Fast wäre es uns entgangen, doch dank der Kunstbuchhandlung Walther König sind wir doch noch auf den schon im November 2010 erschienenen Bildband über das Leben und Werk von Modedesigner Claude Montana aufmerksam geworden.
Claude Montana, das ist das in Vergessenheit geratene Modegenie. Mit finanzieller Unterstützung des Textilproduzenten “Juan Ferrer & Sentis” präsentiert Montana 1976 seine erste Kollektion unter eigenem Namen in einem Pariser Teehaus Namens Angelina. Eine Sternstunde. 19 Jahre nach der Entdeckung Yves Saint Laurents hatte Frankreich endlich wieder ein neues Wunderkind.
Drei Jahre nach seinem Fashion-Debut gründet Montana schließlich seine eigene Firma “Montana S.A.”. Seine messerscharfen Schnitte, die Streamline- Silhouette samt asymmetrischer Säume, die überdimensional großen Krägen, die bis zu den Ellenbogen reichenden Lederhandschuhe und natürlich die Herkules-Schultern, die, wie die veredelten und hautengen Biker-Lederjacken, zu seinem Markenzeichen wurden, prägen das modische Erscheinungsbild einer ganzen Dekade. Die Verarbeitung von Leder zu edlen, optisch ansprechenden Kleidungsstücken gilt als sein Spezialgebiet. Nur Montana war in der Lage, Frauen in Lederkluft von Kopf bis Fuß nicht nuttig aussehen zu lassen. In seinen Entwürfen verzichtete er auf Muster und setzte dafür auf brillante wie auch ungewöhnliche Farbnuancen. Mauscheltöne wie Senfgelb, staubiges Korallenrot oder frostiges Lavendel etwa.
Als Designer hat sich Montana 2002 ohne jemals seinen offiziellen Rückzug zu verkünden von der Modewelt abgewandt. Zwar existiert noch eine Website des Unternehmens, die jedoch nur Bildmaterial aus alten Tagen bietet. Unter der angegebenen Telefonnummer des Firmenstandortes hebt bei Anruf tatsächlich jemand den Hörer am anderen Ende der Leitung ab. Doch Fragen nach Montanas Verbleib bleiben unbeantwortet. Derlei Geheimniskrämerei heizt die Spekulation um seine heutige Existenz natürlich an. Öffentlich zeigte sich der der scheue Modemacher bei einer Signierstunde für sein Buch im Pariser Teehaus Angelina, jenem Ort an dem er einst sein Fashiondebut gab.
Gerüchte von Drogenabhängigkeit und Verarmung drehen schon seit langer Zeit ihre Runden. Gelegentlich sieht man ihn noch als Gast auf diversen Modeveranstaltungen der alten Fashionelite von Paris, wie bspw. dem 100-jähigen Geburtstag der Couturienne Madame Carven vor anderthalb Jahren. Dabei trägt der Designer noch immer die Modelle seiner alten Kollektionen. Außer den Paparazzi-Bildern von solchen Veranstaltungen gibt es von ihm kein neues Bildmaterial. Sein letztes Pressefoto stammt aus den 90ern und wurde neben dem Einleitungstext seines Buches abgedruckt. Die Welt soll ihn in Erinnerung behalten als das, was er einmal wa: ein Moderevoluzzer.
Außerdem hält Jean-Jaques Layani, aktueller Inhaber der Firma Montana, ein Comeback der Marke noch für möglich, das allerdings schon seit 9 Jahren. Ob er dabei mit der Unterstützung des Firmengründers rechnen kann ist fraglich. Dieser erklärte in einem Interview mit WWD anlässlich seiner Buchveröffentlichung:
“Ich habe kein übermäßiges Interesse am aktuellen Modegeschehen, einfach weil alles nur noch auf Basis geschäftlicher Notwendigkeiten entschieden wird. Um ehrlich zu sein, sträuben sich mir beim Wort Business die Haare. Natürlich wäre es wunderbar, zurückkehren, aber hierzu muss mir etwas in eine konkreten und akzeptablen Weise angeboten werden.”
“Montana: Fashion Radical”, von Claude Montana und Marielle Cro, erschienen bei Thames & Hudson, 192 Seiten, Hardcover, € 39,99
“Modeschöpfer wie Christian Dior brauchten früher weder Handschuhe noch Pferdeschwanz. Ihnen genügte ihr Talent.”
Mit diesem Seitenhieb auf Karl Lagerfeld, dem ewigen Rivalen seines verstorbenen Lebenspartners, Yves Saint Laurent, kritisierte Pierre Bergé, anlässlich des Rauswurfs von John Galliano bei Dior, den Druck der Modedesigner sich heutzutage auch als Person fast schon exzessiv-originell vermarkten zu müssen um der eigenen Arbeit Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Mag angesichts des vielfach bewiesenen gestalterischen Talents Lagerfelds Bergés Kommentar der Geschmack eines persönlichen Ressentiments anhaften, so steckt darin, Lagerfeld mal außen vor gelassen, mehr als nur ein Funken Wahrheit.
Einen Beleg für das Prinzip “show over quality” liefern die kürzlich im Internet verbreiteten Bilder der Menswear-Kampagne für die Wintersaison 2011/12 der Marke Mugler. Doch nicht nur die Werbemotive mit der Totenkopffratze von “Model” Rick Genest, sondern auch all die anderen, seit Jahresbeginn vollzogenen Marketingmaßnahmen zur Wiederbelebung der Modesparte des einstigen Glamour-Labels bestätigen die Notwendigkeit visueller Schockeffekte um in der Bilderschwemme des Internets überhaupt noch wahrgenommen zu werden.
