Alles Gaga bei Mugler: Show ist alles – Kleidung wenig!

Posted: März 17th, 2011 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , | No Comments »

Mugler Menswear Fall 2011/12

“Modeschöpfer wie Christian Dior brauchten früher weder Handschuhe noch Pferdeschwanz. Ihnen genügte ihr Talent.”

Mit diesem Seitenhieb auf Karl Lagerfeld, dem ewigen Rivalen seines verstorbenen Lebenspartners, Yves Saint Laurent, kritisierte Pierre Bergé, anlässlich des Rauswurfs von John Galliano bei Dior, den Druck der Modedesigner sich heutzutage auch als Person fast schon exzessiv-originell vermarkten zu müssen um der eigenen Arbeit Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Mag angesichts des vielfach bewiesenen gestalterischen Talents Lagerfelds Bergés Kommentar der Geschmack eines persönlichen Ressentiments anhaften, so steckt darin, Lagerfeld mal außen vor gelassen, mehr als nur ein Funken Wahrheit.

Einen Beleg für das Prinzip “show over quality” liefern die kürzlich im Internet verbreiteten Bilder der Menswear-Kampagne für die Wintersaison 2011/12 der Marke Mugler. Doch nicht nur die Werbemotive mit der Totenkopffratze von “Model” Rick Genest, sondern auch all die anderen, seit Jahresbeginn vollzogenen Marketingmaßnahmen zur Wiederbelebung der Modesparte des einstigen Glamour-Labels bestätigen die Notwendigkeit visueller Schockeffekte um in der Bilderschwemme des Internets überhaupt noch wahrgenommen zu werden.

So sprach das fashion-pack im Anschluss an die im Januar vorgestellte Männerkollektion weniger von den gezeigten Metzgerschürzen als vielmehr von Tatoo-Schreck Genest, der die Klamotten über den Laufsteg führte und sich in einem ästhetisch ansprechendem Werbeclip von Mario Vivanco vor dessen Kamera räkelte. Das gleiche Phänomen -viel Aufmerksamkeit um das Drumherum, wenig Beachtung für das beworbene Produkt selbst- lässt sich nun seit einigen Tagen auch an der Damenline des Hauses beispielhaft nachvollziehen. Des Labels neuer Kreativdirektor, Nicola Formichetti, der seit 2009 auch als schwule Kammerzofe Lady Gagas fungiert, bastelte gemeinsam mit ihr am musikalischen Konzept für seine erste Modenschau. Ein Video, das den Superstar als Model über den Catwalk torkeln zeigt, wurde nun bedeutungsschwanger als “Official Directors Cut” veröffentlicht. Dieser PR- Aktionismus, der primär darauf zielte, Pressevertreter anzuheizen, funktionierte jedoch nur bedingt. So finden sich zwar die “Mugler-Gaga-Genest-Videos”, die zum Pre-Release freigegebenen Photo-Stills, und diverse Remix-Versionen der nervtötenden Mugler-Mucke created by Lady Gaga zwar tausendfach in den Tiefen des World Wide Web wieder, doch wer eine kompetente Kritik zur Kollektion lesen möchte, muss danach zunächst einmal etwas länger googlen.

Und nun eben Philipp Genest als Werbeträger für die vergeigte Herrenkollektion. Ob eine zutätowierte Birne modekundige Männer drüber hinwegtäuschen kann, dass dem Sakko aus dem sie herausragt, letztlich das Revers fehlt. Geschmackssache?! Die amerikanische GQ jedenfalls, nutzt den gegenwärtigen Hype um Genest und schmückt sich mit ihm in einer Modestrecke seines aktuellen, zweimal im Jahr erscheinenden Style-Specials. Wann das Ende der Fahnenstange in puncto glaubwürdiger Exzentrik erreicht ist und Kreative sich wieder ausschließlich auf ihr Talent verlassen können um zu glänzen, steht in den Sternen. Gewiss ist nur, die große Show als Tarnmantel für schwache Leistungen ist peinlich, als i-Tüpfelchen genialem Schöpfertums bietet sie hingegen Unterhaltung auf höchstem Niveau.


Alt ist die Neue bei Vogue Paris. Doch was wissen wir eigentlich über sie?

