Freddie Mercury seen by Yves Saint Laurent, photo: Yves Saint Laurent
Das Kunstmagazin “art” zeigt in seiner März Ausgabe bisher unveröffentlichte Zeichnungen Yves Saint Laurents. Die Illustrationen sind Bestandteil eines Konvoluts von über 360 Blättern, die der Modemacher zwischen 1990 und 1992 als Ausdruck der Zuneigung einem seiner Liebhaber, der auch Mitarbeiter in seinem Unternehmen war, geschenkt hatte.
Sie entstammen dem sogenannten “Marrakesch Journal”, ein gezeichnetes Tagebuch, mit dem der Couturier im Dezember 1969 begonnen hatte und Selbiges bis in die 1980er Jahre fortführte. In seiner Villa in Marrakesch fand Yves Saint Laurent Zuflucht vor den Erwartungshaltungen der französischen Haute Volée und Raum zur Auslebung seiner homoerotischen Fantasien.
Auf den Bögen zu sehen sind muskulöse Männer, teils mit freigelegtem, überdimensional großem Genital, die unter der prallen Körperspannung beinahe aus ihren hautengen Klamotten zu bersten scheinen. Stilistisch betrachtet erinnert das Ganze stark an die Ledertrinen von Tom of Finland. Ob Freddie Mercury tatsächlich blank und breitbeinig vor ihm posierte, wie hier auf dem Bild zu sehen, oder ob reines Wunschdenken Vater der Zeichnung war, ist nicht bekannt. Die Darstellungungen geben jedoch einen interessanten Aufschluss über die sexuellen Sehnsüchte und Präferenzen des stets von Selbstzweifeln und Depressionen geplagten Modemachers, der von jeher unter seiner eigenen Homosexualität litt. Saint Laurent hätte die Zeichnungen gerne publik gemacht, doch schwuler Sex passte einfach nicht zum Image von Haute Couture und den feinen Salons des 1. Pariser Arrondissement und so blieb das Journal zu Lebzeiten des Meisters stets unter Beschluss.
Das “art” Magazin zeigt nun erstmals und weltexklusiv Auszüge aus dem pikanten Tagebuch und verrät in einem ausführlichen Artikel wie die Bilder nun doch noch in Umlauf gerieten. Dabei wird deutlich, als Modeschöpfer war Yves saint Laurent genial, als Privatperson unerträglich. Wunderschön anzusehen und absolut lesenswert!
Marie Dominique Lelièvre ist eine ehemalige Modejournalistin und hat ein Buch über Frankreichs Nationalheiligtum Yves Saint Laurent geschrieben, dass das Gentlemen Image der Modeikone gehörig auf den Kopf stellt. Demnach war Saint Laurent´s Leben gezeichnet von Depressionen, einem intensiven Alkohol- und Drogenkonsum, und Beziehungseskapaden mit seinem Lebens- und Geschäftspartner Pierre Bergé.
Geschichten dieser Art, über das Privatleben des 2008 verstorbenen Modeschöpfers sind nicht neu. Es war nie ein Geheimnis, dass der Pariser Modegott an Depressionen litt, Drogen nahm und schwul war. Auch wenn Letzteres im Modemikrokosmos mit Sicherheit kein Problem darstellt, so fiel es Yves Saint Laurent zeitlebens schwer seine eigene Homosexualtät zu akzeptieren. Einen möglichen Grund hierfür, sieht die Autorin im arabischen Kulturkreis, dem der in Algerien geborene Saint Laurent entstammt, wo Homosexualität als Sünde gilt und entsprechend geächtet wird.
Es sind die detaillierten Ausführungen bekannter Schwächen, die Monsieur Saint Laurent nun in einem neuen Licht erscheinen lassen. Aus über 50 Interviews mit ehemaligen Weggefährten Saint Laurents, darunter Mitarbeiter, Models, Verwandte und Ärzte schuf Lelièvere das Portrait einer herrischen und stets kränkelnden Diva, die im betrunkenen Zustand schon mal mit Aschenbechern nach umstehenden Personen schmiss.
