Gestorben: Loulou de la Falaise – Model, Muse & Designerin

Posted: November 7th, 2011 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , | No Comments »

Paris sagt Adieu! Loulou de la Falaise, Topmodel der späten Sixties und Seventies, Muse des Modemachers Yves Saint Laurent und Designerin, ist vergangenen Samstag an den Folgen einer schweren Krankheit im Alter von nur 63 Jahren in ihrem Landhaus in Boury-en-Vexin, circa 65 km von der französischen Hauptstadt entfernt, verstorben. Ihr Tod wurde durch die Pierre Bergé / Yves Saint Laurent Foundation bekannt gegeben, jedoch ohne Nennung der Todesursache. Gerüchten zufolge soll Loulou de la Falaise an Krebs erkrankt sein.

Es gibt nur wenige Frauen über deren exzeptionelle Schönheit und Ausstrahlung sich fast eine ganze Berufsbranche stets einig schien; über vier Jahrzehnte lang hielt Loulou de Falaise den Ruf einer Stilikone inne. Wer sie persönlich erlebte, glaubte sich in Gegenwart der idealtypischen Parisern: mondän, kultiviert, charmant und extrovertiert, feuerrote Lippen und schwarz kajalierte Augen. Dabei war Madame de la Falaise Engländerin! Lediglich ihr Akzent gab darüber Auskunft.

Geboren in Großbritannien unter dem Namen Louise Vava Lucia Henriette de la Falaise als Tochter des irischen Models Maxime Birley und des französischen Grafen Alain de la Falaise führte Loulou schon früh ein Tingel-Tangel Leben in den etwas besseren Kreisen. Schule war offenbar nicht ihr Ding. Der Legende nach flog Loulou als Jugendliche wegen “Aufmüpfigkeit” von insgesamt drei Privatschulen. Ihrer Kariere tat dies jedoch keinen Abbruch. Sowohl ihr Name als auch ihr Äußeres öffneten ihr Tür und Tor und so geschah es, dass sie, eines Tages auf Diana Vreeland traf. Die ehemalige Chefredakteurin der amerikanischen Vogue engagierte sie als Model und sicherte Loulou somit einen Platz in der Fashionszene. Daraufhin folgten eine Blitzehe mit dem britischen Aristokraten Desmond Fitzgerald sowie berufliche Zwischenstationen bei Modedesigner Roy Halston und dem in London ansässigen Modemagazin Queen.

Mit 19 Jahren lernte die drahtige Loulou de Falaise Modemacher Yves Saint Laurent in einer New Yorker Diskothek kennen. Beide wurden Freunde fürs Leben und sie, ab 1972, des Meisters Muse und Aushängeschild seines Unternehmens. Später betätigte sie sich als Designerin, gestaltete Hüte und Schmuck für Yves Saint Laurent, bevor sie sich 2003, mit ihrer eigenen Mode-und Accessoire Linie selbständig machte.

Loulou de la Falaise hinterlässt Mann und Tochter und die Erkenntnis, dass Stil nach einem überraschenden Element verlangt: “To have style, you have to strike a note of surprise: bring together unlikely elements, such as a country sweater with a diamond necklace or a tennis-striped pantsuit with a delicate pale-pink brooch.” Machen wir!

Anekdoten zum Leben der Loulou de Falaise enthält das Buch:

The Beautiful Fall: Lagerfeld, Saint Laurent and excess in 1970s Paris.



LANVIN verlost private Atelier-Führung per Online-Quiz!

Posted: Juli 28th, 2011 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , | No Comments »

Büro von Jeanne Lanvin, Paris

Was auf den ersten Blick ausschaut wie das Sprechzimmer einer Arztpraxis Mitte der 80er Jahre, ist in Wirklichkeit das Büro, der schon 1946 verstorbenen Modeschöpferin Jeanne Lanvin.

Umgeben von Möbeln des Architekten Eugène Printz, klebte die Modeschöpferin in diesem Raum über viele Jahre hinweg sorgsam Modezeichnungen, Bilder und Stoffproben in ihre ledergebundenen Skizzenbücher ein. Wer sich einen persönlichen Eindruck von der Arbeitsatmosphäre im Lanvin Firmenstammsitz an der Pariser Rue Faubourg Saint Honoré verschaffen möchte, dem bietet das Modehaus über ein Online-Quiz, aktuell die Möglichkeit dazu. Das Ganze erfordert minimales Hintergrundwissen zur Firmengeschichte Lanvins und die korrekte Beantwortung von vier Fragen auf der Lanvin-Website. Unter alle erfolgreichen Teilnehmern wird Lanvin einen Gewinner auslosen. Dieser darf dann samt einer Begleitperson zwischen dem 17. und 18. September anlässlich der “European Heritage Days” ein bisschen Modegeschichte schnuppern. Wer in diesem Falle nicht zu den Glücklichen gehört, aber dennoch ein Blick in Lanvins Studio werfen möchte, kann hierzu an besagtem September -Wochenende die öffentlichen Führungen nutzen. Pro Hausbesichtigung sind bis zu 8 Personen zugelassen.

Es gilt früh zu kommen und sich in die Warteschlange einreihen.

Führungen finden sowohl am Samstag als auch Sonntag, jeweils um 10.00, 11.00, 12.00, 14.00, 15.00 und 16:00 Uhr statt!

Die European Heritage Days werden seit 1991 jeweils einmal im Jahr im Monat September in zahlreichen europäischen Ländern veranstaltet. Historische Gebäude, die für gewöhnlich nicht öffentlich zugänglich sind, öffnen während dieser Zeit ihre Türen für das Publikum. Ziel und Zweck dieser Veranstaltung ist die Vermittlung von Kunst und Kultur sowie der kulturelle Austausch zwischen Land und Bürger.

 


Der Fall Mugler: lauwarme Videos auf XTUBE statt heißer Klamotten auf dem Catwalk !

Posted: Juni 28th, 2011 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , | No Comments »

Christian Courtin Clarins wird dieser Tage wohl ein wenig mehr von seiner eigenen Anti-Aging Pflege auftragen müssen, um seine Sorgenfalten angesichts der Vorgänge im Hause Mugler, deren Eigner er ist, in Schach zu halten.

Nach einem schwachen Fashion-Debüt Nicola Formichettis im Januar 2011 enttäuschte der zum Kreativdirektor der Marke Thierry Mugler berufene Stylist vor wenigen Tagen bei den Pariser Schauen abermals unsere in ihn gesetzten Hoffnungen. Eigentlich sollte Formichetti, besser bekannt als die persönliche Kammerzofe Lady Gagas und ehemaliger Art Director des britischen Modemagazins Dazed & Confused , das in den Dämmerschlaf gefallenen Label Thierry Mugler entstauben, doch statt heißer Klamotten bei den Männerschauen in Paris präsentiert Formichetti lauwarme, homoerotische Videos im Internet.

Das altbewährte Motto “Sex sells” wird hierbei leider auf die platteste Art und Weise inflationiert und kann über die Belanglosigkeit der darin ohnehin nur vage zu sehenden Klamotten nicht hinwegtäuschen. Der Versuch, mit der sensationsheischenden Botschaft “too hot für youtube but just right for x-tube, einer Porno-Webseite, im Vorfeld der Kollektionspräsentation bei den Männerschauen in Paris einen Medienhype zu generieren ist allzu offensichtlich. Provokation als Selbstzweck, ohne tieferen Sinn, wirkt niemals glaubhaft dafür fast immer peinlich.

Zumal der Inhalt des Kurzstreifens mit dem Titel “Brothers of Arcadia, mit großen Getöse in der Blogosphäre angekündigt, zumindest für europäische Gemüter nicht halb so skandalös ist, wie uns Formichetti Glauben machen mag. Dass darin tatsächlich einer der Darsteller an seinem Penis rubbelt mag so manch unaufgeklärten Zeitgenossen anturnen, betrachtet man das Video jedoch unter modischen Gesichtspunkten, kann es dafür leider nur null Punkte geben.