Posted: Februar 23rd, 2011 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , , , , , , | No Comments »

Emmanuelle Alt

Sie ist die zehnte Chefredakteurin seit Bestehen der französischen Vogue und folgte in dieser Position auf Carine Roitfeld, der nach Anna Wintour zweifellos bekanntesten Redakteuse der Welt. Die Rede ist von Emmanuelle Alt. Seit Anfang Februar besetzt diese, als Editor-in-Chief von Vogue Paris, einen der international begehrtesten Stühle innerhalb der Mode-, Medien- und Verlagsbranche. Doch im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin ist über Alt nur wenig bekannt. Dabei war die geschätzt 43-jährige am viel gelobten “progressiven” Image der französischen Vogue unter Roitfelds Regentschaft maßgeblich beteiligt und inszenierte mit nahezu allen namhaften Fotografen so manch einprägsame Fotostrecke. Während den Schauen saß Alt stets neben ihrer ehemaligen Chefin in der ersten Reihe, spielte für die Vertreter der Klatschpresse bislang dennoch nur die zweite Geige. Denn interviewt und um eine Einschätzung der Klamotten gebeten wurde immer nur “smoky-eyed” Roitfeld.

Den Wissensdurst nach Informationen über Frau Alt stillte vor kurzem das amerikanische Magazin “The Daily Front Row”, welches kostenlos zur New York Fashion Week ausliegt. Auf 3 Seiten trugen die Blattmacher zusammen, was sie an Fakten über Vogues neues Aushängeschild finden konnten.

Fulltime-Blog-Lesern und Personen aus Alts näherem Umfeld offenbart sich damit zwar nichts überraschend Neues, allen anderen bietet der Beitrag jedoch einen informativen Überblick über Alts Biographie und ihre Persona. Erstere entpuppt sich als privilegiert, gleichsam bodenständig: Als Tochter einer modelnden Mutter und eines der Öffentlichkeit bislang unbekannten Vaters, besuchte die kleine Emmanuelle eine katholischen Privatschule namens Lübeck. 1882 gegründet und im 16. Pariser Arrondissement gelegen scheint der hier gefahrene pädagogische Kurs erfolgsversprechend: Auch Frankreichs Kurzzeit-First-Lady Célia Sarkozy, Dior Schmuckdesignerin Victoire de Castellane und Azzaro’s Chefdesignern Vanessa Seward wurden hier auf die Anforderungen eines Lebens im ständigen Wettbewerb gedrillt.

Ex-Vogue Chefin Carine Roitfeld in New York, photo: Christopher Macsurak via FLICKR

Was die Platzierung griffiger Sprüche anbelangt liegt Alt um eine gute Nasenlänge hinter ihrer Vorgängerin, aber mit zunehmendem Erfolg entwickelt sich bekanntlich auch das Selbstbewusstsein und so darf man gespannt sein mit welchen Bonmots sich Alt gegenüber den Medien noch profilieren wird.

Dem Klischee der glamourösen Französin mit Hang zu Extravaganzen scheint Alt allerdings nicht zu entsprechen. Wie Millionen andere Menschen auch liebt sie die Farbe Schwarz, die Musik von Michael Jackson, den Film Saturday Night Fever sowie Tee und frisch gepressten Orangensaft zum Frühstück. Sie trägt keine Röcke und auch nicht gerne Handtaschen und wenn doch, dann bevorzugt von Chanel. Ihr persönlicher Look lässt sich plakativ mit “Rock Chic” zusammenfassen. Skinny-Jeans, dazu Stilettos und kurze Jacken mit breiten Schultern, wehendes Haar. Gelegentlich lässt sie sich ihre Nägel bei Revlon in der Rue de Bassano in Form feilen, c’est tout!

In einem Interview mit der britischen Zeitung “The Daily Telegraph” erzählte Alt, dass ihrer Meinung nach TopShop über die besten Jeans verfüge. Das erste was sie mache, sobald sie in London weile, sei eine Filiale des Bekleidungsriesen aufzusuchen. Ihre Vorgängerin Carine Roitfeld konnte diese Leidenschaft offenbar nicht teilen und ließ die Leser der Zeitschrift Acne Paper im Jahre 2009 wissen:

“I only wear jeans and flat shoes on holiday, never for work. Jeans are for my assistants.”

