Alexander McQueen, photo Sølve Sundsbø for the Costume Institute @the Met
Designer Alexander McQueen hat mit seinem Freitod nicht nur eine große Lücke im Herzen aller Modeliebhaber und viele offene Fragen hinterlassen sondern auch ein einzigartiges kreatives Erbe.
Damit dieses nicht in Vergessenheit gerät, aber auch um McQueens Leistungen und die Inspiration, welche er über Jahre hinweg der Modebranche lieferte posthum gebührend zu würdigen, zeigt das Costume-Institute des Metropolitan Museum of Art in New York in einer neuen Ausstellung das Beste aus den Archiven McQueens. Besucher dürfen sich auf Videos seiner spektakulärsten Schauen, Bilder der schönsten Werbekampagnen, Modeskizzen, Interviews und natürlich die Präsentation der dramatischsten Roben seiner Laufbahn freuen. Angefangen bei Stücken seiner Abschlusskollektion am Central Saint Martins College aus dem Jahre 1992 bis hin zu seinen letzten Entwürfen für die Herbst/Winter Saison 2010/2011.
Am Konzept der Ausstellung mit dem Titel “Alexander McQueen: Savage Beauty” sind Sarah Burton, McQueens langjährige rechte Hand und jetzige Kreativdirektorin des Labels sowie Modedesignerin und McQueen-Freundin Stella McCartney beteiligt. Andrew Bolton und Harold Koda, beide Kuratoren am Costume Institute, betonten auf einer Pressekonferenz den besonderen Einsatz von Anna Wintour für die Ausstellung. Ohne das Engagement der US-Vogue Chefin wäre das Projekt nicht Zustande gekommen. Bereits zwei Tage vor dem offiziellen Ausstellungsbeginn am 04. Mai, wird sich die internationale Fashionszene auf Einladung Wintours in NewYork einfinden um McQueen und sein Lebenswerk zu feiern.
Ein Buch zur Ausstellung erscheint Ende Mai.
Alexander McQueen: Savage Beauty
04. Mai – 31.07.2011
METROPOLITAN MUSEUM OF ART
Iris and B. Gerald Cantor Exhibition Hall, 2nd floor
Sie ist die zehnte Chefredakteurin seit Bestehen der französischen Vogue und folgte in dieser Position auf Carine Roitfeld, der nach Anna Wintour zweifellos bekanntesten Redakteuse der Welt. Die Rede ist von Emmanuelle Alt. Seit Anfang Februar besetzt diese, als Editor-in-Chief von Vogue Paris, einen der international begehrtesten Stühle innerhalb der Mode-, Medien- und Verlagsbranche. Doch im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin ist über Alt nur wenig bekannt. Dabei war die geschätzt 43-jährige am viel gelobten “progressiven” Image der französischen Vogue unter Roitfelds Regentschaft maßgeblich beteiligt und inszenierte mit nahezu allen namhaften Fotografen so manch einprägsame Fotostrecke. Während den Schauen saß Alt stets neben ihrer ehemaligen Chefin in der ersten Reihe, spielte für die Vertreter der Klatschpresse bislang dennoch nur die zweite Geige. Denn interviewt und um eine Einschätzung der Klamotten gebeten wurde immer nur “smoky-eyed” Roitfeld.
Den Wissensdurst nach Informationen über Frau Alt stillte vor kurzem das amerikanische Magazin “The Daily Front Row”, welches kostenlos zur New York Fashion Week ausliegt. Auf 3 Seiten trugen die Blattmacher zusammen, was sie an Fakten über Vogues neues Aushängeschild finden konnten.
Fulltime-Blog-Lesern und Personen aus Alts näherem Umfeld offenbart sich damit zwar nichts überraschend Neues, allen anderen bietet der Beitrag jedoch einen informativen Überblick über Alts Biographie und ihre Persona. Erstere entpuppt sich als privilegiert, gleichsam bodenständig: Als Tochter einer modelnden Mutter und eines der Öffentlichkeit bislang unbekannten Vaters, besuchte die kleine Emmanuelle eine katholischen Privatschule namens Lübeck. 1882 gegründet und im 16. Pariser Arrondissement gelegen scheint der hier gefahrene pädagogische Kurs erfolgsversprechend: Auch Frankreichs Kurzzeit-First-Lady Célia Sarkozy, Dior Schmuckdesignerin Victoire de Castellane und Azzaro’s Chefdesignern Vanessa Seward wurden hier auf die Anforderungen eines Lebens im ständigen Wettbewerb gedrillt.
Ex-Vogue Chefin Carine Roitfeld in New York, photo: Christopher Macsurak via FLICKR
Was die Platzierung griffiger Sprüche anbelangt liegt Alt um eine gute Nasenlänge hinter ihrer Vorgängerin, aber mit zunehmendem Erfolg entwickelt sich bekanntlich auch das Selbstbewusstsein und so darf man gespannt sein mit welchen Bonmots sich Alt gegenüber den Medien noch profilieren wird.
Dem Klischee der glamourösen Französin mit Hang zu Extravaganzen scheint Alt allerdings nicht zu entsprechen. Wie Millionen andere Menschen auch liebt sie die Farbe Schwarz, die Musik von Michael Jackson, den Film Saturday Night Fever sowie Tee und frisch gepressten Orangensaft zum Frühstück. Sie trägt keine Röcke und auch nicht gerne Handtaschen und wenn doch, dann bevorzugt von Chanel. Ihr persönlicher Look lässt sich plakativ mit “Rock Chic” zusammenfassen. Skinny-Jeans, dazu Stilettos und kurze Jacken mit breiten Schultern, wehendes Haar. Gelegentlich lässt sie sich ihre Nägel bei Revlon in der Rue de Bassano in Form feilen, c’est tout!
In einem Interview mit der britischen Zeitung “The Daily Telegraph” erzählte Alt, dass ihrer Meinung nach TopShop über die besten Jeans verfüge. Das erste was sie mache, sobald sie in London weile, sei eine Filiale des Bekleidungsriesen aufzusuchen. Ihre Vorgängerin Carine Roitfeld konnte diese Leidenschaft offenbar nicht teilen und ließ die Leser der Zeitschrift Acne Paper im Jahre 2009 wissen:
“I only wear jeans and flat shoes on holiday, never for work. Jeans are for my assistants.”
