:de"]-Team zu wissen, und fordert dazu auf, Scheuklappen abzulegen und über den eigenen Tellerrand zu blicken. Der Redaktion selbst ist dies bei der Umsetzung ihres Magazins bravourös gelungen. Mehr davon!
An Patrick Mohr scheiden sich die Geister -Blogger, Laien und Fachpresse gleichermaßen. Die einen halten ihn als Designer für überbewertet, die anderen Bewundern ihn als großen Avantgardisten, der sich dem Mainstream verweigert.
Man bedenke, dass selbst Comme des Garçons Gründerin Rei Kawakubo bei ihrer ersten Fashion Show , 1981 in Paris, für ihren abgerissenen Hiroshima-Chic ausgebuht wurde und heute als DIE Innovatorin der Mode gilt, mit der so ziemlich jedes Unternehmen gerne mal eine Kooperation begehen würde, um das eigene Image aufzupolieren.
Nach außen scheinbar unbeirrt von alldem, geht Patrick Mohr seinen Weg. Dieser führt ihn morgen Abend erst einmal in den Münchner Stadtteil Giesing. Dort wird der Modemacher seine neue T-Shirt Kollektion im ehemaligen Karstadt/Hertie Haus vorstellen. Unterstützt wird er dabei von DJ HELL, der den Anwesenden nach erfolgter Präsentation musikalisch ordentlich einheizen wird.
Backstage, erschienen bei teNeues, photo: teNeues Verlag
Verspeisen Models wirklich nur ein Salatblatt am Tag, haben Designer vor den großen Schauen Lampenfieber und arbeiten Friseure und Make-up Künstler tatsächlich bis zum Umfallen? Ihr wolltet schon immer mal hinter die Kulissen der Berlin Fashion-Week blicken, konnten euch aber nie Zugang zu dem Getümmel hinter dem Vorhang verschaffen?
Macht nichts - der Berliner Fotograf Claudius Holzmann hat in den vergangenen Jahren alles für Euch eingefangen, was sich im inoffiziellen, nämlich hinteren Trakt des größten deutschen Modespektakels abspielt: im sogenannten Backstagebereich, sozusagen eine Mercedes Benz Fashion Week “unplugged”.
Dort wo den Models stundenlang die Haare gemacht werden, wo nur Insider die Laufstegbeauties ungeschminkt und ungestylt zu Gesicht bekommen. Während sich „draußen” Heerscharen von Objektiven um die Laufstege drängelten, gab sich Holzmann mit den weniger glamourösen Momentaufnahmen zufrieden, die der perfekten Gesamtinszenierung einer Modewoche vorausgehen. Models, die sich in sekundenschnelle in ihre Outfits zwängen, Visagisten, die Mannequins im Akkord abpudern, kleine Pannen bei den Proben - es gibt nichts, was dem renommierten Modeprofi verborgen blieb und nicht mindestens genauso schön und anmutig ist, um es für immer auf Fotopapier zu bannen.
Seit den Anfängen der Berlin Fashion Week fing Holzmann authentische Szenen mit seiner Kamera ein. Aus 40 000 Fotografien hat er 120 Aufnahmen ausgewählt, die die Atmosphäre und Dramatik hinter dem Laufsteg am besten wiedergeben. Das Buch ist nicht nur ein Must-have für Fashionjunkies. Der Bildband über die Modewoche mit den meisten Ecken und Kanten unter den weltweiten Fashion Weeks, ist nun für rund 39 Euro im Handel erhältlich.
BACKSTAGE von Claudius Holzmann, Verlag: teNeues, € 39,00
90-60-90; was auf den ersten Blick aussieht wie der direkte Draht zum überteuerten Klingelton-Abo, ist in Wirklichkeit ein Synonym für das weibliche Körperideal des 20. Jahrhunderts. Seit Ende zweiten Weltkrieges gilt dieses Maß nun schon als Schönheitsideal und Richtwert für angehende Models.
Mehr ist in der Modebranche nicht gefragt, weniger dagegen schon. Vorausgesetzt das proportionale Verhältnis von Brust, Taille, Hüfte ähnelt irgendwie der Silhouette einer Sanduhr. Moden unterliegen stets dem Wandel der Zeit und mit ihnen auch die Körperform.
