Paris sagt Adieu! Loulou de la Falaise, Topmodel der späten Sixties und Seventies, Muse des Modemachers Yves Saint Laurent und Designerin, ist vergangenen Samstag an den Folgen einer schweren Krankheit im Alter von nur 63 Jahren in ihrem Landhaus in Boury-en-Vexin, circa 65 km von der französischen Hauptstadt entfernt, verstorben. Ihr Tod wurde durch die Pierre Bergé / Yves Saint Laurent Foundation bekannt gegeben, jedoch ohne Nennung der Todesursache. Gerüchten zufolge soll Loulou de la Falaise an Krebs erkrankt sein.
Es gibt nur wenige Frauen über deren exzeptionelle Schönheit und Ausstrahlung sich fast eine ganze Berufsbranche stets einig schien; über vier Jahrzehnte lang hielt Loulou de Falaise den Ruf einer Stilikone inne. Wer sie persönlich erlebte, glaubte sich in Gegenwart der idealtypischen Parisern: mondän, kultiviert, charmant und extrovertiert, feuerrote Lippen und schwarz kajalierte Augen. Dabei war Madame de la Falaise Engländerin! Lediglich ihr Akzent gab darüber Auskunft.
Geboren in Großbritannien unter dem Namen Louise Vava Lucia Henriette de la Falaise als Tochter des irischen Models Maxime Birley und des französischen Grafen Alain de la Falaise führte Loulou schon früh ein Tingel-Tangel Leben in den etwas besseren Kreisen. Schule war offenbar nicht ihr Ding. Der Legende nach flog Loulou als Jugendliche wegen “Aufmüpfigkeit” von insgesamt drei Privatschulen. Ihrer Kariere tat dies jedoch keinen Abbruch. Sowohl ihr Name als auch ihr Äußeres öffneten ihr Tür und Tor und so geschah es, dass sie, eines Tages auf Diana Vreeland traf. Die ehemalige Chefredakteurin der amerikanischen Vogue engagierte sie als Model und sicherte Loulou somit einen Platz in der Fashionszene. Daraufhin folgten eine Blitzehe mit dem britischen Aristokraten Desmond Fitzgerald sowie berufliche Zwischenstationen bei Modedesigner Roy Halston und dem in London ansässigen Modemagazin Queen.
Mit 19 Jahren lernte die drahtige Loulou de Falaise Modemacher Yves Saint Laurent in einer New Yorker Diskothek kennen. Beide wurden Freunde fürs Leben und sie, ab 1972, des Meisters Muse und Aushängeschild seines Unternehmens. Später betätigte sie sich als Designerin, gestaltete Hüte und Schmuck für Yves Saint Laurent, bevor sie sich 2003, mit ihrer eigenen Mode-und Accessoire Linie selbständig machte.
Loulou de la Falaise hinterlässt Mann und Tochter und die Erkenntnis, dass Stil nach einem überraschenden Element verlangt: “To have style, you have to strike a note of surprise: bring together unlikely elements, such as a country sweater with a diamond necklace or a tennis-striped pantsuit with a delicate pale-pink brooch.” Machen wir!
Anekdoten zum Leben der Loulou de Falaise enthält das Buch:
The Beautiful Fall: Lagerfeld, Saint Laurent and excess in 1970s Paris.
Morgen wäre er 77 Jahre alt geworden, Jeanloup Sieff. Geboren am 30. November 1933 in Paris als Sohn polnischer Immigranten, zählt Sieff zweifellos zu den Meistern der Modefotografie des 20. Jahrhunderts. Ab den späten 1950er Jahren zierten seine Arbeiten namhafte Magazine wie ELLE, Jardin des Modes, Look, Glamour, Esquire, Harpers Bazaar und ab 1966 auch Vogue. Vermutlich kennt jeder mindestens eine Fotografie aus der Hand Monsieur Sieffs, auch wenn der Betrachter womöglich gar nicht weiß, dass die Aufnahme von ihm stammt.
