HERMÈS: DRÄNGELN UND SCHUBSEN DELUXE BEIM SALE
Posted: Mai 12th, 2010 | Author: Martina Klose | Filed under: FASHION NEWS, FASHION SHOPPING | Tags: Hermès, Muenchen, Sale | 2 Comments »

"Endlich meins!" Photo: HYPE Magazine
Hach, was für ein schöner Start in den Tag. Ortstermin in der Maximilianstraße. Das Pariser Luxuslabel Hermès lädt zum Sonderverkauf. „Wir haben unsere saisonalen Soldes ausgelagert, um unsere Boutiquen für unsere Kunden in Zukunft 365 Tage im Jahr perfekt zu präsentieren,” betont die PR-Abteilung im Einladungsschreiben. Doch wer jetzt graue Lagerhallen mit verwaisten Restposten vermutet, womöglich noch auf billigen Plastikbügeln, der täuscht sich gewaltig. Ein Sonderverkauf von Hermès mit bis zu 80% reduzierter Ware ist ein Event. So werden die Privilegierten, zu denen ich dank meiner Einladung jetzt endlich auch gehöre, in den Cherubinsaal im vornehmen Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski gebeten.
Bereits an der Garderobe fühlt man sich dank zweier dekorativ aufgesteller Hermèskartons in orange wie an der Pforte zum Fashionista-Himmel. Freundlich nimmt die gut aussehende Garderobiere mit Hermèshalstuch meine große Handtasche entgegen, die ich sonst an keiner Garderobe der Stadt zurücklassen würde. Bereitwillig tausche ich sie gegen einen orangefarbenen Stoffbeutel im XXL-Format, der mich an ein schwedisches Einrichtungshaus erinnert. Ich habe soeben die Lizenz zum Luxusshoppen erworben und werde gleich in Gesellschaft russischer Oligarchen und gutbetuchter Damen einkaufen. Apropos gut betucht: Tücher sind im Reich der Luxusrabatte der Renner. Traubenartig scharen sich die Ladies um eine Theke, hinter der drei mondäne Verkäuferinnen unermüdlich Seide und Pashmina durch die Luft wirbeln. Seidenschal um Seidenschal wird vor den solventen Kundinnen ausgebreitet.
Doch auch hier herrscht das Gesetz des Dschungels: wer am schnellsten ist und besonders resolut auftritt, setzt sich durch und kann sich die schönsten Motive sichern. In der Hoffnung, später vielleicht zum Zuge zu kommen, erforsche ich erst mal den hinteren Bereich, steuere auf einen Lederrock in typischer Hermèsoptik zu. Fast schon peinlich fingere ich gierig nach dem Preisetikett. Schlappe 3500 Euro kostet das wirklich wunderschöne Stück, dessen Neupreis übrigens bei 8500 Euro lag. Selbstverständlich wurde der Nappalederrock in liebevoller Handarbeit in Paris gefertigt und er wäre vermutlich ein Basic, an dem sich noch meine Enkelinnen erfreuen würden. Da er aber mein Budget um ein Vielfaches übersteigt, trete ich den Rückzug an und überlasse das gute Stück anderen, ambitionierten Luxus-Schnäppchenjägern.
Ja, auch die Reichen mögen`s reduziert und überraschen mit vollem Körpereinsatz im Kampf um die Statussymbole zum „Schnäppchenpreis” . Vor dem Schuhregal rempelt mich eine blonde Frau in Chaneljacke an, die das gleiche Paar im Visier hat wie ich, doch sie entschuldigt sich sofort höflich – der wohl wesentlichste Unterschied zum regulären Kaufhaus-Sale. Dann, „Hurra”, entdecke ich meine neuen Lieblingsschuhe: Reiterstiefel aus braunem Leder mit Canvas-Shaft und einem dezenten Hermèslogo, um stolze 80% reduziert. Der Tücherstand wird leider immer noch belagert, aber ich bin ganz berauscht von meiner Neueroberung und nehme Kurs auf die Kasse. Vor mir wechseln Schwindel erregend hohe Bargeldbündel den Besitzer. Mon dieu, Shoppen bei Hermès ist wirklich ein Erlebnis!
(Text: Martina Klose)