Als beständigster Helfer, um den eigenen Körper dem aktuellen Modediktat zu unterwerfen, hat sich das Mieder erwiesen. Bereits vor 500 Jahren begannen europäische Frauen ihren Körper mittels der Leibbinde nachdem jeweils vorherrschenden Schönheitsideal zu formen oder besser gesagt, zu verformen. Nicht selten hinterließ die enge Schnürung der Taille auf bis zu 40 cm, bleibende Leibesschäden: gequetschte Organe, deformierte Brustwirbel und Wundstellen. Aller modischen Varianten zum Trotz blieb dabei die Betonung von Brust und Becken stets populär. Eine mögliche Erklärung für diesen Tatbestand, bietet die auf Fortpflanzung ausgerichtete Psychologie von Mann und Frau. ER wittert in hochgedrückten, prallen Brüsten und einem breiten Becken Vitalität und Fruchtbarkeit. SIE hingegen, erhofft sich in der Erfüllung dieser Kriterien bessere Chancen auf das Alpha -Männchen: groß und stark, potent und schlau, überlegen und reich. Frau, ob mit Abitur oder nicht, will Mann gefallen.
Doch nicht nur das Schönheitsideal hat sich über Jahrhunderte immer wieder neu definiert, auch die Ausführung des Mieders unterlag der fortwährenden Veränderung. Mal hinten, mal vorne geschnürt, mal mit Haken und Ösen als Verschluss. Ob als Bestandteil der Unterkleidung oder dekorativer Hingucker der Oberbekleidung, korsettartig versteift oder elastisch, das Mieder hat viele Gesichter.
Die Evolution des Mieders unter dem Einfluss sich wandelender Moden dokumentiert aktuell das Münchner Stadtmuseum in seiner sehr sehenswerten Ausstellung: “Silhouettenwechsel-Mode sprengt Mieder.”
“I don´t think I´m as big a bitch ay you think, but I had fun reading it”, ein Buch welches mit solch einem Satz von einer der bedeutendsten Modemacherinnen der Gegenwart kommentiert wird, muss über einen enormen Unterhaltungswert verfügen. Vita Prada ist eine, im vergangenen Dezember in Italien erschiene Biographie über Miuccia Prada.
Der Inhalt wurde von Signora Prada nicht autorisiert, gelesen hat sie das Werk trotzdem. Laut Auskunft derjenigen, die den Schmöker ebenfalls gelesen haben, strotzt das Buch geradezu mit emotionsgeladenen Anekdoten, die das urmenschliche Bedürfnis nach Klatsch und Tratsch, Glamour und Drama befriedigen. Beschrieben wird z.B. die Szene wie Miuccia´s Gatte in einem unkontrollierten Wutausbruch, die Spiegel im New Yorker Miu Miu Store mit einem Gegenstand zertrümmert haben soll, mit der Begründung: “because they make everybody look fat”.
Der Verfasser ist nicht, wie man bei unautorisierten Büchern leichtfertig vermuten könnte ein beliebiger Schmierenfink. Im Gegenteil: Gian Luigi Paracchini ist gesetzte 62 Jahre alt, studierter Politikwissenschaftler und seit etwa 12 Jahren Mode-Korrespondent bei Italiens größter Tageszeitung, Corriere della Serra, welche international einen absolut seriösen Ruf genießt. Seinen journalistischen Anspruch entsprechend investierte Paracchini viel Zeit um das Leben von Frau Prada und ihrem temperamentvollen Partners Patrizio Bertelli, der interessanterweise immer nur als “Mann von” betitelt wird, zu recherchieren.
Herausgekommen ist ein 204 Seiten starkes Buch über das gegenwärtig die gesamte italienische Modebranche spricht.
VITA PRADA von Gian Luigi Paracchini Baldini Castoldi Dalai / € 22,00
(bisher nur in italienischer Sprache)
Es war der charmanteste Moment am Abend der Bambi Verleihung des Jahres 2009 in Potsdam. Wolfgang Joop wurde gestern das goldene Reh für seine Verdienste um die Stadt Potsdam verliehen. Mit seiner Kreativität und seinem Engagement habe Joop das Image von Potsdam neu erfunden, so die Begründung der Jury.