So war es z.B. Sieff, der eines der skandalträchtigsten gleichsam mutigsten Werbefotos der 70er Jahre schoss. Das Bild des splitternackten Modeschöpfers Yves Saint Laurent zwecks Bewerbung seines neu eingeführten Herrenduftes “YSL Homme” ging um die Welt und erzielte bei einer Versteigerung des Auktionshauses Christie’s im Juni dieses Jahres einen Kaufpreis von 39.400 Euro
Jeanloup Sieff war jedoch nicht ausschließlich Inszeneur eleganter Stilwelten sondern auch politisch Dokumentierender, wie seine Tätigkeit als Fotojournalist für die renommierte Bildagentur Magnum beweist.
Die Münchner Galerie “Bernheimer” zeigt nun in einer Ausstellung unter dem Titel “JEANLOUP SIEFF – FOUR DECADES” rund vierzig Photographien des im Jahr 2000 verstorbenen Lichtbildkünstlers. Die hier präsentierten Werke umfassen eine Auswahl an Sieffs Mode- Portrait und Aktphotographien von den 60er bis hin zu den späten 90er Jahren. Darunter auch ein Portrait von Karl Lagerfeld. Die Bilder können selbstverständlich käuflich erworben werden. Das ideale Weihnachtgeschenk für alle denen der neueste Duft von Anna dello Russo zu “mass market” ist. Das nötige Kleingeld ist hierbei ebenso geboten wie Eile denn laut Bernheimerscher Website stehe von manchen Abzügen der ausgewählten Motive nur noch ein Exemplar zum Verkauf.
“JEANLOUP SIEFF – FOUR DECADES” noch bis zum 29. Januar 2011 zu sehen in der
Den Schmunzler des Tages liefert das Modehaus Chloé. Wie das Branchenblatt WWD in seiner Online-Ausgabe am Donnerstag berichtete, hat man in der aktuellen Werbeanzeige zu Chloés neuestem Duft “LOVE” etwas entdeckt, dass da eigentlich gar nicht hingehört. Die Rede ist von einem Accessoire der Konkurrenz, genauer gesagt einem schlichten, nahezu unauffälligen, schmalen Ledergürtel der Marke Yves Saint Laurent.
Wie konnte das passieren? Wenn man bedenkt, dass bei einem beauftragten Kampagnenshooting die Kollektionsteile in aller Regel direkt vom Auftraggeber selbst, quasi ab Werk, geliefert werden, ist es kaum möglich, dass sich dabei ein Stück eines anderen Herstellers einschleichen kann. Nun sei die Anzeige aber vom Lizenznehmer, dem Parfumhersteller Coty-Prestige, konzipiert worden; der womöglich einen Stylisten entsandte um die Klamotten für die Photosession zu organisieren. Doch hätte dieser nicht wissen müssen, dass er sich bei der Zusammenstellung nur bei einer Marke hätte bedienden dürfen, nämlich Chloé. Während die Köpfe im Hause YSL sich über die Verwechslung und die damit verbundene kostenlose PR freuen dürften, sollen Vertreter des Pariser Unternehmens Chloé wie auch der Firma Coty Prestige angeblich verschnupft auf den Fehlgriff reagiert haben.
Warum eigentlich? Gerade diese Anekdote beschert Chloé jede Menge Aufmerksamkeit, guckt doch nun jeder mindestens zweimal auf besagtes Bild welches von Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin geschossen wurde . Besser lässt sich Werbung kaum inszenieren! Was sogleich die Frage nach einem Nachweis aufwirft – könnte uns jemand mal mit einer Detail-Abbildung des YSL Gürtels versorgen?
Die ganz große, bedingungslose, ja gar bis über den Tod hinausreichende Liebe ist nur wenigen Menschen vergönnt. Doch Yves Saint Laurent und Pierre Bergé hatten das, wonach sich die meisten von ihnen und Homosexuelle im Besonderen ihr Leben lang sehnen: Eine Beziehung basierend auf gegenseitiger Bewunderung, Vertrauen, Loyalität und Respekt. Gekrönt von Intellekt, Feinsinnigkeit, und einem Multimillionen-Dollar-Vermögen.