Pierre Bergé weigerte sich der Autorin auch nur ein einziges Interview zu gewähren und bezeichnete das Werk, ohne es gelesen zu haben, als “Ansammlung von unverifiziertem Klatsch und Tratsch.”
“Aber ist das wirklich?” fragte daraufhin Laura Craik vom Londoner Evening Standard in ihrer Buchrezension.
Prominente, ob nun Schauspieler, Sänger oder Modedesigner, haben ein Image zu verteidigen, dass maßgeblich ihren Marktwert bestimmt. Verständlich das Pierre Bergé, der mit dem Namen Yves Saint Laurent auch nach dessen Ableben noch gute Geschäfte macht, das Ansehen seines Lebenswerks unbefleckt halten will.
Verständlich ist aber auch, dass Menschen Interesse haben an einer authentischer Berichterstattung über Personen, die als gesellschaftliche Leitfigur gelten, zu denen sie aufschauen und deren Produkte sie kaufen. Zuckersüße PR-Texte und schöngeistige Philosophien über das Künstlergenie hingegen, sind weder glaubwürdig noch zeitgemäß. Reality-Formate und Casting-Shows haben den “Weg zum Ruhm” längst entmystifiziert. Talent ist da nur die halbe Miete. Teenager, die das Internet als Plattform zur Selbstvermarktung nutzen, haben dies längst begriffen, Pierre Bergé offenbar noch nicht. Legenden sind eben auch nur Menschen, so auch “Bad Boy” Yves Saint Laurent!
Marie-Dominique Lelièvre, “Saint Laurent Mauvais Garcon”
Verlag: Flammarion / Preis: 19.00 €
(bisher nur in französischer Sprache)
Stefano Pilati bat Starfortograf Bruce Weber einen Kurzfilm für die aktuelle Herrenkollektion von YSL zu drehen. Herausgekommen ist “Ain’t Nothing Like The Real Thing”, eine ästhetisch ansprechende Filmcollage, die den Spritit der 50er Jahre auf authentische Weise verkörpert. Uverkennbar ist dabei die Handschrift Bruce Webers: subtile Homoerotik und “boy-next-door”-Attitüde mit den den hübschesten Jungs, die der Modelmarkt derzeit zu bieten hat. Wer achtet da noch auf die Klamotten?
Aus alt mach neu sagte sich das Modehaus Yves Saint Laurent und launchte Mitte Dezember nun bereits zum zweiten Mal eine auf Nachhaltigkeit bedachte Capsule Kollektion. “New Vintage II” basiert auf den Schnitten und den Silhouetten weit zurückliegender Kollektionen des Hauses.
Das Designteam um YSL Chefdesigner Stefano Pilati entwickelte inspiriert von den alten Entwürfen, neue, zeitgenössische und miteinander kombinierbare Teile. Zur Herstellung wurden zwecks des anvisierten Vintage Charakters und des Recycling Anspruchs ausschließlich Jahrzehnte alte Stoffe aus dem Firmenarchiv verwendet.
Die Kollektion umfasst exakt 121 Teile, jedes von ihnen ist entsprechend nummeriert. Die Intention den Look einer bestimmten Dekade an die Bedürfnisse und den Geschmack der Gegenwart anzupassen, macht durchaus Sinn. Denn wer hat sich nicht schon auf der Suche nach einem textilen Unikat oder dem 2nd Hand Stück, das uns möglichst individuell aussehen lassen soll, geärgert, dass die Ärmel zu kurz sind, der Hemdkragen zu lang, die Silhouette altbacken, das Revers zu breit und der 50´s Tellerrock zwar noch immer schön schwingt aber eben auch ordentlich müffelt. Mit den Reinterpretationen des modische Vergangenen bleiben einem diese Mängel erspart. Yves Saint Laurent´s New Vintage II ist ausschließlich in den Flagshipstores in Paris, London und New York zu erhältlich. Die Kollektion bezeichnet sich als “eco-friendly”, das ist wunderbar. Wenn jetzt auch noch die Preise consumer-friendly wären…
Nach dem bereits im Februar ein Teil der Kunst- und Antiquitätensammlung des verstorbenen Modeschöpfers Yves Saint Laurent erfolgreich bei Christies in Paris versteigert wurde, steht nun auch das Feriendomizil des Moderevoluzzers zum Verkauf.
