Wenn am kommenden Donnerstag die New York Fashion Week beginnt, ist dies gleichzeitig auch der Auftakt zur Saison Spring/Summer 2010, dem ein internationaler Schauenreigen folgt. Auf den illustren Modenschauen von New York, Paris, Mailand und London präsentieren namhafte Modehäuser jedoch vielmehr als nur die Trends von Übermorgen.
The Day before...by Loic Prigent
Die meist nur zehn Minuten andauernden Shows sind eine Zusammenfassung all dessen, an dem ein Team von dutzenden bis mehreren hundert Mitarbeitern eines Unternehmens sechs Monate lang ununterbrochen gearbeitet hat. Von der Ideenfindung bis hin zum finalen Musterteil, wird in den Designstudios bis zum Tag der großen Selbstdarstellung diskutiert, optimiert, verworfen, ergänzt und abgeändert. Dass Alles, um einflussreichen Modekritikern und wichtigen Einkäufern zu gefallen, die auf minmalistisch weißen Bänken oder wahlweise goldenen Operetten-Stühlchen Platz nehmen, um ganz nüchtern zu beurteilen, ob die Vision, die da gerade als textiles Gebilde über den Laufsteg wandelt auch marktfähig ist. Vom Stress hinter den Kulissen bekommen die geladenen Kunden und VIP´s nichts mit. Sollen sie auch gar nicht. Mode im Luxussegment verkauft schließlich Träume und nichts Anderes.
Ein Einblick in das Geschehen der letzten 48 Stunden vor der Modenschau ist nur wenigen Eingeweihten gegönnt, wäre aber mit Sicherheit für jeden Modeliebahber eine interessante Erfahrung. Die Neugierde oder den Wissensdurst besonders modeaffiner Mitmenschen befriedigt nun die Filmreihe “THE DAY BEFORE…” von Loic Pirigent. Der Regisseur hat vier Modedesigner bei den letzten Vorbereitungen zu ihrer Modenschau mit der Kamera begeleitet. Enstanden ist eine absolut sehenswerte Dokumentation von jeweils vier Filmen a 50 Minuten, die ab morgen online auf dem Sundance Channel nacheinander ausgestrahlt werden. Den Anfang am 09.September um 16:00 Uhr deutscher Zeit macht Sonia Rykiel.
09.September: SONIA RYKIEL
10.September: PROENZA SCHOULER
11.September: FENDI
12.September: JEAN PAUL GAULTIER
Um euch vorab einen Geschmack auf die exzellent aufbereitete und fundierte Dokureihe zu geben, zeigen wir euch vorab einen Ausschnitt aus der Folge mit Jean Paul Gaultier.
Einem Bericht von Modejournalistin Nicole Phelps zufolge trafen sich am Dienstag Vormittag in New York die Mitglieder des Council of Fashion Designers in Amerika (CFDA) um über die Bedeutung der New Yorker Modewoche wie auch die Folgen der Wirtschaftskrise für die Modebranche zu sprechen.
Ein Meeting der Besonderen Art, schließlich handelte es sich bei den Teilnehmenden nicht um Mr. Smith und Mrs. Jones, sondern um die führenden Köpfe der Modebranche. Neben CFDA Präsidentin Diane von Furstenberg, diskutierten Vogue Chefin Anna Wintour, Donna Karan, Betsey Johnson, die Proenza Schouler Jungs, Calvin Klein Chef-Designer Francisco Costa sowie Moderedakteure und Inhaber renommierter fashion stores über das verbraucherunfreundliche Timing der Kollektionsauslieferung (Wintermäntel im Sommer), die hohen Kosten für Modenschauen sowie die Notwendigkeit Schauen für die kommerziell erfolgreichen aber eher schlichten pre-collections zu veranstalten? Modemacherin Donna Karan kritisierte die Tendenz der Konsumenten für Designerkleidung nicht mehr den vollen Preis zahlen zu wollen, sondern den Sale abzuwarten. Worauf Anna Wintour dem Einzelhandel geraten haben soll, sich künftig bei der Reduzierung von Waren abzusprechen und sich auf einen offiziellen Termin zum gemeinsamen Discount-Start zu einigen. Nachdem von Furstenberg La Wintour informierte, dass dies illegal sei, soll diese nüchtern entgegnet haben: “Nun können wir das nicht ändern, schließlich haben wir jetzt Freunde im weißen Haus “(eine Anspielung auf Michelle Obama, die im März dieses Jahres das Vogue Cover zierte).
Angesichts eines immer stärker werdenden Interesses der Allgemeinheit an modespezifischen Themen, wurde auch der Gedanke geäußert Modenschauen für Konsumenten zu veranstalten. Was von dem Besprochenen tatsächlich realisiert wird und wann etwaige geplante Veränderungen spürbar greifen, wird sich zeigen.
