Das Internet revolutioniert die Welt und das iPhone unser Sozialverhalten. Leider nicht immer zum Guten. Während Designer in Interviews sich zumeist anspruchsvoll und philosophisch geben und niemals Müde werden auf Stil, gute Manieren und verloren gegangene Werte hinzuweisen, befeuern sie andererseits im Sinne ihrer kommerziellen Interessen mit teils überflüssigen Marketingmaßnahmen, deren Inanspruchnahme sie für sich selbst ablehnen und innerhalb ihres elitären Umfeldes als peinlich und somit inakzeptabel deklarieren würden, die geistige Verflachung einer sich ohnehin schon auf Style & Looks reduzierenden Gesellschaft.
Die iPhone Anwendung von Donna Karan, die man ab sofort auf iTunes.com herunterladen kann, versorgt User mit Stylingtipps nach dem Gusto der “Karanschen” Designphilosophie, empfiehlt Must-haves aus der aktuellen Kollektion und “entertaint” mit den Kategorien People Who Inspire, DK Talk, DK Travel, und Ask Donna, in der die Modemacherin auf vorformulierte Fragen wie: “Was sollte jede Frau in ihrem Kleiderschrank haben?” mit “Einen schwarzen Hosenanzug von Donna Karan” antwortet. Wie originell!
Wer hingegen Wartezeiten an Flughäfen zu überbrücken hat oder meint den Anblick seines so unerträglich miserabel gekleideten Umfeldes nicht mehr ertragen zu können, der kann sich dank DK Travel stattdessen an Bildern von etruskischen Tongefäßen oder mexikanisches Teppichmustern ergötzen, die die Designerin auf ihren Reisen in entfernte Länder selbst geschossen hat.
“Endlich kann ich Frauen auf der ganzen Welt direkt erreichen und von Frau zu Frau über Mode und persönliche Leidenschaften sprechen,” säuselte New Yorks Modeinstanz jüngst auf einer Pressekonferenz bezüglich des neuen Konsumententools. Komisch, von einer Instant-Verbindung zum Privatanschluss der Modeschöpferin nach erfolgtem Download ist nach Angaben des Softwareherstellers gar keine Rede.
Neben der noch bis Donnerstag andauernden New York Fashion Week, fand gestern Abend in der Metropole am Hudson River auch die Verleihung der MTV Video Music Awards statt.
Dort erschien Superstar Madonna mit Brigitte Bardot Frisur und im hochgechlossenen schwarzen Outfit, und lieferte mit ihrer Gedenkrede zu Ehren des vestorbenen Michael Jackson, den ultimativen Glanzpunkt des Abends und gleichsam einen der erinnerungswürdigsten Momente in der Geschichte der Video Music Awards. Ihre gut ausformulierten Erinnerungen an einen gemeinsamen Abend mit dem King of Pop im Jahr 1991, ließen Michael Jackson für einen kurzen Moment vor dem geistigen Auge von Millionen von Zuschauern wieder lebendig werden. Madonna verliert sich nicht in Gefühlsduselei, drischt keine Phrasen, heuchelt nicht , sondern gibt ganz realistisch ihre persönliche Anekdote mit Michael Jackson zum Besten. Diese Ansprache zielt nicht auf Zustimmung oder Sympathie des Publikums ab, sondern ist schlichtweg authentisch. Ergreifende Worte einer Pop-Lady im Hier und Jetzt, die der Legende Michael Jackson auf Augenhöhe begegnet. Es war die schönste Rede, die zum Tod des Ausnahmekünstlers öffentlich gehalten wurde. Man hätte Madonna noch stundenlang zuhören können. Chapeaux!
Halbzeit für die New York Fashion Week. Viel zu bieten hatte die New Yorker Modewoche in den vergangen vier Tagen nicht. Kleinere Labels und Nachwuchsdesigner, langweilten primär mit Bedeutungslosigkeiten und teils richtig schlechten Entwürfen, Richtungsweisendes? Fehlanzeige!
Erin Wasson mag als Model eine fabelhafte Figur abgeben, als Modedesignerin ist sie jedoch völlig überflüssig, auch wenn es mit Sicherheit genügend Berliner Bloggerinnen geben mag, die diesen “nix-passt-zusammen-das-ist-aber-durchaus-gewollt Look” für ganz große Mode halten.
Es sind zu viele unbekannte Namen, die allesamt eine beige Soße präsentierten, die so prägnant war, dass davon nichts in Erinnerung bleibt. Es macht schlichtweg keinen Spaß das fünfzigste beigefarbene Volantkleidchen in Folge zu begutachten. Braucht es wirklich noch eine weitere Zweitline eines Designers, in diesem Falle von Richard Chai, der seine Diffusion-Line mit dem wahnsinnig innovativen Namen LOVE vorstellte, die sich aus Basics zusammensetzt, die bei Zara und H&M für einen Bruchteil des Preises zu haben sind.