So sprach das fashion-pack im Anschluss an die im Januar vorgestellte Männerkollektion weniger von den gezeigten Metzgerschürzen als vielmehr von Tatoo-Schreck Genest, der die Klamotten über den Laufsteg führte und sich in einem ästhetisch ansprechendem Werbeclip von Mario Vivanco vor dessen Kamera räkelte. Das gleiche Phänomen -viel Aufmerksamkeit um das Drumherum, wenig Beachtung für das beworbene Produkt selbst- lässt sich nun seit einigen Tagen auch an der Damenline des Hauses beispielhaft nachvollziehen. Des Labels neuer Kreativdirektor, Nicola Formichetti, der seit 2009 auch als schwule Kammerzofe Lady Gagas fungiert, bastelte gemeinsam mit ihr am musikalischen Konzept für seine erste Modenschau. Ein Video, das den Superstar als Model über den Catwalk torkeln zeigt, wurde nun bedeutungsschwanger als “Official Directors Cut” veröffentlicht. Dieser PR- Aktionismus, der primär darauf zielte, Pressevertreter anzuheizen, funktionierte jedoch nur bedingt. So finden sich zwar die “Mugler-Gaga-Genest-Videos”, die zum Pre-Release freigegebenen Photo-Stills, und diverse Remix-Versionen der nervtötenden Mugler-Mucke created by Lady Gaga zwar tausendfach in den Tiefen des World Wide Web wieder, doch wer eine kompetente Kritik zur Kollektion lesen möchte, muss danach zunächst einmal etwas länger googlen.
Und nun eben Philipp Genest als Werbeträger für die vergeigte Herrenkollektion. Ob eine zutätowierte Birne modekundige Männer drüber hinwegtäuschen kann, dass dem Sakko aus dem sie herausragt, letztlich das Revers fehlt. Geschmackssache?! Die amerikanische GQ jedenfalls, nutzt den gegenwärtigen Hype um Genest und schmückt sich mit ihm in einer Modestrecke seines aktuellen, zweimal im Jahr erscheinenden Style-Specials. Wann das Ende der Fahnenstange in puncto glaubwürdiger Exzentrik erreicht ist und Kreative sich wieder ausschließlich auf ihr Talent verlassen können um zu glänzen, steht in den Sternen. Gewiss ist nur, die große Show als Tarnmantel für schwache Leistungen ist peinlich, als i-Tüpfelchen genialem Schöpfertums bietet sie hingegen Unterhaltung auf höchstem Niveau.
Unglaublich aber wahr: Die britische Boulevard Zeitung “The Sun” hat auf ihrer Internetseite heute ein Video veröffentlicht, in dem Designer John Galliano im Pariser Café “La Perle” andere Gäste mit rassistischen Äußerungen beleidigt und die Frage einer Frau “Are you blond?” mit “No, but I love Hitler!” beantwortet. Der Clip kann aktuell nur auf der Website von The Sun abgerufen werden.
Bislang wurde darüber spekuliert, ob es sich bei der in dem Video zu sehenden Person überhaupt um John Galliano handelt, doch laut der Online Zeitung “Huffington Post” hätten Medien wie Le Monde, La Parisien und auch RTL den sichtlich berauschten Mann zweifellos als John Galliano identifiziert. Noch ist unklar, ob das Video die Situation von vergangenem Donnerstag zeigt, welche am darauffolgenden Freitag zu Gallianos Suspendierung im Hause Dior geführt hatte. Der Designer soll ein Paar, Geraldine Bloch und ihren Freund Philippe Virgitti, mit antisemitischen Parolen beschimpft haben. In dem von der Sun entdeckten Video, welches mit einer Handykamera gefilmt wurde, äußert sich der Modemacher darüber hinaus noch mit folgenden Worten: “People like you would be dead. Your mothers, your forefathers, would all be fucking gassed.” Galliano setzt sich gegen die Anschuldigungen von letztem Donnerstag juristisch zu wehr und klagt auf “Diffamierung”.
Das heute an die Öffentlichkeit gelangte Video lässt ihn nun allerdings unglaubwürdig wirken. Ob Dior nach diesem Vorfall noch an Galliano als kreativem Kopf des Unternehmens festhalten wird?
Luxusartikel für Kinder polarisieren, den Modeprofi ebenso sehr wie den modischen Laien. Die neu lancierten Kindershades aus dem Hause Gucci, Sonnenbrillen für Buben und Mädchen ab 7 Jahren, sind zwar längst nicht so dekadent wie die Couture-Windeln aus dem Hause Dior oder das Kindermalbuch von Hermès, stimmen aber nicht minder nachdenklich bezüglich der “richtigen” Wertevermittlung an den Nachwuchs.
Für stilbewusste Mädchen, ein Modell aus der neuen Gucci Kinderbrillen-Kollektion / photo: SAFILO über Andrea Leitner PR
Nicht etwa die Frage ob Kinder so etwas tatsächlich brauchen gilt es zu klären, viel spannender scheint eine Auseinandersetzung mit der Frage, was eine Ausstattung der Jüngsten mit Statussymbolen über deren Eltern aussagt, aber auch wie, und ob überhaupt, sich die frühkindliche Versorgung mit Designeraccessoires nachteilig auf die Entwicklung der Sprösslinge auswirken könnte. Selbstverständlich gibt es Argumente die Luxus-Erzeugnisse für die Kleinen rechtfertigen. So ist es für Fashion-Mamis natürlich praktisch ihre Brut mit Kleidung aus dem selben Geschäft eindecken zu können wie sich selbst und nicht erst mit dem Kindewagen oder einem unruhigen 4-jährigen an der Hand noch einen weiteren Shop aufsuchen zu müssen. Und überhaupt, wie würde eine Mutter wirken, die sich selbst nur das Beste gönnt und ihre Blagen mit Klamotten aus dem Textildiscount abspeist?