Auch wenn beim CFDA Treffen einzelne Aussagen von einer gewissen Weltfremdheit der Diskussionsteilnehmer zeugten, so ist die kritische Hinterfragung des eigenen Status quo in der Modewelt ein absolut positiver und auch hierzulande nachzuahmender Ansatz.
Da, wo Düsseldorf aktuell bemüht ist, seinen Ruf als Modestadt wieder aufzupolieren, braucht es kritische Diskussionsrunden mit kompetenten Köpfen aus Industrie und Handel, Szene und Medien, die bereit sind an den Grundfesten bestehender Institutionen zu rütteln. Fragen wie, ist die CPD überhaupt noch zeitgemäß und cool genug, um als modisches Aushängeschild der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zu fungieren, müssen erlaubt sein. Das schmerzt, doch Aktionen wie eine vom Kaufhof initiierte Modenschau über dem Kö-Graben, wirken im Vergleich mit der Berliner Fashion Week schlichtweg provinziell.
Überhaupt leidet das Image der Königsallee unter den großen Vertikalen wie H&M und Esprit, die sich auf Deutschlands ehemals führender Luxusmeile ausbreiten. Ein anderes länderübergreifendes Problem ist die zeitliche Waren-Präsentation der Einzelhändler: Schaufenster mit Daunenjacken im August mögen zwar die Vorreiter- Rolle einzelner Geschäftsinhaber belegen, haben aber mit der Realität der Verbraucher wenig zu tun.
Es wäre wunderbar, wenn auf künftigen Branchentreffen Problemstellungen zum Modestandort Deutschland nach dem Vorbild des CFDA New York selbstkritisch und konstruktiv diskutiert würden. Schulterklopfereien bei Champagner und finger food allein machen nämlich noch lange keine Modemetropole.
Das Council of Fashion Designers of America (CFDA) hat gestern Abend in New York seine alljährlichen Modepreise vergeben: Gewinner in der wichtigsten Kategorie “Designer of the year / Womenswear” war das Fashion Label Rodarte, von Laura und Kate Mulleavy. Das Geschwisterpaar aus Kalifornien wurde im vergangenen Jahr erst mit dem Swarovski Nachwuchspreis ausgezeichnet und konnte sich in diesem Jahr bereits gegen Modegrößen wie Marc Jacobs und den gleichfalls etablierten Narcisco Rodriguez durchsetzen, die beide in der selben Kategorie nominiert waren.
“Accessory Designer of the Year” wurden die beiden Jungs Jack McCollough und Lazaro Hernandez von Proenza Schouler, auch sie konnten sich gegenüber, dem auch in dieser Kategorie nominierten, Marc Jacobs behaupten.
Doch auch New Yorks Modeliebling ging nicht mit leeren Händen nach Hause. Die beste Trophäe seines Lebens in Form seines Verlobten Lorenzo Martone ohnehin an der Seite, wurde Jacobs mit dem International Award für seine Arbeit für das Haus Louis Vuitton geehrt.
Der Swarovski Award für den vielversprechendsten Modeachwuchs ging an Alexander Wang (Womenswear) und Tim Hamilton (Menswaer).
Anna Sui, deren Firma auch nach 18 Jahren im Business und trotz Krise in ihrem eigenen Besitz ist, wurde mit dem Geoffrey Beene Lifetime Achievement Award für ihr Lebenswerk geehrt. Eine Modenschau mit den key-looks (hippie meets folklore meets rock´n roll, meets Lolita Gothic), der Top-Designerin zeigte dem Publikum warum sie die Auszeichnung tatsächlich verdient hat.
Ungewöhnlich aber wahr: Den Preis in der Rubrik Menswar Designer des Jahres mußten sich Italo Zuchelli für Calvin Klein und Scott Sternberg von Band of Outsiders teilen.
Erstmalig in der Geschichte der Verleihung CFDAs wurde auch ein Publikumspreis vergeben, bei denen die Leute im Vorfeld via Internet ihren Lieblingsdesigner bestimmen konnten: Das Ergebnis ist nicht gerade originell, liest sich aber als ein interessantes Barometer für den Bekanntheitsgrad des Gewinners, der in diesem Jahr Ralph Lauren heißt!
Nachdem mittlerweile Modejournalisten selbst zu Stars ihres Fach avancieren und vereinzelt große Aufmerksamkeit genießen, darf an dieser Stelle die Ehrung Edward Nardozas, Chefredakteur der Modebibel WomensWearDaily, für seine Leistungen im Bereich Modejournalismus, natürlich nicht unerwähnt bleiben.
Die Vereinigung der amerikanische Modedesigner (CFDA) wurde im Jahre 1962 gegründet und besteht heute aus über 300 herausragenden Mitgliedern der Modebranche. Das Gremium hat sich es zur Aufgabe gemacht Modedesign als Teil der amerikanischen Kultur zu etablieren sowie Standards in puncto künslerischer Qualität und professionellem Niveau zu setzen.