Das HALSTON Debakel

Posted: November 12th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , , , , | No Comments »

Was bitteschön ist im Hause Halston los?  Das einstige Jetset Label der amerikanischen Upperclass kriegt die Kurve nicht. Die Inhaber des 1968 in New York von Roy Halston Frowick gegründeten Labels, Filmproduzent Harvey Weinstein und Jimmy Choo-Inhaberin Tamara Mellon, haben seit ihrer Übernahme der Markenrechte im März 2007 mit roten Zahlen und einem geringfügigen Medieninteresse zu kämpfen.


Nun wurde über das Branchenblatt “Womens Wear Daily” jüngt bekannt das CEO Bonnie Takhar entlassen wurde,  wegen unerreichter Umsatzziele, aber auch weil ihr Kurs keine Verbesserung der Lage erkennen lies. Hire & Fire; im Top-Segment der Modebranche keine Seltenheit und bei einem  sich im Dämmerschlaf befindenden Betrieb an für sich auch keine große Meldung wert. Doch aufgrund der Tatsache das die Halston-Inhaber über ein beachtliches Privatvermögen verfügen und Tamara Mellon ihre unternehmerischen Qualitäten bereits bewiesen hat indem sie aus der unbeachteten Schuhmanufaktur “Jimmy Choo” ein globales Multimillionen-Dollar Brand schuf, stellt sich die Frage nach dem Grund für den konstanten Misserfolg Halstons.

Die zweimalige Neubesetzung des Chefdesigner-Postens binnen zwei Jahren, die Verpflichtung einer Schauspielerin als Head-Designern für die Zweitlinie “Halston Heritage”, und nun auch noch der Rausschmiss einer Führungskraft, deuten darauf hin, das nicht die Marke per se ein Problem darstellt -die hätte bei strategisch kluger Führung durchaus Potential-, sondern vielmehr die Protagonisten, die unter ihrem Dach arbeiten.

Natürlich ist es ungleich schwerer mal eben eine Modekollektion erfolgreich an die Frau zu bringen als an Selbige  Accessoires zu verscherbeln, die sich ohnhehin von selbst verkaufen, schon allein weil der Bedarf an ihnen wesentlich größer ist. Mit einem einzigen Paar Killer-Heels lässt  es sich eben schlecht durch den Winter stöckeln und eine “XL-Tote” taugt einfach nicht für den Abend in der Oper. Doch wer einmal einen schwarzen Hosenanzug, einen Trenchcoat oder einen crèmefarbigen Cashmere Pullover sein Eigen nennt, der braucht davon so schnell keinen zweiten mehr.

Doch ob nun Mode oder Accessoires, Halston mangelt es in beiden Kategorien an Mut zum Risiko. Viel zu starr hangelt man sich bei der Gestaltung der Kollektionen am stilistischen Erbe Herrn Halstons entlang. Das Resultat, ein Konfektionsprodukt ohne Relevanz. Wollen die nicht, können die nicht oder dürfen die nicht?  Die Frage richtet sich an die Designer des Hauses. Von kreativen Köpfen wie dem Italiener Marco Zanini, der vor seiner Zeit bei Halston, 10 Jahre lang  bei Versace erfolgreich die Couture Sparte verantwortete, darf man erwarten, dass er weiß, was ein Eyecatcher ist. Warum bloß zeigte er ihn dann nicht?  Die gleiche Frage könnte man getrost  auch seinem Nachfolger Marios Schwab stellen, dessen Entwürfe für die Sommerkollektion 2011 denen seines erfolgslosen Vorgängers zum verwechseln ähnlich sehen.