Die Filmdokumentation “L’amour fou” beleuchtet die 5 Jahrzehnte andauernde Beziehungs-Historie eines leidenschaftlichen Ausnahmepaares. Zwischen Yves, dem exzessiven Kreativen und Pierre dem kämpferischen Geschäftsmann, die gemeinsam Modegeschichte schrieben. Eine Verbindung, die 1958 zündete und in einer eingetragenen Partnerschaft kurz vor dem Tod des Modemachers im Jahr 2008 gipfelte. Auch wenn in diesem Film fast ausschließlich Pierre Bergé (79) zu Wort kommt und der Streifen somit zwangsläufig in romantischen Verklärungen schwelgt, bietet er dennoch einen ergreifenden Blick auf eine in jeder Hinsicht außergewöhnliche Beziehung , die selbst in Zeiten des Leids und der Eifersucht stets geprägt blieb von elaborierten Stilwillen, Pathos, Ästhetik und Glamour. Die charmante Anekdote von einer Nacht im Jahre 1976, in der Yves Saint Laurent nach Hause kam, nur um nach einem schnellen Outfitwechsel wieder mit einer Schaar junger Männer, die draußen vor dem Apartment bereits auf ihn warteten, weiter durch die Bars ziehen, was Bergé dazu veranlasste für einen Monat in einer Suite im edlen Plaza Athénée zu logieren, verdeutlicht den außergewöhnlichen Lebensstandard des einstigen Power-Couple.
Natürlich hatten beide gelegentlich Affären, doch im klugen Wissen das die kurzweiligen Freuden des Orgasmus und der Reiz des Neuen langfristig nicht über fehlende geistige Gemeinsamkeiten hinwegtäuschen können, hielten sie aneinander fest.
“L’amour fou” von Regisseur Pierre Thoretton ist das filmische Portrait eines seines Lebensinhalts beraubten Mannes und dessen rührender Hommage an die Liebe seines Lebens: Yves Saint Laurent.
Schöngeistig, sublim und einfach bewegend! Ein “Must-See” für Künstlerseelen und Melancholiker.
“L’amour fou” läuft bereits seit dem 22.09. in Frankreich, Österreich und der Schweiz
„Oft, meist nach sechs Uhr Abends, verkleidete sich ein Mitarbeiter von Christian Dior. Eines Abends hatte er seine Hosen bis zum Knie hinaufgezogen. Ich erinnere mich, dass er lange, schwarze Strümpfe trug. In der Umkleide der Mannequins hatte er einen roten Tüllrock gefunden und einen Hut, wie ihn die italienischen Gondolierie tragen. Seine durchtriebene und dickköpfige Art hatte mich beeindruckt und ich sagte ihm: „du bist die garstige Lulu,” schrieb Modeschöpfer Yves Saint Laurent einst über eine seltsame Begegnung im Hause Dior.
Diese Anekdote nahm er zum Anlass und schuf 1967 einen Comic, der ihm bis heute den Vorwurf einbringt, er würde satanistisches Gedankengut verbreiten. Laurents Buch handelt von einem bösen Mädchen, mit dicken, kurzen Beinen, das seiner Umwelt mit Ironie und Sarkasmus begegnet. Die Illustrationen bringen uns den verstorbenen Couturier noch einmal von einer ganz anderen Seite Nahe. Nämlich als sozialkritischen Geist, der die Mißstände der modernen Gesellschaft anprangert. Denn indem Lulu in ihrer tolpatschigen Art stets Böses tut, führt sie dem Leser die menschlichen Abgründe vor Augen: doppelte Moral, sexuellen Missbrauch und Unterdrückung.