Zudem gilt es in bestimmten Kreisen zu repräsentieren, sich selbst und natürlich auch den Erfolg des geehelichten Global-Players. Dabei lässt sich der eigene Wohlstand mit goldenen Baby-Puschen von Dior noch viel wirkungsvoller demonstrieren als durch Mamas Kelly Bag oder Papis “Submariner” von Rolex. Denn, was die Dekadenz hier noch stärker unterstreicht ist die Tatsache, dass Kinder ihren teuren Designerstücken alle 6 Monate nach deren Anschaffung bereits wieder entwachsen sind. Der daraus resultierenden erforderlichen Beschaffung von Nachschub haftet etwas Verschwenderisches an und Verschwendung galt schon immer als die plakativste Form der Zurschaustellung von Reichtum.
Mag sein, dass dies für die Mehrheit der Endverbraucher alles keine triftigen Argumente sind, die Luxusartikel für Kids rechtfertigen. Fakt ist aber, dass es eine Zielgruppe für derlei Erzeugnisse gibt und das allein ist Grund genug für deren Herstellung.
Die Cruise/Holmes Sippe ist hier nur ein prominentes Beispiel für konsumorientierte Eltern mit einem Faible für Kids-Couture.
Natürlich gilt auch hier die Devise leben und leben lassen. Doch wenn man bedenkt wofür Designermode mitunter steht: Prestige, Verführung und Sex; scheint die Frage, inwiefern diese Attribute in Verbindung mit einer unbeschwerten Kindheit zu bringen sind, berechtigt.
Geht es nach dem pädagogischen Ideal sollen Kinder offenen Auges durchs Leben gehen und Abenteuer erleben dürfen. Das ganz am besten draußen, heißt in natürlicher Umgebung. Frei von Statusgedanken und der Angst ihre Polo-Shirts zu beschmutzen. Eltern, die ihre Kinder als bloßes Anhängsel auf den Einkaufsboulevards dieser Welt hinter sich herziehen lassen, brauchen sich nicht zu wundern wenn ihr Nachwuchs eines Tages mit dem Begriff Lamm nur noch einen Mantel assoziiert.
Vielleicht wollte Guccis Chefdesignerin Frida Giannini mit ihrer Brillenkollektion für Mama und Tochter, wahlweise auch für Papa und Sohn, nur einen einheitlichen Look offerieren, doch das wiederspräche dem folgendem Satz des Pressetextes: “Jungen und Mädchen können ihren eigenen Stil durch eine reiche Farbauswahl zur Geltung bringen.” Seit wann bitteschön bedeutet eigener Stil so auszusehen wie die Eltern? Es gehört zum Reifeprozess Heranwachsender hinzu sich mittels Kleidung von seinen Eltern optisch abzuheben, nicht sich ihnen anzupassen. Zu allem Überdruss heißt es dort weiter: “Mit diesen einzigartigen Sonnenbrillen werden die Kinder schon zu richtigen Trendsettern”! Doch wem sollen 7-jährige mit ihrem Style eigentlich ein Vorbild sein?
Gewiss, auch ein erfolgsverwöhntes Unternehmen wie Gucci muss bereits heute Vorsorge für seine Existenzsicherung in der Zukunft treffen. Wenn den Brandmanagern des Hauses bei der Erstellung ihrer Konzepte eines Bewusst ist, dann der unabänderliche Fakt, das auch aus 7-jährigen einmal 27-jährige werden. Da kann man mit der Markenbindung gar nicht früh genug beginnen. Oder?
Auf die umjubelte Frischenzellenkur für das Glamour-Label Thierry Mugler durch Nicola Formichetti folgt nun die Revitalisierung des Modehauses Paco Rabanne durch Modemacher Manish Arora.
Dieser wurde jetzt vom Kosmetikhersteller PUIG, dem Eigner der Marke Paco Rabanne, beauftragt als neuer Creative-Director selbiger zu neuem Glanz zu verhelfen. Diese Absicht beinhaltet u.a. die Wiedereinführung der im Jahre 2006 eingestellten Damenkollektion zur Paris Week im Oktober 2011. Der Vertrag sei zunächst auf 3 Jahre befristet. Angeblich soll Paco Rabanne höchstpersönlich die Berufung Manish Aroras zum kreativen Kopf der einst von ihm 1967 gegründeten Firma gegenüber PUIG befürwortet haben.
Der in Neu-Dehli ansässige Arora ist seit 1997 selbst mit einer namenseigenen Line am Markt vertreten, welche er in Europa erstmals 2005 bei der London Fashion Week präsentierte. Zwei Jahre später, gab er schließlich auch auf der Modewoche in Paris sein Debut. Wie auch Monsieur Rabanne ist Manish Arora ein unkonventionell Denkender, ein Nonkonfomist. Ausgehend von seinen kunstvollen Entwürfen dürfte es ihm nicht allzu schwer fallen sich mit dem kreativen Erbe und der Designphilosphie seines Auftraggebers, zu identifizieren. Ob er allerdings genauso intensiv mit Lötkolben und Kneifzange hantieren und Schnittmusterteile statt mit Faden eher mit Metallschlaufen zusammenhalten wird, wie ursprünglich auch Monsieur Rabanne, bleibt abzuwarten.