Gespannt wartet das Modevolk nun auf die April-Ausgabe, in deren Impressum Emmanuelle Alt erstmals als Chefredakteurin aufgeführt sein wird. Laut Alt könne man auch ohne zu schockieren durchaus starke Bilder erzeugen und so fiebern Vogue-Fans Alts erstem Cover entgegen, von dem man jetzt schon weiß, dass darauf Gisele Bündchen in einem Kleid von Dolce & Gabbana lächeln wird.

aktuell vergriffen - das Buch von Wynn Dan

Tatkräftige Unterstützung bei ihrer Arbeit erhält Alt übrigens von ihrer Assistentin Géraldine Saglio, die wie ein Klon ihrer Vorgesetzten ausschaut. Ein Grafiker namens Wynn Dan hat mit “Alt/Saglio Quotes+Citations” den Beiden gar ein Buch gewidmet, welches Streetstyle-Fotos von Alt und Saglio auf dem Weg zu diversen Schauen zeigt. Erschienen in einer Miniauflage von gerade mal 200 Exemplaren, die zum Teil über Colette in Paris verkauft wurden. Mittlerweile sind die Exemplare restlos vergriffen, doch ein Nachdruck sei aufgrund der gestiegenen Nachfrage schon in Arbeit.

Ob Alt künftig noch Zeit finden wird ihre Stylingkünste für Modehäuser wie Balmain und Isabel Marant einzusetzen? Wohl kaum! Ihr Styling-Portfolio ist aktuell nicht mehr auf der Seite ihrer Pariser Agentur Art Partner zu finden. Alt wird sich demnach wie von Condé Nast Frankreich-Boss Xavier Romatet auf einer Pressekonferenz im Januar angekündigt von jetzt an ausschließlich ihrer neuen Funktion als Chefredakteurin von Vogue Paris widmen. Bon courage!


Berühmt dafür berühmt zu sein – was Daniela Katzenberger von Lagerfeld und Lori Goldstein unterscheidet

Posted: August 6th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , , , , | 3 Comments »

working-class“We have class, working class!” verkündete Modegott Karl Lagerfeld einst gegenüber Lori Goldstein, ihres Zeichens Stylistin und in Modezirkeln als eine der besten ihres Fachs geltend. Vor kurzem hat die mittlerweile 67-jährige Stilexpertin in einem Interview mit dem New Yorker Modeblog “fashionista” zwischen den Zeilen einige spannende Aussagen platziert, deren Aktualitätsbezug sich gemessen am gestrigen Auftritt von Daniela Katzenberger in der Sendung von Markus Lanz, beispielhaft bestätigte.

Lori Goldstein
Lori Goldstein

So macht Lori Goldstein auf einen Zustand aufmerksam, der mit Sicherheit kein ausschließliches Phänomen des 21. Jahrhunderts darstellt, aber durchaus als neue globale Volkskrankheut der letzten 5 Jahre gewertet werden kann. Die Rede ist von Ruhmessucht. Von jungen Menschen, die krampfhaft ans Licht der Öffentlichkeit drängen ohne, eine konkrete Leistung oder ein bestimmtes Talent anbieten zu können.

So many people I meet say: what’s with this new generation?” weiß die erfolgreiche Stylistin zu berichten und erzählt, das sie sich selbst primär mit hart arbeitenden Leuten umgebe und gewiss niemanden kenne der auch nur im Ansatz den Wunsch verspürt prominent zu sein. “Nobody I know want’s to be a celebrity“. Ein Statement, das angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit in Goldsteins Bekanntenkreis einen prominenten Namen trägt, zunächst verwundert, sich im Gesamtkontext ihrer Antworten jedoch von selbst erklärt.

So scheint das Umfeld von Lori Goldstein mehrheitlich aus Menschen, die sich mit Leidenschaft ihren vornehmlich “kreativen” Aufgaben widmen, zusammenzusetzen. Künstlerseelen, die eher von Berufung als von Beruf sprechen würden und deren Tätigkeit nicht bloß Mittel zum Broterwerb ist als vielmehr der einzige Weg zur Selbstverwirklichung. Menschen, deren Leben die Kunst, die Mode, die Schauspielerei ist. Denen das Blitzlichtgewitter herzlich egal ist, das Bedürfnis, sich der Welt künstlerisch mitzuteilen jedoch umso wichtiger. Menschen, die der Ruhm nicht in Form von Schlagzeilen heimsucht sondern durch Anerkennung ihres Könnens. Lori Goldstein spricht aus eigener Erfahrung: “Those who keep putting in the hours will be the last ones standing.”