Viele der gezeigten Kollektionen sind derart beliebig und austauschbar, dass jegliche geistige Auseinandersetzung und der Versuch das Gezeigte zu beschreiben eine nicht vertretbare Verschwendung von Lebenszeit darstellen. Bei den bisherigen Modenschauen dieser Modewoche mangelte es an Leidenschaft, an Sex-Appeal, an Dramatik und Mondänität, kurz an allem was Mode eigentlich ausmacht. Positive Ausnahmen bilden die junge und sehr urbane Handschrift Alexander Wangs sowie der “fuck-the-recession-Stil” von Jason Wu. Das die Amerikaner sich auf Casual und Sportswear verstehen und Ausflüge in die Couture häufige in Denver Clan Zitaten enden, die Models wie 80er Jahre Trash Püppis aussehen lassen, ist bekannt, dennoch sollte das Fashion Week Komitee höhere Standards bezüglich des Modegrads als Voraussetzung für eine Teilnahme an der Fashion Week manifestieren, um den Ruf New Yorks als Modemetropole nicht zu gefährden.
Nun beginnt heute der fünfte Tag der Modewoche und mit ihm der Auftakt der Großen der Branche, die der Modewoche ihr Prestige verleihen. Zac Posen, Donna Karan Carolina Herrera und Marc Jacobs stehen für heute auf dem Programm. Am Mittwoch und Donnerstag verdichten sich die Top-Namen dann auch im Schauenkalender. Anna Sui, Calvin Klein, Ralph Lauren, Tommy Hilfiger, Marchesa, Proenza Schouler, Oscar de la Renta, Halston, Betsey Johnson und Rodarte zeigen dann ihre Vorstellung, was Frau im Sommer 2010 zu tragen hat. Das Beste kommt eben immer zum Schluss!
Dass Amerikaner uns Europäern in Sachen Marketing mindestens drei Stöckelschritte voraus sind, ist bekannt. Doch mit dem neuen Werbevideo zum Condé Nast Event “A FASHION´S NIGHT OUT” vergößert sich dieser Abstand in etwa um die Gesamtlänge der Madison Avenue.
Millionenschwere Größen des Modebusiness wie Oscar de la Renta, Carolina Herrera, Donna Karan und Diane von Furstenberg buhlen darin charmant um die Gunst der Konsumenten, in der Absicht diesen am 10. September beim spätabendlichen Einkaufsbummel das Geld aus den Taschen zu ziehen. Anna Wintour wirkt im Merchandising T-Shirt faszinierend volksnah, während Isaac Mizrahi den Animateur miemt. Sie alle, einschließlich Sarah Jessica Parker, Vera Wang und den hübschen Proenza Schouler Boys, erklären dem Zuschauer die Bedeutung der New Yorker Modeindustrie für das Gemeinwohl. Ein wenig erinnern Sie dabei an Schulkinder, die um eine Spende betteln. Sehr unterhaltsam! Allzu kritisch darf man das Ganze allerdings nicht hinterfragen. Denn, eine einzige Nacht mit verlängerten Ladenöffnungszeiten wird den brachliegenden Einzelhandel wohl kaum nachhaltig wieder in Schwung bringen und die motivierende Zurede prominenter Branchenköpfe allein, spült den Durchschnittsverdiener auch nicht mehr Geld in die Taschen.
Dennoch, das clipartig zusammengeschnitte Commercial präsentiert sich frisch, cool und stylish, und macht trotz besseren Wissens, dass es sich bei “A FASHION´S NIGHT OUT” primär um eine Werbeveranstaltung Condé Nasts in eigner Sache handelt, Lust auch noch seine letzten Kröten, die man in diesen Zeiten noch übrig hat, in Designerklamotten zu investieren. Die Amis verstehen es zu feiern, vor allem sich selbt. So wird bei Macys selbst der Kauf einer reduzierten Feinstrumpfhose zum Happening: “Thank you for shopping at Macys, have fun with your stockings. A nice day and bye bye”
$ 2.99 und der Kunde ist König. Fantastisch!
Zugegeben, eine Menswaer Kollektion in Zeiten der globalen Wirtschaftskrise zu etablieren ist kein leichtes Unterfangen. Er recht nicht im hart umkämpften Markt der Luxusgüterindustrie, die starke Umsatzeinbußen zu verzeichen hat.
Wer Risiken eingeht, riskiert auch viel zu verlieren. Die Frage, wie unter diesen Umständen, eine ideale Herrenlinie auszusehen hat beantwortet New York´s fashion newcomer Alexander Wang, mit der Vorschau auf seine erste Menswear Collection für Spring 2010. T-Shirt, Tanks, Shorts und Hoodies, kurz gesagt: Basics. Eine kluge Kalkulation, denn modische Extravaganzen sind dem amerikanischen Mann ohnehin fremd. Zur Einführung der Kollektion hat Wang ein Video produziert. Hier spielen Jungs Basketball in Klamotten, die aussehen als seien sie von GAP. Grabbeltisch. Modisch ist hier allenfalls Wangs Name im Abspann. Der Clip strotzt dramaturgisch vor Langeweile! Die Kleidung selbst erzielt leider auch keinen Punktesieg. Ein T-Shirt für Männer bleibt eben trotz Designer-Etikett im Nacken auch nur ein T-Shirt. Das Variationspektrum bei Basics ist begrenzt, genauso wie die Bereitschaft des durchschnittlichen Mannes dafür einen bestimmten Preis zu zahlen. Hoffen wir, das Wang dieses Spielfeld namens Menswear ganz schnell wieder verlässt oder zur nächsten Saison, stilistisch gesehen, in eine andere Liga wechselt.