Gespannt wartet das Modevolk nun auf die April-Ausgabe, in deren Impressum Emmanuelle Alt erstmals als Chefredakteurin aufgeführt sein wird. Laut Alt könne man auch ohne zu schockieren durchaus starke Bilder erzeugen und so fiebern Vogue-Fans Alts erstem Cover entgegen, von dem man jetzt schon weiß, dass darauf Gisele Bündchen in einem Kleid von Dolce & Gabbana lächeln wird.
aktuell vergriffen - das Buch von Wynn Dan
Tatkräftige Unterstützung bei ihrer Arbeit erhält Alt übrigens von ihrer Assistentin Géraldine Saglio, die wie ein Klon ihrer Vorgesetzten ausschaut. Ein Grafiker namens Wynn Dan hat mit “Alt/Saglio Quotes+Citations” den Beiden gar ein Buch gewidmet, welches Streetstyle-Fotos von Alt und Saglio auf dem Weg zu diversen Schauen zeigt. Erschienen in einer Miniauflage von gerade mal 200 Exemplaren, die zum Teil über Colette in Paris verkauft wurden. Mittlerweile sind die Exemplare restlos vergriffen, doch ein Nachdruck sei aufgrund der gestiegenen Nachfrage schon in Arbeit.
Ob Alt künftig noch Zeit finden wird ihre Stylingkünste für Modehäuser wie Balmain und Isabel Marant einzusetzen? Wohl kaum! Ihr Styling-Portfolio ist aktuell nicht mehr auf der Seite ihrer Pariser Agentur Art Partner zu finden. Alt wird sich demnach wie von Condé Nast Frankreich-Boss Xavier Romatet auf einer Pressekonferenz im Januar angekündigt von jetzt an ausschließlich ihrer neuen Funktion als Chefredakteurin von Vogue Paris widmen. Bon courage!
Genial schräg präsentiert sich sowohl Anna dello Russos Dufterstling in Form eines Stöckelschuhs als auch das dazugehörige und erst seit kurzem im Internet zirkulierende Werbemotiv, geschossen von niemand geringerem als Starfotograf Jürgen Teller. Darauf zu sehen ist die Modechefin der japanischen Vogue und globale Stilikone als Dallas-Transe in einem goldenen Mantel von Moschino mit Puck-die-Stubenfliege-Sonnenbrille auf der Nase und Cowboyhut auf dem Haupt. Geshootet wurde in der Schuhkammer ihres eigens für ihre Couture Sammlung angemieteten Mailänder Apartments. “The Scent of Anna dello Russo” ist ab dem 3. Dezember 2010 exklusiv über das Onlineshopping-Portal yoox.com erhältlich.
Einen absolut lesenswerten und dank großformatiger und gestochen scharfer Bilder auch sehenswerten Beitrag, bildet das Interview, welches Vogue Fashion-Editrix und Stilikone Anna dello Russo dem Online-Portal models.com gewährt hat.
Ihr Mut, Branchen-Zustände anzusprechen, die die Mehrheit der Pressevertreter üblicherweise zu verschweigen pflegt, ist definitiv einen aufrichtigen Applaus wert und verdient Respekt!
“Du bist doch höchstens erst 17 !” Danke für das Kompliment aber nein, ich bin tatsächlich schon volljährig und das seit mehr als 10 Jahren. “Dann hast Du vermutlich viel Geld in Schönheitsoperationen investiert !?” Nein Rosa, das auch nicht. “Fahren Päderasten eigentlich auf dich ab?” Ähm, darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht, jedenfalls finde ich ältere Männer nicht uninteressant. Im Gegensatz zu den meisten postpubertären Jungs haben die wenigstens etwas zu erzählen. “Wie alt ?” hakt er nach. Mit Männern bis 50 halte ich eine Beziehung für vorstellbar, antworte ich und denke dabei kurz an George Clooney. Ende der Nachfragen! Monsieur von Praunheim wird im November dieses Jahres 68.
Das Gespräch mit dem Kultregisseur und Deutschlands Schwulenikone im Anschluss an eine Signierstunde in einem Münchner Buchladen, im nach wie vor hippen Glockenbachviertel, beginnt zunächst schwungvoll. Wir nehmen Platz auf der Terrasse eines Cafés. Doch dem Filmemacher ist es dort zu heiß an diesem frühen Freitag Abend und so wechseln wir die Lokalität nach nur 2 Minuten, um im wesentlich schattigeren Bistro auf der gegenüberliegenden Straßenseite erneut Platz zu nehmen. Hier packe ich meinen Fragenzettel und mein Diktiergerat auf den filigranen, blass-gelb lackierten Metalltisch. Rosa ordert eine Afri-Cola und eine Gemüse-Lasagne. Ich schlage vor, ihn erst einmal in Ruhe sein Essen genießen zu lassen bevor wir mit dem Interview anfangen, worauf der Filmemacher entgegnet, er genieße seine Mahlzeiten für gewöhnlich nie. Infolgedessen bittet er mich loszulegen. Er beantwortet alle meine 15 Fragen souverän. Nach jeder Antwort lasse ich ihm ein wenig Zeit für einen Bissen von seiner Pasta.
Doch an irgendeiner Stelle während dieses Interviews muss es passiert sein: Herr von Praunheim verliert das Interesse. An mir und dem Interview, jedoch nicht an seinem Essen. Quält ihn etwa meine Frage nach dem Alter? In seinem Film “Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt” heißt es an einer Stelle: “der alte Schwule hat nichts zu lachen”. Ich frage ihn daher, ob er, der langsam aber sicher auf die 70 zusteuert, sich auch zu den alten Schwulen -die nichts zu lachen haben- zählt. Ist das respektlos? Die Frage müsste doch eigentlich genau nach seinem Geschmack sein, schließlich war er es doch, der einst verkündete, er hasse “Anpasser”.