Der naive, unverfrorene und kindliche Stil des Buches ließ seinerzeit viele im Glauben, es handele sich um eine Kinderbuch. Doch Zeichnungen, die die dickliche Lulu beim Guillotinieren kleiner Kinder zeigt oder wie sie Neugeborenen tödliche Injektionen setzt, weisen vielmehr darauf hin, dass Yves Saint Laurent mit Karrikaturen die perversen Auswüchse unserer Gesellschaft anprangern und nicht, wie vielfach behauptet, gutheißen wollte. Ein polarisierendes Werk, das anlässlich der Yves Saint Laurent Retrospektive neu aufgelegt wurde. Die Originalskizzen sind noch bis 19. November im Grand Palais in Paris zu besichtigen, das Buch ist über Amazon erhältich.
photo: Jeanloup Sieff, photo by courtesy of Christie's
Wir schreiben das Jahr 1971 und nackt, wie Gott ihn schuf, posiert der löwenmähnige Yves Saint Laurent auf schwarzen Lederkissen sitzend, lediglich mit seiner charismatischen Brille bekleidet für den Duft „YSL Homme”.
Unschuldig und provokativ zugleich, wirkt der damals 35jährige Modeschöpfer auf diesem unvergleichlichen Bildnis. Das Eau de Toilette wurde ein Erfolg, das Aktportrait des Fotografen Jeanloup Sieff zum schlagkräftigen, da polarisierenden Werbeplakat. Nachdem Christies den gesamten Privatbesitz des 2008 verstorbenen Couturiers versteigert und damit Millionenumsätze erzielt hat, steht jetzt der nackte Modeschöpfer zum Verkauf.
Fast so, als hätte man ihn bis aufs letzte Hemd ausgezogen. Das Foto ist nur eines von insgesamt 70 Arbeiten des Pariser Fotografen Jeanloup Sieff, die das Auktionshaus zum Aufruf bringt, Gesamtschätzwert: rund 300.000 Euro. Die Aktaufnahme des jungen YSL ist eines der Highlights.
„Das Photo war 1971 natürlich ein Skandal” erklärt die Modehistorikerin Ursula Harbrecht, „aber es war auch ein Meilenstein in der Geschichte der Modephotographie – zum ersten Mal warb der Schöpfer eines Parfums selbst für seinen Duft”. Am 30. Juni kann man sich diesen Meilenstein der Modefotografie sichern. Dann wird Yves Saint Laurents Portrait in Paris zu einem Startpreis von rund 10.000 Euro angeboten.
Wohnen wie Gott in Frankreich und sich fühlen wie die Muse von Yves Saint Laurent. Ab sofort können Fashion-Süchtige die Philosophie des Pariser Mode-Großmeisters regelrecht einatmen und in die heiligen Hallen des 2008 verstorbenen Couturiers einziehen. Vorausgesetzt man hat das nötige Kleingeld von schlappen 23,5 Millionen Euro. Soviel soll Yves Saint Laurents 11-Zimmer-Luxuspalazzo im Herzen von Paris Saint-Germain kosten. Sein langjähriger Lebensgefährte Pierre Bergé will die Nobelresidenz jetzt veräußern, um mit seiner verlorenen Liebe abzuschließen. Der neue Eigentümer bekommt Einiges geboten: 520 Quadratmeter Luxus plus fast noch mal so viel Gartenfläche – mitten in der Pariser City. Allein der lichtdurchflutete Salon, in dem Laurent täglich seinen Aperitif zu sich nahm, hat die Dimension einer Lagerhalle. Genug Stauraum also für Kellybags, Louboutins und teures Mobiliar. In der hauseigenen Schatzkammer lassen rot lackierte Wände und eine mit Gold versiegelt Decke die legendäre Werbekampagne für Yves Saint Laurents Duftklassiker Opium wiederaufleben.
Frankreichs Staatsoberhaupt Nikolas Sarkozy und Gattin Carla Bruni sollen angeblich schon Interesse an der vornehmen Bleibe gezeigt haben. Ja, die schöne First Lady würde sich hier bestimmt wohl fühlen. Denn gleich nebenan wohnt Mick Jagger – und den kennt Carla bekanntlich gut. Wir sind also gespannt, wessen Umzugswagen demnächst vor der rue de Babylone parken.
Es gibt Dinge deren Wow Faktor primär in ihrer unverschämten Dekadenz wurzelt. So auch beim Luxus Kaviar aus dem Hause Prunier, den gibt es nämlich auch in der Luxus Dose, heißt, das Deckelmotiv ziert eine Zeichnung von Yves Saint Laurent.