Vogue Chefin Anna Wintour ist am Montag, den 24.08. Talkgast in Davide Letterman´s “The Late Show”. Ihr Auftritt wie auch die Reaktionen der Zuschauer diesbezüglich, werden von den Medien mit Spannung erwartet. Letterman´s Sendung wird landesweit ausgestrahlt, somit stellt sich Anna auch dem Publikum in Mittelamerika, über das Sie einst sagte: “Die Leute in Minnesota sehen aus wie kleine Häuser.” Die Ausstrahlung erfolgt um 11:35 pm (amerikanischer Ortszeit) auf CBS. Wer hören möchte was die berühmte Editrix zu sagen hat, der muß am Dienstag morgen besonders früh aufstehen: um 5.35 geht´s dann auch hierzulande los mit la Wintour!
Dieses schaurig schöne Korsett stammt dem Atelier des New Yorker Designer Duo Phillipe & David Blond (siehe HYPE Artikel) und will auf auf eine landesweite Blutspendenaktion des amerikanischen Roten Kreuzes aufmerksam machen. Unter dem Namen “Saw Blood Drive” findet die Aktion einmal im Jahr an Halloween statt.
Sean O`Pry, Topmodel mit Sitz in New York (wo sonst?), stammt eigentlich aus Georgia und würde vemutlich mit seinem bestem Kumpel heute Rohrarbeiten verrichten, wäre sein My Space Profil nicht von Nolé Marin, einen ehemaligen Jury-Mitglied von Americas Next Topmodel entdeckt worden. Der 2o-jährige, der aktuell zu den zehn gefragtesten Männermodels weltweit zählt und für alle namhaften Designer bereits gelaufen ist, gab dem Black Book Magazine vor kurzem ein Interview. Darin gibt sich Sean O´Pry als der boy-next-door.
Der durchschnittliche Nachbar dürfte anders aussehen.
Einem Bericht von Modejournalistin Nicole Phelps zufolge trafen sich am Dienstag Vormittag in New York die Mitglieder des Council of Fashion Designers in Amerika (CFDA) um über die Bedeutung der New Yorker Modewoche wie auch die Folgen der Wirtschaftskrise für die Modebranche zu sprechen.
Ein Meeting der Besonderen Art, schließlich handelte es sich bei den Teilnehmenden nicht um Mr. Smith und Mrs. Jones, sondern um die führenden Köpfe der Modebranche. Neben CFDA Präsidentin Diane von Furstenberg, diskutierten Vogue Chefin Anna Wintour, Donna Karan, Betsey Johnson, die Proenza Schouler Jungs, Calvin Klein Chef-Designer Francisco Costa sowie Moderedakteure und Inhaber renommierter fashion stores über das verbraucherunfreundliche Timing der Kollektionsauslieferung (Wintermäntel im Sommer), die hohen Kosten für Modenschauen sowie die Notwendigkeit Schauen für die kommerziell erfolgreichen aber eher schlichten pre-collections zu veranstalten? Modemacherin Donna Karan kritisierte die Tendenz der Konsumenten für Designerkleidung nicht mehr den vollen Preis zahlen zu wollen, sondern den Sale abzuwarten. Worauf Anna Wintour dem Einzelhandel geraten haben soll, sich künftig bei der Reduzierung von Waren abzusprechen und sich auf einen offiziellen Termin zum gemeinsamen Discount-Start zu einigen. Nachdem von Furstenberg La Wintour informierte, dass dies illegal sei, soll diese nüchtern entgegnet haben: “Nun können wir das nicht ändern, schließlich haben wir jetzt Freunde im weißen Haus “(eine Anspielung auf Michelle Obama, die im März dieses Jahres das Vogue Cover zierte).
Angesichts eines immer stärker werdenden Interesses der Allgemeinheit an modespezifischen Themen, wurde auch der Gedanke geäußert Modenschauen für Konsumenten zu veranstalten. Was von dem Besprochenen tatsächlich realisiert wird und wann etwaige geplante Veränderungen spürbar greifen, wird sich zeigen.
Auch wenn beim CFDA Treffen einzelne Aussagen von einer gewissen Weltfremdheit der Diskussionsteilnehmer zeugten, so ist die kritische Hinterfragung des eigenen Status quo in der Modewelt ein absolut positiver und auch hierzulande nachzuahmender Ansatz.
Da, wo Düsseldorf aktuell bemüht ist, seinen Ruf als Modestadt wieder aufzupolieren, braucht es kritische Diskussionsrunden mit kompetenten Köpfen aus Industrie und Handel, Szene und Medien, die bereit sind an den Grundfesten bestehender Institutionen zu rütteln. Fragen wie, ist die CPD überhaupt noch zeitgemäß und cool genug, um als modisches Aushängeschild der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zu fungieren, müssen erlaubt sein. Das schmerzt, doch Aktionen wie eine vom Kaufhof initiierte Modenschau über dem Kö-Graben, wirken im Vergleich mit der Berliner Fashion Week schlichtweg provinziell.
Überhaupt leidet das Image der Königsallee unter den großen Vertikalen wie H&M und Esprit, die sich auf Deutschlands ehemals führender Luxusmeile ausbreiten. Ein anderes länderübergreifendes Problem ist die zeitliche Waren-Präsentation der Einzelhändler: Schaufenster mit Daunenjacken im August mögen zwar die Vorreiter- Rolle einzelner Geschäftsinhaber belegen, haben aber mit der Realität der Verbraucher wenig zu tun.