Gewiss, Austeilen ist die eine Sache, darin war von Praunheim schon immer gut. Mit Würde einstecken, das können nur die Wenigsten, am allerwenigsten diejenigen, die selbst gerne austeilen. Ob er den reich geworden sei durch seine Filme, ob Hape Kerkeling und Alfred Biolek nach ihrem Zwangsouting durch ihn jemals wieder ein Wort mit ihm gewechselt haben möchte ich wissen, und auch, wie er, der dem Magazin Spiegel gestand promiskuitiv zu leben, es eigentlich mit Sex im Alter hält ?
Auf alles hat Rosa eine kluge Antwort, doch offenbar verdüstern meine Erkundigungen seine Stimmung, verderben ihn aber wenigstens nicht den Appetit. Er verspeist seine Lasagne vollständig. Anstandshalber übernehme ich die Rechnung. Ein Dankeschön bleibt aus. Unmittelbar nach der Beendigung des Interviews fährt das von der Kellnerin gerufene Taxi vor um Herrn von Praunheim und seinen Lebensgefährten Oliver in das City-Kino in der Sonnenstraße zu chauffieren. Hier wird der Regisseur seinen neuen Film “New York Memories” vorstellen. Dort werden wir uns in wenigen Minuten wiedersehen. Ich reiche Rosa zum Abschied meine Hand. Hätte ich darauf verzichtet, wäre er vermutlich völlig wortlos in das Taxi eingestiegen. Ein Stunde später treffe ich ihn wieder. Er spricht mit einem Redakteur des Bayerischen Rundfunks, der “New York Memories” mitfinanziert hat.
Noch immer trägt von Praunheim eine dunkelblaue Jogginghose und ein schwarzes Schlabbershirt zu schwarzen Gesundheitslatschen.
Um die Wartezeit bis zur Vorführung zu überbrücken plaudere ich ein wenig mit seinem Freund, der bei einer Berliner Schwulenberatung arbeitet und dort für Seniorenfragen zuständig ist. Ob sie sich dort auch kennengelernt haben? Wie ich später erfahre, ist der wesentlich jüngere Oliver seit nunmehr 2 Jahren mit Rosa liiert und durfte ihn sogar bei den dreimonatigen Dreharbeiten in New York 2009 begleiteten. Laut Rosa liebt sein Lover die Metropole an der Ostküste wie kaum eine andere Stadt, wovon man im persönlichen Gespräch mit ihm allerdings überhaupt nichts merkt. Auf meine Anekdoten aus dem Big Apple, in dem ich selbst für eine kurze Zeit gelebt habe, reagiert Oliver nahezu leidenschaftslos.
Nachdem die Premierengäste, ca. 30 ältere Damen und Herren, darunter die auch die obligatorischen Alt-HIVler, im Kinosaal ihre Sitzplätze eingenommen haben, bei einigen Besuchern überkam mich beinahe das Pflichtgefühl ihnen zu ihrer Portion Popcorn noch eine Bettpfanne zu reichen, initiiert Rosa auf dem Podium vor der Kinoleinwand einen verbalen Rückblick seines künstlerischen Schaffens. Sein Monolog mutet recht kurzweilig an, denn tatsächlich hat der Mann zahlreiche interessante Menschen getroffen und sich selbst so viele außergewöhnliche Momente geschaffen, wie es anderen nicht mal in zwei Leben gelingen würde. Wer bitteschön kann schon von sich behaupten, eine Live -Sex-Performance in New York aufgeführt zu haben. Ficken auf der Bühne unter dem Deckmantel der Kunst. Das scheint mir typisch von Praunheim.
Definitiv teile ich seine Leidenschaft für das Unbequeme und alles Unkonventionelle, für New York, wie auch den Fakt in Frankfurt am Main aufgewachsen zu sein. Doch davon weiß Rosa nichts. Die Lichter fahren runter, Rosa verlässt den sich langsam verdunkelnden Saal. Mit Sicherheit hat er seinen eigenen Film schon zu Genüge gesehen. Der dramaturgische Einstieg in die Thematik ist direkt und unmittelbar. New York. Ich liebe Filme, die mit einer Panoramaaufnahme der einwohnerstärksten Stadt der USA oder gar mitten auf einer ihrer lebendigen Straßen beginnen. Die Dokumentation ist eine Art Fortsetzung des Films “Überleben in New York” aus dem Jahr 1989, in dem drei Frauen bei ihrem Vorhaben in dieser Stadt Fuß zu fassen mit der Kamera begleitet wurden. “New York Memories” zeigt nun was aus den Frauen geworden ist und wie sie heute leben.
Eine von ihnen ist Claudia Steinberg. Die gebürtige Essenerin schreibt regelmäßig für die deutsche Vogue und muss finanziell, man höre uns staune, trotzdem um ihr Überleben in Manhattan kämpfen. Wobei fraglich ist, wie jemand, der bereit ist 50 US-Dollar für ein Pfund Spinat auf dem “Farmers Market” zu zahlen, wirkliche Existenzängste haben kann. Dennoch, Steinbergs Biographie, wie auch die der anderen Protagonisten, inspiriert.
Der Film verdeutlicht wie es schwer ist, vor allem für Neuankömmlinge, sich in Gotham City zu etablieren. Und es wird scheinbar immer schwieriger. Die Angst vor Arbeitslosigkeit beherrscht die Mittelschicht. Aufgrund der von Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani eingeführten und seinem Nachfolger Michael Bloomberg fortgeführten “zero tolerance” Stadtpolitik gibt es zudem so gut wie keine kreative Underground-Szene mehr. Andy Warhol, Studio 54, Halston liegen gefühlte 1000 Lichtjahre zurück. Manhattan präsentiert sich heute sauber, reich und weiß!
Trotzdem die Bewohner der Perle am Hudson River quasi rund um die Uhr arbeiten müssen um irgendwie die 1800 Dollar für ihr winziges 1-Zimmer Apartment begleichen zu können, halten sie “ihrer” Stadt die Treue. Sie hegen die Hoffnung auf bessere Zeiten, wachsen an den Herausforderungen. Es ist der abgegriffene Traum vom “Tellerwäscher zum Millionär” oder zeitgemäßer ausgedrückt, die Möglichkeit zur hundertprozentigen Selbstverwirklichung, die die New Yorker die Strapazen der Existenzsicherung freiwillig aufnehmen lässt. Die enorme Flexibilität welche die Einwohner dabei an den Tag legen und deren Fähigkeit zur konstanten Selbstmotivation lassen deutsche Lebensläufe im Vergleich da fast schon träge aussehen.
