BERLIN AUFGEPASST: MÜNCHEN STARTET “MUNICH FASHION WEEK”

Posted: Juli 17th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , | 1 Comment »

Bald auch in München?

Bald auch in München?

Das dürfte den Berlinern aufstoßen: nach einer langen Etablierungsphase und erstmals einhellig guten Kritiken für die vergangene Berlin Fashion Week begibt sich nun auch München in das Rennen um den Titel “Deutschlands Modehauptstadt” und plant für Februar 2010 eine eigene Modewoche unter dem Namen MUNICH FASHION WEEK!

Wer nun glaubt, dass die beiden Veranstaltungen doch friedlich nebeneinander bestehen können, der irrt gewaltig. Denn, kaum ein Modehaus wird sich zwei Modenschauen, plus Kosten für Werbe und PR- Maßnahmen, leisten wollen bzw. können. Auch Pressevertreter werden, aus wirtschaftlichen wie auch aus zeitlichen Gründen, nicht von A nach B reisen um zweimal in Folge deutsche Mode aus ein- und derselben Saison zu begutachten.

Dennoch, die Ankündigung ist ein herber Schlag für Berlin. Haben deutsche Modeschaffende der Berlin Fashion Week in ihren Anfängen nur wenig Chancen auf ein Überleben eingeräumt, und der Stadt jeglichen Chic abgesprochen, hat sich die Modewoche mittlerweile zum glamourösesten Mode-Event der Bundesrepublik entwickelt, wie man Anfang Juli dieses Jahres sehen konnte.

Dort in Berlin, lud das Münchner Modehaus Escada, trotz finanzieller Probleme, Promis und Fashionistas zur großen Retrospektive ins Bode Museum. Hier, mitten im tristen Osten des Landes, beehrte Herald Tribune Kolumnistin und Modekritikerin Suzy Menkes die hiesige Modebranche und versprühte einen Hauch von wahrhaftiger Internationalität. Berlins Erfolg ist somit hart und professionell erarbeitet. Geschenkt hat man den Organisatoren der Berlin Fashion Week nichts.

Die Chancen für München sich gegen Berlin durchzusetzen, lassen sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht seriös einschätzen. Fakt ist, es wird nicht leicht! Berlin gilt als hip, vor allem im Ausland. Viele Kreative sehen in der Stadt das New York von Deutschland. Zudem hat Berlin mit Mercedes Benz einen prestigeträchtigen und finanzkräftigen Kooperationspartner und dank IMG einen hochprofessionellen und erfahrenen Veranstalter. Mit Tracht und Maßkrug lässt sich da nicht konkurrieren.

Andererseits, München hat Geld, viel Geld, und damit lässt sich bekanntermaßen so Einiges beschleunigen. Zudem sitzen zahlreiche bedeutende Modemarken in Süddeutschland, wie Hugo Boss und Strenesse, viele von ihnen sogar direkt in München; darunter Aigner, Bogner, Escada (noch) und Rena Lange. Desweiteren gibt es in München diverse Society-Schneider mit besten Promikontakten. Dazu zählen Gabriele Blachnik, Talbot Runhof, Sonja Kiefer, Susanne Wiebe und der junge Daniel Fendler (siehe HYPE Interview vom 15.07.)

Nur an Vertretern der Avantgarde mangelt es der bayrischen Landeshauptstadt. Hier kann München gegenwärtig nur auf Shooting Star Patrick Mohr zurückgreifen.

Dass zu alldem auch noch die kommerzielle Modepresse fast vollständig in München vertreten ist, mag den Berlinern jetzt den Schweiß auf die Stirn treiben, doch sollten sich die Münchner diesbezüglich nicht zu früh freuen. Allein die lokale Nähe zu den Medien garantiert noch keine gute Berichterstattung. Es ist ja kein Geheimnis, dass ein deutscher Designer zunächst im Ausland gefeiert werden muss, bevor ihm die deutsche Vogue überhaupt ein Minimum an Anerkennung zollt.
Kurz: viele Redakteure missachten erst einmal grundsätzlich alles was direkt vor der eigenen Haustüre stattfindet.