Die Villa Mabrouka (Haus des Glücks) in Hanglage der marokkanischen Stadt Tanger bietet neben einer traumhaften Gartenanlage des Landschaftsarchitekten Madison Cox, auch einen einmaligen Blick auf die Straße von Gibraltar sowie 5 Schlafzimmer. Ein Pool mit Aussicht auf das Meer ist selbstverständlich. Der Bau ist eine Oase des guten Geschmacks und von ausnahmslose guter Qualität. Für das Interior zeichnete der renommierte Inneneinrichter Jaque Grange verantwortlich. Die Villa befindet sich in einer ruhigen und gut geschützten Wohnanlage, etwa 5 Minuten von der Altstadt Tangers entfernt. Monsieur Laurent und sein Lebenspartner Pierre Bergé kauften das Anwesen 1998. Preis auf Anfrage über Christies Great Estates.
Dior, Yves Saint Laurent und Alexander McQueen haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam und doch bedienen sich alle drei Unternehmen der bewegten Bilder als zeitgemäßes Marketinginstrument.
Doch nicht nur die oben Genannten, sondern auch Chanel und Louis Vuitton setzen auf Videos als Markenbotschafter. Aufwendig inszenierte Kurzfilme, mit prominenter Besetzung, mal mehr, mal weniger gehaltvoll. Doch für wen machen die das? Es scheint als hätten die PR- Verantwortlichen renommierter Modehäuser das Internet als relevante Werbeplattform angenommen. Wobei die Streifen allein schon aufgrund ihrer Länge nichts mehr mit dem gewöhnlichen 30 Sekunden Spot zu tun haben. Die Filme werden zumeist auf der firmeneigenen Webseite gepostet oder als Einstimmung auf die Kollektion vor der Modenschau den geladen Gästen vorgeführt. Fast immer finden die Videos ihren Weg zu YouTube und damit auch in zahlreiche fashionblogs weltweit. Mannigfaltige Verbreitung zum Nulltarif! HYPE zeigt euch im folgenden drei aktuelle Beispiele:
Sex sells! Diese Regel ist gewiss älter als Madonna, und wurde von der Popgöttin, gleich zu Beginn ihrer Kariere und zu ihrem finanziellen Vorteil verinnerlicht.
Photo by Steven Meisel
Auch die Modebranche setzt auf nackte Tatsachen um steigende Umsätze zu generieren. Posierte Yves Saint Laurent in den 70er Jahren bereits nackt aber noch brav durch seine Brille blickend auf schwarzen Lederkissen um sein Parfum zu bewerben , hat sich die Bildsprache mittlerweile mehr in Richtung Interaktion verlagert. Die mal mehr oder wenige subtile Andeutung sexueller Handlungen ist für zahlreiche Modehäuser heutzutage Pflichtprogramm um auf ihr Produkt aufmerksam zu machen.
Tom Ford setzte bereits zu Zeiten als Gucci Creativ Director auf” JetSet Sex” und kommuniziert nun höchstpersönlich seine Lifestyle Philosophie als ein von manikürten Frauenhänden begehrter Playboy mit aufgeknöpften Hemd und behaarter Brust, um sein eigenes Label an den Mann zu bringen.
Terry Richardson for Tom Ford
Nur selten entstehen um derlei Anzeigenmotive noch Kontroversen und wenn doch, so bringen sie den Unternehmen eher kostenlose PR anstatt eines monetären Schadens. Die Provokation ist somit wohl kalkuliert. Der Unterschied liegt im Detail.