Die 125g Dose kostet in etwa genauso so viel wie ein regulärer Kühlschrank, während die Anschaffung des 250g Packerls gar von der Überlegung begleitet wird, ein Sicherheitsschloss am Eisschrank anzubringen, um die “schwarzen Diamanten” vor dem unerlaubten Zugriff gieriger Mitbewohner zu schützen. Die Verbindung von Haute Couture und Haute Cuisine geht zurück auf das Jahr 2007. Seitdem gibt es von Prunier unter dem Namen LOVE Caviar einmal im Jahr eine Sonderauflage mit Motiven des 2008 verstorbenen Modeschöpfers. Limitiert? Aber ja doch!
Freddie Mercury seen by Yves Saint Laurent, photo: Yves Saint Laurent
Das Kunstmagazin “art” zeigt in seiner März Ausgabe bisher unveröffentlichte Zeichnungen Yves Saint Laurents. Die Illustrationen sind Bestandteil eines Konvoluts von über 360 Blättern, die der Modemacher zwischen 1990 und 1992 als Ausdruck der Zuneigung einem seiner Liebhaber, der auch Mitarbeiter in seinem Unternehmen war, geschenkt hatte.
Sie entstammen dem sogenannten “Marrakesch Journal”, ein gezeichnetes Tagebuch, mit dem der Couturier im Dezember 1969 begonnen hatte und Selbiges bis in die 1980er Jahre fortführte. In seiner Villa in Marrakesch fand Yves Saint Laurent Zuflucht vor den Erwartungshaltungen der französischen Haute Volée und Raum zur Auslebung seiner homoerotischen Fantasien.
Auf den Bögen zu sehen sind muskulöse Männer, teils mit freigelegtem, überdimensional großem Genital, die unter der prallen Körperspannung beinahe aus ihren hautengen Klamotten zu bersten scheinen. Stilistisch betrachtet erinnert das Ganze stark an die Ledertrinen von Tom of Finland. Ob Freddie Mercury tatsächlich blank und breitbeinig vor ihm posierte, wie hier auf dem Bild zu sehen, oder ob reines Wunschdenken Vater der Zeichnung war, ist nicht bekannt. Die Darstellungungen geben jedoch einen interessanten Aufschluss über die sexuellen Sehnsüchte und Präferenzen des stets von Selbstzweifeln und Depressionen geplagten Modemachers, der von jeher unter seiner eigenen Homosexualität litt. Saint Laurent hätte die Zeichnungen gerne publik gemacht, doch schwuler Sex passte einfach nicht zum Image von Haute Couture und den feinen Salons des 1. Pariser Arrondissement und so blieb das Journal zu Lebzeiten des Meisters stets unter Beschluss.
Das “art” Magazin zeigt nun erstmals und weltexklusiv Auszüge aus dem pikanten Tagebuch und verrät in einem ausführlichen Artikel wie die Bilder nun doch noch in Umlauf gerieten. Dabei wird deutlich, als Modeschöpfer war Yves saint Laurent genial, als Privatperson unerträglich. Wunderschön anzusehen und absolut lesenswert!
Marie Dominique Lelièvre ist eine ehemalige Modejournalistin und hat ein Buch über Frankreichs Nationalheiligtum Yves Saint Laurent geschrieben, dass das Gentlemen Image der Modeikone gehörig auf den Kopf stellt. Demnach war Saint Laurent´s Leben gezeichnet von Depressionen, einem intensiven Alkohol- und Drogenkonsum, und Beziehungseskapaden mit seinem Lebens- und Geschäftspartner Pierre Bergé.
Geschichten dieser Art, über das Privatleben des 2008 verstorbenen Modeschöpfers sind nicht neu. Es war nie ein Geheimnis, dass der Pariser Modegott an Depressionen litt, Drogen nahm und schwul war. Auch wenn Letzteres im Modemikrokosmos mit Sicherheit kein Problem darstellt, so fiel es Yves Saint Laurent zeitlebens schwer seine eigene Homosexualtät zu akzeptieren. Einen möglichen Grund hierfür, sieht die Autorin im arabischen Kulturkreis, dem der in Algerien geborene Saint Laurent entstammt, wo Homosexualität als Sünde gilt und entsprechend geächtet wird.