Was für eine überaus optimistische Haltung in Zeiten, in denen zahlreiche Medien mittlerweile Scheiße als Gold verkaufen, mag da manch einer denken.

Eine Untersuchung der Universität Bielefeld, welche Mädchen im Alter von 13 – 16 Jahren nach ihren Berufswünschen befragte, hat ergeben, dass die Mehrheit von ihnen eine Kariere als Schauspielerin, Sängerin, Model, oder eben auch Designerin anstrebt. Berufe die auf den ersten Blick allesamt Medienpräsenz und das schnelle Geld versprechen. Wobei das Motiv, möglichst viel Geld zu verdienen, schon längst nicht mehr im Vordergrund steht. Vielmehr geht es um Aufmerksamkeit, eine Währung, die wesentlich stärker ist als der Euro und von der auch German-Barbie Daniela Katzenberger gegenwärtig profitiert.

Auf die Frage von Markus Lanz wo sie sich in ein paar Jahren sieht, antwortete die populäre Blondine, sie sei heute Model, morgen Schauspielerin und übermorgen Sängerin. Der busenfixierte Jürgen Drews pflichtet ihr bei: “Die Zeiten haben sich eben geändert”. Da hat der König von Mallorca natürlich recht: Schrille Selbstdarsteller, It-Girls, höhere Töchter und Society Ladies sind die Stars im Hier und Jetzt.

Doch nicht jeder mag sich mit dieser Entwicklung abfinden und distanziert sich daher von den billigen Thrill-Suchern. “What we do is not the fluff-it’s not going out to parties, it’s not to be seen.” sagt Lori Goldstein.

Dem stimme ich zu: NOT TO BE SEEN IS THE NEW BLACK!

the-new-black


MTV STYL`D

Posted: November 2nd, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION MEDIA | Tags: , , , , | No Comments »
Der Stylisten Nachwuchs / photo by: Kenneth Cappello, by courtesy of MTV

Der Stylisten Nachwuchs / photo by: Kenneth Cappello, by courtesy of MTV

Nach Modedesignern, Models und Redakteuren schicken sich nun die Stylisten an, Starstatus zu erlangen. Die neue MTV Doku “STYL´D” hilft dabei das Ganze zu beschleunigen und den Beruf bei Teenies populär zu machen.

Styling, und wir sprechen hier nicht vom Haare legen, ist eine Kunst für sich. Es gibt in etwa so viele verschiedene Definitionen was ein gelungenes Styling ausmacht, wie es Stylisten gibt. Darüber zu streiten ob nun der reduzierte Chic von Jil Sander oder doch eher das Drama à la Versace von gutem Stil zeugt, ist müßig, denn beides hat seine Berechtigung. Letztlich zählt in der Sparte des Celebrity- Stylings, ob der Look zum Kunden und zum Anlass passt, einen Eindruck hinterlässt, und positiv von den Boulevardmedien kommentiert wurde.

In der Sendung STYL`D, die am Sonntag den 1. November on Air ging, konkurrieren 5 blendend aussehende, junge Menschen im Rahmen des “Junior Assistant Program” um einen Vertrag mit Margaret Maldonados Agency, dem Rolls Royce unter den amerikanischen Styling-Agenturen. Die bei MMA unter Vertrag stehenden Stylisten, Make-up Artisten und Haarkünstler kümmern sich um die Optik fast aller Blondinen zwischen Holleeewuud und Maleeeboo. Neben diversen Modemagazinen zählt Jennifer Aniston  genauso zum Kundenstamm der Agentur wie Jessica Simpson, Lindsay Lohan, Nicole Richie, Mischa Barton, die Olsen Zwillinge, Angelina Jolie und Penelope Cruz.

Der zickige Umgang der geschmackssicheren Wettbewerber untereinander, erinnert stark an Szenen aus der “Teufel trägt Prada,” aber auch die Attitüde ihrer Mentoren, den Senior Stylisten, die ihren Status wiederholt durch den Ehrgeiz der Aspiranten bedroht sehen, gibt Aufschluss über das Bild, dieses von Eitelkeit beherrschten Berufszweiges.

“If you dont agree with me, don´t have an opinion” lautet die direkte Weisung von Jen Read gegenüber den Hoffnungsträgern Gary (soo gay) und Janna (soo bitchy) kurz vor einer Anprobe mit Filmsternchen Kim Kardashian. Na dann. Get Style!