Im Bemühen die Situation zwischen Rosa und mir ein wenig zu optimieren, gehe ich nach der Vorführung auf ihn zu und sage ihm wie inspirierend ich seinen Film fand. So gewährt “New York Memories” dem Zuschauer doch authentische Einblicke in die Gegenwart einer der aufregendsten Städte der Welt, frei von naiv-touristischer Schönfärberei.
Als ich von Praunheim frage, was es wohl sei, dass die Menschen trotz des anstrengenden Überlebenskampfes an diese Stadt bindet, murmelt er desinteressiert, etwas vom Gigantismus New Yorks. Wirklich aufschlussreich ist das nicht. Eine Rentnerin, die den Regisseur um ein Autogramm bittet unterbricht unsere stockende Konversation. Diskret trete ich einen Schritt zur Seite und schaue zu wie Rosa mit Kugelschreiber seine Signatur auf den Fächer der alten Dame kritzelt. Als er fertig ist, hebt er den Kopf ohne mich noch einmal anzublicken und schaut demonstrativ in eine andere Richtung. Schließlich zieht er wortlos von dannen. Ich frage mich ob mein Dior-Deo versagt hat und wo der Kasus-Knacktus zwischen uns liegen könnte. Ich begebe mich aus dem Kino-Foyer ohne mich von ihm zu verabschieden. Auf dem Weg zurück ins Büro frage ich mich desweiteren, ob ich das Verhalten von Praunheims nun als unbegründet zickig oder einfach nur als “verhaltensoriginell” einstufen soll, und komme letztlich zu dem Schluß, dass mir zwar der Film gefiel aber nicht die Launenhaftigkeit seines Schöpfers.
“Die Unfähigkeit sich zu verstehen weil man zu sehr seiner eigen Person verhafte bleibt führt bald zum tragischen Ender eine romantischen Freundschaft” ist im Praunheimschen Filmklassiker “Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt” von 1971 zu hören. Mit Begeisterung stelle ich fest, dass die Erkenntnisse des Regisseurs zum schwulen Sozialverhalten auch 39 Jahre nach ihrer erstmaligen Verlautbarung noch immer gültig sind. Eine leibhaftige Begegnung mit Rosa von Praunheim ist der beste Beweis dafür.
Carine Roitfeld, photo: The Travelista, FLICKR creative commons
Sie zählt zu den meistfotografierten und zugleich mächtigsten Fashion-Personalities der Welt: Carine Roitfeld, Chef-Redakteurin der französischen Vogue. Ob die Mode-Frontfrau genauso gefürchtet ist, wie ihr amerikanisches Pendant, die angeblich so teuflische, Prada-tragende Anna Wintour, weiß niemand so genau.
Auch das Gerücht, dass sich Carine und Anna nicht ausstehen können hält sich hartnäckig. Beide Vogue-Oberhäupter haben zwar ähnliche Frisuren und verfügen über ein dominantes Äußeres, doch in Fachkreisen gilt Madame Roitfeld als die Mildere und vor allem Unkonventionellere von beiden. Sie selbst bezeichnete sich einmal in einem Interview mit der “Welt am Sonntag” als Punk der Vogue-Familie und outete sich als Handtaschenhasserin.Eine der wenigen Selbstauskünfte, denen wir somit Glauben schenken dürfen. Ansonsten wird, wie bei allen Berühmtheiten, jedoch viel spekuliert über la Roitfeld. Zu viel, dachte sich wohl Purple-Magazine-Herausgeber Olivier Zahm.
Bei Modenschauen sitzt er häufig neben Carine in der ersten Reihe – sie um vornehmlich Kreationen der großen Couturieres zu begutachten, er wohl mehr, um blutjunge Models für seine beliebten One-Night-Stands zu casten, welche er dann anschließend, sich auf weißen Bettlaken räkelnd auf seinem Blog-Tagebuch Purple diary unter der Rubrik “Sex” veröffentlicht. Genau dieser Mann – den man wegen seiner verlodderten Optik nicht unbedingt der Modebranche zuordnen würde, – soll im Herbst 2011 die erste Biografie über Carine Roitfeld herausbringen. Intime Schnappschüsse der seit 2001 amtierenden Vogue-Chefin und deren hübscher Tochter kann man ja schon seit Längerem auf Purple diary bewundern, was in der Tat auf eine enge Freundschaft zwischen Roitfeld und Zahm hindeutet.
Insofern scheint das geplante Werk neue Einblicke in das Leben und Schaffen einer der bedeutendsten Frauen im High-Fashion-Bereich zu gewähren. Auch wird die erste Roitfeld-Biographie mit Sicherheit bildstark sein, da Olivier Zahm sein Umfeld stets originell, glamourös und zugleich verrucht inszeniert, wohingegen er sich mit Texten eher zurück hält. Ungewöhlich ist allerdings, dass der Rizzoli Verlag vor dem Erscheinen des Wälzers die Blogger-Szene um Mithilfe bittet.
So ging vergangene Woche bei einer Reihe von namhaften Modebloggern eine e-mail ein, in der unter anderem zu lesen war:„We would love to include questions from the blogosphere in this book. We invite you bloggers to send a personal question to Carine which she will selectively answer in her forthcoming book.”Auch wenn diese Rundmail für die betreffenden Blogs sicher ein Kompliment sein mag, lässt es den Biografen Zahm weniger gut aussehen. Hat Frauenheld Olivier über La Roitfeld etwa doch nicht soviel zu erzählen? Gibt deren Leben gar zu wenig her, um ein dünnes Paperback zu füllen?
