Ganz und gar in die Geschichte der Marke Gucci eintauchen können Fans des italienischen Modehauses bei einem Besuch des im September neu eröffneten Gucci Museums in Florenz.
Die Ausstellung verspricht die Wurzeln, die Entwicklungsgeschichte und den kulturellen Einfluss des Luxuslabels zu beleuchten. Das Museumkonzept entspricht dem Zeitgeist und bietet weit mehr als die formelle Präsentation von schönen Exponaten inklusive Infotafeln.
Mit der zusätzlichen Einrichtung eines Cafés mit Internet-Zugang, einer exzellent sortierten Kunstbuchhandlung, eines Geschenkshops sowie dem Icon-Store, widerspricht das Gucci Museo dem Gedanken vom Museumsbesuch als eine staubtrockene Angelegenheit. Stattdessen kommt es dem Bedürfnis der Generation “Facebook-iPhone-Starbucks” nach Entertainment und deren Lust am Konsum entgegen.
Ein Streifzug durch die Hallen des 1337 errichteten “Palazzo della Mercanzia” erweist sich somit als kurzweilige Entdeckungsreise durch das Gucci-Archiv. Das Interior in Beige und Brauntönen setzt auf Understatement und Zeitlosigkeit und erinnert, welch’ Überraschung, an die Inneneinrichtung diverser Gucci Stores. Entwickelt hat dieses Konzept Frida Giannini. Seit 2006 fungiert die 39-jährige erfolgreich als Kreativdirektorin des Unternehmens. Von Beginn an ihrer Tätigkeit sei es ihr Wunschtraum gewesen, die Geschichte hinter den berühmten Entwürfen der Firma zu erzählen. Über diese können sich Interessierte nun auf drei Etagen und einer Fläche von über 1.700 Quadratmetern umfassend informieren. Darüber hinaus gibt es neben den Gucci-Artikeln ausgewählte Werke aus der Kunstsammlung des Gucci-Eigners Francois-Henri Pinault zu sehen. Mission, optisch wie inhaltlich, gelungen!
GUCCI MUSEO Piazza della Signora, 50122 Florenz, Italien
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag, von 10.00 – 20.00 Uhr
35 Jahre im Geschäft und kein bisschen leiser. Eine durchaus zutreffende, wenngleich auch nur ungenügsame Beschreibung des kreativen Schaffens von Modedesigner Jean Paul Gaultier, der in diesem Jahr sein 35-jähriges Firmenjubiläum feiert. Grund genug für das Museum der schönen Künste im kanadischen Montreal, der Arbeit des 59-jährigen Hypervisionärs, eine umfangreiche Ausstellung zu widmen. “The Fashion World of Jean Paul Gaultier: From the Sidewalk to the Catwalk” beleuchtet anhand von Gaultiers spektakulärsten Roben, Fotografien und Videos, die Stationen seiner Kariere, und zwar von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Was 1976 mit einem kleinen Atelier in Paris begann entwickelte sich in wenigen Jahren zu einem Modeimperium mit zahlreichen A-Klasse Celebrities wie Madonna und Kylie Minogue als Werbeträger und einem Besteller-Parfum in der langen Referenzliste seiner genialen Erzeugnisse. Hierzu zählt auch, dass 1990, für Madonnas “Blond Ambition” Tour entworfene, goldene Korsett mit den konischen Tittenschalen, das Gaultiers Namen quasi über Nacht auch in das Bewusstsein von Modemuffeln drängte. In etwa zur gleichen Zeit säuselte sich der Designer mit dem House-Track “Aow Tou Dou Zat” (How to do that), in die französischen Hitparaden, entwarf Möbel auf Gummirädern und moderierte die britische TV-Sendung Eurotrash. Nicht zu vergessen, der ständige Bruch mit den geschlechtsspezifischen Kleiderkonventionen: Gaultier schickte schon Männer in Röcken und High-Heels über den Laufsteg als Jorge Gonzales in Kuba noch Makramé-Taschen klöppelte.
Die Ausstellung ist in sechs Themenfelder unterteilt, die eine stete Inspirationsquelle für Gaultiers Arbeit bilden, und gilt als die bisher größte Solo-Schau, die dem Designer je zuteil wurde.
