Posted: August 4th, 2010 | Author: Martina Klose | Filed under: FASHION INSIDE, FASHION NEWS | Tags: Givenchy, Lea T., Muse, Paris Fashion, Riccardo Tisci, Transgender, Transsexualität, Transsexuelles Topmodel | 4 Comments »

Lea T. (zweite von rechts); photo by courtesy of givenchy
Auf den ersten Blick springt dem Betrachter nur ihre unglaubliche, jugendliche Schönheit ins Auge. Nicht im Traum würde irgendwer an Ihrer Weiblichkeit zweifeln. Ihre vollen Lippen, ihr langes dunkles Haar, die makellosen, langen Beine und dieser jugendliche, fast unreife Blick, wie ihn auch Kate Moss in jungen Jahren hatte. Keine Frage, Lea T. hat das gewisse Etwas, welches ein Model ausmacht. Mutter Natur hat es gut mit dieser jungen Frau gemeint und sie – um es mit den Worten eines Modelagenten auszudrücken – mit dem kompletten “High Fashion Rundumpaket” ausgestattet.
Deshalb würde wohl auch Niemand in Frage stellen, dass die gebürtige Brasilianerin das Gesicht der Herbst/Winterkampagne 2010 des französischen Luxuslabels Givenchy ist. Genauso wenig käme man auf die Idee, diese gelungene Kampagne als revolutionär einzustufen – doch für die Modebranche ist sie das und zwar aus gutem Grund. Denn Lea T.’s Geschichte ist nicht eine dieser hundertmal gehörten Cinderella Stories jener Models, die es aus dem Nichts unter die Top 20 geschafft haben. Lea T. wurde als Mann geboren und hieß früher Leo – das Topmodel mit der leicht androgynen Ausstrahlung ist eine Transsexuelle.
Vor 28 Jahren wurde sie als Leandro Cerezo in Brasilien geboren. Ihre Familie ist streng katholisch, ihr Vater ist der prominente Fussballspieler Toninho Cerenzo. Schon als Kind bemerkt Leandro, dass er anders ist, als die gleichaltrigen Jungen. Auch dem Vater wird das frühzeitig bewusst. Lange betet die Familie, dass Leandro „nur” homosexuell ist. Mit 14 fühlt sich Leandro zu Mädchen und Jungen gleichmaßen hingezogen und merkt, dass seine Situation alles andere als einfach sein wird. Erst die Begegnung mit dem Central Saint Martins Absolventen Riccardo Tisci wird alles ändern: der Modedesinger ermutigt Leandro, seine Weiblichkeit zu entdecken.
Als Kreativdirektor im Hause Givenchy engagiert Tisci Leandro später als seinen Assistenten und macht ihn schließlich zu seiner Muse. “One night he encouraged me to wear pumps to a party,” erinnert sich das transsexuelle Model in einem Interview mit der französischen Vogue. “We went shopping for ‘drag queen’ shoes and we bleached my eyebrows. It was a revelation.” Inzwischen hat es Lea vom Backstagebereich auf den Laufsteg geschafft. Sie ist bei der Modelagentur Women unter Vertrag, lief auf der Haute-Couture-Schau von Givenchy und wurde neben anderen Topmodels für die Herbst/Winter Kampagne des Luxuslabels unter Vertrag genommen.
Das wohl spektakulärste Shooting aber hatte Lea T., deren Verwandlung zur Frau noch nicht gänzlich vollzogen ist, jüngst für die französische Vogue. In der Juli Ausgabe posiert sie splitternackt. Ihre lange braune Mähne umspielt die zarten Brüste, ihr altes Ich ist nicht zu übersehen, auch wenn sie es vorsichtig hinter ihrer Hand versteckt. Im Vergleich zu ihrem fragilen Oberkörper wirkt ihre verbliebene Männlichkeit wie ein Störfaktor, ein Makel. Etwas, was da nicht hingehört. Chefredakteurin Carine Roitfeld brachte dieses Aktfoto einerseits den Vorwurf ein, sie würde Leas Transsexualität nutzen, um die Auflage ihres Magazins zu steigern.