Vielleicht wird sich das Buch aber auch mit dem Phänomen auseinandersetzen, warum ausgerechnet die französische Vogue-Chefin so häufig in einschlägigen Modebloggs auftaucht und offenbar deren Sympathie genießt, wer weiß? Klarheit wird es wohl erst geben, wenn wir das Buch im Herbst nächsten Jahres in den Händen halten. Aber selbst das ist neuerdings ungewiss. So war gerade auf dem Fashion Blog hint zu lesen, dass das Zahmsche Buch Projekt etwas vorschnell verkündet wurde, und keine Priorität habe. Tja, ein Buch mit sieben Siegeln eben…
“If I wasn’t discovered in that night, I would have never become a model”. Es ist nur schwer vorstellbar wie das Leben von Claudia Schiffer heute aussehen würde, wäre sie 1987 nicht von einem französischen Modelagenten in der Düsseldorfer Discothek Checkers entdeckt worden.
Eigentlich wollte sie nach dem Abitur ja Jura studieren, doch dann kam Paris, dann ELLE, dann VOGUE und schließlich auch Karl Lagerfeld. Der Rest ist Geschichte und avancierte dank Bunte, Gala, Stern und Co. zum Allgemeinwissen der Deutschen, die mächtig stolz sind auf ihren erfolgreichsten Beauty-Export. Eine Modewelt ohne Claudia Schiffer? Undenkbar!
Wer bei dem Begriff Model ausschließlich an die Nasen von Germanys Next Top Model denkt, dem zeigt die Dokumentation “Claudia Schiffer – La Dolce Vita” des Modeportals Fashionair, was ein Supermodel von gewöhnlichen Models unterscheidet: Personality!
In dem elf-minütigen Film resümiert die aus Nordrhein-Westfalen stammende Schöne in perfektem Oxford-Englisch über ihrer Kariere. Schiffer schwelgt in Erinnerungen an die großen Momente ihrer Model-Laufbahn und verrät wie Monsiuer Lagerfeld auf Sie aufmerksam wurde. Charmant sind auch die Szenen ihres Laufstegdebüts bei Chanel. Während ihre anonymen Kolleginnen blasiert in Reih und Glied paradieren, schwingt sie die Hüften und lächelt ihre Nervosität einfach Weg. Grace Coddington, sitzt währendessen im Publikum und lächelt ebenfalls. Die Modechefin der amerikanischen Vogue mit der roten Walle-Walle Mähne scheint Gefallen am Auftritt der auf Brigitte Bardot gestylten Rheinländerin zu finden. Schiffers Unbefangenheit kommt an. Bei Fotografen, Designern, Kunden, Jungen und Mädchen sowie deren Müttern und Vätern.
Model ein Traumberuf? Am Beispiel von Claudia Schiffer lässt sich diese Frage eindeutig mit “JA” beantworten. Zwar ist die Supermodel Ära, die ihren Höhenpunkt Mitte der 1990er Jahre feierte längst vorbei, jedoch sind ihre Aushängeschilder Naomi, Linda, Cindy, Christy immer noch präsent, allen voran Claudia Schiffer, die es 2009 mit 39 Jahren, noch auf satte 11 Magazincover geschafft hat. “You better work” kreischte Glamour Transe Ru Paul in seinem Welthit “Supermodel” von 1993 der Modebranche entgegen, und sollte Recht damit behalten. Mit Fleiß, Disziplin und Treue gegenüber den eigenen Prinzipien konnte sich Claudia Schiffer bis heute in einem Geschäft behaupten dass seine Mädchen mittlerweile im Saisontakt verheizt. “I knew if you want do something good, you have to give it all!” Kluge Entscheidung!
Es ist FASHION WEEK in Berlin und somit Grund genug für die SPIEGEL ONLINE Redaktion ein Interview mit Franca Sozzani über deutschen Stil, Berlin und Mode im Allgemeinen zu führen.
Seit 22 Jahren prägt die 60-jährige nun schon als Chefredakteurin der italienischen VOGUE die Wahrnehmung italienischen Stils im Ausland. Ihre Ansichten sind, wie man es von den VOGUE Ladys erwarten darf, erfrischend ehrlich, klug und aufschlussreich. Sozzani selbst wird zur Fashion Week in Berlin nicht vor Ort sein. Zuviele Modenschauen sorgen, laut Sozzani, nur für Verwirrung. Lesenswert!
photo: Berliner Festspiele copyright: F.C. Gundlach
Eine große Retrospektive des deutschen Modefotografen F.C. Gundlach ist ab dem 20. November im Berliner Martin Gropius Bau zu sehen. Angekündigt sind 350 Fotografien aus einer vierzigjährigen Schaffensperiode.
Der 1926 im hessischen Heinebach geborene Fotograf spezialisierte sich Mitte der 1950er Jahre auf die Modefotografie und arbeitete für die Magazine Film und Frau, Stern und Quick. 1963 unterzeichnete er einen Exklusivvertrag mit der Frauenzeitschrift Brigitte, für die er bis 1983 die jeweils aktuelle Mode ablichtete und mehr als 160 Titelbilder schoss.
Gundlachs Aufnahmen sind kunstvoll aber niemals verkünselt, und so reflektieren sie auf besonders authentische Weise den Look ihrer Zeit. Interessant ist vor allem die Tatsache, dass die Modepresse bereits in den Nachkriegsjahren keine Kosten und Mühe scheute, um Modeproduktionen in fernen Ländern durchzuführen. In den 1960er Jahren, als Flugreisen noch ein Privileg für Wenige darstellten, gewiss eine Besonderheit. Somit brachte F.C. Gundlach mit seinen Fotografien nicht nur die Mode in deutsche Wohnzimmer, sondern auch Glamour und Exotik. Dabei bediente er auch die Sehnsüchte von Millionen Bundesbürgerinnen. Dass das Modebusiness, lange bevor das Metier hip wurde und Modeleute mit Anglizismen um sich warfen, schon immer international orientiert war, belegt untenstehendes Foto mit dem nüchternen Titel: “Die neue Mode.”
Das Bild zeigt das Model Grace Coddington in einem Outfit von Missoni. Grace, die heutige Modechefin der US-Vogue mit dem flammend roten Haar, die durch die Filmdokumentation “The September Isssue” aus dem Schatten ihrer Chefin Anna Wintour allmählich heraustritt und mittlerweile auf eine eigene Fangemeinde zählen kann. Hättet Ihr sie erkannt?