Die unzensierte Variante gibt es hier:
Mugler “Brothers of Arcadia”

Natürlich sind die sich in dem Clip räkelnden Jungs ansehnlich, doch eine halbherzige, auf stylish getrimmte Wichsvorlage in bewegten Bildern ist eben noch lange kein adäquater Ersatz für das kreative Erbe Herrn Muglers, dem Modegenie, das sich 2003 aus dem Business zurück zog und seitdem nur noch um die Duftsparte kümmert. Thierry Mugler, das war von der Gründung im Jahr 1974 bis zum Abgang des allzeit durchtrainierten Modemachers, ganz großes Kino.

Wespentaillen, waffenscheinpflichtige Silhouetten, Powerschultern und die kräftigsten Farben die das Pantone Farbsystem zu bieten hat, bildeten zusammengenommen eine unverwechselbare Handschrift, die sich an starke, selbstbewusste Frauen richtete. Muglers Frauenideal bewegte sich irgendwo zwischen Domina, Business-Vamp und Insekt, was von den Protagonisten der Modepresse am häufigsten unter dem Begriff Amazone zusammenfasst wurde. Als Role-Model verkörperte das texanische Supermodel Jerry Hall jahrelang die Muglerienne par excellence.

Gekonnt paarte der Designer seinen Sinn für theatralische Inszenierungen mit handwerklichem Können und formte daraus einen Look. Glamour in seiner reinsten Form. Nach seinem Abschied aus dem Tagesgeschäft wurde die Modelinie zunächst eingestellt. Doch bereits zwei Jahre später probierte man mit Designer Thomas Engelhart zumindest die Männerlinie wieder zu etablieren. Die wurde von den Einkäufern jedoch nur schlecht angenommen, und so kam 2008 Rosemary Rodriguez an Bord um Engelharts Job zu übernehmen und parallel dazu die Womenswear wieder aufleben zu lassen. Eine begabte Designerin mit besten Referenzen, die Anfang der 90er unter Thierry Mugler fünf Jahre lang die Studioleitung der Damen Pret-a-Porter inne hielt und somit die Firmenphilosophie in- und auswendig kannte. Als Kreativdirektorin des Hauses schien sie dennoch die falsche Besetzung zu sein.

Auf Rodriguez folgte schließlich im September 2010, der heute 34-jährige Nicola Formichetti und mit ihm, Romain Kremer als Headdesigner für die Herrenlinie sowie Sébastian Peigné als Verantwortlicher für die Damenlinie der Marke Mugler. Als des Unternehmens Mastermind darf Formichetti in den Gestaltungsprozess seiner beiden Untergebenen eingreifen und trägt die Verantwortung für das was letztlich realisiert und dem Publikum vorgestellt wird.

Während sich Monsieur Mugler selbst letztes Jahr in einem seltenen Interview mit dem Wall Street Journal öffentlich über den schleichenden Niedergang seiner geschaffenen Mode-Galaxie echauffierte, warten viele seiner Fans noch heute auf ein Comeback des Firmengründers, der sich nur noch projektweise mit Kleidung auseinandersetzt und zuletzt mit seinen Bühnenkostümen für Beyonces “I am Sasha Fierce-Tour” und einem grotesk übermuskulösen Body von sich reden machte.

Die Ankündig Formichettis als Kreativdirektor schien Anhängern der Marke ein vielversprechender Lichtblick. Verfügt Formichetti als Stylist über ein durchaus außergewöhnliches Gespür für medienwirksame Looks. Doch mit seiner Debut-Kollektion folgte auf die Euphorie schnell Ernüchterung: ein Flop!

Designer Nicola Formichetti

Aus Respekt gegenüber der Marke und wohl wissend, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis sich ein Designer in die DNA eines Modehauses eingefühlt hat und jeder Mensch eine zweite Chance verdient, hielten sich Top-Kritiker wie Tim Blanks, Suzy Menkes und Cathy Horyn zunächst diplomatisch bedeckt. Bei Formichettis zweiter Männer-Schau, die er vergangene Woche in Paris präsentierte, zog Blanks es vor, sich gar nicht erst dazu zu äußern und überließ die Rezension des Gezeigten einem jüngeren Kollegen. Vermutlich hätte sich Blanks zu sehr verbiegen müssen, um nette Worte für all den Homotrash zu finden.

Fakt ist, Formichetti ist kein Designer, sondern Stylist. Sein großes Talent liegt in der Zusammenstellung von Kleidungsstücken, die sich andere ausgedacht haben. Es wäre an der Zeit zur Lösung des Design-Desasters über eine intern zu regelnde Umverteilung der Kompetenzen im Hause Mugler nachzudenken. Sobald Christian Courtin Clarins diese durchgeführt hat, wird auch er wieder vom hochkonzentrierten Anti-Falten-Serum auf eine normale Feuchtigkeitspflege umsteigen können.

 

 


Claude Montana ist zurück- zunächst nur in Buchform!

Posted: März 18th, 2011 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS, FASHION SHOPPING | Tags: , , , , , , , , | No Comments »

Das Buchcover

Fast wäre es uns entgangen, doch dank der Kunstbuchhandlung Walther König sind wir doch noch auf den schon im November 2010 erschienenen Bildband über das Leben und Werk von Modedesigner Claude Montana aufmerksam geworden.

Claude Montana, das ist das in Vergessenheit geratene Modegenie. Mit finanzieller Unterstützung des Textilproduzenten “Juan Ferrer & Sentis” präsentiert Montana 1976 seine erste Kollektion unter eigenem Namen in einem Pariser Teehaus Namens Angelina. Eine Sternstunde. 19 Jahre nach der Entdeckung Yves Saint Laurents hatte Frankreich endlich wieder ein neues Wunderkind.

Drei Jahre nach seinem Fashion-Debut gründet Montana schließlich seine eigene Firma “Montana S.A.”. Seine messerscharfen Schnitte, die Streamline- Silhouette samt asymmetrischer Säume, die überdimensional großen Krägen, die bis zu den Ellenbogen reichenden Lederhandschuhe und natürlich die Herkules-Schultern, die, wie die veredelten und hautengen Biker-Lederjacken, zu seinem Markenzeichen wurden, prägen das modische Erscheinungsbild einer ganzen Dekade. Die Verarbeitung von Leder zu edlen, optisch ansprechenden Kleidungsstücken gilt als sein Spezialgebiet. Nur Montana war in der Lage, Frauen in Lederkluft von Kopf bis Fuß nicht nuttig aussehen zu lassen. In seinen Entwürfen verzichtete er auf Muster und setzte dafür auf brillante wie auch ungewöhnliche Farbnuancen. Mauscheltöne wie Senfgelb, staubiges Korallenrot oder frostiges Lavendel etwa.

Als Designer hat sich Montana 2002 ohne jemals seinen offiziellen Rückzug zu verkünden von der Modewelt abgewandt. Zwar existiert noch eine Website des Unternehmens, die jedoch nur Bildmaterial aus alten Tagen bietet. Unter der angegebenen Telefonnummer des Firmenstandortes hebt bei Anruf tatsächlich jemand den Hörer am anderen Ende der Leitung ab. Doch Fragen nach Montanas Verbleib bleiben unbeantwortet. Derlei Geheimniskrämerei heizt die Spekulation um seine heutige Existenz natürlich an. Öffentlich zeigte sich der  der scheue Modemacher bei einer Signierstunde für sein Buch im Pariser Teehaus Angelina, jenem Ort an dem er einst sein Fashiondebut gab.

Gerüchte von Drogenabhängigkeit und Verarmung drehen schon seit langer Zeit ihre Runden. Gelegentlich sieht man ihn noch als Gast auf diversen Modeveranstaltungen der alten Fashionelite von Paris, wie bspw. dem 100-jähigen Geburtstag der Couturienne Madame Carven vor anderthalb Jahren. Dabei trägt der Designer noch immer die Modelle seiner alten Kollektionen. Außer den Paparazzi-Bildern von solchen Veranstaltungen gibt es von ihm kein neues Bildmaterial. Sein letztes Pressefoto stammt aus den 90ern und wurde neben dem Einleitungstext seines Buches abgedruckt. Die Welt soll ihn in Erinnerung behalten als das, was er einmal wa: ein Moderevoluzzer.

