Veronique Branquinho – Jetzt ist Schluss!

Posted: Mai 28th, 2009 | Author: Sven Barthel | Filed under: FASHION NEWS | Tags: , , | No Comments »

Die belgische Vorzeigedesignerin Veronique Branquinho gibt ihr vor elf Jahren gegründetes Label auf.

Veronique Branquinho - by courtesy of Totem Fashion

Veronique Branquinho - by courtesy of Totem Fashion

Infolge der Wirtschaftskrise hatte die Kreative zuletzt mit drastischen Orderrückgängen, zahlreichen Stornierungen und sogar ausbleibenden Zahlungen zu kämpfen. Branquinho unterhält eine eigenständige Boutique unter eigenem Namen in Antwerpen, wo vermutlich in Kürze der Ausverkauf noch vorrätiger Kollektionsteile stattfinden wird. Etwa 50 Einzelhändler zählte sie bisher zu ihren Kunden.

Die unter anderem mit dem VH-1 Fashion Award und Moet Fashion Award ausgezeichnete Modemacherin gründete 1997 mit nur 24 Jahren ihr eigenes Label und avancierte im Fahrwasser des Hypes um belgisches Design Mitte der 1990er Jahre zum Shooting Star der Branche. Mit gerade mal 36 Jahren geht Branquinho jedoch nicht in Rente, sondern arbeitet künftig für die belgische Lederwaren Marke Delvaux, zu deren Art Director sie vor kurzem benannt wurde.

In ihrem Kollektionsbericht für Style.com äußerte sich die bekannte Modekritikerin Nicole Phelps zu Branquinhos Sommer Kollektion 2008 noch lobhudelnd: “In the midst of all this were several jackets-the best being a lanky black blazer-that demonstrate why she’ll still be around in 2017.” Nun, auch renommierte front-row Schreiberinnen können irren. Der blümerante und joviale Wortschwall vieler Modejournalisten anlässlich einer einzelnen Klamotte verwundert dann doch ein wenig und man fragt sich, warum gerade diese vermeintlich so weltgewandten und vielreisenden Personen, beim Anblick eines einzelnen grauen Bleistiftrocks geradezu in Verzückung geraten. Wer bitteschön geht schon vor einer Klamotte in die Knie? Peinlich!

Ja, ja die Krise, die habe ja Niemand voraus sehen können werden jetzt Einige in Bezug auf Branquinhos Pleite sagen. Die Krise nicht, wohl aber das die Zeiten von Helmut Langscher Reduktion längst vorbei sind. Die Kleiderschränke sind voll. Lustkäufe statt Bedarfskäufe sind die Regel. Niemand braucht mehr einen weiteren marinefarbenen Blazer. Graue Shorts, weiße Blusen und beigefarbige Jerseytops vermögen zudem angesichts der parallel nebeneinander existieren Vielfalt an gegensätzlichen Modetrends und hochbegabten Newcomern wie Christopher Kane und Gareth Pugh einfach keine Begeisterungstürme mehr auszulösen. Eine Entwicklung die nicht von heute auf morgen gekommen ist. Es ist die Aufgabe des Designers Tendenzen aufzuspüren und in zeitgenössische Looks umzusetzen. In Anbetracht all dessen, scheint da die persönliche Krise Branquinhos irgendwie hausgemacht!