Neben den gezeigten, aufwendigen Haute Couture-Modellen, deren Begutachtung üblicherweise nur den geladenen Gästen seiner Schauen vorbehalten ist, sind insbesondere die Kleider aus der Zeit vor Gaultiers Selbständigkeit, die er als junger Designassistent für Pierre Cardin entwarf, ein definitives Must-see!
Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen. Dieser unterscheidet sich von den üblichen Museumspublikationen dadurch, dass er nicht nur Bezug auf die präsentierten Stücke nimmt, sondern auch reichlich “Bonusmaterial” beinhaltet. So gibt es darin bspw. bislang unveröffentlichte Fotos aus Jean Paul Gaultiers Firmenarchiv zu sehen. Darauf unter anderem abgebildet; eine pummelige Madonna bei der Anprobe. Ein Text von Modekritikerin Suzy Menkes und Interviews mit prominenten Weggefährten wie Tom Ford, Martin Margiela und Carine Roitfeld machen den Wälzer zur Modebibel des Jahres. Das gute Stück ist für 85 Dollar zunächst exklusiv im Museumsshop erhältlich und ab September auch weltweit in ausgewählten Buchhandlungen. Ein kleiner Trost für alle, die nicht mal eben nach Kanada jetten können: die Ausstellung geht auf Tour und wird in Europa, auch in Madrid und Rotterdam zu sehen sein.
The Fashion World of Jean Paul Gaultier: From the Sidewalk to the Catwalk
Diese Ausstellung hat es in sich: Das “Puschkin Museum of Fine Arts” in Moskau verdeutlicht anhand exquisiter Roben Diors und ihrer Gegenüberstellung mit Artefakten und kunsthistorisch bedeutsamen Gemälden von Renoir bis Picasso, den Einfluss von Kunst, Architektur, Fotografie und Bildhauerei auf die Entwürfe der Moderevoluzzers.
Der Betrachter erlangt somit Geisteszellen stimulierende Erkenntnis von den Inspirationsquellen Christian Diors und seiner Nachfolger Yves Saint Laurent, Marco Bohan, Gianfranco Ferré und John Galliano.
Mit der Wahl der ausgestellten Kleider und deren dramatischen Inszenierung vor neoklassizistischer Kulisse im Inneren des Puschkin Museum avanciert “Inspiration Dior” zu einem visuellen Knallbonbon; so opulent und prunkvoll wie einst der Habitus russischen Zarentums.
Die Ausstellung “Inspiration Dior” in Moskau ist noch bis zum 24. Juli 2011 zu sehen.
Reifröcke, Tüll und feinstes Tissue aus fünf Jahrzehnten, schweben förmlich übers Parkett. Mit einer großen Ausstellung lässt das Musée Dior in Granville die Maskenbälle der Nachkriegszeit wiederaufleben.
Und wenn die Villa „Les Rhumbs” zum „Grand Bal Dior” ruft, geraten nicht nur Modebegeisterte und kleine Prinzessinnen ins Schwärmen. Allein schon beim Betreten des Belle-Epoque Gebäudes, das wie ein verträumtes Märchenschloß anmutet, fühlt man sich in die Zeit der große Diven, Prinzen und Prinzessinnen zurückversetzt. 50 Ballkleider des Pariser Couturiers sind die Hauptdarsteller der Ausstellung. Eine Hommage an Christian Dior und dessen Talent, vor allem aber an seinen guten Geschmack und seine Vorliebe für die aufwendig, verspielten Roben aus dem XVIII. Jahrhundert. Besonders zum Ausdruck kommt die Kreativität des Pariser Großmeisters in den Couture-Kleidern, die er für die rauschenden Ballnächte Anfang der 50er Jahre entworfen hat.
Neben den faszinierenden Roben, dokumentieren Fotografien und Gemälde Dior’s Faible für extravagante Maskeraden. So erschien Christian Dior zum „Bal des Reines” (Ball der Königinnen) 1949 in Gestalt des Königs der Tiere, auf dem „Bal des Artistes” schlüpfte der Couturier in die Rolle des Dandy. Einen ganzen Sommer lang weht das Flair der großen Ballnächte noch durch die Villa „Les Rhumbs”, in der Christian Dior allem Anschein nach eine unbeschwerte Kindheit verbracht haben muss.