Außerdem hält Jean-Jaques Layani, aktueller Inhaber der Firma Montana, ein Comeback der Marke noch für möglich, das allerdings schon seit 9 Jahren. Ob er dabei mit der Unterstützung des Firmengründers rechnen kann ist fraglich. Dieser erklärte in einem Interview mit WWD anlässlich seiner Buchveröffentlichung:

Ich habe kein übermäßiges Interesse am aktuellen Modegeschehen, einfach weil alles nur noch auf Basis geschäftlicher Notwendigkeiten entschieden wird. Um ehrlich zu sein, sträuben sich mir beim Wort Business die Haare. Natürlich wäre es wunderbar, zurückkehren, aber hierzu muss mir etwas in eine konkreten und akzeptablen Weise angeboten werden.

“Montana: Fashion Radical”, von Claude Montana und Marielle Cro, erschienen bei Thames & Hudson, 192 Seiten, Hardcover, € 39,99



Alles Gaga bei Mugler: Show ist alles – Kleidung wenig!

Posted: März 17th, 2011 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , | No Comments »

Mugler Menswear Fall 2011/12

“Modeschöpfer wie Christian Dior brauchten früher weder Handschuhe noch Pferdeschwanz. Ihnen genügte ihr Talent.”

Mit diesem Seitenhieb auf Karl Lagerfeld, dem ewigen Rivalen seines verstorbenen Lebenspartners, Yves Saint Laurent, kritisierte Pierre Bergé, anlässlich des Rauswurfs von John Galliano bei Dior, den Druck der Modedesigner sich heutzutage auch als Person fast schon exzessiv-originell vermarkten zu müssen um der eigenen Arbeit Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Mag angesichts des vielfach bewiesenen gestalterischen Talents Lagerfelds Bergés Kommentar der Geschmack eines persönlichen Ressentiments anhaften, so steckt darin, Lagerfeld mal außen vor gelassen, mehr als nur ein Funken Wahrheit.

Einen Beleg für das Prinzip “show over quality” liefern die kürzlich im Internet verbreiteten Bilder der Menswear-Kampagne für die Wintersaison 2011/12 der Marke Mugler. Doch nicht nur die Werbemotive mit der Totenkopffratze von “Model” Rick Genest, sondern auch all die anderen, seit Jahresbeginn vollzogenen Marketingmaßnahmen zur Wiederbelebung der Modesparte des einstigen Glamour-Labels bestätigen die Notwendigkeit visueller Schockeffekte um in der Bilderschwemme des Internets überhaupt noch wahrgenommen zu werden.

So sprach das fashion-pack im Anschluss an die im Januar vorgestellte Männerkollektion weniger von den gezeigten Metzgerschürzen als vielmehr von Tatoo-Schreck Genest, der die Klamotten über den Laufsteg führte und sich in einem ästhetisch ansprechendem Werbeclip von Mario Vivanco vor dessen Kamera räkelte. Das gleiche Phänomen -viel Aufmerksamkeit um das Drumherum, wenig Beachtung für das beworbene Produkt selbst- lässt sich nun seit einigen Tagen auch an der Damenline des Hauses beispielhaft nachvollziehen. Des Labels neuer Kreativdirektor, Nicola Formichetti, der seit 2009 auch als schwule Kammerzofe Lady Gagas fungiert, bastelte gemeinsam mit ihr am musikalischen Konzept für seine erste Modenschau. Ein Video, das den Superstar als Model über den Catwalk torkeln zeigt, wurde nun bedeutungsschwanger als “Official Directors Cut” veröffentlicht. Dieser PR- Aktionismus, der primär darauf zielte, Pressevertreter anzuheizen, funktionierte jedoch nur bedingt. So finden sich zwar die “Mugler-Gaga-Genest-Videos”, die zum Pre-Release freigegebenen Photo-Stills, und diverse Remix-Versionen der nervtötenden Mugler-Mucke created by Lady Gaga zwar tausendfach in den Tiefen des World Wide Web wieder, doch wer eine kompetente Kritik zur Kollektion lesen möchte, muss danach zunächst einmal etwas länger googlen.

Und nun eben Philipp Genest als Werbeträger für die vergeigte Herrenkollektion. Ob eine zutätowierte Birne modekundige Männer drüber hinwegtäuschen kann, dass dem Sakko aus dem sie herausragt, letztlich das Revers fehlt. Geschmackssache?! Die amerikanische GQ jedenfalls, nutzt den gegenwärtigen Hype um Genest und schmückt sich mit ihm in einer Modestrecke seines aktuellen, zweimal im Jahr erscheinenden Style-Specials. Wann das Ende der Fahnenstange in puncto glaubwürdiger Exzentrik erreicht ist und Kreative sich wieder ausschließlich auf ihr Talent verlassen können um zu glänzen, steht in den Sternen. Gewiss ist nur, die große Show als Tarnmantel für schwache Leistungen ist peinlich, als i-Tüpfelchen genialem Schöpfertums bietet sie hingegen Unterhaltung auf höchstem Niveau.


John Galliano’s Modenschau: leise Töne statt Fashion-Drama

Posted: März 8th, 2011 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , | 1 Comment »

John Galliano FW 2011/12

Das Faszinosum der Pariser Modewoche bot vergangen Samstag zweifellos die Schau von John Galliano. Den nun bis in alle Ewigkeiten in Erinnerung bleibenden hässlichen Worten des Designers steht eine der besten Kollektion seit dem Laufstegdebüt seiner namenseigenen Linie gegenüber. Diese befindet sich ebenso im Besitz des LVMH-Konzerns wie das Haus Dior, das Galliano vergangener Woche wegen antisemitischer Äußerungen als Chefdesigner von Diors Womenswear-Sparte kurzerhand Adieu sagte.

Vielleicht hätte der eine oder andere Pressevertreter sich ein narzisstisches Modespektakel in typischer Galliano-Manier gewünscht, um im Anschluss in narzisstisch feuilletonistischer Manier über des Designers Weltentfremdung orakeln zu können. Doch diese Angriffsfläche bot Galliano den versammelten Gästen seiner Show in der Avenue Foch nicht. Stattdessen versprühten die 20 gezeigten Modelle in ausgewogener Balance zwischen hohem Modegrad und Tragbarkeit “haute elégance” im Stil der 30er Jahre. Dass die vorgestellten Stücke von Gallianos Label dieses Mal genauso gut unter dem Etikett Dior hätten laufen können, beweist wie sehr Monsieur Galliano die DNA seines ehemaligen Arbeitgebers aufgesogen hat.

Der Galliano Vibe für den noch weit in der Ferne liegenden Winter 2011/12 kam dieses mal nicht wie sonst üblich mit sensationellem Getöse daher, sondern leise und aufgeräumt, was vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse beinahe demütig anmutetet, eine nonverbale Entschuldigung im schicken Gewand. Dabei konnte der Designer zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Kollektion unmöglich wissen, dass Drogen und Alkohol eines Abends seine Zunge diabolisch tanzen lassen würden.

HYPE fashion-director Oliver Rauh weilt aktuell in Paris und hat die Show von Galliano gesehen. Grund genug hier einmal nachzufassen:

Oliver, glaubt man der Berichterstattung einer großen deutschen Tageszeitung, blieben Pominente und auch die Top-Player der Modebranche Gallianos Modenschau fern…

Es war eine Show im Stile der alten Modezeiten, eine intime Präsentation.

Da diese in der in der ersten Etage eines Stadtpalais in der Avenue Foch stattfand, ließen sich nicht alle Gäste erblicken. Bei der ersten Show saß neben mir schon mal Vertreter der amerikanischen Vogue und auch Patti Wilson war mit von der Partie.

War der Saal voll besetzt?

