Vivienne Westwood’s neue Unterwäsche- und Accessoire Kollektion für die Sommersaison 2010 ist jetzt in den Shops erhältlich.
Während sich modeinteressierte Gays an der dazugehörigen sexy Werbekampagne ergötzen, verfolgt die Modeexzentrikerin mit selbigen Bildern gar ein politisches Anliegen. Es geht um die Freilassung von Leonard Peltier, einem Aktivisten indianischer Abstammung, der für die Rechte indianischer Völker kämpfte und 1977 aufgrund der Beschuldigung zwei Polizisten ermordet zu haben, zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Seitdem sitzt Peltier in einem amerikanischen Gefängnis ein. Der Claim “Leonard Peltier is innocent” am linken unteren Bildrand, ziert jedes einzelne Foto der von Sean und Seng geschossenen Kampagne. Das Londoner Fotografenduo arbeitete bereits mehrfach mit Vivienne Westwood zusammen und zählt derzeit zu den vielversprechendsten Newcomern im Bereich der Modefotografie.
Dank exzellenter Filmdokumentationen wie, Signé Chanel, Marc Jacobs & Louis Vuitton und der The Day Before genießt Regisseur Loic Prigent innerhalb der Modeszene mittlerweile all access Status. Ob Mailand, Paris, London oder New York, ob Backstage oder vor dem Catwalk, der studentisch wirkende Filmemacher ist mit seiner Kamera gern gesehen bei der Fashion Elite. Bereitwillig gewähren ihm die Top-Designer Zutritt zu ihren Ateliers und lassen ihn einfach gewähren. Besser gesagt, sie vertrauen ihm. Beschönigende PR-Statements und nachgestellte Szenen haben in Prigents Werk keinen Platz. Genau das macht seine Filme authentisch und daher so sehenswert. Ohne Prigent bliebe uns das wahre Gesicht der Mode und ihrer Protagonisten wohl nach wie vor verborgen.
Anna Wintour hautnah? Kein Problem für Prigent! Ungezwungen stellt sich die berühmte Vogue Editrix in Prigents aktuellem Filmprojekt HABILLÉES POUR L’ÉTÉ 2010, (DRESSED UP FOR SUMMER 2010) den Fragen von Mademoiselle Agnès.
Die TV-Journalistin Agnès Boulard ist in Frankreich keine Unbekannte, sondern, im Gegenteil, seit über 20 Jahren fester Bestandteil der Branche und ganz nebenbei auch Produzentin der Filmdokumentation. Mit unnachahmlicher Nonchalance begibt sie sich in sechs Episoden mehr oder weniger auf die Suche, nach dem nächsten Yves Saint Laurent und moniert dabei im Gespräch mit Pierre Bergé und dem französischen Kulturminister, ganz ohne erhobenen Zeigefinger dafür in herrlich selbstbewusster Manier, das Frankreich als Wiege der Haute Couture seinen kreativen Nachwuchs in keinster Weise fördere.
So heißt das letzte Wunderkind aus Paris noch immer Nicolas Ghèsquiere. Dabei ist der Chefdesigner von Balenciaga den Kinderschuhen doch schon längt entwachsen. Unentdeckte Talente, deren Begabung nur auf die Begegnung mit den entscheidenden Leuten wartet, gibt es überall, und in Paris sowieso. Mademoiselle Agnès hat einige von ihnen in ihren Studios abseits der großen Schauen besucht.
Agnès Boulard bewegt sich mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit auf dem Parkett der Eitelkeiten als wandle sie durch ihr privates Wohnzimmer. Im Gegensatz zu ihren extrem statusbewussten Kolleginnen, nimmt sich Boulard, die übrigens selbst 4 Jahre lang als Redakteurin bei der französischen Vogue tätig war, dabei selbst nie allzu ernst und führt beschwingt und ungeachtet aller Konventionen durch die Schauen zur Saison Spring 2010. Diese Natürlichkeit kommt an und so bittet gar der sonst so selbstbeherrschte Karl Lagerfeld Agnès nach der Präsentation seiner Kollektion um ein persönliches Tänzchen im Backstagebereich.