Andererseits wurde die französische Vogue-Chefin für ihre Fortschrittlichkeit gelobt, da sie ein Thema aufgegriffen hat, welches in der Modebranche bislang als Tabu galt und in Hochglanzzeitschriften so gut wie gar nicht stattfand. Lea selbst wollte mit der freizügigen Fotostrecke ein Signal setzen:“I agreed to pose in the name of all my transsexual friends.” Trotz ihres märchenhaften Aufstiegs, kämpft die Brasilianerin weiterhin gegen Vorurteile und Altlasten. So soll ihr Vater im Interview mit der britischen Tageszeitung the Guardian die Existenz einer Tochter verneint haben. Als der Reporter konkret nachfragte, ob denn einer seiner Söhne in der neuen Givenchy Kampagne zu sehen sei, soll der ehemalige Profisportler einfach aufgelegt haben.
Wohl auch deshalb gibt sich Lea T. keinen Illusionen hin und sieht ihren derzeitigen Erfolg mit gemischten Gefühlen: “We transsexuals are born and grow up alone. After the operation we are born again, but once again alone. And we die alone.” It is the price we pay.” Vielleicht ist Lea mit ihren 28 Jahren noch nicht bewusst, dass sie möglicherweise eine Schlüsselfigur in der Modebranche sein wird, ähnlich wie es Anfang der 90er Jahre Naomi Campell war, die als erstes dunkelhäutiges Model die Laufstege dieser Welt eroberte. Eine Schlüsselfigur für mehr Menschlichkeit und Toleranz. Für den Fall, dass die schnelllebige Fashion Industrie sie doch nur verheizt und ihrer schnell überdrüssig wird, hat die besonnene Brasilianerin bereits vorgesorgt. Seit ein paar Semestern studiert sie in Italien Tiermedizin. Was für eine beeindruckende Frau, diese Lea T.! (Text: Martina Klose)
www.givenchy.com
siehe auch Artikel: Interview mit Nina Arsenault
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Posted: Mai 29th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION INSIDE | Tags: fashion, gay, Icon, Kanada, Nina Arsenault, Queer, Style, Transsexualität | No Comments »

I´ll show you how to...Nina Arsenault
In Kanada ein Superstar – in Europa gänzlich unbekannt; noch! Megatranse Nina Arsenault ist hot. Sie selbst beschreibt sich als “queer art object” und Künstlerin. Definitiv ist sie Kanadas berühmteste Transsexuelle und zählt zu den bekanntesten Queer Celebrities des Landes.
Nina wuchs zunächst in bescheidenen Verhältnissen in einer Wohnwagen Siedlung in Beamsville, Ontario, einer verschlafenen 10.000 Seelen Gemeinde am Ontario See, als Junge Namens Rodney auf, bevor sie sich 1998 einer ersten Operation, auf ihrem langen Weg zur Frau unterzog. Seit diesem Zeitpunkt investierte die mittlerweile 35-jährige über 160.000 Dollar in ca. 60 chirurgische Eingriffe. Um diese zu finanzieren arbeitete sie für eine Porno Webseite. Hier präsentierte sie sich vor laufender Kamera zahlenden Kunden als onanierender “shemale” Eine Geschlechtsanpassung ist bis heute nicht erfolgt. Die Matrix, Brüste und Penis zugleich, steigern Ninas Marktwert, machen sie zu etwas Besonderem. Arsenault arbeitete als Callgirl und schrieb Kolumnen in Transgender Angelegenheiten für das zweiwöchentlich erscheinende, kanadische Schwulenheft fab und stellte unter Beweis ,dass Sie mit zwei Studienabschlüssen, in Theaterregie und Dramaturgie, mehr Adjektive kennt um sexuelle Handlungen zu beschreiben, als viele andere ihrer Kolleginnen, die gleichfalls nach Ruhm und Anerkennung mittels aufgeblasener Brüste dürsten.
Einfühlsam, differenziert und reflektierend, dabei immer unkonventionell und knackig auf den Punkt formuliert, schrieb sich Arsenault in die Wahrnehmung der kanadischen Gay Community. Wie es sich für eine Kariere als glamouröser Transgender gehört, trat Nina auch als Kleindarstellerin in diversen Serien auf.
