FASHION-DRAMA: PRADA verklagt ehemalige Angestellte wegen Rufschädigung

Posted: August 28th, 2010 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: , , , , , | No Comments »

photo: HYPE MAGAZINE

photo: HYPE MAGAZINE

Zu hässlich für den gehobenen Einzelhandel? Nachdem Rina Bovrisse, 36, ihren Job als Senior Retail Managerin im Oktober 2009, aufgrund ihrer Beschwerde wegen angeblicher Schikanen und Diskriminierung durch ihren Vorgesetzten, verloren hatte und das Unternehmen Prada anschließend auf $ 685.000 Schmerzensgeld verklagte, schlägt das Kultlabel mit Sitz in Mailand nun mit einer Gegenklage zurück und bezichtigt seine Ex-Angestellte der Rufschädigung.

Hierbei verlangt Prada 390.000 US-Dollar Entschädigung für den durch Bovrisses’ Anschuldigungen entstandenen Imageschaden. Doch der Reihe nach: Laut Bovrisse habe ihr damaliger Vorgesetzter, Davide Sesia, seines Zeichens ehemaliger CEO bei Prada Japan, sie im Frühjahr 2009 angewiesen, 15 Store-Manager und Verkäufer der rund 40 in Japan vertretenen Prada-Boutiquen zu entlassen, die von Sesia als zu alt, fett und hässlich, mit schlechter Figur und schlechten Zähnen behaftet, kritisiert wurden und demzufolge nach nicht dem Prada-Look entsprechen. Bovrisse äußerte ihren Unmut bezüglich dieser obskuren Selektion und stand kurz daraufhin selbst unter Beschuss.

So soll der Personalchef von Pradas japanischer Firmenzentrale, Hiroyuki Takahashi, Bovrisse in einen Konferenzraum bestellt und ihr eine Verwarnung erteilt haben, da auch sie nicht dem typischen Prada Look entspräche. Schließlich riet Takahashi ihr, auch im Namen des CEOs, ihre Frisur zu ändern und ein wenig abzuspecken, denn dieser würde sich unlängst für die Hässlichkeit seiner Mitarbeiterin schämen.

Via e-mail beschwerte sich Rina Bovrisse über die Missstände beim einem Manager am Firmenhauptsitz in Mailand, was wenig später mit der Begründung, Bovrisse habe “Mobbing Angelegenheiten an Mailand gemeldet und damit für negative Stimmung im (japanischen) Unternehmen gesorgt”, zu ihrer Kündigung führte.

In einer vor wenigen Tagen verfassten e-mail an die japanische Presse schrieb Bovrisse, dass Pradas Gegenklage gegen die Menschenrechte verstoße, indem der Konzern, durch juristische Einschüchterung versuche, die Opfer seiner Personalpolitik davon abzuhalten die Wahrheit über die Hintergründe einer Anstellung bei Prada publik zu machen.

Tatort: Der Prada Store in Tokio, photo: by damon.garrett via FLICKR.com
Tatort: Der Prada Store in Tokio, photo: by damon.garrett via FLICKR.com

So soll den Verkäufern in den japanischen Filialen auch zum Kauf von Prada-Artikel “geraten” worden sein um die monatlichen Mindestumsätze zu erfüllen. Wer sich hier verweigere, der müsse mit Entlassung rechnen.

Prada Japan lässt sich in diesem Fall gleich von vier Anwälten vertreten. Die Malaise erinnert an die Geschichte von David gegen Goliath. Doch Bovrisse, die seit nunmehr 18 Jahren in der Modebranche arbeitet, lässt sich bezüglich ihrer Werte nicht beirren. Sie kämpft für ihr Recht und nutzt die Angelegenheit um allgemein auf das Thema Frauen-Mobbing am Arbeitsplatz aufmerksam zu machen.

Das insbesondere Luxusunternehmen bei der Besetzung ihres Verkaufspersonals großen Wert auf ein attraktives bis gar überdurchschnittlich gutes Äußeres legen ist kein Geheimnis und scheint zunächst auch legitim, schließlich ist der Verkäufer als Ansprechpartner für den Endverbraucher eben auch immer Repräsentant einer bestimmten Markenphilosophie. Dennoch hat die Fixierung auf rein optische Qualitäten einen leicht sauren Nachgeschmack, denn sollte nicht gerade im Luxussegment auch fachliche Kompetenz bei der Besetzung von Positionen im Einzelhandel ein Rolle spielen, wenn nicht sogar den maßgeblichen Grund für eine Einstellung überhaupt bilden?

Die hübschesten Verkaufshuschen nutzen wenig, wenn diese sich vor lauter Schönheit zu schade sind, den Kunden zu bedienen, und das Ladenlokal quasi als Laufsteg in eigner Sache missbrauchen (alles schon erlebt). Im Falle von Bovrisse bleibt  ohnehin die Frage, warum man die Dame überhaupt eingestellt wurde, wenn sie doch letztlich gar nicht dem Corporate Design der Firma entspricht? Könnte es sein, dass Prada Japan hier nur einen Vorwand suchte um eine unbequeme Mitarbeiterin mit eigenen Ansichten loszuwerden?