Es wäre wunderbar, wenn auf künftigen Branchentreffen Problemstellungen zum Modestandort Deutschland nach dem Vorbild des CFDA New York selbstkritisch und konstruktiv diskutiert würden. Schulterklopfereien bei Champagner und finger food allein machen nämlich noch lange keine Modemetropole.
Fashion Darling Marc Jacobs und Superstar Madonna vereint in einem Video. Das Making of zu Louis Vuitton´s Herbst/Winter Kampagne lüftet nun endlich das Geheimnis der ominösen Hasenohren, die Madonna zur diesjährigen Met Costume Gala trug und ihr im nachhinein jede Menge Spott einbrachten.
Eine Begegnung mit Betsey Johnson ist in etwa so erhellend wie der Kuss einer Sternschnuppe!
Zweimal bin ich der New Yorker Designerin zufällig begegnet. Das erste Mal traf ich Betsey Johsnon vor 5 Jahren auf dem Weg zum Studio von Anna Sui, nicht wissend, wer die Dame eigentlich ist. Während Betsey in einer mir bis heute unbekannten Angelegenheit bei ihrer berühmten Kollegin vorbeischaute, begann für mich ein weiterer spannender Arbeitstag im Rahmen meines Praxissemsesters.
Es war kur vor 9 Uhr morgens und wir warteten auf einen der drei Aufzüge, der uns endlich in das Design-Department im 13. Stock bringen sollte. Johnson war umgeben von einer Entourage aus wichtig aussehenden Männern und Frauen in dunklen Anzügen und Kostümen. Sie selbst schillerte dagegen ungewöhnlich intensiv! Mit gehighlighteten Blocksträhne im Haar und einem kleinen Terrier (lebend) in der Armbeuge, war es ihr extravagantes Auftreten, welches mir augenblicklich auffiel und imponierte. Rockig aber mit Würde. Unkonventionell aber souverän. Viel mehr Gelegenheit zur Personenstudie hatte ich jedoch nicht, denn Betsey und ihr Tross standen im Lift hinter mir. Es war mucksmäuschenstill. Nur der Hund schnaufte ein paar Mal hörbar. Oben angekommen, stiegen wir gemeinsam aus dem Aufzug. Ohne mich umzudrehen, doch neugierig aus den Augenwinkeln noch einmal das Geschehen hinterrücks erfassend, machte ich mich sofort auf dem Weg zum “Praktikantentisch”, um ein paar T-Shirt Drucke zu zeichnen. Nur wenige Minuten später stöckelte die Frau aus dem Aufzug samt ihrem Gefolge an mir vorbei, bedachte mich dabei mit einem Augenzwinkern und verschwand in Annas eigenem Atelier.
“Who was that?”, fragte ich Annas Assistenten Thomas. “Betsey Johnson”, antwortete er knapp. Wenige Stunden und einen Storecheck später, wußte ich, dass der “Senior Punk” zu den bekanntesten Modedesignerinnen des Landes zählt. Drei Wochen später sehe ich Betsey Johnson wieder, dieses Mal in ihrem ganz eigenen Königreich, einem in Knallfarben gestrichenen Headoffice, an New Yorks Fashion Avenue (7th Avenue). Eigentlich wollte ich im Auftrag von Anna Sui nur ein Paket mit Stoffmustern an eine freelance Designerin, die sowohl für Johnson als auch für Sui arbeitete, übergeben, dabei lief mir plötzlich SIE, von der ich mittlerweile genau wusste wer sie war, über den Weg. ” I know you!”, sagte sie mit tiefer Stimme und breitem Lächeln. Bevor ich überhaupt etwas entgegnen konnte, eilte sie auch schon mit den Worten “Have a good day” im Tütü und auf Killer High Heels davon. Das war´s!
Von da an wusste ich. was gemeint war, wenn man im Zusammenhang mit Personen von einer Erscheinung spricht. Ein Augenblinzeln, ein Lächeln, ein paar nette Floskeln, und wenige Sekunden im Vorbeigehen, mehr habe von Frau Johnson nicht zu sehen oder zu hören bekommen, und dennoch war diese Dosis Johnson ausreichend, um zu einer Art stillen Bewunderer ihrer Person zu avancieren.
Seitdem verfolge ich zwar nicht akribisch aber doch regelmäßig ihr kreatives Schaffen und sehe mir ihre Shows auf style.com an. Wie auch bei Anna, verfügt Betsey Johnsons Kollektion über ihre ganz eigene Handschrift. Ihre frechen Schulmädchenlooks mit 50ies appeal, die Petticoats, Taillengürtel, Leggins, Plateauschuhe und Leoparden Prints, bilden eine willkommene Abwechslung im kommerziellen Einheitsbrei amerikanischer Designer. Doch vielmehr als ihrer Kleider fasziniert Johnsons überschäumende Persönlichkeit, ihre permanent gute Laune, die niemals aufgesetzt wirkt! Johnson sehr down-to-earth und sehr zugänglich. Wer sie sieht, ihre lebendige Gestik, das ansteckende Lachen, der ahnt nicht, dass das Rock n´Roll Girl im August bereits 67 Jahre alt wird.