Die lebendige Französin liebt die Mode, nicht aber den ihr anhaftenden Dünkel und denkt gar nicht daran sich einem snobistischen Habitus zu unterwerfen. Das hat Stil und zeugt von wahrer Größe, und so verdankt sich der Zauber dieser Dokumentation im Wesentlichen auch der Persönlichkeit seiner Moderatorin. Lovely!
Zusammengenommen ergeben die sechs Teile eine Stunde “fashion uncensored”. Informativ, unterhaltsam und äußerst kurzweilig. Beeindruckend ist der Massenauflauf vor Jean Paul Gaultiers Headquarter in der Rue Saint Martin kurz vor der Show des Designers. Für einen Moment hatte ich den Eindruck es handle sich bei dieser Szenerie um ein Rockkonzert. Eine Portion Extravaganz in Reinform liefert wieder einmal Anna Wintour. Als der Weg zu ihrem Sitzplatz in der ersten Reihe einer Show, die Chefredakteurin über eine im Halbdunkel liegende Treppe führt, erhellt einer ihrer Bodyguards unaufgefordert die Stiege mittels einer Taschenlampe. Stufe für Stufe, und ohne dabei eine Miene zu verziehen trippelt Anna dem Lichtkegel vor ihren Füßen hinterher. Fantastisch! (siehe Video hier) Wie auch schon die Doku “The Day Before”, sind die sechs Episoden auf dem “Sundance Channel” im Internet kostenfrei abrufbar.
AKRIS, das stille Luxuslabel aus St.Gallen, überrascht in der kommenden Saison mit Socialite und Modeikone Daphne Guinness als Model für die neu eingeführte Handtaschen-Kollektion aus Rosshaar , welche ab Februar 2010 in den Läden erhältlich sein wird.
Starfotograf Steven Klein, setzte die Taschen und Bier-Erbin gekonnt in Szene. Seitdem die ersten Bilder des Shootings im Internet kursieren, debattieren Modesüchtige auf thefashionspot.com darüber ob Daphne Guinness überhaupt als Model taugt. Andere wiederum fragen sich, warum Daphne Guinness auf den Bildern bis zur Unkenntlichkeit, und entgegen ihres eigenen Stils, geschminkt, gestylt und mit Photoshop bearbeitet wurde, und monieren, dass es sich bei dieser Darstellung genauso gut um eine X-beliebige Person handeln könnte.
Die Kooperation zwischen AKRIS, Guinness und Klein mutet tatsächlich ungewöhnlich an; entspricht doch weder das Auftreten der exzentrischen Multimillionärin, noch die sexuell aufgeladene und provokante Bildsprache Steven Kleins (die bei Akris natürlich unsichtbar bleibt) dem elaborierten Image von AKRIS und dem zurückhaltenden Auftreten seines Chefdesigners Albert Kriemler. Eigentlich. Tatsächlich dirigierte Steven Klein bereits 1995 Topmodel Stella Tennant für AKRIS vor der Linse und fotografierte seitdem bis einschließlich heute alle Kampagnen des 1922 gegründeten Familienunternehmens.
Über AKRIS spricht man nicht, man philosophiert; über die erstklassige Verarbeitung, die edlen Stoffqualitäten, die ultraschlanken wie auch grafischen Silhouetten und die perfekten Nahtführungen. Mit Daphne Guinness als Werbeträgerin und der Handschrift Steven Kleins, erweitert AKRIS sein stilistisches Vokabular um die Begriffe Authentizität, Mondänität und Internationalität und bringt sich in das Bewusstsein einer modeaffinen, jungen Klientel, die als Multiplikatoren via Internet wertvolle PR-Arbeit leisten. Good job! www.akris.ch
CARVEN is back! Das 1945 von Carmen de Tommaso in Paris gegründete Modehaus bastelt aktuell fleißig an seinem Revival. Erst Sommer dieses Jahres wurde die neue Herrenlinie vorgestellt, parallel dazu reanimierte Riccardo Tisci´s ehemaliger Assistent Guillaume Henry als neuer Chefdesigner das Damensegment.