Der Fashion-Krimi zwischen Mailand und Tokio ist noch lange nicht zu Ende und im Detail weitaus komplexer als er hier dargestellt werden kann. Ich empfehle daher allen Interessierten, das ausführliche und beeindruckend erhellende Interview mit Rina Bovrisse auf fashadixx.com zu lesen. (SB)


COMME DES GARCONS WIRD 40 UND SIEHT SCHWARZ!

Posted: Juni 12th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , , | No Comments »

Comme des Garcons feiert Geburtstag. Das 1969 von Modedesignerin Rei Kawakubo,66, in Tokio gegründete Kultlabel beeinflusst seit 40 Jahren mit innovativen Marketingstrategien und nonkonformistischen Entwürfen die Modewelt.

black-cdgDoch statt einer riesen Partysause zum Firmenjubiläum hat sich die Modevisionärin erwartungsgemäß originelleres Einfallen lassen und launcht stattdessen BLACK, eine neue wie zeitlich begrenzt verfügbare Modelinie als Antwort auf die weltweite Wirtschaftskrise. BLACK Designs basieren auf den beliebtesten Comme des Garcons Silhouetten in den für CDG typischen Mustern wie den beliebten Polkadots, Gingham oder Checkerboard.

Weltweit werden zwischen Juni und Juli eigenständige Stores als auch temporäre Pop-up Shops in renommierten Modetempeln wie Barney´s und Colette errichtet um die Kollektion verfügbar zu machen. Während die Store-in-Stores nur zwischen zwei und vier Wochen ihr Lager aufschlagen, wird es die ganzheitlichen BLACK Ladenlokale solange geben wie die Rezession anhält. Preislich liegt BLACK in etwa 50% unterhalb der regulären Hauptlinie und wird in größeren Stückzahlen von einigen Hundert produziert, während die Auflage von Kollektionsteilen der Hauptlinie auf ein paar Dutzend beschränkt ist. Neue Styles werden alle sechs Wochen geliefert! Bislang gibt es BLACK nur für Mädels, doch das Interesse der Herren, sei laut Angaben japanischer Einzelhändler, die die Linie bereits vertreiben so groß , dass man  in der Comme des Garcons Firmenzentrale derzeit auch über die Einführung eine BLACK Herrenlinie nachdenkt. In Japan erweist sich BLACK bereits als Erfolg, die Verkaufserlöse liegen weit höher als zum Zeitpunkt der Einführung erwartet.

black-cdg-01

Es ist dieses geniale Gespür für den Zeitgeist was Rei Kawakubo auszeichnet. Sie denkt in Konzepten nicht in Styles. War Comme des Garcons vor dem Internet Boom noch das Lieblingslabel weniger Insider und all derjenigen die sich gern den Anstrich des Intelektuellen gaben, vornehmlich Moderedakteure und Galeristen, so ist das Label dank der virtuellen Verbreitungsmechanismen mittlerweile fest in den Köpfen vieler junger Menschen verankert, deren Mode-Affinität nicht zwangsläufig einen professionellen Hintergrund hat, sondern rein auf dem Lustprinzip, sich mittels Mode eine eigene Identität zu schaffen , die eigene Persönlichkeit individuell zum Ausdruck zu bringen, basiert.

Die künstliche Verknappung von Produkten wie auch ihre zeitliche begrenzte Verfügbarkeit beherzigen auch andere Labels wie Gucci oder Louis Vuitton. Doch während die Konkurrenz das limitierte Stück auffällig aggressiv bewirbt um damit in der kurzen Zeit seiner Erhältlichkeit möglichst viel Umsatz zu generieren, büßt sie gleichzeitig an Authentizität ein. während es Rei Kawakubo gelingt ihre Fans niemals spüren zu lassen, das auch sie letztlich Geld verdienen muß.

Es hat den Anschein als stünden monetäre Interessen im Universum von Comme des Garcons im Hintergrund, als fühle man sich ausschließlich der konsequenten Umsetzung einer bestimmten Ideologie verpflichtet. Als gehe es nur darum der eigenen Vision zu folgen, eine Geisteshaltung zu leben die keinerlei Werbung bedarf, weil sie sich selbst genügt. Doch auch das ist Konzept, aber eben ein subversives, an dem Sie und ihr Team ständig und unermüdlich arbeiteten. Man könnte es auch inszenierte Individualität nennen. Wie sehr die Mystfizierung ihrer eigenen Person Kalkül oder tatsächliche Überzeugung ist, weiß nur sie selbst. Doch in Zeiten wo Alles und Jeder immer und überall sofort greifbar ist, macht sie sich und ihre Produkte rar und weckt dadurch Begehrlichkeit. Sie weiß, dass nur interessant ist, was man nicht haben kann. Dabei sind die fashion-blogger von New York über Berlin bis Tokio die besten Multiplikatoren der Kawakuboschen Botschaft. Hiebei profitiert die Designerin im doppelten Sinne. Sie spart sich das Geld für teure Werbekampagnen und nährt durch die Mund-zu-Mund Propaganda gleichzeitig die Glaubwürdigkeit ihrer Designphilosophie. Genial und der Grund why we love Comme des Garcons!