Ausstellung: “F.C. Gundlach – Das fotografische Werk” ab dem 20. November im
Martin Gropus Bau Berlin
Ein weiteres Must-have Buch, des sich dem Ende neigenden Jahres erscheint im November: “The World in Vogue: People, Parties, Places” ist unverzichtbar für Fans von Vogue und den und Persönlichkeiten, die dem Spirit des Modemagazins auf idealtypische Weise entsprechen zu scheinen.
So zeigen die über 300 Fotos vornehmlich Schauspieler, Models, Künstler und Society-Ladies aus vier Jahrzehnten Vogue. Der Band dokumentiert aber nicht nur die Celebrities selbst, sondern auch ihre Hochzeiten, Partys, Häuser und Gärten. Einige der Bilder blieben bislang unveröffentlicht, andere Aufnahmen wiederum reflektieren exemplarisch ein ganz bestimmtes Zeitalter. Zahlreiche Ablichtungen stammen aus der Hand der großen Altmeister der Modefotografie, darunter Lord Snowdon, Helmut Newton, Richard Avedon, Cecil Beaton und Horst P. Horst. Herausgeber ist Hamish Bowles, seines Zeichens Editor-at-Large der US-Vogue.
Erhältlich ab dem 17. November für $ 75.00 / Knopf Doubleday Publishing Group, 400 Seiten ISBN: 978-0-307-27187-7 (0-307-27187-0)
Das “ZDF nachtstudio” widmet sich in seiner Sendung am Sonntag, den 18.10. der Frage, “Was ist Mode?”, deren Beantwortung zunächst unerschöpflich scheint.
Mit Hilfe der erstklassigen und modekompetenten Gäste dürfte die Diskussionsrunde dem Zuschauer mit interessanten Positionen näheren Aufschluss über das Wesen der Mode bieten. Als Gesprächspartner geladen sind die Chefredakteurin der deutschen Vogue, Christiane Arp, sowie die renommierte Modehistorikerin Ingrid Loschek, Modedesigner Micheal Michalsky und der Medien-und Kulturwissenschaftler Norbert Bolz. Was bewirken Marken? Wie sehr sind wir von Mode beeinflusst? Sind Mode und Kleidung das Gleiche? (natürlich nicht!), Warum brauchen wir Mode, sind nur einige Punkte über die die illustre Runde debattieren wird.
ZDF Nachtstudio, Sonntag 18.10.2009, Uhr: 00.20 im Anschluss an die Spätausgabe der “heute”-Nachrichten
Carine Roitfeld, die sich selbst einmal als Punk unter den Vogue Redakteurinnen bezeichnete, gab in einem Gespräch mit der Londoner Times nun zu, nicht zu wissen, was ihr persönlicher Stil ist. Merkwürdig, den im Interview mit der WELT, vom Februar 2007, behauptete sie noch das Gegenteil:
WELT ONLINE: Lassen Sie uns lieber über Ihren Stil sprechen. Wie haben Sie heute Morgen Ihr Outfit zusammengestellt?
Roitfeld: Wissen Sie, für mich ist das ganz einfach, denn ich weiß ganz genau, was mir steht. Ich habe in den letzten Tagen sehr viel Schwarz getragen, und heute war mir nach einer Farbe zumute. Also habe ich als Erstes diese Balenciaga-Jacke in Kaki herausgeholt. Sie ist schon vier Jahre alt, und ich wusste, dass dieser schmal geschnittene Rock dazu passt. Außerdem bin ich noch ein wenig gebräunt und wollte deshalb keine Strümpfe anziehen. Es ging also ganz schnell. Ich kenne meinen Stil und meine Farben.(Quelle: Die Welt, 17. Februar 2007, Interview von Marcus Luft)
Zweieinhalb Jahre später heißt es in einem Artikel von Lisa Armstrong für The Times, London:
Oddly, Carine Roitfeld says that this has been her problem, too. “It’s true. Designers have told me that their collections are so me,” she says disarmingly when I call her at her office in Paris, “but I don’t always recognise it because if you ask me what my style is, I’m really not that sure.” Really? “Really.
Wie auch immer: Roitfeld, die seit 2001 als Chefredakteurin der französichen Vogue fungiert, becierct Designer seit Jahren mit ihrer unkonventionellen Art. In den 1990er Jahren arbeitete sie sechs Jahre lang als Kreativberaterin bei Gucci unter der Leitung von Tom Ford, und galt gar als offzielle Muse des Mode- und Markenmachers. Wer sich ein näheres Bild von der Dame mit den schwarz geschminkten Augen machen möchte, dem sei das unterhaltsame Interview von Marcus Luftwie auch der lesenswerte, und erst kürzlich veröffentlichete Artikel in der Times bestens empfohlen.
Dass Amerikaner uns Europäern in Sachen Marketing mindestens drei Stöckelschritte voraus sind, ist bekannt. Doch mit dem neuen Werbevideo zum Condé Nast Event “A FASHION´S NIGHT OUT” vergößert sich dieser Abstand in etwa um die Gesamtlänge der Madison Avenue.
Millionenschwere Größen des Modebusiness wie Oscar de la Renta, Carolina Herrera, Donna Karan und Diane von Furstenberg buhlen darin charmant um die Gunst der Konsumenten, in der Absicht diesen am 10. September beim spätabendlichen Einkaufsbummel das Geld aus den Taschen zu ziehen. Anna Wintour wirkt im Merchandising T-Shirt faszinierend volksnah, während Isaac Mizrahi den Animateur miemt. Sie alle, einschließlich Sarah Jessica Parker, Vera Wang und den hübschen Proenza Schouler Boys, erklären dem Zuschauer die Bedeutung der New Yorker Modeindustrie für das Gemeinwohl. Ein wenig erinnern Sie dabei an Schulkinder, die um eine Spende betteln. Sehr unterhaltsam! Allzu kritisch darf man das Ganze allerdings nicht hinterfragen. Denn, eine einzige Nacht mit verlängerten Ladenöffnungszeiten wird den brachliegenden Einzelhandel wohl kaum nachhaltig wieder in Schwung bringen und die motivierende Zurede prominenter Branchenköpfe allein, spült den Durchschnittsverdiener auch nicht mehr Geld in die Taschen.