Vor mehr als 30 Jahren, 1978, hat Betsey Johnson ihr Label gegründet und verkündete nun jüngst ihren Rückzug aus dem Modebusiness. Nach der New York Fashion Week im September beabsichtigt Johnson ihren Nachfolger zu benennen. Zwar hätte sie noch die Energie für weitere 30 Jahre in der Branche, doch der Grund für ihren Abschied liegt schlichtweg in dem Bedürfnis sich anderen Dingen außer Mode zu widmen, und mehr Zeit für sich zu haben. Ob das Energiebündel die Zügel tatsächlich loslassen kann oder nur ein wenig lockert, um Platz zu machen für Eric Sartori, der zuvor für Wang, Léger und Alaia arbeitete und angeblich als Betsey´s Favorit bei der Besetzung ihres Postens gilt, sehen wir spätestens in ein paar Wochen, wenn es wieder heißt: “after the show is before the show”!
Stylistin und Socialite Patricia Field gab am Freitag eine ausgelassene Party an Bord der “Queen of Hearts” anlässlich des Gay Pride Weekend in New York. Wo immer die temperamentvolle Rothaarige auftaucht, ist ihre Gefolgschaft aus Club Kids, Nachwuchsdesignern und schrillen Szenegrößen nicht weit. (wobei nur Szene ist, was sich unterhalb der 14. Straße abspielt).
So gab es auch auf diesem Event jede Menge “eye-candy” in Form von attraktiven, interessanten und extravagant gekleideten Selbstdarstellern. Die Erfinderin des “Sex and the City Looks”, deren unverwechselbarer Stil ihr bereits eine Oscar Nominierung einbrachte, verkauft in ihrer Boutique an der Bowery den ultimativen Downtown Style, und der macht süchtig. Mit ihrer von Steven Sprouse inspirierten Mini-Kollektion, bei der ihr Name in Graffiti Manier diverse Tops und Hoodies ziert, untermauert sie zudem ihren Ruf als clevere Geschäftsfrau. Schließlich war es Marc Jacobs für Louis Vuitton, der die neu aufgelegten Grafitti-Prints des verstorbenen Künstlers, im Frühjahr dieses Jahres populär machte.
Der Sommer ist da und mit ihm eine Reihe von interessanten Modeausstellungen, fernab vom Mainstream und mit Inhalten die auch beflissenen Modekennern neue Perspektiven auf ihr Lieblingsthema eröffnen dürften. Anbei eine Auswahl:
Bei britischen Modedesignern denken die meisten von uns zunächst an Vivienne Westwood, Paul Smith, Alexander McQueen oder Christopher Bailey – allesamt Stars der Gegenwart – doch wer prägte eigentlich die britische Modeszene vor der Jahrtausendwende, in Zeiten in denen Mode von Nachrichten-Moderatoren noch mit einem süffisanten Lächeln als triviales Beiwerk der wirklich wichtigen Themen im Leben abgehandelt wurde? In den exzentrischen Achtzigern waren es vor allem Zandra Rhodes und Jean Muir, die modisch gesehen auf dem Inselkontinent für Aufregung sorgten.
Jean Muir
Letzterer widmet nun das Modemuseum im schottischen Dumfries aktuell eine Einzelausstellung. “Jean Muir – a fashion icon”, zeigt Highlights aus dem Werk Jean Muirs und erinnert damit eine beinahe vergessene Designerin, deren Vintage Stücke heute von Sienna Miller und Kate Moss getragen werden.
bis 31. Oktober 2009
National Museum of Costume, Shambellie House, New Abbey, Dumfries, DG2 8HQ
……………………………………………………………………………………………………………………..
Mode Museum Antwerpen
In der Modeschule, lernen angehende Designer auch mal um drei Ecken zu denken und sich dabei nicht gleich mit der offensichtlichsten Lösung zufrieden zu geben. Ich erinnere mich noch bestens an die Aufgabenstellung, eine Ärmelkonstruktion aus Wellpappe zu fertigen, deren Teile nicht “geknickt” werden durften. Die darauffolgende Tüftelei führte zu erstaunlichen Erkenntnissen über die vielseitigen Verarbeitungsmöglichkeiten papierähnlicher Materialen. Die Ausstellung PAPER FASHION im Antwerpener Modemuseum untersucht die Verwendung des Nischenmaterials im Kontext der jüngeren Modegeschichte und beginnt mit einer Reihe papierner Kleider aus den 1960er Jahren und zeigt zudem zahlreiche Entwürfe aus verwandten Materialien aktuellen Datums.
Mit der Geschichte des Damenschuhs ab 1900 beschäfigt sich das Modemuseum im belgischen Hasselt. Entwicklung, Trends und Images sind in der Ausstellung “In her shoes” an beispielhaften Modelle von bekannten Schuhdesignern wie Roger Vivier, Bally, Ferragamo, und natürlich Jimmy Choo und Manolo Blahnik erfahrbar. Aber auch die Puschen lokaler Schuhkünstler lohnen einer genaueren Betrachtung.
Ein Highlight unter den Ausstellungen dieses Sommers kommt direkt aus der Modehaupstadt Paris. Das Musée les Arts Dècoratifs widmet Modeschöpferin Madeleine Vionnet eine umfangreiche Solo-Ausstellung. Die Königin des Diagonalschnitts und der Drapierungen starb 1975 mit 99 Jahren an Altersschwäche in ihrem Bauernhaus im französischen Cély-en-Biere und hinterließ ein beeindruckens Werk-Archiv von dem sich Top Designer wie Azzedine Alaia, Yohji Yamamoto oder John Galliano noch heute zu neuen Schnitttechniken inspirieren lassen. An Stelle einer Skizze fertigte Vionnet ihre kunstvollen Falten-, Volant-, und Pliseekleider lieber direkt am Objekt, einer hölzernen Miniaturbüste.