Frau Weber, wie relevant ist die Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin?
Also gleich vorweg, die Fashion Week besteht ja nicht nur aus den Schauen hier am Bebelplatz, sondern beinhaltet ja auch noch die Bread and Butter und die Premium. Diese beiden Messen tragen maßgeblich zum Erfolg des Konglomerats Fashion Week bei. Wären es nur die Schauen, dann wäre ich skeptisch ob das funktionieren würde. Doch auch die Schauen machen sich. Es sollten noch mehr deutsche Labels mitmachen, wie beispielsweise Strenesse und Aigner. Viele namhafte Brands fehlen, dabei wäre gerade ihre Präsenz hilfreich.
Warum ist das so? Ist das eine Imagefrage?
Ja natürlich! Diese Marken sehen sich nicht hier, weil sie denken, dass sie in Mailand, Paris oder New York besser aufgehoben sind.
Ist diese Sichtweise richtig?
Das kommt darauf an. Eine Modenschau ist immer sehr teuer. Hier am Bebelplatz hat man zudem relativ viele Vorschriften und bekommt nicht immer die Models, die man gerne hätte. Wenn man international zeigt erhält man eine größere Aufmerksamkeit und trifft eben auch auf die internationalen Einkäufer. Die sind zwar zum Teil auch auf der Bread and Butter zugegen, aber nicht hier im Fashion-Zelt.
Als Chefredakteurin der InStyle sind sie selbst schon eine VIP und werden am Catwalk von der Presse umlagert. Wie erklären Sie sich den Hype um die Moderedakteurinnen? Hat etwa auch der Film “DerTeufel trägt Prada” zu dieser Entwicklung beigetragen?
Ja klar! “Der Teufel trägt Prada” war hierbei sicherlich die Initialzündung und hat die Popularität dieses Berufs begünstigt. Doch ehrlich gesagt glaube ich, dass es in Deutschland einfach an Stars mangelt, die glamourös aussehen. Deshalb stürzt man sich alternativ gerne auf die Moderedakteurinnen. Hierzulande ist es tendenziell leider immer noch so, dass viele Prominente sich selbst gerne gefallen wollen aber nicht unbedingt dem Publikum. Deswegen tragen sie hässliche, sackartige Sachen mit unstimmigen Accessoires und kümmern sich nicht sonderlich um ihr Haarstyling und Make-up. Das Ergebnis schaut dann eben schnell provinziell aus. In Hollywood hingegen weiß jeder Star, dass er nur Erfolg hat, wenn er Aufmerksamkeit erregt, eine öffentliche Figur ist. Um dies zu erreichen bedient er sich der Mode aber auch den Modemedien.
Warum brauchen Designer überhaupt Promis in der ersten Reihe?
Das ist doch ein altes Spiel! Wenn Stars kommen garantiert dass dem Designer automatisch mehr Presse, mehr Presse bedeutet mehr Aufmerksamkeit. Ich spüre aber, dass der Trend zu den Celebrities als Stargast wieder ein wenig abnimmt. Immer mehr Firmen sind es Leid einen Haufen Geld für die Anwesenheit von Stars zu zahlen, die einen zunächst lange warten lassen um dann womöglich wiederwillig und mit schlechter Laune zu erscheinen und damit den bereits auf den Showbeginn wartenden Journalisten die Zeit stehlen.
Was könnte die “Berlin Fashion Week” besser machen?
Die brauchen hier dringend bessere Models, was natürlich schwierig ist, weil parallel zur Berlin Fashion Week die Haute Couture Schauen in Paris stattfinden. Noch mehr Shows und vor allem bekanntere Namen wären natürlich auch von Vorteil.
Auch Tennislegende Boris Becker stattete der Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin, zusammen mit seiner Frau Lilly, einen Besuch ab. Grund genug für ein kurzes Interview mit dem stilsicheren Jahrhundertsportler.
Boris Becker und HYPE-Chefredakteur Sven Barthel - Foto: Harald Fuhr
Herr Becker, wie empfinden Sie eigentlich den Presserummel um ihre Person? Sie konnten sich den kurzen Weg vom Zelteingang bis zur Presselounge nur im Schneckentempo und unter Geleitschutz bahnen, nervt das nicht mit der Zeit?
An manchen Tagen ist das auch für mich noch gewöhnungsbedürftig, aber ich mache das ja schon einige Jahre und weiß normalerweise wie ich mich in solchen Situationen zu verhalten habe. Es schmeichelt natürlich auch, dass nach so langer Zeit immer noch ein derartiges Interesse an meiner Person besteht. Andererseits kann diese Aufmerksamkeit auch sehr anstrengend sein.
Können Sie überhaupt noch in Ruhe einkaufen gehen?
Man erkennt mich eigentlich fast überall, und normalerweise lassen die Leute mich in Ruhe wenn sie mich sehen, außer in Deutschland!
Inwiefern ist Mode überhaupt ein Thema für Sie?
Mode macht mir und meiner Frau Spaß. Nun bin ich ja schon etwas älter, habe meinen Geschmack gefunden und weiche nicht mehr allzu sehr davon ab.
Was ist denn Ihr Geschmack?
Darf ich das mit der Nennung meiner Lieblingsdesigner beschreiben?