Dennoch, das clipartig zusammengeschnitte Commercial präsentiert sich frisch, cool und stylish, und macht trotz besseren Wissens, dass es sich bei “A FASHION´S NIGHT OUT” primär um eine Werbeveranstaltung Condé Nasts in eigner Sache handelt, Lust auch noch seine letzten Kröten, die man in diesen Zeiten noch übrig hat, in Designerklamotten zu investieren. Die Amis verstehen es zu feiern, vor allem sich selbt. So wird bei Macys selbst der Kauf einer reduzierten Feinstrumpfhose zum Happening: “Thank you for shopping at Macys, have fun with your stockings. A nice day and bye bye”
$ 2.99 und der Kunde ist König. Fantastisch!
Wie vor eineinhalb Wochenauf HYPE angekündigt, war Vogue Chefin Anna Wintour gestern Abend zu Gast in der Talkshow von David Letterman. Mit tiefschwarzer XL Brille auf der Nase, stöckelte sie zu den Beats von Madonna´s Vogue durch das Studio.
Ganz ohne Allüren und entspannt präsentierte sich die berühmte Editrix einem Millionenpublikum. Die Frage Lettermans, woher der weit verbreitete Eindruck stamme, Wintour sei übermäßig streng und herrisch, begründete die gebürtige Britin damit, dass die Leute von ihr nicht immer die Antwort bekommen, die sie gerne hören würden. Viel Neues erfuhr man von New York´s erster Modeinstanz allerdings nicht.
Ein bisschen Werbung für a “Fashion´s Night Out” hier, ein bisschen Webung für die Dokumentation “The September Issue” da, ein paar Fragen zu Vogue, das war´s! Kein Auftritt, der in die Annalen der amerikanischen TV Geschichte eingehen wird. Fremdbild und Selbstbild sind, wie bei vielen hochgeschriebenen Ikonen, bei Anna Wintour nicht identisch. Entegegen ihres allgemeinen Image gab sich La Wintour gegenüber ihrem Gastgeber Letterman charmant, smart und humorvoll, aber ohne dabei auch nur ein Detail aus ihrem Privatleben preiszugeben.
Die Ambivalenz ihrer Person nährt ihren Ruhm. Das verschafft ihr Status und macht sie für Condé Nast nahezu unentbehrlich. Anna ist die Personifizierung ihres Magazins: anspruchsvoll, tough, progressiv und sehr etabliert. Das hat sie zudem gemacht was sie heute ist. Der Star ihrer Zunft und Celebrity von internationalem Rang. Warum sollte sie daran etwas ändern, bloß um konservativen Gemütern aus dem mittleren Westen zu gefallen? Was von ihrer Performance echt, und was davon Kalkül ist, bleibt ihr Geheimnis.
Vermutlich ist Anna Wintour privat nicht die Karikatur einer Modejournalistin, wie sie Meryl Streep, exzellent aber eben überspitzt in der “Der Teufel trägt Prada” verkörperte. Erschreckend, dass all die Tippsen, Bloggerinnen, Stylisten und Tussis, die im entferntesten was in “Sachen Mode machen” seit dem Kinobesuch tatsächlich glauben, sie hätten ein Recht, ihr Umfeld mit snobistischen Gehabe, überzogenen Forderungen und gekünselter Egozentrik zu penetrieren. Extravaganzen auf der Basis einer verfehlten Selbsteinschätzung und mangelnder Leistung sind weder unterhaltsam noch cool, sondern schlichtweg peinlich. Es gibt nur eine Anna Wintour und die ist kultiviert, elegant und netter als ihr Ruf. So stop trying to be someone else and be yourself!
Zum Wochenausklang möchte ich euch auf den Film “Ein Tag in Mailand mit Christiane Arp” von Ralph Goertz hinweisen, der anlässlich der Catwalk Ausstellung im Düsseldorfer NRW Forum produziert wurde. Der Beitrag zeigt die Chefredakteurin der deutschen VOGUE auf ihren Weg zu den Schauen von Burberry, Gianfranco Ferré und Giorgio Armani, wo sie auf PR-Lady Alexandra von Rehlingen trifft, die mit fließenden Italienisch-Kenntnissen beeindruckt.
Arp sinniert über die Bedeutung, des ihr mittlerweile stets garantierten front-row Platzes, und der Zuschauer spürt, die Frau ist sich ihres Status als Vogue-Chefin absolut bewusst. Dennoch, im Gegensatz zu ihrer amerikanischen Kollegin Anna Wintour kommt Christiane Arp ohne Allüren und Bodyguards aus. Ihr Auftreten ist clean, fokussiert, und im positiven Sinne sehr deutsch! Extravaganzen einer Anna dello Russo, die Haute Couture bei Tageslicht so selbstverständlich trägt wie Andere ihren East Pak Rucksack, scheinen ihrem Wesen nicht zu entsprechen. Modische Rebellionen überlässt sie lieber Carine Roitfeld. Das Tattoo in ihrem Nacken, eine kleine Sonne, bekommen nur Wenige zu sehen. Sie mag sich nicht mit Äußerlichkeiten in den Vordergrund spielen, sondern möchte mit Seriosität überzeugen. Ihr Stil ist geradezu hanseatisch. Fließende Silhouetten in edlem Grau oder zeitlosem Schwarz. Zu offiziellen Anlässen darf es gerne auch mal Rena Lange sein. Die 48-jährige hat lange Zeit in Hamburg gelebt, das prägt. Hier arbeitete sie als Modechefin für Amica und Stern, bevor sie als fashion director und stellvertretende Chefredakteurin in die bayrische Landeshauptstadt zog. Im März 2003 wurde sie schließlich vom ehemaligen Vogue-Herausgeber Bernd Runge zur Chefredakteurin berufen. Was ihre Vorgängerin Angelica Blechschmidt über diese Entscheidung damals gedacht haben mag, ist nicht bekannt aber vielleicht gibt ihr Buch, an dem sie Gerüchten zufolge, schon seit Jahren schreibt, bald Auskunft darüber.