Hinter der Munich Fashion Week steckt die Agentur “Style of Life Entertainment” von Walter Klein und Bahtijar Zekirija, zwei wahre Größen des Münchner Nachtlebens mit einem weiten Netzwerk an Medienkontakten. In Kooperation mit der Modelagentur “Together”, wollen die Zwei nun Münchens Ruf als Modestadt wiederbeleben. Bleibt nur zu hoffen, dass die Beiden wissen, dass ein “Miss Wet-T-Shirt” Wettbewerb nicht wirklich was mit Mode zu tun hat. Anfängerfehler sind verzeihlich, fehlendes Niveau hingegen nicht! Schaun mer mal!

MUNICH FASHION WEEK


HYPE IM GESPRÄCH MIT MODEMACHER DANIEL FENDLER

Posted: Juli 16th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , | No Comments »

Daniel Fendler / photo: HYPE magazine

Daniel Fendler / photo: HYPE magazine

Modeschöpfer Daniel Fendler empfängt Gäste in seinem durchgestylten Atelier eines opulenten Altbaus an Münchens feiner Maximilianstraße, stets mit einem offenherzigen Lächeln. Mit gerade mal 28 Jahren gilt der gebürtige Bayer aufgrund seiner  edlen Couture Roben bereits als Lieblingsschneider der Münchner Schickeria.

Zu seiner Klientel zählen Filmschauspielerinnen, Industriellengattinnen und Polit-Ladies. Dieser Erfolg basiert auf Können, wie auch auf der unprätentiösen Art des Modemachers. Attitüde ist ihm fremd, bei ihm steht die Kundin im Vordergrund, und nicht das eigene Ego. Die Frage, ob Couture überhaupt noch zeitgemäß ist, stellt sich Daniel Fendler erst gar nicht. Er macht einfach was er am besten kann: elegante Abendroben. Die Kreationen haben ihren Preis, doch seine anspruchsvolle Kundschaft weiß die textilen Unikate in handwerklicher Perfektion zu schätzen. Jede Naht ist so sauber verarbeitet, das man seine Kleider theoretisch auch auf Links tragen könnte, ohne dass dies Jemand bemerken würde.

Dass er Modeschöpfer wurde verdankt er der völlig unglamourösen Tatsache, sich nach seiner Schulzeit mangels Möglichkeiten bei nur zwei Ausbildungsstätten beworben zu haben, von denen die Trachtenschneiderei , ihm, als Erste ihre Zusage gab. Es folgte ein Studium an der deutschen Meisterschule für Mode in München und ein einjährige Assistenz bei Vivienne Westwood in London.

Zurück in München eröffnete der Jungdesigner mit nur 21 Jahren sein eigenes Ladenlokal in der Münchner Altstadt und wartete dort vergeblich auf Kundschaft.  Die ihm zur Verfügung stehenden Gelder waren schnell aufgebraucht. Heute weiß er, dass er sich mit der Selbständigkeit noch ein bisschen mehr Zeit hätte lassen sollen. Doch derartige Erfahrungen machen den Lebenslauf erst interessant und so reifte Daniel Fendler mit seinen Aufgaben.

Heute entwirft er neben edlen Couture-Kleidern auch Designer Dirndl, die zur Wiesn Saison, reißenden Absatz finden.

Diese sind erhältlich bei Ludwig Beck und ab August auch im temporären “Wiesn Store” im alten Hof 5 in München.

HYPE Chefredakteur Sven Barthel traf Daniel Fendler zu einem persönlichen Gespräch über Mode, Promis und den Vorteil des eigenen Labels.

HYPE: Die Modeszene schwärmt von Berlin, doch Du bleibst in München, warum?