„Le Grand Bal Dior” – noch bis zum 15. September im Musée Christian Dior in Granville.
90-60-90; was auf den ersten Blick aussieht wie der direkte Draht zum überteuerten Klingelton-Abo, ist in Wirklichkeit ein Synonym für das weibliche Körperideal des 20. Jahrhunderts. Seit Ende zweiten Weltkrieges gilt dieses Maß nun schon als Schönheitsideal und Richtwert für angehende Models.
Mehr ist in der Modebranche nicht gefragt, weniger dagegen schon. Vorausgesetzt das proportionale Verhältnis von Brust, Taille, Hüfte ähnelt irgendwie der Silhouette einer Sanduhr. Moden unterliegen stets dem Wandel der Zeit und mit ihnen auch die Körperform.
Als beständigster Helfer, um den eigenen Körper dem aktuellen Modediktat zu unterwerfen, hat sich das Mieder erwiesen. Bereits vor 500 Jahren begannen europäische Frauen ihren Körper mittels der Leibbinde nachdem jeweils vorherrschenden Schönheitsideal zu formen oder besser gesagt, zu verformen. Nicht selten hinterließ die enge Schnürung der Taille auf bis zu 40 cm, bleibende Leibesschäden: gequetschte Organe, deformierte Brustwirbel und Wundstellen. Aller modischen Varianten zum Trotz blieb dabei die Betonung von Brust und Becken stets populär. Eine mögliche Erklärung für diesen Tatbestand, bietet die auf Fortpflanzung ausgerichtete Psychologie von Mann und Frau. ER wittert in hochgedrückten, prallen Brüsten und einem breiten Becken Vitalität und Fruchtbarkeit. SIE hingegen, erhofft sich in der Erfüllung dieser Kriterien bessere Chancen auf das Alpha -Männchen: groß und stark, potent und schlau, überlegen und reich. Frau, ob mit Abitur oder nicht, will Mann gefallen.
Doch nicht nur das Schönheitsideal hat sich über Jahrhunderte immer wieder neu definiert, auch die Ausführung des Mieders unterlag der fortwährenden Veränderung. Mal hinten, mal vorne geschnürt, mal mit Haken und Ösen als Verschluss. Ob als Bestandteil der Unterkleidung oder dekorativer Hingucker der Oberbekleidung, korsettartig versteift oder elastisch, das Mieder hat viele Gesichter.
Die Evolution des Mieders unter dem Einfluss sich wandelender Moden dokumentiert aktuell das Münchner Stadtmuseum in seiner sehr sehenswerten Ausstellung: “Silhouettenwechsel-Mode sprengt Mieder.”
Eine Solo-Ausstellung widmet das Groninger Museum in den Niederlanden ab dem 13. Dezember 2009 den in Paris ansässigen deutschen Modedesigner Bernhard Wilhelm anlässlich dessen zehnjährigen Firmenjubiläums.
Bernhard Wilhelm wurde 1972 im schwäbischen Ulm geboren und studierte ab 1992 an der renommierten Königlichen Akademie für Schöne Künste in Antwerpen Modedesign. Es folgten Praktika bei Alexander McQueen, Vivienne Westwood, Walter van Beirendonck und Dirk Bikkembergs. Im Jahr 1999 gründete er zusammen mit seiner Geschäftspartnerin Jutta Kraus sein eigenes Unternhemen und machte im März des gleichen Jahres mit seiner eklektischen Damenkollektion auf sich aufmerksam. Willhelms Markenzeichen sind Patchworkstoffe, fibrige Farben, auffällige Drucke und oversized Silhouetten.
Insprationen für seine Mode holt sich der 37-jährige, ebenso wie seine Models, direkt von der Straße. Zwar sind seine Klamotten nicht jedermans Geschmack, diesen will der Designer aber auch gar nicht bedienen. Bernhard Willhelm hat sich seine geschäftliche Unabhängigkeit und somit auch seine Kreativität stets bewahrt.
