WER BRAUCHT SCHON COUTURE? …….Oscar de la Renta jedenfalls nicht.

Posted: Mai 5th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , | 1 Comment »

photocredit: Nitro101 via FLICKR

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“Couture has become completely irrelevant”, diese für Modeliebhaber unbequeme These verlautbarte ausgerechnet der amerikanische Modeschöpfer Oscar de la Renta auf Anfrage der Redakteurin Nancy Hass zur Lage der Haute Couture.

Der 77-jährige Oscar de la Renta, der von 1993-2002 als Chefdesigner die Haute Couture Kollektionen für das Haus Balmain verantwortete und dessen namenseigene Pret-a-Porter Linie eher opulent als reduziert daherkommt, gilt demnach selbst mehr als Couturier denn als Designer.

Die Kunde von der Überflüssigkeit der Haute Couture aus seinem Mund, sorgte somit kurz nach Veröffentlichung des Artikels im Wall Street Journal vergangene Woche für lebendige Diskussionen in Modekreisen. Mit Ausnahme für das Modehaus Chanel, gilt Haute Couture allgemein als unrentabel. Das mehrwöchige Arbeiten an einem einzigen Kleid macht aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn und trotzdem halten namhafte Modefirmen an ihrer Couture Sparte fest. Begründet wird dies meist mit dem zusätzlichen Werbefaktor, den die Präsentation von Haute Couture generiert. Dadurch würde der Absatz anderer Produktgruppen angekurbelt, bspw. von Accessoires und Kosmetika. Wer sich Haute Couture nicht leisten kann, der greift wenigstens zur Parfumpulle des Hauses, um an dieser unerreichbaren Luxuswelt doch noch irgendwie teilhaben zu können, so die Logik der PR-Strategen.

Haute Couture gilt als Königsdisziplin der Modemacher. Hier können Designer ihr handwerkliches Geschick in Vollendung unter Beweis stellen und ihre Vision von der Idealfrau kompromisslos realisieren. Die Existenz der Haute Couture basiert somit nicht nur auf werbestrategischen Überlegungen, sondern auch auf der Liebe der Modemacher zu ihrem Job. Die Leidenschaftlichen unter ihnen sind froh, neben dem kommerziell Notwendigen, den schmucklosen Zweitlinien, den wenig richtungsweisenden Pre-Collections und Resort-Kollektionen zweimal im Jahr eine Arbeit präsentieren zu können, die ihren Überzeugungen und ihrer Begabung entspricht. Es geht um Selbstverwirklichung. Dass muss sich nicht zwingend rechnen, schließlich plagen die Couturiers privat keine finanziellen Sorgen. Wie auch Literatur und die bildende Kunst, stimuliert Haute Couture die Fantasie, und dient darüber hinaus den großen Textilproduzenten als Ideengrube für ihre 12 Kollektionen im Jahr.

verblasste Kunst? Photo: HYPE magazine
verblasste Kunst? Photo: HYPE magazine

Haute Couture ist europäisches Kulturgut und Mahnmal gegen Masse und Beliebigkeit zugleich. Über ihren Fortbestand entscheidet allein das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Medien und Fachpresse können allerdings einen wertvollen Beitrag zu ihrer Erhaltung beitragen, indem sie das Bewusstsein der Konsumenten für Wertarbeit schärfen, das Thema Couture für ihr Zielpublikum lustvoll, spannungsreich und zeitgemäß aufbereiten und fundiert von den Schauen berichten. Allzu oft wird der Begriff Couture nahezu inflationär benutzt und ziert zuweilen die Gesäßtaschen von in Drittlohnländern produzierten Billig-Jeans. Einfach übersetzt bedeutet Haute Couture nur die “Hohe Schneiderei”, doch gemeint ist damit Handwerkskunst, Originalität und Exklusivität. Es gibt Firmen, die schmücken sich wiederrechtlich mit dem in Frankreich geschützten Begriff und werden ihm dann leider doch nicht gerecht. Was Haute Couture auszeichnet definiert die Chambre Syndicale de la Couture Parisienne. Die Vereinigung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Interessen ihrer Mitglieder global zu vertreten und die Kunst der hohen Schneiderei nachhaltig zu fördern. Die Ansprüche das eigene Firmenlogo mit dem Haute Couture Zusatz versehen zu dürfen, sind hoch: Ein Atelier oder zumindest eine Firmenzweigstelle in Paris mit mindestens 20 Vollzeitbeschäftigten ist Pflicht. Desweiteren verlangt das Haute Couture Prädikat nach zwei Kollektionen pro Jahr und das bitteschön mit jeweils 50 unterschiedlichen Modellen.