Galliano zeigte an diesem Tag seine Kollektion mehrfach. Die Plätze der Show, der ich beiwohnte, waren jedenfalls voll besetzt.

Wie war die Stimmung im Publikum?

Klingt banal ist aber so: super!

Wie war der Applaus?

Gut! Die Kollektion war absolut überzeugend, ich würde sogar sagen, traumhaft. Aber der sonst übliche tosende Beifall blieb aus, weil John nach der Show nicht zu sehen war.


Unfassbar: John Galliano “I love Hitler”-Video aufgetaucht.

Posted: Februar 28th, 2011 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , , , , | No Comments »

Unglaublich aber wahr: Die britische Boulevard Zeitung “The Sun” hat auf ihrer Internetseite heute ein Video veröffentlicht, in dem Designer John Galliano im Pariser Café “La Perle” andere Gäste mit rassistischen Äußerungen beleidigt und die Frage einer Frau “Are you blond?” mit “No, but I love Hitler!” beantwortet. Der Clip kann aktuell nur auf der Website von The Sun abgerufen werden.

Bislang wurde darüber spekuliert, ob es sich bei der in dem Video zu sehenden Person überhaupt um John Galliano handelt, doch laut der Online Zeitung “Huffington Post” hätten Medien wie Le Monde, La Parisien und auch RTL den sichtlich berauschten Mann zweifellos als John Galliano identifiziert. Noch ist unklar, ob das Video die Situation von vergangenem Donnerstag zeigt, welche am darauffolgenden Freitag zu Gallianos Suspendierung im Hause Dior geführt hatte. Der Designer soll ein Paar, Geraldine Bloch und ihren Freund Philippe Virgitti, mit antisemitischen Parolen beschimpft haben. In dem von der Sun entdeckten Video, welches mit einer Handykamera gefilmt wurde, äußert sich der Modemacher darüber hinaus noch mit folgenden Worten: “People like you would be dead. Your mothers, your forefathers, would all be fucking gassed.” Galliano setzt sich gegen die Anschuldigungen von letztem Donnerstag juristisch zu wehr und klagt auf “Diffamierung”.

Das heute an die Öffentlichkeit gelangte Video lässt ihn nun allerdings unglaubwürdig wirken. Ob Dior nach diesem Vorfall noch an Galliano als kreativem Kopf des Unternehmens festhalten wird?


Dior suspendiert John Galliano!

Posted: Februar 26th, 2011 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , , , | No Comments »

Wie der Branchendienst WWD am gestrigen Freitag berichtete wurde Modegenie John Galliano  aufgrund angeblicher antisemitischer und rassistischer Äußerungen gegenüber einem Paar von seinem Arbeitgeber Dior suspendiert.

Der Vorfall habe sich am Donnerstag Abend, gegen 21 Uhr,  im Szenecafé  La Perle im Pariser Marais-Viertel ereignet. Galliano sei zu diesem Zeitpunkt schon beit weitem nicht mehr nüchtern gewesen.  Die Situation wurde durch die anrückende Polizei aufgelöst, der Designer  zur Befragung mit auf die Wache genommen. Diors Geschäftsführer Sidney Toledano reagierte unverzüglich und gab  eine knappe Stellungnahme zu dem Malheur ab: «Das Modehaus Dior bestätigt in aller Entschlossenheit seine Null-Toleranz-Politik gegenüber jeglichen rassistischen oder anti-semitischen Äußerungen; bis zum Vorliegen der Untersuchungsergebnisse hat Christian Dior John Galliano von all seinen Aufgaben entbunden.»

Gallianos Anwalt Stephane Zerbib  bestreitete derweil die Anschuldigungen gegen seinen Mandanten. Das Debakel kommt für Dior zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt. So steht steht dem Modehaus für den 4. März die Präsentation seiner  Fall/Winter 2011 Kollektion  im Rahmen der Pariser Modewoche kurz  bevor. Gallianos eigene Schau ist für den 6.März angesetzt.  Ob der 50-jährige Exzentriker, der die  kreative Leitung von Dior seit 1996 innehält, an diesen Tagen seinen gewohnten Gang über den Catwalk im Anschluß an die Schauen vornehmen wird,  ist derzeit noch völlig ungewiss.

Der  französichen Radiosender “Europe 1″ zitierte das geschmähte Paar, demnach Galliano dieses mit folgenden Worten auf English attackiert haben soll: “Dirty Jewish face, you should be dead” und “Fucking Asian bastard, I will kill you.”

Laut Augenzeugen mit guten Kontakten zur Redaktion der deutschen Lifestyle-Zeitschrift SLEEK soll der verbalen Entgleisung Gallianos jedoch ein Streit zwischen dem Designer und dem Paar vorausgegangen sein,  bei dem die Zwei den Stardesigner fälschlicherweise  für einen Penner hielten, als dieser versuchte ein Gespräch mit ihnen anzuetteln. Wie SLEEK auf seiner Website berichtet, sollen der Mann und die Frau Galliano daraufhin  als schmutzig und ekelerregend  bezeichnet haben und ihm desweiteren zugerufen haben sich zu verziehen. Gallliano habe die Anfeindungen zunächst ignoriert, sei dann aber doch zum verbalen Gegenangriff übergegangen:  You’re ugly and you’re fucking bag is ugly too. (Erstaunlich, nichteinmal im besoffenen Zustand kann Galliano über häßliche Damenhandtaschen hinwegsehen. Mon Dieu! )

Dies habe den  Lebensgefährten der Frau aufgebracht auf Galliano in bedrohlicher Manier zuzugehen. Gallianos Bodyguard sowie Angestellte des Cafés hätten versucht die Situation zu schlichten. Dabei seien die bösen Worte Gallianos gefallen.


Alt ist die Neue bei Vogue Paris. Doch was wissen wir eigentlich über sie?

Posted: Februar 23rd, 2011 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , , , , , | No Comments »

Emmanuelle Alt

Sie ist die zehnte Chefredakteurin seit Bestehen der französischen Vogue und folgte in dieser Position auf Carine Roitfeld, der nach Anna Wintour zweifellos bekanntesten Redakteuse der Welt. Die Rede ist von Emmanuelle Alt. Seit Anfang Februar besetzt diese, als Editor-in-Chief von Vogue Paris, einen der international begehrtesten Stühle innerhalb der Mode-, Medien- und Verlagsbranche. Doch im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin ist über Alt nur wenig bekannt. Dabei war die geschätzt 43-jährige am viel gelobten “progressiven” Image der französischen Vogue unter Roitfelds Regentschaft maßgeblich beteiligt und inszenierte mit nahezu allen namhaften Fotografen so manch einprägsame Fotostrecke. Während den Schauen saß Alt stets neben ihrer ehemaligen Chefin in der ersten Reihe, spielte für die Vertreter der Klatschpresse bislang dennoch nur die zweite Geige. Denn interviewt und um eine Einschätzung der Klamotten gebeten wurde immer nur “smoky-eyed” Roitfeld.

Den Wissensdurst nach Informationen über Frau Alt stillte vor kurzem das amerikanische Magazin “The Daily Front Row”, welches kostenlos zur New York Fashion Week ausliegt. Auf 3 Seiten trugen die Blattmacher zusammen, was sie an Fakten über Vogues neues Aushängeschild finden konnten.

Fulltime-Blog-Lesern und Personen aus Alts näherem Umfeld offenbart sich damit zwar nichts überraschend Neues, allen anderen bietet der Beitrag jedoch einen informativen Überblick über Alts Biographie und ihre Persona. Erstere entpuppt sich als privilegiert, gleichsam bodenständig: Als Tochter einer modelnden Mutter und eines der Öffentlichkeit bislang unbekannten Vaters, besuchte die kleine Emmanuelle eine katholischen Privatschule namens Lübeck. 1882 gegründet und im 16. Pariser Arrondissement gelegen scheint der hier gefahrene pädagogische Kurs erfolgsversprechend: Auch Frankreichs Kurzzeit-First-Lady Célia Sarkozy, Dior Schmuckdesignerin Victoire de Castellane und Azzaro’s Chefdesignern Vanessa Seward wurden hier auf die Anforderungen eines Lebens im ständigen Wettbewerb gedrillt.