24. Juni 2009 – 31. Januar 2010
………………………………………………………………………………………………………………..
Bill Gibb
Das Fashion Museum im englischen Bath, ca 30 Autominuten von Bristol entfernt, beschäftigt sich mit dem Werk des Modemacher Bill Gibb? Wer zum Teufel ist Bill Gibb?
Trotz seines großen Einflusses auf die Entwicklung der Mode ist Gibbs Name heute weitgehend unbekannt. Dabei wurde er 1970 von der britischen Vogue zum Designer des Jahres gekührt und feierte im folgenden etwa ein Jahrzenht lang große Erfolge. Seine Debut- Kollektion von 1972 wurde von der Branche als Sensation der Saison betitelt. Sein Stil war ein wilder Muster und Materialmix, der im direkten Vergleich Cavallis Kollektion nahezu homogen erscheinen lässt. Einige sehen in Gibb gar den Erfinder des Hippie Looks. In jedem Falle repäsentiert sein Stil das Jahrzent auf ultimative Art und Weise. Harrods und Harvey Nichols verkauften seine Kleider und auch ein eigenes Ladenlokal in Londons nobler Bond Street ließ nicht lange auf sich warten. Zu seinen Kunden zählten Liz Taylor, Bianca Jagger und Topmodel Twiggy. Doch wie vielen Kreativen fehlte auch Gibb der Sinn für das Geschäftliche . Als sein Stil nicht mehr gefragt war ging sein Unternehmen schließlich pleite und Gibb geriet in Vergessenheit. Nach wie vor inspirieren seine Entwürfe noch heute Designer wie John Galliano oder Gilles Deacon. Grund genug sich mit den Arbeiten des vergessen Helden der britischen Modeindustrie vertraut zu machen und seinen inneren Hippie zu entdecken.
NEW YORK: Isabel Toldeo gehört zu den Designern die es vorziehen sich als Person gegenüber den Medien zurückzuhalten und stattdessen ihre Arbeit für sich sprechen zu lassen. Nicht ganz freiwillig wurde ihr am 20. Januar 2009 dennoch weltweite Aufmerksamkeit zuteil als Michelle Obama bei der Amteisnführung ihres Mannes Barack als 44. Präsident der Vereinigten Staaten ein limonenfarbens Shiftdress aus dem Atelier der kubanisch stämmigen Modemacherin trug.
2008 wurde Toledo mit dem FIT Couture Council Award für besondere Kunstefertigkeit ausgezeichnet, nun widmet ihr das Museum des Fashion Institute of Technology eine eigene Ausstellung. Es ist nicht etwa eine flamboyante Optik für die Toldeo bekannt ist, als vielmehr ihre besondere Technik Kleider zu fertigen. So sei laut den Kuratoren des Ausstellung keines ihrer Teile konventionell konstruiert. Wer also das in den Medien eher sparsam repräsentierte Werk Toledo kennenlernen möchte, der sollte sich die von der renommierten Modehistorikerin Dr. Valerie Steele kuratierte Ausstellung nicht entgehen lassen.
“Glamour- Made in America” hat einen Namen: Blond! Nachdem seit mehr als 20 Jahren der Einheitslook von Calvin Klein und DKNY das Modebild vom Big Apple im Ausland bestimmt und die weit verbreitete Prüderie im Umgang mit Sexualität und dem eigenen Körper die “hilfigerisierung” eines ganzen Landes, von der Ost- bis zur Westküste, nach sich gezogen hat, verfolgt ein Designerduo aus New York ein ganz anderes Konzept und hat damit zunehmend Erfolg. Phillipe & David Blond sind derzeit Manhattans vielversprechendste fashion-newcomer und aufgrund ihres extravaganten Auftretens regelmäßig “talk of the town”.
Die Entwürfe der Beiden verkörpern das verklärte Lebensgefühl einer längst vergangenen Ära. Glitzernde Abendroben, opulent mit Strass und falschen Diamanten besetzte Korsagen, Glanzoptiken, Metallicstoffe, fiebrige Farben und messerscharfe Schnitte. Immer over the top aber stets genial!
Blond spring 2009 / Courtesy of Mao PR NYC
Tragbar? Im Umfeld der zwei Über-Kreativen stellt sich diese Frage nicht. Wer eine Show der Beiden besucht, der fühlt sich zurückversetzt in das hedonistische New York von Halston, Andy Warhol und des Studio 54, und taucht ein, in die Welt der amerikanischen Popkultur. Barbie und Hollywood inklusive! Für Phillipe und David Blond und ihrem Gefolge aus Drag Queens, Stilikonen, Szenemachern, ehemaligen Blitz Kids, ist der unbeschwerte 80er Jahre Zeitgeist kein abgegriffenes Klischee, sondern gelebte Realität, in der die Rezession keinen Platz hat. Geht nicht gibt es nicht. Im Kontext des mondänen fashion-couples ist Nonkonformismus Gesetz!