Das Unternehmen veröffentlichte jüngst Pressefotos mit einzelnen Looks der kommenden Sommerkollektion 2010. Jedoch ist die zur Verfügung gestellte Auswahl an Bildmaterial zu gering, um daraufhin ein fundiertes Urteil hinsichtlich des Modegrads abzugeben. So hoffen wir an dieser Stelle gemeinsam mit Madame Carven, die am 31. August ihren 100.Geburtstag feierte, dass ihr Lebenswerk, welches durch eine scheinbar beliebige Lizenzvergabe in den letzten 20 Jahren erheblich an Aussagekraft einbüßte, künftig an alte Glanzzeiten anknüpfen können wird. Im Interview mit Dazed Digital spricht Guillaume Henry über die neue stilistische Ausrichtung des ehemaligen Couture Labels.
Ein Eigentor hat am Sonntag Abend Mounir Moufarrige, CEO des Modehause Emanuel Ungaro, geschossen. Nach dem Rausschmiss des jungen Esteban Cortazar, der bis vor kurzem noch als Headdesigner für das Label fungierte, engagierte er die noch unbekannte Estrella Archs als Chefdesignern und berief Gelegenheitsschauspielerin Lindsay Lohan zum “Artistic Advisor” des Unternehmens. Moufarrige versprach sich durch die Celebrity-Rekrutierung offenbar jede Menge PR für das etwas angestaubte Label und vor allem mehr Präsenz in den jüngeren Modezeitschriften.
Die Modebranche nahm die Verlautbarung des Deals mit Skepsis und dem ihr eigenen Hohn auf. Zu Recht, wie sich jetzt bei der Präsentation der Frühjahr/Sommer Kollektion 2010 herausstellte. Denn das, was Moufarrige´s neues Gespann im Rahmen der Pariser Modewoche gestern über den Laufsteg schickte, dürfte die ohnehin schon strauchelnde Firma nun mit Orderrückgängen büßen. Weder jung noch richtungsweisend war das Gezeigte; es fehlte ein einheitliches Designkonzept. Stattdessen gab es pinkfarbene Pluderhosen, Kragen- und formlose Paillettenjäckchen, simple Bandeautops, weiße Nerzstolen zu luftigen Sommerkleidern, nach dem Motto: “Fur on the beach ist the ultimate glamour!”, und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, gab es obendrein noch herzförmige Nippelabdeckungen und auf die Stirn geklebte Paillettenherzen, die die Models aussehen ließen als hätten sie einen IQ unter Schuhabsatzhöhe.
Es braucht nicht einmal den analytischen Verstand etablierter Modekritiker um zu sehen, das dass Dargebotene schlichtweg gestrig und uninspiriert war. Jedem der geladenen Gäste war auf dem ersten Blick klar, dass ein gelungenes Fashion-Debut anders auszusehen hat.
Konzeptlosigkeit deluxe- Ungaro SS 2010
Es ist schwer vorstellbar, das Estrella Archs nicht in der Lage sei soll, eine bessere Leistung abzuliefern. Ist der Einfluss des Party-Girls hinter den Mauern an der Avenue Montaigne tatsächlich größer als der einer gestandenen Designerin mit besten Referenzen? Mag sein, dass Celebrity Kollektionen in Amerika von der Masse gut angenommen werden und kommerziell erfolgreich sind, doch ein 23-jähriges Holleeewuud Girl ohne formale Designausbildung an der Spitze eines etablierten, französischen Modehauses ist eine Fehlbesetzung. Auch der in Miami aufgewachsene Esteban Cortazar, der in den USA schon mit 13 Jahren als Wunderkind der Mode gefeiert wurde, konnte mit seinen Klischeemix aus Denver Clan und kubanischer Folklore keine kommerziellen Erfolge erzielen, ließ aber im Gegensatz zum Duo Archs/Lohan einen roten Faden innerhalb seiner Kollektionen erkennen. Qualität braucht Zeit und Erfahrung. Zur Ehrenrettung der Spanierin Archs sei gesagt, dass die Kollektion innerhalb von vier Wochen erstellt werden musste. Doch warum hat das Haus Emanuel Ungaro unter diesen Umständen nicht auf eine Show verzichtet? Lindsay Lohan´s Besetzung beweist vor allem eines: Ruhm allein ist kein Kompetenzmerkmal!
Im folgenden könnt Ihr einen Videomittschnitt der mäßigen Show des Online-Dienstes Mod TV sehen.