Ex-Vogue Chefin Carine Roitfeld in New York, photo: Christopher Macsurak via FLICKR

Was die Platzierung griffiger Sprüche anbelangt liegt Alt um eine gute Nasenlänge hinter ihrer Vorgängerin, aber mit zunehmendem Erfolg entwickelt sich bekanntlich auch das Selbstbewusstsein und so darf man gespannt sein mit welchen Bonmots sich Alt gegenüber den Medien noch profilieren wird.

Dem Klischee der glamourösen Französin mit Hang zu Extravaganzen scheint Alt allerdings nicht zu entsprechen. Wie Millionen andere Menschen auch liebt sie die Farbe Schwarz, die Musik von Michael Jackson, den Film Saturday Night Fever sowie Tee und frisch gepressten Orangensaft zum Frühstück. Sie trägt keine Röcke und auch nicht gerne Handtaschen und wenn doch, dann bevorzugt von Chanel. Ihr persönlicher Look lässt sich plakativ mit “Rock Chic” zusammenfassen. Skinny-Jeans, dazu Stilettos und kurze Jacken mit breiten Schultern, wehendes Haar. Gelegentlich lässt sie sich ihre Nägel bei Revlon in der Rue de Bassano in Form feilen, c’est tout!

In einem Interview mit der britischen Zeitung “The Daily Telegraph” erzählte Alt, dass ihrer Meinung nach TopShop über die besten Jeans verfüge. Das erste was sie mache, sobald sie in London weile, sei eine Filiale des Bekleidungsriesen aufzusuchen. Ihre Vorgängerin Carine Roitfeld konnte diese Leidenschaft offenbar nicht teilen und ließ die Leser der Zeitschrift Acne Paper im Jahre 2009 wissen:

“I only wear jeans and flat shoes on holiday, never for work. Jeans are for my assistants.”

Gespannt wartet das Modevolk nun auf die April-Ausgabe, in deren Impressum Emmanuelle Alt erstmals als Chefredakteurin aufgeführt sein wird. Laut Alt könne man auch ohne zu schockieren durchaus starke Bilder erzeugen und so fiebern Vogue-Fans Alts erstem Cover entgegen, von dem man jetzt schon weiß, dass darauf Gisele Bündchen in einem Kleid von Dolce & Gabbana lächeln wird.

aktuell vergriffen - das Buch von Wynn Dan

Tatkräftige Unterstützung bei ihrer Arbeit erhält Alt übrigens von ihrer Assistentin Géraldine Saglio, die wie ein Klon ihrer Vorgesetzten ausschaut. Ein Grafiker namens Wynn Dan hat mit “Alt/Saglio Quotes+Citations” den Beiden gar ein Buch gewidmet, welches Streetstyle-Fotos von Alt und Saglio auf dem Weg zu diversen Schauen zeigt. Erschienen in einer Miniauflage von gerade mal 200 Exemplaren, die zum Teil über Colette in Paris verkauft wurden. Mittlerweile sind die Exemplare restlos vergriffen, doch ein Nachdruck sei aufgrund der gestiegenen Nachfrage schon in Arbeit.

Ob Alt künftig noch Zeit finden wird ihre Stylingkünste für Modehäuser wie Balmain und Isabel Marant einzusetzen? Wohl kaum! Ihr Styling-Portfolio ist aktuell nicht mehr auf der Seite ihrer Pariser Agentur Art Partner zu finden. Alt wird sich demnach wie von Condé Nast Frankreich-Boss Xavier Romatet auf einer Pressekonferenz im Januar angekündigt von jetzt an ausschließlich ihrer neuen Funktion als Chefredakteurin von Vogue Paris widmen. Bon courage!


REVIVAL: Manish Arora neuer Creative-Director von Paco Rabanne!

Posted: Februar 7th, 2011 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , | No Comments »
photo: by courtesy of Manish Arora

photo: by courtesy of Manish Arora

Auf die umjubelte Frischenzellenkur  für das Glamour-Label Thierry  Mugler durch Nicola Formichetti folgt nun die Revitalisierung des Modehauses Paco Rabanne durch Modemacher Manish Arora.

Dieser wurde jetzt vom Kosmetikhersteller PUIG, dem Eigner der Marke Paco Rabanne, beauftragt als neuer Creative-Director selbiger zu neuem Glanz zu verhelfen. Diese Absicht beinhaltet u.a. die Wiedereinführung der im Jahre 2006 eingestellten Damenkollektion zur Paris Week im Oktober 2011. Der Vertrag sei zunächst auf 3 Jahre befristet. Angeblich soll Paco Rabanne höchstpersönlich die Berufung Manish Aroras zum kreativen Kopf der einst von ihm 1967 gegründeten Firma gegenüber PUIG befürwortet haben.

Der in Neu-Dehli ansässige Arora ist seit 1997 selbst mit einer namenseigenen Line am Markt vertreten, welche er in Europa erstmals 2005 bei der London Fashion Week präsentierte. Zwei Jahre später, gab er schließlich auch auf der Modewoche in Paris sein Debut. Wie auch Monsieur Rabanne ist Manish Arora ein unkonventionell Denkender, ein Nonkonfomist. Ausgehend von seinen kunstvollen Entwürfen dürfte es ihm nicht allzu schwer fallen sich mit dem kreativen Erbe und der Designphilosphie seines Auftraggebers,  zu identifizieren. Ob er allerdings genauso intensiv mit Lötkolben und Kneifzange hantieren und Schnittmusterteile statt mit  Faden eher mit Metallschlaufen zusammenhalten wird, wie ursprünglich auch Monsieur Rabanne, bleibt abzuwarten.


TV-TIPP: BILL KAULITZ & WOLFGANG JOOP gemeinsame Streifzüge durch Paris

Posted: Dezember 8th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION MEDIA, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , , , , | No Comments »

Noch im September flanierten Modedesigner Wolfgang Joop und Tokio-Hotel Frontman Bill Kaulitz durch Paris. Gemäß dem Klischee von der Stadt der Liebe dichtete die Yellow Press  Botschaften von zarten Berührungen und verliebten Blicken. Joop, schon immer ein PR-Genie in eigener Sache, lieferte so den Trüffelschweinen der Klatschpresse sogleich auch noch ein wenig Futter hinterher. “Ich bin hin und weg von dem Jungen” zitierte besipielsweise die BILD Zeitung das kreative Multitalent. Begleitet wurden Joop und Kaulitz  bei ihren Streifzügen durch die französische Hauptstadt von einem Kamerateam des Fernsehsenders Arte, das die  Beiden für die Sendereihe : „Durch die Nacht mit…“ filmte.

Das Ergebnis dieser ultra-glamourösen Begegnung war gestern Abend um 00.00 Uhr auf ARTE zu sehen. Wer die Ausstrahlung vepasst hat, der darf sich auf die Wiederholungen  freuen. Diese werden gezeigt am:

Donnerstag, 09.12.10 / 05:00 Uhr
Samstag, 11.12.10 / 03:50 Uhr

Unbedingt anschauen!


Schöner Schenken: Fotografien von JEANLOUP SIEFF in der Galerie Bernheimer

Posted: November 29th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION EXHIBITIONS, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , , , , | No Comments »

Jeanloup Sieff - Four Decades

Morgen wäre er 77 Jahre alt geworden, Jeanloup Sieff. Geboren am 30. November 1933 in Paris als Sohn polnischer Immigranten, zählt  Sieff zweifellos zu den Meistern der Modefotografie des 20. Jahrhunderts. Ab den späten 1950er Jahren zierten seine Arbeiten namhafte Magazine wie ELLE, Jardin des Modes, Look, Glamour, Esquire, Harpers Bazaar und ab 1966 auch Vogue. Vermutlich kennt jeder mindestens eine Fotografie aus der Hand Monsieur Sieffs, auch wenn der Betrachter womöglich gar nicht weiß, dass die Aufnahme von ihm stammt.