Nur zu!
Ich trage gerne Ralph Lauren, beruflich und privat! Ich mag Tom Ford und Dolce & Gabbana. Das sind meine drei Favoriten. Von den deutschen Labels schätze ich Hugo Boss.
Wer berät Sie in Kleiderfragen?
Was ich trage, entscheide ich alleine. Bevor ich aus dem Haus gehe, frage ich aber sicherheitshalber doch nochmal meine Frau, ob ich mit meinem Outfit nicht ganz daneben liege.
Den Laufsteg bildete diesmal kein langer Streifen sondern ein großes weißes Rechteck über dem eine riesige Leinwand auch den Zuschauern auf den hinteren Rängen des Tempodroms Blicke auf Michalskys neue Herbst/Winter Kollektion im Detail ermöglichte.
Michalsky Fashion Show im Berliner Tempodrom - Foto: HYPE MAGAZINE
Des Designers bevorzugte Farben für den Winter sind Schwarz, Weiß, Camel, Anthazit und Fuchsia. Pat Cleveland, Modelikone der 70ies, präsentierte ein bodenlanges weisses Kleid, großzügig besetzt mit Glitzersteinchen deren Funkeln im Scheinwerferlicht dem Publikum einen spontanen Applaus entlocken konnte. Lediglich die grauen Wildlederboots dazu wirkten ein wenig derbe.
Mit Ausnahme eines anthrazitfarbigen Glitzeranzuges sieht Michael Michalsky Männer im nächsten Winter lieber sportlich als formell gekleidet. Hi-Top Sneakers, kurze Jacken, Kapuzenpullis mit Reißverschluss, Baggy-Pants aus Flanell und ein subtiles Camouflage-Muster lassen Jungs wie Jungs ausschauen, und das ist auch gut so. Elegant hingegen offenbart sich Michalskys Frauenbild: Abendkleider mit Stufenvolants, schwingende Mäntel, ultralange Lederhandschuhe, Glitzerfransen und ein sexy Korsagenkleid aus gestepptem Leder waren auf den Punkt und verzichteten auf dekorativen Firlefanz.
Hugo Boss lud zur Modenschau und “tout le monde” strömte in die großzügigen Hallen der Neuen Nationalgalerie, die gemäß der Marken-CI der Linie HUGO entsprechend in Rot und Schwarz umgestaltet wurden. Wie zu erwarten, bildete die HUGO Show einen der Höhepunkte der Berlin Fashion Week.
Der Modegigant aus Metzingen scheute keine Kosten und Mühen den Abend zu einem glamourösen Ereignis werden zu lassen. Trotzdem blieb die Veranstaltung bodenständig. Die VIP-Dichte war zwar überschaubar aber mit Lewis Hamilton, Tilda Swinton und Chloë Sevigny hochkarätig besetzt. Verwunderung unsererseits herrschte im Falle der Platzierung der fabelhaften Angelica Blechschmidt. Die ehemalige Chefredakteurin der deutschen VOGUE hätten wir gerne in der ersten Reihe gesehen und nicht etwa in der dritten.
Und die Mode? Die wurde von der ersten Garde der momentan angesagtesten Laufstegbeauties auf einem schwarz gelackten Catwalk präsentiert. Dabei blieb Hugos Chefdesigner Eyan Allen dem cleanen HUGO-Stil treu und zeigte schmale Silhouetten, klare Linien, Glanzoptiken und coole Looks aus Leder, alles sehr souverän umgesetzt. Überraschend: Geht es nach HUGO trägt Frau auch bei Minustemperaturen noch Minirock. Die Farbpalette für den kommenden Winter beschränkt sich dabei auf Schwarz, Weiß, Dunkelblau, Kieselgrau und Camel. Als Farbtupfer für die kalte Jahreszeit propagiert HUGO Akzente in Rot. So weit so gut. Bleibt zu hoffen, dass auch die schönen, feuerroten Herrenlederschuhe ihren Weg in den Einzelhandel finden.
Nach der Insolvenz ihres Labels im Vorjahr, feierten Klaus Unrath und Ivan Strano am Donnerstag Abend ihr Comeback im Fashion-Zelt am Bebelplatz. Models mit einheitlichem schwarzem Lockenschopf, roten Kussmund und Kulleraugen erinnerten an Betty Boo und staksten unter den Augen von Franziska van Almsik und Minu Barati-Fischer über den silbernen Laufsteg. Es dominierten Schwarz, Gold, Oliv, Beige und Grau, ergänzt um Farbtupfer in Weiß und Blau. Schön zu sehen, dass Unrath & Strano trotz ihres Vorsatzes künftig auch bezahlbare Tageskleider zu schneidern, den Abendkleidern, die sie bei der Hauptstadt-Society einst so populär gemacht haben, auch weiterhin die Treue halten.
Zugegeben, so viel Coolness wie Laurèl bei der Präsentation seiner Herbst/Winter Kollektion 2011 an den Tag legte, hatten vor allem die unter 30jährigem im Saal dem Modeunternehmen gar nicht zugetraut. Eine Riege junger Bloggerinnen zeigte sich, ihren Gesichtsausdrücken nach zu urteilen, positiv überrascht und hielt jeden einzelnen Look mit ihren Kameras fest.Die Show eröffnete Topmodel Karin Thormann, begleitet durch die musikalische Live-Darbietung der Band The Sounds, deren herrlich unterhaltsame Sängerin Maja Ivarsson, ein ultramarinblaues Minidress aus der vorgestellten Kollektion trug und mit ihrer Musik eine derart gute Laune im Saal verbreitete, die sogar Boris Beckers Ehefrau Lily zum rythmischen Wippen mit der Schulter verleitete.