Copyright: Dominique Issermann / Courtesy of: Musée Christian Dior
Es gibt wohl kaum einen Modeliebhaber dem der Name Christian Dior nicht vertraut wäre. Ebenso verhält es sich mit Yves Saint Laurent, der nach dem plötzlichen Tod Diors im Jahre 1957, mit gerade mal 21 Jahren zum künstlerischen Leiter des Hauses berufen wurde. Auch John Galliano, der seit 1996 als Chefdesigner bei Dior fungiert, ist allen halbwegs modeinteressierten Menschen ein Begriff.
Doch wer war eigentlich der Mann, der, nach Yves Saint Laurent und vor John Galliano, das modische Erscheinungsbild des Unternehmens bestimmte? Das Christian Dior Museum in Granville antwortet auf diese Frage mit seiner aktuellen Ausstellung: “Dior les anneés Bohan, Trois décennies des styles et des stars (1961 – 1989) ” Die Ausstellung gewährt Einblicke in das kreative Schaffen Marc Bohans, der 28 Jahre lang den Look von Dior geprägt hat und lädt ein, die Arbeit des Designers im Kontext seiner Zeit neu zu entdecken.
Marc Bohan konnte in den 1960er Jahren zahlreiche Erfolge für sich verbuchen und bescherte der Firma Dior über lange Zeit beachtliche Umsätze. So etablierte er Diors Ready-to-Wear Linie “Miss Dior” und führte unter dem Namen “Christian Dior Monsieur” auch die Herrenmode ein. Europäischer Adel, halb Hollywood, Industriellengatinnen und Frankreichs Politprominenz vertrauten auf Bohan´s Chic. Die schlanke Linie seiner damenhaften Kleider, die strengen Kostüme, und opulenten Couture Roben für festliche Anlässe trafen den Geschmack der damaligen High Society.
Grace Kelly, Maria Callas, Farah Diba, Brigitte Bardot, Elizabeth Taylor, sie alle trugen Bohans Kreationen. Auch Designermode für Kids ist keine Errungenschaft der 1990er Jahre; mit Baby Dior förderte Bohan eine besonders dekadente Art den Jet Set-Nachwuchs einzukleiden und schneiderte für die Jüngsten, Miniaturausgaben der exquisiten Dior Modelle ihrer Mütter nach. Für seine Haute Couture Kollektionen wurde wurde Bohan zweimal mit dem prestigeträchtigen Dé d´Ór Award ausgezeichnet.
Dennoch, eine modische Revolution wie die Erfindung des Kleinen Schwarzen durch Coco Chanel oder Yves Saint Laurent, der den Hosenanzug für Frauen gesellschaftsfähig machte, gelang Bohan nicht. Er war Couturier alter Schule, was ihm die Anerkennung aus Fachkreisen und eine illustre Stammklientel aus der Upper-class verschaffte. Mit der Studentenevolution 1968 und der damit verbundenen Auflehnung der Intelektuellen gegen das Establishment, änderte sich jedoch der Zeitgeist. T-Shirt und Hose avancierten zur Uniform der Straße. Kein Stil, den man mit Dior verbindet.
Ende der 70er Jahre verfiel Dior schrittweise in eine Art Dämmerschlaf. Die Marke fand ihre Präsenz in Form von beliebigen Lizenzprodukten und generierte 1980 ihren Umsatz nur noch durch Parfums, Kosmetika und biedere Accessoires. Im Rückblick geben Bohans Entwürfe dennoch ein weitaus realistischeres Bild vom tatsächlichen Bedarf an Luxusmode und den vorherrschenden Gepflogenheiten, der damaligen Reichen und Schönen. Denn im Gegensatz zu den innovativen Kreationen seiner Kollegen, wurden die elaborierten aber konventionellen Entwürfe Bohans in deren Kreisen auch tatsächlich getragen.
1989 wurde Marc Bohan schließlich, durch den mittlerweile verstorbenen Italiener, Gianfranco Ferre, als Chefdesigner ersetzt, der wiederum 1996 von John Galliano abgelöst wurde, der die Position des Chefdesigners bis heute hält.
Photos: L. Le Guyader / Copyright: Musée Christian Dior
Das Museum hat bis zum 20. September, von 10.00 – 18.30 Uhr geöffnet.
Eintritt: € 6
Adresse: Musée Christina Dior, Villa Les Rhumbs,
Rue d`Estuouville, 50400 Granville, France