So war es z.B. Sieff, der eines der skandalträchtigsten gleichsam mutigsten Werbefotos der 70er Jahre schoss. Das Bild des splitternackten Modeschöpfers Yves Saint Laurent zwecks Bewerbung seines neu eingeführten Herrenduftes “YSL Homme” ging um die Welt und erzielte bei einer Versteigerung des Auktionshauses Christie’s im Juni dieses Jahres einen Kaufpreis von 39.400 Euro

Jeanloup Sieff war jedoch nicht ausschließlich Inszeneur eleganter Stilwelten sondern auch politisch Dokumentierender, wie seine Tätigkeit als Fotojournalist für die renommierte Bildagentur Magnum beweist.

Die Münchner Galerie “Bernheimer” zeigt nun in einer Ausstellung unter dem Titel “JEANLOUP SIEFF – FOUR DECADES” rund vierzig Photographien des im Jahr 2000 verstorbenen Lichtbildkünstlers. Die hier präsentierten Werke umfassen eine Auswahl an Sieffs Mode- Portrait und Aktphotographien von den 60er bis hin zu den späten 90er Jahren. Darunter auch ein Portrait von Karl Lagerfeld. Die Bilder können selbstverständlich käuflich erworben werden. Das ideale Weihnachtgeschenk für alle denen der neueste Duft von Anna dello Russo zu “mass market” ist. Das nötige Kleingeld ist hierbei ebenso geboten wie  Eile  denn laut Bernheimerscher Website stehe von manchen Abzügen der ausgewählten Motive nur noch ein Exemplar zum Verkauf.

“JEANLOUP SIEFF – FOUR DECADES” noch bis zum 29. Januar 2011 zu sehen in der

Galerie Bernheimer, Brienner Straße 7, 80333 München

siehe auch Artikel: Die nackte Ikone: Christie’s versteigert Yves Saint Laurent’s Aktfoto


BUCHFUND: KINDER ENTDECKEN MODE mit KARL LAGERFELD

Posted: November 4th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , | No Comments »

Karl Lagerfeld und Kinder, das will nicht so recht zusammenpassen. Umso erstaunter war ich, als ich in der Hamburger Kunst-Buchhandlung Sauter+Lackmann, nebenstehendes Taschenbuch entdeckte.

Découvre la Mode de Karl Lagerfeld” von Nadine Coleno dokumentiert auf gerade mal 32 Seiten eine Aktion des Kaisers im Jahre 2003. Darin zeigt der Meister einer Gruppe Steppkes wie eine Modekollektion zustande kommt. Die Kleinen durften Monsieur Lagerfeld bei der Fertigstellung der “Lagerfeld Gallery Kollektion” für die Saison Frühjahr/Sommer 2004 über die Schulter schauen und teilweise auch selbst Hand anlegen.

Ob eines der 5 Kids heute bereits Modedesign studiert? Neben interessanten Einblicken in Lagerfelds Pariser Atelier bietet das Buch noch ein pikantes Detail: so ist  Arnauld Maillard, Lagerfeld´s ehemalige rechte Hand und Studioleiter, von dem Lagerfeld seit dessen Veröffentlichung eines Enthüllungsbuches nichts mehr wissen möchte, auf einigen der Fotos zu sehen.

“Découvre de la Mode de Karl Lagerfeld” von Nadine Coleno, Editions du Regard


Magnifique: Ladurée feat. John Galliano

Posted: Oktober 21st, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , | No Comments »

photo: Ladurée

Nicht nur H&M kooperiert regelmäßig mit namhaften Modehäusern. Auch der Pariser Edelkonditor Ladurée bringt seit 2003 in unregelmäßigen Abständen eine Design-Edition seiner berühmten Macarons heraus.

Nach Anna Sui, Tricia Guild, Marni, Louboutin, Lacroix und Sonia Rykiel kommt jetzt mit John Galliano Schwung in das kultige Schaumgebäck. Zumindest in optischer Hinsicht. Die Macarons präsentieren sich in einer schicken Schmuckbox, welche an Gallianos neueste Duftkreation “Parlez-Moi d’amour” erinnert. Das Motiv bildet eine Art Liebesbrief, unterzeichnet von Monsieur d’Excentrique John Galliano.

Auch die Geschmacksrichtungen Rose und Ingwer gehen auf das Duftwässerchen zurück und versprechen Gaumenfreuden pur.

Die Edelkekse sind in 3 Größeneinheiten ab November in Ladurée Geschäften in Frankreich, England, Schweiz, Monaco, Irland, Italien und Japan erhältlich.


Fehlgriff: Was macht der YSL-Gürtel in der Chloé Kampagne?

Posted: Oktober 15th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , , | No Comments »

Ist der Gürtel wirklich von YSL?

Den Schmunzler des Tages liefert das Modehaus Chloé. Wie das Branchenblatt WWD in seiner Online-Ausgabe am Donnerstag berichtete, hat man in der aktuellen Werbeanzeige zu Chloés neuestem Duft “LOVE” etwas entdeckt, dass da eigentlich gar nicht hingehört. Die Rede ist von einem Accessoire der Konkurrenz, genauer gesagt einem schlichten, nahezu unauffälligen, schmalen Ledergürtel der Marke Yves Saint Laurent.

Wie konnte das passieren?  Wenn man bedenkt, dass bei einem beauftragten Kampagnenshooting die Kollektionsteile in aller Regel direkt vom Auftraggeber selbst, quasi ab Werk, geliefert werden, ist es kaum möglich, dass sich dabei ein Stück eines anderen Herstellers einschleichen  kann.  Nun sei die Anzeige aber vom Lizenznehmer, dem  Parfumhersteller Coty-Prestige, konzipiert worden; der womöglich einen Stylisten entsandte um die Klamotten für die Photosession zu organisieren. Doch hätte dieser nicht wissen müssen, dass er sich bei der Zusammenstellung nur bei einer Marke hätte bedienden dürfen, nämlich Chloé.  Während die Köpfe im Hause YSL sich über die Verwechslung und die  damit verbundene kostenlose PR freuen dürften, sollen  Vertreter des Pariser Unternehmens Chloé wie auch der Firma Coty Prestige angeblich verschnupft auf den Fehlgriff reagiert haben.

Warum eigentlich?  Gerade diese Anekdote beschert Chloé  jede Menge  Aufmerksamkeit, guckt doch nun jeder  mindestens zweimal auf besagtes Bild welches von Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin geschossen wurde .  Besser lässt sich Werbung kaum inszenieren! Was sogleich die Frage nach einem Nachweis aufwirft – könnte uns jemand mal mit einer Detail-Abbildung des YSL Gürtels versorgen?

Quellennachweis: WWD


Filmdokumentation “L’amour fou” Bewegendes Liebesgeständnis an Yves Saint Laurent

Posted: September 23rd, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION MEDIA, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , | No Comments »

Die ganz große, bedingungslose, ja gar bis über den Tod hinausreichende Liebe ist nur wenigen Menschen vergönnt. Doch Yves Saint Laurent und Pierre Bergé hatten das, wonach sich die meisten von ihnen und Homosexuelle im Besonderen ihr Leben lang sehnen: Eine Beziehung basierend auf gegenseitiger Bewunderung, Vertrauen, Loyalität und Respekt. Gekrönt von Intellekt, Feinsinnigkeit, und einem Multimillionen-Dollar-Vermögen.