Gut möglich auch, dass die Riesen-Egos der Obersten im Hause Halston, ihr Gespür für den Zeitgeist trüben und auch deren Rationalität behindern. Wie sonst lässt sich erklären, dass ausgerechnet Sarah Jessica Parker bei einem der (ehemals) prestigeträchtigen Labels der USA Chef-Designerin der Zweitlinie “Halston Heritage” spielen darf? Wer versucht dies mit Frau Parkers persönlichen Stil zu rechtfertigen, dem sei gesagt, dass Stylistin Patricia Field die kompetentere Person für den Job gewesen wäre. So war schließlich sie es, die der Aktrice den Glamour-Look aus “High&Low” verpasste, für den “Missus Parker”  seit Jahren von Presse und Fans rund um den Erdball gefeiert wird. Dann wäre da noch die völlig überbewertete Celebrity-Stylistin Rachel Zoe, die Halston zwar intensiv supportet (und auch einen kleinen Anteil an dem Unternehmnen besitzen soll), deren Ruf als  größte Zicke unter der Sonne Kaliforniens  jedoch nicht gerade zur Popularitätssteigerung der Marke beiträgt. Niemanden der bisher mit der Aufgabe betraut wurde die Firma Halston zu entstauben, gelang es an deren glorreiche Zeiten in den Seventies anzuknüpfen.

Halston hat das gleiche Problem welches auch schon Firmen wie Jil Sander und Joop, unmittelbar nach dem Ausscheiden ihrer Namensgeber ereilte, Profillosigkeit!

Marken wie Halston, aber eben auch Jil Sander und Joop waren personifizierte Marken, deren Erfolg maßgeblich von der Persönlichkeit ihrer Gründer geprägt waren. Roy Halston Frowick, der 1990 im Alter von 57 Jahren an den Folgen seiner Aids-Erkrankung starb, war die konsequente Verkörperung des Jetsets und Gesicht des unlängst inflationär rezitierten Studio 54 Mythos. Mit seinem Tod starb auch die Authentizität seines Labels. Seine fließenden Silhouetten reflektieren den  Lebenstil einer elitären Szene innerhalb einer bestimmten Zeit.  So ein Coup ist mitunter auch ein Glückstreffer:  zu richtigen Zeit, mit den richtigen Klamotten an den richtigen Leuten, am richtigen Ort zu sein. Bei Halston passte einfach alles zusammen.

Unvergessen: Bianca Jaggers legendärer Ritt auf dem Rücken eines weißen Pferdes in die Hallen des  Studio 54, und zwar in einem Kleid mit Carmen-Ausschnitt von Halston. Das war 1977! Gewiss ein Fashion-Momet und etwas das nicht per Knopfdruck reprodzuierbar ist. Alles hat seine Zeit, doch anstatt neue Wege zu beschreiten halten die Verantwortlichen des Unternehmens  fast schon zwanghaft am 70er Jahre Spirit fest, als wolle man das Lebensgefühl dieser längst vergangenen Dekade mit aller Gewalt in die Gegenwart transferieren.  Genauso gut könnte man versuchen Mr. Halstons Asche aus dem Pazifik wieder zusammenzutragen um aus etwaigen DNA-Spuren einen Klon zu generieren. Doch das ist Fiktion. Die Realität hingegen lautet: Halston, das war einmal!


SARAH JESSICA PARKER DESIGNT FÜR HALSTON!

Posted: Januar 15th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , | No Comments »

photo by David Shankbone, illustration: HYPE

photo by David Shankbone, illustration: HYPE

Sarah Jessica Parker mag eine wirklich nette Person und eine erfolgreiche Schauspielerin sein, doch befähigt sie das, einem etablierten Modelabel kreative Ratschläge hinsichtlich der Kollektionserstellung zu erteilen?

Wieso nicht, mögen “Sex and the City” Fans an dieser Stelle einwenden, die Frau hat doch schließlich Style?! Hier könnte man nun entgegenhalten das Style nicht gleich Stil ist, das Mrs. Parker im realen Leben keinesfalls mit Carrie Bradshaw gleichzusetzen ist, ein Drehbuch einfacher zu lesen ist als ein Schnittmuster und der gehypte Style sowohl von Frau Parker als auch ihrem Alter Ego Carrie tatsächlich aus der Hand von Patrica Field stammt.