Das Farbkonzept von Laurèl Chefdesignerin Elisabeth Schwaiger setzt für den kommenden Winter auf Braun- und Grautöne sowie Eisblau. Kontrastierende Akzente setzen dabei die Farben Rot und bereits erwähntes Ultramarinblau. Zudem propagiert Laurèl den Overall, kniehohe Lederstiefel, und lange Wildlederhandschuhe als unverzichtbare Must-haves für die Frau im Winter 2011/2012. Lässiger Chic mit 70ies Anleihen, die wertig und zeitgemäß rüberkommen – da schaut man gerne hin!
Gemessen an seinen Entwürfen gehört Dawid Tomaszewski eigentlich nicht nach Berlin. Mit seiner zeitgemäßen Interpretation von Glamour sticht er wohltuend aus der Monotonie deutschen Mode-Designs heraus, das sich seit Ewigkeiten auf Basics und langweiliger Casual-Wear in Grau, Schwaz und Beige beschränkt.
Dawid Tomaszewski Fall/Winter 2011 - Foto: by courtesy of Dawid Tomaszewski
Das Grau und Schwarz nicht gleichbedeutend mit Tristesse sein müssen, bewies Tomaszewski mit seiner Show am zweiten Tag der Berlin Fashion Week. Zart fließende Bustierkleider mit weichem Fabverläufen, ein opulent mit Strass-Steinen besticktes Oberteil – très très chic, aufwendiger Strick, und in der Taille geraffte Bleistiftröcke aus Wolle, voilà!
Die stilistische Handschrift des in Polen geborenen Designtalents vertrüge im Wettbewerb mit den ganz Großen der Branche vielleicht noch einen Hauch mehr Mut, hat aber bereits jetzt schon sichtbar internationales Niveau. So ist es diese perfekte Balance aus Individualität und Kommerzialität gepaart mit einer sehr professionellen Selbstdarstellung, die auf Leistung statt auf billigen Showeffekten beruht, die Tomaszewski als Modemacher eine Glaubwürdigkeit verleihen mit der er vermutlich auch in Paris bestehen könnte.
Aktuell ist Dawid Tomaszewskis Kollektion mitunter das Beste Angebot was “Mode made in Germany” stilbewussten Frauen zu bieten hat: Mondän, sophisticated, im Detail raffiniert und handwerklich bestens verarbeitet!
Zweifellos ist Dawid Tomaszewski nicht nur für die deutsche Hauptstadt, sondern für die deutsche Modeszene insgesamt, die seit Wolfgang Joop, Jil Sander und Gabriele Strehle kein wirklich international wirkendes Label mehr hervorgebracht hat, ein Segen. Man kann nur hoffen, dass der junge Modemacher nicht eines Tages doch noch nach Paris abwandert.
An Patrick Mohr scheiden sich bekanntermaßen die Geister. Die einen preisen ihn als das vielversprechendstes Talent der deutschen Modeszene, die anderen blicken fast schon mit Abscheu auf seine bislang nicht gerade massenkompatiblen, semi-konzeptionellen Entwürfe im “Sack und Asche Look”.
Foto: HYPE MAGAZINE
Doch nach der Präsentation seiner Kollektion für den kommenden Winter fiel der Applaus im Fashion-Zelt am Bebelplatz, durch die Stuhlreihen hinweg, deutlich verhalten aus. Mit Ausnahme einzelner “Wuo-Wow-Wah-Zwischenufe” seiner unerschütterlichen Fanbase. Ob es an der sonoren Musik lag sowie dem meditativen Schritttempo seiner Models beim Gang über den Laufsteg, oder schlicht und ergreifend an der Enttäuschung darüber, dass Mohr dieses Mal auf jegliche Provokation verzichtete, stattdessen, aufgrund neuer Firmenstrukturen, erstmals “kommerzielle” Kollektionsteile zeigte?
Nach wie vor reizvoll: die optische Aufweichung der Geschlechtergrenzen, ein kontinuierliches Prinzip in Mohrs Arbeit, wird durch das uniforme Make-up und die langen zurückgekämmten Haare seiner Models deutlich, insbesondere aber durch die zugklebten Münder und abgedeckten Augenbrauen. Typisch feminine und maskuline Elemente, die von der Form des Mundes und der Augenbrauen ausgehen werden so auf einen neutralen Nenner gebracht. Patrick Mohr benennt das Thema seiner Kollektion deshalb auch mit dem Begriff “eineiig”.
Die Erstellung einer Kollektion auf der Basis eines selbstgewählten Themas, dient Designern in der Regel dazu den roten Faden während der Kollektionserstellung nicht aus den Augen zu verlieren. Im Falle von Patrick Mohr war dieser am Mittwoch jedoch nicht erkennbar. Doch gerade Mohrs Verweigerung die Erwartungen seiner Anhängerschaft zu erfüllen, die scheinbare Unbekümmertheit über die Meinung Anderer sowie die Konsequenz mit der er seinen Idealen folgt sind genau jene Faktoren, die zumindest Berliner Bloggerinnen aufgeregt den Schauen Patrick Mohrs entgegenfiebern lassen.
Patrick Mohr ist nicht wirklich zu fassen. Er polarisiert, sowohl mit Fusselbärten und Alien-artigen Köpfen, wie bei seiner Show im Juni 2010 , als auch mit alltagstauglichen Kleidungsstücken, wie jetzt im Rahmen seiner aktuellen Show, unter dem salomonischen Titel “Monovular” vorgestellt.