Die Filmdokumentation “L’amour fou” beleuchtet die 5 Jahrzehnte andauernde Beziehungs-Historie eines leidenschaftlichen Ausnahmepaares. Zwischen Yves, dem exzessiven Kreativen und Pierre dem kämpferischen Geschäftsmann, die gemeinsam Modegeschichte schrieben. Eine Verbindung, die 1958 zündete und in einer eingetragenen Partnerschaft kurz vor dem Tod des Modemachers im Jahr 2008 gipfelte. Auch wenn in diesem Film fast ausschließlich Pierre Bergé (79) zu Wort kommt und der Streifen somit zwangsläufig in romantischen Verklärungen schwelgt, bietet er dennoch einen ergreifenden Blick auf eine in jeder Hinsicht außergewöhnliche Beziehung , die selbst in Zeiten des Leids und der Eifersucht stets geprägt blieb von elaborierten Stilwillen, Pathos, Ästhetik und Glamour. Die charmante Anekdote von einer Nacht im Jahre 1976, in der Yves Saint Laurent nach Hause kam, nur um nach einem schnellen Outfitwechsel wieder mit einer Schaar junger Männer, die draußen vor dem Apartment bereits auf ihn warteten, weiter durch die Bars ziehen, was Bergé dazu veranlasste für einen Monat in einer Suite im edlen Plaza Athénée zu logieren, verdeutlicht  den außergewöhnlichen Lebensstandard des einstigen Power-Couple.

Natürlich hatten beide gelegentlich Affären, doch im klugen Wissen das die kurzweiligen Freuden des Orgasmus und der Reiz des Neuen langfristig nicht über fehlende geistige Gemeinsamkeiten hinwegtäuschen können, hielten sie aneinander fest.

“L’amour fou” von Regisseur Pierre Thoretton ist das filmische Portrait eines seines Lebensinhalts beraubten Mannes und dessen rührender Hommage an die Liebe seines Lebens: Yves Saint Laurent.

Schöngeistig, sublim und einfach bewegend! Ein “Must-See” für Künstlerseelen und Melancholiker.

“L’amour fou” läuft  bereits seit dem 22.09. in Frankreich, Österreich und der Schweiz

[siehe auch Yves Saint Laurent - nackte Tatsachen einer Modediva]


Schöner Wohnen XXL – Yves Saint Laurents Pariser Luxusbleibe steht zum Verkauf

Posted: Mai 5th, 2010 | Author: Martina Klose | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , | No Comments »

Photo: by courtesy of CHRISTIES

Photo: by courtesy of CHRISTIES

Wohnen wie Gott in Frankreich und sich fühlen wie die Muse von Yves Saint Laurent. Ab sofort können Fashion-Süchtige die Philosophie des Pariser Mode-Großmeisters regelrecht einatmen und in die heiligen Hallen des 2008 verstorbenen Couturiers einziehen. Vorausgesetzt man hat das nötige Kleingeld von schlappen 23,5 Millionen Euro. Soviel soll Yves Saint Laurents 11-Zimmer-Luxuspalazzo im Herzen von Paris Saint-Germain kosten. Sein langjähriger Lebensgefährte Pierre Bergé will die Nobelresidenz jetzt veräußern, um mit seiner verlorenen Liebe abzuschließen. Der neue Eigentümer bekommt Einiges geboten: 520 Quadratmeter Luxus plus fast noch mal so viel Gartenfläche – mitten in der Pariser City. Allein der lichtdurchflutete Salon, in dem Laurent täglich seinen Aperitif zu sich nahm, hat die Dimension einer Lagerhalle. Genug Stauraum also für Kellybags, Louboutins und teures Mobiliar. In der hauseigenen Schatzkammer lassen rot lackierte Wände und eine mit Gold versiegelt Decke die legendäre Werbekampagne für Yves Saint Laurents Duftklassiker Opium wiederaufleben.

Frankreichs Staatsoberhaupt Nikolas Sarkozy und Gattin Carla Bruni sollen angeblich schon Interesse an der vornehmen Bleibe gezeigt haben. Ja, die schöne First Lady würde sich hier bestimmt wohl fühlen. Denn gleich nebenan wohnt Mick Jagger – und den kennt Carla bekanntlich gut. Wir sind also gespannt, wessen Umzugswagen demnächst vor der rue de Babylone parken.

Interessenten wenden sich bitte an das  Maklerbüro von Philippe Menager & Nicolas Hug

(Text: Martina Klose)


LOIC PRIGENT´s EXKLUSIVER BLICK HINTER DIE KULISSEN DER MODE

Posted: Januar 6th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION MEDIA, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , | No Comments »

Dank exzellenter Filmdokumentationen wie, Signé Chanel, Marc Jacobs & Louis Vuitton und der The Day Before genießt Regisseur Loic Prigent innerhalb der Modeszene mittlerweile all access Status. Ob Mailand, Paris, London oder New York, ob Backstage oder vor dem Catwalk, der studentisch wirkende Filmemacher ist mit seiner Kamera gern gesehen bei der Fashion Elite. Bereitwillig gewähren ihm die Top-Designer Zutritt zu ihren Ateliers und lassen ihn einfach gewähren. Besser gesagt, sie vertrauen ihm. Beschönigende PR-Statements und nachgestellte Szenen haben in Prigents Werk keinen Platz. Genau das macht seine Filme authentisch und daher so sehenswert. Ohne Prigent bliebe uns das wahre Gesicht der Mode und ihrer Protagonisten wohl nach wie vor verborgen.

Anna Wintour hautnah? Kein Problem für Prigent! Ungezwungen stellt sich die berühmte Vogue Editrix in Prigents aktuellem Filmprojekt HABILLÉES POUR L’ÉTÉ 2010, (DRESSED UP FOR SUMMER 2010) den Fragen von Mademoiselle Agnès.

Die TV-Journalistin Agnès Boulard ist in Frankreich keine Unbekannte, sondern, im Gegenteil, seit über 20 Jahren fester Bestandteil der Branche und ganz nebenbei auch Produzentin der Filmdokumentation. Mit unnachahmlicher Nonchalance begibt sie sich in sechs Episoden mehr oder weniger auf die Suche, nach dem nächsten Yves Saint Laurent und moniert dabei im Gespräch mit Pierre Bergé und dem französischen Kulturminister, ganz ohne erhobenen Zeigefinger dafür in herrlich selbstbewusster Manier, das Frankreich als Wiege der Haute Couture seinen kreativen Nachwuchs in keinster Weise fördere.

So heißt das letzte Wunderkind aus Paris noch immer Nicolas Ghèsquiere. Dabei ist der Chefdesigner von Balenciaga den Kinderschuhen doch schon längt entwachsen. Unentdeckte Talente, deren Begabung nur auf die Begegnung mit den entscheidenden Leuten wartet, gibt es überall, und in Paris sowieso. Mademoiselle Agnès hat einige von ihnen in ihren Studios abseits der großen Schauen besucht.

Agnès Boulard bewegt sich mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit auf dem Parkett der Eitelkeiten als wandle sie durch ihr privates Wohnzimmer. Im Gegensatz zu ihren extrem statusbewussten Kolleginnen, nimmt sich Boulard, die übrigens selbst 4 Jahre lang als Redakteurin bei der französischen Vogue tätig war, dabei selbst nie allzu ernst und führt beschwingt und ungeachtet aller Konventionen durch die Schauen zur Saison Spring 2010. Diese Natürlichkeit kommt an und so bittet gar der sonst so selbstbeherrschte Karl Lagerfeld Agnès nach der Präsentation seiner Kollektion um ein persönliches Tänzchen im Backstagebereich.

Die lebendige Französin liebt die Mode, nicht aber den ihr anhaftenden Dünkel und denkt gar nicht daran sich einem snobistischen Habitus zu unterwerfen. Das hat Stil und zeugt von wahrer Größe, und so verdankt sich der Zauber dieser Dokumentation im Wesentlichen auch der Persönlichkeit seiner Moderatorin. Lovely!