Wolfgang Joop mit Tochter Jette ber der Bambi Verleihung 2009
Der Modemacher wusste als einziger Preisträger im Vorfeld nichts von der Auszeichnung. Sichtlich überrascht von der Verlautbarung seines Namens und gerührt von der Laudatio seiner Tochter Jette, aus deren Händen Deutschlands Vorzeigdesigner den Preis entgegennehmen durfte, bedankte sich Joop für die Anerkennung. Der ehemalige Weltenbummler, der nach Stationen in Monte Carlo und New York in der brandenburgischen Landeshauptstadt zu seinen Wurzeln zurückfand, findet heute Halt und Inspiration in der Tradition und seiner eigenen Lebensgeschichte. Die Rahmenbedingungen zur Ehrung des wortgewandten Freigeists hätten nicht stimmiger sein können, Familie, Heimat und der begehrteste Medienpreis des Landes. C´est ca et voilà!
Der einzig wahre Superstar an diesem Abend, der, so Tochter Jette Joop, “nie eine Mauer im Kopf hatte”, hat die Auszeichnung verdient; für das was er sagt, für das was er leistet und letztlich auch für das, was er ist: ein wahres Wunderkind!
photo: Berliner Festspiele copyright: F.C. Gundlach
Eine große Retrospektive des deutschen Modefotografen F.C. Gundlach ist ab dem 20. November im Berliner Martin Gropius Bau zu sehen. Angekündigt sind 350 Fotografien aus einer vierzigjährigen Schaffensperiode.
Der 1926 im hessischen Heinebach geborene Fotograf spezialisierte sich Mitte der 1950er Jahre auf die Modefotografie und arbeitete für die Magazine Film und Frau, Stern und Quick. 1963 unterzeichnete er einen Exklusivvertrag mit der Frauenzeitschrift Brigitte, für die er bis 1983 die jeweils aktuelle Mode ablichtete und mehr als 160 Titelbilder schoss.
Gundlachs Aufnahmen sind kunstvoll aber niemals verkünselt, und so reflektieren sie auf besonders authentische Weise den Look ihrer Zeit. Interessant ist vor allem die Tatsache, dass die Modepresse bereits in den Nachkriegsjahren keine Kosten und Mühe scheute, um Modeproduktionen in fernen Ländern durchzuführen. In den 1960er Jahren, als Flugreisen noch ein Privileg für Wenige darstellten, gewiss eine Besonderheit. Somit brachte F.C. Gundlach mit seinen Fotografien nicht nur die Mode in deutsche Wohnzimmer, sondern auch Glamour und Exotik. Dabei bediente er auch die Sehnsüchte von Millionen Bundesbürgerinnen. Dass das Modebusiness, lange bevor das Metier hip wurde und Modeleute mit Anglizismen um sich warfen, schon immer international orientiert war, belegt untenstehendes Foto mit dem nüchternen Titel: “Die neue Mode.”
Das Bild zeigt das Model Grace Coddington in einem Outfit von Missoni. Grace, die heutige Modechefin der US-Vogue mit dem flammend roten Haar, die durch die Filmdokumentation “The September Isssue” aus dem Schatten ihrer Chefin Anna Wintour allmählich heraustritt und mittlerweile auf eine eigene Fangemeinde zählen kann. Hättet Ihr sie erkannt?
Ausstellung: “F.C. Gundlach - Das fotografische Werk” ab dem 20. November im
Martin Gropus Bau Berlin
Das Modeinsider-Blatt WWD berichtete kürzlich von einem Gesetzesvorschlag zur Kennzeichnungspflicht retuschierter Photos. Ähnlich den Warnhinweisen auf Zigarettenschachteln, sollen nach Meinung der französischen Politikerin Valerie Boyer, Mitglied von Nicolas Sarkozy´s UMP Partei, retuschierte Bilder mit Anmerkungen über die Manipulation versehen werden. Davon betroffen wären somit Werbeanzeigen, Pressefotos, Verpackungen und künstlerische Fotografien.
Ziel dieser Aktion ist es, junge Mädchen vor Essstörungen, einem verzerrten Selbstbild und einer verfehlten Wahrnehmung eines vermeintlich gängigen Schönheitsideals zu bewahren.
De Vorschlag löste unterschiedliche Reaktion aus. “Klatschpresse, die primär mit Paparazziphotos von Celebrities arbeiten, begrüßen die Idee mehrheitlich. Hochglanzmagazine hingegen, lehnen die Aufklärungspflicht erwartungsgemäß ab,” so eine Sprecherin Boyers.