DF: Mein Stil ist klassisch, teils sogar konservativ, das passt meines Erachtens nicht so ganz zur Hauptstadt. Zudem sind meine treuesten Kunden in München beheimatet.

HYPE: Was bedeutet Dir München persönlich?

DF: München ist eine superschöne Stadt. Ich weiß, dass es nicht mehr die Modestadt ist, die sie einmal war, dabei gibt es schon “fashion” in München zu entdecken, man muss nur wissen wo! Klar, München ist nicht London und auch nicht Paris, aber das ist Berlin, modisch gesehen, ja auch nicht! Außerdem, wenn man hier geboren wurde, dann gefällt es einem hier sowieso!

HYPE: Daniel, Du entwirfst Couture und aufwendige Designer-Dirndl, hat die gegenwärtige Rezession eigentlich irgendwelche Auswirkungen auf dein Geschäft?

DF: Bis jetzt Gott sei Dank nicht. Das liegt vermutlich daran, dass die Rezession in München bislang noch nicht wirklich angekommen ist und bis es soweit ist, hoffe ich, dass sich die Krise von selbst wieder erledigt hat.

HYPE: Wie muß man sich die typische Fendler Kundin vorstellen?

DF: Sagen wir mal so, meine Kundinnen sind im Schnitt mindestens 35 Jahre alt, und legen viel Wert auf eine individuelle Note!

HYPE: Muss man reich sein um sich Fendler leisten zu können?

DF: Nicht unbedingt! Man muss halt bereit sein etwas ausgeben zu wollen. Wer aber einen Sinn für Qualität und liebevolle Details hat, ist vielleicht auch bereit für ein Kleid zu sparen.

HYPE: Jetzt mal Butter bei die Fische, was kostet ein Abendekleid von Dir?

DF: Bei der Couture geht’s ab 2000 Euro los, Dirndl sind ab 600 € zu haben.

HYPE: Wieviele Arbeitsstunden braucht es um ein Couture-Kleid zu fertigen?

DF: Ich Durchschnitt zwischen 30 und 55 Arbeitsstunden, wenn alles rund läuft. Für die Herstellung eines maßgefertigten Couture Kleides, sollten Kundinnen von der ersten Anprobe bis zur finalen Fertigstellung mit bis zu drei Wochen rechnen.

HYPE: Siehst Du sich selbst eher als Handwerker oder als Designer?

DF: Eher als Handwerker, ich bestehe gerade zu auf meinem Meistertitel. Bei so manchen Arbeiten von Leuten, die sich Designer nennen und selbständig machen, stelle ich fest, dass die handwerkliche Qualität ihrer Entwürfe stark zu wünschen übrig lässt. Dabei haben die Kunden bei den hohen Preisen für Designermode geradezu ein Recht auf Handarbeit und Qualität . Genau das biete ich!

HYPE: Wo hast Du dein Handwerk gelernt?

DF: Zunächst bei einer Trachtenschneiderin in Priem am Chiemsee.

HYPE: Wann wusstest Du, dass Du Modedesigner werden wolltest?

DF: Nach der Schule musste ich mir für eine Ausbildung entscheiden, viel Auswahl hatte ich dabei nicht. Ich bewarb mich für eine Ausbildung zum Hotelfachmann und zum Damenschneider, der Schneiderbetrieb hat zuerst zugesagt, also dachte ich: “gut dann mache ich eben dass”. Ich wollte nicht unnöötig Zeit verlieren.

HYPE: Gab es denn keine Anzeichnen in der Kindheit, die erahnen ließen, dass Du eigentlich nur Modemacher werden konntest? Hast Du denn nie Puppen an- oder ausgezogen?

DF: Nein, da muß ich Dich enttäuschen, es wirklich alles ganz unspektakulär. Es gibt keine Vorgeschichte. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und habe mangels Möglichkeiten eine Ausbildung in einer Schneiderei begonnen. Ich bin da hineingewachsen und habe dann festgestellt, dass es das Richtige für mich ist.