Mediales Aufsehen erregte ihre Begegnung mit Rüpelrocker Tommy Lee, dem Ex von Baywatch-Nixe Pamela Anderson in einem Nachtclub von Toronto. Der Drummer von Motley Crue zog Arsenault zunächst auf seinen Schoß und flirtete heftig mit der Schönen, bis ein Anwesender Tommy mitteilte, dass Sie eigentlich ein Er ist. Mit der Begründung, er bräuchte mal eben Zigaretten verließ Macho Tommy Lee mit sichtlich rot gefärbtem Gesicht den Club. Gegenwärtig schreibt La Arsenault an ihren Memoiren mit dem Titel: The Silicone Diaries!
Nachdem sie in diesem Jahr ihre eigene Firma mit dem Namen “Venus Machine” gegründet hat, dürfen wir davon ausgehen in Zukunft mehr von Nina Arsenault zu hören.

Queer Art Object
romeoliebtjulian.com bat Nina um ein Interview. Ein Austausch via Internet:
HYPE: Nina, Du bist in einem Trailer -Park aufgewachsen, Siedlungen am Rande der Stadt mit Wohnmobilen, die als Synonym für Armut gelten. Würdest Du sagen, dass Du eine glückliche Kindheit hattest?
Nina: Ich habe bis zu meinem 6. Lebensjahr in einem Trailer gelebt, jedoch waren wir nicht wirklich arm. Meine Familie war extrem sparsam und lebte daher weit unter ihren Möglichkeiten. Als ich sechs Jahre alt war zogen wir in ein richtiges Haus, das mir damals wie eine Villa vorkam. Ich würde sagen, ich hatte das Glück wunderbare, liebevolle Eltern zu haben, die mich stets unterstützten und hinter mir standen obwohl ich aufgrund meines femininen Äußeren und meinem Bedürfnis ein Mädchen zu sei, häufig der Diskriminierung meiner Mitschüler ausgesetzt war. Eine schwierige Zeit. Ich hatte aber Interesse an der Schule, war clever und fand somit sogar Rückhalt bei einigen Lehrern
HYPE: Wann hast Du zum ersten Mal gemerkt, dass Du dich von den anderen Jungs in deiner Umgebung unterscheidest?
Nina: Ich wusste immer, dass ich kein Junge war. In meinen frühesten Erinnerungen sehe ich mich bereits als Mädchen.
HYPE: Wie hat dein Umfeld auf dich reagiert?
Nina: Im Trailer-Park habe ich den anderen Kindern gesagt, dass ich anders bin und damit war die Sache für sie gegessen. Als wir jedoch in eine andere Stadt zogen, haben mich die anderen Kinder dort verachtet. Sie haben sich mich wegen meines mädchenhaften Aussehens verspottet und gemieden. Sogar einige der männlichen Lehrer haben sich vor der Klasse über mich lustig gemacht.
HYPE: Und heute…?
Nina: …lebe ich in Toronto!
HYPE: Hast Du jemals daran gedacht nach New York oder Los Angeles zu ziehen und dich unter die Modeleute zu mischen, über rote Teppiche zu laufen und eine Karriere im Showgeschäft anzustreben?
Nina: Ich denke oft daran nach New York zu ziehen, wo ich Freunde habe, die sagen dass ich dort viel besser hinpassen würde. Doch es ergeben sich ständig so viele Gelegenheiten für meine Arbeit in Toronto, das es schwer ist von hier weg zu gehen. Oftmals denke ich auch daran nach Berlin zu ziehen. Ich sehne mich nach Leuten die einen Sinn fürs Schräge haben. Ich glaube, dass sich Europäer stärker für die verschiedenen Disziplinen der Kunst interessieren als Kanadier und bereit sind durch die Auseinandersetzung mit der Kunst ihren eigenen Horizont zu erweitern.
HYPE: Interessiert Du dich eigentlich für Mode, und wenn ja, welche Designer zählen zu deinen Favoriten?
