Den Schmunzler des Tages liefert das Modehaus Chloé. Wie das Branchenblatt WWD in seiner Online-Ausgabe am Donnerstag berichtete, hat man in der aktuellen Werbeanzeige zu Chloés neuestem Duft “LOVE” etwas entdeckt, dass da eigentlich gar nicht hingehört. Die Rede ist von einem Accessoire der Konkurrenz, genauer gesagt einem schlichten, nahezu unauffälligen, schmalen Ledergürtel der Marke Yves Saint Laurent.
Wie konnte das passieren? Wenn man bedenkt, dass bei einem beauftragten Kampagnenshooting die Kollektionsteile in aller Regel direkt vom Auftraggeber selbst, quasi ab Werk, geliefert werden, ist es kaum möglich, dass sich dabei ein Stück eines anderen Herstellers einschleichen kann. Nun sei die Anzeige aber vom Lizenznehmer, dem Parfumhersteller Coty-Prestige, konzipiert worden; der womöglich einen Stylisten entsandte um die Klamotten für die Photosession zu organisieren. Doch hätte dieser nicht wissen müssen, dass er sich bei der Zusammenstellung nur bei einer Marke hätte bedienden dürfen, nämlich Chloé. Während die Köpfe im Hause YSL sich über die Verwechslung und die damit verbundene kostenlose PR freuen dürften, sollen Vertreter des Pariser Unternehmens Chloé wie auch der Firma Coty Prestige angeblich verschnupft auf den Fehlgriff reagiert haben.
Warum eigentlich? Gerade diese Anekdote beschert Chloé jede Menge Aufmerksamkeit, guckt doch nun jeder mindestens zweimal auf besagtes Bild welches von Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin geschossen wurde . Besser lässt sich Werbung kaum inszenieren! Was sogleich die Frage nach einem Nachweis aufwirft – könnte uns jemand mal mit einer Detail-Abbildung des YSL Gürtels versorgen?
Stefano Pilati bat Starfortograf Bruce Weber einen Kurzfilm für die aktuelle Herrenkollektion von YSL zu drehen. Herausgekommen ist “Ain’t Nothing Like The Real Thing”, eine ästhetisch ansprechende Filmcollage, die den Spritit der 50er Jahre auf authentische Weise verkörpert. Uverkennbar ist dabei die Handschrift Bruce Webers: subtile Homoerotik und “boy-next-door”-Attitüde mit den den hübschesten Jungs, die der Modelmarkt derzeit zu bieten hat. Wer achtet da noch auf die Klamotten?
Aus alt mach neu sagte sich das Modehaus Yves Saint Laurent und launchte Mitte Dezember nun bereits zum zweiten Mal eine auf Nachhaltigkeit bedachte Capsule Kollektion. “New Vintage II” basiert auf den Schnitten und den Silhouetten weit zurückliegender Kollektionen des Hauses.
Das Designteam um YSL Chefdesigner Stefano Pilati entwickelte inspiriert von den alten Entwürfen, neue, zeitgenössische und miteinander kombinierbare Teile. Zur Herstellung wurden zwecks des anvisierten Vintage Charakters und des Recycling Anspruchs ausschließlich Jahrzehnte alte Stoffe aus dem Firmenarchiv verwendet.
Die Kollektion umfasst exakt 121 Teile, jedes von ihnen ist entsprechend nummeriert. Die Intention den Look einer bestimmten Dekade an die Bedürfnisse und den Geschmack der Gegenwart anzupassen, macht durchaus Sinn. Denn wer hat sich nicht schon auf der Suche nach einem textilen Unikat oder dem 2nd Hand Stück, das uns möglichst individuell aussehen lassen soll, geärgert, dass die Ärmel zu kurz sind, der Hemdkragen zu lang, die Silhouette altbacken, das Revers zu breit und der 50´s Tellerrock zwar noch immer schön schwingt aber eben auch ordentlich müffelt. Mit den Reinterpretationen des modische Vergangenen bleiben einem diese Mängel erspart. Yves Saint Laurent´s New Vintage II ist ausschließlich in den Flagshipstores in Paris, London und New York zu erhältlich. Die Kollektion bezeichnet sich als “eco-friendly”, das ist wunderbar. Wenn jetzt auch noch die Preise consumer-friendly wären…
“Can I speak to Mr. Dior please?”, das T-Shirt aus der aktuellen Dior Winterkollektion (Fall 09) ist eines der wenigen Teile, mit dem der Herrensparte des Modehauses Dior seit dem Abschied von Hedi Slimane im Jahr 2007 endlich mal wieder Aufmerksamkeit zuteil wird. Auch wenn der Spruch zunächst cool anmuten mag, so birgt er eine unglückliche Doppeldeutigkeit in sich.
Angesichts der Tatsache, das Kris van Assche, mit seinem Entwürfen für Dior Homme bisher nur wenig Anklang bei Einkäufern und Modepresse findet, lässt sich der Satz auch als verzweifelter Hilferuf eines Chefdesigners deuten, der den Rat des stets stilsicheren Christian Dior bitter nötig hat.
Während sein Vorgänger Hedi Slimane, mit seiner ultraschlanken Silhouette, und den skinny-model-boys die Männemode revolutionierte und mit seinen Glam Rock Chic den Nerv der damaligen Zeit traf, unvergessen seine beiden von Pete Doherty inspirierten Kollektionen für die Saisons Fall 2005 und Spring 2006, verliert sich Kris van Assche in untragbaren, grotesken Entwürfen, die Mann einfach nicht tragen will. (Sakkos mit transparenten Chiffonärmeln irgendwer?).
Von seinem Debüt für Sommer 2008 bis hin zu seiner erst im Juni dieses Jahres vorgestellten Kollektion für Sommer 2010, hagelte es von Modeguru Tim Blanks, stets negative Kritik. Diese verpackt Blanks zwar stillvoll in intelligent gewählte Synonyme, ähnlich eines Arbeitszeugnisses, bei dem hinter jeder blumigen Formulierung, ein vernichtendes Urteil steckt.
V-Ausschnitte bis zum Bauchnabel, voluminöse M.C Hammer Hosen, ungelenke Proportionen, knielange T-Shirts, durchsichtige, billig glänzende Kimonos, kragen- oder ärmellose Sakkos und transparente Hemden, da kräuseln sich bei vielen Männern die Fußnägel. Nicht wirklich tragbar. Überhaupt Transparenz, das sieht am Manne immer unseriös und billig aus. Immer!
Kris van Assches Kollektionen wirken auffällig bemüht, einerseits dem populären Dior Look Slimanes aus kommerziellen Gründen nach wie vor zu entsprechen und anderseits in dem Versuch eine neue, eigene Handschrift zu entwickeln. Nun fragt man sich wie van Assche überhaupt in die privilegierte Situation kam, eine der einflussreichsten modischen Erbschaften des 21. Jahrhunderts anzutreten? Nun der Thronfolger war immer dicht dran am König. Der heute 33-jährige Belgier van Assche arbeitete jahrelang als Design Assistent von Hedi Slimane und bastelte mit ihm zusammen an den Herren Kollektionen für YSL und Dior, bevor er im März 2007 das Zepter bei Dior Homme übernahm. Mal sehen, wie lange er das Regiment dort noch beherrscht.