HYPE: Wie ging es dann weiter?

DF: Nach der Ausbildung habe ich an der Deutschen Meisterschule für Mode in München eine Ausbildung zum Modellmacher gemacht und parallel hierzu die Meisterprüfung zum Herren- und Damenschneider abgelegt.

HYPE: Du bist später bei Vivienne Westwood in London gelandet, wie lange warst Du bei ihr und was genau hast Du dort gemacht?

DF: Ich war dort als Designassistent und Schnittmacher tätig. In diesem einen Jahr habe ich insgesamt vier Kollektionen mit begleitet.

HYPE: Wie hast Du Vivienne Westwood als Person empfunden?

DF: Eigentlich als sehr angenehm. Sie ist längst nicht so durchgeknallt, wie man sich das aufgrund ihres Äußeren vorstellt. Ich möchte fast sagen, dass sie in ihrem Betrieb von allen Designern und Angestellten die Normalste war. In den ersten Tagen habe ich sie auch gar nicht so als die große Vivienne Westwood wahrgenommen.

HYPE: In München gibt es eine Reihen von Society-Schneidern; Gabriele Blachnik, Talbot Runhof, Sonja Kiefer, Susanne Wiebe - wie ist da das Verhältnis untereinander?

DF: Ich verstehe mich mit allen eigentlich sehr gut. Da gibt es keinen Zickenkrieg. Vielen von Ihnen habe schon untereinander zusammengearbeit, mann kennt und respektiert sich!

HYPE: Warum wollen Prominente ihre Kleider eigentlich immer nur leihen aber niemals kaufen?

DF: Nun, die Promis begründen das damit, dass sie Kleider in denen sie einmal abgelichtet wurden aus Imagegründen keine zweites Mal mehr tragen können.

HYPE:Wie wichtig sind Modetrends für deine Arbeit?

DF: Trends spielen für mich nur eine untergeordnete Rolle, meine Kleider sind ja recht zeitlos!

HYPE: Worin liegt der Vorteil eines eigenen Labels?

DF: Ganz klar, du kannst deiner eigenen Kreativität freien Lauf lassen. Okay, ganz ohne Kompromisse geht aus Gründen der Wirtschaftlichkeit natürlich auch nicht, aber im Grunde kannst Du dich selbst verwirklichen, das ist sehr befriedigend!

HYPE: Könntest Du dir auch vorstellen angestellt zu arbeiten?

DF: Prinzipiell, wenn mich die wirtschaftliche Situation dazu zwingen würde, ja! Doch aktuell kommt das für mich nicht in Frage, uns gibt es ja schon ein Weilchen und ich hoffe doch sehr, dass das so bleibt!

HYPE: Liest Du Modezeitschriften?

DF: Das ist zeitabhängig. Oftmals blättere ich nur mal schnell durch. Zur regelmäßigen Lektüre gehören  aber Vogue, Bunte, Instyle und natürlich der HYPE Blog (lacht).

HYPE: Was nervt so richtig an diesem Job?

DF: Die vielen nächtlichen Arbeitsstunden, sonst nichts! Da bleibt leider wenig Zeit für ein Privatleben.
(Das Gespräch führte Sven Barthel)

Atelier Fendler / photo: HYPE magazine

Atelier Fendler / photo: HYPE magazine

MODENSCHAU: Daniel Fendler präsentiert seine Wiesn-Kollektion 2009
30. Juli 2009 um 19:30 Uhr
(Haarwerk im Alten Hof, Sparkassenstraße 1, 80331 München)


THAT´S FASHION - PROTOKOLL EINES SHOOTINGS

Posted: Juli 8th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE | Tags: , , , , | No Comments »

Fashionshooting

Fashionshooting

Ein fashion-shooting in München mit dem renommierten Modefotografen Dirk Bader. Es ist Freitag, 8 Uhr morgens. Model und Make-up Artist treffen pünktlich ein. Jeder von uns bezieht sofort Position und widmet sich seinen Aufgaben. Acht Looks müssen geschossen werden.