Hilco Consumer Capital LLC, einer der Mitbesitzer des etwas angestaubten Modelabels HALSTON, hat die Aktrice gebeten sich kreativ in das Unternehmen einzubringen. Was zunächst nur als Gerücht im Internet kursierte wurde nun von einem Unternehmenssprecher HALSTONs offiziell bestätigt. Zur Erleichterung all derjenigen für die Mode mehr ist, als nur ein kostspieliger Zeitvertreib, stellte sich heraus das Sarah Jessica Parker, vermutlich als Creative Director, nur die Unterkollektion HALSTON HERITAGE prägen wird, jedoch keinen Einfluss hat auf die von Marios Schwab gestaltete Hauptlinie.

Der Gedanke, dass Damen der darstellenden Künste nach der Eroberung der Modemagazine künftig vermehrt die Ateliers großer Modemacher besetzen könnten, ist unbehaglich. Eine eigene Celebrity Kollektion, ok bitteschön, selbst schuld wer das Zeug kauft, aber als Designberater für ein internationales Modehaus? Besser nicht! Wo das enden kann, hat erst vor wenigen Monaten Teilzeitschaupielerin Lindsay Lohan mit ihrer Debütkollektion für Emanuel Unagro aufs peinlichste demonstriert.

siehe auch: Lindsay Lohan berät Ungaro
Lohan´s Design Desaster


VIDEO: A FASHION´S NIGHT OUT – DESIGNERS WANT YOUR BUCKS

Posted: August 27th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , , , | No Comments »

Dass  Amerikaner uns Europäern in Sachen Marketing mindestens drei Stöckelschritte voraus sind, ist bekannt. Doch mit dem neuen Werbevideo zum Condé Nast  Event “A FASHION´S NIGHT OUT” vergößert sich dieser Abstand in etwa um die Gesamtlänge der Madison Avenue.

Millionenschwere Größen des Modebusiness wie Oscar de la Renta, Carolina Herrera, Donna Karan und Diane von Furstenberg buhlen darin charmant um die Gunst der Konsumenten, in der Absicht diesen am  10. September beim  spätabendlichen Einkaufsbummel das Geld aus den Taschen zu ziehen. Anna Wintour wirkt im Merchandising T-Shirt faszinierend volksnah, während Isaac Mizrahi den Animateur miemt. Sie alle, einschließlich Sarah Jessica Parker, Vera Wang und den hübschen Proenza Schouler Boys, erklären dem Zuschauer die Bedeutung der New Yorker Modeindustrie für das Gemeinwohl.  Ein wenig erinnern Sie dabei an Schulkinder, die um eine Spende betteln. Sehr unterhaltsam! Allzu kritisch darf  man das Ganze allerdings nicht hinterfragen. Denn, eine einzige Nacht mit verlängerten Ladenöffnungszeiten wird den brachliegenden Einzelhandel wohl kaum nachhaltig wieder in Schwung bringen und die motivierende Zurede prominenter Branchenköpfe  allein, spült den Durchschnittsverdiener auch nicht mehr Geld in die Taschen.

Dennoch, das clipartig zusammengeschnitte Commercial präsentiert sich frisch, cool und stylish, und macht trotz besseren Wissens, dass es sich bei “A FASHION´S NIGHT OUT” primär um eine Werbeveranstaltung Condé Nasts in eigner Sache handelt, Lust auch noch seine letzten  Kröten, die man in diesen Zeiten noch übrig hat, in Designerklamotten zu investieren. Die Amis verstehen es zu feiern, vor allem sich selbt. So wird bei Macys selbst der Kauf einer reduzierten Feinstrumpfhose zum Happening: “Thank you for shopping at Macys, have fun with your stockings. A nice day and bye bye”
$ 2.99 und der Kunde ist König. Fantastisch!