Fazit: Es scheint als befinde sich der in München ansässige Modemacher augenblicklich in einer Art kreativem Schwebezustand. Wo geht’s lang, Herr Mohr? Die Antwort darauf bleibt Patrick Mohr dem Publikum bis zur nächsten Fashion Week schuldig.
Modemacherin Lessja Verlingieris gibt nicht gerne Interviews, irgendwie scheint sie dazu zu schüchtern. Statt vor den Diktiergeräten der Reporter tobt sie sich lieber an ihren Kreationen aus.
Diese zeigte die erst 27-jährige Ukrainerin sodann auch zum ersten Mal auf der Mercedes Benz Fashion Week Berlin und zwar, dank grooviger Musikauswahl und flotter Choreographie, im Rahmen einer stimmungsvollen Show. Die Models, darunter Wolfgang Joops einstige Modelentdeckung, Franziska Knuppe, präsentierten kunstfertige, aufgebauschte Roben bestehend aus Schleppen, Rüschen und üppigen Volants. Tagestauglich sind Verlingieris Modelle zwar nicht, dafür garantieren sie ihrer Trägerin auf dem roten Teppich die volle Aufmerksamkeit. Wunderbar waren die aus schimmernden Metallplättchen gefertigten Kleider, welches Assoziationen an die Roben Versaces Mitte der Neunziger Jahre wecken, und dass, obwohl die Modemacherin dem italienischen Luxuslabel, so gar nichts abgewinnen kann, wie sie selbst sagt.
Dennoch: Wer sein Label mit dem Couture Begriff schmückt, der schraubt die Erwartungshaltung seines Publikums zwangsläufig gehörig nach oben. Die Liebe zum Detail darf sich bei einem “Couture”- Modell nicht auf einen einzelnen Teil des Kleides beschränken sondern muss sich eben auch sichtbar in der Verarbeitung eines Ärmels, des Revers und der Säume fortsetzen. Somit bleibt Couture als Königsdisziplin der Modeschaffenden für jeden Designer eine der schönsten, gleichsam aber auch eine der größten Herausforderungen, denen sich auch Verlingieris stellen muss.
Die Berliner Modewoche begann mit einem internationalen Namen: A.F. Vandvorst. Bereits um 10 Uhr morgens präsentierten die Designer An Vandevorst und Filip Arickx am Mittwoch ihre Zweitline “A.Friend”.
Der Name sei dem Umstand zu verdanken, dass die Kollektionsteile dieser Line für die finanziell schlechter gestellten Freunde des Belgischen Designer-Duos gestaltet wurden, also für all diejenigen, die sich die Stücke aus der Hauptline -die übrigens in Paris gezeigt wird- nicht leisten können. So eine Geschichte kommt im notorisch klammen Berlin natürlich bestens an.
Was gab es zu sehen: tragbare Mode, Layerings und Wickeloptiken in verschiedenen Brauntönen, Rostrot und Schwarz und natürlich, typisch Vandevorst, feste Stumpfhosen mit einem applizierten roten Wollfaden als Eyecatcher. Das Styling gibt sich lässig, bei einzelnen Outfits auch fast schon nachlässig.
Auffällig waren insbesondere die Frisuren der Models. Haare, quer über das Gesicht der Laufsteg-Elsen gekämmt, muteten eigenwillig an, und verlangten den Models einen guten Gleichgewichtssinn ab. Glücklicherweise geriet trotz eingeschränkter Sicht keines der Mädels während ihres Laufs über dem Catwalk ins Schlingern.
Es ist wieder soweit, morgen startet die mittlerweile 8. Auflage der im Juli 2007 erstmals präsentierten Berlin Fashion Week. Ob sich die Modewoche der deutschen Hauptstadt diese Saison genauso behaupten können wird wie im Juli 2009, als die Präsenz von Modekritikerin Suzy Menkes, wie auch die Visite von Justin Timberlake, einen Hauch Internationalität verströmte und alle Beteiligten zwischen Bebelplatz und Flughafen Tempelhof beflügelte? Oder wird sich das Modespektakel eher zäh und spröde geben, wie im Super-Hitze-Sommer des vergangen Jahres, in dem die Stadt zeitweise wie ausgestorben schien. Eine Antwort bringen die nächsten vier Tage mit sich. HYPE MAGAZINE ist für Euch vor Ort und wird ausführlich berichten.
Endlich ist sie da! Die zweite Ausgabe des HYPE MAGAZINE ist ab heute im deutschen Bahnofs- und Flughafenbuchhandel sowie im regulären Pressehandel erhältlich.
Das von Daniel Roché geschossene Cover ziert Topmodel Papis Loveday, glamourös in Szene gesetzt von Modechef Oliver Rauh und Beauty-Director Heiko Palach. HYPE No.2 präsentiert sich fortan in einem neuem Look, und bietet auf 140 Seiten gemäß seinem Anspruch: “Guter Modejournalismus ist mehr als die bloße Abbildung jahreszeitlicher Trends”, wieder zahlreiche, fundierte Personality-Interviews und progressive Modestrecken.
Neben der New Yorker Designerin Anna Sui kommen auch Johnny Talbot und Adrian Runhof, sowie Mr. Pearl, berühmtester Korsettmacher und einst der Mann mit der schmalsten Taille der Welt, zu Wort.