Es gilt keine Zeit zu verlieren. Make-up Künstler John Elliot breitet seine Utensilien auf einen von Neonröhren beleuchteten Kosmetiktisch aus. Alles dabei, einschließlich falscher Wimpern und Extensions, all das ganze Zeug, das hübsche Mädchen in begehrenswerte Frauen verwandelt. Ich hänge die Kollektionsteile , gemäß der am Vorabend zusammengestellten Outfits auf die Kleiderstange, reihe Schuhe und Taschen auf dem Boden nebeneinander auf und sortiere die Accessoires, Gürtel zu Gürtel, Handschuh zu Handschuh.

Kurze Besprechung mit John bezüglich des Make-ups. Er begutachtet die Kleider und die Entscheidung für orangefarbene Lippen und toupierte Haare ist schnell gefallen. Während Dirk sich für einen rostrotbraunen Fotohintergrund entscheidet, gehe ich noch einmal alle Kombinationen durch und ergänze hier und da ein Accessoire, tausche Schuhe und stelle das ein oder andere Teil schließlich doch noch zugunsten eines anderen Stücks zurück.

Während ich im Folgenden darauf warte das Eva aufgefrischt wird, führe ich bei einer Tasse mit dem Studioleiter ein nettes Gespräch über digitale Bildbearbeitung und welchen Anteil Photoshop an der Bildung eines neuen Schönheitsideals hat. Model Eva-Maria, ist soweit.

Ready to take off? Musik darf bei einem Shooting nicht fehlen, im Idealfall unterstützt sie die Atmosphäre am Set und hilft dem Model beim posing! Wir entscheiden uns aufgrund der aufwendig bestickten Klamotten und für den Sound der 1980er.

“She works hard for the money” von Donna Summer schallte es sogleich aus den Boxen. Einsatz Windmaschine: die Haare fliegen, verdecken immer wieder mal das Gesicht oder wichtige Stellen des glitzernden Oberteils. Der erste Look ist “im Kasten”,es folgen noch sieben weitere. Outfit Nr. 3 macht Probleme, es wirkt nicht, weder im sitzen noch stehend! Doch die Teile müssen abgelichtet werden, allen voran die reich mit Kristallen verzierte Leggins. Doch in Kombination mit der Lederjacke?

“Geht gar nicht”, befinden wir einstimmig! Ein Max Mara Mantel ist die Rettung. Leggings und Mantel bilden einen “stimmigen” Kontrast.  Nach jeder einstellung schauen wir uns die  Ergebnisse vorab gemeinsam auf dem Mac an. Dirk hat ein fantastisches Auge und fischt in Sekundenschnelle aus mehreren Dutzend, die zwei besten Schüsse heraus. Die bisherige Auswahl nebeneinander auf dem Desktop abgelegt, lässt bereits eine zusammenhängende Strecke erkennen. Das motiviert ungemein. Auf ins nächste Kleid! Nach zehn Stunden auf den Beinen, betrachten wir das Ergebnis unserer Arbeit: eine fertige Modestrecke. Wunderbar! Die Bildbearbeitung wird dem Resultat nun sein letztes finish geben.


HOLLWOOD LEGENDS - Ausstellung im Amerika Haus München

Posted: April 3rd, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION EXHIBITIONS | Tags: , , , | No Comments »

Courtesy of Frank Worth

Courtesy of Frank Worth

Frank Worth gelang was nur wenigen Männern seiner Zunft gelang: die private Annäherung an Marylin Monroe und James Dean mit der Fotokamera.

Worth war der Vertraute vieler Hollywoodstars, der seine Loyalität ihnen gegenüber durch den Verzicht auf Veröffentlichung der “intimen” Bilder äußerte. Die Publiaktion seiner Bilder zu Lebezeiten hätte ihm Ruhm und finanziellen Wohlstand eingebracht, doch Worth sah in der Vermarktung seiner Arbeiten ein Verrat an seinen prominenten Freunden. So schlug er Angebote die begehrten Aufnahmen an die Presse zu verkaufen stets aus und genoss den Zugang zum Privatleben von Stars wie Elizabeth Taylor, Jane Mansfield, Rock Hudson oder Natalie Wood.