Doch wer trägt heutzutage eigentlich noch Haute Couture? Die prominenteste Anhängerin dieses höchsten modischen Segments ist die britische Bier-Erbin Daphne Guinness. Auch Scheidungsmillionärin Ivana Trump zählt zu den “Happy Few”, die zu öffentlichen Anlässen gerne be-(rauschende) Tüllbombem von Elie Saab zur Schau trägt. Hierbei stellt sich  die Frage, ob das Kleid auch tatsächlich gekauft oder nur geliehen wurde. Wobei letzteres den Couturiers auf Dauer natürlich nicht weiterhilft. Die milliardenschweren Amerikanerinnen Suzanne Sapperstein und Iris Cantor, zählen bei den Couture Schauen zwar immer noch zum Inventar, sind aber einer aussterbende Spezies, leider! Viele der “neuen” Kundinnen kennt man nicht (mehr). Es sind reiche aber anonym lebende Frauen aus Russland und dem mittleren Osten. Das Klagelied über diese Klientel ist indes nicht zu überhören. Den Russinnen und Araberinnen eilt der Ruf voraus, die ultra-aufwendigen Gewänder eher als Statussymbol zu missbrauchen, statt sie als textiles Kunstwerk wertzuschätzen. Die Philosophie über Qualitäten, Haptik und Klöppeltechniken spielen in ihren (Kultur)-Kreisen eine untergeordnete Rolle. Nur teuer muss es aussehen!

Immer wieder taucht in der Diskussion um Haute Couture, die Frage auf, ob diese überhaupt noch zeitgemäß ist? Gegenfrage: Sollte Qualität nicht immer eine Existenzberechtigung haben, Schönes erhalten werden? Haute Couture erinnert uns daran, dass Mode mehr ist, als die langweilige Schwedensoße, die uns die ewig gleichen schwarzen Jersey T-Shirts, Skinny Jeans und graue Leggings als Lifestyle verkaufen will. Schrecklich, wenn in 30 Jahren junge Menschen bei der Frage, was ist Mode, zuerst an “Acne” oder “Filippa K” denken würden.


BROWSE WITH STYLE: MODEDESIGNER ENTWERFEN FÜR GOOGLE

Posted: Oktober 5th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , | No Comments »

Googles “neuer” Webbrowser Chrome lässt sich nun auch im Signature Look namhafter Designer herunterladen. Zur Auswahl stehen Entwürfe von Dolce & Gabbana, Anna Sui, Oscar de la Renta, Donna Karan, Vivienne Westwood, Kate Spade, Agatha Ruiz de la Prada und Todd Oldham. Während einige Dessins die Symbole in der Navigationsleiste optisch verschlucken (Westwood, de la Renta) sehen andere wiederum recht hübsch aus. Mein Favorit: Anna Sui!

Google Chrome Browser

designer-browser1


BYE BYE NEW YORK – THE BEST OF NEW YORK FASHION WEEK!

Posted: September 21st, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , , , , , , , | No Comments »

Die New York fashion week ist vorbei, und während die Modewoche in den ersten Hälfte mit Bedeutungslosigkeiten glänzte, so verteidigten in der zweiten Hälfte die großen Namen der Branche erwartungsgemäß den Ruf der Stadt als Modemetropole.

Allen voran Marc Jacobs, der mit einem eklektischen Stilmix und vielen Rüschen und Volants, für Sommer 2010 die Hinwendung zu einer neuen Romantik propagierte.

Ein weiteres Highlight bildete die avantgardistische und farb- sowie musterintensive Kollektion des gebürtigen Brasilianers Alexandre Hercovitch.  Inspiriert von der Schutzkleidung amerikanischer Football-Spieler präsentierte der in Sao Paul ansässige Designer schmale, aus zahlreichen Schnittteilen zusammengesetzte Satinhosen,  Jacken mit, auf die Spitze getriebenen Powerschultern,  Tanktops aus Vinyl, und zu Minikleidern umfunktionierte Spielertrikots mit Puffärmeln und Spitzeneinsätzen.

Für eine positive Überraschung auf dem Laufsteg sorgte Altmeister Oscar de la Renta. Der 77-jährige dessen old-school Glamour vor allem Industriellengattinen, Präsidentenwitwen und Park Avenue Ladies gefällt, präsentierte der Upper  Class dieses Mal eine stark verjüngte Version seines opulenten Stils:  kostbare, reich bestickte Stoffe in bester handwerklicher Umsetzung. Eleganz in ihrer reinsten Form.

Spring Summer 2010 - The Looks

Spring Summer 2010 - The Looks

Anna Sui ist eine Meisterin des Stilzitats. Mit ihrer von Dr. Doolittle beeinflussten Kollektion stellte sie unter Beweis, dass Zirkuselemente nicht zwangsläufig clownesque aussehen müssen.  Wie immer beeindruckte sie  mit Detailversessenheit,  den ausgefeiltesten Drucken und coolem Downtown Styling.

Bei Donna Karan war alles im Fluss oder besser gesagt im Wind. Donna Karan lebt einen von Yoga und den vier Elementen Wasser, Wind, Feuer und Erde geprägten Lifestyle und segnet daher nur ab, was sie auch selbst tragen würde. Sie macht sich viele Gedanken zu den modischen  Bedürfnissen der berufstätigen Frau und ist stets bemüht Bürotauglichkeit  mit weiblichen Elementen in Einklang zu bringen.  Für Sommer 2010 favorisiert sie eine Silhouette in Bewegung. Wickeloptiken, weich fließende Drapierungen nach dem Vorbild griechischer Büsten in silbergrau und weiss, soft und dennoch strukturiert. Zeitgemäß und very Uptown.

Naturverbunden gibt sich auch das andere, große amerikanische Label Calvin Klein.  Das rauhe Äußere der Süßwassermuschel bestimmte Farbe, Textur und Silhouette in der Kollektion von Francisco Costa. Der Designer experimentierte mit Volumen und Knitteroptiken. Ultraleicht, aber nicht wirklich spannend. Es fehlte an Raffinesse. Accessoires scheinen bei Calvin Klein ein Fremdwort zu sein, diese fehlten leider völlig.

Ein völliges Desaster aus nichtssagenden Einzelteilen, die stilistisch in den 1990er Jahren stecken geblieben schienen, lieferten Michael und Nicole Colovos für Helmut Lang. Ihre beinahe komplett in schwarz und grau gehaltene Kollektion machte wenig Lust auf Sommer, kommt der Betrachter doch schon allein beim Anblick der engen Leggings und affigen Walla-Walla Hosen mit einem bis zu den Knien tief-hängenden Schritt ins Schwitzen.  Die Miniröcke mit einem asymmetrisch verlaufenden und sich  überlappenden Saum bildeten auf der Rockvorderseite ein unsinniges Dreieck, das den Blick unnötig auf den Schritt lenkt,  peinlich! Tops  mit Farbverlauf à la Prada Herbst /Winter 2008 und Batik- Shirts zu hautengen Hosen, wirkten gestrig und haben mit der DNA des Firmengründers Helmut Lang nichts mehr gemein.

Weitere gute Kollektionen, die en Detail auf style.com begutachtet werden können,  lieferten Alexander Wang, Jason Wu, Zac Posen und Threeasfour !

Als tendenzielle Trends  zeichnen sich organische Formen,  softe Silhouetten und neue Schulterkonstruktionen im Besonderen ab.


NEW YORK FASHION WEEK – DA GEHT NOCH WAS!

Posted: September 14th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , | No Comments »
credit: Mercedes Benz Fashion Week New York

credit: Mercedes Benz Fashion Week

Halbzeit für die New York Fashion Week.  Viel zu bieten hatte die New Yorker Modewoche in den vergangen vier Tagen nicht.  Kleinere Labels und Nachwuchsdesigner, langweilten primär mit Bedeutungslosigkeiten und teils richtig schlechten Entwürfen, Richtungsweisendes? Fehlanzeige!

Erin Wasson mag als Model eine fabelhafte Figur abgeben, als Modedesignerin ist sie jedoch völlig überflüssig, auch wenn es mit Sicherheit genügend Berliner Bloggerinnen geben mag, die diesen “nix-passt-zusammen-das-ist-aber-durchaus-gewollt Look” für ganz große Mode halten.

Es sind zu viele unbekannte Namen, die allesamt eine beige Soße präsentierten, die so prägnant war, dass davon nichts in Erinnerung bleibt. Es macht schlichtweg keinen Spaß das fünfzigste beigefarbene Volantkleidchen in Folge zu begutachten. Braucht es wirklich noch eine weitere Zweitline eines Designers, in diesem Falle von Richard Chai,  der seine Diffusion-Line mit dem wahnsinnig innovativen Namen LOVE vorstellte, die sich aus  Basics zusammensetzt, die bei Zara und H&M für einen Bruchteil des Preises zu haben sind.

Viele der gezeigten Kollektionen sind derart beliebig und austauschbar, dass jegliche geistige Auseinandersetzung und der Versuch das Gezeigte zu beschreiben eine nicht vertretbare Verschwendung von Lebenszeit darstellen. Bei den bisherigen Modenschauen  dieser Modewoche mangelte es  an Leidenschaft,  an Sex-Appeal, an Dramatik und Mondänität, kurz an allem was Mode eigentlich ausmacht.  Positive Ausnahmen bilden die junge und sehr urbane Handschrift Alexander Wangs sowie der “fuck-the-recession-Stil” von Jason Wu. Das die Amerikaner sich auf Casual und Sportswear verstehen und Ausflüge in die Couture häufige in Denver Clan Zitaten enden, die Models wie 80er Jahre Trash Püppis aussehen lassen, ist bekannt, dennoch sollte das Fashion Week Komitee höhere Standards bezüglich des Modegrads als Voraussetzung für eine Teilnahme an der Fashion Week manifestieren, um den Ruf New Yorks als Modemetropole nicht zu gefährden.

Nun beginnt heute der fünfte Tag der Modewoche und mit ihm der Auftakt der Großen der Branche,  die der Modewoche ihr Prestige verleihen.  Zac Posen, Donna Karan Carolina Herrera und Marc Jacobs stehen für heute auf dem Programm.  Am Mittwoch und Donnerstag verdichten sich die Top-Namen dann auch im Schauenkalender. Anna Sui, Calvin Klein, Ralph Lauren, Tommy Hilfiger, Marchesa, Proenza Schouler, Oscar de la Renta, Halston, Betsey Johnson und Rodarte zeigen dann ihre Vorstellung, was Frau im Sommer 2010 zu tragen hat. Das Beste kommt eben immer zum Schluss!

Schauenkalender New York

Schauenkalender New York


VIDEO: A FASHION´S NIGHT OUT – DESIGNERS WANT YOUR BUCKS

Posted: August 27th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , , , | No Comments »

Dass  Amerikaner uns Europäern in Sachen Marketing mindestens drei Stöckelschritte voraus sind, ist bekannt. Doch mit dem neuen Werbevideo zum Condé Nast  Event “A FASHION´S NIGHT OUT” vergößert sich dieser Abstand in etwa um die Gesamtlänge der Madison Avenue.

Millionenschwere Größen des Modebusiness wie Oscar de la Renta, Carolina Herrera, Donna Karan und Diane von Furstenberg buhlen darin charmant um die Gunst der Konsumenten, in der Absicht diesen am  10. September beim  spätabendlichen Einkaufsbummel das Geld aus den Taschen zu ziehen. Anna Wintour wirkt im Merchandising T-Shirt faszinierend volksnah, während Isaac Mizrahi den Animateur miemt. Sie alle, einschließlich Sarah Jessica Parker, Vera Wang und den hübschen Proenza Schouler Boys, erklären dem Zuschauer die Bedeutung der New Yorker Modeindustrie für das Gemeinwohl.  Ein wenig erinnern Sie dabei an Schulkinder, die um eine Spende betteln. Sehr unterhaltsam! Allzu kritisch darf  man das Ganze allerdings nicht hinterfragen. Denn, eine einzige Nacht mit verlängerten Ladenöffnungszeiten wird den brachliegenden Einzelhandel wohl kaum nachhaltig wieder in Schwung bringen und die motivierende Zurede prominenter Branchenköpfe  allein, spült den Durchschnittsverdiener auch nicht mehr Geld in die Taschen.

Dennoch, das clipartig zusammengeschnitte Commercial präsentiert sich frisch, cool und stylish, und macht trotz besseren Wissens, dass es sich bei “A FASHION´S NIGHT OUT” primär um eine Werbeveranstaltung Condé Nasts in eigner Sache handelt, Lust auch noch seine letzten  Kröten, die man in diesen Zeiten noch übrig hat, in Designerklamotten zu investieren. Die Amis verstehen es zu feiern, vor allem sich selbt. So wird bei Macys selbst der Kauf einer reduzierten Feinstrumpfhose zum Happening: “Thank you for shopping at Macys, have fun with your stockings. A nice day and bye bye”
$ 2.99 und der Kunde ist König. Fantastisch!