Bisher haben sie drei Shows gemacht. Zuletzt präsentierten Sie ihre Mode im September 2008 bei der New York Fashion Week und ernteten dabei internationale Anerkennung. Umso überraschender die Abwesenheit des noch jungen Labels bei den New Yorker Schauen im Februar 2009. Zur Begründung heißt es laut ihrer PR Agentur etwas kryptisch, das Duo arbeite gerade an einem Film über seine nächste Kollektion. Vielleicht waren es aber auch einfach nur die hohen Kosten, die eine Teilnahme an der New York Fashion Week verhinderten. Vielleicht bereitete auch die rechtzeitige Fertigstellung der aufwendigen Showpieces Probleme. Die Herstellung der aufwendigen Unikate nimmt enorm viel Zeit in Anspruch. Verständlich, dass sie nicht mit dem Produktionsrhythmus eines Ralph Lauren mithalten können. Müssen sie auch nicht! Ihre Roben sind zeitlos und unterliegen nicht dem saisonalen Verfall. Trends spielen bei Blond keine Rolle, vielmehr geht es um die Realisierung einer Vision. Zahlreiche Stars, die von Berufswegen her auffallen müssen, wissen das dramaturgische Know-how der beiden Freigeister zu schätzen. Viele von Ihnen haben sich bereits von Blond für Auftritte oder Werbekampagen ausstatten lassen. Darunter Britney Spears und Rihanna.
Blond / by courtesy of MAO PR NYC
David Blond, mit bürgerlichem Namen David Trujillo, stammt von der Sonneninsel Key West, in Florida. Phillipe Rollano ist gebürtiger Puerto Ricaner und studierte Modedesign am FIT in New York. Erstmals getroffen haben sich die Zwei vor neun Jahren in New Yorks berühmtesten und mittlerweile geschlossenen Nachtklub, dem Roxy. Seitdem sind sie privat ein Paar! Bevor die Beiden ihr Label gründeten arbeiteten sie für unterschiedliche Unternehmen der Modebranche. David, der in Miami fashion merchandising studierte, dekorierte zehn Jahre lang Schaufenster, darunter auch die von Macys und Barneys in Manhattan. Stylistin Patricia Field war eine der Ersten, die auf das Talent der kreativen Jungs aufmerksam wurde und deren schrillen Entwürfe in ihrem Downtown Store verkaufte. Stilguru und Kolumnist Patrick McDonald stelle die extrovertierten Modemacher den richtigen Leuten vor und ebnete ihnen somit den Weg in die Modeszene. Der hübsche Phillipe, der je nach Lust und Laune, öffentlich mit blonder Perücke als Frau auftritt und sein Partner David, dessen Extravaganzen sich auf die blond gefärbte Tolle, eine behaarte Brust und einen schwarzen Hermés Gürtel beschränken, wirken optisch wie Barbie und Ken mit dem Elan von Jennifer und Jonathan Hart. Die Blondinen verzaubern New York. Wo immer sie im Nachtleben auftauchen, sind die Paparazzi nicht weit. Blondes have definitely more fun!
Bodguard, Chauffeur? Fehlanzeige! Was der mächtigsten Frau des amerikanischen Modebusiness und legendären Vogue Chefin, wohl gerade durch den Kopf gehen mag?
Target, die amerikanische Einzelhandelskette aus Minnesota entspricht in etwa dem Level von H&M mit dem Unterschied, dass Target bedeutend günstiger ist und außer Bekleidung auch andere schöne Gebrauchsartikel in seinem Sortiment führt. Doch wie auch der schwedische Textilhersteller kooperiert Target regelmäßig mit namhaften Modemachern und buhlt mit den Designer-Linien um das Geld modebewusster Kunden.
Für die sogenannte “Target Go International” Kollektionen entwarfen bereits Zac Posen, Luella Bartley, Richard Chai, Patrick Robinson, Thakoon und Isaac Mizrahi.
Mit der neuen Line, “Designer Collaborations” konzentriert man sich jedoch auf international bekanntere Designer, mit dem Ziel high fashion zu niedrigen Preisen, der Masse zugänglich zu machen. Zum Kollektionsauftakt verpflichtete Target so dann auch Niemand geringeren als Modeschöpfer Alexander McQueen, dessen Entwürfe zwischen März und April diesen Jahres in ausgewählten Target Stores verfügbar waren. Allerdings nur für wenige Stunden. Der Ansturm auf bestimmte Teile war so groß, dass einige Filialen bereits nach wenigen Stunden den Ausverkauf verkünden mussten.
Stücke, die weniger begehrt wahren, werden aktuell, zum einem reduzierten Preis, im Online Shop des Unternehmens veramscht.
Nun konnte der Konzern, die in New York ansässige Top Designerin, Anna Sui für eine Zusammenarbeit gewinnen. Das Konzept der zeitlich wie räumlich begrenzten Verfügbarkeit wird, wie bereits bei Mc Queen, auch bei Anna Sui Anwendung finden: Nur 250 der über 1.270 Filialen werden mit den begehrten Styles bestückt, und das auch nur für den Zeitraum von etwa einem Monat.
Launch ist der 13. September! Inspiration für die Target Linie holte sich Sui von den Society Girl des amerikanischen Seriennknallers “Gossip Girl” – Metallic Jaquards, Tüll, Spitze, Chiffon und Paillettendetails – so die Zutaten den der Kollektion – klingen schon mal vielversprechend.