Auch innerhalb der Modebranche wird die Frage “Hinweis ja-Hinweis nein,” kontrovers diskutiert.
Junge, progressive Mode- und Lifestylezeitschriften setzten bei der Wahl ihrer Models ohnehin stärker auf Persönlichkeit statt auf Perfektion. Ein schiefer Zahn, Sommersprossen, ein markante Nase oder ein Knick im Ohr sind bei Titeln wie Vice, Sleek, Zoo, Missy oder Deutsch gern gesehen. Die “old guard” des high-fashion Editorials hält dabei an einer unerreichbaren Makellosigkeit fest. Hier geht es weniger um Authentizität als vielmehr darum, beim Leser Begehrlichkeiten zu wecken. Dies geschieht ganz im Sinne der Anzeigenkunden, denn eine überirdisch schöne Frau in einem Kleid von Versace suggeriert der Leserin: “Kaufst Du dir dieses Kleid, dann bekommst Du meine schlanke Taille gleich mit dazu!”
Sich der Werbepsychologie mittels Photoshop zu bedienen und Träume zu schaffen, Sehnsüchte zu wecken um den Absatz seiner Produkte zu fördern ist an für sich legitim. Problematisch wird es nur, wenn junge Menschen, allen voran junge Frauen versuchen dem hyperästhetischen Körperbild der Modeindustrie, das Erfolg, Geld und Sex verspicht, nachzueifern. Während das männliche Schönheitsideal jedoch zu Sport und Muskelaufbau animiert, weil männliche Hungerhaken nun einmal nicht gefragt sind, weder bei Frauen noch in der Werbung, verhält es sich beim weiblichen Geschlecht umgekehrt: dünn, dünner, Size Zero! Doch wer glaubt, Models würden per Photoshop stets um 50 Prozent ihres Körpervolumens reduziert und auf doppelte Körperlänge gestreckt, der irrt. Es mag für viele Frauen, die sich primär über ihr Äußeres definieren, frustrierend sein, doch die meisten professionellen Models erfüllen die Vorgaben von maximal 55 kg bei einer Größe 1,75 Meter auf natürliche Weise, ganz ohne dafür hungern zu müssen.
Ob Retusche-Anmerkungen tatsächlich Essstörungen vorbeugen können ist fraglich! Solange sich dürre Mädchen mit großen Kulleraugen in glitzernden Miu Miu Kleidchen über die Doppelseiten der Modemagazine räkeln, heißt die Botschaft: die ist drin weil dünn! Ob nun durch digitale Pixelschubserei oder dank guter Gene, ist dabei nebensächlich. Interessant ist, allein die internationale Übereinkunft kreativer Entscheidungsträger und Blattmacher, gegenwärtig einen mädchenhaften, androgynen Körper zu propagieren und die Frage nach den Ursachen dieser Entwicklung.
Das dürfte den Berlinern aufstoßen: nach einer langen Etablierungsphase und erstmals einstimmig guten Kritiken für die vergangene Berlin Fashion Week begibt sich nun auch München in das Rennen um den Titel “Deutschlands Modehauptstadt”,und plant für Februar 2010 eine eigene Modewoche unter dem Namen FASHION WEEK MUNICH!
Wer nun glaubt, dass die beiden Veranstaltungen doch friedlich nebeneinander bestehen können, der irrt gewaltig. Wohl kaum ein Modehaus wird sich zwei Modenschauen, plus Kosten für Werbe und PR- Maßnahmen, leisten wollen bzw. können. Auch Pressevertreter werden, aus wirtschaftlichen wie auch aus zeitlichen Gründen, nicht von A nach B reisen um zweimal in Folge deutsche Mode aus ein- und derselben Saison zu begutachten.
Dennoch, die Ankündigung ist ein herber Schlag für Berlin. Haben deutsche Modeschaffende der Berlin Fashion Week in ihren Anfängen nur wenig Chancen auf ein Überleben eingeräumt, und der Hauptstadt jeglichen Chic abgesprochen, hat sich die Modewoche mittlerweile zum glamourösesten Mode-Event der Bundesrepublik entwickelt, wie man Anfang Juli dieses Jahres sehen konnte.