Erst nach seinem Tod im Jahre 2000 fanden Angehörige eine Kiste mit knapp 1000 Fotografien zahlreicher Leinwand Größen. Die Verwandtschaft Worths entschied sich das Kulturgut der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Die womöglich außergewöhnlichste Sammlung ihrer Art der vergangenen 50 Jahre. Ein Must see für alle Fans des Golden Age of Hollywood. Die Bilder ermöglichen einen Blick auf die Person hinter der Kunstfigur des Filmstudios.

Nach Stationen in Beverly Hills und London zeigt nun das Münchner Amerika Haus eine Auswahl der seltenen und in Deutschland bisher unveröffentlichten Bilder in einer Ausstellung mit dem Titel: “Hollywood Legends”. Limitierte Abzüge aller Bilder stehen zum Verkauf.

“Frank Worth: Hollywood Legends” Amerika Haus, Karolinenplatz 3, München
Vom 26. März bis 16. Mai 2009

http://www.amerikahaus.de/


GUCCI für Alle!

Posted: März 30th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE | Tags: , , , | No Comments »

Gucci Board 01Szenen im Gucci Corner eines Kaufhauses: “Du brauchst unbedingt ne Stoff-Tasche, Leder kanns´te ja nicht ständig tragen!” Ergänzung: ” Die hier kosten auch gar nicht so viel, so um die vierhundert Euro! Antwort: “Echt ? Ja, das ist ja voll nicht viel!”

Das Palaver zwischen zwei Blondinen einer Vierer-Gruppe an einem Samstag Nachmittag im frisch renovierten Oberpollinger. Dialoge ohne Tiefgang unter betuchten Münchner Tussis. Der Rede nicht weiter Wert, könnte man meinen. Doch handelt es sich hier nicht um gut situierte Ehefrauen in ihren Fünfzigern, sondern um sechzehnjährige Teenager. Deren Selbstverständnis im Umgang mit Luxusgütern ist bemerkenswert! Schwellenangst? Fehlanzeige! Diese Kinder wachsen mit der medialen Style Dröhnung ganz selbstverständlich auf und ahmen nach was ihre Eltern ihnen vorleben, Mütter wie Väter gleichermaßen. So wandelt das Quartett unaufgeregt von Shop zu Shop. Mädels mit geröteten Pausbacken, glänzender T-Zone und verkühlter Nasenspitze. Backfische!

Unsexy aber informiert! Sie wissen welche Labels angesagt sind und welche nicht. Sie stöbern bei Prada und gaffen bei Louis Vuitton! Nur beifällig streifen Sie Bottega Veneta, der Laden ist einfach zu klein um sich zu Viert um eine der Ledergelfecht Taschen zu gruppieren. Ebenso ignoriert man Salvatore Ferragamo! Zu alt!

Die markanten Logo Accessoires fesseln die Aufmerksamkeit da schon eher. Doch erst die Metallic Accessoires von MIU MIU vermögen die Begeisterung deutlich, für alle anderen Kunden hörbar, zu heben. Szenen wie diese lassen sich in Großstädten mittlerweile zu Hauf beobachten. Die Teenies von heute sind modisch interessierter als ihre Altersgenossen in den Generationen davor. Diese Entwicklung betrifft nicht nur das weibliche Geschlecht. Auch Jungs interessieren sich heute offen für Mode + Kosmetik ohne sich dabei auch nur im Entferntesten unmännlich zu fühlen. Seit HipHop Stars die Namen internationaler Modelabels in ihre Lyrics einbauen, gilt “dress to impress”. So tragen selbst hartgesottene Kerle mindestens ein Teil mit Designer Signatur am Körper.