Photography: Stepahn van Fleteren / Courtesy of: Dries van Noten
Dries van Noten erhält den Couture Council Award for Artistry of Fashion des New Yorker “Fashion Institute of Technology”. Valerie Steele, Vorsitzende des Couture Gremiums und Direktorin des Museums im FIT schwärmt von van Notens besonderer Kunstfertigkeit in der Ausführung seiner Kollektionen. Diese leisten einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der zeitgenössischen Mode. Zudem sei der Stil des belgischen Top Designers nach Ansicht des Gremiums unverwechselbar: “Sein unglaubliches Gefühl für Farben, Formen und Ornamente ist außergewöhnlich und verdiene daher diese Auszeichnung”, so Steele. Vorherige Preisträger waren Isabel Toledo, Alber Elbaz (Lanvin) und Ralph Rucci. Der Couture Council ist ein Kreis aus Modeliebhabern, die sich mittels Geldspenden um den Erhalt und den Ausbau der historischen wie aktuellen Couture Sammlung des Museums am FIT bemühen und damit Ausstellungen mit wissenschaftlichem Anspruch finanzieren.?
Der traditionsreiche Nobeljuwelier Cartier feiert in diesem Jahr seine hundertjährige Repräsentanz in den USA. Dort, auf amerikanischen Boden, genauer gesagt in New York, eröffnete das französische Luxushaus 1909 seine erste Dependance. Dieses Jubiläum zelebriert Cartier nun mit dem Launch eines umfangreichen und äußerst liebevoll gestalteten Fotobuchs. “Cartier I love You” lautet der Titel der Publikation und wurde von dem amerikanischen Starfotografen Bruce Weber produziert.
Webers ausgezeichnetes Verständnis des “American Way of Life”, welches zentrales Thema seiner Arbeiten ist, kam dabei der Absicht, eine authentische Verbindung zwischen Cartier und Amerika zum Ausdruck zu bringen, besonders zu Gute. Der Bildband nimmt den Betrachter mit auf eine Reise durch die Welt von Cartier. Alte Aufnahmen aus den Archiven des Unternehmens zeigen Persönlichkeiten, deren eigener Stil und Sinn für Qualität , die Philosophie von Cartier auf idealtypische Weise reflektieren. Zitate und Anekdoten im Zusammenhang mit den Pretiosen von Cartier vermitteln zudem einen Eindruck vom Lebensgefühl einer glanzvollen aber längst vergangenen Ära, in der Luxus, noch nicht demokratisiert und nur für Wenige zugänglich war!
So etwa findet sich in dem Buch auch jene Geschichte von Maisie Plant, der Gattin eines steinreichen Erben einer Schiffahrtunternehmens, die sich bei einer Cartier Ausstellung, am damaligen Geschäftsstandort 712 Fifth Avenue, in ein Perlenkollier im Wert von 1 Million US Dollar verliebte. Trotz des beachtlichen Vermögens ihres Mannes verweigerte dieser ihr den Kauf. 1917 bot Pierre Cartier, der Enkel des Firmengründers, Mrs. Plant das kostbare Geschmeide im Tausch gegen ihr Privathaus, plus einen Hundertdollar-Schein an. Mrs. Plant willigte ein und seitdem ist das neo-klassizistische Stadpalais an der Ecke 635 Fifth Avenue und 52nd Street im Besitz der Firma Cartier und beherbergt darin bis heute seine New Yorker Verkaufsräume.
Der Jubiläumsband beschränkt sich mit seinen Darstellungen jedoch nicht nur auf die New Yorker Upper-class und internationale Society-Ladies. Bruce Weber schuf zahlreiche neue Aufnahmen, in denen der Schmuck von Cartier, dem Zeitgeist entsprechend und erfrischend unkonventionell, inszeniert wurde.
Das 192 starke Buch entspricht in jeder Hinsicht dem distinguierten Ruf des Hauses Cartierund macht Lust auf Santos, Pascha, Tank und Co.
“Cartier I love You” erscheint im Mai im Kunstbuchverlag teNeues .
Nur zehn Tage nach der abrupten Schließung des High Society Labels Bill Blass am 17. Dezember vergangenen Jahres durch den Firmeninhaber Nexcen Holdings, die das Unternehmen selbst erst im Februar 2007 übernommen hatte, verscherbelte Nexcen die einstige Traditionsmarke, weiter an Peacock International Holdings für geschätzte 10 Millionen Dollar.
Auf Headdesigner Peter Som, der Michael Vollbracht als Head of Design ablöste, folgt nun Richard Chai in gleicher Position. Chai ist in New Yorks Modeszene kein Unbekannter. Ausgezeichnet mit dem Ecco Domani Preis 2005, zählte er im vergangenen Jahr zu den Top Ten Finalisten bei den CFDA/Vogue Fashion Fund´s, deren Initiatorin keine Geringere ist als Anna Wintour. Richard Chai arbeitete aktiv beim Launch der erfolgreichen Marc by Marc Jacobs Linie mit und war danach für den Strick Spezialisten TSÉ als Design Director tätig, bevor er sich 2004 mit seinem eigenen Label selbständig machte.
Chai zählt zu den Favoriten von Barneys Chefeinkäuferin Julie Gilhart und der bereits erwähnten Vogue Chefin Madame Wintour.
Von ihm wird nun erwartet in die Bill Blass DNA einzutauchen und die Marke zu neuem Glanz und Rentabilität zu führen.
Eine Modenschau bei der nächsten New York Fashion Week im September wird Aufschluss darüber geben, wie Chai diese Herausforderung meistert. ?