Dolce&Gabbana und D´Squared setzen ihren Anzeigen, ihren Zielgruppen und privaten Vorlieben entsprechend, auf 100% Prozent Testosteron und Homoerotik. American Apparel Gründer Dov Charney bevorzugt die frivole Schulmädchen Ästhetik und das italienische Mode Label Sisley polierte mit pikanten Werbeshots von Terry Richardson, der selbst ausschaut als sein er soeben einem 70er Jahre Porno entsprungen, sein Image auf.
Terry Richardson for Sisley
Alles geht, solange es ästhetisch ansprechend und cool daherkommt. Nur billig ist tabu!
Aktuell sorgt das Label CK by Calvin Klein mit seinem neuen Werbemotiv für die Winterkollektion 2009 für Aufregung. Zumindest in New York. Hier prangt die Aufnahme von Star Fotograf Steven Meisel unübersehbar als riesige Werbetafel hoch über der Kreuzung East Houston und Lafayette Street.
Darin räkeln sich drei Jungs und ein Mädel auf einem blassgrünen Samtsofa. Ein bisschen Haut, ein paar Designer Jeans, das war´s! Quantitativ überwiegt das männliche Geschlecht, wodurch das Bild tendenziell “gay” anmutet. Das Unternehmen kennt eben seine Klientel.
Steven Meisel, der Anfang der 90er Jahre Madonna für ihren Bildband SEX in weitaus deftigeren Posen ablichtete, ist versiert in der Inszenierung von Erotik für seine illustren Auftraggeber. Er ist zu amerikanisch und zu clever um ein Risiko einzugehen. Dennoch sorgt seine Anzeige seit Tagen für Gesprächsstoff. Das zumeist gebrauchte Argument der Motivgegner sind die Kinder. Das Problem dürfte jedoch einzig und allein bei den Erwachsenen selbst und ihrem verklemmten Umgang mit Sexualität liegen als weniger beim Nachwuchs. Schließlich gibt es nur marginal wenige Kinder unter 13, die sich für Modefotografie interessieren. Offenbar fühlen sich vorbeigehende Eltern Erklärungsnot, wo es nichts zu erklären gibt. Die Anzeige zeigt lediglich vier attraktive Menschen, “having a good time”. Andere wiederum argumentieren mit dem fehlenden Anspruch und beklagen, dass das Werbemotiv allzu offensichtlich auf unsere niederen Instinkte abzielt um einen schnellen Dollar zu machen. Dann gibt es noch die Fraktion derjenigen, die die Kampagne mit abgeklärter Langweile als “somewhat cheesy” abtun, nach dem Motto: ” Sex? Lieber hätte ich eine gute Tasse Tee”.
Es ist diese Doppelmoral der Amerikaner, die viele Europäer angesichts solcher Debatten verständnislos den Kopf schütteln lässt. Denn Konsequenzen aus ihrer Empörung zieht das Volk nicht, Calvin Klein verkauft noch immer die meisten Unterhosen im Premiumbereich in den USA. Natürlich sind die Amerikaner nicht per se gegen Sex, nur hat dieser eben ausschließlich unter der eigenen Bettdecke stattzufinden. Tür zu, Rollade runter, Licht aus! Leider fördert die amerikanische Politik diese Haltung indem sie sich in Fragen zur Sexualerziehung stets bedeckt hält und toleriert, das bestimmte Sexualpraktiken in einzelnen Bundesstatten gar unter Strafe stehen. Das führt zwangsläufig zu einem ambivalenten Körperverhältnis.
Doch gerade dieses Verbot schafft Begierde, schließlich ist nur interessant was man nicht haben kann, und damit erklärt sich warum trotz eines zur Schau gestellten Entsetzen, Sex sich in den USA besser verkauft als irgendwo sonst auf der Welt!