Nina: Ich interessiere mich sogar sehr für Mode. Meine Lieblingsdesigner sind Alexander McQueen und Balenciaga. Auch Christopher Kane finde ich toll. Ich liebe avantgardistisches, mit aufwendigen Details in handwerklicher Perfektion. Mich interessieren Designer, deren Arbeiten in einem bestimmten Kontext von Bedeutung stehen. Designer, die in der Lage sind eine Art Semiotik der Mode zu formulieren dabei aber die richtige Balance zwischen Intellekt und der Ästhetik aus Linie, Form, Masse, Farbe und Textur finden.
HYPE: Für welche Dinge gibst Du am meisten Geld aus?
Nina: Das meiste Geld gebe ich tatsächlich für Mode und Hautpflege aus. Dann schaue ich mir noch viele Theaterstücke und Tanzaufführungen an.
HYPE: Wie kommt es, dass Dich jeder in Kanadas gay community kennt?
Nina: Die meisten Leute kennen mich aus dem Fernsehen. Hier habe ich bei zwei Reality Shows, Lofters und Kink, mitgemacht. Zudem hatte ich mehrere Auftritte in der kanadischen Soap Train48. Schließlich schrieb ich autobiographische Geschichten für ein Schwulenmagazin, die die Leser offenbar bewegten und zum Stadtgespräch wurden. Als mich Torontos Bürgermeister für meine künstlerischen Leistungen auszeichnete, wurde dies ebenfalls von vielen Medien dokumentiert.
HYPE: Wer hat dich auf dem Weg zu der Person, die Du heute bist unterstützt?
Nina: Ganz klar, meine Eltern! Aber auch Freunde und Künstler wie Sky Gilbert und die Leute vom Buddies at Bad Times Theater.
HYPE: Gibt es etwas für das Du dich politisch einsetzt?
Nina: Ich bin Künstlerin. Ich mache eher auf politische Mißstände aufmerksam als für eine politische Sache zu kämpfen. Ich plädiere jedoch für die Stärkung des eigenen Selbst.
HYPE: Amanda Lepore ist die berühmteste Transsexuelle der Welt und verdient durch den Verkauf von Platten und Merchandising-Produkten ein Vermögen. Neidest Du ihr manchmal den Ruhm?
Nina: Ich respektiere und bewundere Amanda und bin nicht eifersüchtig auf sie. Ich befinde mich auf meiner eigenen Reise und bin gespannt wo diese mich noch hinführt!
HYPE: Hast Du deine Biography “The Silicone Diaries” schon fertig gestellt? Wann wird sie veröffentlicht?
Nina: Bei den “Silicione Diaries” handelt es sich nicht um eine Biographie sondern Memoiren. Hier geht es mehr um meine Verwandlung, die Erlebnisse während meiner Op´s, als um meinen persönlichen Werdegang. Ich weiß nicht wann ich damit fertig sein werde. Es ist ein andauernder Verarbeitungsprozess.
HYPE: Warum gibt es bis jetzt noch keine Website von Dir?
Nina: Ich bin ein Kontroll-Freak und habe zunächst nicht den passenden Web Designer gefunden , der es versteht meine Wünsche umzusetzen. Ich möchte nichts machen, das nicht meinen Vorstellungen entspricht. Nun, aktuell ist etwas in Arbeit.
HYPE: Was sind deine aktuellen Projekte und wie sehen deine Zukunftspläne aus?
Nina: Ich plane die Toronto Premiere des Stücks “The Silicone Diaries” basierend auf meinen Memoiren, die im November im Buddys at Bad Times Theater in Toronto stattfinden wird. Dem größtem Schwulen Theater Nordamerikas. Ich bin Gastgeberin mehrerer Gay Partys und arbeite an einer Videoserie, die sich mit der Dekonstruktion von Glamour beschäftigt.
HYPE: Was fällt Dir ein wenn Du an Deutschland denkst?
Nina: Da muß ich sofort an den Dramatiker Heiner Müller denken, dessen Werken ich aktuell so verbunden bin, da ich an einem Theaterstück namens “Ophelia Machine “schreibe, das in vielerlei Hinsicht eine Antwort auf Heiner Müllers “Hamletmaschine” darstellt.
HYPE: Die wichtigste Lektion die Dich das Leben gelehrt hat?
Nina: Eine positive Einstellung äußerst sich in einem positiven Leben!
Interview: Sven Barthel

all photos by courtesy of Nina Arsenault
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