Der Pariser Fotograf Jean-Francois Aloisi, bekannt für seine Vorliebe für untypische Models, belegt in einer beeindruckenden Fotostrecke, das physische Einschränkungen nicht automatisch einen Mangel an Ausstrahlung und Persönlichkeit bedeuten.
Einen anderen, nicht minder spannenden Ansatz verfolgten Fotografin Sabine Liewald und Make-up Artistin Sandra Kern. In der Strecke “She/Male” verkehren sie auf glamouröse Art und Weise die klassischen Geschlechterzeichen, très chic.
Das Coolness nicht zwangsläufig in schwarz-weiß daherkommen muss, beweist die fantastische Strecke “J’aime les couleurs”. Der Farbflash ist eine Teamarbeit des Fotografenduos Denise und Ulf Krentz, Stylistin Sabine Berlipp, Make-up-Artistin Sabine Leroy und Haarkünstler Tobias Sagner.
Apropos Papis Loveday, der extravagante Beau aus dem afrikanischen Senegal ziert nicht nur den Titel der neuen Ausgabe sondern ist auch der Star eines knackigen Editorials im Innenteil und fungiert in der Rubrik “Begegnungen” als Gesprächspartner von Deutschlands elegantester Sozialarbeiterin, Ute Ohoven.
Wir alle lieben Bilder, die uns an der besonderen Intensität bestimmter Situationen teilhaben lassen, die einen Blick hinter die Kulissen gewähren. Erst recht, wenn es sich dabei um zugangsbeschränkte Veranstaltungen wie die Berlin Fashion Week handelt, die in knapp zwei Wochen wieder beginnt.
Der Band “The Fashionweek Photodiary #2” ist eine Art Photo-Tagebuch, dass Geschichten rund um die Berliner Modewoche im Juli 2010 in Bildern aus nächster Nähe erzählt und dabei viele überraschende Details offenbart. Neben Aufnahmen von den Events etablierter Labels wie Michalsky und Calvin Klein beinhaltet die Publikation auch Bildmaterial von den Schauen aufstrebender Nachwuchstalente, wie bspw. Michael Sontag.
Die abgebildeten Fotos von Initiator Marc Schumann und drei weiteren Berliner Fotografen wurden ausschließlich analog fotografiert. Nichts was auf ihnen zu sehen ist, wurde konstruiert oder gar verfremdet – eine wahre Besonderheit im digitalen ergo manipulativen Zeitalter.
Vor einem Jahr wurde die erste Ausgabe des Bildbandes in einer Miniauflage von 50 Exemplaren lanciert, die zweite Ausgabe glänzt nun mit einer Auflage von 400 Exemplaren und erscheint am 20.01.2010 im Verlag Seltmann+Söhne.
Format 14×19 cm, 192 Seiten,
Hardcover in schwarzem Velours, Fadenheftung, 127 Photographien
in Schwarzweiß und Farbe, Begleittexte in deutscher und in englischer Sprache,
ISBN 9783934687936, Preis: 34,90 €.
Eigentlich braucht es keinen guten Zweck um sich den neuesten Bildband von Dolce & Gabbana zuzulegen. Die darin zumeist völlig nackten oder nur mit knappen Höschen bekleideten “Muscle-Marys” sind allein Grund genug, die ca. 50 Euro für das 252 Seiten starke Werk hinzublättern. Trotzdem geht ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf an das Projekt “Euploos”, welches Gelder sammelt um die Kunst-Bestände des Florentiner Kunstmuseums Online katalogisieren zu können.
Anlässlich des 20-jährigen Bestehens ihrer Männerkollektion wundert es schon ein wenig, oder auch nicht, dass Domenico Dolce und Stefano Gabbana den Mann, ihren Mann, eher aus- als angezogen feiern. Homoerotische Komponenten sind unübersehbar.
In Bruce Weber’scher Manier inszenierte Fotograf Mariano Vivanco die führende Riege männlicher Topmodels von David Gandy über Noah Mills bis hin zu Madonna’s Ex-Toyboy Tony Ward, mal in schwarz-weiß, mal in Farbe. Allen gemeinsam sind ein perfekter Körper und vollendet symmetrische Gesichtszüge. Einen Meilenstein in der Geschichte der Modefotografie setzt Vivanco mit “Uomini” sicherlich nicht, dennoch ist das Resultat nett anzuschauen.
“Uomini” by Dolce & Gabbana, über Rizzoli, erhältlich ab 8. Februar 2011
Noch im September flanierten Modedesigner Wolfgang Joop und Tokio-Hotel Frontman Bill Kaulitz durch Paris. Gemäß dem Klischee von der Stadt der Liebe dichtete die Yellow Press Botschaften von zarten Berührungen und verliebten Blicken. Joop, schon immer ein PR-Genie in eigener Sache, lieferte so den Trüffelschweinen der Klatschpresse sogleich auch noch ein wenig Futter hinterher. “Ich bin hin und weg von dem Jungen” zitierte besipielsweise die BILD Zeitung das kreative Multitalent. Begleitet wurden Joop und Kaulitz bei ihren Streifzügen durch die französische Hauptstadt von einem Kamerateam des Fernsehsenders Arte, das die Beiden für die Sendereihe : „Durch die Nacht mit…“ filmte.
Das Ergebnis dieser ultra-glamourösen Begegnung war gestern Abend um 00.00 Uhr auf ARTE zu sehen. Wer die Ausstrahlung vepasst hat, der darf sich auf die Wiederholungen freuen. Diese werden gezeigt am: