Wenn ein Unternehmen sein Produkt fotografisch in Szene setzen lässt und die Bilder anschließend öffentlich verbreitet, bezeichnet man das allgemein als Werbung. Diese drängt sich einem meist völlig ungewollt, dafür aber garantiert kostenlos auf; mal als fies gelayouteter, dünnblättriger Prospekt im Briefkasten, mal als Pop-up Banner beim Surfen durchs Internet oder eben als Werbeanzeige in diversen Printpublikationen.
Modedesignerin Vivienne Westwood hingegen setzt noch auf ein anderes Konzept um auf die Kleider ihres Hauses aufmerksam zu machen. Die Grand-Dame der britischen Modeszene schlüpft in ihre eigenen Klamotten, stülpt diese gleichsam auch ihrem Lebensgefährten Andreas Kronthaler, Model Tati Cotilar und Maleeeboo-Ikone Pamela Anderson über und lässt sich als Trash-Quartett vor Graffiti-Kulisse ablichten; von Jürgen Teller! Somit wird Werbung in den Stand der Kunst erhoben und verdient es, fein gebunden und nicht etwa billig geheftet, an den Endverbraucher gebracht zu werden. Als Erfüllungsgehilfe dient in diesem Falle Steidl, der Kunstbuchverlag aus Göttingen, bei dem auch Lagerfeld all seine Foto-Bücher herausbringt. Wer also die Spring/Summer Kollektion aus dem Jahr 2010 von la Viv’ rückblickend begutachten will, dem bietet der Band mit dem Titel “Get-a-Life” ab sofort die Möglichkeit dazu.
Spannend: das Buch beinhaltet bislang unveröffentlichte Bilder und diese sind gemäß Tellers Einstellung zur digitalen Bildbearbeitung : “Wer will schon eine Puppe ficken?”, nicht retuschiert. Absolut sehenswert.
Juergen Teller: Get A Life. Steidl, Göttingen 2011. Englisch, 32 S., 34 farbige Abb., Softcover, 14 €.
ISBN: 3-86930-117-4
Im aktuellen Video “Cruelty doesn´t fly!” der Tierschutzorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) führt Maleeebooo Strandnixe Pam Anderson als Sicherheitsbeamtin am Flughafen einen Securitycheck durch, bei dem sie Reisende auf das Tragen von echtem Pelz und Leder überprüft.
Wer mit mit den Fellen und Tierhäuten am Körper erwischt wird, dem zieht Pamela, mit knappen Schlüpfer und Domina Stiefen bekleidet, flugs die Klamotte vom Leib und zwar unter Androhung körperlicher Bestrafung mit dem Gummiknüppel. Als positives Vorbild, watschelt schließlich Nina Hagen durch den Metalldetektor und darf darufhin ungehindert, ja sogar noch mit einem belobigenden Bussi von Pamela, ihre Reise fortsetzten. Getreu dem alten PETA Motto “I would rather go naked than wearing fur” passiert schließlich ein händchenhaltendes Paar im Adams Kostüm die Sicherheitskontrolle und gibt dabei den Blick auf seine aalglatten Pobacken frei. Was den Franzosen maximal ein “Oh la la” entlockt hätte, ist den prüden Amis zu viel der nackten Tatsachen. Der Spot, der ursprünglich über die Bildschirme amerikanischer Flughäfen flimmern sollte, wurde aber vom CNN Airport Network von der Mattscheibe verbannt. Begründung: zu sexy!
Eine hecktische umherwirbelnde Blondine in Polizeiuniform, eine indisch angehauchte Nina Hagen, ein Stuntman mit tätowiertem Schwabbelbauch, ein Nerd mit seiner Pelz tragenden Mutter und vier blanke Arschbacken im Schnelldurchlauf; die Amerikaner haben eine wirklich eigensinnige Auffassung von unsittlicher Erotik!
Celebrities als Gastdesigner großer Modeunternehmen sind nicht der Rede wert. Wir alle wissen, dass das Engagement der Stars bei der Kollektionserstellung eher Makulatur ist.
Eine Ausnahme könnte die Zusammenarbeit zwischen Maleeeboo Strandnixe Pamela Anderson und Ex-Heatherette Designer Richie Rich sein. Pam, die zuletzt für Richies eigene Kollektion im Februar in New York über den Laufsteg stöckelte ist seit vielen Jahren mit Rich befreundet. Beide planen eine Art Öko Linie unter dem Namen Muse zu lancieren, bestehend aus lederfreien Schuhen und legerer, alltagstauglicher Kleidung. Vornehmlich T-Shirts aber auch unkomplizierte Röcke und Kapuzenjacken stehen auf dem Programm. Glaubwürdig ist dabei zumindest Pams Hintergrund als aktive Tierschützerin und Richie Richs bewiesene Fähigkeiten als Stylist. Zudem teilen beide die gleiche Vorstellung von Ästhetik, und die ist bei den beiden: schrill bunt und wild! Gerade die stets schläfrig und altbacken daherkommende Kategorie “Ecofriendly- Fashion” könnte ein Schuss Glamour und Sex-Appeal vertragen. Muse by Pamela Anderson und Richie Rich soll ab kommenden Sommer im Handel erhältlich sein.?