Zusammengenommen ergeben die sechs Teile eine Stunde “fashion uncensored”. Informativ, unterhaltsam und äußerst kurzweilig. Beeindruckend ist der Massenauflauf vor Jean Paul Gaultiers Headquarter in der Rue Saint Martin kurz vor der Show des Designers. Für einen Moment hatte ich den Eindruck es handle sich bei dieser Szenerie um ein Rockkonzert. Eine Portion Extravaganz in Reinform liefert wieder einmal Anna Wintour. Als der Weg zu ihrem Sitzplatz in der ersten Reihe einer Show, die Chefredakteurin über eine im Halbdunkel liegende Treppe führt, erhellt einer ihrer Bodyguards unaufgefordert die Stiege mittels einer Taschenlampe. Stufe für Stufe, und ohne dabei eine Miene zu verziehen trippelt Anna dem Lichtkegel vor ihren Füßen hinterher. Fantastisch! (siehe Video hier) Wie auch schon die Doku “The Day Before”, sind die sechs Episoden auf dem “Sundance Channel” im Internet kostenfrei abrufbar.

sundancechannel.com


AB 2010: DRESS YOUR MAIL IN LANVIN

Posted: Dezember 6th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , | No Comments »

Lanvin Briefmarke

Lanvin Briefmarke

Zugegeben mein Interesse am Sammeln von Briefmarken tendiert gegen Null, doch anlässlich des in diesem Jahr begangenen 120-jährigen Firmenjubiläums des 1889 gegründeten Modehauses Lanvin entwarf Kreativdirektor Alber Elbaz zwei geschmackvolle Briefmarken für die Französische Post, deren verspielten Charme ich mich nicht entziehen kann.

Die Briefmarken in limitierter Stückzahl werden voraussichtlich Anfang nächsten Jahres in allen Postämtern Frankreichs zum regulären Portopreis von jeweils 0,90 Cent und 0,56 Cent erhältlich sein. Damit bietet der Modemacher Internetaficionados endlich wieder einen Grund, Grüße und liebe Worte an Freunde und Familie handschriftlich zu verfassen. Die passenden Schreibutensilien in Form von Bleistiften, Briefpapier, Umschlägen und Notizblöcken, liefert Elbaz gleich mit dazu. Die Artikel gibt’s schon ab Mitte Dezember in der Postfiliale in der Rue Mathurins in Paris. Wer nicht in Frankreich beheimatet ist und dennoch gerne in Besitz der modischen Jubiläums-Erzeugnisse kommen möchte, sollte ab sofort in regelmäßigen Abständen die Webseite der französischen Post aufsuchen. Hier soll laut Informationen des Branchenblattes WWD in den kommenden Tagen und Wochen ein spezieller Lanvin-Webshop freigeschaltet werden, über den sich die oben genannten Artikel auch online beziehen lassen. laposte.fr

Alber Elbaz for La Poste

Alber Elbaz for La Poste


ADIEU MONSIEUR! CHRISTIAN LACROIX – ENDE DER TAFTORGIE

Posted: Dezember 3rd, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , | No Comments »

Nun also doch! Nach langen Querelen um die künftige Führung des insolventen Modehauses Christian Lacroix, entschied das Pariser Handelsgericht am vergangenen Dienstag dem Restrukturierungsplan des Lacroix-Besitzers Falic Group stattzugeben, nachdem Übernahmeangebote durch  Kaufinteressenten aufgrund nicht gesicherter Finanzierungsnachweise abgelehnt wurden. Mit der aktuellen Entscheidung wird die Haute Couture Sparte, wie auch das Geschäft mit der Prêt-à-Porter eingestellt.

le style de Christian Lacroix
le style de Christian Lacroix

Modemacher Christian Lacroix selbst ist somit raus aus dem Unternehmen und mit ihm 110 weitere Mitarbeiter, die in Kürze ihre Entlassungspapiere entgegennehmen müssen. Gemäß des Sanierungskonzepts der Falic Group wird das Modehaus künftig als Lizenzbetrieb mit 12 Mitarbeitern weitergeführt werden. Unter dem Namen Christian Lacroix werden weiterhin Parfums, Accessoires, Hochzeitskleider und Herrenbekleidung vertrieben. Im neuen Jahr könnten weitere Lizenzvergaben in den Bereichen Optik, Schreibmaterialien und Dekoration folgen. Der Markenname Christian Lacroix wird demnach nicht von der Bildfläche verschwinden, aber mit Sicherheit an Exklusivität einbüßen. Der Lacroix-Schriftzug auf Feuerzeugen, Regenschirmen, und Schwimmflügeln vermag mittelfristig die Schulden des Unternehmens zu tilgen, und wird dabei zwangsläufig seine eigene Inflation hervorrufen. Pierre Cardin lässt grüßen.

Angesichts der Tatsache, dass das Haus Lacroix seit seiner Gründung 1987 nie rentabel war, fehlte es offenbar in all den Jahren seiner Existenz an einer fundierten Marketingstrategie. Das schöpferische Talent Christian Lacroix ` ist unumstritten, doch das, was der Créateur in handwerklicher Vollendung zweimal im Jahr über den Laufsteg schickte entsprach nicht mehr dem allgemeinen Zeitgeist. Wer da anderer Ansicht ist, der möge jetzt seinen Kleiderschank öffnen und nachsehen wie viele Teile er von Monsieur Lacroix sein Eigen nennt. Christian Lacroix ist ein Verfechter einer nicht mehr existenten Pariser Salonkultur, von höfischer Eleganz und darüber hinaus ein Experte auf dem Gebiet europäischer Kostümgeschichte. Das Problem dabei ist nur, das heutzutage niemand mehr mit Schranktruhen verreist. Klein, handlich, pflegeleicht, businesskompatibel und kombinierbar soll es sein. Alles andere bringt kein Geld!

Lacroix ist das Gegenteil dessen was auf den Straßen zu sehen ist. Lacroix, das ist roter Teppich, Opéra Garnier und 1001 Nacht, aber gewiss nicht Wirtschaftskrise, Air Berlin und PayBack-Karte. Das von zahlreichen Bloggern einhellig angestimmte Klagelied vom Untergang der Haute Couture anlässlich der Lacroix Pleite, irritiert angesichts deren Outfitposts im schwarz, grau, weißen Einheitslook von Acne, Patrizia Pepe und Co.

Christian Lacroix Fall 09 / photo by Corso Come/FLICKR creative commons

Christian Lacroix / photo by Corso Como at FLICKR creative commons


Möchte man sich wie Lacroix, als charakterstarke Künstlerseele den Anforderungen des Marktes nicht beugen, so wäre es für sein Haus aus wirtschaftlicher Sicht gewiss sinnvoll gewesen die Botschaft vom Pariser savoir vivre, von french allure und Grandezza in Form von bezahlbaren Accessoires unter die Leute zu bringen und mittels einer volksnahen Vermarktung der Firmenwerte die Begierde nach der unerreichbaren Haute Couture zu wecken. Womöglich war dem intelligenten Grandseigneur diese Art des marktschreierischen Modemarketings suspekt, ebenso wie ihm die abgespeckten Zweitlinien zuwider waren. Ein Designer ist Dienstleister und kein Künstler, sagte Tom Ford einmal. Banale Worte, deren Beherzigung Mr. Ford reich gemacht hat. Zu banal, für Monsieur Lacroix, dessen Unternehmen mit mehreren Millionen Euro in der Kreide steht.

Wer ist schuld an der Misere? Der Mode-Schöngeist, der fernab jeglicher Realität in seinem Studio in der feudalen Rue du Faubourg Saint-Honoré opulente Ballonröcke aus Seidentaft zusammenbauscht oder inkompetente Finanzberater und Marketingfachleute eines amerikanischen Mutterkonzerns ohne jeglichen Sinn für französische Lebensart? Oder sind es vielleicht doch die Einkäufer namhafter Boutiquen und Nobelkaufhäuser, deren Ordermengen einfach nicht ausreichend waren um die finanzielle Stabilität des Unternehmens zu sichern. Ist die Geiz-ist-Geil Mentalität unserer Gesellschaft schuld am Siechtum der “hohen Schneiderei”? Menschen, die auf Stilzitate, inspiriert von flämischer Malerei und französischer Literatur, pfeifen und es sich lieber mit einer Chispstüte auf dem heimischen Sofa vor dem Fernseher bequem machen, wie Lagerfeld erst kürzlich das Bild vom dicken Hausmütterchen verbalisierte?

Die Antwort darauf ist sich die Modebranche bis heute schuldig geblieben!