Es sind die detaillierten Ausführungen bekannter Schwächen, die Monsieur Saint Laurent nun in einem neuen Licht erscheinen lassen. Aus über 50 Interviews mit ehemaligen Weggefährten Saint Laurents, darunter Mitarbeiter, Models, Verwandte und Ärzte schuf Lelièvere das Portrait einer herrischen und stets kränkelnden Diva, die im betrunkenen Zustand schon mal mit Aschenbechern nach umstehenden Personen schmiss.
Pierre Bergé weigerte sich der Autorin auch nur ein einziges Interview zu gewähren und bezeichnete das Werk, ohne es gelesen zu haben, als “Ansammlung von unverifiziertem Klatsch und Tratsch.”
“Aber ist das wirklich?” fragte daraufhin Laura Craik vom Londoner Evening Standard in ihrer Buchrezension.
Prominente, ob nun Schauspieler, Sänger oder Modedesigner, haben ein Image zu verteidigen, dass maßgeblich ihren Marktwert bestimmt. Verständlich das Pierre Bergé, der mit dem Namen Yves Saint Laurent auch nach dessen Ableben noch gute Geschäfte macht, das Ansehen seines Lebenswerks unbefleckt halten will.
Verständlich ist aber auch, dass Menschen Interesse haben an einer authentischer Berichterstattung über Personen, die als gesellschaftliche Leitfigur gelten, zu denen sie aufschauen und deren Produkte sie kaufen. Zuckersüße PR-Texte und schöngeistige Philosophien über das Künstlergenie hingegen, sind weder glaubwürdig noch zeitgemäß. Reality-Formate und Casting-Shows haben den “Weg zum Ruhm” längst entmystifiziert. Talent ist da nur die halbe Miete. Teenager, die das Internet als Plattform zur Selbstvermarktung nutzen, haben dies längst begriffen, Pierre Bergé offenbar noch nicht. Legenden sind eben auch nur Menschen, so auch “Bad Boy” Yves Saint Laurent!
Marie-Dominique Lelièvre, “Saint Laurent Mauvais Garcon”
Verlag: Flammarion / Preis: 19.00 €
(bisher nur in französischer Sprache)
Stefano Pilati bat Starfortograf Bruce Weber einen Kurzfilm für die aktuelle Herrenkollektion von YSL zu drehen. Herausgekommen ist “Ain’t Nothing Like The Real Thing”, eine ästhetisch ansprechende Filmcollage, die den Spritit der 50er Jahre auf authentische Weise verkörpert. Uverkennbar ist dabei die Handschrift Bruce Webers: subtile Homoerotik und “boy-next-door”-Attitüde mit den den hübschesten Jungs, die der Modelmarkt derzeit zu bieten hat. Wer achtet da noch auf die Klamotten?
Aus alt mach neu sagte sich das Modehaus Yves Saint Laurent und launchte Mitte Dezember nun bereits zum zweiten Mal eine auf Nachhaltigkeit bedachte Capsule Kollektion. “New Vintage II” basiert auf den Schnitten und den Silhouetten weit zurückliegender Kollektionen des Hauses.
Das Designteam um YSL Chefdesigner Stefano Pilati entwickelte inspiriert von den alten Entwürfen, neue, zeitgenössische und miteinander kombinierbare Teile. Zur Herstellung wurden zwecks des anvisierten Vintage Charakters und des Recycling Anspruchs ausschließlich Jahrzehnte alte Stoffe aus dem Firmenarchiv verwendet.