Dort in Berlin, lud das Münchner Modehaus Escada, trotz finanzieller Probleme, Promis und Fashionistas zur großen Retrospektive ins Bode-Museum. Hier, mitten im tristen Osten des Landes, beehrte Herald Tribune Kolumnistin und Modekritikerin Suzy Menkes die hiesige Modebranche und versprühte einen Hauch von Internationalität. Berlin hats sich seinen Erfolg als Modehochburg hart und professionell erarbeitet. Geschenkt hat man den Organisatoren der Berlin Fashion Week nichts.
Die Chancen für München sich gegen Berlin durchzusetzen, lassen sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht seriös einschätzen. Fakt ist, es wird nicht leicht! Berlin gilt als hip, vor allem im Ausland. Viele Kreative sehen in der Stadt das New York von Deutschland. Zudem hat Berlin mit Mercedes Benz einen prestigeträchtigen und finanzkräftigen Kooperationspartner und dank IMG einen hochprofessionellen und erfahrenen Veranstalter. Mit Tracht und Maßkrug lässt sich da nicht konkurrieren.
Andererseits, München hat Geld, viel Geld, und damit lässt sich bekanntermaßen so Einiges beschleunigen. Zudem sitzen zahlreiche bedeutende Modemarken in Süddeutschland, wie Hugo Boss und Strenesse, viele von ihnen sogar direkt in München; darunter Aigner, Bogner, Escada und Rena Lange. Darüber hinaus gibt es in München diverse Society-Schneider mit besten Promikontakten. Dazu zählen Gabriele Blachnik, Talbot Runhof, Sonja Kiefer, Susanne Wiebe und der junge Daniel Fendler (siehe HYPE Interview vom 15.07.)
Nur an Vertretern der Avantgarde mangelt es der bayrischen Landeshauptstadt. Hier kann München gegenwärtig nur auf Shooting Star Patrick Mohr zurückgreifen.
Dass zu alldem auch noch die kommerzielle Modepresse fast vollständig in München vertreten ist, mag manch einen Berliner jetzt den Schweiß auf die Stirn treiben, doch sollten sich die Münchner diesbezüglich nicht zu früh freuen. Allein die lokale Nähe zu den Medien garantiert noch keine gute Berichterstattung. Es ist ja kein Geheimnis, dass deutsche Designer zunächst im Ausland gefeiert werden müssen, bevor ihnen die deutsche Vogue überhaupt ein Minimum an Anerkennung zollt.
Einfach ausgedrückt: viele Redakteure missachten erst einmal grundsätzlich alles was direkt vor der eigenen Haustüre stattfindet.
Hinter der Munich Fashion Week steckt die Agentur “Style of Life Entertainment” von Walter Klein und Bahtijar Zekirija, zwei wahre Größen des Münchner Nachtlebens mit einem weiten Netzwerk an Medienkontakten. In Kooperation mit der Modelagentur “Together”, wollen die Zwei nun Münchens Ruf als Modestadt wiederbeleben. Bleibt nur zu hoffen, dass die Beiden wissen, dass ein “Miss Wet-T-Shirt” Wettbewerb nicht wirklich was mit Mode zu tun hat. Anfängerfehler sind verzeihlich, fehlendes Niveau hingegen nicht! Schaun mer mal!
Das Goethe-Institut hat den internationalen Mode- und Designerwettbewerb «createurope» ausgerufen.
Bis zum 15. Juni 2009 können sich junge Designer und Modedesign-Studenten aus ganz Europa mit ihren Kollektionsideen beim Goethe-Institut bewerben.
Eine Jury mit Fachleuten der Kultur- und Modeszene trifft bis Ende Juni eine Auswahl von 30 Finalisten aus ganz Europa, die im Oktober zur Endausscheidung nach Berlin eingeladen werden, um ihre Kollektionen bei einer Modenschau-Gala zu präsentieren.
Der Preis richtet sich an Nachwuchsdesigner und -designerinnen sowie an internationale Modeschulen. Bisher unterstützen laut Goethe-Institut Modeschulen aus 26 Ländern den Wettbewerb. 2008 hatten sich mehr als 1000 Teilnehmer aus 39 europäischen Ländern für «createurope» beworben.
Infos, Anmeldeformulare zum Wettbewerb:
www.createurope.com