Lifestyle- und Boulevard Magazine feiern Designer wie einst Filmstars und berichten entsprechend über die Couture Eskapaden der Red-Carpet Walkerinnen Elvers-Elbertzhagen, Davorka & Co. Dank InStyle, dem Konsumanheizer Blatt aus dem Hause Burda wissen wir was Rihanna wann, wie, wo getragen hat. In Sendungen wie “Are u hot” (man achte auf die Schreibweise) des Musikfernsehsenders VIVA konkurrieren talentfreie Teenies um Anerkennung ohne Leistung. Bewertet werden Body, Face und Personality und das ausgerechnet von Moppel DJ Alex-Christensen, Trash Braut Gülcan und einem unbekannten Friseur! Der Pro7 Quotenhit Germanys Next Top Model bringt selbige zwar nicht hervor, doch dank Bruce Darnell weiß nun auch die pummeligste Melanie aus Hintertupfing, das gar die billigste H&M Tasche” lebäändisch” sein muss, will man diese stilvoll in der heimischen Fußgängerzone vorführen. Vorführen lassen sich in der Hoffnung auf Verbesserung ihrer desolaten Lebenslage auch die teilnehmenden Nerds der Sendung “Das Model und der Freak”. Auch wenn wir Janina Ina Zarella weder auf dem Laufsteg noch in einer Werbekampagne jemals gesichtet haben, glaubt das “Model” zu wissen, was aus einem gewöhnlichen Mann erst einen richtigen Kerl macht. Style ist allerorten und in aller Munde.

Ohne Style verkauft sich nichts mehr. Der Joghurt Becher ebenso wenig wie das Teppichluder. Die Kids wissen dass und ahmen nach, was sie medial serviert bekommen. Aktuell mehr Hülle als Inhalt. Dennoch Style ist natürlich nicht gleich Stil. In Zeiten wo jeder glaubt ihn zu haben und selbst der Kaufhof mit den Begriff für sein biederes Sortiment wirbt, trennt sich hier die Spreu schnell vom Weizen. Das Lager spaltet sich in Connaisseure und Konsumenten, in Profis und Laien, in wenige Individualisten und viele Nachahmer. Unterschiede bleiben nach wie vor sichtbar! Egal wie laut Werbung und Marketing “Stil für Alle” krakeelen. Lediglich die Standards zur Unterscheidung werden höher und damit teurer.

Zu dieser Information gelangt dank Internet auch das Prekariat und zieht nach! Natürlich wollen auch Herr und Frau Jedermann nicht mehr auf ihr Stück Gucci verzichten. Das Bedürfnis der Reichen nach immer teurerer Kleidung steigt somit kontinuierlich. Hauptsache sich abheben vom Pöbel, um dessen teigigen Schmierbauch schon längst die D&G Schnalle spannt.

Die Statussucht beschert den Herstellern von Luxuswaren, und nur diesen, wie bspw. Hermès und Chanel trotz weltweiter Wirtschaftskrise beständig steigende Umsätze. Für all diejenigen, die zwar zu den Connaisseuren zählen, es sich aber schlicht nicht leisten können für einen Pullover € 1000,- hinzublättern, bleibt nur noch die Möglichkeit sich mit Bildung und guten Manieren abzugrenzen. Ohne diese ist der ganze Designer Aufputz ohnehin nichts wert. Sprachduktus und Benehmen verraten mehr über eine Person als deren Sonnenbrille in den Haaren. Hätte das doch bloß jemand den Girlies im Oberpollinger gesteckt: ” Ey Nadja, wie geil, die ham´ die Logo Tücher hier, hamma!”

Was wohl die Designer denken, wenn sie ihre Logo-Prints an Speckhälsen wie denen von Nadja sehen? Darauf eine berühmte Designerin angesprochen, antwortete diese: “Kennen Sie eigentlich den Ausdruck, Perlen vor die Säue werfen?” ?