Die Kollektion umfasst exakt 121 Teile, jedes von ihnen ist entsprechend nummeriert. Die Intention den Look einer bestimmten Dekade an die Bedürfnisse und den Geschmack der Gegenwart anzupassen, macht durchaus Sinn. Denn wer hat sich nicht schon auf der Suche nach einem textilen Unikat oder dem 2nd Hand Stück, das uns möglichst individuell aussehen lassen soll, geärgert, dass die Ärmel zu kurz sind, der Hemdkragen zu lang, die Silhouette altbacken, das Revers zu breit und der 50´s Tellerrock zwar noch immer schön schwingt aber eben auch ordentlich müffelt. Mit den Reinterpretationen des modische Vergangenen bleiben einem diese Mängel erspart. Yves Saint Laurent´s New Vintage II ist ausschließlich in den Flagshipstores in Paris, London und New York zu erhältlich. Die Kollektion bezeichnet sich als “eco-friendly”, das ist wunderbar. Wenn jetzt auch noch die Preise consumer-friendly wären…
Nach dem bereits im Februar ein Teil der Kunst- und Antiquitätensammlung des verstorbenen Modeschöpfers Yves Saint Laurent erfolgreich bei Christies in Paris versteigert wurde, steht nun auch das Feriendomizil des Moderevoluzzers zum Verkauf.
Die Villa Mabrouka (Haus des Glücks) in Hanglage der marokkanischen Stadt Tanger bietet neben einer traumhaften Gartenanlage des Landschaftsarchitekten Madison Cox, auch einen einmaligen Blick auf die Straße von Gibraltar sowie 5 Schlafzimmer. Ein Pool mit Aussicht auf das Meer ist selbstverständlich. Der Bau ist eine Oase des guten Geschmacks und von ausnahmslose guter Qualität. Für das Interior zeichnete der renommierte Inneneinrichter Jaque Grange verantwortlich. Die Villa befindet sich in einer ruhigen und gut geschützten Wohnanlage, etwa 5 Minuten von der Altstadt Tangers entfernt. Monsieur Laurent und sein Lebenspartner Pierre Bergé kauften das Anwesen 1998. Preis auf Anfrage über Christies Great Estates.
Dior, Yves Saint Laurent und Alexander McQueen haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam und doch bedienen sich alle drei Unternehmen der bewegten Bilder als zeitgemäßes Marketinginstrument.
Doch nicht nur die oben Genannten, sondern auch Chanel und Louis Vuitton setzen auf Videos als Markenbotschafter. Aufwendig inszenierte Kurzfilme, mit prominenter Besetzung, mal mehr, mal weniger gehaltvoll. Doch für wen machen die das? Es scheint als hätten die PR- Verantwortlichen renommierter Modehäuser das Internet als relevante Werbeplattform angenommen. Wobei die Streifen allein schon aufgrund ihrer Länge nichts mehr mit dem gewöhnlichen 30 Sekunden Spot zu tun haben. Die Filme werden zumeist auf der firmeneigenen Webseite gepostet oder als Einstimmung auf die Kollektion vor der Modenschau den geladen Gästen vorgeführt. Fast immer finden die Videos ihren Weg zu YouTube und damit auch in zahlreiche fashionblogs weltweit. Mannigfaltige Verbreitung zum Nulltarif! HYPE zeigt euch im folgenden drei aktuelle Beispiele:
Sex sells! Diese Regel ist gewiss älter als Madonna, und wurde von der Popgöttin, gleich zu Beginn ihrer Kariere und zu ihrem finanziellen Vorteil verinnerlicht.
Photo by Steven Meisel
Auch die Modebranche setzt auf nackte Tatsachen um steigende Umsätze zu generieren. Posierte Yves Saint Laurent in den 70er Jahren bereits nackt aber noch brav durch seine Brille blickend auf schwarzen Lederkissen um sein Parfum zu bewerben , hat sich die Bildsprache mittlerweile mehr in Richtung Interaktion verlagert. Die mal mehr oder wenige subtile Andeutung sexueller Handlungen ist für zahlreiche Modehäuser heutzutage Pflichtprogramm um auf ihr Produkt aufmerksam zu machen.
Tom Ford setzte bereits zu Zeiten als Gucci Creativ Director auf” JetSet Sex” und kommuniziert nun höchstpersönlich seine Lifestyle Philosophie als ein von manikürten Frauenhänden begehrter Playboy mit aufgeknöpften Hemd und behaarter Brust, um sein eigenes Label an den Mann zu bringen.