Die beste Szene des Films: Auf die Antwort des Taxifahrers, dass die Fahrt zur nächsten Location noch 10 Minuten betrage, antwortet Christiane Arp bestimmt: “We only have five!” Wunderbar!
Das NRW-Forum für Kultur und Wirtschaft in Düsseldorf widmet sich in seiner neuesten Ausstellung mit dem Titel CATWALKS den dramatischsten Laufsteginszenierungen internationaler Top-Designer und untersucht dabei die Präsentationform des “Katzenstegs” im Kontext allgemeiner Modegeschichte wie auch der Gegenwart. Das Ausstellungskonzept selbst ist nicht weniger mondän.
So installierten die Kuratoren inmitten der Ausstellungsräume einen Catwalk, der den Besucher zu diversen Fashion Shows leitet, diese ihm in Form von Videoeinblendungen in 3D erscheinen! Partner der Ausstellung ist die deutsche Vogue, deren Chefredakteurin Christiane Arp, die Zusammenstellung der zu sehenden Arbeiten unterstützte.
Desweiteren zu sehen sind, die beliebten, fotografisch dokumentierten Straßenshots diverser Streetstyle Blogger, die aufgrund ihrer Authentizität, kommerziellen Modeunternehmen , bei der Erstellung ihrer Kollektionen immer öfter dienlich sind.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Magazin Großformat!
CATWALKS (26.07.09 – 01.11.09) NRW-Forum für Kultur und Wirtschaft
Ehrenhof 2, 40479 Düsseldorf
Supermodels, diese Überfrauen, die in 1990er Jahren so bekannt waren, dass allein die Nennung ihres Vornamens ausreichte um zu wissen wer gemeint war, erleben nach einer Zeit der Abstinenz, seit etwa einem Jahr ihr Comeback.
Nachdem die Models zu Stars wurden und anfingen den Kleidern auf dem Laufsteg, die sie eigentlich nur präsentieren sollten, die Show zu stehlen, setzten Designer kurz vor der Jahrtausendwende plötzlich primär auf namenlose Ostblock-Mädchen. Doch in Zeiten der Krise sehnt man sich offenbar wieder nach festen Werten und somit auch Persönlichkeiten. Claudia, Cindy, Naomi, Kate, Linda, Christy und Tatjana, sie alle verfügen über einen aktuellen Werbevertrag, sind in ein Projekt eingebunden oder beehren internationale Laufstege mit einem Auftritt als Stargast. Ein besonders hypiges Revival erfäht gerade Kirsten McMenamy, die androgyne Schöne, deren Faszination für die Designer immer in ihrer grenzenlosen Wandelbarkeit bestand, ziert das aktuelle Juli Cover der renommierten italienischen Vogue und ist in selbiger Ausgabe auf 30(!) Seiten von Starfotograf Steven Meisel aufwendig in Szene gesetzt worden. Die 42-jährige Amerikanerin und Mutter zweier Kinder beweist, dass wahre Schönheit zeitlos ist, wenn sie auf Persönlichkeit basiert. Vogue, Kristen, Steven und die thigh-high Boots von Prada, fashion at it´s best! HYPE sagt: Welcome back Kristen!
“Daahleeeng endlich”, der Trailer zur besten Mode-Dokumentation des ausklingenden Jahrzehnts ist draußen: THE SEPTEMBER ISSUE von Regisseur R.J. Cutler.
Der Film zeigt Anna Wintour, legändere Chefin der amerikanischen Vogue, Stilikone und zweifellos die berühmteste Modejournalistin der Welt, bei den Vorbereitungen der September Ausgabe “ihrer” Modebibel. Im Jahr 2007 war das September Heft der Vogue mit 840 Seiten die umfangreichste Ausgabe in der Geschichte des Magazins.
Der neunte Kalendermonat markiert den Zeitpunkt an dem die Modeelite die Winterssaison einläutet. Mitten im Sommer, zeigen die Werbeanzeigen namhafter Modehäuser plötzlich kuscheliges in gedeckten Farben.
Die Clip Ästhetik und Textgrafiken des Trailers wecken augenblicklich Erinnerungen an den Kinohit “Der Teufel trägt Prada”, der Anna Wintour auch außerhalb des Modezirkels zur Celebrity machte. THE SEPTEMBER ISSUE ist besser als die Romanverfilmung. THE SEPTEMEBER ISSUE ist real und gewährt seinen Zuschauern interessante Einblicke in ein Umfeld, zu dem nur Wenige Zugang haben; in das Reich von Anna Wintour. Von ihrem Büro im monumentalen Condé Nast Building am New Yorker Times Square , setzt Anna Wintour Trends für rund 306 Millionen Amerikaner.
Von Wenigen nur geliebt, von fast Allen respektiert und von Einigen gehasst. Vieles wird über die gebürtige Britin erzählt, die 1988 ihren Job bei Condé Nast als Vogue Chefredakteurin antrat, und seitdem die Auflage bis heute um ein fünffaches steigern konnte. Doch all die Beschreibungen ihrer Person, sind so gegensätzlich wie Schwarz und Weiß. Ob kalt- oder warmherzig; Anna Wintour ist hauptsächlich professionell!
Im Gegensatz zu all den “Wanna be´s” der Branche, die seit der Veröffentlichung von “Der Teufel trägt Prada”, mit aufgesetzt gelangweiltem Blick, gekräuselten Lippen und Louis Vuitton Tasche in der Armbeuge, ihren Mitmenschen das Leben schwer machen. Hauptsächlich Models, Stylistinnen und Moderedaktionsassistentinnen, die sich durch den Film in ihrem snobistischen Getue bestätigt sehen. Doch Mädels, es kann nur Eine geben! Einen Vorgeschmack auf den Film liefert der erst heute freigegebene Trailer, den Ihr bereits hier sehen könnt, auf HYPE!
Bodguard, Chauffeur? Fehlanzeige! Was der mächtigsten Frau des amerikanischen Modebusiness und legendären Vogue Chefin, wohl gerade durch den Kopf gehen mag?