Terry Richardson for Tom Ford
Nur selten entstehen um derlei Anzeigenmotive noch Kontroversen und wenn doch, so bringen sie den Unternehmen eher kostenlose PR anstatt eines monetären Schadens. Die Provokation ist somit wohl kalkuliert. Der Unterschied liegt im Detail.
Dolce&Gabbana und D´Squared setzen ihren Anzeigen, ihren Zielgruppen und privaten Vorlieben entsprechend, auf 100% Prozent Testosteron und Homoerotik. American Apparel Gründer Dov Charney bevorzugt die frivole Schulmädchen Ästhetik und das italienische Mode Label Sisley polierte mit pikanten Werbeshots von Terry Richardson, der selbst ausschaut als sein er soeben einem 70er Jahre Porno entsprungen, sein Image auf.
Terry Richardson for Sisley
Alles geht, solange es ästhetisch ansprechend und cool daherkommt. Nur billig ist tabu!
Aktuell sorgt das Label CK by Calvin Klein mit seinem neuen Werbemotiv für die Winterkollektion 2009 für Aufregung. Zumindest in New York. Hier prangt die Aufnahme von Star Fotograf Steven Meisel unübersehbar als riesige Werbetafel hoch über der Kreuzung East Houston und Lafayette Street.
Darin räkeln sich drei Jungs und ein Mädel auf einem blassgrünen Samtsofa. Ein bisschen Haut, ein paar Designer Jeans, das war´s! Quantitativ überwiegt das männliche Geschlecht, wodurch das Bild tendenziell “gay” anmutet. Das Unternehmen kennt eben seine Klientel.
Steven Meisel, der Anfang der 90er Jahre Madonna für ihren Bildband SEX in weitaus deftigeren Posen ablichtete, ist versiert in der Inszenierung von Erotik für seine illustren Auftraggeber. Er ist zu amerikanisch und zu clever um ein Risiko einzugehen. Dennoch sorgt seine Anzeige seit Tagen für Gesprächsstoff. Das zumeist gebrauchte Argument der Motivgegner sind die Kinder. Das Problem dürfte jedoch einzig und allein bei den Erwachsenen selbst und ihrem verklemmten Umgang mit Sexualität liegen als weniger beim Nachwuchs. Schließlich gibt es nur marginal wenige Kinder unter 13, die sich für Modefotografie interessieren. Offenbar fühlen sich vorbeigehende Eltern Erklärungsnot, wo es nichts zu erklären gibt. Die Anzeige zeigt lediglich vier attraktive Menschen, “having a good time”. Andere wiederum argumentieren mit dem fehlenden Anspruch und beklagen, dass das Werbemotiv allzu offensichtlich auf unsere niederen Instinkte abzielt um einen schnellen Dollar zu machen. Dann gibt es noch die Fraktion derjenigen, die die Kampagne mit abgeklärter Langweile als “somewhat cheesy” abtun, nach dem Motto: ” Sex? Lieber hätte ich eine gute Tasse Tee”.
Es ist diese Doppelmoral der Amerikaner, die viele Europäer angesichts solcher Debatten verständnislos den Kopf schütteln lässt. Denn Konsequenzen aus ihrer Empörung zieht das Volk nicht, Calvin Klein verkauft noch immer die meisten Unterhosen im Premiumbereich in den USA. Natürlich sind die Amerikaner nicht per se gegen Sex, nur hat dieser eben ausschließlich unter der eigenen Bettdecke stattzufinden. Tür zu, Rollade runter, Licht aus! Leider fördert die amerikanische Politik diese Haltung indem sie sich in Fragen zur Sexualerziehung stets bedeckt hält und toleriert, das bestimmte Sexualpraktiken in einzelnen Bundesstatten gar unter Strafe stehen. Das führt zwangsläufig zu einem ambivalenten Körperverhältnis.
Doch gerade dieses Verbot schafft Begierde, schließlich ist nur interessant was man nicht haben kann, und damit erklärt sich warum trotz eines zur Schau gestellten Entsetzen, Sex sich in den USA besser verkauft als irgendwo sonst auf der Welt!